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Reihe II · Teil 5 von 8
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Teil 5 – Felix schreibt erneut

Ein weiterer Brief von Felix – voller Dankbarkeit und unvergesslicher Erinnerungen.

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Vorlesen

Brief von Felix an Ronaldo, Messi, Neymar und Suárez Mainz, den 01. Mai 2025 Liebster Cristiano, lieber Leo, lieber Neymar und lieber Luis, ich hoffe, euch geht es allen gut. Ich schreibe euch heute, weil ich in den letzten Tagen ganz viel nachgedacht habe. Über euch. Über uns. Und über all das, was wir schon gemeinsam erlebt haben. Ich bin so dankbar, dass ich euch kennengelernt habe. Ich weiß nicht, ob ihr euch an alles noch so gut erinnern könnt wie ich, aber ich habe versucht, alles aufzuschreiben. Es hilft mir, meine Gedanken zu ordnen, denn wie ihr wisst: Ich bin Autist, und Schreiben ist oft meine beste Sprache. Das erste große Treffen – Die 30 Tage, die mein Leben verändert haben Ich erinnere mich noch ganz genau. Ihr wart plötzlich da – einfach so, in meiner Welt. Ich hatte euch durch Zufall getroffen, aber ihr habt mich nicht weggeschickt oder komisch angeschaut. Stattdessen habt ihr mir zugehört, mir Vertrauen geschenkt und euch auf mich eingelassen. Damals habe ich euch gezeigt, wie man Pokémon Go spielt. Ihr wart am Anfang etwas verwirrt, aber ihr habt schnell verstanden, worum es geht – und dann hatten wir so viel Spaß zusammen! Wisst ihr noch, wie wir abends in der Stadt herumgelaufen sind, um ein Relaxo zu fangen? Und wie Ronaldo sich so erschreckt hat, weil plötzlich das GPS gesponnen hat? Ich habe euch auch meine alte Schule gezeigt – ein Ort, der für mich viele Erinnerungen trägt, gute und schlechte. Doch mit euch war es plötzlich ein sicherer Ort. Dann kam dieser eine Moment, wo wir diesen Mann beim Jonglieren gefilmt haben, und er uns plötzlich wütend verfolgt hat. Wir sind gerannt, ich war panisch – doch ihr wart da. Ihr habt mich beschützt. Und der vielleicht mutigste Moment in meinem Leben: Ihr habt mich überzeugt, das erste Mal die große Wasserrutsche zu benutzen. Ich hatte so große Angst. Doch ihr habt mich motiviert – sogar begleitet – und ich habe es geschafft! In den letzten Tagen vor unserer Trennung habe ich euch von den falschen Freunden erzählt, die mich ausgenutzt haben, und von dem Gericht, das mir keine Hilfe gegeben hat, obwohl das Arbeitsamt mich einfach vergessen hat. Am Ende musstet ihr leider zurück nach Manchester. Ich habe euch so vermisst. Das zweite und größte Treffen – 90 Tage voller Nähe, Hilfe und Ehrlichkeit Als ihr zurückgekommen seid, war ich überglücklich. 90 Tage – das ist eine lange Zeit. In dieser Zeit wart ihr meine treuesten Begleiter. Wir sind zusammen zu meiner Autismus-Therapie gegangen. Ihr wart dort meine Unterstützer. Leo, du hast sogar an einer Sitzung teilgenommen und mich zum Lächeln gebracht. Dann sind wir gemeinsam zur Ergotherapie gegangen, wo ich an meiner Motorik gearbeitet habe. Ihr habt nicht gelacht, als ich Probleme hatte – ihr habt geholfen. Wir waren auch oft unterwegs: an der Hochschule Mainz, beim Heimspiel von Mainz 05, und in unserer Stammkneipe, wo wir die Spiele vom HSV geschaut haben. Wir haben Mainz 05 lautstark angefeuert und gefeiert, als sie den Klassenerhalt geschafft haben. Beim HSV lief es leider nicht so gut, aber wir blieben bis zum Schluss dabei. Dann kam dieses verrückte Erlebnis: Diese Frau am Friedhof, die uns gefilmt hat, weil wir versehentlich einen Brunnen zum Überlaufen gebracht haben. Wir sind vor ihr weggerannt, haben uns in einem Hochhaus versteckt und sind später durch einen Garten geflüchtet. Ich hab mich selten so lebendig gefühlt. Aber nicht alles war schön. Ich wurde krank, hatte eine Blasenentzündung und musste einen Katheter tragen, sogar im Rollstuhl sitzen. Das war schwer für mich – körperlich und seelisch. Doch ihr habt mich gepflegt, habt mit mir gelacht, obwohl ich am Boden war.

Und ich erinnere mich an den Tag auf der Bowlingbahn, als mich diese falschen Freunde auf die Bahn geschmissen haben. Ich war so gedemütigt. Aber ihr habt eingegriffen. Ihr wart da. Immer. Das dritte Treffen – Zufällig in Barcelona Wer hätte gedacht, dass wir uns im Urlaub zufällig in Barcelona wiedersehen würden? Ich war mit meiner Familie unterwegs, und plötzlich wart ihr da. Diese 25 Tage waren wie ein Wunder. Wir haben so viel gelacht. Ihr habt mich sogar eingeladen, mit zu euch nach Hause zu kommen. Es war eine neue Welt – eure Welt. Ich habe mich willkommen gefühlt. Doch dann kam der Moment, als mein Vater nach der Handyabholung plötzlich über zwei Wochen nicht mehr mit mir gesprochen hat. Es hat mich traurig gemacht, denn ich wusste nicht, was ich falsch gemacht hatte. Ihr habt mich aufgebaut, wart da – bis mein Vater endlich wieder mit mir geredet hat. Ich danke euch dafür. Das vierte und bisher größte Treffen – Weihnachten, Karneval und ganz viel Herz Und nun unser viertes Treffen – das schönste und intensivste bisher. Wir haben zusammen Weihnachten gefeiert. Mit meiner Mutter, meiner Ersatzoma – und euch. Es gab Fisch an Heiligabend, Sauerbraten zwischen den Jahren – unsere Familientradition. Doch es war nicht alles einfach. Mein Vater redete plötzlich nicht mehr mit meiner Mutter und Ersatzoma. Und dann, kurz vor Weihnachten, habe ich zwei Biere getrunken – eins davon hatte 12%. Ich habe mich übergeben, hatte Kreislaufprobleme, fast wäre ich ins Krankenhaus gekommen. Ihr wart so besorgt – vor allem du, Ronaldo, du hast meine Mama nachts beruhigt. Wir haben den Geburtstag meiner Mutter gefeiert, und auch von meinem Cousin, den ich nicht besonders mag. Doch ihr habt mich unterstützt, ich habe es geschafft. Dann kam Rosenmontag – was für ein Tag! Bunt, laut, fröhlich – ich war mittendrin. Und Mainz 05? Auf Platz 3! Wahnsinn. Ach ja – ich habe euch noch gar nicht erzählt: Ich habe meinen VHS-Kurs geschafft! Ich bin durchgekommen, obwohl ich immer zu spät kam. Und ihr habt immer gesagt: „Du schaffst das, Felix.“ Danke. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass wir uns bald wiedersehen. Ihr seid für mich mehr als Idole. Ihr seid meine Freunde, meine Familie geworden. In Liebe und Dankbarkeit Euer Felix Eine Woche später – Die Antwort Briefumschlag aus Spanien, geöffnet von Felix mit zitternden Händen. Barcelona, den 08. Mai 2025 Lieber Felix, wir haben deinen Brief gelesen. Alle vier. Mehrmals. Wir waren berührt, gerührt, und ja – wir haben sogar ein paar Tränen vergossen. Du hast ein unglaubliches Herz, und wir sind so stolz, dass wir ein Teil deines Lebens sein durften und dürfen. Was du erlebt hast, Felix, zeigt Mut, Stärke und Ehrlichkeit. Du hast uns gezeigt, wie man fühlt – wirklich fühlt. Du hast uns Pokémon beigebracht, das Leben erklärt, uns in deine Welt gelassen. Wir werden dich nie vergessen. Und: Wir kommen zurück. Spätestens zum nächsten Heimspiel von Mainz 05 – aber vielleicht sogar früher. Danke für dein Vertrauen. Danke für deine Freundschaft.

Mit all unserer Cristiano, Leo, Neymar & Luis

Fortsetzung der Geschichte – Felix’ zweiter Brief an die Fußballstars Mainz, den 10. Mai 2025 Liebster Cristiano, lieber Leo, lieber Neymar und lieber Luis, ich hoffe, euch geht es weiterhin gut – dort, wo ihr gerade seid. Ich wollte euch eigentlich nicht gleich wieder schreiben, weil ich dachte, ihr habt bestimmt so viel zu tun... aber ich muss einfach meine Gedanken loswerden. Es ist wieder so viel passiert in meinem Leben – seit unserem letzten Treffen, seit dem 24. März. Es fühlt sich an, als wäre ein ganzes Jahr vergangen, dabei waren es gerade mal ein paar Wochen. Spaziergänge mit der neuen Assistentin Zuerst wollte ich euch erzählen, dass ich mit meiner neuen Assistentin ein paar schöne Spaziergänge gemacht habe. Sie ist nett – ein bisschen zurückhaltend, aber sie hört mir zu. Wir waren zusammen am Rhein, haben Enten beobachtet und sogar eine Katze gesehen, die auf einem Ast lag wie ein König. Ich habe mich dabei ruhig gefühlt. Vielleicht, weil ihr mich gelehrt habt, wie wichtig echte Nähe ist. Ich habe sie ein bisschen von euch erzählt – nicht alles, aber genug, um zu zeigen, wie besonders ihr für mich seid. Ein Familienfreund im Krankenhaus Dann ist etwas passiert, das mir sehr nahe gegangen ist. Ein Freund der Familie, den ich schon seit meiner Kindheit kenne, musste ins Krankenhaus. Er hatte eine starke Entzündung im Hals, glaube ich – so schlimm, dass er drei Wochen lang nichts essen und trinken konnte. Ich konnte ihn nicht besuchen, aber ich habe jeden Tag an ihn gedacht. Mama hat gesagt, es war knapp, aber jetzt ist er auf dem Weg der Besserung. Trotzdem hat es mir wieder gezeigt, wie zerbrechlich das Leben ist. Mein Handy ist kaputtgegangen... und meine Erinnerungen auch Dann ist das passiert, wovor ich am meisten Angst habe: Mein Handy ist kaputtgegangen. Es ging einfach aus – und ließ sich nicht mehr einschalten. Ich dachte, ich hätte alles verloren – die Fotos von uns, unsere Videos, die Notizen, die Sprachnachrichten... alles. Ich war so aufgeregt, dass ich meine Mutter angeschrien habe. Am Telefon. Ich war nicht mehr ich selbst – ich habe gezittert, geweint, geschrien. Es war, als hätte man mir meine ganze Vergangenheit genommen. Sie hat mich dann beruhigt. Aber ich hatte Schuldgefühle. Große. Ein Missverständnis mit meiner Mutter und McDonald’s Ein paar Tage später war wieder so ein Moment, wo ich mich selbst nicht mehr verstanden habe. Ich war mit meiner Mutter bei McDonald’s. Ich hatte mich auf das Essen gefreut, doch es war kalt. Ich habe versucht, ruhig zu bleiben. Doch als sie sich weigerten, mir ein neues zu machen, bin ich wieder ausgerastet – diesmal leider wieder gegen meine Mutter. Ich habe ihr Vorwürfe gemacht, sie angeschrien, obwohl sie nichts dafür konnte. Ich schäme mich dafür. Ich weiß, es war nicht richtig, aber in diesen Momenten verliere ich die Kontrolle – und ich hasse mich danach selbst dafür. Die Krebsdiagnose meiner Tante Dann kam der schlimmste Schlag. Meine Tante – die Schwester meiner Mutter – hat Krebs. In der Blase. Ich weiß nicht viel, weil die Erwachsenen nicht alles erzählen, aber ich habe das Wort aufgeschnappt. Und ich habe in ihren Augen die Angst gesehen. Und in Mamas Stimme

die Tränen gehört, auch wenn sie nicht geweint hat. Ich weiß nicht, was das bedeutet für die Zukunft. Aber ich habe Angst. Sehr. Noch mehr schlechte Nachrichten? Ich habe das Gefühl, dass die Welt gerade voll ist mit schlechten Nachrichten. Vielleicht gibt es noch viel mehr, was ich gar nicht weiß. Und ich habe mich gefragt... ob ihr überhaupt noch wissen wollt, wie es mir geht. Ob es euch vielleicht zu viel ist. Ich meine – ich bin oft laut, oft kompliziert, und mein Leben ist wie ein Wirbelsturm. Vielleicht denkt ihr jetzt: „Der Felix, der ist zu viel.“ Ich weiß nicht. Vielleicht hört ihr gar nicht mehr von mir. Aber ich wollte es euch einfach sagen – weil ihr mir wichtig seid. Danke, dass ihr da wart. Vielleicht war das ja unser letzter Briefwechsel. Ich würde es verstehen. Euer Felix Antwort 2 Tage später – mit einem bekannten Siegel Ein goldener Briefumschlag. Handschriftlich beschriftet. Absender: C.R., Barcelona. Felix’ Herz klopfte, seine Hände zitterten. Er riss den Umschlag vorsichtig auf. Barcelona, den 12. Mai 2025 Lieber Felix, wir haben deinen zweiten Brief gelesen. Und weißt du was? Wir haben uns noch nie so sehr über einen Brief gefreut – und gleichzeitig so viele Emotionen gespürt. Du musst niemals denken, dass du „zu viel“ bist. Du bist genau richtig, wie du bist. Dein Chaos, dein Schmerz, deine Art zu fühlen – sie machen dich zu einem der ehrlichsten Menschen, die wir je kennengelernt haben. Cristiano sagte gleich: „Ich will ihn in den Arm nehmen.“ Messi meinte: „Er ist mutiger als die meisten Profis, die ich kenne.“ Neymar schrieb dir sogar ein kleines Lied. Und Suárez? Der sagte: „Wenn ich könnte, würde ich ihm jetzt ein warmes Essen bringen – kein kaltes McDonald’s!“ Du bist nicht allein, Felix. Nicht jetzt, nicht morgen, nicht danach. Wir sind vielleicht nicht jeden Tag bei dir, aber wir denken an dich. Und wir werden wiederkommen – weil du ein Teil von uns bist. Unsere Familie. Und was deine Erinnerungen auf dem Handy betrifft: Vielleicht sind die Daten weg. Aber wir erinnern uns. Wir alle. Und das ist vielleicht noch viel wichtiger. Wir schreiben dir bald wieder. Mit Brüderlichkeit, Stolz und Zuneigung Cristiano, Leo, Neymar & Luis Fortsetzung der Geschichte – Felix’ dritter Brief an Ronaldo, Messi, Neymar und Suárez Mainz, den 13. Mai 2025 Meine vier Freunde – Cristiano, Leo, Neymar und Luis, danke… danke, dass ihr mir geantwortet habt. Ich habe den Brief gelesen und geweint. Nicht aus Traurigkeit – sondern weil ich mich verstanden und angenommen gefühlt habe. Eure Worte waren wie eine warme Decke an einem kalten Tag. Ich hätte nie gedacht, dass ihr euch wirklich meldet. Und dann habt ihr genau die richtigen Dinge gesagt.

Ich möchte euch nochmal schreiben. Nicht, weil ich unbedingt eine Antwort brauche – sondern weil ich glaube, dass ich euch alles erzählen kann. Und diesmal ist es nicht nur schwer, sondern auch ein bisschen Sport dabei. Ja, genau: Mainz 05! Ich muss euch davon erzählen. Vom Höhenflug zum harten Boden – und trotzdem stolz Als ihr das letzte Mal hier wart – das war rund um Weihnachten und Rosenmontag – da stand Mainz auf Platz 3 der Bundesliga. Ich konnte es kaum glauben. Ich habe euch noch gesagt, dass ich das Gefühl habe, wir spielen dieses Jahr europäisch! Hier nochmal, wie es damals aussah: Bundesliga, nach dem 26. Spieltag: 3. Platz – 1. FSV Mainz 05 Spiele: 26 | Siege: 13 | Unentschieden: 6 | Niederlagen: 7 Tore: 44:28 | Differenz: +16 | Punkte: 45 Und dann… ist irgendetwas passiert. Ich kann’s gar nicht richtig erklären. Vielleicht war es der Druck? Vielleicht Verletzungen? Vielleicht einfach Pech? Jedenfalls haben wir in den letzten sechs Spielen nicht das geschafft, was ich so sehr gehofft hatte. Mainz ist abgerutscht – von Platz 3 auf Platz 7. Bundesliga, nach dem 32. Spieltag: 7. Platz – 1. FSV Mainz 05 Spiele: 32 | Siege: 13 | Unentschieden: 9 | Niederlagen: 10 Tore: 49:40 | Differenz: +9 | Punkte: 48 Und wisst ihr, was das bedeutet? Wir wären aktuell nicht in Europa dabei. Aber: Noch zwei Spieltage sind übrig. Und ich glaube immer noch, dass wir es irgendwie schaffen können. Vielleicht rutschen wir auf Platz 6 oder 5. Vielleicht durch den DFB-Pokal. Ich glaube an Mainz. Und ihr habt mir beigebracht: Wer glaubt, der darf hoffen. Trotzdem viel Kummer Und auch wenn Mainz nicht mehr auf Platz 3 steht – mein Leben war auch nicht gerade auf dem ersten Platz in den letzten Wochen. Aber ich habe das Gefühl, dass ich euch das nicht verheimlichen will. Es wäre falsch, euch nur von Siegen zu erzählen. Ich will ehrlich sein – wie immer. Ich versuche, besser mit meiner Mutter umzugehen. Ich weiß, dass ich manchmal unfair war – mit dem Handy, mit dem Essen, mit dem Schreien. Aber ich arbeite an mir. Manchmal denke ich an eure Ruhe – besonders Leo, du hattest immer diesen klaren Blick. Ich frage mich oft: „Was würde Leo jetzt tun?“ Und dann versuche ich, es besser zu machen. Meine Tante bekommt jetzt eine spezielle Therapie. Ich weiß nicht, wie es ausgeht – aber ich bin für sie da. Genau wie ihr für mich da wart. Was als Nächstes passiert Ich habe beschlossen, wieder mehr rauszugehen. Pokémon Go hilft mir. Spazierengehen. Reden. Atmen. Ich werde auch wieder zu einem Heimspiel gehen – und ich werde ganz laut für Mainz singen. Vielleicht hilft’s ja. Vielleicht hört ihr es sogar. Und dann… vielleicht… sehen wir uns ja wieder. Ich würde euch gerne nochmal sehen. Auch wenn’s nur für einen Tag ist. Vielleicht zur neuen Saison. Vielleicht auch einfach so. Ich hab euch lieb. Das wollte ich nochmal sagen. Euer Freund – immer Felix Antwort am 14. Mai 2025 – kurz und direkt, aber voller Herz

Am nächsten Tag lag ein Brief im Briefkasten. Es war ein einfacher weißer Umschlag – aber Felix erkannte die Handschrift sofort. Madrid, den 14. Mai 2025 Felix, du bist für uns nicht der Junge aus Mainz. Du bist unser Bruder. Wir haben deinen Brief gelesen – und du hast recht: Verlieren ist Teil des Lebens. Aber aufgeben ist keine Option. Mainz 05 hat uns begeistert – aber du noch mehr. Egal, wie das mit Europa ausgeht: Du bist unser Kapitän. Und ja: Wir kommen wieder. Versprochen. Zum letzten Heimspiel der Saison. Heimlich. Still. Für dich. Sag niemandem was. Nur Mama darf’s wissen. Mit Stolz, Cristiano, Leo, Ney & Lucho Fortsetzung der Geschichte – Der 14. Mai 2025: Ein Abend, den Felix nie vergessen wird Mainz, 14. Mai 2025 – 17:45 Uhr Der Tag hatte ruhig begonnen. Felix hatte ein bisschen Pokémon Go gespielt, war mit seiner Assistentin durch das Feld spaziert, hatte sich an einem Baum ausgeruht. Das Wetter war angenehm – nicht zu warm, nicht zu kalt. Und doch spürte er, dass etwas anders war. Dieses Kribbeln im Bauch, diese nervöse Spannung, die er nur kannte, wenn etwas Besonderes bevorstand. Um 17:45 Uhr saß er gerade in der Küche und schälte Kartoffeln, als es zum ersten Mal klingelte. Der Ton war klar, kurz – wie immer. Er legte das Messer weg, wischte sich die Hände ab, ging zur Tür. Er öffnete. Niemand da. Nur ein kleiner, zusammengefalteter Zettel lag auf der Fußmatte. „Bleib wach. Es wird ein langer Abend. – Deine Freunde** Felix starrte den Zettel an. Sein Herz raste. 19:10 Uhr – Zweites Klingeln Die Minuten vergingen. Felix saß nun auf dem Sofa. Er hatte sein Mainz-05-Trikot angezogen – es gab ja keinen besseren Grund. Neben sich hatte er die Briefe der Spieler hingelegt, als wäre das alles ein Schutzkreis aus Papier. Dann: Ding-Dong. Wieder die Tür. Wieder dieses Kribbeln. Diesmal eilte er hin – aber wieder war niemand da. Doch diesmal stand vor der Tür ein kleiner roter Fußball. Einer dieser klassischen Straßenbälle, die man in Kindertagen benutzt hatte. In dicker, schwarzer Schrift stand darauf: „Du hast uns gezeigt, wie man spielt. Jetzt zeigen wir dir, wie man bleibt.“ Felix grinste. „Sie kommen wirklich.“ 21:40 Uhr – Drittes Klingeln Es war bereits dunkel. Die Straßenlaternen warfen ihr orangefarbenes Licht auf den Gehweg vor dem Haus. Felix hatte inzwischen dreimal das Fenster geöffnet, das Licht kontrolliert, seiner Mutter gesagt, dass „er Besuch erwartet“. Sie hatte nur gelächelt. „Ich weiß.“ Dann kam das dritte Klingeln. Länger. Tiefer. Fast wie ein Türklopfen, obwohl es der gleiche Klingelton war. Felix öffnete – und diesmal war jemand da. Luis Suárez.

In Jogginghose, Kapuzenpulli, Sonnenbrille. Er grinste wie ein Junge, der heimlich ein Eis geklaut hatte. „Surprise“, sagte er. „Ich bin ein bisschen zu früh. Die anderen brauchen noch.“ Felix konnte kaum atmen. Er brachte nur ein: „Wirklich…?“ hervor. Luis umarmte ihn. „Nur für eine Zeit. Aber dafür für dich.“ 00:10 Uhr – Viertes Klingeln Felix und Luis hatten gerade zusammen Tee getrunken. Sie sprachen über alles Mögliche – von Uruguays Essen über Pokalspiele bis zu Felix' VHS-Kurs. Luis hörte wirklich zu. Dann kam das vierte Klingeln. Felix stand sofort auf – er wusste jetzt: Das war der Moment. Als er die Tür öffnete, standen Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Neymar dort. Unauffällig gekleidet, aber ihr Lächeln war unverkennbar. „Du hast geschrieben, du bist vielleicht zu viel“, sagte Cristiano. „Aber für uns bist du gerade richtig“, sagte Leo. „Und wir bleiben. So lange du uns brauchst“, fügte Neymar hinzu. Felix spürte, wie seine Augen feucht wurden. Er ließ die Tür weit offen stehen. Und seine Mutter kam lächelnd aus dem Flur, nickte den vier Männern zu, als hätte sie genau gewusst, dass dieser Moment kommen würde. „Das Gästezimmer ist vorbereitet“, sagte sie nur. Ein Abend ohne Ende An diesem Abend saßen sie zu fünft im Wohnzimmer. Felix, Lionel, Cristiano, Neymar und Luis. Keine Kameras, kein Fußball, keine Zuschauer. Nur echte Gespräche, echte Blicke, echte Nähe. Sie wussten nicht, wie lange sie bleiben würden. Vielleicht ein paar Tage. Vielleicht zwei Wochen. Vielleicht… länger. Es war unbestimmt. Aber das war okay. Denn Felix hatte gelernt, dass nicht alles im Leben planbar ist. Manchmal klingelt es einfach viermal – und alles verändert sich. Fortsetzung der Geschichte – Der späte Abend des 14. Mai 2025 Mainz, 14. Mai 2025 – 00:30 Uhr Das Wohnzimmer war warm erleuchtet, gedämpftes Licht, kein Fernseher, keine Musik. Nur das Ticken der Wanduhr und das leise Knistern der dampfenden Teekanne auf dem Tisch erfüllten den Raum mit sanfter Ruhe. Felix saß in der Mitte des Sofas, zu seiner Rechten Luis Suárez, zu seiner Linken Neymar. Auf den Sesseln saßen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, beide leger, die Beine locker überschlagen, die Körperhaltung entspannt. Der Abend hatte sich zu einem stillen Wunder entwickelt. Ein Moment, den man nicht plant – der einfach passiert. Ein letztes Gespräch vor dem Schlaf „Weißt du, Felix“, begann Lionel Messi, während er an seiner Tasse nippte, „du bist wahrscheinlich der ehrlichste Mensch, den ich je getroffen habe. Viele sagen, sie wären authentisch, aber du... du bist es wirklich.“ Felix lächelte schüchtern. Er wurde rot. „Ich bin nur ich... Ich kann gar nicht anders.“ Neymar lehnte sich zurück und grinste: „Und das ist das Beste an dir. Ich wünschte, mehr Menschen wären wie du. Ehrlich, offen, mutig. Du hast in deinen Briefen mehr über das Leben gesagt als mancher Philosoph.“ Felix zuckte mit den Schultern. „Ich hab einfach geschrieben, was ich gefühlt hab.“

Cristiano Ronaldo nickte ernst. „Und genau deswegen bist du unser Freund. Nicht weil du nett zu uns bist oder weil du uns bewunderst – sondern weil du uns teilhaben lässt. Das ist das, was Menschen verbindet.“ Luis Suárez klopfte Felix auf den Rücken. „Und du hast besseren Tee als Neymar!“, lachte er, woraufhin alle anderen in Lachen ausbrachen. Ein Moment der Stille Nach dem Lachen wurde es kurz still. Alle spürten es. Diese seltene, tiefe Ruhe, die nur entsteht, wenn man sich sicher fühlt. Keine Masken. Kein Druck. Nur Sein. Felix flüsterte: „Ich hatte Angst, dass ihr mich vergesst...“ Cristiano stellte seine Tasse ab und sah ihn direkt an: „Wir vergessen dich nie, Felix. Egal, wo wir sind.“ Leo legte seine Hand kurz auf Felix' Schulter. „Versprochen.“ Schlafenszeit 1:10 Uhr. Felix gähnte – heimlich, aber nicht unbemerkt. „Komm, Bruder“, sagte Neymar mit einem Zwinkern, „wir gehen alle schlafen. Morgen ist ein neuer Tag – und wer weiß, was wir erleben.“ Felix stand auf, ein bisschen zögerlich, denn er wollte diesen Moment nicht verlieren. Aber er wusste: Es war Zeit. Die Müdigkeit kroch langsam durch seinen Körper, und sein Herz war voll. Seine Mutter kam nochmal herein, reichte allen frische Handtücher und flüsterte: „Oben sind die Zimmer. Zwei Betten pro Zimmer. Felix schläft wie immer in seinem.“ „Ich nehme das Bett neben ihm!“, sagte Luis grinsend. „Dann bleib ich bei Neymar“, meinte Leo. Cristiano zwinkerte: „Ich schnarche eh. Ich nehm das Einzelzimmer.“ Sie gingen gemeinsam die Treppe hoch. Keine Eile. Keine Worte mehr nötig. Felix im Bett Im Dunkeln, unter seiner Decke, lag Felix wach. Luis schnaufte ruhig im Nebenzimmer. Alles war still. Und doch fühlte sich das Haus voller Leben an. Er sah an die Decke und flüsterte: „Danke, dass ihr da seid.“ Dann schloss er die Augen – und schlief mit einem leisen Lächeln ein. Fortsetzung der Geschichte – Der 15. Mai 2025: Der erste richtige Tag beginnt Mainz, Donnerstag, 15. Mai 2025 – 07:42 Uhr Ein Sonnenstrahl bahnte sich durch den leichten Spalt zwischen den Vorhängen. Er fiel direkt auf Felix’ Gesicht, der sich noch halb unter seiner Decke vergraben hatte. Für einen kurzen Moment dachte er, der gestrige Abend sei ein Traum gewesen. Ein schöner, zu schöner Traum. Doch dann hörte er etwas: Ein leises Poltern aus der Küche. Stimmen. Ein Kichern – eindeutig Neymars. Und dann der dumpfe Klang, als jemand ein Ei auf der Tischkante aufschlug. Felix setzte sich auf. Er sah sich um. Neben ihm: das zweite Bett – leer. Luis Suárez war schon aufgestanden. Er sprang auf, zog sich schnell seine Jogginghose und ein T-Shirt über, ging vorsichtig barfuß zur Treppe. Noch bevor er unten war, hörte er Cristiano sagen: „Felix schläft bestimmt noch. Wir sollten leise sein.“ – „Zu spät“, rief Neymar. „Ich hab den Mixer aus Versehen auf Turbo gestellt!“ – „Und das Ei war roh, Ronaldo“, fügte Luis lachend hinzu.

Ein Frühstück, das es so noch nie gab Als Felix in die Küche kam, sah er ein Bild, das er sich nie hätte vorstellen können: Cristiano Ronaldo stand am Herd und rührte in einer Pfanne mit Rührei. Messi schnitt konzentriert Paprika und Tomaten klein. Neymar hatte eine riesige Schüssel Müsli zusammengemischt und testete gerade, wie viel Honig zu viel war. Luis Suárez schmierte dick Nutella auf Brötchenhälften – und einen davon hatte er schon halb im Mund. „Guten Morgen, Felix!“, riefen alle gleichzeitig. Felix grinste über beide Ohren. „Ihr seid verrückt… im besten Sinne.“ Der Küchentisch – ein Ort voller Leben Sie saßen gemeinsam am großen Holztisch in der Wohnküche. Felix saß auf seinem Stammplatz, rechts neben ihm Luis, gegenüber Messi und Neymar, und am Kopfende Cristiano. Es war keine nobel gedeckte Frühstückstafel – eher ein kreatives Chaos. Ein Blick auf den Tisch zeigte: • Frische Brötchen vom Bäcker (Felix’ Mama war heimlich früh aufgestanden) • Zwei Pfannen mit Rührei, eins mit Speck, eins ohne • Frisch geschnittenes Gemüse • Orangensaft, Apfelsaft und eine halb aufgetaute Smoothie-Mischung, die Neymar „Vitaminbombe“ nannte • Drei Sorten Müsli – eins davon mit Marshmallows (Felix' Lieblingsmischung) • Eine große Schale geschnittenes Obst mit Wassermelone, Mango, Trauben und Apfel Felix fühlte sich wie in einer anderen Welt. Und doch war es sein Zuhause. Gespräche voller Wärme Zwischen den Bissen und dem Lachen wurden erste Pläne geschmiedet. „Was wollen wir heute machen?“, fragte Neymar, der mit dem Kaffeelöffel in der Hand wippte. Felix überlegte. „Ich weiß nicht… Ich hab keine Schule, keinen Kurs… Wir könnten einen Spaziergang machen? Oder… in die Stadt? Oder ins Stadion?“ Cristiano lächelte: „Was immer du willst. Heute bist du der Trainer.“ Luis hob den Finger: „Aber ich will kein Lauftraining!“ Messi lachte. „Ich will nur kein Yoga. Letztes Mal bin ich eingeschlafen.“ Felix sah sie an – diese vier Weltstars, die sich in seinem kleinen Alltag bewegten wie alte Freunde. Und plötzlich spürte er: Das war echt. Das war hier. Das war jetzt. Nach dem Frühstück Gemeinsam räumten sie den Tisch ab. Ronaldo trug das Tablett, Messi sortierte das Besteck, Neymar und Luis versuchten sich gegenseitig mit Spülschaum zu bewerfen, woraufhin Felix sie lachend zur Ordnung rief. „Wenn Mama das sieht…!“, rief er. „Dann laden wir sie zum Frühstück ein!“, sagte Neymar und grinste mit Schaum in den Haaren. Ein neuer Tag beginnt Gegen 09:30 Uhr standen sie vor dem Haus. Die Sonne war mittlerweile warm aufgestiegen, Vögel zwitscherten, und in der Ferne war das Stadion von Mainz 05 zu erahnen. Felix atmete tief ein. „Ich weiß nicht, was wir heute machen… Aber ich weiß, es wird ein guter Tag.“ Cristiano klopfte ihm auf die Schulter. „Weißt du warum?“

Felix schüttelte den Kopf. „Weil wir ihn mit dir verbringen.“ Fortsetzung der Geschichte – Der 15. Mai 2025, Mittag Mainz, 15. Mai 2025 – 12:24 Uhr Die Sonne stand inzwischen hoch am Himmel. Es war einer dieser klaren Frühlingstage, an denen die Wärme sanft durch die Fenster drang, ohne zu drängen. Felix und die vier Spieler hatten den Vormittag mit einem Spaziergang durch die Nachbarschaft verbracht – sie hatten ein paar Fotos gemacht, über das Leben und dumme Kindheitserinnerungen gelacht, Pokémon Go gespielt und sogar einem kleinen Jungen auf dem Spielplatz ein Autogramm auf seinen Fußball gegeben. Zurück im Haus hatte Felix gerade begonnen, mit Neymar zusammen Gemüse zu schneiden. Es sollte Spaghetti mit Gemüsesoße geben – Luis hatte darauf bestanden, obwohl Ronaldo skeptisch gefragt hatte, ob „Kohlenhydrate am Mittag wirklich sein müssen“. Messi war derweil in die Zeitung vertieft, saß barfuß auf dem Sofa und las leise vor sich hin. Da klingelte es. Kein schüchternes Klingeln, kein kurzer Druck – sondern das sichere, vertraute Klingeln von jemandem, der den Ort gut kennt. Felix runzelte die Stirn. „Komisch... wir erwarten doch keinen Besuch.“ Er ging zur Tür, gefolgt von Luis. Als er öffnete, stand seine Mutter vor der Tür. Neben ihr: seine Tante, die Schwester seiner Mutter. Die Frau, von der er wusste, dass sie aktuell gegen Blasenkrebs kämpfte. Eine Begegnung voller Überraschung Felix’ Augen weiteten sich. „Mama? Tante Caro? Was macht ihr denn hier?“ Seine Mutter lächelte sanft, doch in ihren Augen lag eine gewisse Müdigkeit. „Wir waren beim Arzt... und wir wollten dich danach kurz sehen. Es war ein langer Tag.“ Felix’ Tante Caro trat einen Schritt nach vorne. Ihr Gesicht war blass, aber ihr Lächeln tapfer. „Ich wollte mal sehen, ob du wirklich vier Weltstars im Wohnzimmer versteckst oder ob das alles nur Spinnerei war.“ Im Flur hinter Felix erschienen nacheinander Neymar, Ronaldo, Messi und Luis – alle ein wenig verdutzt, aber herzlich. Neymar war der Erste, der höflich die Hand reichte: „Schön, Sie kennenzulernen.“ Seine Tante Caro kicherte trocken: „Na wenn ich das meinem Urologen erzähle...“ Im Wohnzimmer – Die Wahrheit hinter dem Lächeln Sie saßen alle gemeinsam im Wohnzimmer, rund um den großen Holztisch. Die Pasta köchelte auf dem Herd, aber das Essen war plötzlich nicht mehr so wichtig. Seine Mutter räusperte sich. „Felix, Caro hat heute neue Untersuchungsergebnisse bekommen. Wir dachten, es wäre gut, wenn du es zuerst erfährst, bevor es jemand anderes erzählt.“ Felix spürte, wie sich etwas in seinem Bauch zusammenzog. Er sah seine Tante an, die langsam nickte. „Der Krebs ist da... das wusstest du ja. Aber heute haben sie noch etwas gefunden. Eine Zyste in der rechten Niere. Noch klein. Vielleicht harmlos. Vielleicht nicht. Man weiß es nicht genau.“ Felix starrte auf den Tisch. Alles um ihn herum wurde kurz taub. Dann spürte er eine warme Hand auf seinem Rücken – es war Messi, der kein Wort sagte, nur da war. „Was heißt das jetzt?“, flüsterte Felix. Seine Tante atmete tief durch. „Noch mehr Untersuchungen. Noch mehr Wartezeit. Vielleicht eine OP. Vielleicht nichts. Vielleicht etwas.“ Cristiano lehnte sich vor. „Und wie geht’s dir dabei? Jetzt gerade?“

Caro sah ihn an, überrascht, dass jemand wie er so direkt, aber nicht aufdringlich fragte. „Ich hab Angst. Aber... ich hab keine Lust, mein Leben nur im Wartezimmer zu verbringen. Deshalb bin ich heute hergekommen. Weil ich sehen wollte, was mein Neffe so treibt.“ Felix senkte den Kopf. „Ich... ich will nicht, dass du krank bist. Ich will einfach nur, dass es besser wird. Immer.“ Seine Tante stand auf, ging zu ihm und umarmte ihn. „Ich weiß. Und das reicht schon.“ Ein stiller Moment – und die Pasta duftet In der Küche begann es zu brodeln. Neymar sprang auf: „Das Gemüse verbrennt! Luis, hilf mir!“ Ronaldo schüttelte den Kopf und ging nach, Messi stand langsam auf und folgte ruhig. Die Mutter von Felix blieb kurz zurück, legte die Hand auf Felix’ Schulter. „Du bist stark“, sagte sie. „Und heute Abend essen wir alle zusammen. Mit Caro. Als Familie.“ Felix nickte. Er fühlte sich schwer – aber nicht allein. Inmitten all der Fragen war Halt. Und Hoffnung. Fortsetzung der Geschichte – Der Abend des 15. Mai 2025 Mainz, 15. Mai 2025 – 18:56 Uhr Der Esstisch war gedeckt. Die letzten Sonnenstrahlen schienen golden durch die großen Fenster und warfen warme Lichtflecken auf die Teller. In der Mitte des Tisches stand eine dampfende Schüssel mit Spaghetti, dazu zwei Soßen: eine mit viel Gemüse und frischen Kräutern, die Neymar voller Stolz gekocht hatte, und eine zweite, cremige mit Tomaten und Käse, die überraschend von Messi abgeschmeckt worden war. Luis hatte die Baguette-Scheiben mit Knoblauchbutter bestrichen, und Ronaldo – ganz pragmatisch – hatte für alle stilles Wasser mit Zitronenscheiben vorbereitet. Felix saß mit geradem Rücken auf seinem Stuhl, neben ihm seine Tante Caro, die sich überraschend kräftig hielt – als wolle sie beweisen, dass Krankheit nicht immer nur Schwäche bedeuten muss. Gegenüber saßen seine Mutter, Cristiano, Messi, Neymar und Luis. Es war laut, lebendig, durcheinander – und trotzdem harmonisch. Immer wieder blitzten Witze durch den Raum, es wurde gelacht, und selbst Caro lachte bei einem Spruch von Luis so sehr, dass sie sich den Bauch hielt. Ein Abend voller Wärme Nach dem Essen blieben alle noch lange sitzen. Sie tranken Tee, aßen etwas Melone und ein Stück Streuselkuchen, den Felix’ Mutter am Vormittag gebacken hatte – „für alle Fälle“, wie sie gesagt hatte. Die Gespräche wurden ruhiger. Caro erzählte von der Klinik, von den vielen Fluren, dem ewigen Warten, und davon, dass sie jetzt beschlossen hatte, sich nicht mehr von der Angst fressen zu lassen. Felix hörte aufmerksam zu. Er sagte nicht viel – aber seine Augen verrieten, dass jedes Wort in ihm arbeitete. Gegen 21:00 Uhr sagte Caro: „Ich bleib heute Nacht hier, wenn’s recht ist. Ich fühl mich… sicher bei euch.“ Felix’ Mutter nickte sofort. „Natürlich. Das Gästezimmer ist sowieso vorbereitet.“ „Oder du nimmst Neymars Bett, der schläft sicher wieder auf dem Sofa“, scherzte Luis. „Niemals!“, rief Neymar und grinste, „ich brauch meine Matratze – ich bin sensibel!“ Lachen. Wärme. Für einen Moment war Krankheit weit weg. Die Nachricht, die alles ändert Es war kurz nach 22:30 Uhr. Felix saß auf dem Sofa, neben ihm Cristiano. Die anderen waren im Bad oder schon auf dem Weg ins Bett. Felix hatte das Handy in der Hand – sein neues, das

gerade erst ein paar Tage alt war. Er überlegte, noch ein paar Pokémon zu verschicken, doch dann vibrierte es. Eine Nachricht. Von seiner Mutter. „Felix, ich wollte dir das erst morgen sagen – aber ich glaube, du solltest es wissen: Herr Menzel ist wieder im Krankenhaus. Heute Nachmittag. Wegen eines Schocks. Er war plötzlich verwirrt und ist gestürzt.“ Felix starrte auf den Bildschirm. Herr Menzel. Der alte Freund der Familie. Der, der vor Wochen wegen einer Entzündung fast nichts essen konnte. Der, den Felix fast täglich in Gedanken besucht hatte. Der, von dem man dachte, es gehe langsam wieder bergauf. Felix spürte, wie sich seine Brust zusammenzog. Wie das vertraute Kribbeln der Überforderung kam. Er hielt die Luft an. Cristiano bemerkte es sofort. „Felix? Was ist?“ Felix zeigte ihm das Handy. Kein Wort. Cristiano las. Dann legte er das Handy sanft zur Seite. „Komm. Setz dich gerade. Atme.“ Felix tat es. Zögerlich. Schwer. „Ich dachte, es wird besser. Es sollte besser werden…“ Cristiano legte ihm die Hand auf die Schulter. „Manchmal kommt das Leben zurück, bevor es ganz weg war. Aber das heißt nicht, dass es vorbei ist.“ „Ich will nicht, dass er stirbt…“, flüsterte Felix. „Dann denken wir heute Nacht besonders an ihn“, sagte Cristiano ruhig. „Und morgen... kannst du ihn besuchen. Oder ihm schreiben. Oder einfach nur an ihn glauben.“ Felix nickte langsam. Dann stand er auf, ging in sein Zimmer, legte sich ins Bett. Doch statt direkt zu schlafen, holte er ein Notizbuch aus der Schublade. Er schrieb: „Lieber Herr Menzel, bitte bleib bei uns. Ich glaube an dich. Wir alle. Auch Ronaldo.“ Dann schloss er das Buch, legte es neben das Kopfkissen – und schlief ein. Nicht leicht. Aber mit einem Funken Hoffnung im Herzen. Freitag, 16. Mai 2025 – Der letzte Leberkäse und ein Wunsch Der Morgen begann ruhig. Die Sonne war hinter einer dünnen Wolkendecke verschwunden, und es war merklich kühler als am Tag zuvor. Felix war früh wach. Noch bevor jemand anderes aufgestanden war, hatte er sich in die Küche geschlichen, die Mikrowelle eingeschaltet und sich den letzten seiner heiß geliebten Leberkäsescheiben warm gemacht. Zwei Scheiben auf ein Brötchen, etwas Senf – sein perfektes Frühstück. Er setzte sich an den Küchentisch, ganz allein, und genoss jeden Bissen. Es war für ihn mehr als nur Essen. Es war Erinnerung, Ritual, Vertrautheit. Als er den letzten Bissen kaute, seufzte er zufrieden – aber auch ein wenig wehmütig. „Der Letzte“, murmelte er. „Ich muss neuen bestellen.“ Kaum war der Teller in der Spülmaschine, holte er sein Handy hervor und öffnete die BestellApp seines Stammmetzgers. Er tippte ruhig und gezielt: „6 Scheiben Leberkäse, grob. 4 Brötchen. 2x Hausmacher Senf.“ Lieferung: Samstagvormittag. Als er „Bestellen“ drückte, hörte er hinter sich eine Stimme: „Ich hätte auch gerne so ein Brötchen.“ Es war Luis, der sich verschlafen an den Türrahmen lehnte, mit zerzausten Haaren und einem übergroßen Schlafshirt, das vermutlich Felix’ Vater gehörte. Felix lachte leise. „Dann musst du Samstag früh aufstehen.“ Kurze Zeit später saßen alle gemeinsam beim Frühstück. Auch seine Tante Caro war noch da – sie wirkte etwas müder als gestern, doch ihr Humor war ungebrochen. Während Neymar über den Unterschied zwischen deutschem und brasilianischem Brot philosophierte, erinnerte sich Felix plötzlich an etwas Wichtiges.

Er legte sein Brötchen zur Seite und sagte: „Ich möchte heute mit euch – also, mit Mama, Caro und euch vieren – ins Krankenhaus fahren. Zu Herrn Menzel. Dem Familienfreund, von dem ich euch erzählt habe.“ Die Spieler wurden ernst. „Aber… ist er schon wach?“, fragte Messi. Felix nickte, stand auf und ging ins Wohnzimmer, wo das Telefon stand. Er wählte die Nummer seines Vaters, der sich gerade um alles rund um Herrn Menzel kümmerte. Nach ein paar Freizeichen meldete sich sein Vater mit müder Stimme. „Papa? Ich bin’s… Sag mal, wie geht’s Herrn Menzel? Können wir ihn besuchen?“ Es entstand eine kurze Pause. „Felix… er ist wieder auf der Intensivstation. Heute leider nicht. Die Ärzte sagen, er ist stabil, aber er braucht Ruhe. Vielleicht in ein paar Tagen.“ Felix senkte den Blick. „Okay… danke. Sag ihm bitte, dass ich an ihn denke.“ „Mach ich.“ Er legte auf. In seinem Gesicht lag Traurigkeit – aber keine Wut. Es war diese tiefe, stille Enttäuschung, die man nicht zeigen will, aber auch nicht verstecken kann. Zurück in der Küche erklärte er den Spielern ruhig die Situation. Alle hörten aufmerksam zu. „Dann holen wir den Besuch eben nach“, sagte Ronaldo bestimmt. „Und wenn du willst, schreiben wir ihm was.“ Felix lächelte schwach. „Vielleicht später.“ Dann stand er auf, nahm sein Mainz-05-Trikot vom Stuhl und hielt es hoch. „Aber ich hab was anderes, worauf ich mich freuen kann. Ich hab zwei Tickets fürs letzte Heimspiel – gegen Dortmund. Samstag. Letzter Bundesliga-Spieltag. Und ich möchte, dass ihr mitkommt. Ich meine… ich hoffe, wir schaffen es noch in die Europa League. Und noch mehr hoffe ich, dass wir nächste Saison nicht wieder unten drin stehen. Ich will Mainz nicht verlieren.“ Luis sah ihn an. „Also willst du, dass wir mitkommen?“ Felix nickte. „Alle vier.“ Messi lächelte. „Dann ist das unser nächster Termin. Samstag. Stadion. Zusammen.“ Felix schloss die Augen für einen Moment. Er sah den Rasen schon vor sich. Die Fahnen, das Trommeln der Fans. Und die Hoffnung auf einen neuen Anfang. Freitag, 16. Mai 2025 – Getränke holen mit den Großen Es war später Nachmittag geworden. Die Wolken, die am Morgen noch träge über den Himmel gezogen waren, hatten sich verzogen und der Mai zeigte wieder seine sonnige Seite. Die Luft war angenehm warm, nicht zu drückend, mit einem sanften Windhauch, der durch die Straßen von Mainz wehte. Felix saß mit den vier Spielern im Wohnzimmer, als plötzlich sein Vater hereinkam – mit Autoschlüsseln in der Hand und einem Blick, der sagte: „Ich brauche Hilfe.“ „Felix“, begann er, „wir sind fast leer. Kein Wasser, keine Apfelschorle, nicht mal Cola. Wenn ihr morgen alle hier seid und vielleicht noch ein paar Freunde zum Spiel vorbeikommen… dann wird das eng.“ Felix sah die anderen an. Luis hob sofort den Arm. „Ich fahr mit.“ „Ich auch“, sagte Messi. „Ich liebe deutsche Supermärkte!“, rief Neymar, während Cristiano trocken hinzufügte: „Solange ich keine Limonade tragen muss.“ Felix grinste. „Ich komm natürlich auch mit.“ Wenige Minuten später saßen sie zu fünft im Familien-Van: Felix vorne neben seinem Vater, dahinter Cristiano, Messi, Neymar und Luis – alle mit Sonnenbrillen, um möglichst nicht erkannt zu werden. Ronaldo hatte sogar eine Baseballkappe aufgesetzt, die etwas zu eng saß, was Neymar die ganze Fahrt über witzig fand.

Im Getränkemarkt Sie hielten an einem großen Getränkemarkt am Stadtrand. Kaum waren sie ausgestiegen, stürmte Luis direkt zu den großen Wasserflaschen. „Still oder mit Blubb?“, rief er. „Mit Blubb!“, antwortete Neymar. „So kann man besser rülpsen!“ Felix lachte laut, schob dabei bereits einen der großen Rollwagen. Sein Vater war zuerst skeptisch gewesen, ob das nicht zu auffällig werden würde – aber jetzt wirkte er erstaunlich entspannt. Vielleicht, weil niemand im Getränkemarkt damit rechnete, vier Weltfußballer mit einem 22-jährigen Jungen zwischen Kisten herlaufen zu sehen. Sie packten Flasche um Flasche auf den Wagen: • Vier Kästen Mineralwasser • Zwei Kästen Apfelschorle • Cola und Spezi in Glasflaschen • Eine kleine Auswahl an isotonischen Sportgetränken – auf Ronaldos Wunsch Messi fand in einem Regal sogar Felix’ Lieblings-Eistee wieder: Pfirsich, ungesüßt. Er nahm gleich zwei Flaschen. Ein kleiner Moment zwischen Vater und Sohn Während die Spieler beschäftigt waren, trat Felix’ Vater neben ihn. Er wirkte nachdenklich, aber nicht traurig. „Du wirkst glücklich“, sagte er leise. Felix nickte. „Bin ich auch. Es ist wie… ein Traum, der nicht aufhört.“ „Ich merke das“, antwortete der Vater. „Und ich bin froh. Ehrlich.“ Felix sah ihn an. „Du meinst das wirklich, oder?“ „Ja“, sagte er ruhig. „Ich hab nicht immer alles verstanden. Aber ich sehe, was das mit dir macht. Diese Jungs… sie tun dir gut.“ Felix spürte ein warmes Ziehen im Herzen. Es war selten, dass sein Vater so offen sprach. Rückweg Mit dem voll beladenen Van ging es zurück. Neymar spielte DJ und ließ südamerikanische Sommerhits laufen, während Ronaldo mit geschlossenen Augen vor sich hin summte. Luis zählte im Spaß alle Kästen durch („Wenn einer runterfällt, muss Messi ihn tragen!“) und Felix’ Vater steuerte den Wagen mit einem milden Lächeln auf den Lippen. Felix schaute aus dem Fenster. Die Felder flogen vorbei. Und irgendwo da draußen war das Stadion, das morgen ein Ort voller Hoffnung werden sollte. Er dachte an Herrn Menzel. An Tante Caro. An das, was kommt. Und er wusste: Solange diese Leute um ihn waren – seine Mutter, sein Vater, Caro, die Spieler – würde er nicht allein sein. Nicht mehr. Freitag, 16. Mai 2025 – Ein Abend im Garten Es war kurz nach 19 Uhr, als Felix’ Mutter mit einem Lächeln in der Küche auftauchte und sagte: „Frau Sommer hat uns eingeladen. In ihren Garten. Sie macht ein kleines Feuer, und es gibt was zu trinken. Nur ein paar Nachbarn. Ganz entspannt. Habt ihr Lust?“ Felix sah die Spieler an. Luis zuckte die Schultern. „Warum nicht?“ Messi grinste: „Ich mag Gärten.“ Neymar fragte nur: „Gibt’s Musik?“ Cristiano hob den Daumen. „Solange es keine Presse gibt.“ Felix nickte. Ihm gefiel die Idee. Der Garten der Sommers war groß, ruhig gelegen hinter einem der alten Stadthäuser, mit Blumenbeeten, einem kleinen Teich und einer Apfelbaumreihe, die im Frühling in voller Blüte stand. Ein Ort, den er mochte – auch weil dort ein Hund lebte, mit dem er sich gut verstand: Bruno, ein mittelgroßer, gemütlicher Labrador-Mischling mit hellbraunem Fell.

Gegen 19:45 Uhr machten sie sich auf den Weg. Felix, seine Eltern, Tante Caro, und die vier Spieler. Jeder trug eine Jacke, ein Getränk oder eine Kleinigkeit zum Naschen in der Hand. Die Luft war mild, der Himmel klar. Man konnte schon die ersten Sterne erkennen. Der Garten war warm beleuchtet. Kleine Lichterketten hingen zwischen den Bäumen, ein Lagerfeuer brannte in einer Feuerschale, und eine alte Musikanlage spielte leise ruhige Gitarrenmusik. Es waren vielleicht zehn Leute da – Nachbarn, die Felix seit Kindertagen kannte. Und niemand wirkte irritiert oder aufdringlich wegen der prominenten Gäste. Es war, als wäre es das Natürlichste der Welt, dass Messi gerade mit einem älteren Herrn über Olivenbäume sprach oder Ronaldo die Gartenmöbel neu ordnete, weil sie „nicht optimal standen“. Felix aber hatte nur Augen für Bruno. Der Hund hatte ihn sofort erkannt, kam schwanzwedelnd angelaufen und ließ sich begeistert am Kopf kraulen. „Na, alter Freund“, flüsterte Felix, „hast du mich vermisst?“ Bruno bellte leise, legte sich auf den Rücken, forderte Bauchstreicheln – und bekam es. Es dauerte nicht lange, bis Felix mit ihm über den Rasen tollte, ein altes Gummispielzeug warf und selbst lachend hinterherlief. Neymar machte Fotos, Luis rief begeistert „Los, Bruno, hol ihn dir!“, und Messi filmte eine kurze Szene, in der Felix lachend umfiel und Bruno auf seinen Bauch sprang. Cristiano stand abseits, neben Felix’ Vater, mit einem Bier in der Hand – alkoholfrei, natürlich. Sie unterhielten sich über Fußball, Familie und wie wichtig es sei, dass man Orte hat, an die man zurückkommen kann. Die Zeit verging wie im Flug. Es wurde später, die Gespräche ruhiger. Felix saß irgendwann im Gras, Bruno mit dem Kopf auf seinen Oberschenkeln, die Spieler um ihn herum. Neymar hatte eine Gitarre in der Hand, die jemand aus dem Haus geholt hatte, und spielte leise eine Melodie. Caro saß auf einer Gartenbank mit einer warmen Decke über den Schultern, seine Mutter daneben. Das Feuer knisterte. Die Sterne leuchteten nun hell. Felix sagte kaum noch etwas. Er war einfach nur da. Friedlich. Zufrieden. Ganz in der Gegenwart. Er sah auf die Uhr. 1:12. „Ich glaub, wir sollten langsam zurück“, murmelte er. „Nur noch ein bisschen“, sagte Luis. „Ein paar Minuten noch“, stimmte Messi zu. „Ist ja nicht so, als müssten wir morgen früh aufstehen“, ergänzte Neymar. Um 1:30 verließen sie gemeinsam den Garten. Leise. Dankbar. Mit warmen Herzen. Der Weg zurück nach Hause war kurz, aber still. Jeder hing seinen Gedanken nach. Und Felix wusste: Solche Abende würden bleiben. Nicht nur als Erinnerung, sondern als Teil von ihm. Samstag, 17. Mai 2025 – Schlaflos vor dem Spiel Die Straßen von Mainz lagen still. Es war kurz nach halb zwei in der Nacht, als Felix sich endlich unter seine Decke legte. Er war erschöpft – körperlich vom vielen Lachen und Spielen mit Bruno, geistig von all den Eindrücken des Tages. Und doch: Sein Kopf wollte nicht zur Ruhe kommen. Die Gedanken kreisten. Immer wieder. Morgen war der große Tag. Der letzte Bundesliga-Spieltag. Mainz 05 gegen Borussia Dortmund. Ein Heimspiel. Ein Spiel, das über Europa oder Mittelmaß entscheiden konnte. Und Felix sollte dabei sein – nicht allein, sondern mit Ronaldo, Messi, Neymar und Suárez. Es war kaum zu glauben.

Er drehte sich auf die rechte Seite. Dann auf die linke. Er hörte die leisen Geräusche des Hauses: ein Knarzen der Treppe, das entfernte Brummen des Kühlschranks, vielleicht ein kurzes Husten aus dem Gästezimmer, wo Messi und Neymar schliefen. Er tastete nach seinem Handy, blickte auf die Uhr. 2:19 Uhr. Er setzte sich auf, trank einen Schluck Wasser. Versuchte es mit Atemübungen – hatte er in der Ergotherapie gelernt. Langsam ein, vier Sekunden halten, langsam aus. Doch sein Herz klopfte schneller als sein Atem es erlaubte. Die Bilder des Tages schwirrten durch seinen Kopf: – Der Moment, als er mit Bruno im Gras lag. – Das Gespräch mit seinem Vater im Getränkemarkt. – Der Blick seiner Tante, als sie am Feuer saß, ruhig und still. – Und dann wieder die Vorstellung: Mainz 05, Europa, das Stadion, die Spieler an seiner Seite, die Fangesänge. Er dachte an Herrn Menzel. Ob er noch schlief? Ob er träumte? Ob er wusste, dass Felix an ihn dachte? 3:03 Uhr. Er stand auf, ging leise in die Küche, setzte sich an den Tisch, starrte ins Dunkel. Dann schlich er sich auf den Balkon, setzte sich in die kühle Nachtluft. Der Himmel war klar. Sterne. Keine Autos. Kein Lärm. Nur eine Stadt, die schlief – außer ihm. Nach etwa zwanzig Minuten ging er zurück ins Bett. Legte sich auf den Rücken. Schloss die Augen. Doch kaum wurden die Gedanken leiser, tauchte ein neues Bild auf: Wie er mit Neymar und Luis morgen jubelt, wenn Mainz ein Tor schießt. Wie Ronaldo ihm auf die Schulter klopft. Wie er vielleicht sogar auf der Anzeigetafel landet, wenn die Kamera ihn filmt. Die Fans. Die Stimmung. Der Rasen. Alles wirbelte in seinem Inneren. 4:11 Uhr. Er deckte sich kurz ab, dann wieder zu. Rollte sich ein, dann streckte er sich aus. Die Müdigkeit war da, aber der Schlaf blieb fern – wie ein Licht am Ende eines Flurs, das sich nicht erreichen ließ. Irgendwann, als die Vögel draußen zu singen begannen, glitt er langsam in einen leichten Dämmerzustand. Kein richtiger Schlaf. Eher ein Schweben zwischen Traum und Wachsein. Um 5:03 Uhr, fast unmerklich, fielen ihm die Augen zu. Und endlich, endlich wurde es still in seinem Kopf. Samstag, 17. Mai 2025 – Der große Spieltag Felix hatte kaum geschlafen. Doch gegen Mittag überdeckte die Aufregung jede Müdigkeit. Schon gegen 11:30 Uhr begann das Haus zu summen wie ein Bienenstock. Die Spieler standen nacheinander auf, frühstückten gemeinsam mit Felix, seiner Mutter, der Ersatzoma und Tante Caro. Jeder wusste: Heute war nicht irgendein Tag – es war der letzte Bundesliga-Spieltag. Und Mainz 05 hatte die Chance, sich für Europa zu qualifizieren. Um 12:45 Uhr machten sie sich auf den Weg zum Stadion. Felix hatte darauf bestanden, dass sie gemeinsam gingen – als Gruppe, als Familie. Sie nahmen zwei Autos: in einem fuhr Felix mit seiner Mutter, der Ersatzoma und Caro; im anderen die vier Spieler – unauffällig gekleidet, aber innerlich ebenso gespannt wie Felix. Als sie gegen 13:30 Uhr am Stadion ankamen, war die Atmosphäre bereits elektrisch. Menschen in rot-weißen Trikots strömten in Richtung Eingänge, Fangesänge hallten zwischen den Gebäuden, und über allem lag ein Gefühl von Hoffnung. Felix war wie verzaubert. Er sah sich um, sog jede Sekunde ein. Ronaldo legte ihm die Hand auf die Schulter. „Heute wird dein Tag“, sagte er ruhig. 15:30 Uhr – Anpfiff in der MEWA Arena

Sie saßen zusammen auf einer Tribüne nahe der Mittellinie, leicht erhöht. Die Sonne stand hoch, perfekte Bedingungen. Das Stadion war ausverkauft. Die Kurve bebte. Die ersten Minuten waren wie ein einziger Sturm der Emotionen. 16. Minute: Jubel – Amiri trifft! Doch der VAR greift ein: Abseits. Kein Tor. 17. Minute: Erneut bricht Jubel aus – Lee trifft! Wieder VAR. Wieder kein Tor. 18. Minute: Nebel schießt! Drin! Doch... der Schiedsrichter hebt den Arm. VAR. Abseitsposition. Felix schlug die Hände vors Gesicht. Dreimal gejubelt, dreimal genommen. Doch in der 35. Minute endlich das echte, das zählende Tor: Nebel trifft erneut – diesmal zählt es. Mainz führt 1:0. Der Jubel war ohrenbetäubend. Luis sprang auf. Neymar umarmte Felix. Die Ersatzoma klatschte vor Freude mit ihrer Enkelin. Ronaldo lächelte, stolz wie ein großer Bruder. Doch Dortmund antwortete. 49. Minute – Elfmeter für die Gäste. Schick verwandelt. 1:1. Und nur fünf Minuten später: wieder Schick. Mainz in Rückstand. 1:2. Felix atmete schwer. Die Hoffnung begann zu wanken. Doch in der 63. Minute ein Elfmeter für Mainz – Burkardt tritt an. Und er verwandelt sicher. 2:2! Die Stimmung war nun auf dem Siedepunkt. Beide Teams wollten den Sieg. Felix saß inzwischen fast auf der Stuhlkante, Ronaldo neben ihm angespannt, als würde er gleich selbst eingewechselt werden. Und dann – 90.+3. Minute. Nach einer Ecke trifft Bell! Die Arena explodiert! Felix springt auf! Doch… der Arm des Schiedsrichters geht hoch. VAR. Wieder wird das Tor aberkannt. Endstand: 2:2. 17:25 Uhr – Jubel mit leiser Spannung Als der Schlusspfiff ertönt, schauen alle zunächst auf die Stadionleinwand. Die Spieler bleiben auf dem Rasen. Mainz hat einen Punkt geholt – aber reicht das? Dann erscheinen die Endergebnisse der anderen Spiele. Leipzig hat gegen Stuttgart verloren. Bremen hat nur Unentschieden gespielt. Mainz 05 steht auf Platz 6. Europa! Die Zuschauer jubeln. Es ist kein Titel, kein Pokal – aber für Mainz ist es wie ein kleines Wunder. Die UECL-Qualifikation ist gesichert. Felix hat Tränen in den Augen. Neymar hebt ihn kurz hoch, wie ein kleiner Bruder. Messi flüstert: „Du hast’s gespürt, oder?“ Luis schreit: „MAINZ IST IN EUROPA!“ Und Cristiano Ronaldo? Er sagt nur leise: „Ich glaube, ich muss öfter zu Mainz kommen.“ Felix sah auf das Feld, auf die feiernden Spieler, auf die Fahnen, die Fans. Es war kein Traum. Es war real. Und er war mittendrin. Samstag, 17. Mai 2025 – Geburtstagsfeier im Restaurant Der Abend nach dem Spiel fühlte sich fast surreal an. Die Sonne war inzwischen untergegangen, doch der Himmel über Mainz leuchtete noch in einem warmen Orangeton. Der Jubel über den Einzug in die UEFA Europa Conference League lag immer noch spürbar in der Luft, doch Felix hatte an diesem Abend noch einen anderen, sehr persönlichen Grund zur Freude: Die Ersatzoma hatte Geburtstag. Sie war für ihn mehr als nur die Freundin seiner Mutter oder eine gute Nachbarin. Sie war Familie. Immer gewesen. Und heute, an ihrem Ehrentag, wollte Felix – so aufgeregt und durcheinander er auch war – einfach für sie da sein. Gegen 19:30 Uhr traf sich die ganze Gruppe vor einem kleinen, gemütlichen Restaurant in der Altstadt. Das Lokal war bekannt für seine herzliche Atmosphäre, die bodenständige Küche und

das freundliche Personal. Es war kein Ort für Sternekoch-Gourmets, sondern einer, in dem man lachte, sich wohlfühlte und stundenlang sitzenbleiben konnte. Felix, seine Mutter, seine Tante Caro, die Ersatzoma, und die vier Fußballer betraten gemeinsam das Restaurant. Sie hatten einen langen Tisch am Fenster bekommen, eingedeckt mit frischen Blumen, kleinen Kerzen und einer handgeschriebenen Karte auf jedem Platz. Auf der Karte stand: „Alles Gute zum Geburtstag, liebe Frau Mertens! Schön, dass Sie geboren sind.“ Felix war nervös. Nicht wegen der Fußballstars – die waren inzwischen fast schon Alltag. Sondern weil es ihm wichtig war, dass sie einen schönen Abend hatte. Seine Ersatzoma. Die, die immer verstand, wenn er sich zurückzog. Die, die nie zu laut war, wenn er Ruhe brauchte. Sie setzte sich auf den Platz in der Mitte, zwischen Felix’ Mutter und Neymar. „So charmante Begleitung hatte ich an meinem Geburtstag noch nie“, sagte sie augenzwinkernd. Alle lachten. Die Bestellung kam – aber Felix wollte nur Pommes. Die Kellnerin kam mit dem Block in der Hand und ging reihum. Cristiano bestellte gegrillte Hähnchenbrust mit Salat, Messi ein Zanderfilet, Neymar eine vegetarische Gemüsepfanne und Luis einen deftigen Rinderschmorbraten mit Knödeln. Dann kam sie zu Felix. „Und du, mein Schatz?“ Felix sah kurz auf die Karte, dann sagte er entschieden: „Nur Pommes bitte. Ganz einfach. Ohne alles.“ Die Kellnerin lächelte. „Klar. Knusprig außen, weich innen – so wie du’s magst, stimmt’s?“ Felix nickte. „Genau so.“ „Er isst das seit er fünf ist“, sagte seine Mutter schmunzelnd. „Und ich hör nie auf damit“, entgegnete Felix und grinste. Der Abend wurde lang – und wunderschön. Nach dem Essen brachte das Restaurantpersonal eine kleine Überraschung: eine hausgemachte Torte mit einer Kerze. Alle sangen leise „Happy Birthday“, und die Ersatzoma hatte Tränen in den Augen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich meinen 74. Geburtstag mit einem Weltstar aus Portugal, einem Argentinier, einem Brasilianer und einem Uruguayer verbringe… aber vor allem: mit euch“, sagte sie und sah Felix an. Er sagte nur leise: „Du hast es verdient.“ Sie blieb noch lange sitzen, redete viel mit Caro, lachte mit Neymar, scherzte mit Luis, und stieß mit Ronaldo auf das Leben an. Felix beobachtete alles ruhig. Er war satt – nicht von den Pommes, sondern vom Glück. Es war alles gut. Für diesen Moment. Gegen 23:30 Uhr verließen sie das Restaurant. Die Nacht war mild, und sie gingen zu Fuß nach Hause. Felix hielt sich ein Stück zurück, betrachtete die Gruppe vor sich. Und dachte: „Heute war einer der besten Tage meines Lebens.“ Samstag, 17. Mai 2025 – Zweifel unter Sternenhimmel Nach dem gelungenen Abendessen im Restaurant und der feierlichen Geburtstagsfeier der Ersatzoma war die Gruppe gegen Mitternacht wieder zuhause angekommen. Trotz der Uhrzeit und des langen Tages war niemand direkt ins Bett gegangen. Stattdessen saßen sie noch zusammen auf der Terrasse hinter dem Haus, in Decken gehüllt, mit Tee oder Wasser in der Hand. Die Luft war angenehm frisch, der Himmel klar, und die Sterne funkelten über Mainz. Felix saß etwas abseits auf der kleinen Bank aus Holz, seine Knie angezogen, den Blick nach oben gerichtet. Er war ruhiger geworden, nachdenklicher. Ronaldo bemerkte es als Erster, trat zu ihm, sagte aber nichts. Kurz darauf kamen auch Neymar, Messi und Luis mit dazu. Sie setzten sich einfach dazu, auf den Boden, auf Decken, ganz ohne Aufhebens.

„Felix? Alles okay?“, fragte Neymar leise. Felix zuckte kurz mit den Schultern. „Ja… schon. Ich bin einfach… am Denken.“ „Worüber?“, fragte Messi, freundlich und ruhig. Felix sah weiter in den Himmel. „Über Mainz. Über die neue Saison. Über Europa.“ Er machte eine lange Pause. Dann sagte er plötzlich: „Was ist, wenn Mainz das nicht schafft?“ Luis runzelte die Stirn. „Was meinst du?“ „Naja… wir haben jetzt die Europa Conference League geschafft. Das ist krass. Richtig krass. Aber…“ – Felix atmete tief durch – „was ist, wenn wir nächstes Jahr deswegen alles verlieren? Was, wenn wir versuchen, in Europa zu bestehen… und dann… fliegen wir schon vor der Gruppenphase raus. Und weil wir uns so drauf konzentrieren, steigen wir in der Bundesliga ab? Oder beides. Raus aus Europa. Und runter in Liga Zwei.“ Die Worte hingen wie schwerer Nebel in der Luft. Es war das erste Mal, dass Felix seine Angst wirklich aussprach. Die Angst, dass der größte Erfolg auch der Anfang vom Ende sein könnte. Cristiano sagte nichts. Er starrte in die Dunkelheit. Dann seufzte er leise. „Ich verstehe dich“, sagte er schließlich. „Mehr, als du denkst. Erfolg ist oft… gefährlich. Nicht weil er schlecht ist. Sondern weil er Erwartungen verändert. Plötzlich glauben alle, dass alles noch größer, noch besser werden muss.“ Neymar legte den Kopf schief. „Ich hab schon Teams gesehen, die sind nach Europa auseinandergefallen. Weil sie dachten, sie wären plötzlich Champions-League-Material.“ „Aber“, sagte Messi, „ich hab auch Teams gesehen, die haben gerade durch Europa gelernt, was in ihnen steckt.“ Felix sah sie an. „Und Mainz?“ „Mainz… ist besonders“, sagte Luis. „Weil es Menschen wie dich gibt, die keine Superstars erwarten, sondern Herz. Und solange das bleibt, wird Mainz vielleicht mal verlieren. Vielleicht sogar richtig tief fallen. Aber es wird auch wieder aufstehen.“ Felix ließ den Kopf sinken. „Ich hab einfach Angst, dass es zu viel wird. Für alle. Für uns. Für die Stadt. Ich hab Angst, dass alles, worauf wir jetzt stolz sind, wieder zerbricht.“ Cristiano nickte. „Das ist keine Schwäche. Das ist Verantwortung.“ Felix sah zu ihm auf. „Was würdest du tun?“ Cristiano antwortete nach kurzem Zögern: „Ich würde feiern, solange das Licht brennt. Und wenn es dunkler wird – die Lampe wieder anschalten.“ Felix musste schmunzeln. Dann lehnte er sich zurück. Neymar legte ihm eine Decke über die Schultern. Messi reichte ihm eine Tasse Tee. Luis sagte nur: „Und wenn Mainz wirklich absteigen sollte, gehen wir halt alle mit runter. Oder?“ Sie lachten. Und Felix fühlte sich nicht mehr so allein mit seiner Angst. In dieser Nacht schlief er nicht sofort ein. Aber seine Gedanken waren ruhiger geworden. Und als er später im Bett lag, flüsterte er in die Dunkelheit: „Und wenn wir absteigen… dann steigen wir halt wieder auf.“ Samstag, 17. Mai 2025 – Späte Gedanken vorm Einschlafen Die Nacht war längst hereingebrochen, als Felix im Badezimmer vor dem Spiegel stand. Das Licht war gedimmt, seine Haare lagen zerzaust auf der Stirn, und in seinen Augen war die Müdigkeit längst zu sehen. Er hatte sich bereits die Zähne geputzt, sein Schlafshirt übergestreift und sich mit einem warmen Waschlappen das Gesicht abgetupft. Jetzt war eigentlich der Moment, in dem er sich in sein Bett kuscheln und den Tag abschließen wollte. Aber etwas ließ ihn nicht los. Als er das Licht ausmachte und leise durch den Flur zu seinem Zimmer ging, kreisten seine Gedanken schon wieder. Kaum lag er unter der Decke, starrte er an die Decke.

Es war still im Haus. Von den anderen war nichts mehr zu hören. Nur das leichte Rauschen der Heizung und das entfernte Brummen eines Autos draußen. Felix schloss die Augen – und sah ein Stadion. Doch nicht das in Mainz. Ein großes, internationales Stadion. Dort stand die deutsche Nationalmannschaft. Halbfinale der Nations League. Gegner: Portugal. Felix drehte sich auf die Seite. Die Gedanken wurden lauter. „Was ist, wenn sie verlieren?“, flüsterte er leise in den dunklen Raum. Er dachte an Musiala, an Havertz, an Wirtz. Und dann an Cristiano Ronaldo, der jetzt bei ihm im Gästezimmer schlief. Portugal gegen Deutschland. Das konnte Realität werden. Und was, wenn Portugal diesmal besser war? Wenn Felix am Fernseher sitzen würde, voller Hoffnung – und dann zerplatzte alles? Sein Herz pochte schneller. „Und wenn sie gewinnen?“, fragte er sich selbst. Dann wartete womöglich Spanien. Oder Frankreich. Beide Mannschaften machten ihm Angst. Spanien – so schnell, so ballsicher. Frankreich – mit Mbappé, Griezmann, Theo Hernández. Körperlich stark, technisch überragend. Wenn Deutschland gegen sie ins Finale müsste… Felix drehte sich erneut, jetzt auf den Rücken. Die Decke wurde plötzlich schwerer. Nicht vor Hitze, sondern vor Sorge. „Ich will einfach, dass sie mal wieder was gewinnen…“, murmelte er. „Nicht rausfliegen. Nicht wieder das Gefühl haben, dass alles zu früh vorbei ist.“ Er erinnerte sich an das letzte große Turnier. An die Enttäuschung. An das leere Gefühl im Bauch. Und an das Gespräch mit Ronaldo am Abend zuvor, wie schwer der Druck auf den Spielern lastet – und auf denen, die sie lieben. Ein Klopfen an der Tür. Ganz leise. Felix richtete sich auf. „Ja?“ Die Tür öffnete sich einen Spalt. Messi stand da, im Schlafanzug, mit zerzausten Haaren und einer Tasse Wasser in der Hand. „Ich hab gemerkt, dass bei dir noch Licht ist“, sagte er leise. „Alles okay?“ Felix zögerte. Dann nickte er langsam. „Ich hab nur Angst… wegen der Nations League. Deutschland. Halbfinale. Gegen Portugal. Und wenn sie weiterkommen – gegen Spanien oder Frankreich. Ich… ich will einfach nicht, dass sie verlieren.“ Messi trat leise ein, setzte sich ans Bett. „Ich versteh das“, sagte er ruhig. „Du willst, dass sie endlich wieder ganz oben stehen.“ Felix nickte. „Aber weißt du“, sagte Messi und sah ihn an, „du liebst sie – nicht nur, wenn sie gewinnen. Sondern auch, wenn sie verlieren. Und genau das macht dich zu einem echten Fan. Angst gehört dazu. Aber Vertrauen auch.“ Felix schwieg. Messi stand wieder auf. „Schlaf jetzt. Morgen ist ein neuer Tag. Und wer weiß – vielleicht überrascht uns Deutschland ja. So wie Mainz es heute getan hat.“ Felix lächelte schwach. „Danke, Leo.“ „Gern.“ Die Tür schloss sich leise. Und Felix? Der drehte sich nochmal um, zog die Decke bis unter das Kinn und flüsterte: „Bitte… lasst uns nicht schon wieder scheitern.“ Sonntag, 18. Mai 2025 – Kneipenabend mit gemischten Gefühlen Der dritte Tag begann ruhig. Nach dem intensiven Bundesliga-Samstag, dem Einzug von Mainz 05 in die Europa Conference League und der bewegenden Geburtstagsfeier der Ersatzoma, war

der Sonntagvormittag für Felix wie ein sanfter Ausklang. Nach einem späten Frühstück hatte er sich ein wenig hingelegt, doch der Gedanke an den letzten Spieltag der 2. Bundesliga ließ ihn nicht lange ruhen. Heute spielte der HSV. Felix’ Zweitlieblingsverein, neben Mainz. Der Verein, den er seit Jahren mit Herz und Hoffnung begleitete. Sie waren bereits aufgestiegen – das war sicher. Aber heute ging es um mehr: die Zweitligameisterschaft. Und auch Elversberg hatte noch die Chance, direkt aufzusteigen. Alles war offen. Am frühen Nachmittag schnappte sich Felix sein HSV-Trikot, das er mit Stolz aus der untersten Schublade zog. Es war schon ein paar Jahre alt, leicht ausgewaschen, aber es passte noch – und bedeutete ihm alles. Als er die Treppe herunterkam, sah ihn Neymar und grinste: „Heute also blau-weiß statt rot-weiß, was?“ Felix lachte. „Für einen Tag. Dann bin ich wieder bei Mainz.“ Wenig später machten sie sich auf den Weg in eine kleine Fußballkneipe in der Altstadt – „Zum Torschuss“. Felix war schon oft dort gewesen, aber noch nie mit Messi, Ronaldo, Neymar und Luis Suárez im Schlepptau. Sie hatten sich Mützen und einfache Jacken angezogen, um nicht aufzufallen. Die Wirtin erkannte sie trotzdem. Aber sie sagte nichts. Sie zwinkerte nur Felix zu. „Deine Gäste trinken heute umsonst – aber nur, wenn Hamburg gewinnt.“ 15:30 Uhr – Anstoß in Fürth Die Kneipe war gut gefüllt. Auf dem Großbildschirm lief die Konferenz, aber ein zweiter Fernseher zeigte SGF gegen HSV in voller Länge. Felix hatte sich mit den Spielern an einen großen Tisch gesetzt, in Sichtweite zum Fernseher, Pommes bestellt, dazu eine Cola – wie immer. Die ersten Minuten verliefen ruhig. Hamburg spielte solide, Fürth dagegen frech und kämpferisch. Felix war angespannt, aber zuversichtlich. Dann die 41. Minute: Felix Klaus trifft für Fürth. 1:0. Felix sank kurz zurück. „Nicht schon wieder...“ In der 50. Minute dann das Aufatmen: Dompé gleicht aus! 1:1. Ronaldo klatschte Felix auf den Rücken. „Jetzt geht’s los.“ Doch das Spiel drehte sich erneut. 57. Minute – Elfmeter für Fürth. Klaus verwandelt. 63. Minute – wieder Klaus. Sein dritter Treffer. 3:1 für Fürth. Die Kneipe wurde still. Felix starrte fassungslos auf den Bildschirm. Neymar schüttelte den Kopf. „Klaus ist heute wie besessen.“ Messi sah Felix an. „Noch ist nicht Schluss.“ 67. Minute – Elfmeter für den HSV. Glatzel verwandelt. 3:2. Jetzt war es ein offener Schlagabtausch. Felix war inzwischen aufgestanden, stand direkt vor dem Fernseher. Er lebte jede Sekunde mit. 90.+1 Minute – Elfmeter für den HSV! Die Kneipe tobte! Aber dann: VAR. Zurückgenommen. Kein Elfmeter. „NEIN!“, rief Felix laut, fuhr sich durchs Gesicht. Ronaldo stand nun auch, legte ihm die Hand auf die Schulter. 90.+7 Minute – wieder Elfmeter für den HSV. El-Fadli verwandelt. 3:3. Aber… erneut VAR. Und wieder wird das Tor zurückgenommen. Der Schlusspfiff. Unentschieden. 16:25 Uhr – Eine andere Art von Jubel Das Spiel war vorbei. Der HSV war aufgestiegen, ja – aber nicht Meister. Den Titel holte der 1. FC Köln, der gleichzeitig sein Spiel gewonnen hatte. Und Elversberg? Nur Dritter. Sie mussten in die Relegation gegen Heidenheim, ab dem kommenden Donnerstag.

Felix sank langsam auf seinen Stuhl zurück. Die Pommes waren kalt, das Cola fast leer. Er rührte sich nicht. „Ich wollte es so sehr…“, sagte er leise. „Nur einmal, dass alles klappt.“ Ronaldo beugte sich vor. „Du bist aufgestiegen, Felix. Das ist kein Misserfolg.“ Luis bestellte in der Zwischenzeit eine Runde Apfelsaftschorle. „Auf den Aufstieg. Und auf Elversberg – die schaffen das!“ Messi nickte. „Manchmal ist der nächste Schritt wichtiger als die Krone.“ Felix trank einen Schluck. „Ich weiß… Ich bin auch froh. Wirklich. Aber... ich hab einfach gehofft, dass wir es endlich mal ganz schaffen. Ohne Drama.“ Die Wirtin kam an den Tisch. „Wenn’s dich tröstet: Ich hab in 30 Jahren HSV-Fan noch nie ein ruhiges Jahr erlebt.“ Felix lachte. Und alle anderen lachten mit. Am Ende saßen sie noch lange in der Kneipe, redeten über das Spiel, über Fußball, über den nächsten Donnerstag, an dem Elversberg um alles spielen würde. Und über das, was Fußball manchmal eben ist: Nicht perfekt. Aber trotzdem wunderschön. Sonntag, 18. Mai 2025 – Später Abend, späte Fragen Es war bereits weit nach 22 Uhr, als die Gruppe wieder zuhause ankam. Die Straßen von Mainz waren ruhig geworden. Die Kneipe war hinter ihnen, das Spiel vorbei, die Aufregung über die verpasste Zweitligameisterschaft des HSV hatte sich langsam in eine müde Nachdenklichkeit verwandelt. Felix war stiller geworden – nicht traurig, aber innerlich aufgewühlt. Die Gedanken an die VAR-Entscheidungen, die genommenen Elfmeter, die geplatzten Träume ließen ihn nicht los. Sie saßen nun auf der Terrasse hinter dem Haus, eingewickelt in Decken, mit einer Tasse Tee oder Wasser in der Hand. Die Nacht war klar und frisch. Felix saß zwischen Messi und Neymar, Ronaldo und Suárez gegenüber. Die Stimmung war ruhig, aber vertraut. Nach einer längeren Pause fragte Felix plötzlich: „Wie hättet ihr eigentlich reagiert… wenn ihr auf dem Platz gestanden hättet? Bei so vielen VAR-Entscheidungen? Drei Tore… drei Rücknahmen… Elfmeter erst gegeben, dann wieder weg. Ich glaub, ich wär durchgedreht.“ Die Spieler sahen sich an. Cristiano antwortete als Erster. „Ich bin in meiner Karriere oft mit dem VAR aneinandergeraten. Es ist… schwer. Man feiert, man fühlt das Tor. Und dann kommt die kalte Technik und sagt: Nein. Es nimmt dir das Herz des Spiels.“ „Und wenn’s drei Mal passiert?“, fragte Felix leise. Ronaldo nickte langsam. „Dann musst du noch stärker sein. Noch kontrollierter. Sonst verlierst du den Kopf.“ „Ich hätte wahrscheinlich Gelb gekriegt“, warf Neymar ein. „Oder vielleicht auch mehr. Ich kenn mich – ich hätt gebrüllt, geweint, diskutiert.“ Luis grinste. „Ich wär auf jeden Fall zum Schiedsrichter gelaufen. Wahrscheinlich mit so viel Wut, dass man mich zurückhalten muss. Aber… ich weiß auch, dass es nichts bringt. Man ändert die Entscheidung nicht.“ Messi schwieg lange. Dann sagte er ruhig: „Weißt du, Felix... ich glaube, es ist ganz menschlich, dass du so reagierst. Und ehrlich? Ja – wärst du heute auf dem Platz gewesen, du hättest vielleicht wirklich eine Karte bekommen. Nicht, weil du unfair bist. Sondern weil du einfach... fühlst.“ Felix senkte den Blick. „Ich war so wütend. Als der letzte Elfmeter zurückgenommen wurde… ich hätte fast die Cola auf den Boden geschmissen.“ Ronaldo schmunzelte. „Wenn du’s tust, dann beim nächsten Mal mit Stil. Und ohne jemanden zu treffen.“

„Oder“, fügte Neymar hinzu, „du gehst einfach direkt zur Kamera und sagst: ‘Ich will die Entscheidung nochmal sehen!’“ Alle lachten. Dann wurde es kurz still. Felix sah in den Himmel. „Ich hab einfach so gehofft, dass es ein perfekter Tag wird. Erst Mainz, dann der HSV. Und am Ende… war’s wieder typisch Fußball.“ Messi legte ihm die Hand auf den Arm. „Und trotzdem hast du alles gefühlt. Gehofft. Gezittert. Genau deswegen ist es dein Spiel.“ Felix lächelte. „Vielleicht bin ich nicht gemacht für so viel VAR. Ich glaub, ich bleib lieber Zuschauer.“ „Aber was für einer“, sagte Luis. „Der Beste, den ich je erlebt hab.“ Sie saßen noch eine Weile da. Ohne Worte. Und doch voller Verbindung. Es war kein Tag, an dem alles geklappt hatte. Aber ein Tag, an dem alles echt war. Montag, 19. Mai 2025 – Ein schwieriger Morgen Der neue Tag begann nicht mit Vogelgezwitscher oder fröhlichem Erwachen, sondern mit einem Gefühl, das Felix gut kannte – leider. Als er langsam aufwachte, noch eingerollt in seine Decke, merkte er es sofort. Druck. Spannung. Unruhe. Er versuchte, sich zu entspannen, atmete tief durch und stand vorsichtig auf. Die Morgensonne schien gedämpft durchs Fenster, doch er nahm das Licht kaum wahr. Er ging ins Bad, schloss die Tür – und setzte sich. Doch nichts passierte. Wie schon in früheren Phasen, in denen seine Blase Probleme gemacht hatte, war es, als ob sein Körper blockierte. Kein Schmerz, aber ein unangenehmer Druck. Wieder und wieder versuchte er es – in verschiedenen Positionen, mit warmem Wasser, mit Ruhe. Nichts. Nach einer Viertelstunde stand er auf, sah sich im Spiegel an. Blass. Die Augen gerötet. Der Tag war kaum begonnen, und schon war er aus dem Gleichgewicht. Er wusste, was jetzt zu tun war. Etwas, das er lange nicht gebraucht hatte. Seit seiner Blasenentzündung vor einigen Monaten hatte er es geschafft, ohne Katheter auszukommen. Aber heute war es anders. Er ging in sein Zimmer, öffnete die untere Schublade in seinem Schrank. Ganz hinten, ordentlich gestapelt in einer Box, lag sein Kathetervorrat. Zwanzig sterile Einmalkatheter, einzeln verpackt. Daneben: Urinbeutel, Blockspritzen zum Auffüllen und Spülen – alles, was er bei seinem letzten Schub genutzt hatte. Er nahm sich einen der Katheter heraus. Dann einen Beutel. Dann die Blockspritze. Ganz automatisch, fast mechanisch. Und doch zitterten seine Finger leicht. Er setzte sich wieder ins Bad, diesmal vorbereitet. Ruhig, konzentriert. Die Bewegungen kamen zurück wie ein eingeübter Ablauf, den sein Körper nie ganz vergessen hatte. Als der Katheter gesetzt war und der Urin in den Beutel floss, spürte er Erleichterung. Körperlich – aber seelisch lag etwas Schweres auf ihm. Nicht wegen der Technik. Die beherrschte er. Sondern weil es ein Rückschritt war. Ein Gefühl, dass etwas, das er überwunden hatte, wieder da war. Nach der Anwendung spülte er alles sauber, packte das benutzte Material vorsichtig in eine Entsorgungstüte, legte den neuen Beutel ordentlich in einen kleinen Beutelhalter, den er schon damals genäht bekommen hatte. Er zog sich eine bequeme Jogginghose an, die genug Platz ließ, und ging langsam zurück in sein Zimmer. Als er gerade wieder unter seine Decke kroch, klopfte es an der Tür. „Felix? Alles gut?“, rief seine Mutter leise. Er zögerte. Dann sagte er ruhig: „Ich komm gleich runter.“

Ein paar Minuten später, als er mit etwas blasser Haut, aber frischem Gesicht in die Küche kam, saßen Messi und Neymar schon am Tisch. Luis kam gerade aus dem Bad, und Ronaldo schenkte sich Tee ein. Niemand fragte ihn etwas. Doch Messi sah ihn an – und verstand sofort. Ein kurzer Blick, ein sanftes Nicken. Felix setzte sich langsam, nahm sich einen Zwieback. „Ein blöder Start“, murmelte er. „Aber du hast ihn gemeistert“, sagte Ronaldo. „Du weißt, was zu tun ist. Und du hast’s getan.“ Felix nickte. Er sagte nichts weiter. Aber innerlich wusste er: Auch dieser Tag würde weitergehen. Und er war nicht allein. Montag, 19. Mai 2025 – Die ungeplante Leere und das Kirschradler Nach dem ruhigen und schwierigen Morgen hatte Felix sich langsam wieder gefangen. Der Katheter saß diskret, niemand aus der Runde machte ein großes Thema daraus, und das Frühstück verlief ruhig. Es war Messi gewesen, der schließlich vorsichtig gefragt hatte: „Sag mal… wolltest du heute nicht wieder zur Therapie gehen?“ Felix hatte gezögert, dann aber genickt. „Ja. Es ist das erste Mal wieder. Seit ein paar Wochen. Ich wollte eigentlich nicht gleich heute, nach dem Wochenende, aber… irgendwie fühlt es sich richtig an.“ Ronaldo hatte daraufhin ruhig gesagt: „Dann begleiten wir dich.“ Doch Felix hatte nur einen mitgenommen. Luis Suárez. Die Entscheidung war spontan gefallen, fast intuitiv. Vielleicht, weil Luis der war, der seine ernsten Momente mit Humor auflockern konnte, ohne dabei oberflächlich zu sein. Vielleicht, weil Felix wusste, dass Luis im richtigen Moment einfach neben ihm stehen würde – wortlos, aber spürbar. 12:45 Uhr – Auf dem Weg zur Therapie Sie nahmen die Straßenbahn, setzten sich hinten hin, wo es ruhig war. Luis zog die Kappe etwas tiefer ins Gesicht, Felix trug seine Kapuze. Der Weg war kurz, aber in Felix’ Brust pochte eine gewisse Nervosität. „Ich hab irgendwie Angst“, flüsterte er, während die Haltestellen an ihnen vorbeizogen. „Wovor?“, fragte Luis. „Dass alles wieder von vorne losgeht. Dass es zu viel ist. Oder dass ich... einfach nichts zu sagen habe.“ Luis zuckte mit den Schultern. „Dann sagst du eben nichts. Und trinkst Tee. Manchmal reicht das.“ Felix lächelte kurz. „Ich glaub, du wärst ein guter Therapeut.“ „Ich wär der schlimmste. Ich würd alles mit Mate-Tee und Chips behandeln.“ 13:10 Uhr – Vor der Tür der Praxis Die beiden standen vor dem Eingang. Felix drückte auf die Klingel. Es brummte nicht. Er probierte es nochmal. Keine Reaktion. An der Tür hing ein kleines handgeschriebenes Schild: „Therapeutin Frau R. ist vom 18.5. bis 30.5. im Urlaub. Vertretung nur in Notfällen. Bitte kontaktieren Sie die Nummer auf dem Zettel. Danke für Ihr Verständnis.“ Felix starrte auf die Nachricht. Luis lehnte sich leicht vor. „Tja… das war’s dann wohl.“ Felix wirkte kurz enttäuscht, dann atmete er tief durch. „Irgendwie… ist es auch okay. Ich glaub, es war heute eher ein Zeichen für mich. Dass ich bereit war.“ „Und jetzt?“, fragte Luis. „Jetzt machen wir was anderes“, sagte Felix. „Was kleines. Irgendwas Normales.“

13:30 Uhr – Der Späti mit der bunten Getränkekarte Sie gingen eine Seitenstraße entlang, unterhielten sich über alte Fernsehserien und Fußballspiele, die nie fair geendet hatten. Dann entdeckte Felix an der Ecke einen kleinen, unscheinbaren Kiosk. In der Kühltruhe an der Seite blitzten bunte Etiketten auf. Felix blieb stehen. „Kennst du Radler mit Kirsche?“ Luis schüttelte den Kopf. „Nur Zitrone oder Grapefruit. Aber Kirsch? Klingt wie ein Witz.“ „Ist aber keiner“, grinste Felix. „Das hab ich früher manchmal mit meinem Cousin getrunken.“ Sie kauften zwei Flaschen. Eiskalt, klirrend aus der Truhe. Draußen, auf einer niedrigen Mauer, setzten sie sich nebeneinander, öffneten die Flaschen mit dem kleinen Kapselheber vom Kioskbesitzer und stießen an. „Auf Therapie-Ausfälle“, sagte Luis. „Und auf Kirschradler“, erwiderte Felix. Der erste Schluck war süß, herb, kalt. Der zweite wärmte von innen. Sie saßen noch eine Weile da. Keine Termine. Kein Ziel. Nur ein Junge mit einem ehemaligen Weltklassespieler – beide mit einer Flasche in der Hand, im Herzen die Bereitschaft weiterzumachen, auch wenn der Tag anders lief als geplant. Montag, 19. Mai 2025 – Später Mittag in Bretzenheim Nach dem kleinen Kirschradler-Ausflug mit Luis war Felix gegen 14:30 Uhr wieder zuhause angekommen. Der restliche Tag schlich ruhig dahin. Die anderen Spieler waren inzwischen ebenfalls wieder aufgestanden – Messi hatte gelesen, Ronaldo war eine Runde laufen gegangen, Neymar hatte in der Küche Musik gehört und Kaffee gemacht. Es war ein entspannter, langsamer Tag. Doch gegen 16:15 Uhr fiel Felix plötzlich ein: Es ist kaum noch Brot da. Er stand vom Sofa auf, schnappte sich seine Umhängetasche und rief in den Flur: „Ich geh kurz nach Bretzenheim Brötchen holen!“ „Allein?“, fragte seine Mutter aus der Küche. „Ja! Ist nur kurz. Ich brauch frische Luft.“ 16:35 Uhr – Auf dem Weg zur Bäckerei Felix nahm die Straßenbahn Richtung Bretzenheim, wie so oft. Die vertrauten Stationen, das leichte Ruckeln der Bahn, das rhythmische Zischen beim Öffnen der Türen – es beruhigte ihn. Als er ausstieg, roch es nach Frühlingsluft und frisch gemähtem Rasen. Er ging zügig zur Bäckerei in der Nähe der Haltestelle „Draiser Straße“. Der Laden war klein, aber gemütlich – mit Holztheke, freundlichen Verkäuferinnen und immer ein paar Rentnern im Plausch. Felix betrat den Laden. Eine ältere Dame vor ihm bestellte gerade fünf Roggenmischbrote und sprach über ihren Enkel, der wieder zu Besuch käme. Felix wartete geduldig. Dann war er dran. „Sechs normale Brötchen, zwei Laugenstangen, ein Käsebrötchen und… zwei Mohnbrötchen, bitte.“ „Für die Fußballer daheim?“, fragte die Verkäuferin mit einem Augenzwinkern. Felix grinste. „Sie essen mehr als man denkt.“ Er bezahlte, bedankte sich und verstaute die Brötchen ordentlich in seiner Tasche. Draußen auf dem Platz stand er kurz still. Der Wind wehte leicht. Er mochte diesen Teil von Mainz – Bretzenheim war nicht so laut, nicht so eng. Es war ein Ort, an dem man atmen konnte. 17:05 Uhr – Die Chips-Idee Auf dem Rückweg zur Bahn ging er am kleinen „Rewe To Go“ vorbei. Er wollte eigentlich nur schnell durchlaufen, aber beim Anblick der Snack-Regale blieb er stehen. Chips.

Er hatte schon lange keine Chips mehr gekauft. Und heute… heute fühlte sich nach einem Chips-Tag an. Nach einer kurzen Diskussion mit sich selbst entschied er sich für zwei Sorten: – Paprika, klassisch – Sour Cream & Onion Und als kleines Extra: eine kleine Tüte Erdnussflips. Er bezahlte und trat wieder hinaus in den späten Nachmittag. 17:30 Uhr – Zurück zuhause Als er die Tür aufschloss, roch es im Haus nach frischem Kaffee. Neymar hatte offenbar einen zweiten Aufguss gemacht. „Brötchen sind da!“, rief Felix in den Flur. Luis kam aus dem Wohnzimmer: „Und Chips?“ Felix grinste und hielt die Tüten hoch. „Natürlich.“ Messi hob die Augenbrauen. „Jetzt wird’s gefährlich.“ „Nicht, wenn man teilt“, sagte Felix und legte alles auf den Küchentisch. Sie aßen gemeinsam – nicht viel, nur ein Brötchen hier, ein paar Chips da. Doch für Felix war es mehr als nur ein Snack. Es war ein Gefühl von Kontrolle. Von Alltag. Von Freiheit, die man sich selber zurückerobert – Brötchen für den nächsten Tag, Chips für den Moment. Ein gelassener, unscheinbarer Spätnachmittag – genau das, was er an diesem Tag gebraucht hatte. Montag, 19. Mai 2025 – Ein Rollstuhl in der Dämmerung Der Abend senkte sich langsam über Mainz. Es war einer dieser späten Frühlingstage, an denen das Licht lange bleibt, aber die Schatten sich schon deutlich abzeichnen. Felix war noch einmal allein unterwegs gewesen – ein kleiner Spaziergang nach dem Abendessen, um den Kopf freizukriegen. Die Spieler hatten sich mit seiner Mutter auf der Terrasse unterhalten, Caro hatte sich früher zurückgezogen, und Felix war einfach losgelaufen. Ohne Ziel, aber mit dem Bedürfnis, sich zu bewegen. Er lief Richtung Uni Mainz, quer durch Bretzenheim, an kleinen Wohnhäusern vorbei. Als er die Klinikgebäude der Universitätsmedizin Mainz erreichte, bog er ab – nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Neugier. Er mochte die weitläufigen Wege, die ruhigen Innenhöfe, das fast sterile, aber dennoch friedliche Gefühl dieses Geländes. Und genau dort, neben einem Fahrradständer hinter einem der älteren Klinikgebäude, stand er: Ein verlassener, aber gut erhaltener Rollstuhl. Felix blieb abrupt stehen. Der Rollstuhl war nicht umgekippt oder beschädigt. Er stand einfach da – als hätte ihn jemand nur kurz abgestellt und vergessen. Schwarz, schlicht, mit großen Hinterrädern und einklappbaren Fußstützen. Und in Felix stieg plötzlich eine Erinnerung hoch, klarer als alles andere: Sein eigener Rollstuhl. Damals, während seiner Blasenentzündung. Als er durch die Schmerzen und die Schwäche gezwungen war, sich schieben zu lassen. Als er gelernt hatte, dass Beweglichkeit nicht immer selbstverständlich ist. Und wie frei er sich trotzdem gefühlt hatte, als er das erste Mal allein ein paar Meter damit gefahren war. Ohne lange zu überlegen, schaute er sich um – keine Menschenseele in Sicht. Es war fast 21:30 Uhr, der Campus leer und still. Vorsichtig setzte er sich hinein, schob die Fußstützen herunter, legte die Hände an die Greifreifen und rollte langsam los. Ein nächtlicher Streifzug durch die Medizin Er fuhr durch den Seiteneingang des Gebäudes, in dem sich ein Teil der Vorklinik befand. Alles war hell erleuchtet, aber menschenleer. Die Neonröhren summten leise, seine Räder quietschten minimal auf dem glatten Linoleumboden.

Er kannte die Wege – von früher, von Terminen, von Untersuchungen. Und plötzlich war es, als würde er diese Gänge nicht mehr als Patient durchqueren, sondern als jemand, der die Kontrolle zurückgewonnen hatte. Er fuhr vorbei an geschlossenen Türschildern: „Neurologie – Untersuchungsraum 3“ „Pädiatrie – Sozialdienst“ „Radiologie – Anmeldung nur mit Chipkarte“ Er bog in einen Flur ab, der zum gläsernen Innenhof führte. Dort hielt er an. Ein Moment der Stille. Nur das leise Surren der Gebäudetechnik war zu hören. Er atmete tief durch, schloss für einen Moment die Augen. "Ich bin nicht mehr der, der ich war." Nicht mehr der Junge, der sich damals hilflos und schwach gefühlt hatte. Heute saß er freiwillig in diesem Rollstuhl – nicht aus Not, sondern aus Erinnerung. Aus Wertschätzung für den Weg, den er gegangen war. Und auch ein bisschen, um sich selbst zu zeigen, wie weit er gekommen war. 22:15 Uhr – Rückweg Als er den Rollstuhl wieder an den Ort zurückschob, wo er ihn gefunden hatte, überkam ihn eine ruhige Zufriedenheit. Er stellte ihn ordentlich an den Platz, klappte die Fußstützen hoch und strich einmal über das Rückenteil. Dann ging er zu Fuß nach Hause. Als er die Haustür öffnete, saßen die Spieler immer noch am Esstisch. Die Teller waren leer, aber die Gespräche noch im Gange. Ronaldo war gerade dabei, einen alten Witz aus seiner Jugend zu erzählen. Alle lachten. Felix trat leise ein, schloss die Tür und stellte seine Tasche ab. Neymar drehte sich zu ihm: „Wo warst du so lange?“ Felix lächelte geheimnisvoll. „Ich war auf einer kleinen Reise. In die Vergangenheit. Und irgendwie… auch ein Stück in die Zukunft.“ Dienstag, 20. Mai 2025 – Spieltag im Wohnzimmer Der fünfte Tag begann später als die vorherigen. Es war bereits nach neun, als Felix die Augen öffnete. Die Nacht war ruhiger gewesen – kein Katheter nötig, keine Gedanken, die ihn gequält hatten. Die Sonne fiel durch die halb geöffneten Vorhänge, und draußen hörte man das erste Vogelgezwitscher und das entfernte Rumpeln eines Müllwagens. Unten im Wohnzimmer war es ruhig. Nur das leise Klirren von Geschirr aus der Küche verriet, dass bereits jemand wach war – wahrscheinlich Ronaldo, der sich morgens gerne früh einen Tee machte. Felix streckte sich, rieb sich die Augen und erinnerte sich an etwas, das er schon seit Tagen machen wollte: „Wir haben noch gar kein FIFA gespielt.“ Er grinste. Vier Weltstars im Haus, und noch keiner hatte sich an die Konsole gesetzt. Das musste sich ändern. Noch heute. 11:30 Uhr – Die FIFA-Runde wird eröffnet Nach dem Frühstück – Brötchen, Butter, Marmelade, Ei und natürlich dem obligatorischen Kaffee für Neymar – schlug Felix ganz beiläufig vor: „Also… ich hab FIFA 25 auf der Playstation. Wer traut sich gegen mich?“ Luis sprang sofort an. „Ich bin dabei. Aber ich nehm Uruguay!“ „Ich nehm Argentinien“, sagte Messi ruhig. „Ich spiel nicht gegen mich selbst“, lachte Neymar. „Ich nehm Brasilien – aber ohne mich!“

Cristiano lehnte sich zurück. „Ich schau erstmal zu. Aber wehe, jemand spielt Portugal schlecht.“ Felix grinste. „Dann machen wir ein kleines Turnier. Jeder gegen jeden. Zwei Halbzeiten à fünf Minuten. Und ich spiel Mainz 05. Klar.“ 13:00 Uhr – Wohnzimmer wird zur Arena Die Konsole war schnell aufgebaut, Controller geladen, Snacks bereitgestellt – Chipsreste vom Vortag, ein paar belegte Brötchen und Apfelschorle. Felix saß auf seinem gewohnten Platz, der Controller lag perfekt in der Hand. Erstes Spiel: Felix (Mainz) vs. Luis (Uruguay) Ein harter Schlagabtausch. Luis kannte alle Tricks, aber Felix war konzentriert. 2:2 zur Pause. In der zweiten Hälfte traf Burkardt nach einer Ecke – 3:2 für Felix. „Das ist unverschämt!“, rief Luis, lachte aber herzlich. Zweites Spiel: Neymar (Brasilien) vs. Messi (Argentinien) „Wie im echten Leben“, flüsterte Felix. Es wurde ein 4:3-Spektakel. Neymar gewann mit einem Last-Minute-Tor von Vinicius Jr. Messi schüttelte nur den Kopf: „Ich hab FIFA nie geliebt.“ Drittes Spiel: Felix vs. Neymar Jetzt wurde es ernst. Neymar dribbelte wie im echten Leben, nutzte jede Lücke. Doch Felix konterte stark. Endstand: 2:2. „Unentschieden gegen Brasilien“, sagte Felix stolz. „Ich nehm das wie ein Sieg.“ Viertes Spiel: Felix vs. Messi Das schwerste Match. Messi spielte ruhig, analytisch, fast emotionslos – und genau das war gefährlich. Felix kam kaum durch. Am Ende verlor er 0:2 – aber es fühlte sich an wie ein Lehrgang. Cristiano, der alles beobachtet hatte, lächelte. „Jetzt ich. Gegen alle. Aber nur ein Spiel. Portugal. Und ich mach die Tore – verstanden?“ Alle lachten. 14:15 Uhr – Das letzte Spiel: Felix vs. Cristiano Felix wusste: Das war sein Endspiel. Ronaldo gegen Mainz. Portugal gegen den Jungen mit dem Herzen eines Fans. Es war hart. Ronaldo dominierte. Doch Felix verteidigte clever, ließ kaum Lücken. In der 88. Minute stand es noch 0:0. Dann: Ecke für Portugal. Ronaldo lief in den Strafraum – und schoss mit dem virtuellen „er selbst“ ein wuchtiges Kopfballtor. 1:0. Ronaldo sprang auf: „Wie im echten Leben!“ Felix hielt den Controller fest, biss sich auf die Lippe – und lachte dann. „Ich wurde von dir selbst besiegt. Das lass ich gelten.“ 15:00 Uhr – Nachspielzeit Nach den Matches lagen alle verteilt auf dem Sofa, auf dem Teppich, an die Wand gelehnt. Chips leer, Brötchenreste übrig, Getränke fast ausgetrunken. „Ich liebe solche Tage“, murmelte Felix. „Weißt du“, sagte Neymar, „bei all den Stadien und Trophäen… das hier? Das ist echter Fußball. Herz, Spaß, Freunde.“ Felix nickte. Und irgendwo tief in ihm war heute etwas ganz Besonderes passiert. Nicht, weil er FIFA gewonnen oder verloren hatte. Sondern weil er ein Spiel gespielt hatte – mit denen, die ihm wichtig geworden waren. Und weil es sich nicht angefühlt hatte wie ein kurzer Moment, sondern wie ein Stück echtes Leben.

Mittwoch, 21. Mai 2025 – Eingewöhnt Der sechste Tag begann ruhig. Es war noch nicht ganz hell, als Felix die Augen öffnete. Ein sanfter, grauer Morgen legte sich über Mainz, die Straßen waren noch still, kein Wind, kein Vogelgezwitscher – nur das sanfte Ticken der Wanduhr in seinem Zimmer. Felix blieb noch einen Moment liegen. Seine Hand wanderte instinktiv unter die Decke, dorthin, wo der Katheterbeutel unter seiner Hose befestigt war. Er spürte ihn, leicht, kaum störend. Kein Ziehen, kein Brennen. Kein Unwohlsein mehr. Er blinzelte und setzte sich langsam auf. Es war der erste Morgen seit Tagen, an dem er nicht mit Widerwillen an den Katheter dachte. Es war einfach da – ein Teil von ihm, aber kein Feind mehr. Er war damit aufgewacht, ohne inneren Widerstand. Im Bad erledigte er seine Routine wie selbstverständlich. Er kontrollierte die Lage des Katheters, desinfizierte den Anschluss, leerte den Beutel in die Toilette und spülte anschließend mit der Blockspritze nach – alles sachlich, sicher, ruhig. Kein Zittern. Kein Überlegen, was der nächste Schritt war. Alles saß. Als er sein Gesicht im Spiegel sah, erkannte er sich selbst wieder – nicht krank, nicht gebrochen. Einfach Felix. Einer, der seinen Weg kennt. Und auch, wenn er diesen Weg nicht gewählt hatte, so ging er ihn jetzt mit Würde. 08:00 Uhr – In der Küche Als er die Treppe hinunterkam, war bereits Leben im Haus. Neymar rührte etwas in einer Pfanne, Messi saß mit einem Buch am Tisch, Ronaldo war in Sportkleidung und trank seinen gewohnten Tee, während Luis mit der Zeitung raschelte und grimmig auf das Horoskop blickte. „Guten Morgen, Bruder!“, rief Luis. „Du siehst wach aus“, stellte Messi fest. Ronaldo nickte ihm zu, ruhig und mit Respekt. Felix setzte sich, nahm sich ein Glas Wasser und dann ein Brötchen aus dem Korb. Ohne Hast, ohne Hektik. Er fühlte sich heute nicht schwer oder verletzlich. Im Gegenteil – er war angekommen in seiner Situation. „Gut geschlafen?“, fragte Neymar. Felix nickte. „Ja. Und… ich glaube, ich hab mich wieder daran gewöhnt. An den Katheter.“ Alle schwiegen für einen Moment. Nicht aus Betroffenheit – sondern aus Anerkennung. Dann sagte Messi leise: „Weißt du, wie viele Menschen sich wünschen würden, so ehrlich mit sich selbst zu sein?“ Felix lächelte. Nicht verlegen, sondern echt. „Ich hab’s nicht geplant. Aber jetzt, wo es so ist… will ich’s auch richtig machen.“ Ronaldo hob sein Glas. „Dann trinken wir auf den Mann, der wieder Kontrolle hat – über seinen Körper und über seinen Kopf.“ Die anderen stießen mit an. Wasser, Kaffee, Tee – egal. Der Moment zählte. Felix wusste: Das Thema war nicht vorbei. Vielleicht würde der Katheter noch Tage oder Wochen bleiben. Vielleicht würde es Rückschritte geben. Aber der Morgen des sechsten Tages war ein kleiner Sieg. Ein stiller, aber bedeutender. Und er nahm ihn mit in den Tag. Mittwoch, 21. Mai 2025 – Der alte Rollstuhl Nach dem Frühstück blieb Felix noch eine Weile am Küchentisch sitzen. Während die Spieler sich über das nächste Trainingsthema unterhielten – Ronaldo hatte vorgeschlagen, aus Spaß eine „Mini-Fußball-Olympiade“ im Garten zu machen – war Felix in Gedanken ganz woanders. Der Rollstuhl vom Montag ließ ihn nicht los. Dieses Gefühl, als er durch die leeren Flure der Uniklinik gerollt war, ganz bewusst, selbstbestimmt, erinnernd – es hatte etwas in ihm ausgelöst. Nicht nur Nostalgie, sondern ein tieferes Bedürfnis nach Sicherheit.

Nicht, weil er den Rollstuhl aktuell brauchte. Aber: Was, wenn doch wieder eine Phase kam, in der er nicht mehr gehen konnte? Was, wenn der Katheter wieder schlimmer wurde, und alles in Bewegung schwieriger war? Er hatte früher selbst einen Rollstuhl gehabt. Einen schlichten, gebrauchten, den ihm damals die Krankenkasse zur Verfügung gestellt hatte, als er wochenlang wegen seiner Blasenprobleme kaum laufen konnte. Nach seiner Besserung war er irgendwann im Keller verschwunden – eingestaubt, halb vergessen, wie ein Kapitel, das man lieber nicht aufschlägt. 12:30 Uhr – Der Weg in den Keller Felix schnappte sich seine Jacke, zog feste Schuhe an und rief seiner Mutter kurz zu: „Ich schau mal im Keller nach dem alten Rollstuhl. Ich glaub, ich will den reparieren lassen.“ Sie sah ihn überrascht an. „Willst du den… benutzen?“ „Nur im Notfall. Aber ich will ihn haben. Für mich. Damit ich was hab, wenn’s mal wieder schlimm wird. Und… vielleicht auch, weil er zu mir gehört.“ Sie nickte. Kein Wort des Widerspruchs. Nur Zustimmung. Im Keller roch es muffig nach Staub und alter Farbe. Zwischen Weihnachtskisten, ausrangierten Büchern und einem alten Wäscheständer stand er: der Rollstuhl. Er war eingeklappt, an der Seite angelehnt, etwas rostig an den Schrauben, die Reifen platt, das Sitzpolster ausgeblichen. Aber: stabil. Noch zu retten. Felix rollte ihn langsam Richtung Kellertreppe, klappte ihn oben auf und ließ ihn im Flur stehen. Luis, der gerade aus dem Bad kam, sah ihn und hob eine Augenbraue. „Was hast du da?“ „Meinen alten Rollstuhl“, sagte Felix ruhig. „Ich will ihn reparieren lassen. Vielleicht neu beziehen. Neue Reifen. Einfach, damit er wieder da ist.“ Luis nickte. „Ich helf dir.“ 13:15 Uhr – Der Weg zur Reha-Werkstatt Felix hatte sich vorher erkundigt. Es gab eine kleine Reha-Werkstatt in der Nähe vom Hauptbahnhof, die auf Rollstuhlservice spezialisiert war. Sie reparierten, überholten, passten an – und machten keine unnötigen Fragen, sondern fanden Lösungen. Felix und Luis transportierten den Rollstuhl mit der Straßenbahn. Luis trug ihn über die Einstiegstufe, Felix hielt ihn fest. Es war merkwürdig, ihn wieder mitzunehmen. Es fühlte sich nicht schwach an. Im Gegenteil: Er war vorbereitet. In der Werkstatt wurde er freundlich empfangen. Ein Techniker in grauer Hose mit ölverschmierten Händen begutachtete das Modell, drehte ihn einmal um, prüfte die Lager. „Die Grundstruktur ist gut. Die Polster müssen neu, die Reifen definitiv. Ich empfehle auch neue Handgriffe. Und den Rost an den Schrauben mach ich weg.“ „Wie lange dauert das?“, fragte Felix. „Zwei, drei Tage. Dann ist er wieder wie neu.“ Felix nickte. „Gerne.“ Er füllte das Formular aus, übergab den Rollstuhl – und bekam einen kleinen Abholschein. 14:00 Uhr – Auf dem Rückweg Auf dem Weg zurück sagte Luis leise: „Das war mutig.“ Felix schüttelte den Kopf. „Nein. Das war einfach nur ehrlich. Ich will nicht wieder wegrennen vor den Sachen, die mal schwierig waren.“ „Das mein ich mit mutig“, sagte Luis. „Du gehst auf deine Vergangenheit zu. Viele rennen davon.“

Felix sagte nichts mehr. Aber in seinem Inneren war etwas ruhig geworden. Er hatte einen Teil von sich zurückgeholt. Nicht, um darin zu bleiben. Sondern, um bereit zu sein – für alles, was noch kommt. Mittwoch, 21. Mai 2025 – Später Mittag, die Geschichte des Rollstuhls Es war kurz nach halb vier, als Felix wieder zuhause ankam. Luis hatte ihn bis zur Tür begleitet, gemeinsam hatten sie den Rückweg nach dem Besuch der Reha-Werkstatt in ruhigem Schweigen verbracht. Keine großen Worte, aber eine stille Verbundenheit. Im Wohnzimmer saßen bereits die anderen: Messi und Neymar hatten es sich mit einer Decke auf dem Sofa bequem gemacht und schauten eine alte Fußball-Doku auf dem Fernseher. Ronaldo saß in der Leseecke mit einer Zeitung in der Hand, die er aufmerksam, aber eher aus Gewohnheit als aus echtem Interesse durchblätterte. Als Felix eintrat, bemerkten sie sofort, dass ihn etwas beschäftigte. Nicht schwer oder traurig – eher nachdenklich, vielleicht ein wenig melancholisch. „Na, wie war’s?“, fragte Neymar und klopfte neben sich auf das Sofa. Felix setzte sich. Für einen Moment sagte er nichts. Dann begann er leise, aber bestimmt zu erzählen: „Ich hab den alten Rollstuhl heute in die Werkstatt gebracht. Meinen eigenen. Den ich damals hatte, als es mir schlecht ging…“ Messi sah ihn ruhig an. „Der vom Keller?“ Felix nickte. „Genau der. Den hab ich damals bekommen, als ich wochenlang fast nicht laufen konnte – wegen der Blasenentzündung. Ich hatte eigentlich zwei. Einen normalen, für den Alltag… und einen Sportrollstuhl, weil ich damals in der Reha ein bisschen Training gemacht hab.“ „Sportrollstuhl?“, fragte Ronaldo überrascht. „Du hast trainiert?“ „Ja“, sagte Felix, „ich bin damals jeden zweiten Tag ein paar Runden in der Halle gefahren. Es war das Einzige, wo ich mich schnell und frei gefühlt hab. Ich hab den Rollstuhl sogar auf eigene Faust angepasst – mit Kissen, Griffband, alles.“ „Und dann?“, fragte Luis leise. Felix sah zu Boden. Dann blickte er wieder auf. „Dann kam der Tag, an dem die Krankenkasse gesagt hat, dass ich ihn zurückgeben muss. Weil ich ja wieder aufstehen konnte. Weil’s nur eine ‘vorübergehende Versorgung’ war.“ „Aber hättest du ihn nicht behalten dürfen?“, fragte Neymar. „Theoretisch schon.“, sagte Felix. „Wenn ich’s beantragt hätte. Oder wenn mein Arzt ein Attest geschrieben hätte, dass ich ihn langfristig brauche – für den Fall, dass wieder was kommt. Aber damals… ich hatte nicht den Mut, das durchzuziehen. Ich wollte nicht noch mehr kämpfen. Ich war müde. Also hab ich beide Rollstühle zurückgegeben.“ Messi schwieg einen Moment. Dann sagte er ruhig: „Und jetzt holst du dir zurück, was dir eigentlich nie hätte genommen werden dürfen.“ Felix nickte. „Es geht mir nicht ums Fahren. Ich will nicht zurück in die Phase von damals. Aber… ich will den Rollstuhl nicht mehr als Schamstück sehen. Sondern als Teil von mir. Als etwas, das mir geholfen hat.“ „Wie ein alter Freund“, sagte Luis. „Ja“, murmelte Felix. „Ein Freund, den ich nie richtig verabschiedet hab.“ Ronaldo stand auf, ging zum Fenster, sah hinaus. Dann sagte er leise: „Manche Kämpfe verlieren wir nicht, weil wir schwach sind. Sondern weil wir noch nicht bereit waren. Du bist jetzt bereit, Felix. Und das ist alles, was zählt.“ Neymar war inzwischen aufgestanden, hatte sich hinter Felix gestellt und legte ihm kurz die Hände auf die Schultern. „Wenn du willst, trainieren wir irgendwann wieder mit dem Sportrollstuhl. So wie du’s früher gemacht hast.“ Felix grinste. „Vielleicht. Wenn ich ihn zurückbekomme. Und wenn du mitmachst.“

„Abgemacht“, sagte Neymar. „Aber nur, wenn ich meinen eigenen krieg. In Gelb.“ Alle lachten. Der Nachmittag ging weiter. Aber in Felix war etwas in Bewegung geraten – nicht körperlich, sondern innerlich. Er hatte den Mut gefunden, ein Stück seiner Geschichte zurückzuholen. Nicht, um darin zu leben. Sondern, um frei damit weiterzugehen. Mittwoch, 21. Mai 2025 – Abend, ein Wunsch zum Geburtstag Der Tag neigte sich dem Ende zu. Draußen war es bereits dunkel, doch im Wohnzimmer herrschte noch warmes, ruhiges Licht. Die Deckenleuchten waren gedimmt, auf dem Tisch standen leere Gläser und ein paar Krümel vom Abendbrot, und in der Ecke lief leise Musik – ein ruhiges Gitarrenstück, das Messi ausgesucht hatte. Felix saß auf dem Teppich, die Beine im Schneidersitz, den Rücken an die Couch gelehnt. Um ihn herum: Neymar, der sich mit einem kleinen Ball die Zeit vertrieb, Ronaldo, der in einem Buch blätterte, Messi, der ganz in sich gekehrt ein Sudoku löste, und Luis Suárez, der aus einer Teetasse trank und den Tag auf sich wirken ließ. Felix hatte schon den ganzen Nachmittag mit dem Gedanken gespielt. Jetzt war der Moment da. Er hob den Kopf, sah in die Runde und sagte ruhig, aber mit einem Anflug von Nervosität: „Darf ich euch was fragen… etwas, das mir wirklich wichtig ist?“ Alle hoben die Blicke. Es war still. Nicht fragend, sondern aufmerksam. Felix fuhr leise fort: „Ich hab heute gemerkt, wie sehr ich mich im Rollstuhl damals… sicherer gefühlt hab. Ich hatte ein viel besseres Gleichgewicht als zu Fuß. Ich war zwar eingeschränkt – aber gleichzeitig freier. Und… ich hab drüber nachgedacht… wenn ich mit dem normalen Rollstuhl, den ich zur Reparatur gegeben hab, wieder gut zurechtkomme…“ Er holte tief Luft. „…ob ich mir dann zum Geburtstag von euch vielleicht einen richtigen Sportrollstuhl wünschen darf. Einen, der wirklich zu mir passt. Nicht aus Mitleid. Sondern, weil ich damit wieder was machen will, was mir damals gutgetan hat.“ Er hielt inne. Die Anspannung war spürbar – nicht weil er sich schämte, sondern weil dieser Wunsch ein großes Stück Vertrauen bedeutete. Luis stellte seine Tasse ab. „Meinst du das ernst, Felix?“ Felix nickte. „Ja. Ich will nicht mehr warten, bis ich wieder muss. Ich will, dass es da ist, wenn ich es brauche. Und… ich will lernen, richtig damit umzugehen. Nicht nur aus Not. Sondern weil ich weiß, dass ich mich darin stärker gefühlt habe als ohne.“ Cristiano legte sein Buch zur Seite. Er sah Felix ernst an, dann sagte er: „Du weißt, dass wir dir alles schenken könnten – einen Fernseher, eine Uhr, ein Trikot von jedem Spieler dieser Welt. Aber das hier… das ist was anderes. Das ist kein Geschenk. Das ist ein Vertrauen in dich selbst. Und wenn du uns wirklich darum bittest…“ Er sah zu den anderen. Messi nickte. Neymar sofort. Luis grinste: „Ich schieb dich persönlich zur ersten Probefahrt.“ „Dann bekommst du ihn“, sagte Ronaldo bestimmt. „Aber unter einer Bedingung.“ Felix hob die Augenbrauen. „Welche?“ „Du nutzt ihn nicht nur, wenn’s dir schlecht geht. Du lernst, damit frei zu sein. Nicht krank. Nicht bedürftig. Sondern einfach du. Stärker. Beweglicher. Selbstbestimmter.“ Felix schluckte. Dann lächelte er. „Genau das will ich.“ Neymar grinste breit. „Dann bauen wir dir dein eigenes Trainingsprogramm. RollstuhlEdition. Mit Wendungen, Dribblings und Slalomfahrten.“ Luis fügte hinzu: „Und ich krieg auch einen. Ich will ein Rennen gegen dich.“ Alle lachten. Felix lehnte sich zurück. Es war nicht einfach gewesen, diesen Wunsch auszusprechen. Aber jetzt… war er ausgesprochen worden. Und angenommen. Mit offenen Herzen.

Es war nicht mehr die Vergangenheit, die ihn definierte. Sondern der Mut, aus ihr etwas zu machen – für sich selbst. Für das, was kommt. Mittwoch, 21. Mai 2025 – Frühe Nacht, ein Finale in der Stille Die Nacht war längst hereingebrochen, doch im Wohnzimmer brannte noch Licht. Es war mittlerweile kurz nach 21:30 Uhr. Die anderen im Haus waren schon zur Ruhe gekommen – Caro hatte sich in ihr Zimmer zurückgezogen, auch Felix’ Mutter und die Ersatzoma hatten sich verabschiedet. Doch für Felix stand noch etwas Wichtiges an: Das Finale der UEFA Europa League. Tottenham Hotspur gegen Manchester United. Ein englisches Duell. Spannung war garantiert. Und Felix – auch wenn er kein Fan beider Teams war – wollte sich das nicht entgehen lassen. Große Finals bedeuteten ihm viel. Sie waren mehr als Spiele. Sie waren Geschichten. Und heute war wieder so ein Abend. 21:45 Uhr – Anstoß Felix hatte sich in seine Jogginghose und ein weiches Hoodie gekuschelt, lag halb unter einer Decke auf dem Sofa. Die Konsole war aus, der Fernseher zeigte nun die Übertragung aus dem ausverkauften Stadion in Dublin. Die Atmosphäre war elektrisierend. Messi kam leise ins Wohnzimmer, ein Glas Wasser in der Hand. „Schon dabei?“ „Anstoß ist gerade“, flüsterte Felix. „Willst du mitgucken?“ „Klar“, sagte Messi und setzte sich ruhig neben ihn. Nach und nach kamen auch Ronaldo, Neymar und Luis dazu. Es war, als wäre es verabredet gewesen – ohne Worte, einfach aus Gemeinschaft. Sie alle schauten. Kommentierten leise, nickten anerkennend bei guten Spielzügen. Das Spiel war offen, intensiv, beide Mannschaften hatten Chancen, doch es blieb bis tief in die zweite Halbzeit torlos. Dann, in der 82. Minute: Ein Angriff über Tottenhams rechte Seite, eine flache Hereingabe in den Strafraum – und dann passierte es: Ein unglückliches Eigentor von Brennan Johnson, der in einem wilden Klärungsversuch den Ball ins eigene Netz bugsierte. 1:0 für Tottenham. Die Spieler schwiegen. Felix riss die Augen auf. „Das darf doch nicht wahr sein… so ein Spiel, so ein Finale… und dann sowas?“ Cristiano schüttelte nur den Kopf. „So grausam ist Fußball.“ Die letzten Minuten verstrichen. United warf alles nach vorn, Rashford traf die Latte, Fernandes scheiterte aus zehn Metern – doch nichts sollte mehr passieren. Schlusspfiff. Tottenham Hotspur ist Europa-League-Sieger. Die Spieler jubelten, die weißen Trikots verschwammen im Konfettiregen. Johnson kniete am Boden, wurde von seinen Mitspielern getröstet. Felix sah schweigend zu. „Ein Spiel, das man nie vergessen wird“, sagte er leise. „Weil es zeigt, dass du selbst in einem Finale die Kontrolle verlieren kannst“, fügte Messi hinzu. „Oder weil du weißt, dass du manchmal einfach nur Pech hast“, sagte Neymar. „Oder dass Fußball nicht immer gerecht ist“, meinte Luis. Ronaldo nickte. „Aber auch nicht planbar. Und genau deshalb lieben wir ihn.“ 00:05 Uhr – Schlaftee und Stille Nach dem Spiel gingen sie in die Küche. Felix’ Mutter hatte wie jeden Abend eine Thermoskanne mit Schlaftee vorbereitet – Kamille, Lavendel, ein Hauch Fenchel. Felix goss für alle ein. Sie standen still in der Küche, tranken langsam, blickten durch das Fenster in die dunkle Nacht.

„Morgen wird’s ruhiger“, murmelte Felix. „Oder genau deshalb besonders“, sagte Messi. Nachdem die Tassen leer waren, ging jeder leise in sein Zimmer. Kein großes Gute-NachtRitual. Nur ein kurzer Blick, ein Nicken, ein stilles Verstehen. Felix kroch ins Bett, zog die Decke bis unter das Kinn. In seinem Kopf schwirrte noch der Ball durch das Netz. Nicht sein Eigentor. Aber eines, das ihn daran erinnerte: Man kann alles richtig machen – und trotzdem verlieren. Aber man kann auch aufstehen. Weitergehen. Und vielleicht beim nächsten Mal selbst treffen. Mit diesem Gedanken schlief er ein. Tief, ruhig, getragen von einem Tag, der voller echter Geschichten war. Donnerstag, 22. Mai 2025 – Mittag, die Nachricht von der Operation Es war gegen 12:45 Uhr, als Felix gerade in der Küche dabei war, ein paar Brötchen für den Mittag herzurichten. Es war ein ruhiger, sonniger Tag. Die Spieler hatten sich auf der Terrasse versammelt, spielten mit einem kleinen Softball, den Neymar aus dem Supermarkt mitgebracht hatte. Messi las im Schatten, während Luis versuchte, Ronaldo zu überreden, mit ihm ein kleines Technikspiel mit verbundenen Augen zu machen – was dieser natürlich ablehnte. Felix schnitt gerade eine Gurke in feine Scheiben, als sein Handy vibrierte. Eine Nachricht von seiner Mutter. „Felix, komm bitte kurz ins Wohnzimmer. Es geht um Caro.“ Sein Herz machte einen Sprung. Keine Panik, aber sofort volle Aufmerksamkeit. Er legte das Messer weg, wischte sich die Hände ab und ging schnellen Schrittes durch den Flur. Im Wohnzimmer saß seine Mutter, mit ernster, aber gefasster Miene. Caro war nicht zu sehen – sie war am Vormittag zur Voruntersuchung für ihre geplante Blasen-OP ins Krankenhaus gegangen. Eigentlich sollte sie am nächsten Tag operiert werden. „Was ist los?“, fragte Felix vorsichtig. Seine Mutter hielt das Handy in der Hand. „Caro hat gerade angerufen. Die Operation… wurde verschoben.“ Felix blinzelte. „Warum? Ist was passiert?“ „Nein, nichts Schlimmes im eigentlichen Sinne. Sie ist stabil. Aber sie haben bei der heutigen Untersuchung festgestellt, dass ein bestimmter Entzündungswert im Blut zu hoch ist. Es wäre zu riskant, sie jetzt schon zu operieren. Die Ärzte wollen das erst mit Medikamenten in den Griff kriegen. Jetzt bekommt sie ein Antibiotikum und bleibt noch ein paar Tage zur Beobachtung. Neuer OP-Termin: frühestens in einer Woche.“ Felix ließ sich langsam auf die Sesselkante sinken. „Okay… ich mein… das ist… gut? Oder nicht?“ Seine Mutter nickte. „Es ist besser, zu warten, als ein Risiko einzugehen. Caro selbst war enttäuscht, aber sie klang gefasst. Und du kennst sie – sie versucht, uns zu beruhigen, obwohl wir sie beruhigen müssten.“ Felix atmete tief ein. In ihm mischten sich Erleichterung und Enttäuschung. Die Vorstellung, dass die OP endlich bevorstand, hatte ihm Halt gegeben. Klarheit. Und jetzt war wieder alles offen. Warten. Wieder. „Kann ich sie besuchen?“, fragte er leise. „Sie hat gesagt, heute lieber noch nicht. Morgen vielleicht. Aber du kannst ihr schreiben. Oder anrufen.“ Felix nickte. Dann stand er langsam auf. „Ich bring den anderen das Essen raus. Und dann… schreib ich ihr.“ 13:15 Uhr – Auf der Terrasse

Felix stellte den Brötchenteller auf den Tisch. „Essen ist da“, sagte er. Seine Stimme war ruhig, aber nicht ganz wie sonst. Messi blickte auf. „Alles okay?“ Felix zögerte. Dann erzählte er von der verschobenen Operation. Kurz, sachlich, ohne große Dramatik. Doch man merkte ihm an, dass es ihn beschäftigte. Luis legte seinen Ball zur Seite. Neymar zog die Sonnenbrille hoch und hörte aufmerksam zu. „Es ist gut, dass sie vorsichtig sind“, sagte Ronaldo ruhig. „Eine Woche ist besser als ein Monat zu früh.“ „Ich weiß“, sagte Felix. „Ich hab’s verstanden. Ich… brauch nur einen Moment, um’s zu akzeptieren.“ Neymar reichte ihm wortlos ein Brötchen. „Essen hilft manchmal. Nicht gegen alles. Aber gegen das Gefühl, dass man nichts tun kann.“ Felix nahm es, sagte Danke. Dann setzte er sich dazu. Die Sonne war mild. Der Nachmittag lag noch vor ihnen. Und auch wenn die OP verschoben war – Felix war nicht allein mit seiner Sorge. Und das machte es leichter. Schritt für Schritt. Tag für Tag. Donnerstag, 22. Mai 2025 – Abend, Relegationsspiel voller Hoffnung Der Tag war lang gewesen – angefüllt mit Gedanken an Caros verschobene Operation, kleinen Momenten der Entspannung auf der Terrasse und stiller Nachdenklichkeit in Felix’ Blick. Doch am Abend war er wieder hellwach. Denn nun stand etwas bevor, das ihn emotional sehr bewegte: das Hinspiel der Bundesliga-Relegation zwischen dem 1. FC Heidenheim (FCH) und dem SV Elversberg (ELV). Für viele mag es nur ein „Kampf um den letzten Platz“ sein, doch für Felix war es eine Herzenssache. Er hatte in den vergangenen Monaten immer wieder von Elversberg geschwärmt – einem kleinen, kämpferischen Club, der sich mit Leidenschaft durch die 2. Liga gearbeitet hatte. Und jetzt, jetzt war der große Moment da: die Chance auf BundesligaFußball. 20:25 Uhr – Wohnzimmer, Spielanpfiff Felix saß gemeinsam mit Ronaldo auf dem Sofa. Neymar hatte sich quer über einen Sitzsack gelegt, Messi stand an der Wand mit verschränkten Armen, Luis saß am Boden, Rücken gegen die Couch. Jeder hatte sich Snacks geholt – Chips, Apfelschorle, ein paar belegte Brötchenreste vom Mittag. „Ich sag’s gleich“, sagte Felix leise, aber bestimmt, „ich bin für Elversberg. Ich will, dass sie aufsteigen. Heidenheim hatte ihre Zeit. Jetzt sind die anderen dran.“ Ronaldo grinste. „Und was machst du, wenn’s nicht klappt?“ Felix sah ihn an. „Dann hoffe ich auf ein Wunder im Rückspiel.“ Anpfiff – und Elversberg überrascht Schon nach wenigen Minuten merkte man: Elversberg kam mit Mut. Kein Rückzug, kein Abwarten. Und dann, in der 18. Minute: Lucas Petkov setzt sich auf der rechten Seite durch, schießt flach – und TOOOOOR! 0:1 für ELV. Felix sprang auf. „JA! JA! Petkov! Ich hab’s gesagt – der ist gefährlich!“ Die Spieler klatschten mit. Neymar lachte: „Du bist heute Trainer, oder?“ „Ich bin Fan. Und das ist fast dasselbe“, erwiderte Felix mit leuchtenden Augen. Kurz vor der Halbzeit dann die Sensation: 42. Minute – Pass von Rochelt, Annahme von Fisnik Asllani, Drehung – Tor. 0:2. Felix war fassungslos. „Das passiert wirklich… sie führen. In Heidenheim. Mit zwei Toren.“ Ronaldo nickte anerkennend. „Die spielen wie eine Mannschaft, die es ernst meint.“

Zweite Halbzeit – Heidenheim schlägt zurück Doch dann, wie so oft im Fußball, wendete sich das Blatt. 62. Minute – Ecke FCH, Siersleben steigt hoch – 1:2. 64. Minute – ein schneller Angriff, Honsak zieht ab – 2:2. Innerhalb von zwei Minuten war der Vorsprung dahin. Felix setzte sich langsam wieder, die Hände im Schoß, die Stirn in Falten. „Es passiert schon wieder. Sie verlieren den Faden…“ Messi legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. „Sie haben auswärts zwei Tore geschossen. Das ist kein Rückschritt. Das ist eine Einladung für das Rückspiel.“ Abpfiff – und neue Hoffnung Als der Schiedsrichter die Partie abpfiff, war das Ergebnis klar: 2:2. Für manche ein offenes Ergebnis. Für Felix: ein Grund, weiter zu träumen. „Sie haben’s in der Hand“, sagte er leise. „Zuhause. Mit den Fans. Ein Tor. Ein Moment. Und sie sind oben.“ Luis hob den Daumen. „Ich glaub an sie. Die sind bissig.“ Neymar grinste: „Und wenn sie’s schaffen, spendieren wir dir ein Elversberg-Trikot. Mit Petkov hinten drauf.“ Felix lachte. „Mit Asllani. Oder beiden.“ 22:30 Uhr – Tee, Gedanken und ein Lächeln Später saßen sie noch in der Küche. Die Stimmung war ruhig. Der Tee dampfte in den Tassen – Lavendel, wie immer abends. Felix sah aus dem Fenster, wo die Dunkelheit Mainz sanft umhüllte. „Ich hoffe so sehr, dass sie’s schaffen“, murmelte er. Cristiano nahm einen Schluck Tee. „Hoffnung ist die erste Halbzeit. Der Glaube ist die zweite. Und am Ende… gewinnt der, der bis zum Schluss kämpft.“ Felix nickte. „Dann ist Elversberg noch lange nicht fertig.“ Sie tranken schweigend, jeder mit seinen Gedanken. Und in Felix brannte weiter die Hoffnung – auf das Rückspiel. Auf den Aufstieg. Auf das nächste kleine Wunder. Freitag, 23. Mai 2025 – Ein seltsames Mittagessen Der achte Tag begann ruhig. Nach dem emotionalen Relegationsabend hatte Felix lange geschlafen. Erst gegen halb zehn schlurfte er die Treppe herunter, im gemütlichen Schlafshirt, noch etwas zerzaust, aber innerlich gefestigt. Die Gedanken an Caro, Elversberg und seinen reparierten Rollstuhl begleiteten ihn, doch sie lagen heute wie weich eingebettet im Hintergrund. Es war ein Tag ohne Termine, ohne Spiel – nur Familie, Alltag, vielleicht ein Spaziergang. Seine Mutter hatte bereits den Herd angeworfen, die Küche roch nach Butter, Gemüsebrühe und Muskat – Spargelsuppe stand auf dem Speiseplan, wie jedes Jahr zu dieser Zeit, wenn der Mai langsam auf den Juni zusteuerte. „Ich mach heute was Einfaches, aber Gutes“, sagte sie, während sie rührte. „Spargelcremesuppe, wie Oma sie immer gemacht hat.“ Felix nickte. Eigentlich mochte er Spargelsuppe – besonders mit geröstetem Brot dazu. Doch irgendetwas war heute anders. Vielleicht lag es daran, dass er noch leicht müde war, vielleicht auch einfach am Wetter, das plötzlich schwül geworden war. 12:45 Uhr – Mittagessen Die Familie hatte sich am Esstisch versammelt. Auch die Spieler waren da – Ronaldo saß wie immer aufrecht, Messi hatte bereits leise gesagt, dass er nur eine kleine Portion wolle, und Neymar fragte nach zusätzlichem Pfeffer. Luis hingegen freute sich auf alles, was heiß war und nach „Hausmannskost“ roch.

Die Mutter stellte die Suppenschüssel auf den Tisch, dampfend, duftend, cremig. Alle löffelten vorsichtig. Felix zögerte kurz, pustete, nahm dann den ersten Löffel. Zuerst war alles gut. Warm, würzig, vertraut. Doch beim dritten Löffel verzog er plötzlich das Gesicht. Er hielt inne, schob die Suppe in der Wange zur Seite und spuckte plötzlich leise etwas in seine Serviette. „Was ist?“, fragte Messi besorgt. Felix schluckte, verzog das Gesicht. „Da war... was Hartes drin. Irgendwas Knorpeliges. Oder ein Schalenstück. Ich weiß es nicht.“ Er zeigte vorsichtig, was er ausgespuckt hatte: ein kleines, weißliches, zähes Stück – vermutlich ein Spargelfaserkern, nicht richtig püriert. Seine Mutter runzelte die Stirn. „Oh nein... ich hab den Spargel nicht durch den Sieb gedrückt. Nur mit dem Stabmixer püriert. Vielleicht war da was dabei…“ „Das war richtig ekelhaft“, murmelte Felix ehrlich, aber nicht wütend. „Ich konnte’s nicht runterschlucken.“ Seine Mutter nickte schnell. „Warte – ich mach sie dir nochmal durch den Sieb. Dann wird sie ganz fein.“ Sie nahm den Topf, stellte sich an die Spüle, holte das Sieb und begann, die Suppe nochmals durchzupressen. Doch sie war dabei so konzentriert, dass sie etwas Wichtiges vergaß: Sie hatte nicht gesehen, dass Felix das Stück ausgespuckt hatte – und es auf dem Tellerrand in der Serviette lag. Als sie die Suppe fertig durchgesiebt hatte, goss sie erneut auf. Gerade in dem Moment kam Felix’ Vater zur Tür herein. „Oh, gibt’s Spargelsuppe?“, fragte er gut gelaunt. „Ja“, sagte die Mutter. „Frisch gesiebt, ganz ohne Stücke.“ „Hat Felix nicht was ausgespuckt?“, fragte Luis plötzlich – nicht unhöflich, sondern überrascht. Der Vater blieb stehen. „Wie bitte?“ Felix errötete. „Ja… war nur ein Stück. Aber Mama hat die Suppe ja jetzt gesiebt…“ Doch der Vater schüttelte den Kopf. Er hatte diesen einen kritischen Blick, den nur Väter haben, wenn etwas nicht mehr in Ordnung ist. „Tut mir leid… ich ess davon heute nichts mehr. Wenn da schon was ausgespuckt wurde und es dann in der Küche rumstand... Ich weiß, ihr meint es gut. Aber ich hab meinen Kopf.“ Es wurde still am Tisch. Kein Streit. Nur betretene Blicke. Die Mutter atmete tief durch. „Okay. Ist in Ordnung. Dann kriegst du später ein Brot oder was anderes.“ Felix sagte nichts. Er fühlte sich nicht schuldig – aber auch nicht ganz wohl. Ronaldo legte leise die Hand auf seinen Rücken. „Du hast nichts falsch gemacht. Sowas passiert.“ Messi nickte. „In Argentinien würden wir sagen: Manchmal hat das Essen seinen eigenen Charakter.“ Felix musste schmunzeln. Neymar griff zu seiner Serviette und tat übertrieben dramatisch so, als ob auch er etwas Hartes gefunden hätte. „Oh nein! Ein... ein Pfefferkorn! Skandal!“ Alle lachten. Und so wurde der unangenehme Moment doch noch zu etwas, worüber sie gemeinsam lachen konnten. Die Suppe wurde ausgetrunken, der Vater aß später ein belegtes Brot – und Felix wusste wieder, wie leicht aus einem kleinen Vorfall eine ganze Geschichte entstehen kann. Freitag, 23. Mai 2025 – Abend, ein Spiel verpasst und ein Spiel gewonnen Der Abend begann wie so viele dieser besonderen Tage – ruhig, vertraut, in dieser neuen, unerwarteten Gemeinschaft, die sich über die letzten acht Tage wie selbstverständlich gebildet

hatte. Nach dem kleinen Vorfall mit der Spargelsuppe war die Stimmung wieder gelöst. Felix hatte sich längst beruhigt, sein Vater hatte später noch einen Witz darüber gemacht, und die Spieler hatten mit ihren üblichen kleinen Scherzen dafür gesorgt, dass niemand lange an dem Thema hängenblieb. Gegen 19:30 Uhr saßen sie alle wieder im Wohnzimmer. Felix war in seinem Element: Er hatte die Controller der Playstation 5 geladen, Snacks bereitgelegt, ein paar kalte Getränke geholt – heute Abend sollte wieder FIFA gespielt werden. Neymar hatte den Wunsch geäußert, eine Mini-EM zu veranstalten, „nur mit Underdog-Teams“, und Ronaldo wollte unbedingt testen, wie sich Al-Nassr im Spiel anfühlte. „Heute machen wir einen FIFA-Abend, bis uns die Augen zufallen!“, hatte Neymar begeistert gerufen. Felix grinste. Er fühlte sich wohl. Sicher. Zuhause im Moment. 20:30 Uhr – Anpfiff auf der Konsole Sie starteten in die erste Runde. Felix spielte mit Schottland, Luis wählte Island, Messi setzte auf Österreich, und Neymar – wie konnte es anders sein – nahm Georgien. Das Wohnzimmer hallte von Gelächter, Flüchen, Torjubel und kleinen Kommentaren wider: „Ey, das war kein Foul!“ – „Doch, du hast ihn weggeschubst!“ – „Wie kann man den denn daneben schießen?“ Felix war konzentriert, spielte stark. In einem hitzigen Duell gegen Messi setzte er sich mit einem späten Kopfballtor in der 88. Minute durch – 2:1 für Schottland. Er stand auf, riss die Arme hoch. „Und damit bin ich im Halbfinale!“, rief er triumphierend. Die Spieler applaudierten spielerisch. Neymar warf ihm ein Kissen an den Kopf, Messi grinste nur: „Ich hab dich gewinnen lassen.“ 22:00 Uhr – Eine vergessene Realität In der Spielpause ging Felix in die Küche, holte sich ein Glas Wasser. Auf dem Weg zurück warf er einen Blick auf das Handy, das seit Stunden unbeachtet auf der Fensterbank lag. 14 verpasste Nachrichten. Von einem Schulfreund. Vom Ticker. Von seiner Fußball-App. „Elversberg kämpft wie verrückt – aber Heidenheim ist brutal stark heute.“ „Junge, du schaust das Rückspiel nicht?!“ „Bist du krank oder warum verpasst du das wichtigste Spiel der Vereinsgeschichte?“ Felix erstarrte. Die Relegation. Elversberg gegen Heidenheim. Das Rückspiel. Jetzt. Er schaute auf die Uhr. 22:04 Uhr. Das Spiel lief längst – vielleicht war es sogar schon fast vorbei. „NEIN!“, rief er plötzlich. Alle im Wohnzimmer drehten sich erschrocken um. „Was ist?“, fragte Luis. „Ich hab das Relegationsspiel vergessen! Elversberg – die Rückrunde! Ich hab’s verpasst!“ Er starrte auf sein Handy. Doch dann… hielt er kurz inne. Atmete tief durch. Messi stand auf, kam zu ihm. „Willst du’s noch schnell anmachen?“ Felix schüttelte den Kopf. „Es ist fast vorbei. Ich schau später die Zusammenfassung. Ich… ich war bei euch. Und das war gut.“ Neymar grinste: „Elversberg spielt auch nächste Saison. Aber dich in dieser Runde – das kriegt man nicht zurück.“

Ronaldo hob die Trophäe des Abends – eine leere Chipstüte – in die Luft. „Der wahre Pokal wurde heute hier vergeben.“ Felix lachte. Er hatte etwas verpasst, ja. Aber nicht alles. Manchmal war das Spiel, das man gerade spielte, wichtiger als das, das man sehen wollte. Und heute Abend hatte er – ganz ohne Live-Übertragung – trotzdem gewonnen. Samstag, 24. Mai 2025 – Mittag, Leberkäs und Kirschradler Der neunte Tag war sonnig und lebendig. Es war Samstag, das Wochenende war spürbar – nicht nur an der frischen Luft, die durch die offenen Fenster zog, sondern auch an der Stimmung im Haus. Felix war früh wach gewesen, hatte sich nach dem Frühstück kurz in sein Zimmer zurückgezogen, um seine Gedanken zu sortieren. Heute stand nichts Großes an – kein Spiel, kein Besuch, kein emotionales Auf und Ab. Und doch hatte der Tag etwas Besonderes: Felix wollte mit seinem Vater und einem der Spieler einkaufen gehen. 11:15 Uhr – Der Plan wird geschmiedet Felix stand in der Küche, einen Einkaufszettel in der Hand. Ronaldo kam dazu, sah die Liste und grinste. „Einkaufsmission?“ „Ja“, sagte Felix. „Papa und ich wollen Leberkäse holen. Und ich… brauch wieder Kirschradler.“ „Der mit dem komischen Geschmack vom letzten Mal?“ Felix schüttelte den Kopf. „Heute nehm ich die andere Sorte. Die mit intensivem Kirschgeschmack. Ich hab die mal beim Getränkemarkt in Hechtsheim gesehen. Die ist besser.“ Ronaldo sah interessiert drein. „Ich komm mit.“ Felix nickte. „Dann fahren wir zu dritt. Das wird eine Männer-Tour.“ 11:40 Uhr – Unterwegs mit dem Vater und Ronaldo Die drei machten sich auf den Weg. Felix saß vorne im Auto, sein Vater fuhr, Ronaldo hinten – zurückgelehnt, aber aufmerksam. Die Fahrt ging zuerst zum Metzger, einem bekannten Familienbetrieb, den Felix schon seit seiner Kindheit kannte. Als sie den Laden betraten, roch es nach frischem Fleischkäse, warmem Brot und Gewürzen. Felix wusste genau, was er wollte. „Einmal bitte 1.157 Gramm grober Fleischkäse, wie immer – in zwei große Scheiben geschnitten, der Rest in Stücken.“ Die Verkäuferin, die ihn kannte, lachte. „Na Felix, wieder auf den Gramm genau?“ „Natürlich“, grinste er. „Nur so schmeckt’s.“ Ronaldo staunte. „Ich hab noch nie jemanden erlebt, der so genau Leberkäse bestellt.“ „Das ist keine Bestellung. Das ist eine Wissenschaft“, entgegnete Felix ernst. 12:10 Uhr – Kirschradler und Würste Nach dem Metzger fuhren sie weiter zum Getränkemarkt in Hechtsheim. Felix steuerte zielsicher auf das Regal mit den Spezialgetränken zu. Dort stand sie: die Flasche mit dem intensiveren Kirschradler – dunkelrotes Etikett, etwas kleiner als üblich, aber mit dem Zusatz „extra fruchtig“. „Genau die“, sagte Felix. „Die ist weniger sauer. Runder im Geschmack. Die nehm ich.“ Er packte zwei Flaschen in den Korb. Auf dem Weg zur Kasse hielt er plötzlich an einem anderen Regal. Würste. Verschiedenste Sorten, eingeschweißt, bereit für Pfanne oder Grill. Felix griff zu: – Zwei Paar grobe Bratwürste

– Eine Packung Wiener – Und eine Spezialität: Pikante Käsekrainer „Für später. Vielleicht grillen wir ja morgen“, sagte er beiläufig. Sein Vater nickte. „Gute Idee. Ich hol noch Senf.“ Ronaldo prüfte die Etiketten. „Du bist der erste Mensch, bei dem ich Hunger bekomme, bevor überhaupt gekocht wird.“ 13:00 Uhr – Zurück zuhause Als sie zuhause ankamen, trug Felix den Fleischkäse wie einen Schatz hinein. Die Küche duftete schon nach Kräutern – Messi war dabei, etwas für das Abendessen vorzubereiten. Neymar begrüßte sie mit einem müden „Na, Jäger des guten Geschmacks?“ „Und wie!“, rief Felix. „Wir haben Beute gemacht. 1.157 Gramm, Kirschradler und Würste.“ Er verstaute alles sorgfältig im Kühlschrank, stellte die Flaschen in die Tür und schrieb mit Filzstift seinen Namen drauf – damit keiner versehentlich trank, was für ihn reserviert war. Dann setzte er sich mit einem Glas Wasser an den Tisch, atmete tief durch und lächelte. Es war ein ganz gewöhnlicher Mittag gewesen. Aber für Felix war er besonders. Denn manchmal sind es genau diese kleinen Dinge – 1.157 Gramm Fleischkäse, der richtige Kirschradler, und das gemeinsame Schweigen im Auto mit dem Vater – die zeigen, wie schön Normalität sein kann. Samstag, 24. Mai 2025 – Später Mittag, ein alter Schatten kehrt zurück Es war gegen 14:15 Uhr, als Felix, sein Vater und Ronaldo mit vollgepackten Tüten durch die Haustür traten. Die Einkäufe lagen sicher im Kofferraum, Felix trug den Fleischkäse wie einen Schatz, Ronaldo hatte den Getränkekorb mit dem Kirschradler in der Hand, und der Vater schob grummelnd die Eingangstür auf – er fluchte wie immer leicht, wenn der Bordstein nicht zu ihm passte. Drinnen war alles ruhig. Fast zu ruhig. Kein Fernseher, kein Kochen, kein Radiogedudel. Felix wunderte sich. „Mama?“ rief er in den Flur. Dann ein kurzer, klappernder Ton – wie ein dumpfer Schlag. Und gleich darauf die Stimme der Mutter, leicht gepresst, aber nicht panisch: „Ach verdammt…“ Der Vater war in Sekundenschnelle durch den Flur geschossen. Felix blieb wie angewurzelt stehen, Ronaldo folgte langsam, neugierig, aber vorsichtig. Im Wohnzimmer stand die Mutter leicht nach vorne gebeugt. Neben ihr lag das Bügelbrett umgekippt, eine Socke halb darunter, das Bügeleisen zum Glück ausgeschaltet und zur Seite gerollt. „Was ist passiert?“, fragte der Vater atemlos. „Nichts Schlimmes“, antwortete die Mutter sofort. „Das Brett ist umgefallen. Ich hab mich erschreckt, mehr nicht.“ Aber der Vater hörte nicht mehr richtig zu. Er war in seiner typischen Alarmhaltung – aufrecht, die Stirn gerunzelt, die Stimme laut: „Du hättest dich verletzen können! Warum machst du das, wenn niemand da ist?! Das hätte schlimmer enden können! Das ist doch gefährlich!“ Felix trat langsam ins Zimmer. Er sah, wie seine Mutter tief durchatmete, sich die Hände an der Hose abwischte und dann ruhig, aber bestimmt sagte: „Beruhig dich. Es ist nur das Bügelbrett. Ich bin nicht gestürzt. Ich bin nicht ohnmächtig. Ich hab mich einfach erschreckt. Du übertreibst wieder.“ Der Vater erstarrte. Für einen Moment war es still. Dann – wie beim letzten Mal, und auch dem Mal davor – verzog sich seine Miene in eine

Mischung aus Wut, Frust und Unverständnis. Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um, ging durch den Flur zur Tür, riss sie auf und – KRAAACK! Die Haustür knallte so laut zu, dass selbst Ronaldo kurz zusammenzuckte. Felix stand da, die Tüte mit den Würsten in der Hand, der Kirschradler in der Kühltasche. „Er hat’s wieder getan…“, sagte er leise. Seine Mutter antwortete, ohne sich umzudrehen: „Ja. Wie immer, wenn er sich machtlos fühlt. Dann macht er uns alle für seine Angst verantwortlich.“ Ronaldo, der das alles mit einem stillen Blick beobachtet hatte, trat an Felix’ Seite. „Ist das oft so?“, fragte er ruhig. Felix nickte. „Es ist wie ein Muster. Erst Panik. Dann Überreaktion. Dann Abgang. Immer die Tür. Immer der Knall.“ „Und wie fühlst du dich dabei?“ Felix zuckte mit den Schultern. „Ich hab mich dran gewöhnt. Aber schön ist es nicht. Es lässt alles wackeln – als ob das Zuhause kurz nicht mehr sicher ist.“ Ronaldo sagte nichts. Stattdessen nahm er Felix die Tüte aus der Hand, stellte sie ruhig auf den Küchentisch und sagte: „Dann sorge ich dafür, dass es jetzt wieder ruhig wird. Bleib bei deiner Mutter. Ich bring die Sachen in Ordnung.“ Felix blieb noch einen Moment stehen, dann ging er zur Mutter, half ihr das Brett aufzustellen, schob das Bügeleisen wieder an seinen Platz. „Tut mir leid, dass er so reagiert hat“, sagte er leise. „Nicht deine Schuld, mein Schatz“, antwortete sie. „Das ist etwas, was er selbst lernen muss.“ Und Felix wusste: Er konnte das Verhalten nicht ändern. Aber er konnte anders damit umgehen – und das war vielleicht schon der erste Schritt, es zu durchbrechen. Samstag, 24. Mai 2025 – Abend, eine Tür zwischen Nähe und Wut Der Tag hatte sich langsam beruhigt. Die Szene mit dem Bügelbrett und dem wütenden Abgang des Vaters lag nun einige Stunden zurück. Felix hatte sich in sein Zimmer zurückgezogen, Musik gehört, ein wenig geschrieben und dabei versucht, die Gedanken zu ordnen. Seine Mutter war in der Küche geblieben, ruhig, aber in sich gekehrt. Die Spieler hatten sich bewusst zurückgehalten, um Raum zu lassen – nur Messi hatte einmal leise durch die Tür gefragt, ob alles in Ordnung sei. Felix hatte nur genickt. Gegen 19:45 Uhr lag eine seltsame Stille im Haus. Nicht die angenehme, sondern die angespannte – wie vor einem Gewitter, das nicht kommen will, aber spürbar in der Luft hängt. Dann: Die Tür. WUMM. Sie wurde nicht nur geschlossen. Sie wurde zugeschlagen – wie ein Urteil, wie eine Warnung. Felix schreckte auf, trat in den Flur. Der Vater stand da – wie aus dem Nichts zurückgekehrt, ohne Ankündigung. Er trug noch seine Jacke, die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Mit einem knappen Schritt kam er in die Küche, warf die Mütze hart auf den Küchentisch, als wäre sie Schuld an allem. Dann griff er aggressiv nach seinem Handy, das noch auf der Kommode lag, und nach seiner E-Zigarette, die dort zwischen ein paar Unterlagen lag. Er schob beides grob in die Jackentasche, während er mit zusammengekniffenen Augen Felix fixierte – ein Blick, der nichts sagte, aber alles fühlbar machte: Wut. Enttäuschung. Vielleicht auch Angst. Doch er sagte kein Wort. Er stand nur da, ein paar Sekunden zu lang, und dann:

KNALL. Die Tür. Wieder. Etwa eine Stunde später – 20:50 Uhr Felix saß mit seiner Mutter im Wohnzimmer. Sie hatten den Fernseher leise eingeschaltet, ein Dokumentarfilm lief, den keiner wirklich verfolgte. Die Stimmung war bedrückt, wie in Watte gepackt. Dann – wieder das Geräusch von draußen. Schritte. Die Türklinke. Die Tür öffnet sich – knallt diesmal nicht sofort, aber schwer. Der Vater tritt erneut ins Haus, schweigend, zielgerichtet, geht in den Flur, öffnet einen Schrank. Er holt etwas heraus – ein Ordner, ein kleines Paket, ein paar zusammengefaltete Hemden. In seinem Gesicht liegt Spannung, der Kiefer gepresst, die Augen stur geradeaus gerichtet. Felix steht im Türrahmen und beobachtet ihn. Doch der Vater vermeidet den Blickkontakt. Keine Erklärung. Kein Wort. Er dreht sich um, geht zurück zur Haustür – und diesmal, als sie zufällt, ist es kein gewöhnliches Geräusch mehr. Sondern ein Donnerschlag. Die Gläser im Regal klirren leicht. Die Luft bebt. Und dann: Stille. 21:10 Uhr – Nur noch Atem Felix steht eine Weile da. Starr. Starr wie der Moment. Seine Mutter kommt hinter ihn, legt ihm sanft die Hand auf die Schulter. „Lass ihn gehen“, sagt sie leise. „Er war nie wirklich hier.“ Felix atmet flach. Doch in ihm wütet es. Nicht aus Angst. Nicht mehr. Sondern aus dieser enttäuschten Erwartung, dass da irgendwann vielleicht Verständnis gewesen wäre. Oder Einsicht. Oder wenigstens ein Satz. Aber es waren nur Schritte. Und Türen. Und Blicke, die nie wirklich geschaut haben. 21:30 Uhr – Im Zimmer, mit sich selbst Felix sitzt auf seinem Bett. Die Kirschradler stehen unangetastet auf dem Schreibtisch. Er schaut aus dem Fenster. Die Nacht ist da. Der Wind weht leise durch die Baumkronen. Und irgendwo draußen ist sein Vater – unterwegs, weg, flüchtend, wie so oft. Und Felix weiß: Manche Türen fallen nicht, weil sie geschlossen werden. Sondern weil jemand nie gelernt hat, sie richtig zu öffnen. Er nimmt einen tiefen Atemzug. Morgen ist ein neuer Tag. Und Felix bleibt – mit offenen Türen. Samstag, 24. Mai 2025 – Später Abend, Pokalfinale und ein stummer Sturm Es war bereits nach 21:30 Uhr, als Felix wieder zurück ins Wohnzimmer kam. Die Luft im Haus hatte sich ein wenig beruhigt – jedenfalls oberflächlich. Die Stille nach dem Knallen der Tür, nach dem zweiten Abgang des Vaters, lag noch wie ein unsichtbarer Schleier über allem, doch Felix wusste: Ablenkung konnte helfen. Nicht verdrängen – aber sich Luft verschaffen. Und heute Abend bot sich dafür etwas ganz Besonderes an: Das DFB-Pokalfinale. Arminia Bielefeld gegen den VfB Stuttgart.

Ein Duell, das keiner erwartet hatte – aber alle sehen wollten. Und Felix saß nicht allein vor dem Fernseher: Luis Suárez hatte sich zu ihm gesetzt. Mit Jogginghose, Socken und einem aufgeklappten Teller Fleischkäse vor sich – genau wie Felix. 1.157 Gramm, frisch aufgewärmt, wie es sich gehörte. Anstoß – und der VfB legt los Bereits nach 15 Minuten fiel das erste Tor: 0:1 durch Nick Woltemade. Stuttgart preschte vor, drückte, attackierte – und Bielefeld wirkte überfordert. „Das wird bitter“, murmelte Felix und biss in ein Stück Fleischkäse. Luis nickte. „Wenn du so früh hinten liegst… kannst du untergehen.“ 22. Minute – 0:2 durch Enzo Millot. 28. Minute – 0:3 durch Deniz Undav. Felix rutschte tiefer in die Couch. „Das ist ein Sturm. Und Bielefeld hat keinen Schirm.“ „Oder keine Ahnung, wo oben und unten ist“, sagte Luis trocken. Dann – ein erneutes Beben im Haus Plötzlich, mitten im Spiel – es war gerade die 33. Minute – flog die Haustür erneut auf. Der Vater. Wieder. Er kam wortlos herein, warf sein Handy mit einem dumpfen Knall auf den Küchentisch, es rutschte fast auf den Boden. Dann knallte er seine E-Zigarette direkt daneben, als wäre sie ein Symbol für alles, was schiefgelaufen war. Kein Wort. Kein Blick. Nur ein schweres, dunkles Grollen im Raum. Dann verschwand er wieder – ohne Schuhe auszuziehen, ohne Jacke abzulegen – direkt ins Schlafzimmer. Die Tür fiel zu. Diesmal nicht laut – aber endgültig. Felix und Luis sahen sich nicht an. Sie sagten nichts. Doch beide wussten: Das war keine Szene. Das war ein Muster. 66. Minute – 0:4 durch Millot. „Jetzt ist’s vorbei“, sagte Luis. „Oder?“, fragte Felix leise. 81. Minute – 1:4 durch Kania. 85. Minute – 2:4 durch Vanoman. Felix setzte sich aufrechter. „Warte… das ist noch nicht durch.“ 90+4. Minute – 3:4 durch João Felix. „Jetzt flippt das Stadion“, sagte Luis. „Und ich gleich auch“, antwortete Felix. Er lehnte sich vor. Die Cola halb leer, der Fleischkäse inzwischen kalt – aber niemand achtete mehr darauf. 90+7. Minute – Fast das 4:4. Zentimeter. Ein Pfostenschuss. Felix war aufgestanden. Die Hände auf dem Kopf. Schlusspfiff. Bielefeld verliert 3:4 – nach einem epischen Comeback-Versuch. 23:10 Uhr – Nach dem Spiel Felix ließ sich zurückfallen. Er atmete schwer. Luis nahm den letzten Bissen Fleischkäse und sagte: „Das war ein Pokalfinale.“ Felix nickte. „Und unser Abend hatte sein eigenes.“ Beide saßen noch lange da. Nicht wegen des Spiels. Nicht wegen des Vaters. Sondern wegen der seltsamen Wahrheit, die der Fußball heute mal wieder bewiesen hatte:

Du kannst zurückliegen. Du kannst fast untergehen. Aber solange du aufstehst – bist du nicht verloren. Felix wusste nicht, ob das für seinen Vater galt. Aber für ihn selbst – ganz sicher. Samstagnacht, 24. auf 25. Mai 2025 – Fragen, die unter der Haut bleiben Die Nacht war dunkel, schwer, warm. Die Fenster waren gekippt, doch kaum Wind wehte durch das Haus. Draußen war Mainz ruhig geworden, kein Verkehr, keine Stimmen – nur das entfernte Summen einer Straßenlaterne und das gelegentliche Rascheln der Bäume. Drinnen saß Felix noch immer wach. Es war kurz vor 00:30 Uhr, der Fernseher war längst ausgeschaltet, die Reste des Fleischkäses waren abgedeckt, der Kirschradler leer. Doch etwas in ihm war noch unruhig. Nicht vom Spiel, nicht vom Pokalfinale. Vom Vater. Das Knallen der Türen, der kalte Blick, das Schweigen, das Anklagen ohne Worte – es war nicht das erste Mal gewesen. Doch heute war es ihm näher gegangen als sonst. Vielleicht, weil er älter war. Reifer. Bewusster. Oder weil jetzt Menschen im Haus waren, die ihn mit Respekt behandelten, nicht mit Druck. Luis war bereits ins Gästezimmer verschwunden. Neymar hatte sich mit einem Kissen auf dem Boden schlafen gelegt. Nur Messi und Ronaldo saßen noch in der Küche – bei einem letzten Tee. Als Felix leise den Raum betrat, hoben beide nur kurz die Augen, sagten aber nichts. Sie merkten sofort: Da kommt kein Mitspieler. Da kommt ein junger Mann mit einer echten Frage. Felix setzte sich an den Tisch. Schaute auf seine Hände. Dann flüsterte er fast: „Darf ich euch was fragen?“ Ronaldo stellte seine Tasse ab. Messi nickte nur. „Was haltet ihr eigentlich… von meinem Vater? Von dem, wie er ist? Von dem, was er heute gemacht hat?“ Stille. Nicht die unangenehme – sondern die, in der ehrliche Antworten wachsen dürfen. Messi nahm als Erster das Wort: „Ich kenne ihn nicht gut. Ich sehe nur, was er zeigt. Und das, was ich heute gesehen habe… ist ein Mann, der mit sich selbst nicht klar kommt. Einer, der nicht gelernt hat, mit Schmerz zu reden. Also schreit er. Oder geht.“ Felix nickte langsam. Ronaldo blickte ihn fest an, dann sagte er mit ruhiger Stimme: „Dein Vater reagiert auf Angst mit Wut. Auf Unsicherheit mit Kontrolle. Auf Schwäche mit Distanz. Er knallt Türen zu, weil er keine Öffnung kennt. Und weil er nie gelernt hat, dass man bleiben kann – auch wenn es schwer ist.“ Felix schluckte. „Denkst du… er hasst mich?“ Ronaldo schüttelte sofort den Kopf. „Nein. Aber ich glaube, er versteht dich nicht. Und das ist manchmal noch schlimmer.“ Messi fügte leise hinzu: „Ich glaube, er versteht sich selbst nicht. Und deshalb kann er dir auch nichts Echtes geben.“ Felix lehnte sich zurück. „Ich wünschte, er würde einmal bleiben. Einfach bleiben. Nicht weggehen. Nicht die Tür knallen. Nicht schweigen.“ Ronaldo sah ihm fest in die Augen. „Dann sag ihm das. Irgendwann. Vielleicht hört er zu. Vielleicht nicht. Aber du hast es gesagt.“ Felix nickte. Nicht aus Pflichtgefühl. Sondern, weil es sich stimmig anfühlte. Messi sah zum Fenster. Dann sagte er leise: „Du bist nicht wie er, Felix. Und das ist gut.“ 01:00 Uhr – Aufbruch zur Ruhe

Die drei Männer blieben noch einen Moment sitzen. Dann standen sie auf. Ronaldo klopfte Felix auf die Schulter. Messi legte kurz die Hand auf seinen Rücken. „Gute Nacht, Kleiner“, sagte er. Felix ging hoch in sein Zimmer. Es war immer noch warm. Aber sein Herz war etwas leichter geworden. Nicht, weil er eine Antwort hatte. Sondern weil er gelernt hatte, dass man auch ohne Antwort weiterleben kann – wenn man verstanden wurde. Und heute Nacht war er verstanden worden. Sonntag, 25. Mai 2025 – Früher Morgen, Geburtstag mit Schatten und Licht Es war noch dämmrig, gerade 06:48 Uhr, als Felix langsam die Augen öffnete. Draußen lag die Stadt Mainz noch im Schlaf, die Straßen still, der Himmel in einem zarten Grau-Blau getaucht. Doch in Felix’ Bauch kribbelte es – ganz leise, aber deutlich. Heute war sein Geburtstag. Nicht irgendeiner. Es war ein Tag, den er sich selbst als ruhig und schön gewünscht hatte. Ohne viele Gäste, ohne Druck. Nur mit denen, die da waren – seine Mutter, die Spieler, seine Ersatzoma, vielleicht ein kurzer Anruf von Caro aus dem Krankenhaus. Und, vielleicht… ein winziger Moment Normalität. Er schlüpfte aus dem Bett, zog sich leise an – ein einfaches Shirt, Jogginghose, barfuß in den Flur. Unten im Haus war es fast still. Nur in der Küche hörte er es leicht klappern. 07:05 Uhr – Die erste Überraschung Felix betrat die Küche – und da stand sie: seine Mutter, im Morgenmantel, die Haare leicht zerzaust, aber die Augen warm und wach. Auf dem Tisch: eine kleine, rote Geschenkbox, daneben ein weißer Beutel, liebevoll mit einer Mainz-05-Fahne verziert. „Alles Gute zum Geburtstag, mein Schatz“, sagte sie leise und nahm ihn fest in den Arm. Felix drückte sie zurück. „Danke, Mama.“ Sie schob ihm die Box hin. „Mach auf.“ Er öffnete sie vorsichtig. Darin lag: – eine neue Mainz-05-Tasse, schwarz-rot, mit seinem Namen und der Aufschrift „Mein Herz schlägt hier.“ – und darunter ein Umschlag mit 500 Euro in bar, ordentlich gebündelt, mit einem kleinen Zettel: „Für das, was du brauchst – nicht was andere erwarten. Du entscheidest.“ Felix wurde still. Nicht wegen des Geldes. Sondern, weil sie ihm damit etwas viel Wertvolleres gegeben hatte: Vertrauen. 07:30 Uhr – Die Spieler überraschen ihn Kaum hatte Felix sich mit der Tasse an den Tisch gesetzt, hörte man Schritte aus dem Flur. Dann: Neymar, in voller Verkleidung mit roter Pappkrone und Partytröte. „FEEEELIIIX!“, rief er übertrieben laut. „Der König ist erwacht!“ Dann kamen Messi, Luis und Ronaldo hinterher – alle mit Schlafsocken, zerzaustem Haar, aber breitem Grinsen. „Geburtstagsrunde!“, rief Luis und stellte ein großes Tablett auf den Tisch – mit Kakao, MiniPfannkuchen, Fruchtsalat und Croissants. „Von uns. Selbstgemacht. Naja… fast.“ Messi hielt eine schmale, längliche Geschenkbox hoch. „Das ist von mir“, sagte er. Felix öffnete sie – darin: ein handsigniertes Trikot von Lionel Messi aus seiner Zeit bei PSG, gerahmt mit einer kleinen Widmung auf der Rückseite: „An Felix – einen echten Kämpfer. Bleib mutig.“

Felix’ Augen wurden glasig. Er schaute zu Messi – der nur nickte. Neymar überreichte ihm ein knallbuntes Paket: darin ein neues Smartphone mit Spezialhülle – in Mainz-05-Design, mit eingebauter Stabilisierungsfunktion und zusätzlicher Kameraqualität. „Weil deins ja letztens kaputtgegangen ist“, sagte Neymar. „Und damit du nie wieder Fotos verlierst, die wichtig sind.“ Luis überreichte eine Schachtel mit einem Gutschein darin – für einen Erlebnistag in Frankfurt, inklusive Stadiontour, Escape Room und Abendessen im Lieblingsrestaurant von Felix. „Ich komm mit. Und ich fahr. Versprochen“, sagte Luis. Ronaldo trat schließlich vor. „Und ich hab dir… was ganz anderes organisiert.“ Er überreichte Felix einen schweren, länglichen Umschlag. Darin: Ein Jahresabo für ein persönliches Mentalcoaching mit einem Sportpsychologen – auf Ronaldo’s eigene Empfehlung. „Weil du schon ein Kämpfer bist. Und Kämpfer brauchen auch Kraft für den Kopf.“ Felix war sprachlos. „Ihr seid… Wahnsinn.“ Währenddessen… im Wohnzimmer Während in der Küche gelacht, umarmt und gefeiert wurde, lag im Wohnzimmer der Vater auf der Couch. Die Augen geschlossen, der Körper unbewegt. Doch Felix sah durch den Türspalt ganz genau: Die Lider zuckten. Der Kiefer war angespannt. Er war wach. Aber er tat so, als würde er schlafen. Nicht, weil er müde war – sondern weil er nicht teilhaben wollte. Kein „Alles Gute“. Kein Lächeln. Kein Blick. Die Mutter sah es auch. Sagte aber nichts. Nur ein tiefer, stiller Atemzug. Und dann richtete sie sich wieder auf – für den Sohn, der heute im Mittelpunkt stehen sollte. 08:30 Uhr – Rückzug mit Stärke Felix ging kurz in sein Zimmer, legte die Geschenke ordentlich auf sein Bett, betrachtete sie nacheinander. Dann setzte er sich hin, schrieb eine kurze Nachricht an Caro, legte die neue Tasse neben sich und dachte leise: Ich bin nicht vergessen worden. Nicht heute. Und nicht mehr. Der Vater mochte nicht gratuliert haben. Aber die, die blieben, hatten viel mehr gegeben als ein leeres „Alles Gute“. Sie hatten ihm einen echten Morgen geschenkt. Und Felix wusste: Das ist der Anfang eines neuen Jahres – und vielleicht einer neuen Stärke. Sonntag, 25. Mai 2025 – Später Morgen, ein Moment der Verantwortung Es war mittlerweile gegen 09:30 Uhr, als Felix noch einmal langsam die Augen aufschlug. Die frühe Geburtstagsfreude vom Morgen war schon fast wie ein Traum: die Tasse, die Geschenke der Spieler, das Frühstück – all das lag nun in seinem Bewusstsein wie ein warmes Polster. Doch als er sich ausstreckte und gähnte, spürte er plötzlich ein leichtes Ziehen hinter der Stirn, ein dumpfes, vertrautes Gefühl, das ihm sofort klarmachte: Etwas war nicht in Ordnung. Er setzte sich im Bett auf, blinzelte zum Fenster – die Sonne war schon weiter oben als gedacht. Ein kurzer Blick auf sein Handy. 09:32 Uhr.

Sein Herz schlug etwas schneller. Er hatte seine Epilepsie-Medikamente vergessen. Normalerweise nahm er sie spätestens um 08:30 Uhr. Er war eine Stunde zu spät. Sofort stand er auf. Nicht panisch, aber mit diesem inneren Alarm, den er kannte. Er ging barfuß die Treppe hinunter, am Wohnzimmer vorbei. Dort – wie ein Teil des Mobiliars – lag sein Vater noch immer auf der Couch, seitlich, mit dem Rücken zu ihm. Die Decke lag halb auf ihm, das Handy neben dem Kopf, die E-Zigarette in Griffweite. Felix war leise. Er hoffte für einen Moment, dass sein Vater schlief. Doch als er an der Couch vorbeiging, öffnete dieser ganz kurz ein Auge – und schloss es sofort wieder. Er hatte ihn gesehen. Er wusste es. Aber: Kein Wort. Kein Kommentar. Keine Erinnerung. Früher wäre das anders gewesen. Früher hätte der Vater ihn vielleicht laut gemacht, genervt gefragt, warum er es vergessen hatte. Früher hätte er vielleicht die Schuld auf Felix geschoben, als wäre es absichtlich gewesen. Doch heute: Stille. Felix betrat die Küche, öffnete den Schrank über der Mikrowelle, griff nach der weißen Medikamentenschachtel, nahm sich ein Glas Wasser, schluckte die Tabletten, wie er es geübt hatte – ruhig, kontrolliert, auch wenn das Herz schneller schlug. Dann stand er noch einen Moment da. Hörte auf die Geräusche im Haus. Doch es war alles ruhig. Der Vater schwieg. Und auch wenn es kein Trost war – es war wenigstens kein Angriff. 09:45 Uhr – Zurück ins Bett Felix ging leise wieder nach oben. Nicht aus Flucht – sondern weil sein Körper ihm signalisierte, dass Ruhe jetzt gut war. Er legte sich wieder hin. Der Druck in seinem Kopf ließ langsam nach. Er wusste: Die Wirkung setzte nun ein. Er war vielleicht zu spät gewesen – aber er hatte die Verantwortung übernommen. Ohne Mahnung. Ohne Streit. Ein stiller Sieg. Unter der Decke, in der halbdunklen Sicherheit seines Zimmers, atmete er tief ein. Und während draußen der Tag langsam begann, schlief er noch einmal ein. Nicht, weil er entkam. Sondern, weil er wusste: Heute wacht er auf seinen eigenen Weg. Sonntag, 25. Mai 2025 – Mittag, Gratulation ins Leere Die Sonne stand mittlerweile hoch am Himmel, als Felix gegen 12:10 Uhr zum zweiten Mal an diesem Tag aufwachte. Die vergessene Medikamenteneinnahme vom Morgen lag nun hinter ihm, und er fühlte sich wieder stabil – ruhig im Kopf, klar im Körper, und bereit, den Tag fortzusetzen. Er zog sich frische Sachen an – ein schlichtes T-Shirt mit Mainz-05-Logo, eine bequeme Hose und seine Lieblingsjacke. Heute war nicht nur sein Geburtstag, sondern auch ein besonderer Tag für ihn persönlich: Ein großes Pokémon GO-Event in Frankfurt. Er hatte sich seit Wochen darauf gefreut. Mit speziellem Ticket, dem Bonus auf seltene Pokémon, besonderen Forschungen und Items – ein echtes Highlight. Und heute sollte er dorthin reisen. Mit seiner Mutter. Und auch einer der Spieler würde ihn begleiten. Alles war geplant.

Als er die Treppe hinunterging, war der Vater bereits wach. Er saß – wie fast immer an Sonntagen – mit verschränkten Armen am Küchentisch, eine halb getrunkene Tasse Kaffee vor sich, der Blick stur nach draußen. Die Augen grau, der Ausdruck leer. Doch heute war nicht irgendein Tag. Felix holte tief Luft, trat einen Schritt näher und sagte ruhig, aber freundlich: „Alles Gute zum Geburtstag, Papa.“ Sein Vater blinzelte. Sah ihn kurz an. Und… sagte nichts. Nicht „Danke“. Nicht „Gleichfalls“. Nichts. Stattdessen wandte er sich einfach wieder ab, sah aus dem Fenster, als hätte niemand gesprochen. Felix blieb noch einen Moment stehen. Dann atmete er leise durch und ging weiter. Seine Mutter hatte es mitbekommen – sie stand bereits im Flur, zog ihre Tasche zurecht. Sie sah Felix an, wollte etwas sagen, doch Felix schüttelte nur leicht den Kopf. Er wollte keinen Trost. Nur weitergehen. 12:45 Uhr – Aufbruch nach Frankfurt Die Familie versammelte sich im Flur. Die Jacken wurden übergeworfen, Taschen kontrolliert, Handys gecheckt. Felix hatte sein Pokémon-Go-Event-Ticket schon am Vorabend aktiviert. Der externe Akku war geladen, die Sonnenkappe lag bereit. Heute würde er neue Pokémon fangen, tauschen, kämpfen, erleben. Luis Suárez hatte sich bereit erklärt, mitzukommen. Nicht nur als Begleiter – sondern, wie er sagte, „als dein Bodyguard mit Pokéball-Lizenz.“ Felix’ Mutter trug ihren Tagesrucksack, in dem sie wie immer Pflaster, Wasser und kleine Snacks verstaut hatte. Sie wusste, dass ihr Sohn aufgeregt war – nicht nervös, sondern voll freudiger Spannung. Und sie wollte alles dafür tun, dass es ein guter Tag für ihn wurde. Selbst der Vater machte sich bereit. Er hatte sich offenbar ebenfalls ein Zugticket besorgt – nicht fürs Event, aber um ebenfalls nach Frankfurt zu fahren. Vielleicht wollte er dort alte Freunde treffen, vielleicht einfach nur raus. Doch niemand fragte ihn. Und er sagte auch nichts. Er schob sich nur mit mürrischem Gesichtsausdruck an den anderen vorbei, zog seine Jacke an, steckte das Handy in die Tasche und stand im Flur, als würde er nur beiläufig Teil dieser Abreise sein. Felix sah ihn nur kurz an. Es gab keinen Groll mehr – aber auch keine Hoffnung auf Nähe. 13:15 Uhr – Auf dem Weg zum Bahnhof Die Familie verließ das Haus. Luis und Felix liefen vorneweg, diskutierten über mögliche Shinys, die heute erscheinen könnten. Neymar hatte Felix vorher sogar noch einen GlücksEmoji geschickt, den er als „Shiny-Boost“ bezeichnete. Die Mutter lief ruhig daneben. Der Vater folgte mit einigem Abstand. Und obwohl sie gemeinsam zum Bahnhof gingen, wirkte es wie zwei Gruppen auf demselben Weg, aber nicht gemeinsam. Doch das störte Felix nicht mehr. Denn heute war sein Tag. Er lebte ihn – ohne Wut, ohne Zwang, ohne Angst. Und auch, wenn der eigene Vater ihn nicht beachtet hatte: Felix beachtete sich selbst. Und das war sein größtes Geschenk.

Sonntag, 25. Mai 2025 – Nachmittag, Gigadynamax-Abenteuer in Frankfurt Nach einem stillen Morgen und einem emotionalen Mittag war es endlich so weit: Um 13:45 Uhr erreichten Felix, seine Mutter, Luis Suárez und sein Vater den Hauptbahnhof Frankfurt. Die Sonne strahlte, die Stadt war voller Menschen – und Felix spürte die Aufregung in jeder Faser seines Körpers. Heute war Gigadynamax-Machomei Max-Kampftag in Pokémon GO – ein weltweites Event, bei dem das mächtige Gigadynamax-Machomei erstmals in Max-Kämpfen auftauchte. Von 14:00 bis 17:00 Uhr würden an sogenannten „Kraftquellen“ alle 30 Minuten neue Kämpfe starten . 14:00 Uhr – Der erste Kampf Kaum hatten sie den Bahnhofsvorplatz erreicht, leuchtete Felix’ Handy auf: Eine nahegelegene Kraftquelle aktivierte sich. Sofort bildeten sich Gruppen von Trainern, die sich für den ersten Kampf vorbereiteten.(Pokémon GO) Felix, Luis und seine Mutter schlossen sich einer Gruppe an. Sie bildeten ein Viererteam und traten gegen das gigantische Machomei an. Mit seinen vier muskulösen Armen und einer bedrohlichen Aura war es ein beeindruckender Gegner. Dank ihrer Vorbereitung – Felix hatte zuvor Dynamax-Pokémon wie Beldum gesammelt und seine Max-Angriffe aufgerüstet – gelang es ihnen, Machomei zu besiegen. Als Belohnung erhielten sie 25.000 EP, 30 Machollo-Bonbons und die Chance, Machomei zu fangen .(Leek Duck) 15:30 Uhr – Teamwork und Strategie In den nächsten anderthalb Stunden zogen sie durch die Innenstadt, von einer Kraftquelle zur nächsten. Sie trafen auf andere Trainer, tauschten Tipps aus und bildeten neue Teams.

Luis erwies sich als wertvoller Teamkollege, der mit seinem Wissen über Pokémon-Typen und -Angriffe half, effektive Strategien zu entwickeln. Felix’ Mutter unterstützte mit Snacks und Wasser, um die Energie hochzuhalten. Gemeinsam meisterten sie mehrere Kämpfe, sammelten Max-Partikel und stärkten ihre Dynamax-Pokémon.(Leek Duck) 16:50 Uhr – Der letzte Kampf Kurz vor Ende des Events aktivierte sich eine letzte Kraftquelle in der Nähe des Mainufers. Felix und seine Begleiter schlossen sich einer großen Gruppe an, um ein weiteres Machomei zu bekämpfen. Mit vereinten Kräften und dem Einsatz von Max-Pilzen, die den Schaden ihrer DynamaxPokémon verdoppelten, gelang es ihnen, das Machomei zu besiegen. Als Belohnung erhielten sie zusätzliche EP und die Möglichkeit, ein schillerndes Machomei zu fangen .(Leek Duck) 17:15 Uhr – Rückblick und Heimfahrt Nach dem letzten Kampf setzten sie sich auf eine Bank am Mainufer. Felix betrachtete seine Sammlung: mehrere Machomei, darunter ein schillerndes Exemplar, und zahlreiche MaxPartikel.(Pokémon GO Wiki) Er fühlte sich erfüllt und glücklich – nicht nur wegen der Erfolge im Spiel, sondern auch wegen der gemeinsamen Zeit mit seiner Mutter und Luis. Der Vater hatte sich während des Events zurückgezogen und war allein unterwegs gewesen. Als sie sich auf den Heimweg machten, wusste Felix: Dieser Tag würde ihm lange in Erinnerung bleiben – als ein Tag voller Abenteuer, Gemeinschaft und persönlicher Erfolge. Sonntagabend, 25. Mai 2025 – Ein Essen in Frankfurt, ein Schweigen am Tisch Nach einem aufregenden Nachmittag voller Bewegung, Strategie und Spannung beim Gigadynamax-Machomei-Event war Felix erfüllt von Eindrücken. Er war müde – körperlich erschöpft vom Laufen und Fangen, geistig aber hellwach vor Freude. Mehrere Machomei hatte er gefangen, sogar ein schillerndes. Und vor allem hatte er die drei Stunden nicht allein, sondern im Team bestritten – mit seiner Mutter, Luis und Dutzenden anderen Trainern, die seine Begeisterung teilten. Nun war der Tag fast vorbei, und der Wunsch nach einem gemeinsamen Abschluss wurde laut. „Lass uns noch was essen gehen“, hatte seine Mutter vorgeschlagen. „Irgendwas Ruhiges, aber Schönes. Alle zusammen.“ Zu Felix’ Überraschung hatte auch der Vater eingewilligt. Er war wieder zu ihnen gestoßen, als sie sich gegen 17:45 Uhr am Hauptbahnhof trafen. Er hatte keine Fragen gestellt, nicht nach den Pokémon, nicht nach dem Tag. Nur ein knapper Blick. Ein Nicken. Doch er ging mit. 18:30 Uhr – Ein Restaurant in der Nähe der Alten Oper Sie fanden ein kleines Lokal mit schlichter deutscher Küche. Draußen waren alle Plätze besetzt, drinnen war es kühl, die Einrichtung aus dunklem Holz, das Licht weich und gelblich. Es war kein Ort für große Reden – aber genau richtig, um gemeinsam zur Ruhe zu kommen. Am Tisch saßen nun: – Felix, immer noch mit seinem Eventarmband am Handgelenk, – seine Mutter, ruhig, aber mit stolzem Lächeln, – Luis, der sich begeistert Schnitzel bestellte, – Messi, der später dazugestoßen war, still, aber herzlich, – und der Vater, am Rand der Runde, neben der Garderobe. 19:00 Uhr – Das Essen kommt, ein stiller Toast

Das Essen kam. Die Stimmung war gemischt – entspannt und vertraut zwischen Felix, seiner Mutter und den Spielern, zurückhaltend und distanziert auf der anderen Seite des Tisches. Es war, als hätte sich eine unsichtbare Linie zwischen zwei Welten gezogen – nicht durch Streit, sondern durch jahrelange Nicht-Verbindung. Als die Getränke serviert wurden – Apfelschorle, Wasser, ein dunkles Bier für den Vater – hob Felix still sein Glas. „Danke, dass ihr heute mitgekommen seid. Es war ein toller Tag. Und… ich freu mich, dass wir jetzt noch zusammen sitzen.“ Luis hob sofort sein Glas. „Auf den Geburtstag! Und auf das schillernde Machomei!“ Alle anderen hoben ihre Gläser ebenfalls. Auch der Vater. Er stieß an – leise, fast unbemerkt. Doch er sagte kein Wort. Kein „Prost“, kein „Alles Gute“, kein Blickkontakt. Sein Glas berührte das von Felix, aber seine Augen sahen vorbei. Felix bemerkte es. Natürlich. Doch er sagte nichts. Er spürte den Kloß im Hals, den kleinen Stich, der blieb. Aber er ließ ihn zu – und ließ ihn weiterziehen. 19:45 Uhr – Die letzten Bissen Das Essen war gut. Die Gespräche drehten sich um Fußball, das Event, ein paar Anekdoten aus Luis’ Jugend. Ronaldo hatte sich nicht angeschlossen, aber eine Nachricht geschickt: „Feier deinen Tag. Du verdienst ihn.“ Felix lachte oft. Er redete offen. Doch er zwang niemanden, Teil davon zu sein. Sein Vater aß ruhig. Schweigend. Wenn er sprach, dann nur kurz – ein „Ja“, ein „Bitte“. Keine Fragen. Kein Interesse. Nur Anwesenheit. 20:10 Uhr – Aufbruch in die Dämmerung Als sie das Lokal verließen, war es draußen schon dämmrig. Die Lichter Frankfurts spiegelten sich in den Scheiben der Tram. Felix lief neben seiner Mutter. Luis und Messi unterhielten sich über irgendetwas Banales – welche Soße am besten zu Pommes passte. Felix lachte leise. Der Vater ging ein paar Schritte hinter ihnen. Wie ein Schatten, der nicht wehtat, aber auch keinen Schutz bot. Felix drehte sich nicht um. Er wusste: Er konnte ihn nicht ändern. Aber er konnte entscheiden, wohin er blickte. Und heute – an seinem Geburtstag – blickte er nach vorn. Sonntag, 25. Mai 2025 – Später Abend, Heimfahrt mit einem leisen Lied Der Tag neigte sich dem Ende. Nach dem Essen in Frankfurt, den vielen Eindrücken des Pokémon-GO-Events und dem stillen, aber doch bedeutungsvollen Zusammensein, war die kleine Gruppe gegen 21:00 Uhr wieder am Hauptbahnhof Frankfurt angekommen. Der Regionalexpress nach Mainz stand schon bereit, und während sie einstiegen, war die Stimmung angenehm ruhig. Felix saß am Fenster. Die vorbeiziehenden Lichter flimmerten an seinem Gesicht vorbei. Neben ihm saß Luis Suárez, der ihm einen kleinen Pokéball-Schlüsselanhänger schenkte, den er irgendwo am Bahnhof gekauft hatte. „Für dein Team. Und zur Erinnerung an heute.“ Felix lächelte dankbar. Auch seine Mutter wirkte zufrieden, wenn auch müde. Messi döste mit verschränkten Armen, der Vater saß am anderen Ende des Waggons, den Blick stur aus dem Fenster gerichtet – wie fast den ganzen Tag über, still, abwesend, fern. 22:20 Uhr – Zurück in Mainz Als sie am Mainzer Hauptbahnhof ausstiegen, schlug ihnen warme Abendluft entgegen. Es war einer dieser weichen Frühsommerabende, an denen die Stadt noch lebte. Die

Straßenlaternen warfen gelbliches Licht auf die Pflastersteine, und in den offenen Restaurants am Bahnhofsvorplatz saßen noch Gäste, lachten, stießen an. „Wollt ihr noch was trinken gehen?“, fragte Luis. „Zur Feier des Tages.“ „Eigentlich… ja“, sagte Felix. Sie schlenderten noch ein Stück durch die Innenstadt, bis sie ein kleines, gemütliches Lokal fanden, in das Felix und seine Mutter vor Jahren öfter gegangen waren. Heute jedoch war etwas Besonderes geplant – auch wenn Felix es nicht wusste. 22:45 Uhr – Überraschung im Restaurant Kaum hatten sie ihre Getränke bestellt – Felix ein Bier, die anderen Wasser, Schorle und ein Radler – trat plötzlich der Wirt an den Tisch. Ein älterer Mann mit grau-meliertem Bart und einem lauten, fröhlichen Lächeln. „Na, wer hat denn heute Geburtstag?“, fragte er, und ohne eine Antwort abzuwarten, hob er die Arme. Und dann passierte es: Das gesamte Restaurant stimmte ein Geburtstagslied an. Ein einfaches, lautes, liebevolles „Wie schön, dass du geboren bist…“ Menschen, die Felix gar nicht kannte, klatschten mit. Die Kellnerin brachte einen kleinen Teller mit einem Mini-Schokokuchen und einer brennenden Kerze darauf. Luis pfiff mit, Neymar (per Sprachnachricht) kam aus dem Handy dazu. Felix lachte – verlegen, aber ehrlich. Er wurde rot. Strahlte. Alle sangen. Alle – außer einer. Sein Vater saß am Rand des Tisches. Der Blick stur auf sein Bier. Die Mundwinkel nach unten. Keine Mimik. Kein Lächeln. Er zog die Fresse, wie Felix es innerlich nannte. Wie ein Schatten inmitten des Lichts. Felix bemerkte es. Natürlich. Aber er sah nicht hin. Er sah auf den Kuchen, auf die Kerze, auf die Freunde. 23:15 Uhr – Heimweg Nach dem Bier verabschiedeten sie sich aus dem Restaurant. Die Stadt war nun stiller, doch die Wärme hielt an. Sie gingen zu Fuß nach Hause, durch die langsam schlafende Neustadt. Kein Wort mehr über das Lied. Keiner sprach den Vater an. Es war, als hätte sich die Gruppe längst innerlich abgesetzt, weiterentwickelt, abgestimmt auf den, der da war – Felix. 23:45 Uhr – Zuhause Felix ging in die Küche. Er fühlte sich ruhig. Nicht euphorisch, nicht enttäuscht. Einfach echt. Er stellte Wasser auf, suchte zwei Tassen aus – eine für sich, eine für Luis. Er wählte einen Kräutertee mit Lavendel und Minze. Kein großes Ritual. Nur eine Geste des Runterkommens. Als der Tee dampfte, klopfte es leise an der Küchentür. Luis trat ein, im Hoodie, barfuß. Felix reichte ihm die Tasse. Keine Worte. Sie tranken still. Ein Ende ohne Lärm. Aber voller Bedeutung. Und Felix wusste: Heute war sein Tag gewesen. Trotz allem. Vielleicht sogar: gerade deswegen. Montag, 26. Mai 2025 – Nachmittag, Vier gegen Einen

Der elfte Tag begann ruhig. Nach dem ereignisreichen Wochenende – Pokémon-Go-Event, Geburtstagsüberraschung und der Mischung aus Nähe und Enttäuschung mit dem Vater – war dieser Montag fast schon wohltuend unspektakulär. Die Sonne stand hoch am Himmel, es war warm, aber nicht drückend, und das Haus war erfüllt von einer entspannten Gelassenheit. Felix hatte am späten Vormittag noch ein wenig geschlafen. Erst gegen 13:30 Uhr kam er richtig in Gang, als er sich eine kleine Schüssel Müsli machte und mit der dampfenden Mainz-05-Tasse aus dem Geburtstagsgeschenk an den Wohnzimmertisch setzte. Dort saßen schon Luis, Neymar, Messi und Cristiano Ronaldo – nicht etwa still, sondern am diskutieren. Es ging um eine ernste Sache: „Wer ist der Beste bei FIFA?“ 14:00 Uhr – Die Herausforderung „Felix“, sagte Neymar mit einem Grinsen im Gesicht, „du hast gestern alle Teams bei Pokémon Go besiegt – jetzt bist du fällig.“ „Was meinst du?“, fragte Felix, der gerade einen Löffel Müsli kaute. „FIFA. Vier gegen dich. Abwechselnd. Turnierstil. Und der Verlierer muss…“ – Neymar überlegte – „…dem Gewinner eine Flasche Kirschradler holen.“ Felix lachte. „Deal. Aber ich spiel Mainz 05. Das ist Pflicht.“ Luis grinste. „Ich nehm Uruguay.“ Messi hob ruhig den Controller. „Barça 2011.“ Ronaldo zuckte mit den Schultern. „Portugal. Alles andere wäre Verrat.“ Neymar: „Ich nehm Brasilien. Mit mir im Sturm.“ 14:30 Uhr – Anpfiff Der große Fernseher war angeschaltet, die Konsole gestartet. Die Spieler saßen kreuz und quer auf dem Teppich, auf Kissen und Sesseln. Die Getränke standen bereit, die Fenster waren geöffnet – und FIFA 25 wurde zur großen Arena. Erstes Spiel: Felix (Mainz) vs. Neymar (Brasilien) Neymar spielte trickreich, tänzelte, aber Felix hatte gelernt, clever zu verteidigen. Endstand: 2:2 – Remis. Zweites Spiel: Felix vs. Luis (Uruguay) Luis ging hart ran, foulte oft, doch Felix konterte effektiv mit Burkardt und Gruda. Felix gewann 3:1. Drittes Spiel: Felix vs. Messi (Barcelona 2011) Ein schweres Duell. Messi spielte mit Präzision, als wäre es sein echtes Team. Felix verlor knapp mit 1:2. Viertes Spiel: Felix vs. Ronaldo (Portugal) Das Prestige-Match. Zwei mentale Kämpfer. Es stand lange 0:0, bis Ronaldo mit sich selbst ein Traumtor erzielte. Endstand: 0:1 für Ronaldo. 16:15 Uhr – Nachspielzeit „Also gut“, sagte Neymar. „Zwei Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage – das ist stark.“ Felix grinste. „Also: Wer holt mir jetzt den Kirschradler?“ Alle lachten. Luis stand auf. „Ich geh. Ich schuld dir was. Und wenn ich schon geh, bring ich dir noch Chips mit.“ „Du bist ein Ehrenmann“, sagte Felix. 16:45 Uhr – Entspannter Abschluss

Die Sonne schien golden durch das Fenster, der Fernseher lief noch, die Konsole summte leise im Ruhemodus. Felix lag halb auf dem Sofa, die Beine ausgestreckt, seine Tasse mit Wasser in der Hand. Messi und Ronaldo saßen still daneben. Neymar war eingeschlafen – mit dem Controller noch in der Hand. Es war ein ruhiger Nachmittag. Kein Drama. Kein Streit. Nur Spiel, Spaß und diese leise Verbindung, die nicht ausgesprochen werden musste, weil sie längst da war. Und Felix dachte: Manchmal braucht es keine Reise, kein großes Abenteuer – nur ein paar ehrliche Runden FIFA, um sich wieder ganz bei sich selbst zu fühlen. Montag, 26. Mai 2025 – Später Mittag, die Fahrt zur Reha-Firma Es war gegen 17:30 Uhr, als Felix sich entschloss, nochmal loszugehen. Der Nachmittag war angenehm warm geblieben, die Straßen lagen im goldenen Licht der frühen Abendsonne. Die Partie FIFA mit den Spielern war vorbei, die Konsole war ausgeschaltet, die anderen dösten in ihren Zimmern oder schauten entspannt auf ihre Handys. Doch Felix war innerlich unruhig geworden – nicht negativ, sondern erwartungsvoll. Sein Gedanke war klar: Heute müsste eigentlich der Rollstuhl fertig sein. Der alte, klappbare Stuhl aus seiner früheren Reha-Zeit, den er vor wenigen Tagen in die Reha-Firma zur Generalüberholung gebracht hatte. Es war mehr als nur ein Gegenstand. Es war ein Stück Selbstbestimmung, das zu ihm zurückkehren sollte. 17:55 Uhr – Auf dem Weg zur Reha-Werkstatt Felix schnappte sich seinen Rucksack, zog bequeme Schuhe an und verabschiedete sich leise aus dem Haus. Seine Mutter bot an, ihn zu fahren, aber er schüttelte den Kopf. „Ich will das selbst machen.“ Er nahm die Straßenbahn Richtung Hauptbahnhof. Der Verkehr war ruhig, das Stadtleben entspannt. Auf seinem Handy überprüfte er nochmal die Öffnungszeiten – die Werkstatt hatte heute bis 18:30 Uhr auf. Es würde also knapp, aber passen. 18:10 Uhr – Ankunft bei der Reha-Werkstatt Die kleine Werkstatt lag etwas versteckt in einer Seitenstraße. Felix trat ein – der Geruch von Metall, Gummi und Maschinenöl war sofort da, aber nicht unangenehm. Vielmehr war es ein Geruch, der etwas Bedeutendes versprach. Ein älterer Mitarbeiter mit grauem Bart und ölverschmierten Fingern erkannte ihn sofort. „Ah, junger Mann! Ich hab Sie schon erwartet!“ Felix’ Herz klopfte schneller. „Ist er… fertig?“ Der Mitarbeiter nickte und zeigte auf eine Rampe in der hinteren Ecke. Und da stand er: Sein alter Rollstuhl. Aber wie neu. – Die Sitzfläche neu gepolstert, – die Griffe sauber verschraubt, – die Reifen neu befüllt und geschmeidig, – die Bremsen gängig und sicher. „Der Rahmen war noch gut. Ich hab das Material nur gründlich gereinigt, die Lager gefettet und alle Verschleißteile ersetzt. Der hält jetzt wieder Jahre.“ Felix trat langsam näher. Legte die Hand auf die Griffstütze. Es war sein Rollstuhl – aber er fühlte sich jetzt wie ein zuverlässiger Begleiter, nicht wie eine Erinnerung an Krankheit. „Danke“, sagte Felix leise. „Echt… danke.“ „Wollen Sie ihn gleich mitnehmen?“ Felix nickte. „Ja. Ich will ihn… bei mir haben.“

18:25 Uhr – Auf dem Rückweg Felix fuhr ein Stück selbst, testete die Lenkung, das Rollverhalten, die Bremse. Es war ein seltsames Gefühl – nicht, weil er ihn brauchte, sondern weil er ihn haben durfte. Ein Nachbar, der ihn sah, nickte ihm anerkennend zu. Nicht mitleidig. Einfach anerkennend. Und Felix wusste in diesem Moment: Dieser Rollstuhl war kein Rückschritt. Sondern ein Schritt nach vorn – mit Erinnerung, mit Vorbereitung, mit Stärke. Als er wieder zuhause ankam, wartete Luis schon an der Haustür. „Und?“, fragte er mit einem Grinsen. Felix antwortete mit einem simplen Wort: „Bereit.“ Luis nickte. „Dann roll ihn rein. Er gehört jetzt wieder zu dir – auf deine Art.“ Und genau das tat Felix. Er rollte ihn nicht in die Ecke. Er stellte ihn bereit – griffbereit, sichtbar, würdig. Denn er war bereit für alles, was kommt. Montag, 26. Mai 2025 – Abend, Freiheit auf Rädern Der Tag war lang gewesen, voller Erlebnisse – aber noch lange nicht zu Ende. Die letzten Sonnenstrahlen des frühen Abends legten sich über Mainz wie ein goldener Schleier, die Luft war mild, beinahe windstill. Es war einer dieser Abende, die etwas versprachen – Bewegung, Leichtigkeit, Abenteuer. Felix saß im Flur, schnürte seine Schuhe, während die vier Spieler um ihn herum schon ungeduldig warteten. „Na, Trainer?“, fragte Neymar und drehte seinen Pokéball-Schlüsselanhänger am Finger. „Bist du bereit, uns zu zeigen, wo die besten Spawns sind?“ Felix grinste. „Immer. Aber heute… trag ich was mit.“ Er deutete auf den zusammengeklappten Rollstuhl, den er mit zwei Gurten sicher an seinem Rucksack befestigt hatte. Die Reifen sauber, die Griffe glänzend, der Stoff neu – der Stuhl war nicht mehr nur ein Hilfsmittel. Er war Teil seines Weges. 19:45 Uhr – Auf Pokémon-Jagd durch die Felder Die fünf zogen los, durch die Vorstadtstraßen, vorbei an Parks und Spielplätzen, wo Kinder noch herumtollten. Die App war aktiv, die Pokébälle flogen, es wurde gelacht, gerufen, geflucht, wenn ein Pokémon entwischte. „Da vorne ist ein Shiny Evoli gesichtet worden!“, rief Messi. „Zu langsam! Meins!“, antwortete Luis. „Teilen, nicht geiern!“, rief Felix und warf einen Hyperball mit perfektem Curveball-Wurf. Volltreffer. Sie liefen immer weiter hinaus – bis zu den Feldern bei Bretzenheim, wo die Sonne sich langsam über den Horizont senkte und der Himmel in warmen Farben glühte. 20:30 Uhr – Der Berg Am Rand des Feldes führte ein bekannter Weg leicht bergauf. Und am Ende dieses Weges begann ein alter Wirtschaftsweg – steil, asphaltiert, schnurgerade – perfekt zum Herunterrollen. Felix kannte ihn gut. Früher war er hier oft mit dem Fahrrad gewesen. Später mit dem Reha-Rollstuhl. Und jetzt war er wieder da. „Wartet“, sagte er. Er löste den Rollstuhl vom Rucksack, klappte ihn auf. Die Spieler schauten erst fragend, dann verstanden sie.

„Du willst das wirklich tun?“, fragte Messi ruhig. „Ja“, sagte Felix. „Ich will wieder spüren, wie es ist… schneller zu sein, ohne zu rennen.“ Er setzte sich hinein, überprüfte die Bremsen – nicht um sie zu benutzen, sondern um sicherzugehen, dass sie nicht klemmen. Dann schaute er einmal nach oben zu seinen Freunden – und dann nach vorn. Und ließ los. 20:35 Uhr – Die Fahrt Der Rollstuhl nahm Fahrt auf. Erst langsam. Dann schneller. Die Räder surrten. Der Wind strich ihm durchs Haar, blies ihm ins Gesicht. Seine Jacke flatterte. Die Augen tränten leicht. Er spürte alles: – Den Schwung. – Das Vibrieren der Straße. – Das Herzklopfen. – Und diese einzigartige Mischung aus Freiheit und Risiko. Er rief laut, aus vollem Hals: „Ich flieg, Mann! Ich flieg!“ Von oben hörte er die Rufe der Spieler – aufgeregt, begeistert, vielleicht auch ein bisschen ängstlich. Doch Felix lachte. Nicht aus Trotz. Nicht aus Übermut. Sondern aus dem tiefen Gefühl heraus, dass er gerade genau das tat, was er selbst wollte. 20:45 Uhr – Unten angekommen Er bremste sanft aus, kam auf dem ebenen Stück zum Stehen. Die Felder um ihn herum lagen still. Die Sonne war fast ganz verschwunden. Ein paar Minuten später kamen die vier Spieler angerannt. Verschwitzt, lachend, außer Atem. „Du bist verrückt!“, rief Neymar. „Aber gut verrückt“, ergänzte Ronaldo. Felix nickte. Noch immer schnaufend. Noch immer mit roten Wangen. „Ich bin... einfach ich“, sagte er leise. Und keiner sagte etwas dagegen. 21:00 Uhr – Heimweg Der Rollstuhl wurde wieder zusammengeklappt, befestigt, verstaut. Gemeinsam machten sie sich auf den Rückweg, langsam, schweigend, aber voller Wärme. Felix wusste: Heute war kein gewöhnlicher Abend. Er war gerannt, ohne zu laufen. Geflogen, ohne Flügel. Und freier gewesen als viele, die nie sitzen müssen. Montag, 26. Mai 2025 – Später Abend, ein Spiel bis zur letzten Sekunde Es war gegen 21:15 Uhr, als sich die Familie und die vier Spieler im Wohnzimmer versammelten. Die Vorhänge waren zugezogen, die Luft noch warm vom Tag, das Fenster leicht geöffnet. Der Fernseher lief schon – heute Abend stand das große Rückspiel der Bundesliga-Relegation an: SV Elversberg gegen den 1. FC Heidenheim. Für Felix war dieses Spiel mehr als nur Fußball. Seit Wochen hatte er Elversberg die Daumen gedrückt. Ihre Geschichte – der kleine Verein, der sich mit Herzblut durch die 2. Liga gekämpft hatte, der fast direkt aufgestiegen wäre – sie erinnerte ihn an sich selbst: klein, unterschätzt, aber voller Wille. Seine Mutter saß mit einem Tee auf dem Sofa, neben ihr Neymar. Luis hatte sich auf den Teppich gelegt, Kopf auf einem Kissen. Messi thronte wie immer in der Sesselecke, Ronaldo stand am Fenster, die Arme verschränkt, ganz in Beobachterhaltung.

Felix hatte sich seinen Platz auf der Couch ausgesucht – Mitte, genau zwischen den Menschen, die ihm wichtig waren. Anpfiff – ein nervöses Spiel beginnt Schon in den ersten Minuten merkte man die Spannung. Heidenheim kam druckvoll, Elversberg wirkte verunsichert. 9. Minute – 0:1 für Heidenheim. Torschütze: Honsak. Felix ballte die Fäuste. „Nicht schon wieder…“, murmelte er. Luis fluchte leise. „Das war zu einfach. Die waren noch nicht wach.“ Ronaldo nickte. „Frühe Tore sind Gift, wenn du aufsteigen willst.“ Doch Elversberg fing sich. Der Kampfgeist kam zurück. Das Spiel wurde ruppiger, intensiver. 31. Minute – 1:1! Torschütze: Fellhauer. „JA!“, rief Felix und sprang fast auf. „So muss das! Das ist Elversberg!“ Die Spieler klatschten begeistert ab. Neymar prostete ihm mit einer Apfelschorle zu. Danach war es ein offenes Spiel. Chancen auf beiden Seiten. Zweikämpfe. Nervosität. Heidenheim wurde müder, Elversberg bissiger. Die Minuten vergingen. Nachspielzeit – Das bittere Ende 90+5. Minute – Ecke für Heidenheim. Alle im Raum hielten den Atem an. Ballflanke, Kopfballverlängerung, Chaos im Strafraum – und dann: Scienza schiebt den Ball über die Linie. 1:2. In der allerletzten Sekunde. Felix sackte zurück in die Couch. „Nein…“, flüsterte er. „Nicht so. Nicht jetzt. Nicht... so.“ Stille im Raum. Auch die Spieler sagten erstmal nichts. Nur die Mutter legte ihm sanft die Hand auf die Schulter. „Du hast mitgefiebert. Und das zeigt nur, dass du Herz hast“, sagte sie leise. Ronaldo trat ans Sofa. „Manchmal verliert man, obwohl man alles richtig gemacht hat. Fußball ist so. Das Leben auch.“ 22:40 Uhr – Der Trost danach Nach dem Spiel ging Felix in die Küche. Kein Wort. Kein Frustschrei. Nur ein tiefes Atmen. Er öffnete den Kühlschrank, holte sich ein vorbereitetes Fleischkäsebrötchen, das seine Mutter ihm am Nachmittag gemacht hatte. In der Mitte war eine kleine Kerbe – so wie er es mochte. Außen knusprig, innen weich. Er setzte sich an den Tisch. Neymar kam leise hinterher, setzte sich dazu. Kein Gespräch. Nur Gesellschaft. Felix biss langsam ab. Kaute. Und lächelte schwach. „Elversberg hat heute nicht verloren“, sagte er plötzlich. Neymar sah ihn fragend an. „Sie haben gezeigt, dass sie dazugehören. Das zählt. Auch wenn’s keiner merkt.“ 23:00 Uhr – Stille Nacht Wenig später löschte Felix das Licht in der Küche. Das Brötchen war aufgegessen, die Enttäuschung war noch da – aber nicht mehr lähmend. Nur noch eine Welle, die langsam verebbte.

Und tief in ihm – zwischen den Zeilen des Spiels, dem Lärm der Kommentatoren und der Stille danach – wusste er: Manchmal verliert man das Spiel. Aber man gewinnt etwas anderes. Sich selbst. Montag, 26. Mai 2025 – Nacht, eine Frage, die schwerer wiegt als jedes Spiel Es war schon kurz vor Mitternacht, als sich das Haus langsam zur Ruhe legte. Die Straßen draußen waren still, nur das entfernte Summen einer Straßenbahn durchbrach gelegentlich die nächtliche Stille von Mainz. Felix war noch wach. Er hatte sich den Pyjama angezogen, stand barfuß im Flur, die Zahnbürste in der Hand. Doch statt ins Bad zu gehen, trat er leise zurück ins Wohnzimmer. Dort saßen die vier Spieler noch. Messi mit einem Buch in der Hand, Luis auf dem Boden, der mit seinen Gedanken irgendwo zwischen Müdigkeit und Erinnerungen hing. Neymar spielte am Handy, und Cristiano Ronaldo blickte aus dem Fenster in die Nacht. Felix blieb einen Moment stehen. Dann sagte er leise: „Darf ich euch was fragen?“ Alle sahen auf. Kein Witz. Kein Lächeln. Nur ehrliche Aufmerksamkeit. Felix holte tief Luft. Er spürte, wie schwer das auf ihm lastete – aber er musste es aussprechen. „Was denkt ihr eigentlich darüber… also, dass mein Vater… wieder nicht redet?“ Die Spieler sahen sich kurz an. Felix fuhr fort – die Worte kamen jetzt leiser, aber deutlich: „Beim dritten Treffen hat er nichts gesagt. Beim vierten hat er zu meiner Mutter kein Wort gesagt. Und jetzt… spricht er mit keinem von uns. Nicht mit mir. Nicht mit ihr. Nicht mal am Geburtstag. Er war da. Aber er war nicht da. Ich hab ihm gratuliert. Und er hat mich ignoriert. Als wär ich Luft.“ Stille. Felix senkte den Blick. „Ich will ihn nicht hassen. Ich will das nur… verstehen.“ Messi legte sein Buch weg, langsam, fast andächtig. „Es gibt Menschen, die schweigen, weil sie Angst haben. Und es gibt Menschen, die schweigen, weil sie sich nie getraut haben, Gefühle zu zeigen. Dein Vater… sieht nicht dich. Er sieht seine eigene Unsicherheit – und sie macht ihn hart.“ Luis schob sich näher an die Couch. „Du bist zu offen für jemanden, der sein ganzes Leben Mauern gebaut hat. Wenn du redest, erinnert ihn das daran, dass er nie gelernt hat, wie das geht.“ Neymar sagte leise: „Ich glaub nicht, dass er dich hasst. Ich glaub, er hat sich selbst verloren. Und alles, was er sieht, wenn er dich anschaut, ist das, was er nicht versteht – und was er nicht mehr zurückholen kann.“ Felix schwieg. Doch Tränen stiegen langsam in seine Augen. Cristiano stand auf, kam zu ihm, legte die Hand auf seine Schulter – fest, warm, schützend. „Du kannst Menschen nicht zwingen, dich zu sehen. Aber du kannst dich selbst nicht kleiner machen, nur damit sie sich größer fühlen. Du hast heute gewonnen, Felix – nicht im Spiel, nicht in der Relegation. Sondern darin, dass du trotz allem zu ihm gesprochen hast. Du hast gratuliert. Du hast die Tür offen gelassen. Und er ist nicht hindurchgegangen. Das ist nicht deine Schuld.“ Felix schluckte, dann nickte er langsam. „Ich will nicht wütend schlafen gehen“, sagte er leise. „Dann tu das nicht“, sagte Messi.

„Geh mit dem Wissen schlafen, dass du geliebt wirst – von denen, die hier sind. Und dass du stärker bist, weil du trotzdem immer wieder versuchst, Verbindung zu schaffen.“ 00:12 Uhr – Schlafenszeit Felix ging ins Bad. Die Spieler verteilten sich leise in ihre Zimmer. Als Felix später zurückkam und die Decke über sich zog, war es ruhig im Haus. Und obwohl der Vater kein Wort gesagt hatte – waren vier Männer da gewesen, die gehört hatten, was nicht gesagt wurde. Und das war vielleicht das Wichtigste überhaupt. Dienstag, 27. Mai 2025 – Tag 12, ein ruhiger Vormittag mit Verantwortung Der Morgen begann langsam. Die Sonne kroch zögerlich über die Dächer von Mainz, ein paar Wolken schoben sich gemächlich vor das Licht, als wollte selbst der Himmel heute alles behutsamer angehen lassen. Felix war früh wach, aber nicht gehetzt. Kein Termin, keine Verpflichtung, nur der eigene Rhythmus – und eine Sache, die er sich für heute vorgenommen hatte. Der Katheterwechsel. Es war mittlerweile Teil seines Alltags geworden, so wie das Zähneputzen, das Tablettenschlucken oder das Zubereiten seines Schlaftees. Und doch – ein kleiner Moment innerer Sammlung gehörte immer dazu. Denn obwohl er es beherrschte, war es ein Eingriff in den eigenen Körper. Ein Schritt, der Verantwortung und Achtsamkeit verlangte. 09:15 Uhr – Vorbereitung Felix betrat das Badezimmer mit einer ruhigen Bestimmtheit. Auf dem Waschbecken hatte er sich alles bereitgelegt: – ein neuer Einmalkatheter mit Auffangbeutel, – eine sterile Blasenspüllösung, – eine große Einwegspritze, – Handschuhe, – Desinfektionsmittel, – ein kleines Handtuch. Er stellte sich vor den Spiegel, atmete tief durch und blickte sich selbst in die Augen. „Du schaffst das. Wie jedes Mal.“ 09:20 Uhr – Die Spülung Bevor er den alten Katheter entfernte, wollte Felix seine Blase noch einmal gründlich spülen – das war wichtig, um Rückstände und mögliche Ablagerungen zu entfernen, die später zu Reizungen oder Entzündungen führen könnten. Er setzte sich ruhig auf einen Hocker im Bad, desinfizierte den Anschluss des alten Katheters, zog mit der großen Spritze langsam die Spüllösung auf – klare Flüssigkeit, körperwarm, so wie empfohlen. Mit ruhiger Hand führte er die Flüssigkeit ein, ließ sie einwirken, und spülte dann langsam zurück. Es war kein Schmerz – eher ein Gefühl der Klarheit, als würde er seinem Körper etwas Gutes tun. Sauberkeit von innen. Kontrolle. Sicherheit. 09:35 Uhr – Der Wechsel Nachdem er die Spülung abgeschlossen und alles vorbereitet hatte, öffnete er vorsichtig die sterile Verpackung des neuen Katheters. Mit Handschuhen, präzisen Bewegungen und der Ruhe eines Menschen, der seinen Körper nicht als Gegner, sondern als Begleiter sieht, zog er den alten Katheter heraus und führte den neuen ein.

Der Beutel wurde korrekt angeschlossen. Alles sauber. Nichts gereizt. Keine Schmerzen. Nur Erleichterung. 09:45 Uhr – Danach Felix saß noch einen Moment ruhig auf dem Badhocker. Die Sonne hatte inzwischen den Raum erreicht, fiel weich über das weiße Waschbecken und seinen Oberschenkel. Er blickte auf den Beutel – ordentlich befestigt – und spürte etwas sehr Konkretes: Stolz. Nicht der große, laute Stolz, sondern der leise, innere. Der, der sagt: „Du kümmerst dich. Du übernimmst Verantwortung. Du gibst deinem Körper, was er braucht.“ 10:00 Uhr – Ein neuer Tag beginnt Als er das Bad verließ, stand Messi im Flur – verschlafen, mit einem Croissant in der Hand. „Alles gut bei dir?“, fragte er mit halb geschlossenen Augen. Felix nickte. „Ja. Ich hab heute einfach was Wichtiges erledigt.“ Messi sah ihn an. Sagte nichts weiter – nur ein anerkennendes Nicken. Und Felix wusste: Auch ohne viele Worte war verstanden worden, was dieser Morgen bedeutete. Es war der zwölfte Tag. Und wieder einer, den er nicht passiv erlebt, sondern aktiv gestaltet hatte. Schritt für Schritt. Mit Verantwortung. Mit Ruhe. Mit Mut. Dienstag, 27. Mai 2025 – Vormittag, ein Gespräch zwischen Schlaf und Wahrheit Es war kurz nach halb elf, als Felix noch einmal die Augen schloss. Der Katheterwechsel war erledigt, die Spülung hatte ihm gutgetan, und der Körper verlangte nach etwas Ruhe. Die Müdigkeit hatte ihn wieder eingeholt. Gerade wollte er sich unter seine weiche Decke kuscheln, als es an seiner Zimmertür klopfte. Nicht laut. Aber auch nicht vorsichtig. „Felix?“ Die Stimme des Vaters. Felix zuckte zusammen. Sein Herz schlug ein bisschen schneller. Er blieb liegen, sagte erst nichts. Doch die Tür öffnete sich trotzdem – typisch für seinen Vater. Er trat ein, schaute auf das Bett. Felix blinzelte. Er wirkte noch verschlafen, der Kopf auf dem Kissen, die Decke bis zur Brust. Der Vater trat näher. Unruhig. So, wie Felix ihn kannte, wenn er etwas auf der Seele hatte, aber nicht wusste, wie man es vernünftig ausspricht. „Warum hast du Angst vor mir?“, fragte er plötzlich. Ohne Einleitung. Ohne Vorbereitung. Felix war sofort hellwach. Aber sein Gesicht blieb ruhig. Er sah seinen Vater an, schwieg. „Ich hab…“, begann der Vater, fuhr sich durch die Haare. „Ich hab die Tür geknallt, ich hab laut geredet. Ja. Aber ich hab das gemacht, weil ich… ich dachte, deine Mutter hätte sich wehgetan. Als sie da rief – mit dem Bügelbrett… ich hatte Angst. Ich wollte helfen. Ich bin nicht böse auf euch… aber… du hast mich so angesehen, als… als ob ich gefährlich wäre.“ Felix starrte zur Decke. In seinem Kopf kämpften mehrere Gedanken gleichzeitig. Einer davon wollte schreien: „Und all die Male vorher? Beim Geburtstag? Beim Schweigen? Beim Türeknallen ohne Grund? Beim Weggehen?“ Ein anderer wollte sagen: „Danke, dass du das fragst.“ Und ein dritter – der, der müde war und seine Ruhe wollte – entschied sich für etwas anderes. Er atmete tief durch, sah seinen Vater an und sagte ruhig:

„Ich war nur überrascht. Ich dachte, es ist nichts passiert. Ich war einfach noch nicht richtig wach. Alles gut.“ Der Vater wirkte, als wolle er noch mehr sagen. Doch Felix hatte mit dieser ruhigen, fast neutralen Antwort das Gespräch abgefedert – fast wie ein Fallschirm, der eine schnelle Konfrontation langsam zur Landung brachte. Der Vater nickte. Kein „Danke“. Kein weiteres Wort. Er drehte sich um, ging zur Tür – ließ sie diesmal leise ins Schloss fallen. Felix drehte sich zur Wand. Er wusste, dass er nicht ganz ehrlich gewesen war. Aber er brauchte Ruhe. Nicht ein klärendes Gespräch, nicht eine Analyse – nur Stille. Er schloss die Augen wieder. Und während der Vater im Flur langsam davonging, fiel Felix zurück in den Schlaf. Nicht tief, nicht sorgenfrei – aber ruhig genug, um Kraft für den Rest des Tages zu sammeln. Dienstag, 27. Mai 2025 – Der Weg zur Assistentin und eine Begegnung mit Schatten Es war gegen 14:00 Uhr, als Felix gemeinsam mit Neymar, der ihn heute begleitete, das Haus verließ. Die Sonne hatte sich hinter Schleierwolken gelegt, es war warm, aber nicht drückend. Felix trug eine leichte Jacke, seine Tasche über der Schulter. In der Seitentasche: seine neuen Unterlagen für das Gespräch mit der neuen Assistentin, die ihn nun schon einige Wochen unterstützte. Sie war freundlich, jung, offen – und sie nahm ihn ernst. Deswegen ging Felix mittlerweile gern zu ihr. Während sie langsam durch die Straßen von Mainz schlenderten, sprach Felix nach kurzem Zögern das an, was ihn seit Tagen innerlich beschäftigte. Neymar hörte sofort aufmerksam zu. „Sag mal…“, begann Felix leise, fast schüchtern, „… wie findest du das eigentlich, dass mein Vater mir nicht mal zum Geburtstag gesungen hat? Nicht mal angeschaut hat – nur so… stumm war?“ Neymar sagte erstmal nichts. Felix fügte noch hinzu: „Er sagt, das war alles, weil er Angst hatte, dass Mama sich beim Bügelbrett verletzt hat… aber dann war er sauer auf sie, weil sie gesagt hat, dass sie okay ist. Und ich… ich hab das alles abbekommen. Er hat mich so angeschaut, als hätte ich was falsch gemacht. Dabei hab ich nichts getan. Findest du das normal?“ Neymar sah ihn an, mit echtem Mitgefühl. „Felix… ich kenn deine Familie nicht so gut. Aber ich weiß, wie sich solche Dinge anfühlen. Man wird getroffen von Dingen, die gar nicht für einen bestimmt waren. Und trotzdem tut’s weh.“ „Denkst du… er war wirklich nur sauer auf Mama? Und ich hab nur seine Wut gespürt, obwohl sie gar nicht für mich war?“ Neymar nickte langsam. „Vielleicht ja. Aber das ist keine Entschuldigung dafür, wie er mit dir umgeht. Wenn er dich ignoriert oder anstarrt, als wärst du schuld – das ist nicht okay. Nicht am Geburtstag. Nicht an irgendeinem Tag.“ Felix nickte. „Und was, wenn er das auch in der Öffentlichkeit macht? Am Weihnachtsmarkt ist er mal total ausgeflippt. Ich hab mich geschämt… alle haben geguckt. Es war mir so peinlich. Ich dachte, ich hab was falsch gemacht… dabei wollte ich nur friedlich dort sein.“ Neymar legte ihm sanft eine Hand auf die Schulter. „Du hast gar nichts falsch gemacht.“ Ein kalter Blick

Sie näherten sich dem Friedhof, durch den man abkürzen konnte, wenn man zur Assistentin wollte. Felix zögerte kurz – dann gingen sie gemeinsam hindurch. Und genau dort, an der Stelle mit dem kleinen Brunnen, der einst versehentlich übergelaufen war, stand eine Frau. Felix blieb stehen. Neymar auch. Die Frau hatte graues Haar, eine schwarze Tasche über der Schulter und stand wie eingefroren. Als sie Felix und Neymar sah, verzog sich ihr Gesicht. Ein eisiger Blick. Verachtung. Ablehnung. Und etwas anderes… etwas Drohendes. Felix zog unbewusst die Schultern hoch. Er flüsterte: „Das ist die Frau… die von damals… bei dem Brunnen.“ Neymar spürte sofort die Veränderung in der Atmosphäre. Sie gingen an ihr vorbei, sagten nichts – doch Felix spürte, dass etwas nicht stimmte. Was beide nicht wussten: Die Frau hatte die damalige Szene am Brunnen nie vergessen. Sie fühlte sich beobachtet, bloßgestellt – obwohl es ein Versehen war. Und seit jenem Tag trug sie einen Groll in sich. Einen stillen, wachsenden Groll. Sie hatte es nie laut gesagt, aber tief in ihr war ein Entschluss gereift: Rache. Nicht laut, nicht auffällig. Aber kalt. Planend. Sie war überzeugt: Diese „Jungs“ mussten lernen, was Respekt ist. Felix und Neymar waren längst weitergegangen, sprachen wieder über Alltag, über Erinnerungen, über das, was auf der Seele lastete. Aber im Schatten der Bäume hinter ihnen blieb die Frau stehen. Und ihre Gedanken waren alles andere als ruhig. Der Weg zur Assistentin war nur ein kleiner Schritt. Doch die Schatten der Vergangenheit hatten begonnen, sich erneut zu bewegen. Dienstag, 27. Mai 2025 – 14:00 Uhr: Gespräch bei der Assistentin Pünktlich um 14 Uhr betrat Felix gemeinsam mit Neymar das kleine Büro im Erdgeschoss des barrierefreien Hauses, in dem seine neue Assistentin arbeitete. Der Raum war freundlich gestaltet: Pflanzen, Bilder mit Tieren an der Wand, eine kleine Couch und ein höhenverstellbarer Schreibtisch. Alles war so eingerichtet, dass man sich wohlfühlen konnte – und das tat Felix auch. Zumindest meistens. „Hallo Felix, schön, dass du da bist“, sagte die Assistentin mit einem freundlichen Lächeln. Auch Neymar wurde mit einem Nicken begrüßt, denn die Mitarbeiterin kannte ihn bereits von einem früheren Termin. Felix setzte sich auf seinen Lieblingsplatz: den grauen Stoffstuhl direkt neben dem Fenster. Er kramte seine Unterlagen aus der Tasche und legte sie auf den Tisch. Die Assistentin hatte bereits eine Mappe mitgebracht – seinen Teilhabeplan. „Also…“, begann sie ruhig, während sie die Seiten vor sich aufklappte, „…wir haben uns ja nun schon ein paar Wochen intensiv mit deinem Alltag, deinen Zielen und deinen Bedürfnissen beschäftigt. Heute wollen wir gemeinsam draufschauen: Was läuft gut? Wo braucht es Änderungen?“ Felix nickte langsam. Er war aufgeregt – er wollte, dass etwas weiterging in seinem Leben. Dass sich was bewegte. Dass nicht alles so schwer blieb, wie es sich oft anfühlte. Sie gingen Punkt für Punkt durch. 70 % läuft gut – aber...

Die Assistentin erklärte sachlich: „Ungefähr 70 Prozent deines aktuellen Plans sind so, wie sie sein sollten. Das ist ein sehr guter Anfang. Du nutzt Angebote, du bist verlässlich bei deinen Terminen, du hast Ziele, die realistisch sind und du setzt dich für dich selbst ein. Das ist stark.“ Felix lächelte leicht. Neymar klopfte ihm sanft auf die Schulter. Doch dann wurde die Stimme der Assistentin etwas ernster. „Aber bei den restlichen 30 Prozent… da müssen wir wirklich noch etwas tun. Einige Dinge sind nur halb durchdacht, bei anderen fehlen noch klare Umsetzungsstrategien, und manche Punkte…“ – sie sah Felix direkt an – „…müssen wir sogar komplett neu strukturieren.“ Felix runzelte die Stirn. „Welche denn?“ Die Problemzonen im Teilhabeplan Die Assistentin zählte auf: – Der Bereich soziale Teilhabe war nicht klar genug geregelt. Es stand zwar, dass Felix Kontakte knüpfen möchte, aber wo, wie und mit wem, das fehlte. – Die Unterstützung beim Alltagstraining (z. B. Einkaufen, Kochen, Struktur) war zu allgemein formuliert. – Und ein großer Punkt war der Übergang in die Arbeitswelt – dort fehlte noch ein konkreter Plan, wie er überhaupt erst Zugang zu den richtigen Stellen bekommen sollte, ohne dass er wieder an Ämtern oder Barrieren scheiterte. „Hier müssen wir mit einer neuen Strategie ran“, sagte sie bestimmt. „Das bedeutet, wir setzen uns nochmal mit deinem Jobcoach zusammen, wir planen neue Strukturhilfen für deinen Alltag, und wir überlegen uns ganz konkret, wie du mit deiner Energie besser haushalten kannst – gerade wenn du wieder mit Ämtern oder unverständlichen Leuten zu tun hast.“ Ein Schritt nach vorn Felix war nachdenklich geworden. Doch er nickte. „Okay. Ich wusste ja, dass noch viel zu tun ist… aber ich bin bereit.“ Neymar grinste. „Felix, du hast schon so viel geschafft. Das hier kriegst du auch hin.“ Die Assistentin schob ihm ein neues Blatt zu: „Das hier ist die Strategie-Übersicht. Ich möchte, dass du dir bis zum nächsten Mal überlegst: Was möchtest du wirklich? Was brauchst du? Und was stresst dich besonders? Dann können wir gezielt neue Bausteine entwickeln.“ Felix nahm das Blatt entgegen. Es fühlte sich an wie ein neuer Anfang. Ein ernst gemeinter, klarer, hilfreicher Anfang. Der Weg war nicht leicht. Aber er war da. Und er war nicht mehr allein. Dienstag, 27. Mai 2025 – Abend: Belohnung bei McDonald’s Der frühe Abend war angebrochen, die Sonne senkte sich langsam über Mainz, als Felix gemeinsam mit Neymar aus der Straßenbahn stieg. Sie hatten gerade einen anstrengenden, aber wichtigen Tag hinter sich. Das Gespräch mit der Assistentin hatte viel ausgelöst – und jetzt, wo alles ein wenig sacken konnte, spürte Felix: Er hatte sich eine kleine Belohnung verdient. „Ich hab richtig Lust auf ein Bier…“, murmelte er, während sie Richtung Altstadt schlenderten. Neymar grinste. „Hast du dir verdient, Bruder. Wir finden schon was.“ Zielstrebig gingen sie in Richtung ihrer Lieblingskneipe. Ein uriger Ort in einer kleinen Gasse, mit Holzstühlen, rissigem Mobiliar und Fußballwimpeln an den Wänden. Hier waren sie öfter schon gewesen. Hier fühlte sich Felix wohl.

Doch als sie vor der Tür standen, traf sie die Enttäuschung: Ein kleines Schild am Eingang – „Heute geschlossen wegen privater Veranstaltung“. „Na super“, sagte Felix und seufzte. „McDonald’s?“ fragte Neymar und hob die Augenbraue. Felix zögerte kurz, doch dann grinste er. „Warum nicht.“ Fastfood und Freundschaft Ein paar Minuten später saßen sie im hell erleuchteten McDonald’s am Hauptbahnhof. Es war recht leer für die Uhrzeit, die meisten Tische waren frei. Felix hatte sich einen McChicken, Pommes, eine süß-saure Soße und ein kleines Radler aus der Kühlung geholt – „zur Belohnung“, wie er es nannte. Neymar bestellte sich einen Big Mac und einen Milchshake. Sie setzten sich in eine ruhige Ecke und stießen mit ihren Getränken an. „Auf die 70 Prozent“, sagte Neymar. „Und auf die 30 Prozent, die wir schaffen werden“, fügte Felix ernst hinzu. Sie lachten, dann wurde es für eine Weile ruhig. Felix schaute aus dem Fenster, wo gerade ein Zug vorbeifuhr. „Weißt du…“, begann er leise, „…früher hätte ich nie gedacht, dass ich mal mit jemandem wie dir hier sitzen würde. So offen reden. Einfach normal sein.“ Neymar nickte. „Ich hätte auch nie gedacht, dass Fastfood in Mainz mal so gut schmecken kann.“ Ein Moment der Ruhe Während sie ihre Burger aßen, sprachen sie über das, was noch vor ihnen lag: Die geplanten Therapien, der neue Alltag mit mehr Struktur, vielleicht sogar die Rückkehr in einen geregelten Job. Aber sie sprachen auch über Leichtes – über Fifa, über den letzten Mainz-05Sieg, und über Pokémon GO. Als sie fertig waren, packte Felix den Rest seiner Pommes in eine kleine Tüte. „Für später“, sagte er. Dann lehnten sie sich zurück, still, aber zufrieden. Es war kein spektakulärer Abend. Kein Feuerwerk. Kein Konzert. Aber es war echt. Und das war manchmal mehr wert als alles andere. Eulchen-Brauerei

Dienstag, 27. Mai 2025 – Später Abend: Bierauswahl und Fleischkäse Nach einem langen Tag voller Gespräche und Reflexionen verspürte Felix den Wunsch, den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Gemeinsam mit Neymar beschloss er, noch einige Besorgungen zu machen, um sich und seinen Freunden eine kleine Freude zu bereiten. Einkaufstour für den Abend Felix und Neymar machten sich auf den Weg zu einem nahegelegenen Getränkemarkt. Dort wählte Felix sorgfältig sieben verschiedene Biere aus, um eine abwechslungsreiche Auswahl für den Abend zu haben: • 2 Flaschen Eulchen „Mainz Gefühl“: Ein regionales Bier aus Mainz, das für seine besondere Note bekannt ist. • 2 Flaschen Schöfferhofer Weizen: Ein klassisches Weizenbier mit fruchtigen Aromen. • 1 Flasche Hessenbräu: Ein Pilsener aus Hessen, das durch seine ausgewogene Hopfennote überzeugt. • 1 Flasche Astra Rakete: Ein Biermischgetränk mit erfrischendem Citrus-VodkaAroma und einem Alkoholgehalt von 5,9% . • 1 Flasche Licher Pilsner: Ein Pilsner aus der Licher Privatbrauerei, das für seine Qualität und Frische bekannt ist . Ein herzhaftes Abendessen

Mit den Bieren im Gepäck kehrten Felix und Neymar nach Hause zurück. Dort bereiteten sie gemeinsam ein einfaches, aber herzhaftes Abendessen zu: frischer Fleischkäse, den sie in Scheiben schnitten und in der Pfanne anbraten. Dazu reichten sie knusprige Brötchen und Senf. Gemütliches Beisammensein Am Esstisch versammelten sich Felix, Neymar und die anderen Spieler. Sie probierten die verschiedenen Biere, tauschten ihre Eindrücke aus und genossen den Fleischkäse. Die Stimmung war entspannt, es wurde gelacht und über die Ereignisse des Tages gesprochen. Felix fühlte sich in diesem Moment angekommen. Trotz der Herausforderungen des Tages konnte er den Abend in guter Gesellschaft verbringen und neue Energie für die kommenden Tage tanken. Dienstag, 27. Mai 2025 – Nacht: Chips, Schlaftee und Ruhe Nachdem der späte Abend in geselliger Runde mit Bier und Fleischkäse ausgeklungen war, verabschiedeten sich die Spieler einer nach dem anderen in ihre Gästezimmer. Auch Felix merkte, wie die Müdigkeit langsam in ihm aufstieg, doch ganz abschalten konnte er noch nicht. Ein letztes kleines Verlangen Bevor er ins Bett ging, griff Felix noch einmal in die Vorratsdose mit seinen Lieblingschips – Paprika-Geschmack mit leicht rauchiger Note. Er nahm sich eine kleine Handvoll, legte sich mit angezogenen Beinen auf das Sofa und knabberte langsam. Die salzige Würze beruhigte ihn irgendwie, half ihm, den Kopf noch ein Stückchen weiter loszulassen. Währenddessen dachte er an das, was der Tag gebracht hatte: das intensive Gespräch bei der Assistentin, das Einkaufen mit Neymar, die emotionale Eskalation des Vaters, das leckere Abendessen und natürlich der Rückzug in gemütlicher Atmosphäre. Es war viel passiert, aber diesmal hatte er nicht das Gefühl, alles alleine tragen zu müssen. Der Tee zum Einschlafen Nach den Chips stellte Felix sich in der kleinen Küche noch seinen bewährten Schlaftee zusammen – eine Mischung aus Kamille, Melisse und Lavendel. Als er den warmen Becher in der Hand hielt und den ersten Schluck nahm, spürte er, wie sich sein Körper langsam entspannte. Er atmete tief durch, ließ die Gedanken kommen und gehen, ohne an ihnen festzuhalten. Ordnung schaffen – innerlich wie äußerlich Bevor er sich endgültig schlafen legte, ging er noch einmal kurz ins Zimmer, in dem sein Rollstuhl abgestellt war. Er hatte ihn zuvor benutzt, als er mit Neymar und dem Spieler durch die Unimedizin gefahren war. Nun schob er ihn vorsichtig unter sein Bett, genau so, wie er es sich angewöhnt hatte – der Rahmen parallel zur Wand, die Bremsen leicht angezogen, sodass nichts kippte. Es war wie ein kleines Ritual geworden, das ihm Sicherheit gab. Zur Ruhe kommen Als Felix dann im Bett lag, eingerollt unter seiner Lieblingsdecke, merkte er, wie sein Körper langsam schwer wurde. Die Gedanken verblassten, der Tee wirkte, die Stille legte sich sanft über den Raum. In der Ferne hörte er noch das leise Ticken der alten Küchenuhr, ansonsten nur die friedliche Dunkelheit der Nacht. Felix schloss die Augen. Heute hatte er viel geschafft. Und morgen würde ein neuer Tag kommen – mit neuen Fragen, aber auch neuen Chancen. Mittwoch, 28. Mai 2025 – Mittag: Der Versuch, es trotzdem zu schaffen Der 13. Tag begann ruhig. Nach dem Frühstück, bei dem der junge Mann, Felix, wie immer sein Radler-Kirschgetränk in der Küche stehen ließ, bis es Zimmertemperatur erreicht hatte, saß er allein in seinem Zimmer. Die Spieler waren unterwegs, um Besorgungen zu machen, und seine Mutter bereitete das Mittagessen vor. Es war der perfekte Moment, sich einem

lange aufgeschobenen Thema zu stellen: der Bewerbung für ein Studium in BWL an der Hochschule Mainz. Der Entschluss Felix hatte lange mit sich gerungen. BWL war nie wirklich „sein Ding“ gewesen – zu trocken, zu abstrakt, zu sehr in Richtungen gedrängt, in denen er sich nicht wohlfühlte. Und doch... ein kleiner Teil in ihm wollte es versuchen. Nicht aus reiner Neugier, sondern weil er zeigen wollte, dass er sich durchkämpfen konnte. Dass er sich nicht entmutigen ließ, auch wenn andere ihm oft zu verstehen gegeben hatten, dass er es nicht schaffen würde. Mit etwas zitternden Fingern öffnete er den Laptop, tippte die Webadresse der Hochschule Mainz ein und navigierte sich zum Bewerbungsportal. Sein Herz schlug schneller. „Vielleicht bin ich ja schon registriert?“, murmelte er. Er hatte doch damals, vor dem InformatikStudium, einen Zugang gehabt. Der erste Rückschlag Doch als er versuchte, sich einzuloggen, kam nur eine Fehlermeldung. „Benutzername nicht gefunden.“ Felix probierte mehrere Kombinationen. Alte Passwörter. Alte E-Mail-Adressen. Sogar sein Geburtsdatum als Nutzername. Doch alles scheiterte. Es war, als wäre seine Existenz dort gelöscht worden. Frustriert, aber nicht völlig überrascht, ließ er sich in den Stuhl zurücksinken. Zwei Stunden saß er da, dachte nach, las Foren, suchte nach Hinweisen. Und plötzlich erinnerte er sich: Er war schon mal an der Hochschule Mainz eingeschrieben gewesen – für das Informatikstudium. Vielleicht war der Zugang deswegen gesperrt oder archiviert? Der Schritt nach vorn Er öffnete ein neues Fenster und begann eine E-Mail zu schreiben. Keine lange, aber klare Nachricht: Betreff: Zugangsdaten für Bewerbungsportal – Bewerbung für BWL Wintersemester 2025/26 Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte mich zum kommenden Wintersemester 2025/26 für den Studiengang Betriebswirtschaftslehre (BWL) an Ihrer Hochschule bewerben. Ich war bereits vor einiger Zeit an der Hochschule Mainz im Studiengang Angewandte Informatik eingeschrieben und vermute, dass mein Bewerber-Account aus dieser Zeit noch besteht oder archiviert wurde. Leider kann ich mich nicht mehr einloggen und bitte deshalb um die Zusendung neuer Zugangsdaten oder Informationen, wie ich mich erneut registrieren kann. Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Mit freundlichen Grüßen Felix Zimmermann Ein Gefühl von Mut Nachdem er die E-Mail abgesendet hatte, war Felix zwar nervös, aber auch stolz. Er hatte einen Schritt gemacht. Nicht, weil er sicher war, dass es der richtige war. Nicht, weil er glaubte, dass es ihm Spaß machen würde. Sondern weil er sich selbst beweisen wollte, dass er Dinge angehen konnte – selbst dann, wenn die Angst flüsterte: „Das bringt doch nichts.“ Es war Mittag geworden. Die Sonne schien durch das Fenster, und in der Ferne hörte man die Stimmen der vier Spieler, die mit Einkaufstüten zurückkamen. Felix lehnte sich zurück, nahm einen Schluck von seinem Getränk – und wusste: Auch wenn die Hochschule vielleicht nicht antworten würde. Oder er vielleicht keinen neuen Zugang bekäme. Oder es am Ende doch nicht das Richtige war. Er hatte es versucht. Mittwoch, 28. Mai 2025 – Später Nachmittag: Ein kleiner Moment mit Bedeutung

Es war später Nachmittag geworden. Die Sonne stand etwas tiefer, warf ihr warmes Licht schräg durch das Wohnzimmerfenster. Felix hatte sich nach dem ganzen Bewerbungsstress ein wenig hingelegt, sein Laptop lag noch offen neben ihm auf dem Bett, die E-Mail an die Hochschule war längst raus, doch seine Gedanken kreisten weiterhin um Zukunft, Unsicherheiten – und einen seltsamen inneren Druck, den er selbst nicht genau benennen konnte. Da hörte er unten die Haustür. Schritte. Die vertraute Stimme seiner Mutter. „Felix, ich bin wieder da!“ Er richtete sich langsam auf und ging zur Treppe. „Hallo Mama“, rief er runter. „Ich hab dir was mitgebracht!“ rief sie freudig zurück und stellte die Einkaufstasche ab. Als Felix die Küche betrat, reichte sie ihm ein kleines Eis im Becher. „Ich dachte, das ist eine kleine Belohnung für heute. Du warst mutig mit der E-Mail.“ Felix nahm das Eis entgegen, sah kurz auf das Etikett. Es war Schokolade mit einer dicken Haselnusssoße – eigentlich eine Sorte, die er früher gerne mochte. Doch heute… fühlte es sich falsch an. Sein Magen war irgendwie eng, sein Kopf voll. Der Appetit war nicht da. „Danke, Mama“, sagte er leise, stellte das Eis aber unauffällig in die Kühlschranktür. Er beschloss in Gedanken: Wenn der Spieler bald wieder abreist, dann bekommt er es als kleines Andenken. Vielleicht freut er sich drüber. Ich schreib sogar seinen Namen drauf. Als seine Mutter das sah, sagte sie nichts. Vielleicht hatte sie es bemerkt, vielleicht auch nicht – doch sie kannte ihn gut genug, um zu wissen, wann man schweigen sollte. „Möchtest du einen Tee?“ fragte sie stattdessen sanft. „Ja, bitte“, antwortete Felix. Kurz darauf saßen sie still nebeneinander im Wohnzimmer. Felix nippte an seinem Tee – ein milder Kamillentee mit Honig, der ihn beruhigte. Die Wärme im Becher war wie eine kleine Umarmung für die Seele. Draußen fuhr ein Auto vorbei, irgendwo bellte ein Hund. Im Flur hörte man leise Stimmen – die vier Spieler, die sich über irgendein altes Fußballspiel unterhielten. Es war Alltag. Es war nichts Besonderes. Und doch war es einer dieser stillen Momente, in denen Felix sich nicht allein fühlte. Er lehnte sich zurück, atmete tief durch und dachte bei sich: Es ist okay, dass ich das Eis heute nicht essen kann. Vielleicht morgen. Oder vielleicht freut sich jemand anderes mehr darüber. Mittwoch, 28. Mai 2025 – Abend: Hoffnungen, E-Mails und ein stiller Blick Der Abend senkte sich langsam über Mainz, die Dämmerung ließ das Licht draußen blasser werden. Im Zimmer von Felix herrschte jedoch noch Aktivität. Er saß an seinem Schreibtisch, der Bildschirm des Laptops leuchtete ihn kühl an. Die Gedanken gingen ihm nicht aus dem Kopf. Ich will wenigstens versuchen, irgendwo Fuß zu fassen, dachte er. Auch wenn es nicht einfach wird… ich will es probieren. Auch wenn’s weh tut, abgelehnt zu werden. Er öffnete sein E-Mail-Programm und begann, zwei Nachrichten zu schreiben. Die erste ging an die Polizei – erneut fragte er freundlich, ob die Stelle als Polizeisekretäranwärter noch zur Verfügung stand. Er schrieb, dass er schon mehrfach versucht hatte, über das Kontaktformular eine Antwort zu erhalten, bisher aber keine Rückmeldung kam. Höflich, sachlich, ehrlich. Die zweite E-Mail schrieb er an die Bundesbank. Auch dort hatte er sich beworben, auch dort fehlte bisher eine klare Antwort. Diesmal erwähnte er, dass er inzwischen seinen Kurs an der Volkshochschule erfolgreich abgeschlossen hatte. Er hängte die Teilnahmebestätigung an. Auch hier blieb er höflich – aber auch ein kleines bisschen traurig. Als er auf „Senden“ klickte, fühlte es sich an wie ein leises Flüstern in die Welt. Bitte gebt mir eine Chance.

Kurz darauf klopfte es an der Tür. Es war einer der Spieler – Neymar. „Hey Felix, Lust auf noch ’ne Runde FIFA? Wir wollen nochmal das Duell von gestern nachspielen. Diesmal ohne Eigentor!“, sagte er mit einem schelmischen Grinsen. Felix lachte leicht, „Na gut… aber nur, wenn ich nicht wieder mit Union Berlin spielen muss.“ Im Wohnzimmer setzten sie sich gemeinsam auf das Sofa, Messi und Suarez kamen auch dazu. Das Spiel begann, Controller in der Hand, ein paar Chips und eine geöffnete Flasche Kirschradler auf dem Tisch. Für einen Moment war alles leicht. Doch dann, ganz plötzlich, kam er. Die Tür wurde aufgerissen – der Vater. Ohne ein Wort, mit zusammengezogener Stirn, kam er herein, knallte sein Handy und eine Fernbedienung auf den Tisch, ließ sich in den Sessel plumpsen, funkelte Felix nur kurz an, ohne ein Wort zu sagen. Dann stand er wieder auf, öffnete die Wohnzimmertür und ließ sie mit voller Wucht ins Schloss krachen. Stille. Keiner sagte etwas. Neymar und Suarez blickten betreten auf den Bildschirm. Messi legte eine Hand auf Felix’ Schulter. Der Spieler, mit dem Felix gerade zockte, blieb ganz ruhig. „Du führst 2:1“, sagte er leise, und versuchte, die Spannung ein wenig zu brechen. Felix jedoch senkte den Kopf. Es war wieder dieser Blick gewesen. Dieses Gefühl, einfach nicht gesehen zu werden. Er versuchte zu schlucken, versuchte es wegzudrücken – doch es brannte. Nicht in den Augen. Sondern im Herzen. Später, als sie das Spiel zu Ende gebracht hatten – 3:2 für Felix –, sagte Neymar nur: „Manche Menschen tragen Kämpfe in sich, die sie auf andere übertragen. Aber du musst nicht ihre Schlacht schlagen.“ Felix nickte still. Er trank seinen Tee, den er sich selbst nochmal gemacht hatte, während draußen die Nacht Mainz langsam einhüllte. In seinem Zimmer war es ruhig. Die Spieler blieben noch ein wenig, räumten leise zusammen. Doch in Felix’ Herz wuchs etwas – vielleicht eine Ahnung von Mut. Oder eine Ahnung von dem, was er einmal verändern wollte. Mittwoch, 28. Mai 2025 – Später Abend: Das große Finale und ein stiller Filmabend Der Himmel über Mainz war klar an diesem Abend, und in der Wohnung von Felix bereitete sich alles auf einen besonderen Moment vor. Es war das große Finale der UEFA Europa Conference League – und Felix hatte beschlossen, dieses Spiel zusammen mit seiner Mutter anzuschauen. Nicht mit den Spielern diesmal, sondern nur mit ihr. Es sollte ein Moment sein, den sie gemeinsam teilten. Sie saßen nebeneinander auf dem Sofa, in Jogginghose, mit einer Decke über den Beinen. Auf dem Tisch standen zwei Tassen Tee und eine kleine Schüssel mit salzigen Knabbereien, dazu ein paar Trauben. Die Stimmung war ruhig. Felix hatte seine Mutter gebeten, das Spiel mit ihm zu schauen, weil er das Gefühl hatte, dass sie in letzter Zeit oft für ihn da war – und er wollte das heute spüren. „Chelsea ist ja wieder im Finale, aber Betis ist dieses Jahr richtig stark gewesen“, sagte Felix, während das Spiel begann. Die erste Halbzeit begann furios. Schon in der 9. Minute fiel das erste Tor: Ezzalzouli brachte Real Betis mit 1:0 in Führung. Felix sprang kurz auf. „Wow! Das ging schnell!“ Seine Mutter nickte, auch wenn sie mehr auf Felix’ Freude als auf das Spiel selbst achtete. Doch die zweite Halbzeit brachte die Wende. In der 65. Minute glich Enzo Fernández für Chelsea aus – 1:1. Nur fünf Minuten später erzielte Nicolas Jackson das 1:2 für die Engländer. Felix flüsterte: „Jetzt kippt das Spiel.“ Und so war es. In der 83. Minute traf Jadon Sancho – 1:3. Und in der Nachspielzeit machte Moisés Caicedo mit dem 1:4 den Deckel drauf.

Felix lehnte sich zurück, nicht wirklich traurig. Er hatte das Spiel genossen. Seine Mutter hatte seine Hand genommen, als das letzte Tor fiel, und gesagt: „Hauptsache, du hattest deinen Spaß.“ Nach dem Abpfiff kam einer der Spieler – Suarez – vorsichtig ins Wohnzimmer. „Hey, Felix. Lust auf einen Film? Die Jungs und ich wollten was schauen. Nicht zu laut. Nur gemütlich.“ Felix schaute zu seiner Mutter, die leicht nickte. „Geh ruhig. Ich spül derweil die Tassen.“ Kurz darauf saß Felix in seinem Zimmer auf dem Boden, eingewickelt in eine große Decke. Messi, Neymar, Suarez und Ronaldo hatten sich um ihn versammelt. Sie schauten einen alten Film: Forrest Gump. Ein stiller Klassiker, den Ronaldo vorgeschlagen hatte, weil er meinte, er passe zu Felix: „Ein Junge, der anders ist, aber der Welt zeigt, wie stark er sein kann.“ Während der Film lief, wurde kaum gesprochen. Nur leises Lachen an manchen Stellen, ein paar zustimmende Nicken. Felix hatte den Kopf an Neymars Schulter gelehnt, ganz ruhig. Der Rollstuhl stand diesmal wieder an der Wand – sauber, aufrecht. Ein Symbol dafür, dass Dinge sich verändern konnten, aber nicht alles schlecht sein musste. Als der Film endete und das Licht wieder angeknipst wurde, sagte Messi leise: „Manchmal sind’s nicht die großen Siege, die zählen… sondern wer bei dir ist, wenn du verlierst oder denkst, du bist es.“ Felix nickte. Dann gingen sie schlafen – einer nach dem anderen. Leise. Zufrieden. Und ein bisschen gestärkt. Donnerstag, 29. Mai 2025 – Morgen des 14. Tages Die Sonne war noch nicht lange aufgegangen, als Felix langsam wach wurde. Die Geräusche des Hauses waren leise, fast zurückhaltend. Es war ein neuer Tag, doch etwas lag in der Luft – diese typische Spannung, die Felix mittlerweile gut kannte. Er hatte sich gerade aufgesetzt, wollte sich strecken, als plötzlich die Tür einen Spalt weit aufging. Es war sein Vater. Felix erstarrte für einen Moment. Es war selten geworden, dass sein Vater überhaupt das Zimmer betrat – geschweige denn morgens. Der Vater wirkte ungewöhnlich ruhig. Kein Zorn im Gesicht, keine gerunzelte Stirn, keine schnellen Bewegungen. Nur ein etwas verlegener Blick. In der Hand hielt er ein kleines, schlicht eingepacktes Geschenk. Es war nicht von ihm. Das erkannte Felix sofort – es war liebevoll in das blau-weiße Papier eingewickelt, das seine Mutter oft benutzte. Eine Schleife war daran gebunden. Der Vater hielt das Geschenk hoch. „Das hier…“, begann er und zögerte dann, „…das hat deine Mutter mir heute früh gegeben.“ Er schaute auf das Päckchen, als hätte es etwas mit ihm selbst gemacht. Felix schwieg. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Der Vater sprach weiter. „Sie meint, es ist zum Vatertag. Ich…“ – er senkte den Arm leicht – „…ich hab das nicht verdient. Nicht nach allem.“ Felix sah, wie sich die Finger seines Vaters kurz um das Geschenk krampften. Für einen Moment dachte er, er würde es zerdrücken. Doch dann ließ er los. Ganz langsam. Er stellte es auf den Schreibtisch von Felix ab. „Ich… ich wollte dir nur zeigen, dass sie’s trotzdem gemacht hat.“ Dann drehte er sich um, ohne ein weiteres Wort, und verließ das Zimmer. Kein Türknallen. Kein Brummen. Einfach nur ein leiser Rückzug. Felix blieb noch eine Weile sitzen. Er starrte auf das Geschenk. Und obwohl es nicht an ihn gerichtet war, fühlte es sich an wie ein stilles Zeichen, dass vielleicht – ganz vielleicht – tief in seinem Vater noch etwas war, das sich ändern könnte. Oder zumindest gewillt war, wieder etwas zuzulassen. Irgendwann. Donnerstag, 29. Mai 2025 – Mittag des 14. Tages

Nach dem ungewöhnlichen Morgen, an dem sein Vater kurz im Zimmer war, beschäftigte sich Felix lange mit dem Gedanken, ob er seinem Vater zum Vatertag auch etwas schenken sollte. In den letzten Jahren hatte er darauf verzichtet – zu tief saß oft der Schmerz, die Enttäuschung, das Schweigen, das Knallen der Türen. Doch irgendetwas in ihm, vielleicht auch durch das Gespräch mit den vier Spielern oder das Geschenk, das seine Mutter dem Vater gegeben hatte, brachte ihn dazu, einen Versuch zu wagen. Er ging vorsichtig zum Regal in seinem Zimmer. Dort hatte er vor ein paar Tagen in Vorbereitung auf den Vatertag ein kleines Geschenk bereitgelegt, das er eigentlich wieder verstecken wollte: ein Stück handgemachte feste Seife – aus einem kleinen Laden in der Innenstadt, mit einem angenehmen, herben Duft nach Zedernholz und Lavendel. Er hatte daran gedacht, weil sein Vater früher oft genau solche Düfte benutzt hatte, bevor alles kompliziert geworden war. Kurz vor dem Mittagessen wartete Felix einen Moment ab, als der Vater gerade aus dem Badezimmer kam und noch die Zeitung in der Hand hatte. Unsicher trat er in den Flur, das kleine, in Papier gewickelte Päckchen in der Hand. „Papa…“, sagte Felix leise. Der Vater blieb stehen. „Ich… ich hab dir was geholt. Zum Vatertag.“ Der Vater drehte sich langsam um, schaute auf das Päckchen. Schweigen. Dann nahm er es – ohne es zu öffnen – und sagte trocken: „Ich hab das nicht verdient, Felix.“ Er machte einen Schritt zur Seite, als würde er es sofort in den Müll werfen wollen. Doch Felix hielt ihn sanft am Ärmel zurück. „Du kannst es trotzdem nehmen. Es ist… nur Seife. Für dich. Weil… ich’s versuchen will.“ Der Vater sah ihn an. Lange. Dann, ohne ein Wort, riss er das Papier auf. Sah auf das Seifenstück, roch kurz daran – und sagte nur: „So ein Quatsch.“ Und dann, vor den Augen von Felix, holte er mit einem Ruck aus, als würde er es gegen die Wand werfen. Felix zuckte erschrocken zurück – doch im letzten Moment hielt sein Vater inne. Sein Arm blieb in der Luft stehen, zitterte kurz, dann senkte er ihn langsam. Ganz langsam. „Feste Seife, was?“, murmelte er. „Schon lange nicht mehr benutzt.“ Er ging wortlos ins Badezimmer. Felix folgte ihm nicht, sondern blieb im Flur stehen, sein Herz pochte wild. Minuten vergingen. Dann hörte er Wasser rauschen – die feste Dusche. Und tatsächlich: der Duft der Seife zog leicht durch den Flur. Eine Viertelstunde später kam der Vater zurück ins Wohnzimmer. Frisch geduscht. Ohne ein Wort zu Felix. Doch er legte die Seife in eine kleine Schale neben dem Waschbecken – nicht im Müll. Das war Antwort genug für diesen Tag. Kein Dank, kein Lächeln, aber… keine Ablehnung mehr. Für Felix war das mehr, als er erwartet hatte. Donnerstag, 29. Mai 2025 – Nachmittag des 14. Tages Nach dem emotionalen Mittag und dem stillen Zeichen seines Vaters beschloss Felix, seinen Mut und den kleinen Aufschwung zu nutzen, um die Aufgaben anzugehen, die er in den letzten Tagen immer wieder vor sich hergeschoben hatte. Er setzte sich mit einem Glas Wasser und einer Tasse Tee an seinen Laptop, öffnete seine Mails und atmete tief durch. Zuerst die Bundesbank. Er hatte sich bereits einmal beworben, doch eine Antwort war noch nicht gekommen. Also schrieb er eine freundliche Nachfrage: Betreff: Nachfrage zur Bewerbung als Geldzähler (m/w/d) Sehr geehrte Damen und Herren,

ich hatte mich vor einigen Wochen auf die ausgeschriebene Stelle als Geldzähler bei der Bundesbank beworben. Da ich bisher noch keine Rückmeldung erhalten habe, möchte ich höflich nachfragen, ob die Stelle noch verfügbar ist und ob meine Bewerbung vollständig angekommen ist. Ich möchte ergänzen, dass ich vom 08.11.2024 bis zum 04.04.2025 erfolgreich den IHK-Kurs "Finanzbuchführung mit DATEV" an der VHS Mainz abgeschlossen habe. Das Zertifikat sende ich Ihnen gerne auf Wunsch zu. Trotz meiner Autismus-Diagnose und einer anerkannten Schwerbehinderung bin ich überzeugt, die Anforderungen der Stelle zuverlässig erfüllen zu können. Ich freue mich über eine Rückmeldung. Mit freundlichen Grüßen Felix Zimmermann Danach die Polizei. Auch hier hatte er schon geschrieben, aber nie eine klare Antwort erhalten. Diesmal hielt er es kurz und sachlich: Betreff: Nachfrage zur Stelle als Polizeisekretäranwärter Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte erneut höflich nachfragen, ob die Ausbildungsstelle zum Polizeisekretäranwärter noch verfügbar ist. Ich hatte mich bereits über das Kontaktformular gemeldet, leider aber noch keine Antwort erhalten. Ich bin Autist mit einem anerkannten Grad der Behinderung von 100 %, würde mich aber sehr freuen, wenn Sie mir die Chance auf eine Ausbildung geben würden. Vielen Dank und freundliche Grüße Felix Zimmermann Dann wandte er sich seinem Handy zu. Seit vier Wochen war es nun schon im Versand – angeblich zur Reparatur. Er hatte inzwischen mehrfach angerufen, wurde aber immer wieder vertröstet. Jetzt schrieb er eine klare E-Mail: Betreff: Reparaturstatus meines Handys – Versand seit 4 Wochen offen Sehr geehrtes Serviceteam, mein Smartphone wurde vor vier Wochen zur Reparatur eingesendet (Auftragsnummer: #FZ4258MZ), aber ich habe seither keine Rückmeldung erhalten. Auch telefonisch konnte mir bisher niemand einen verbindlichen Status nennen. Bitte teilen Sie mir mit, wann ich mit dem Gerät rechnen kann oder ob es verloren gegangen ist. Für mich ist es ein sehr wichtiges Kommunikationsmittel. Ich danke für Ihre Rückmeldung. Mit freundlichen Grüßen Felix Zimmermann Zuletzt: Die Konzerttickets. Er wollte mit seiner Mutter, seiner Oma und seinem Vater zu einem Konzert gehen – barrierefrei, aber die Antwort auf seine erste Anfrage ließ auf sich warten. Also schrieb er noch eine Erinnerung: Betreff: Erinnerung – Anfrage zu barrierefreien Konzerttickets Sehr geehrtes Ticketteam, ich hatte vor einiger Zeit eine Anfrage gestellt wegen barrierefreier Tickets für mich und eine Begleitperson sowie zwei normale Tickets für meine Mutter und meinen Vater.

Da ich bisher noch keine Antwort erhalten habe, möchte ich vorsorglich nochmals nachfragen, ob die Karten noch verfügbar sind und ob Sie meine Anfrage erhalten haben. Ich freue mich über eine kurze Rückmeldung. Mit freundlichen Grüßen Felix Zimmermann Als alle E-Mails verschickt waren, lehnte sich Felix zurück, schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch. Er fühlte sich erschöpft, aber auch ein kleines Stück stolz. Auch wenn sein Alltag oft chaotisch war und viele Baustellen offen standen – an diesem Nachmittag hatte er etwas geschafft. Schritt für Schritt, mit Geduld und Mut. Donnerstag, 29. Mai 2025 – Abend des 14. Tages Der Abend senkte sich ruhig über das Haus, und nach dem langen Tag voller E-Mails, Gedanken und angespannter Momente suchte Felix nach etwas, das ihn ablenken und gleichzeitig berühren konnte. Die Sonne war bereits hinter den Dächern verschwunden, der Himmel färbte sich in ein dunkles Blau, und das Licht der Straßenlaternen flackerte sanft durch das Fenster. In seinem Zimmer, das jetzt nur noch vom warmen Licht einer kleinen Stehlampe erhellt wurde, saß Felix vor seiner PlayStation 5. In den Händen hielt er den Controller, sein Blick war auf den Bildschirm gerichtet. Er hatte ein neues Spiel entdeckt, das ihn sofort fasziniert hatte: "Whiskers of Memory – Die Reise der Katze." Es war kein typisches Action- oder Strategiespiel. Nein, dieses Spiel war ruhig, emotional und erzählerisch stark. Der Prolog zeigte eine kleine, grau getigerte Katze, die zusammen mit einer alten Dame in einer bescheidenen Wohnung lebte. Die Frau, mit liebevoller Stimme vertont, sprach oft mit der Katze – nannte sie „Mimi“ – und las ihr Geschichten vor. Es war offensichtlich, dass die beiden eine tiefe Bindung verband. Doch mit der Zeit veränderte sich das Spiel. Die alte Dame wurde kranker. Die Szenen zeigten, wie sie langsamer wurde, wie sie irgendwann nur noch im Sessel saß. Eines Tages wurde sie nicht mehr gezeigt – stattdessen erschien eine fremde Person, die die Katze in eine Transportbox setzte und sie in einem kleinen Waldgebiet aussetzte. Felix schluckte. Die Szene war schmerzhaft ruhig. Keine Musik, nur das Rascheln der Blätter und das leise Miauen der Katze. Im Spiel übernahm man nun die Rolle von Mimi, die allein war, sich in der Natur zurechtfinden musste, sich an andere Tiere annäherte, Gefahren auswich und sich langsam ihren Weg durch die Welt bahnte. Felix bewegte die Katze vorsichtig durch die Level, sammelte Erinnerungsstücke – alte Fotos, Kleidungsfetzen der alten Dame, ein Zettel mit einem Märchen, das sie früher vorgelesen hatte. Stück für Stück setzte sich eine Route zusammen, die zurück zur Stadt führte. Und dann, im letzten Drittel des Spiels, fand Mimi das Altersheim, in dem die alte Dame inzwischen untergebracht war. Schwach, aber lächelnd, saß sie im Rollstuhl auf einem kleinen Balkon. Als Mimi durch das Fenster sprang und sich an sie schmiegte, spielte eine leise Klaviermelodie – melancholisch, aber auch voller Wärme. Felix spürte, wie sich seine Augen mit Tränen füllten. Es war nicht Traurigkeit – es war diese besondere Mischung aus Wehmut, Hoffnung und tiefer Menschlichkeit, die nur wenige Geschichten auslösten. Als der Abspann lief, legte er den Controller zur Seite, wischte sich unauffällig über die Wange und atmete tief durch. Dann stand er langsam auf, ging in die Küche, machte sich einen warmen Kamillentee und brachte auch dem Spieler, der inzwischen auf dem Sofa saß, eine Tasse. „Das Spiel…“, sagte Felix leise, „…war richtig schön. Irgendwie traurig, aber es endet gut.“ Der Spieler nickte. „Manchmal braucht man genau solche Geschichten. Weil sie zeigen, dass auch nach dem Verlorengehen ein Zuhause möglich ist.“

Felix lächelte leicht, nahm einen Schluck Tee und wusste: Diese Nacht würde ruhig werden – in seinem Kopf und in seinem Herzen. Donnerstag, 29. Mai 2025 – Später Abend Es war bereits kurz vor Mitternacht, als Felix in seinem Zimmer noch einmal seinen Rucksack durchsuchte. Ihm war eingefallen, dass der Vater am Morgen beiläufig erwähnt hatte, er müsse noch etwas einkaufen – wahrscheinlich ein paar Getränke oder Zigaretten – hatte aber nichts weiter dazu gesagt. Trotz allem, was den Tag über geschehen war, entschloss sich Felix, ihm einen kleinen Betrag zu geben. Es war nicht viel, ein Schein, aber es sollte ein Zeichen sein, dass er trotz allem nicht verbittert war. Mit ruhigen Schritten ging er ins Wohnzimmer, wo der Vater auf dem Sessel saß, den Fernseher lief leise, doch sein Blick wirkte abwesend. Felix stellte sich neben ihn, zögerte kurz, dann streckte er ihm den zusammengerollten Geldschein entgegen. „Hier, falls du noch was brauchst für morgen… oder so“, sagte er leise. Seine Stimme war vorsichtig, tastend – wie jemand, der mit jeder Reaktion rechnet, aber hofft, dass sie vielleicht einmal anders ausfällt. Der Vater sah nur kurz auf den Schein, dann nahm er ihn langsam entgegen. Für einen Moment dachte Felix, es würde diesmal einfach so angenommen. Doch dann passierte es. Langsam, beinahe theatralisch, hielt der Vater den Schein mit beiden Händen und begann, ihn in kleine Stücke zu zerreißen. Erst einmal. Dann noch einmal. Und noch einmal. Am Ende lagen zehn kleine Papierfetzen auf dem Wohnzimmertisch, verteilt zwischen einer alten Fernsehzeitung, seinem Handy und der E-Zigarette. „Ich brauch dein Mitleid nicht“, sagte der Vater mit rauer Stimme, ohne Felix dabei direkt anzusehen. Felix stand wie angewurzelt da. Es tat nicht mal mehr weh – es war eher diese tiefe Leere, die sich in ihm ausbreitete. Kein Wutausbruch, keine Tränen. Nur Stille. Er sah die Fetzen auf dem Tisch, atmete einmal tief durch, drehte sich um und ging leise zurück in sein Zimmer. Er schloss die Tür, nicht laut, nicht hart – einfach bestimmt. Dann setzte er sich an sein Bett, blickte eine Weile in die Dunkelheit und sagte leise zu sich selbst: „Dann eben nicht.“ In diesem Moment betrat der Spieler den Raum, sah Felix nur an und setzte sich wortlos neben ihn. Felix lehnte sich ein wenig an ihn und flüsterte: „Ich weiß, es ist nur Geld. Aber irgendwie war’s trotzdem mehr.“ Der Spieler nickte nur und antwortete ruhig: „Du bist besser als das. Du gibst trotzdem – obwohl er nicht nehmen kann. Das ist Stärke, nicht Schwäche.“ Und so saßen sie eine Weile schweigend da, bis sie sich schließlich fertig machten für die Nacht. Freitag, 30. Mai 2025 – Morgen des 15. Tages Es war noch früh am Morgen. Ein fahler Lichtstrahl fiel durch das halb geöffnete Rollo auf Felix’ Gesicht, während er in seinem Bett lag, eingekuschelt in seine Decke. Draußen war es still – nur das leise Zwitschern einiger Vögel kündigte den neuen Tag an. Plötzlich ging die Tür auf. Nicht hastig, nicht aggressiv – aber dennoch unerwartet. Der Vater stand im Türrahmen, diesmal nicht mit zusammengepresstem Mund oder harten Blicken, sondern mit einer Mischung aus Ratlosigkeit und innerer Unruhe. Felix drehte sich nicht sofort um. Er hatte die Schritte gehört, hatte geahnt, dass jemand kommen würde. Doch er lag still. „Felix“, begann der Vater mit stockender Stimme, „ich versteh nicht, warum du so Angst vor mir hast.“ Er blieb stehen, blickte auf das Bett seines Sohnes. „Ich hab doch nichts gemacht… also nichts, was das rechtfertigt.“ Dann schwieg er für einen Moment.

Felix öffnete langsam die Augen, drehte sich aber nur leicht zur Seite, ohne dem Vater ins Gesicht zu sehen. Er sagte nichts. Die Worte waren da – tief in ihm – aber sie wollten nicht nach außen. Nicht jetzt. Nicht in diesem Moment. „Na ja“, murmelte der Vater, als er die Stille nicht mehr aushielt. „Wenn du’s mir irgendwann sagen willst… ich… bin da.“ Dann drehte er sich langsam um, schloss die Tür wieder, diesmal mit einem kaum hörbaren Klick. Felix lag noch einige Minuten wach, seine Augen offen, sein Herz etwas schwer. Er wollte schreien, er wollte sagen: „Weil du mich anschreist. Weil du Türen knallst. Weil du so oft tust, als wär ich nicht da. Und weil du nie zuhörst, wenn’s wichtig wär.“ Aber er sagte nichts. Stattdessen schloss er wieder die Augen, zog sich die Decke bis über die Schultern und versuchte einfach wieder zu schlafen. Die Worte würden vielleicht kommen – irgendwann. Aber nicht heute. Freitag, 30. Mai 2025 – Mittag des 15. Tages Nach dem ruhigen und doch irgendwie bedrückenden Morgen, versuchte Felix am Mittag wieder ein wenig in den Alltag zurückzufinden – so gut das eben ging, mit all den Gefühlen, die seit Tagen in ihm brodelten. Im Wohnzimmer saßen bereits Neymar und Suárez auf dem Sofa, während Messi sich gerade in die Küche zurückzog, um Tee zu machen. Ronaldo stand am Fenster und schaute schweigend hinaus auf die belebte Straße in Mainz. Als Felix ins Zimmer trat, begrüßten ihn die vier freundlich – niemand sprach das Thema Vater an. Alle wussten, dass Felix darüber nicht reden wollte. Noch nicht. „Bock auf FIFA?“ fragte Suárez mit einem Grinsen. Felix nickte. „Ja. Ich brauch Ablenkung.“ Also setzten sie sich gemeinsam hin, wählten ihre Teams aus – Felix spielte natürlich mit Mainz 05, Ronaldo übernahm Juventus, Neymar wie immer PSG und Messi nahm Barcelona. Sie spielten in Turnierform, lachten über verpasste Chancen, kommentierten die virtuellen Tore und diskutierten Taktiken. Felix spürte: Es war genau das, was er gebraucht hatte. Eine Pause vom Ernst des Lebens. Er war sogar besser als sonst – lenkte den Ball klug, verteidigte aufmerksam und konnte mit Burkardt im Spiel gleich zweimal treffen. „Vielleicht sollte ich echt Trainer werden“, murmelte er, worauf Neymar lachte: „Nur wenn ich Co-Trainer sein darf.“ Nachdem sie mehrere Matches gespielt hatten, stand Felix auf und griff zur anderen Disk. „Ich will jetzt noch kurz das Katzenspiel weiterspielen.“ Die vier beobachteten, wie Felix sich vor die Konsole setzte, den Controller in die Hand nahm und das Spiel startete. Es ging um eine getigerte Katze, die einst von ihrem Besitzer ausgesetzt worden war, weil dieser im Sterben lag. Doch heute war Felix an dem Punkt angelangt, an dem die Katze nach Wochen des Überlebens, Suchens und Kämpfens plötzlich wieder in das Altersheim zurückkehrte – dorthin, wo der alte Mann mittlerweile lebte. Die Musik war ruhig, beinahe traurig – aber wunderschön. Felix folgte der Katze, wie sie sich durch die Gänge des Heims bewegte, auf der Suche nach dem alten Herrn. Schließlich fand sie ihn: alt, gebrechlich, im Rollstuhl, aber mit einem Lächeln, als er die Katze erkannte. Felix hielt den Controller kurz still. Messi, der hinter ihm stand, legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Schöne Szene.“ „Ja… irgendwie erinnert mich das an… vieles“, sagte Felix leise. Und keiner fragte weiter. Am Ende des Levels kuschelte sich die Katze auf den Schoß des Mannes, während draußen der Sonnenuntergang begann. Felix ließ den Controller sinken und lehnte sich zurück. In

diesem Moment fühlte er sich ruhig, fast ein bisschen versöhnt – mit sich selbst, mit dem Tag. Und vielleicht ein kleines bisschen auch mit der Welt. Freitag, 30. Mai 2025 – Abend des 15. Tages Als die Sonne langsam hinter den Dächern von Mainz verschwand, hatte Felix schon länger darüber nachgedacht, wie er den Abend gestalten wollte. Er fühlte sich etwas ruhiger als noch am Morgen – vielleicht war es das FIFA-Spielen, vielleicht das Katzenspiel, vielleicht einfach die Gesellschaft der Spieler, die ihm half, ein wenig Boden unter den Füßen zu behalten. Überraschend klopfte sein Vater an die Tür. „Gehen wir noch in die Kneipe?“, fragte er ohne Groll in der Stimme. Es klang neutral. Fast so, als wollte er einfach mal wieder normal sein. Felix zögerte einen Moment, dann nickte er. „Ja, aber ich nehm die anderen mit.“ „Wie du willst“, sagte der Vater knapp und ging wieder. Wenig später machten sich Felix, sein Vater und die vier Fußballstars – Ronaldo, Messi, Neymar und Suárez – gemeinsam auf den Weg. Die frische Abendluft war angenehm, die Straßen lebendig, und irgendwie fühlte es sich fast so an, als wäre dieser Abend die Gelegenheit für ein kleines bisschen Normalität. Sie gingen in eine ruhige Kneipe im Stadtteil Gonsenheim, eine dieser urigen Ecken mit Holzvertäfelung, einer langen Theke und leiser Musik im Hintergrund. Einige Stammgäste schauten kurz auf, als die Gruppe hereinkam – besonders wegen der vier auffallend sportlich wirkenden Männer. Doch niemand sagte etwas, und so fanden sie gemeinsam einen großen Tisch in der Ecke. Felix bestellte sich ein klassisches Pils – voll mit Alkohol – nicht zu stark, aber deutlich mehr als das, was er sonst trank. Später gönnte er sich noch ein leichtes Bier mit Fruchtgeschmack, während die Spieler ebenfalls kleine Getränke bestellten, die ihnen nicht gleich die Köpfe verdrehten. Ronaldo verzichtete wie immer auf Alkohol, nippte nur an einem alkoholfreien Cocktail. Das Gespräch war entspannt – sie redeten über das kommende EM-Halbfinale, die verrückten VAR-Entscheidungen in der Bundesliga und das Finale der Conference League vom Vortag. Auch der Vater mischte sich zwischendurch ein, sagte aber nichts Persönliches – weder Positives noch Negatives. Er schien einfach nur da sein zu wollen. Felix beobachtete ihn mit wachsamer Ruhe. Es war nicht Nähe – aber vielleicht ein vorsichtiger Versuch, sich zumindest an einem Tisch aufzuhalten, ohne dass etwas eskalierte. Gegen halb elf bezahlten sie. Der Vater übernahm schweigend einen Teil der Rechnung. Dann gingen sie gemeinsam zurück nach Hause – niemand sprach viel, doch es war auch kein unangenehmes Schweigen. Eher so, als wäre dieser Abend ein vorsichtiges Tasten in die Richtung von „vielleicht geht’s auch mal anders“. Zuhause angekommen, verabschiedeten sich alle in ihre Zimmer. Felix kochte sich noch einen Schlaftee, legte seinen Rollstuhl ordentlich neben das Bett, trank langsam und ging schließlich schlafen – ein kleines bisschen ruhiger als an den meisten Abenden zuvor. Freitag, 30. Mai 2025 – Später Abend des 15. Tages Nachdem Felix sich umgezogen hatte und die anderen bereits in ihren Zimmern verschwunden waren, war er noch nicht ganz bereit, schlafen zu gehen. Es war ein langer Tag gewesen – voller Eindrücke, Begegnungen und dieser Mischung aus Nähe und Unsicherheit, die ihn seit Tagen begleitete. Er seufzte leise, ging in die Küche, öffnete den Kühlschrank und griff sich eines seiner restlichen Biere. Es war ein „Eulchen – Mainz Gefühl“, das er vor einigen Tagen gekauft hatte. Der malzige, leicht süßliche Geschmack erinnerte ihn an Heimat. Während das Bier langsam seine Wirkung entfaltete, entschied er sich spontan, sich noch eine einfache Suppe zu machen – ein kleiner Trost, bevor der Tag enden sollte.

Er stellte einen kleinen Topf auf den Herd, warf ein paar Reste zusammen, goss Wasser dazu und ließ die Mischung leise vor sich hin köcheln. Währenddessen nippte er weiter an seinem Bier, fühlte sich angenehm warm, aber auch ein wenig schwer im Kopf. Als die Suppe schließlich fertig war, nahm er den Topf vom Herd – doch in einem Moment der Unachtsamkeit, vielleicht auch durch das Bier etwas benommen, kippte der Topf leicht. Ein Teil der heißen Suppe schwappte über den Rand, fiel auf den Boden und spritzte gegen den Schrank. Felix zuckte zurück. „Mist...“, murmelte er, taumelte leicht und stellte den Topf hastig ab. Das Geräusch war laut genug, dass einer der Fußballspieler – Neymar – sein Zimmer verließ. Er kam verschlafen in die Küche geschlurft, nur in Shirt und Jogginghose, und schaute sich um. „Alles okay, Felix?“ Felix hielt kurz inne, atmete durch, dann nickte er langsam. „Ja... ich hab nur bisschen was verschüttet... Ich war unkonzentriert. Vielleicht war das Bier doch zu viel.“ Neymar sah ihn besorgt an, trat vorsichtig näher. „Du hast dich aber nicht verbrannt, oder?“ „Nein, alles gut. Nur der Boden. Ich wisch das gleich auf.“ Neymar blieb einen Moment stehen. Man merkte ihm an, dass er am liebsten helfen würde, aber Felix wollte nicht, dass jemand anderes die Unordnung sah. Schließlich sagte Neymar leise: „Dann pass gut auf dich auf, okay? Und... vielleicht trinkst du morgen lieber ein Glas Wasser mehr als Bier.“ Felix musste schmunzeln. „Wahrscheinlich hast du recht.“ Nachdem Neymar wieder in seinem Zimmer verschwunden war, wischte Felix langsam die Sauerei auf. Danach nahm er den Rest der Suppe in eine kleine Schüssel und aß sie in aller Ruhe, obwohl sie inzwischen nur noch lauwarm war. Er fühlte sich ein bisschen wie ein Kind, das heimlich wach geblieben war. Schließlich spülte er alles ab, trank noch ein Glas Wasser, legte seinen Rollstuhl wieder sicher neben das Bett und kroch langsam unter seine Decke. Der Alkohol surrte noch leise in seinem Kopf, aber es war ein ruhiges Gefühl. Bevor er einschlief, flüsterte er leise in den dunklen Raum: „Danke, dass ihr da seid.“ Und dann schlief er ein – erschöpft, aber nicht allein. Samstag, 31. Mai 2025 – Vormittag des 16. Tages Die ersten Sonnenstrahlen krochen vorsichtig durch die dünnen Vorhänge seines Zimmers, und der junge Mann öffnete blinzelnd die Augen. Sein Kopf fühlte sich schwer an, aber nicht schmerzhaft – eher benebelt, als würde er durch Watte denken. Er drehte sich zur Seite, warf einen Blick auf die Uhr: kurz nach neun. Langsam setzte er sich auf, rieb sich das Gesicht und versuchte sich zu erinnern. Das Bier... die Suppe... dann Neymar... Er sah kurz zu seinem Rollstuhl, der ordentlich an seinem Platz stand – immerhin hatte er das noch geschafft. Als er in die Küche ging, kam ihm sofort ein deutlicher Geruch entgegen. Nicht unangenehm – aber eindeutig: Suppe. Und zwar nicht frisch gekocht, sondern... alt, eingetrocknet. Er trat einen Schritt weiter hinein – und hielt abrupt inne. Der Schrank unter der Spüle war übersät mit gelblichen Spritzern, auf dem Boden klebten Flecken, und ein Teil des Schranks stand leicht offen – als hätte ihn etwas mit Wucht dagegen gedrückt. Daneben lag ein alter Löffel, den er wohl hatte fallen lassen. Felix runzelte die Stirn. „Ach du Scheiße...“ In diesem Moment betrat seine Mutter die Küche mit einer dampfenden Tasse Tee in der Hand und bemerkte sofort, dass ihr Sohn vor dem Chaos stand. „Na, guten Morgen, Geburtstagskind-Nachträglich“, sagte sie trocken, aber nicht böse. Er drehte sich leicht verlegen zu ihr um. „War ich so schlimm?“

Sie zog eine Augenbraue hoch. „Sagen wir so: Du hast gestern versucht, eine Suppe mit einer Bierlaune zu kombinieren. Keine besonders gute Idee.“ Er kratzte sich am Kopf. „Ich dachte, ich hätte noch alles sauber gemacht...“ Die Mutter trat vorsichtig durch die Küche, stellte ihre Tasse auf dem Tisch ab und begutachtete die klebrigen Überreste. „Du hast den Topf wohl abgestellt, aber ein Drittel der Suppe hat sich offenbar selbstständig gemacht. Der Boden klebt, und unter dem Schrank ist es auch ganz schön versaut.“ Er verzog das Gesicht. „Mist... Sorry.“ „Ist ja nicht schlimm“, sagte sie ruhig. „Solange du nicht selbst in der Suppe ausgerutscht bist oder dich verbrannt hast.“ Felix schüttelte den Kopf. „Nee, war nur peinlich, als Neymar in die Küche kam und gefragt hat, ob ich okay bin.“ Seine Mutter grinste leicht. „Tja, dann weiß er jetzt, wie du nach zwei Bieren funktionierst.“ Er konnte selbst darüber lachen und griff nach einem Lappen. „Ich mach das jetzt weg. Geht ja gar nicht.“ Sie ließ ihn gewähren, reichte ihm aber noch eine frische Schüssel mit heißem Wasser und ein neues Tuch. Während Felix den Boden schrubbte, fragte er mit einem leichten Schmunzeln: „Wie war’s gestern, mich betrunken zu erleben?“ Die Mutter zuckte spielerisch mit den Schultern. „Du warst... nett betrunken. Ein bisschen verplant, aber harmlos. Kein Drama, kein Heulen, kein Tanzen auf dem Tisch – nur Suppe.“ Felix lachte leise. „Na immerhin.“ Während er weiter sauber machte, war er insgeheim doch ein bisschen froh: Er war nicht allein, nicht ausgelacht worden, sondern einfach nur angenommen worden – selbst mit Suppe auf dem Boden. Samstag, 31. Mai 2025 – Mittag des 16. Tages Nach dem turbulenten Start in den Tag und dem halb verwischten Suppenchaos am Vormittag war der junge Mann fest entschlossen, den Tag produktiv weiterzuführen – oder wenigstens den Rest der Küche wieder auf Vordermann zu bringen. Es war kurz nach zwölf, als er mit seiner Mutter zusammenstand und beide den Boden inspizierten. Der Suppengeruch war durch das Putzen bereits etwas zurückgegangen, aber man merkte dem Raum noch an, was am Vorabend geschehen war. Dann entdeckte die Mutter etwas Neues: „Warum ist denn der Staubsauger nicht an seinem Platz?“ fragte sie, während sie unter den Esstisch blickte. Felix, der sofort errötete, stammelte: „Ähm… also, gestern… ich hatte noch Nudeln auf dem Boden gefunden, so getrocknete Stücke. Ich dachte, ich saug die weg. Aber dann war da noch die Suppe, und irgendwie…“ „Bitte sag nicht, du hast Suppe mit dem Staubsauger eingesaugt?!“ sagte die Mutter entsetzt. „Ein bisschen“, gab er kleinlaut zu. Bevor sie etwas sagen konnte, hatte er den Staubsauger schon genommen und steuerte damit geradewegs zur Spülmaschine. Die Mutter rief noch: „NEIN, NICHT IN DIE SPÜLMASCHI—“ KLACK. Felix öffnete die Spülmaschine und stellte den halben Staubsauger mitsamt Aufsatz hinein. „Ich dachte, dann wird er wenigstens sauber“, sagte er. In diesem Moment betraten Ronaldo, Neymar, Messi und Suárez die Küche. Ronaldo blieb direkt stehen und fragte mit hochgezogener Augenbraue: „Stellst du gerade ernsthaft den Staubsauger in die Spülmaschine?“ „Er hatte Nudeln aufgesaugt. Und Suppe“, erklärte Felix zerknirscht. Messi grinste. „Das ist mutig.“

Suárez schüttelte den Kopf, konnte sich aber ein Lachen nicht verkneifen. „Wenn der explodiert, bist du verantwortlich, Messi! Du hast ihm doch gestern noch gesagt, dass Technik heute alles kann.“ „Ich meinte KI, nicht Küchengeräte…“, antwortete Messi belustigt. Neymar tippte mit dem Finger gegen den Staubsauger und sagte spaßhaft: „Felix, du bist ein Genie oder ein Wahnsinniger. Vielleicht beides.“ Die Mutter, mittlerweile zwischen Lachen und Verzweiflung, winkte ab. „Na gut, dann machen wir jetzt halt alles gemeinsam richtig sauber. Sonst sieht’s hier bald aus wie nach einem DFB-Pokalfinale.“ So griffen alle zu Putzutensilien. Felix holte Eimer und neue Lappen, die Mutter gab jedem einen Bereich zu putzen. Neymar wischte unter dem Tisch, Ronaldo kümmerte sich um den Herdbereich, Messi war für die Schrankfronten zuständig, und Suárez versuchte sich am Kühlschrank, obwohl er ständig daran hängen blieb, weil er Snacks fand. Felix selbst wischte nochmal den gesamten Boden – diesmal richtig, mit Lappen statt Staubsauger. Zwischendurch lachten alle gemeinsam, besonders als Neymar einen alten Suppenrest unter dem Schrank hervorholte und meinte: „Ich glaube, das hier hat einen eigenen Pass – das ist schon länger hier.“ Ronaldo gab noch einen trockenen Kommentar ab: „Ich hab noch nie für so wenig Bezahlung so hart gearbeitet.“ „Du bist ja auch sonst nicht für Hausarbeit bekannt“, neckte Messi. Als sie nach etwa einer Stunde endlich fertig waren, sah die Küche wieder normal aus – sogar besser als vorher. Die Mutter trat zufrieden in die Mitte, klatschte in die Hände und sagte: „So. Das nenn ich mal Teamwork! Jetzt nur noch eins: Kein Kochen mehr nach Bier, okay?“ Felix grinste breit. „Abgemacht.“ Und der Staubsauger? Der blieb erstmal in der Spülmaschine – als stummer Zeuge einer weiteren chaotisch-schönen Etappe in dieser ungewöhnlichen Gemeinschaft. Samstag, 31. Mai 2025 – Abend des 16. Tages Der Abend war gekommen, und nach dem chaotischen Mittag rund um Staubsauger, Suppe und Teamputzaktion hatte sich die Stimmung im Haus wieder beruhigt. Felix freute sich besonders auf den Abschluss dieses Tages: das Champions-League-Finale. Gemeinsam mit seiner Mutter und einem der Spieler – heute war Suárez an der Reihe – machte er es sich im Wohnzimmer bequem. Die Chips standen auf dem Tisch, der Fernseher lief bereits, und der junge Mann nippte an einer kalten Apfelschorle. „Ich hoffe, das wird spannend“, sagte Felix, während er sich in seine Decke kuschelte. Das Spiel begann – Paris Saint-Germain gegen Inter Mailand. 12. Minute: Das erste Tor fiel früh. Hakimi traf zum 1:0 für PSG. Die Kamera fing seinen emotionslosen Jubel ein – er hob die Hände, als wolle er sagen: „Ich respektiere meinen ExKlub.“ Felix nickte anerkennend. „Fair von ihm“, meinte er leise. 20. Minute: Ein schneller Angriff, ein präziser Pass von Mbappé und dann… Doué! Mit einem trockenen Schuss ins linke Eck. 2:0! Felix riss die Augen auf. „Wow! Die spielen heute wie entfesselt!“ Seine Mutter lächelte. „Und wir dachten, es wird langweilig.“ Suárez grinste nur. „Das wird Inter noch bereuen lassen, dass sie so defensiv angefangen haben.“ Doch pünktlich zur Halbzeitpause machte Felix die Fernbedienung in der Hand bereit und stoppte die Übertragung. Es war ein Abkommen, das er mit den anderen Spielern getroffen hatte: Nur die erste Halbzeit gemeinsam – die zweite sollte heute ausnahmsweise individuell geschaut werden. Die Stimmung war gut, aber es gab noch eine kleine Überraschung. Ronaldo stand bereits mit seiner Tasche in der Tür. „Ich muss jetzt los“, sagte er ruhig.

Felix schaute auf. „Wohin gehst du denn?“ „Zur Nationalmannschaft“, antwortete Ronaldo, während er sich seine Jacke überzog. „Aber ich wollte dir noch was sagen.“ Felix ging näher heran, neugierig. Ronaldo legte ihm eine Hand auf die Schulter und sagte mit einem leichten Schmunzeln: „Ein alter Freund kommt mich besuchen. Ein Fußballer aus meiner Real-Zeit. Aus Wales.“ Felix' Augen weiteten sich. „Du meinst… Gareth?“ Ronaldo zwinkerte. „Vielleicht. Vielleicht auch jemand anderes. Aber ich bin sicher, du wirst ihn mögen.“ „Kommt er auch hierher?“, fragte Felix aufgeregt. „Wenn er nicht gerade beim Golfspielen einschläft – ja“, antwortete Ronaldo lachend und verschwand aus der Tür. Zurück im Wohnzimmer lachte Felix leise. Suárez schüttelte grinsend den Kopf. „Dieser Ronaldo und seine geheimnisvollen Abgänge…“ Seine Mutter holte in der Zwischenzeit noch ein paar kleine Snacks, und sie ließen die erste Halbzeit nochmal kurz Revue passieren. Obwohl Felix ein bisschen traurig war, dass Ronaldo gegangen war, freute er sich schon auf das, was noch kommen würde. Er hatte das Gefühl, dass dieser Sommer noch einige Überraschungen für ihn bereithalten würde – vielleicht sogar einen Besuch aus Wales. Samstag, 31. Mai 2025 – Später Abend des 16. Tages Nach dem Abgang von Ronaldo und dem Ende der ersten Halbzeit des Champions-LeagueFinals entschied sich Felix bewusst dagegen, die zweite Hälfte zu schauen. Nicht, weil ihn das Spiel nicht interessierte, sondern weil ihm der Moment mit seiner Mutter und den verbliebenen drei Spielern – Messi, Neymar und Suárez – wichtiger war. „Wollen wir nicht einfach einen schönen Film schauen?“, schlug seine Mutter vor, während sie die Fernbedienung zur Seite legte und sich in ihre Decke kuschelte. Felix nickte. „Ja. Heute mal kein Fußball mehr. Einfach was Schönes zum Lachen.“ „Ich hätte da was“, sagte Neymar, der auf der Couch lümmelte und seine Snacks sortierte. „Was mit Tieren… oder einer verrückten Familie?“ Messi hob den Finger. „Lass uns doch diesen Film schauen, wo der Hund sprechen kann und ein Roadtrip durch Amerika macht.“ „Oder der mit dem sprechenden Schwein?“, warf Suárez ein und grinste breit. Am Ende einigten sie sich auf einen klassischen Familienfilm: eine Mischung aus Abenteuer, Herz und Humor. Felix saß zwischen seiner Mutter und Neymar, während Messi am Boden auf einem Kissen lag und Suárez sich in den Sessel gequetscht hatte, mit einer großen Schale Popcorn auf dem Schoß. Der Film begann, und schon nach den ersten zehn Minuten lachten alle gemeinsam. Besonders die Szenen, in denen das Tier in missverständliche Situationen geriet, sorgten für lautes Gelächter. Neymar kommentierte jede zweite Szene mit übertriebener Stimme, was Felix noch mehr zum Lachen brachte. Messi war zwar leise, aber sein Grinsen zeigte, dass er sich wohlfühlte. Suárez schien am meisten Spaß daran zu haben, dass Felix so viel lachte – er beobachtete ihn immer wieder aus dem Augenwinkel. Die Mutter lehnte sich leicht an Felix’ Schulter. „Ich bin froh, dass du heute deinen Geburtstag genießen konntest“, sagte sie leise. Felix nickte. „Ja… auch wenn der Anfang seltsam war, ist es jetzt schön. Wirklich schön.“ Nach dem Film saßen sie noch einen Moment still da. Draußen war es bereits tiefdunkel. Die Straßenlaternen warfen ein warmes Licht durch die Fenster, und drinnen war es wohlig warm. Messi streckte sich und sagte: „Das war gut. Besser als jedes Elfmeterschießen.“ „Und ohne VAR“, fügte Suárez schmunzelnd hinzu.

Felix lächelte. Es war einer dieser Abende, die nicht spektakulär wirken mussten, aber im Herzen lange nachhallen. Ein Abend voller Ruhe, Verbindung – und ohne Fußball, dafür mit echten Gefühlen. Später tranken sie noch zusammen einen beruhigenden Tee. Felix stand irgendwann auf, verstaute seinen Rollstuhl wieder unter dem Bett, putzte sich die Zähne und flüsterte beim Lichtausmachen: „Danke… für heute.“ Dann legte er sich ins Bett und schlief ein – mit einem kleinen, zufriedenen Lächeln im Gesicht. Samstag, 31. Mai 2025 – Nacht des 16. Tages Die Nacht war eigentlich ruhig. Im Wohnzimmer lagen noch ein paar leere Teetassen und die Überreste des Filmes, den Felix mit den drei Fußballspielern und seiner Mutter geschaut hatte. Alle waren bereits in ihren Zimmern verschwunden. Auch Felix lag in seinem Bett, eingekuschelt, mit einem zufriedenen, wenn auch leicht nachdenklichen Ausdruck im Gesicht. Nur aus dem Schlafzimmer der Eltern war noch leises Flüstern zu hören. Die Mutter stand mit verschränkten Armen am Fenster, der Vater hatte sich gerade ausgezogen und wollte sich ins Bett legen, als sie ihn erneut ansprach. „Weißt du, ich versteh’s nicht. Warum hast du nicht für Felix gesungen? Es war sein Geburtstag. Das ist doch kein Zeichen von Schwäche, sondern von Menschlichkeit.“ Der Vater starrte sie an. Eine lange, unangenehme Pause entstand. „Ich… ich wusste nicht, wie ich es machen soll“, sagte er mit müder Stimme. „Es war einfach... viel.“ „Viel?“, erwiderte sie ruhig, aber deutlich enttäuscht. „Du hättest es einfach tun können. Für ihn. Für deinen Sohn. Stattdessen schaust du weg. So wie immer, wenn es unbequem wird.“ Der Vater atmete schwer. Dann knallte er seine Faust gegen die Schranktür, zog sich schnell ein T-Shirt über, griff nach seiner Jacke und ging ohne ein weiteres Wort nach draußen. Draußen war es still. Die Straßen von Mainz lagen im Dunkel der Nacht, nur die Laternen warfen ein schwaches Licht auf das Kopfsteinpflaster. Der Vater lief ein Stück, bis er auf eine kleine Wiese kam, die er oft mied. Plötzlich blieb er stehen. Er atmete schwer, sein Gesicht rot vor Anspannung. Dann, als könne er es nicht länger zurückhalten, schrie er aus voller Kehle – mitten in die Stille der Nacht: „ICH BIN EIN TIRAN! EIN ARSCHLOCH DER WELT!“ Seine Stimme hallte zwischen den Häusern wider. In einem der Fenster ging Licht an, irgendwo bellte ein Hund. Doch der Vater stand einfach nur da, mit hängenden Armen, schwer atmend. In seinem Inneren brodelte ein Kampf aus Scham, Überforderung und einem Schmerz, den er selbst kaum greifen konnte. Tränen standen in seinen Augen, aber er ließ sie nicht fallen. Stattdessen wandte er sich langsam wieder dem Haus zu. Drinnen hatte Felix das Schreien gehört. Er lag still im Bett und starrte zur Decke. Er sagte nichts, doch in seinem Herzen bildete sich ein schweres Gefühl. Nicht nur Wut. Auch Traurigkeit. Auch Hilflosigkeit. Die Mutter hatte sich ans Fenster gestellt und beobachtete ihren Mann aus der Ferne. Sie sagte leise zu sich selbst: „Vielleicht merkt er endlich, was er alles zerstört...“ Doch sie wusste, es würde Zeit brauchen. Viel Zeit. Später in dieser Nacht kehrte der Vater wortlos zurück ins Haus, zog sich aus und legte sich ins Bett. Kein Wort fiel mehr. Nur Stille. Eine schmerzhafte, laute Stille. Sonntag, 1. Juni 2025 – Morgen des 17. Tages Die Sonne kroch langsam über die Dächer von Mainz. Ihre ersten warmen Strahlen tasteten sich durch die halb geöffneten Rollläden in Felix’ Zimmer. Er lag bereits wach. Nicht erst seit wenigen Minuten, sondern schon seit über einer Stunde. Schlaf hatte er in dieser Nacht kaum

gefunden – zu laut war der Schrei gewesen, zu schwer das Gefühl, das sich in seinem Inneren festgesetzt hatte. Er hatte alles gehört. Den Satz, den sein Vater in die Nacht hinausgeschrien hatte. „Ich bin ein Tyrann! Ein Arschloch der Welt!“ Zuerst war er verwirrt gewesen, hatte gehofft, dass es vielleicht ein Anflug von Einsicht war. Doch jetzt, im klaren Licht des Morgens, wurde ihm etwas bewusst, das sich wie eine Mauer in ihm aufrichtete: Sein Vater hatte es nicht aus Reue geschrien. Nicht aus Verständnis. Nicht, um sich zu entschuldigen. Sondern aus Wut. Aus Trotz. Weil es unbequem war, dass jemand ihm den Spiegel vorhielt. Und weil er es nicht ertrug, falsch zu liegen – besonders nicht vor sich selbst. Felix starrte an die Decke. Er wusste jetzt genau: Der Vater meinte es im Bösen. Nicht aus Hilflosigkeit, nicht aus Überforderung. Sondern weil er es nicht einsehen wollte. Er wollte nicht verstehen, wie sehr er seinem Sohn schadete. Er wollte nicht erkennen, dass sein Schweigen, sein Wegsehen, sein Wutverhalten verletzend waren. Felix setzte sich langsam auf, fuhr sich durchs Gesicht und starrte aus dem Fenster. Die Stadt begann zu erwachen – Vögel zwitscherten, ein Fahrrad fuhr vorbei, irgendwo rief ein Kind nach seiner Mutter. Es war ein ganz normaler Morgen. Aber in Felix hatte sich etwas verändert. Er fühlte sich wie jemand, der etwas Verlorenes endgültig erkannt hatte – und plötzlich wusste, dass es vielleicht nie wieder gut würde. Nicht, solange sein Vater tat, als wäre nichts gewesen. Denn genauso war es: Als Felix eine Stunde später vorsichtig in die Küche ging, saß sein Vater bereits dort. Die Zeitung vor sich, eine Tasse Kaffee in der Hand. Ruhig. Fast so, als wäre in der Nacht zuvor nichts passiert. Kein Blick. Kein Wort. Kein "Guten Morgen". Kein "Wie geht's dir heute?" Felix stellte sich an den Küchenschrank, holte sich eine Tasse Tee, zitterte leicht. Seine Mutter kam wenige Minuten später hinzu, schenkte ihm ein warmes Lächeln. Sie wusste, was in ihm vorging. Doch auch sie sagte erst einmal nichts. Vielleicht war es nicht der Moment. Der Vater schlug die Zeitung um, nahm einen Schluck, seufzte und stand schließlich auf. Wortlos verließ er die Küche. Felix stand still da. Die Tasse Tee warm in seinen Händen. Die Stimme in seinem Kopf klar: „Er wird es nicht einsehen. Und er wird sich nie ändern. Aber ich muss mich ändern. Ich muss einen Weg finden, wie ich damit leben kann – ohne dass es mich kaputtmacht.“ Mit dieser Erkenntnis begann der 17. Tag. Schwer. Aber ehrlich. Sonntag, 1. Juni 2025 – Vormittag des 17. Tages Ein dumpfes Klopfen an der Zimmertür, begleitet vom metallischen Klirren der Waschmaschinentrommel, holte Felix aus dem Halbschlaf. Seine Mutter zog gerade frische Wäsche aus der Maschine, rief sanft: „Felix, aufstehen – ich brauch gleich deine Hilfe beim Aufhängen!“ Müde schlurfte er auf den Flur, noch im Pyjama. Im Bad roch es nach Waschmittel, die Luft war warm und feucht. Neben der Maschine stand jedoch der Trockner – und brummte unüberhörbar. Seine Mutter runzelte die Stirn. „Den hab ich gar nicht eingestellt …“ Sie öffnete die Klappe. Ein Schwall heißer Luft und knittriger, viel zu trockener Stoff kam heraus. Handgestrickte Pullis, feine Shirts – und mittendrin Felix’ geliebtes Mainz-05-Trikot, Rückenaufdruck ZIMMERMANN 05 nun völlig verzogen, das Vereinslogo verschmolzen wie Wachs. „Nein … das war nicht für den Trockner!“, entfuhr es ihr. Die Enttäuschung in ihrer Stimme schnitt wie ein Messer.

Als sie erkannte, dass ausschließlich Kleidungsstücke darin lagen, die ausdrücklich nicht hätten getrocknet werden dürfen, war klar, wer den Trockner angeschaltet hatte. „Er hat wieder alles reingestopft, was gerade griffbereit war“, murmelte sie, wütend und verletzt zugleich. Sie lief Richtung Wohnzimmer, wo der Vater in der Zeitung blätterte. Felix hörte ihre erhobene Stimme, hörte ihn abwinken: „Ich wollte doch nur helfen …“ Es folgte ein zehnminütiges Wortgefecht, ihr Vorwurf, sein Schulterzucken, und schließlich ein: „Dann kauf’ ihm halt ein neues!“ Rund zwanzig Minuten später stand der Vater in Felix’ Türrahmen. In der Faust eine zerknüllte Scheine-Rolle. Er warf das Geld auf den Schreibtisch. Die Scheine fächerten sich auf wie abgestorbene Blätter. „Hier. Kauf dir dein Prinzen-Trikot neu“, knurrte er, die Stimme giftig. „Passt ja, dass der kleine König nur das Allerbeste braucht.“ Felix’ Herz schlug heiß und kalt zugleich. Ein Teil von ihm wollte den Mund aufmachen, wollte sagen, dass es nicht ums Geld ging. Doch er sagte nichts. Langsam strich er die Scheine glatt, legte sie ordentlich beiseite – nicht aus Dankbarkeit, sondern um zu verhindern, dass auch noch sie im Chaos landeten. Der Vater drehte sich um und verschwand, als wäre nichts geschehen. Felix atmete tief durch, schloss leise die Tür und setzte sich aufs Bett. In seiner Hand hielt er den ruinierten Fetzen Stoff, der einmal sein Lieblings-Trikot gewesen war. Er strich über das verformte Wappen, spürte das brüchige Plastik. „Es ist nur ein Stück Stoff“, murmelte er zu sich selbst. Aber er wusste, es war mehr: ein weiteres kleines Stück Vertrauen, zerknittert und verformt – nicht durch Hitze, sondern durch Gleichgültigkeit. Doch mit jeder leisen Enttäuschung wuchs auch ein klarer Gedanke: Ich kann mich nicht ändern, damit er zufrieden ist. Aber ich kann lernen, meine Welt trotz allem heil zu halten. Sonntag, 1. Juni 2025 – Mittag des 17. Tages Die Sonne stand hoch, die Luft war warm und mild, als Felix mit einem Glas kaltem Wasser in der Hand in das Wohnzimmer trat. Der Fernseher war ausgeschaltet, auf dem Couchtisch lagen noch ein paar Reste vom Frühstück: ein halber Croissant, eine offene Honigpackung, ein paar leere Kaffeetassen. Lionel Messi, Neymar und Suárez saßen entspannt auf der Couch. Neymar blätterte in einer alten Fußballzeitschrift, Suárez schälte eine Banane, während Messi mit geschlossenen Augen und verschränkten Armen döste. Felix war überrascht, als er im Sessel am Fenster noch jemanden entdeckte – Gareth Bale, der alte Weggefährte von Ronaldo, war offenbar gerade angekommen. Ruhig lächelte er und nickte Felix zu. Der junge Mann suchte Ronaldo, doch er erinnerte sich, dass dieser bereits gestern zur portugiesischen Nationalmannschaft abgereist war – für das Nations-League-Halbfinale gegen Portugal. Ronaldo hatte sich persönlich verabschiedet, dem Jungen die Schulter gedrückt und versprochen, bald wieder da zu sein. Bale war stattdessen für ein paar Tage eingesprungen, um "nach dem Rechten zu sehen", wie er es scherzhaft genannt hatte. Felix setzte sich neben Gareth und sah ihn kurz an. Dann atmete er tief durch. „Ich wollte dich was fragen“, begann er vorsichtig und wandte sich dann dem Spieler zu, der ihm heute am meisten zur Seite stand – Neymar. „Findest du es richtig, dass ich das Geld vom Papa angenommen habe? Für das Trikot, das er kaputt gemacht hat?“

Neymar sah auf, legte die Zeitschrift zur Seite. Bevor er antworten konnte, richtete sich auch Bale ein wenig auf, aufmerksam geworden. „Er hat’s mir gegeben, aber nicht nett. Er hat dabei gesagt, ich sei wie ein Prinz. Aber... so auf eine böse Art“, fügte Felix leise hinzu, den Blick auf seine Hände gerichtet. Für einen Moment war es still im Raum. Dann sagte Bale mit seiner ruhigen Stimme: „Weißt du, Felix… Es geht nicht immer darum, ob man etwas annimmt. Sondern warum. Du hast es nicht genommen, weil du ihm verzeihst. Du hast es genommen, weil du dich nicht nochmal verletzen lassen wolltest. Weil du Verantwortung übernimmst für dein Leben. Du brauchst das neue Trikot – aber sein Verhalten ändert das nicht.“ Neymar nickte langsam. „Manchmal nehmen wir Dinge an, um uns selbst zu schützen. Nicht, weil der andere im Recht ist. Du hast etwas verloren. Und ja – vielleicht war es falsch von ihm. Aber du hast gehandelt, wie du es in dem Moment konntest. Und das reicht.“ Felix sagte nichts. Aber es tat gut, es laut gesagt zu haben. Es tat gut, dass jemand zuhörte – nicht bewertete. Messi öffnete die Augen, stand auf, trat an Felix’ Seite und legte ihm kurz die Hand auf die Schulter. Dann meinte er leise: „Was zählt, ist, wie du dich jetzt fühlst. Und ob du weiter deinen Weg gehst – mit oder ohne Entschuldigung von ihm.“ Felix nickte langsam. Dann schauten sie gemeinsam aus dem Fenster, wo irgendwo in der Ferne ein Fahrrad vorbeirollte und die Vögel zwitscherten. Die Welt stand nicht still – auch nicht, wenn Dinge zerbrachen. Aber manchmal, mit den richtigen Menschen um einen herum, konnte man lernen, damit umzugehen. Sonntag, 1. Juni 2025 – Nachmittag des 17. Tages Der Nachmittag brach langsam herein. Die Sonne stand nicht mehr hoch am Himmel, aber ihre Strahlen fluteten noch freundlich durch die Fenster der Wohnung, in der seit Tagen Emotionen und Spannungen wie dichter Nebel schwebten. Felix hatte bis jetzt nichts gegessen – nicht, weil er keinen Hunger hatte, sondern weil ihm der Appetit vergangen war. Die Sache mit dem Trikot, die Stimmung zwischen ihm und dem Vater, all das lag ihm schwer im Magen. Doch nun war der Hunger stärker geworden. Sein Magen knurrte leise, während er in der Küche stand und sich ein schlichtes Mittagessen herrichtete – ein paar Aufbackbrötchen, eine Scheibe Fleischkäse, ein Stück Gurke. Nichts Besonderes, aber etwas, das ihn zumindest zur Ruhe bringen sollte. Bevor er sich allerdings zum Tisch setzte, entschied er sich, noch einmal mit seiner Mutter zu sprechen. Sie war im Wohnzimmer, leise redend mit Neymar, der auf dem Sofa saß und auf seinem Handy durch Fotos scrollte. Felix ging zu ihr, leise, fast zögerlich. „Mama… hast du kurz einen Moment?“ Sie blickte auf, lächelte sanft, stand auf und ging mit ihm in den Flur, wo sie ungestört reden konnten. „Was ist, mein Schatz?“ Felix zögerte kurz, dann flüsterte er: „Glaubst du, Papa meint es wirklich jemals gut? Oder… tut er nur so, wenn er sich beruhigt hat?“ Seine Mutter schwieg einen Moment. Dann sagte sie ruhig: „Ich glaube, dass er oft überfordert ist. Aber das entschuldigt nicht alles. Es tut mir leid, dass du das tragen musst.“ Sie drückte ihm liebevoll die Hand. Felix spürte für einen Moment etwas Erleichterung. Doch genau in diesem Augenblick ertönte im Wohnzimmer plötzlich das surrende Geräusch des Staubsaugers. „Papa saugt schon wieder“, murmelte Felix – nicht wütend, eher resigniert. Es war ein seltsames Ritual geworden: immer, wenn etwas passiert war, griff der Vater zum Staubsauger, als könnte er damit die Spannungen aus dem Raum saugen. Felix seufzte leise. „Ich geh kurz auf die Toilette“, sagte er zu seiner Mutter und ging an ihr vorbei zurück durch den Flur. Als er am Wohnzimmer vorbeiging, sah er den Vater mit

gerunzelter Stirn, den Staubsauger aggressiv über den Teppich ziehend. Der Blick des Vaters war kalt, abwesend – als würde er sich an jedem Fussel abreagieren. Felix wollte ruhig bleiben. Sag nichts, geh einfach nur vorbei, sagte er sich. Doch kaum hatte er den Raum passiert, da hörte er es: „KLONG!“ Ein lautes, hartes Geräusch ließ ihn zusammenzucken. Der Vater hatte den Staubsauger grob gegen den Boden geschleudert, sodass das Gerät laut aufschlug und eine der Rollen absprang. Für einen Moment war es still – wie eingefroren. Die Mutter drehte sich entsetzt um, die Spieler im Wohnzimmer schauten mit ernsten Gesichtern auf die Szene. Felix blieb stehen. Er schaute nicht zurück, sondern atmete nur tief durch. Dann ging er weiter – zur Toilette. Er hatte keine Kraft für einen weiteren Konflikt. Keine Kraft für Geschrei oder Erklärungen. Es war zu viel. Als er zurückkam, stand der Staubsauger noch immer dort – kaputt, wie ein Symbol für all die Gespräche, die nie richtig geführt worden waren. Doch Felix setzte sich einfach an den Tisch, nahm seinen Teller und begann endlich zu essen. Messi kam leise dazu, setzte sich gegenüber und sagte nichts – nur ein stilles Zeichen: Du bist nicht allein. Sonntag, 1. Juni 2025 – Später Nachmittag des 17. Tages Nachdem sich die Wellen des aufgewühlten Vormittags und der Konflikt mit dem Vater etwas geglättet hatten, versuchte Felix, wieder in einen normalen Rhythmus zu kommen. Er hatte endlich etwas gegessen, das war schon ein kleiner Sieg für diesen Tag. Doch innerlich war er noch immer angespannt – nicht wütend, nicht traurig, eher müde. Müde von all den Situationen, in denen er sich gefühlt hatte, als müsste er sich zwischen Frieden und Wahrheit entscheiden. Gegen 16 Uhr klopfte es leicht an seiner Zimmertür. Es war Suárez, der grinsend hereinschaute. „Ey, wir dachten, du willst heute noch ein bisschen Revanche in FIFA. Bock?“ Felix lächelte leicht und nickte. „Ja, gerne. Ich komm gleich.“ Im Wohnzimmer warteten Messi, Neymar und der Ersatz für Ronaldo – ein alter RealMadrid-Kollege, Gareth Bale, der für ein paar Tage aus Wales gekommen war, um Ronaldo während seiner Nationalmannschaftsabstellung zu vertreten. Bale hatte sich schnell in die Gruppe eingefügt – sein Humor war trocken, aber herzlich, und er hatte ein überraschend gutes Händchen für FIFA. Die vier saßen auf dem Teppich und auf den Sesseln verteilt, während Felix seinen Controller in die Hand nahm und sich mit einem kleinen Seufzer dazusetzte. „Diesmal nehmt ihr aber nicht wieder PSG und spammt die Flanken“, sagte er mit gespieltem Ernst. „Ey“, lachte Neymar. „Die Flanken sind Teil des Spiels.“ Sie losten die Teams diesmal aus: Felix spielte mit Bale zusammen – Real Madrid – gegen Messi und Suárez, die sich für Inter Miami entschieden, rein symbolisch für ihre aktuelle Heimat. Das Spiel startete sofort hitzig. Bale hatte ein paar Tricks drauf, von denen Felix beeindruckt war – er kannte nicht viele Leute, die mit dem rechten Stick so präzise umgehen konnten. Messi dagegen spielte mit einer beinahe schmerzhaften Ruhe. Jeder Pass saß. Suárez dagegen war wie immer ein Chaot am Controller – mal genial, mal wild daneben. Nach dem 2:1 für Real drehte sich Neymar, der nur zuschaute, lachend zu Felix: „Sag mal, was war das grad für ein Lauf von dir? Du spielst besser, wenn du sauer bist!“ Felix grinste. „Ich glaub, ich spiel besser, wenn ich einfach mal nur an nichts denken muss.“ „Dann lass uns am besten gleich noch drei Runden machen“, meinte Bale und zwinkerte.

Die Atmosphäre war ausgelassen. Für ein paar Stunden zählte nichts anderes – keine Spannungen, keine verletzenden Worte, keine Fragen nach dem „Warum“. Nur Spiel, Taktik, Lachen und das gemeinsame Gefühl, kurz raus aus dem Alltag zu sein. Als die Sonne langsam unterging, stand es 3:3 in Spielen – ein perfekter Ausgleich, den sie so auch beendeten. „Entscheidungsspiel morgen?“, fragte Messi. „Morgen“, sagte Felix ruhig. Und zum ersten Mal an diesem Tag lächelte er, ohne dass es sich schwer anfühlte. Sonntag, 1. Juni 2025 – Abend des 17. Tages Es war gerade nach 20 Uhr, als das Telefon im Wohnzimmer klingelte. Felix saß zusammen mit den vier Spielern – Messi, Neymar, Suárez und Gareth Bale – auf der Couch. Sie hatten sich gerade gemütlich gemacht, ein paar Chips auf dem Tisch, leise Musik im Hintergrund, die Stimmung war ruhig und entspannt. Felix runzelte die Stirn, als er auf dem Display sah: „Unbekannter Anruf – AMEX“. „Komisch...“, murmelte er, stand langsam auf und ging in den Flur, um den Anruf anzunehmen. Die anderen Spieler sahen ihm hinterher. „Hallo?“, sagte Felix vorsichtig. „Guten Abend, Herr Felix Z. Hier spricht die Sicherheitsabteilung von American Express. Wir möchten Sie über einen verdächtigen Anmeldeversuch mit Ihrer Karte informieren. Haben Sie sich in den letzten zwei Stunden aus Spanien in einem Online-Konto neu registriert?“ Felix spürte, wie sich sein Magen zusammenzog. „Was?! Nein, auf keinen Fall. Ich war die ganze Zeit hier!“ „Vielen Dank. Dann handelt es sich eindeutig um einen unbefugten Zugriff. Wir werden Ihre aktuelle Karte sofort sperren und Ihnen eine neue zusenden. Bitte bestätigen Sie uns noch kurz Ihre Adresse und E-Mail für den Versand.“ Felix zitterte leicht, während er die Daten durchgab. Nachdem der Anruf beendet war, blieb er einen Moment reglos stehen. Dann ging er mit einem leichten Schock in den Beinen zurück ins Wohnzimmer. „Was war los?“, fragte Messi sofort, als er Felix’ Gesicht sah. Felix setzte sich langsam hin, atmete tief durch und erzählte, was passiert war. Wie jemand in Spanien – wahrscheinlich über ein VPN oder gehackte Daten – versucht hatte, seine Kreditkarte zu verwenden. Die Spieler hörten aufmerksam zu. „Das ist ja krass“, sagte Suárez und kratzte sich nachdenklich am Kinn. „Hattest du das Passwort irgendwo gespeichert?“ Felix zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht... Vielleicht hab ich mich mal irgendwo mit der Karte angemeldet, wo ich es nicht hätte tun sollen.“ „Wir helfen dir, das zu klären“, sagte Bale ernst. „Wir checken deine Accounts, ändern die Passwörter, und ich zeig dir ein gutes Tool für Zwei-Faktor-Authentifizierung.“ Messi nickte. „Ich hab da auch mal schlechte Erfahrungen gemacht. Passiert schneller, als man denkt.“ Während Neymar schon sein Handy zückte und eine Liste machte, was Felix alles überprüfen sollte – Onlinebanking, Amazon, Netflix, App Store – nahm Suárez ihm das Handy aus der Hand. „Gib her. Ich helf dir beim Zurücksetzen der wichtigsten Sachen.“ In diesem Moment wurde Felix bewusst, dass er wirklich nicht allein war. Nicht nur, weil die vier Spieler Weltstars waren, sondern weil sie Freunde geworden waren. Und obwohl es ein stressiger Moment war, fühlte er sich plötzlich beschützt. „Danke... euch allen“, sagte er leise, und das meinte er wirklich so. Eine halbe Stunde später war die Situation geklärt: Die Karte war gesperrt, eine neue unterwegs, alle wichtigen Passwörter zurückgesetzt, und Felix hatte ein beruhigendes Gefühl im Bauch. Als sie später noch gemeinsam einen warmen Tee tranken, meinte Neymar lächelnd:

„Wenn du willst, programmier ich dir morgen eine App, die schreit, wenn sich jemand aus einem anderen Land einloggen will.“ Felix lachte, diesmal wieder befreit. Es war zwar ein Schock gewesen, aber dank seiner Freunde fühlte sich der Abend am Ende doch sicher an. Sonntag, 1. Juni 2025 – Später Abend des 17. Tages Nachdem die Aufregung um den versuchten Kreditkartenbetrug sich etwas gelegt hatte, war das Wohnzimmer wieder in eine ruhige Atmosphäre getaucht. Felix hatte sich auf das Sofa gesetzt, die Füße auf ein Kissen gelegt, die Stirn leicht an die Schulter seiner Mutter gelehnt, die neben ihm saß und ihn sanft über das Haar strich. Die vier Fußballspieler – Messi, Neymar, Suárez und Bale – hatten es sich ebenfalls bequem gemacht. Die Kissen und Decken lagen verstreut über das Sofa und den Teppich, Snacks standen auf einem kleinen Tisch daneben. Das Licht war gedimmt, nur eine warme Stehlampe an der Ecke warf ein sanftes Licht auf den Raum. „Wollen wir was schauen?“, fragte Bale. „Etwas Ruhiges, bitte“, meinte Felix. „Heute war irgendwie genug Action.“ „Wie wär’s mit Paddington 2?“, schlug seine Mutter vor, und Felix hob sofort den Daumen. „Perfekt.“ Der Film begann, und sofort legte sich eine friedliche Stimmung über den Raum. Der kleine Bär aus London mit seinem blauen Mantel und rotem Hut stolperte durch seine Abenteuer – liebevoll, witzig und mit einer Wärme, die allen im Raum gut tat. Felix lachte leise über eine Szene mit dem Gefängniskoch, Neymar grinste breit, als Paddington in der Waschluke hängen blieb, und Messi flüsterte zu Suárez: „Ich liebe diesen Film. Er ist fast zu gut für Erwachsene.“ Während die Zeit verstrich, wurde Felix müder. Sein Kopf sank langsam zur Seite, dann auf die Schulter seiner Mutter, und schließlich kuschelte er sich in eine der Decken. Bale stand auf, holte noch eine Wärmflasche, die er Felix leise unter die Beine schob. „Danke“, murmelte Felix schläfrig. Als der Abspann über den Bildschirm lief, streckte sich Suárez einmal ausgiebig und sagte mit leiser Stimme: „Gute Wahl. Genau das Richtige.“ Langsam standen alle auf. Felix’ Mutter küsste ihn auf die Stirn. „Ab ins Bett mit dir, mein Großer.“ Felix nickte nur und machte sich auf den Weg ins Zimmer. Auch die Spieler gingen in ihre Gästezimmer. Bevor Bale in seinem verschwand, klopfte er Felix noch leicht auf die Schulter. „Morgen wird ein besserer Tag. Schlaf gut, mein Freund.“ Felix lächelte matt. „Danke. Euch auch.“ Im Zimmer angekommen, zog er sich ruhig um, trank noch den Rest seines lauwarmen Schlaftees, stellte seinen Rollstuhl vorsichtig unter das Bett und ließ sich langsam unter die Decke sinken. Mit einem letzten Blick an die Zimmerdecke und einem kurzen Gedanken an Paddington und seine Freunde schloss er die Augen – und schlief ein. Montag, 2. Juni 2025 – Nachmittag des 18. Tages Die Sonne stand bereits hoch über Mainz, als sich im Zimmer von Felix langsam Bewegung regte. Die Rolläden waren noch halb heruntergelassen, sodass nur einzelne Sonnenstrahlen den Raum durchbrachen. Felix lag noch immer eingekuschelt in seiner Decke, sein Gesicht halb im Kissen vergraben. Neben ihm im Gästebett war Neymar ebenfalls noch nicht richtig wach – er streckte sich träge und blinzelte zur Uhr. „Boah… halb eins“, murmelte Neymar und rieb sich die Augen. „Felix, wach auf... Es ist fast Mittag.“ Felix blinzelte verschlafen und gähnte laut. „Hä? Wie spät?“ „Halb eins. Wir haben echt lange geschlafen, Mann.“

Noch während Felix sich langsam aufrichtete und über sein Gesicht fuhr, hörte man unten die Haustür gehen. Schritte klapperten durch den Flur – seine Mutter war bereits zurück vom Einkaufen. „Felix?! Neymar?! Seid ihr etwa immer noch im Bett?!“ rief sie ungehalten die Treppe hinauf. Felix’ Gesicht zuckte leicht zusammen. „Oh oh … sie ist früher da als sonst.“ Seine Mutter kam die Treppe hoch und klopfte deutlich an die Tür. „Felix, mach bitte auf.“ Er öffnete, noch im Schlafshirt, leicht zerzaust. Neymar zog sich schnell die Decke über den Kopf. „Mama… sorry, wir haben irgendwie total verschlafen. Gestern war einfach ein langer Abend.“ Sie trat ins Zimmer und sah sich um – der Raum war noch nicht gelüftet, der Tee vom Abend stand unberührt auf dem Tisch, und das Kissen hatte noch die Form von Felix’ Kopf. Ihre Stirn legte sich in Falten. „Ich versteh ja, dass du gestern müde warst, aber irgendwann musst du dich auch mal an den Rhythmus gewöhnen. Und Neymar, du bist ein Erwachsener – du solltest es besser wissen.“ Neymar hob beschämt die Hand. „Tut mir leid, Frau Zimmermann. War nicht geplant.“ „Ich hab gekocht, und ihr liegt noch im Bett wie zwei Faultiere. Wenigstens lüften und mal was trinken wäre gut gewesen“, sagte sie, schob das Fenster auf und öffnete energisch die Vorhänge. Felix kratzte sich am Kopf. „Ich hol gleich was zu trinken, versprochen. Und wir kommen runter. Was hast du gekocht?“ „Linsensuppe. Und die wird nicht besser, wenn sie drei Stunden auf dem Herd steht.“ „Okay, okay. Wir beeilen uns.“ Als sie die Treppe wieder runterging, drehte sie sich nochmal um. „Und heute Abend seid ihr pünktlich beim Abendessen. Ich will nicht wieder für Geister kochen.“ „Versprochen“, rief Felix ihr hinterher, während Neymar sich nun auch aus dem Bett schälte. „Boah, die hat recht. Wir brauchen echt Disziplin“, murmelte Neymar grinsend und schnappte sich ein frisches T-Shirt. Felix atmete tief durch, dann kicherte er leicht. „Willkommen im echten Leben mit Mama. Fußballstar oder nicht – wenn du zu lang schläfst, gibt’s Ärger.“ Sie gingen gemeinsam die Treppe hinunter – mit knurrendem Magen und leichtem schlechten Gewissen, aber auch einem Lächeln auf den Lippen. Montag, 2. Juni 2025 – Früher Nachmittag des 18. Tages Nach der deutlichen Ansage seiner Mutter war Felix schnell auf den Beinen. Unten in der Küche duftete es nach frischer Linsensuppe, aber Felix entschied sich, wie so oft, lieber für etwas anderes zum Frühstück – oder eher „Frühstück-Mittag“. Seine übliche Wahl: zwei aufgeschnittene Brötchenhälften mit Fleischkäse, ein wenig Senf, dazu ein Glas Multivitaminsaft und ein kleiner Teller Chips vom Vorabend – er mochte es bunt gemischt. Die vier Spieler – Neymar, Messi, Suárez und als Ronaldo-Ersatz der ehemalige walisische Real-Madrid-Star Gareth Bale – saßen bereits am Tisch. Auch sie hatten sich einfache Frühstücksvarianten gemacht: Suárez aß Müsli, Neymar hatte sich Toast mit Schokoaufstrich gemacht, Messi trank schwarzen Kaffee, und Bale – typisch britisch – hatte sich Bohnen auf Toast in die Mikrowelle gestellt. „So spät wie heute hab ich noch nie gefrühstückt“, grinste Neymar. Felix lachte. „Willkommen in meinem Leben. Aber ab jetzt werden wir wieder früher wach – sonst bringt Mama uns um.“ Sie aßen zusammen in entspannter Stimmung. Messi fragte Felix beiläufig: „Und? Was steht heute noch an bei dir?“ Felix schluckte sein letztes Stück Fleischkäse runter, wischte sich den Mund ab und antwortete: „Ich muss mich heute noch um die Tickets fürs Boot kümmern. Die Fahrt am 22.

nach Heidelberg, weißt du? Ich wollte schauen, ob ich barrierefreie Plätze bekomme für mich und meine Mutter. Und für Oma und Papa nochmal zwei normale Plätze.“ „Ah, klingt schön. Flussfahrt, oder?“, fragte Bale neugierig. „Ja, mit dem Schiff über den Rhein. Ich hoffe nur, dass alles klappt. Ich muss gleich mal die E-Mails checken oder da anrufen – je nachdem, was geht.“ „Sag Bescheid, wenn du Hilfe brauchst“, bot Messi an. „Notfalls übersetzen wir das RheinHessische.“ Felix kicherte. „Danke, Leo, ich glaube, das schaff ich. Ich zieh mich nur schnell um und mach dann alles fertig.“ Er ging hoch in sein Zimmer, zog sich eine schwarze Sporthose an und ein Mainz-05-T-Shirt, das glücklicherweise nicht beim Trockner-Zwischenfall zerstört worden war. Danach setzte er sich an seinen Laptop, öffnete die E-Mails und klickte sich durch seine gespeicherten Nachrichten vom Anbieter der Bootsfahrt. „Okay… barrierefreie Tickets für mich und Mama, zwei normale für Oma und Papa… am 22. Juni…“ Er schrieb eine höfliche E-Mail, in der er nochmals darum bat, seine Buchung zu bestätigen, und ergänzte diesmal direkt seinen Behindertenausweis als Anhang – für die Sicherheit. Als er fertig war, atmete er erleichtert durch. „Abgeschickt“, sagte er laut in den Raum. Unten hörte man Neymar rufen: „Was hast du abgeschickt? Deine Bewerbung als Schiffskapitän?“ Felix lachte. „Fast! Nur die Anfrage für die Fahrt. Aber das ist fast genauso wichtig.“ Der frühe Nachmittag war damit erfolgreich eingeläutet – mit einem warmen Frühstück, viel Lachen am Tisch, und der erledigten Aufgabe, die schon seit Tagen im Hinterkopf gelegen hatte. Montag, 2. Juni 2025 – Später Nachmittag des 18. Tages Der Himmel über Mainz war leicht bewölkt, die Sonne versteckte sich immer wieder hinter dichten Wolkenschleiern, aber es war warm genug, um ohne Jacke rauszugehen. Felix hatte sich nach dem erfolgreichen Abschicken der E-Mail spontan dazu entschlossen, doch noch in die Stadt zu fahren. Irgendwie war ihm danach – ein bisschen frische Luft, Bewegung und das Gefühl, eine Sache selbst erledigt zu haben. Er zog seine Turnschuhe an, schnappte sich seinen Rucksack, in dem er zur Sicherheit alle Unterlagen noch einmal ausgedruckt hatte, und sagte den Spielern Bescheid. „Ich fahr kurz in die Stadt, Tickets fürs Schiff direkt holen. Wer mitkommen will, kann gerne – aber ich mach das auch allein, dann kann ich danach noch ein bisschen spazieren.“ Messi nickte nur: „Viel Glück – und wenn's Ärger gibt, ruf uns an.“ Neymar grinste. „Oder schick ein Rauchsignal.“ Felix musste schmunzeln, verabschiedete sich und machte sich auf den Weg. Innenstadt Mainz, 16:45 Uhr Die Straßen waren belebt, viele Leute waren nach Feierabend noch auf dem Heimweg oder bummelten durch die Einkaufsstraßen. Felix steuerte direkt das Büro des Fahrtenanbieters an, das nur ein paar Minuten vom Rhein entfernt lag. Drinnen war es angenehm kühl. Eine freundliche Mitarbeiterin begrüßte ihn sofort. „Guten Tag, wie kann ich helfen?“ Felix holte tief Luft. „Ich hatte bereits per E-Mail eine Anfrage gestellt. Es geht um barrierefreie Tickets für die Fahrt nach Heidelberg am 22. Juni. Ich wollte sie heute gerne direkt holen, falls das möglich ist.“ Die Frau prüfte kurz ihre Unterlagen, dann lächelte sie. „Ah, Herr Zimmermann, ja – Ihre Nachricht habe ich gesehen. Wir haben vier Plätze für Sie reserviert. Zwei barrierefreie mit Begleitung und zwei reguläre. Ich drucke Ihnen gleich die Tickets aus.“ Felix atmete auf. Es war geschafft.

Nach wenigen Minuten hatte er die Fahrkarten in der Hand. Er bezahlte, bedankte sich mehrfach und verließ das Büro mit einem zufriedenen Gefühl. Rheinpromenade, etwa 17:30 Uhr Statt direkt nach Hause zu gehen, setzte sich Felix an eine Bank mit Blick auf den Fluss. Die Schiffe glitten gemächlich vorbei, Möwen kreisten über dem Wasser, und Kinder lachten irgendwo hinter ihm, wo eine Familie Eis schleckte. Er lehnte sich zurück, schloss kurz die Augen. Es war ein Moment der Ruhe. Ein Moment, in dem nichts drängte, nichts laut war – keine Streitigkeiten, keine Türen, keine missachteten Geburtstage. Nur er, der Rhein, der Wind, der durch die Blätter rauschte. Gegen 18 Uhr stand er langsam auf. Die Beine fühlten sich schwer an, nicht weil er erschöpft war, sondern weil der Tag emotional dicht gewesen war. Die Erleichterung, etwas erledigt zu haben, mischte sich mit einem leisen Wunsch nach Pause. Zuhause angekommen legte er sich direkt auf die Couch, die Tickets noch in der Hand. Messi kam aus der Küche, warf einen Blick auf ihn und sagte grinsend: „Mission erfolgreich?“ Felix hielt die Tickets hoch. „Geschafft.“ „Dann ruh dich aus, Kapitän“, meinte Messi. „Die große Fahrt kann kommen.“ Montag, 2. Juni 2025 – Vorabend des 18. Tages Die Sonne hing nun tief über Mainz, warf ein warmes, goldenes Licht auf die Häuserfassaden und tauchte die Stadt in eine beinahe märchenhafte Stimmung. Felix hatte sich etwas ausgeruht, die Beine hochgelegt, etwas Wasser getrunken und schließlich beschlossen, dass es Zeit war, die frohe Botschaft zu überbringen. Er schnappte sich die vier frisch gedruckten Tickets und machte sich auf den Weg zur Wohnung seiner Oma, die nur etwa zehn Gehminuten entfernt lag. Die Straßen waren ruhig, einige Radfahrer zogen an ihm vorbei, aus Cafés klangen leise Gespräche und Musik. Felix hatte ein gutes Gefühl – er freute sich darauf, der Oma zu sagen, dass sie mitkommen konnte. 17:50 Uhr, Wohnung der Großmutter „Felix!“, rief sie, als sie die Tür öffnete. „Was machst du denn hier so spontan, mein Schatz?“ „Ich hab was für dich!“, sagte er mit einem Lächeln und hielt das Ticket hoch. „Am 22. fahren wir mit dem Schiff nach Heidelberg. Du, Mama, ich und meine Begleitung. Und... ich hab auch eins für dich.“ Die Oma war sichtlich gerührt. Sie nahm das Ticket entgegen, betrachtete es, ihre Augen wurden feucht. „Ach, das ist aber schön… so ein Ausflug mal wieder… mit euch. Danke, Felix!“ Felix nickte, aber dann ergänzte er: „Wir fahren mit dem Bus hin, das ist alles so organisiert wegen der barrierefreien Plätze und Begleitung.“ Sofort veränderte sich ihre Miene. „Mit dem Bus?“, fragte sie plötzlich scharf. Felix war etwas verwirrt. „Ja… warum?“ Die Oma zog die Augenbrauen zusammen, schüttelte leicht den Kopf. „Mit dem Bus fahr ich nicht. Weißt du, wie schlecht meine Knie bei längeren Fahrten werden? Und dann diese vielen Leute...“ Felix versuchte ruhig zu bleiben. „Aber Oma, wir haben extra die Plätze reserviert, barrierefrei mit Einstiegshilfe. Ich hab das alles organisiert.“ Doch sie war nun ungehalten: „Du hättest mich fragen müssen, bevor du sowas buchst. Immer muss ich einfach nur mitlaufen – und dann soll ich noch stundenlang im Bus sitzen. Nein. So was macht man nicht. Nicht mit mir!“

Die gute Stimmung war schlagartig dahin. Felix’ Lächeln erlosch, seine Schultern sanken. Er versuchte nicht zu diskutieren – nicht diesmal. „Okay...“, sagte er nur leise. „Ich geh jetzt erstmal in die Stadt. Ich meld mich später nochmal.“ 18:10 Uhr, Innenstadt – Buchhandlung an der Schillerstraße Felix ging mit gesenktem Kopf Richtung Innenstadt, seine Gedanken kreisten wild. Die Tickets hatte er in der Jackentasche vergraben. Es hatte alles so gut begonnen. Und jetzt wieder so ein Moment, in dem er sich wie ein Versager fühlte, obwohl er doch nur helfen wollte. Er trat in eine ruhige Buchhandlung, eine der älteren in der Stadt mit Holzregalen, weichem Licht und dem typischen Duft von Papier und Kaffee. Die Verkäuferin nickte ihm freundlich zu. Er streifte wortlos durch die Regale, blieb in der Abteilung für Sachbücher stehen, dann bei den Katzenbüchern, dann bei Romanen über Außenseiter, Reisen, Versöhnung. Ein Buch über stille Helden zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Der Klappentext sprach von Menschen, die Großes taten – nicht laut, nicht öffentlich – sondern einfach, weil sie da waren. Er blätterte ein paar Seiten auf. Dann schloss er es wieder und hielt inne. Vielleicht, dachte Felix, war er einfach manchmal zu leise in einer Welt voller lauter Erwartungen. Aber er würde weitermachen. Für sich. Für seine Mutter. Für die, die ihn wirklich verstanden. Und vielleicht – irgendwann – auch für die, die es noch nicht taten. Montag, 2. Juni 2025 – Abend Felix und der Spieler saßen noch auf einer Bank in der Nähe des Gutenbergplatzes. Die Lichter der Innenstadt begannen allmählich zu glühen, Passanten gingen vorbei, einige mit Einkaufstüten, andere mit Eis in der Hand. Die beiden hatten sich nach dem Besuch in der Buchhandlung noch etwas durch die Straßen treiben lassen, um Abstand zu gewinnen. „Ich glaub, ich ruf jetzt Mama an“, sagte Felix plötzlich. Der Spieler nickte nur. Felix wählte die Nummer und hielt das Handy ans Ohr. „Hallo Mama?“, sagte er ruhig. „Ja, mein Schatz. Wo seid ihr gerade?“, klang ihre Stimme leicht besorgt. „Noch in der Stadt. Ich wollte dir nur sagen… Oma will doch nicht mit. Sie ist sauer, weil wir mit dem Bus fahren… Ich hab versucht, ihr zu erklären, dass alles organisiert ist, aber sie will einfach nicht.“ Am anderen Ende war kurz Stille. Dann sagte die Mutter seufzend: „Ach Mensch. Und das Ticket?“ „Kann man nicht zurückgeben. Es sind vier auf einem Ausdruck, als Gruppenbuchung. Ich hab’s extra geprüft.“ Wieder ein Moment des Schweigens. „Okay… wir regeln das irgendwie“, sagte sie dann. „Komm einfach heim, ja? Wir reden später nochmal.“ Felix legte auf. Er sah kurz hoch zum Spieler. „Sie war ruhig. Aber ich weiß, dass sie enttäuscht ist.“ Etwa 30 Minuten später Felix’ Handy vibrierte. Es war eine Nachricht vom Vater. Zuerst zögerte er. Doch dann tippte er auf das Video.

Die Kamera zeigte den Vater auf der Terrasse. In seiner Hand hielt er einen 20-Euro-Schein – genau der Betrag, den die Oma hätte zahlen sollen. Ohne ein Wort hielt er ein Feuerzeug darunter. Die Flamme züngelte, der Schein brannte langsam ab, bis nur noch Asche übrig blieb. Dann sagte er trocken in die Kamera: „So viel ist eure Planung wert.“ Felix erstarrte. Der Spieler neben ihm sah das Video mit und sagte nach einem Moment: „Das ist… krank.“ Felix sagte gar nichts. Er starrte stumm auf den Bildschirm, als müsste er verarbeiten, was gerade passiert war. Seine Hände zitterten leicht, aber er zwang sich, ruhig zu bleiben. „Er hat es mit Absicht gemacht. Um mir zu zeigen, wie sinnlos er meine Bemühungen findet.“ Der Spieler legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Aber du hast etwas versucht, Felix. Etwas Gutes. Das zählt. Lass dir das nicht nehmen.“ Felix nickte langsam. Er fühlte sich wie betäubt – aber nicht gebrochen. Noch nicht. Er wusste, dass der Weg mit seinem Vater kein leichter werden würde. Aber er wusste auch, dass er nicht mehr allein war. Montag, 2. Juni 2025 – später Abend Als Felix und der Spieler endlich wieder in der Wohnung ankamen, war es bereits dunkel. Der Tag hatte sich gezogen, wie ein Kaugummi aus Gedanken, Rückschlägen und müden Schritten. Felix hatte sich gleich aufs Sofa gesetzt und sein Handy auf den Tisch gelegt, so als wollte er erstmal nichts mehr davon wissen. Doch es vibrierte erneut. Eine Nachricht. Von seinem Vater. Papa: „Felix, iss bitte was.“ Felix starrte auf den Bildschirm. Es war nicht viel. Kein „Es tut mir leid“. Kein „Ich war unfair“. Einfach nur diese fünf Worte. „Felix, iss bitte was.“ Der Junge zögerte. Dann tippte er mit etwas zittriger Hand: Felix: „Ich kann grad nicht. Oma will nicht mit aufs Boot. Ich hab mich so bemüht.“ Er starrte auf den Bildschirm. Keine Minute später kam die Antwort: Papa: „Ich weiß. Du hast dich bemüht. Bitte iss trotzdem.“ Felix’ Finger schwebten über dem Display. Er blinzelte. Zum ersten Mal seit Tagen klang sein Vater nicht zynisch. Nicht giftig. Nicht aggressiv. Einfach… ruhig. Und vielleicht auch ein bisschen klein. Felix atmete tief ein. Dann sagte er zum Spieler, der gerade in der Küche eine Flasche Wasser aufschraubte: „Ich mach mir doch noch was Kleines zu essen.“ Der Spieler nickte und rief leise: „Ich komm gleich dazu.“ Felix ging in die Küche und machte sich ein einfaches Brot mit Käse, dazu einen kleinen Teller mit Tomatenscheiben. Nichts Großes. Einfach nur etwas Warmes für den Magen. Dann nahm er sein Handy, stellte das kleine Tellerchen auf den Tisch und fotografierte es. Er schickte das Foto an seinen Vater – kein Kommentar, kein Smiley, einfach nur das Bild. Ein paar Minuten später kam eine letzte Nachricht: Papa: „Danke.“ Felix wusste nicht, ob es „Danke fürs Essen“ war. Oder „Danke, dass du dich meldest“. Oder einfach nur ein stilles Zeichen dafür, dass der Vater heute – zumindest für diesen Moment – versucht hatte, sich ein kleines Stück zu bewegen. Er aß in Ruhe, dann ging er noch kurz zu seiner Mutter, die im Wohnzimmer saß. Sie hatte alles mitbekommen, aber nichts gesagt. Nur ein Nicken, ein leises Lächeln, als Felix ihr das Foto zeigte.

Dann ging er zurück in sein Zimmer. Er und der Spieler tranken zusammen noch einen kleinen Schlaftee. Kein Wort über das Video vom Vater. Kein Wort über die verbrannten zwanzig Euro. Nur dieser Moment der Stille. „Morgen wird’s besser“, flüsterte der Spieler. „Muss es“, sagte Felix, „aber heute… heute war’s nicht nur schlecht.“ Dann gingen sie schlafen. Montag, 2. Juni 2025 – Vor-Nacht Es war schon spät geworden. Die Lichter der Stadt flackerten in der beginnenden Dämmerung, als Felix gemeinsam mit den vier Spielern aus der Buchhandlung trat. In seinem Kopf kreisten noch Gedanken an das Video seines Vaters, an die enttäuschte Reaktion der Oma – aber etwas in seinem Bauch sagte ihm: Heute ist noch nicht ganz vorbei. Die Spieler hatten sich die ganze Zeit über erstaunlich ruhig verhalten. Vielleicht hatten sie gespürt, dass Felix Zeit zum Nachdenken brauchte. Doch kaum waren sie ein paar Straßen weiter Richtung Zuhause gegangen, sagte Neymar plötzlich: „Komm mal mit, wir müssen noch was holen.“ Felix runzelte die Stirn. „Was denn?“ Messi grinste geheimnisvoll. „Nur ein kleiner Umweg. Vertrau uns.“ Ohne zu fragen, bogen sie gemeinsam in eine Seitenstraße ein. Vor einem kleinen, gemütlichen Getränkemarkt blieben sie stehen. Ronaldo war inzwischen wieder von seinem Länderspieleinsatz zurück – er war erst seit dem Nachmittag wieder bei der Gruppe, und das Timing hätte nicht besser sein können. Er ging zielstrebig hinein, gefolgt von den anderen. Felix stand einen Moment davor, schüttelte dann den Kopf und ging ihnen hinterher. Drinnen füllten die vier Spieler einen kleinen Korb mit einer bunten Mischung: • Zwei Eulchen „Mainz Gefühl“, • Zwei Schöfferhofer Weizen, • Ein „Hessenbräu Landbier“, • Eine „Astra Rakete“, • Und ein „Licher Pils“. „Für dich“, sagte Ronaldo, als sie an der Kasse standen. „Damit der Abend besser endet, als er angefangen hat.“ Felix schluckte. Er hatte wirklich nicht damit gerechnet – aber genau das war es, was es so besonders machte. Mit dem Bierbeutel in der Hand gingen sie zurück in Richtung Wohnung. Niemand sprach viel. Nur das leichte Klirren der Flaschen begleitete ihren Weg. Als sie endlich durch die Tür traten, war es fast Mitternacht. Felix zog sich seine Jacke aus und stellte den Beutel ab. „Ich ess erst mal was, dann trinken wir, okay?“ „Natürlich“, sagte Suárez, „kein Bier auf leeren Magen.“ Felix machte sich in der Küche eine einfache Suppe warm. Nichts Kompliziertes – einfach Brühe mit ein paar Einlagen. Während sie langsam vor sich hin köchelte, öffnete er leise das Fenster, ließ die kühle Nachtluft hinein und atmete durch. Ein paar Minuten später saß er am Tisch, löffelte die Suppe in ruhigem Tempo und schaute dabei zu, wie die vier Spieler die Flaschen in der Küche sortierten. Messi stellte schon vier Gläser bereit – und eins für Felix. Doch keiner drängte. Als Felix den letzten Löffel gegessen hatte, stand er auf, ging zu ihnen rüber und sagte nur: „Jetzt bin ich soweit.“ Und gemeinsam setzten sie sich in der Nacht zusammen. Keine lauten Gespräche. Kein Anstoßen mit großem Tamtam. Einfach nur das stille Teilen eines Moments, der trotz aller Schatten nicht ganz verloren ging. Montag, 2. Juni 2025 – Späte Nacht

Die Uhr zeigte kurz nach 01:30 Uhr. Felix saß noch immer mit den vier Spielern im Wohnzimmer. Die Bierflaschen waren fast leer, das Licht war gedämpft. Eine ruhige Stimmung hatte sich über den Raum gelegt, während draußen die Stadt langsam in den Schlaf versank. Gerade als er sich erheben wollte, um ins Bad zu gehen, hörte er, wie sich eine Tür öffnete. Es war seine Mutter. Sie trat mit vorsichtigen Schritten ins Wohnzimmer, ihre Augen wirkten erschöpft, aber auch etwas besorgt. „Felix…“, begann sie leise, „kann ich dich kurz sprechen?“ Felix schaute die Spieler an, die alle sofort aufstanden und meinten: „Wir warten im anderen Zimmer.“ Sie verließen wortlos den Raum. Es war, als hätten sie gespürt, dass nun etwas Wichtiges kam. Seine Mutter setzte sich an den Rand des Sofas, direkt gegenüber. „Ich wollte dir nur sagen, was die Oma vorhin zu mir gesagt hat. Ich finde, du solltest es wissen… auch wenn es wehtut.“ Felix sah sie abwartend an, sein Blick vorsichtig, fast ängstlich. „Sie meinte, du wärst respektlos gewesen…“, sagte sie vorsichtig. „Weil du nicht beim ersten und zweiten Mal ans Telefon gegangen bist… und weil du ihr nicht alle Informationen über den Ausflug und die Tickets gesagt hast.“ Felix' Gesicht wurde blass. Er sah auf seine Hände hinunter, dann wieder zu seiner Mutter. „Ich... ich war doch einfach nur überfordert“, murmelte er. „Ich hab versucht, es ihr zu erklären, aber sie hat sofort aufgelegt...“ Seine Mutter nickte langsam. „Ich weiß. Und ich glaube dir. Aber ich wollte ehrlich mit dir sein. Damit du es nicht von jemand anderem erfährst.“ Sie stand auf, strich ihm kurz über die Schulter und verließ den Raum. Zurück blieb ein leiser Schmerz in Felix’ Brust. Er saß noch ein paar Minuten still da. Dann stand er auf und ging leise zu den vier Spielern, die im Gästezimmer saßen, in Decken eingewickelt. „Darf ich euch was erzählen?“, fragte er vorsichtig. Die vier nickten gleichzeitig. Felix setzte sich auf das Bett gegenüber. „Meine Oma… hat gesagt, ich wäre respektlos. Weil ich nicht gleich ans Handy gegangen bin… und weil ich ihr nicht alles gesagt hab über den Ausflug.“ Er hielt inne. Suárez fragte vorsichtig: „Wie meinst du das genau?“ Felix erklärte alles – wie er versucht hatte, sie zu erreichen, wie er in Gedanken war, wie er nicht gewusst hatte, wie er es ihr beibringen soll, dass sie mit dem Bus fahren müsste. Wie schwer ihm alles gefallen war in den letzten Tagen. Wie er überfordert war. „Und dann… sagt sie sowas“, murmelte er leise. Ronaldo legte ihm die Hand auf die Schulter. „Felix… du hast es nicht böse gemeint. Manchmal machen Menschen aus Enttäuschung verletzende Aussagen. Aber das sagt nichts über deinen Wert aus.“ Messi fügte hinzu: „Du hast Verantwortung übernommen, sogar versucht, ihr den Ausflug zu ermöglichen. Sie sieht es gerade nicht, aber das war alles andere als respektlos.“ Felix nickte langsam, mit feuchten Augen. Neymar reichte ihm wortlos eine Packung Taschentücher. Es war still. Doch in dieser Stille lag etwas Tröstendes. Verstehen. Freundschaft. Rückhalt. Felix stand auf, atmete tief durch und sagte: „Danke… dass ihr da seid.“ Dann gingen sie zusammen schlafen. Felix schlief in dieser Nacht unruhig, aber nicht mehr allein mit seinen Gedanken. Dienstag, 3. Juni 2025 – Morgen des 19. Tages Der Morgen begann ruhig. Die Sonne kroch langsam über die Dächer von Mainz, warf goldenes Licht durch die Jalousien im Zimmer des jungen Mannes. Felix wachte langsam auf,

sein Körper noch schwer von der Nacht, doch sein Kopf war klar. Ein Blick auf die Uhr zeigte 08:27 Uhr. Er atmete tief durch. Heute war wieder ein Tag, an dem er seinen Katheter wechseln musste. Routiniert, aber dennoch mit leichtem Unbehagen, setzte er sich auf die Bettkante. Neben dem Bett lag der kleine Vorratsbeutel mit den notwendigen Utensilien: ein neuer Katheter, ein steriler Beutel, die Block-Spritze, Desinfektionsmittel und Handschuhe. Alles war ordentlich in einer kleinen blauen Box verstaut – eine Art Ritual, das er sich selbst angeeignet hatte, um mit der Situation besser umgehen zu können. Er stand auf, schloss leise die Tür hinter sich und ging ins Badezimmer. Die Geräusche des Hauses waren noch gedämpft – nur aus dem Gästezimmer war leichtes Murmeln zu hören. Die vier Spieler schliefen noch oder dösten, vermutlich hatten sie den späten Filmabend länger verarbeitet. Felix stellte sich vor den Spiegel. Er schaute sich kurz in die Augen. „Du schaffst das“, sagte er leise zu sich selbst. Dann begann er mit ruhigen, geübten Handgriffen die Vorbereitung: Hände desinfizieren, Fläche säubern, Handschuhe anziehen. Der Wechsel selbst verlief reibungslos. Er hatte gelernt, wie wichtig es war, auf Sauberkeit zu achten, auf jeden kleinen Schritt. Als der neue Katheter schließlich saß, spürte er den gewohnten, aber nicht mehr unangenehmen Druck – ein Zeichen, dass er wieder korrekt verbunden war. Er befestigte den Beutel ordentlich und entsorgte alles sauber in der vorgesehenen Tüte. Nach dem Wechsel lehnte er sich kurz gegen die Wand. Ein Moment der Erleichterung – körperlich und emotional. Er wusste, dass viele Menschen sich nicht vorstellen konnten, was es bedeutete, auf diese Weise den Tag zu beginnen. Aber für ihn war es Alltag geworden. Und heute war es ihm besonders gut gelungen. Als er aus dem Bad trat, stand Neymar verschlafen im Flur. „Alles okay?“, fragte er mit noch müder Stimme. Felix nickte. „Ja. Hab gerade den Katheter gewechselt.“ Neymar legte ihm die Hand auf die Schulter. „Respekt, Bruder. Ich könnte das nicht.“ Felix lächelte. „Man wächst rein. Ist halt mein Alltag.“ Gemeinsam gingen sie in die Küche. Messi war schon wach und deckte langsam den Frühstückstisch, während Suárez im Halbschlaf nach seiner Kaffeetasse tastete. Der Duft von frischen Brötchen, die wohl die Mutter schon vorbereitet hatte, lag in der Luft. Felix spürte: Auch wenn der Morgen mit einer kleinen Herausforderung begann, hatte er ihn mit Würde gemeistert. Und das gab ihm Kraft – für diesen Tag, und alle, die noch kommen würden. Dienstag, 3. Juni 2025 – Mittag des 19. Tages Nachdem Felix am Morgen erfolgreich seinen Katheter gewechselt hatte, saß er nun mit einem Teller vor sich am Küchentisch. Es war bereits 12:18 Uhr, doch für ihn war es das Frühstück. Er hatte sich ein Brötchen mit Fleischkäse gemacht, dazu ein weiches gekochtes Ei und einen kleinen Kirschradler aus dem Kühlschrank geholt. Messi, Neymar und Suárez saßen mit ihm am Tisch und unterhielten sich leise. Es war eine angenehme Stimmung – ruhig, fast familiär. Plötzlich hörten sie, wie unten die Haustür geöffnet wurde. Felix zuckte leicht zusammen. Die Schritte auf der Treppe waren schwer und entschlossen – es war der Vater. Die vier Spieler blickten auf, merkten sofort, dass sich etwas veränderte. Die Küchentür ging auf, der Vater trat herein. Sein Blick wanderte durch den Raum. „Morgen“, sagte er in einem Ton, der beinahe freundlich klang. Er nickte Felix zu, der vorsichtig „Hallo“ antwortete. Dann drehte sich der Vater wortlos um und ging in den Flur. Felix hörte, wie sich seine Schritte plötzlich beschleunigten. Wenige Sekunden später folgte ein lauter, dumpfer Schlag.

Es war die Tür zu Felix' Zimmer. Der Vater hatte mit voller Wucht dagegenschlagen. Ein Scheppern, ein Knacken – dann war es wieder still. Felix sprang erschrocken auf, ließ sein Brötchen fallen. Die Spieler zuckten zusammen, Suárez und Neymar liefen sofort in den Flur. An der Tür zu Felix' Zimmer war jetzt ein deutliches Loch – etwa faustgroß. Splitter aus dem Pressholz lagen auf dem Boden. „Was zur Hölle...?“, flüsterte Messi. Felix stand da, starrte auf das Loch. Der Vater kam zurück, ohne ein Wort, als wäre nichts geschehen. Er verschwand ins Nebenzimmer. Kurz darauf hörten sie ein weiteres Geräusch – Schleifpapier. Er kam mit einem Stück grobem Schleifpapier wieder, kniete sich ohne ein Wort vor das Loch in der Tür und begann, das Holz am Rand abzuschleifen. Langsam, gleichmäßig, fast so, als wäre es ein alltäglicher Vorgang. Die Splitter flogen, das Holz wurde dünner. Das Loch wurde größer. Niemand traute sich etwas zu sagen. Die Mutter kam aus dem Bad, sah das Geschehen und rief erschrocken: „Was machst du da?!“ „Wenn schon ein Loch drin ist, mach ich es wenigstens sauber“, sagte der Vater ruhig, ohne aufzusehen. Felix wich zurück. Die Spieler stellten sich unauffällig zwischen ihn und den Vater. Es war nicht körperlich gefährlich – noch nicht –, aber die Stimmung war unerträglich. Nach etwa zehn Minuten stand der Vater auf, pustete den Staub weg, betrachtete seine Arbeit, als hätte er einen Tisch geschliffen. Dann ging er, als sei nichts gewesen, in sein Zimmer. Felix stand still, seine Hände zitterten leicht. Neymar legte ihm eine Hand auf den Rücken. „Komm“, sagte er leise. „Setz dich. Wir sind bei dir.“ Felix nickte. Er setzte sich zurück an den Tisch, nahm einen Schluck vom Kirschradler und versuchte, wieder zu atmen. Seine Stimme war leise, aber bestimmt: „Ich will irgendwann in einer Wohnung leben, wo niemand Löcher in meine Tür macht.“ – Keiner widersprach. Denn jeder von ihnen wusste: Das war nicht nur ein Wunsch. Es war ein Versprechen an sich selbst. Dienstag, 3. Juni 2025 – Nachmittag des 19. Tages Nach dem angespannten Vormittag hatte sich die Stimmung in der Wohnung wieder etwas beruhigt. Felix hatte mit den Spielern eine halbe Stunde lang FIFA gespielt, um sich abzulenken, doch der Anblick der beschädigten Tür ließ ihn nicht los. Die Gedanken daran, wie sein Vater ohne Vorwarnung so ausgerastet war, nagten weiter an ihm. Gegen 15:00 Uhr stand er auf und ging ins Wohnzimmer, wo sein Vater auf der Couch saß. Überraschenderweise sah dieser ihn an und sagte: „Willst du nochmal Hähnchen essen? Koreanisches?“ Felix zögerte kurz, dann nickte er. Koreanisches Hühnchen war eines seiner Lieblingsessen – würzig, süß-scharf, und vor allem knusprig. „Okay, zieh dich an. Ich fahr dich hin“, sagte der Vater ruhig, ohne aggressiven Ton. Es klang fast wie ein Friedensangebot. Felix sagte nichts weiter, ging in sein Zimmer, zog sich eine Jacke über und informierte kurz Neymar, dass er zum Essen rausfährt. Die vier Spieler wollten währenddessen in der Wohnung bleiben, sich ausruhen und später gemeinsam einkaufen. Im Auto war es still. Der Vater schaltete das Radio ein, ließ es aber so leise laufen, dass es nur ein leichtes Hintergrundrauschen war. Felix schaute aus dem Fenster, die vertrauten Straßen von Mainz zogen an ihm vorbei. „Tut mir leid wegen der Tür“, sagte der Vater plötzlich, ohne den Blick von der Straße zu nehmen. Felix antwortete nicht sofort. Dann sagte er leise: „Es ist nicht nur die Tür.“ Der Vater sagte nichts mehr. Nach knapp zehn Minuten hielten sie vor dem kleinen koreanischen Bistro in der Nähe der Uni. Felix stieg aus, der Vater wartete im Auto. Drinnen bestellte er sich eine große Portion

knuspriges Hühnchen mit süßer Chilisoße und ein kleines Topping aus Kimchi. Während er wartete, scrollte er kurz am Handy, las aber nichts richtig – seine Gedanken waren zu voll. Als das Essen fertig war, nahm er es mit, setzte sich ins Auto. Der Vater schaute ihn an. „Gut?“ „Ja. Danke.“ Sie fuhren schweigend zurück. Felix stieg vor der Wohnung aus, bedankte sich nochmal knapp und ging hoch zu den Spielern. In der Küche roch es nach Minztee. Messi bereitete gerade etwas vor. Felix setzte sich an den Tisch, öffnete die Verpackung, und der warme Duft des Hühnchens stieg ihm in die Nase. „Na, war’s okay?“, fragte Suárez. „Ja… so halb“, antwortete Felix. „Das Hähnchen ist gut. Der Rest… naja.“ Er biss in das erste Stück. Die knusprige Kruste knackte, die Würze war genau richtig. Für einen Moment schloss er die Augen – nicht wegen des Geschmacks, sondern weil es ihm half, das Chaos von heute auszublenden. „Weißt du, manchmal kann gutes Essen nicht alles lösen“, sagte Neymar ruhig. „Aber es kann dich daran erinnern, dass es schöne Momente gibt.“ Felix nickte. Ja. Zumindest für diesen Moment war es genau das. Ein kleiner Moment der Ruhe – zwischen all dem Lärm. Dienstag, 3. Juni 2025 – Abend des 19. Tages Am Abend beschlossen Felix, seine Mutter, der Vater und die vier Fußballspieler – Messi, Neymar, Suárez und der neue Ersatz für Ronaldo – gemeinsam essen zu gehen. Die Mutter hatte ein kleines, aber gemütliches Restaurant in der Innenstadt vorgeschlagen, das eine Mischung aus mediterraner und deutscher Küche anbot. Alle stimmten zu, auch wenn Felix innerlich etwas nervös war – wegen der angespannten Situation mit dem Vater. Sie kamen gegen 18:30 Uhr an. Das Restaurant war gut besucht, die Stimmung freundlich, und ein Kellner führte die Gruppe zu einem großen runden Tisch in der Ecke. Der Tisch bot genug Platz für alle. Felix saß zwischen Neymar und seiner Mutter, der Vater saß etwas abseits, neben Messi. Die Getränke wurden serviert, das Essen bestellt – Felix nahm einen Flammkuchen mit Pilzen und Käse, der Vater ein Rindersteak, die Mutter einen Salat mit Fisch, die Spieler wählten bunt durcheinander. Das Gespräch lief ruhig. Suárez erzählte gerade eine Anekdote von einem Spiel in Südamerika, als ein junger, übermotivierter Kellner – offenbar neu im Team – an den Tisch kam. Er grinste breit, sah den Vater und sagte gut gelaunt: „Na, wer bin ich?“ – und legte ihm die Hände spielerisch über die Augen. Ein leiser Knall ertönte. Der Kellner hatte nicht bemerkt, dass der Vater eine Brille trug. Die Bügel der Brille waren durch das grobe Zudrücken leicht verbogen worden. Der Vater zuckte zusammen, schob die Hände weg. „Meine Brille!“, knurrte er, setzte sie ab und betrachtete sie. Eine Seite war schief, das Glas leicht verrutscht. Er holte ein Tuch heraus und versuchte, sie zu reinigen, aber dabei drückte er sie noch weiter in die falsche Richtung. Felix sah die Anspannung sofort. Der Vater wurde rot im Gesicht, stand langsam auf, schaute die Brille an – und dann geschah es: Mit voller Wucht warf er die Brille auf den Boden. Ein scharfes Krachen erfüllte das Restaurant. Alle Gespräche verstummten. Dann trat er wie in Rage immer wieder auf sie ein – mit dem Absatz seines Schuhs. Fünf Mal. Zehn Mal. Zwanzig Mal. „Jetzt kann ich nichts sehen. Pech!“, schrie er plötzlich laut durch den Raum. Dann drehte er sich um, knallte seine Serviette auf den Tisch, schnappte seine Jacke und verließ wortlos das Lokal. Die Tür fiel heftig ins Schloss hinter ihm.

Ein unangenehmes Schweigen hing für einige Sekunden in der Luft. Einige Gäste starrten zu ihnen hinüber. Felix schluckte. Seine Mutter senkte den Kopf, sagte aber nichts. Der Kellner war bleich geworden. „Es tut mir so leid... ich wollte nur... ich wusste nicht...“, stammelte er. „Schon gut“, sagte Messi ruhig. „War eine unglückliche Aktion.“ Neymar legte Felix eine Hand auf die Schulter. „Alles okay?“ Felix nickte nur. Er konnte nicht reden – zu sehr schämte er sich, zu sehr fühlte er sich verletzt, obwohl es nicht seine Schuld war. Das Essen wurde kurz darauf serviert, aber die Stimmung war nicht mehr dieselbe. Felix starrte auf seinen Teller. Der Flammkuchen schmeckte nach nichts. Dienstag, 3. Juni 2025 – Später Abend Nach dem chaotischen Abendessen verließ die Familie das Restaurant – ohne den Vater, der zuvor wutentbrannt verschwunden war. Die Stimmung war angespannt. Felix lief langsam neben seiner Mutter, während die vier Spieler hinter ihnen gingen. Niemand sprach ein Wort. Die Mutter wirkte müde und nachdenklich, Felix hatte einen Kloß im Hals. Als sie um kurz nach 22 Uhr beim Parkplatz ankamen, stand der Vater bereits am Auto. Er hatte seine Hände in den Taschen und starrte mit leerem Blick auf die Windschutzscheibe. Die Familie hielt einige Meter entfernt an. Felix spürte, wie sich sein Magen verkrampfte. Neymar trat einen Schritt nach vorne, wollte etwas sagen, doch Felix hielt ihn mit einer leichten Handbewegung zurück. Plötzlich, ohne Vorwarnung, holte der Vater einen metallischen Gegenstand – es war ein Radkreuz aus dem Kofferraum – und schlug mit voller Wucht auf die Windschutzscheibe. Ein durchdringender Knall zerschnitt die Stille, gefolgt vom Splittern des Glases. Dann schlug er erneut – auf die Beifahrerscheibe. Und wieder. In wenigen Sekunden waren alle Front- und Seitenscheiben des Familienwagens zerstört. Felix stand starr vor Schreck. Die Mutter schnappte nach Luft. „Was… was machst du da?!“, rief sie entsetzt. Der Vater drehte sich langsam um, das Radkreuz noch in der Hand. Er sah die Mutter direkt an, sein Blick kalt und provokant. „Mal sehen, wie du jetzt zur Arbeit kommst“, sagte er mit eiskalter Stimme. Dann warf er das Werkzeug auf den Boden, drehte sich um und ging davon, als wäre nichts geschehen. Felix konnte kaum atmen. Die Mutter lehnte sich an das demolierte Auto und schloss für einen Moment die Augen. Einer der Spieler, Suárez, ging vorsichtig auf sie zu und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Ich... ich ruf morgen bei der Arbeit an“, murmelte sie fassungslos. „Ich kann so nicht fahren...“ „Wir bringen dich zur Arbeit, wenn du willst“, sagte Messi ruhig. „Du bist nicht allein.“ Felix war wie betäubt. In ihm brodelten Wut, Angst, Enttäuschung und Hilflosigkeit. Ohne etwas zu sagen, wandte er sich ab und ging langsam Richtung Wohnung. Die anderen folgten ihm. Es war ein schwerer Gang – wortlos, beschwert durch das Geräusch von Scherben unter ihren Füßen und das ungesagte Gewicht eines zerbrochenen Abends. Dienstag, 3. Juni 2025 – Tiefe Nacht Die Nacht war hereingebrochen über Mainz. Es war still geworden in der Wohnung – jedenfalls für den Moment. Felix lag in seinem Bett, wach. Die Ereignisse des Abends hallten in seinem Kopf wider. Die zerstörten Autoscheiben, der kalte Blick seines Vaters, der Satz: „Mal sehen, wie du jetzt zur Arbeit kommst.“ Er konnte nicht schlafen. Im Wohnzimmer lagen die vier Spieler noch wach auf Matratzen und Kissen verteilt. Auch sie waren still – zu still für ihre Verhältnisse. Suárez hatte sich mit dem Rücken zur Tür gelegt, Neymar spielte nervös an einem Reißverschluss seiner Jacke herum, Messi starrte an die Decke, und Sancho – der kurzfristige Ersatz für Ronaldo – flüsterte leise: „Ich glaub, er kommt zurück.“

Und er kam. Gegen 1:45 Uhr fiel leise die Tür ins Schloss. Keine Schritte. Kein Wort. Nur das leise Knarren der Dielen. Felix hielt den Atem an. Die vier Spieler horchten auf. Minutenlang geschah nichts – dann hörte man aus der Küche das erste Klirren. Es war ein zartes Geräusch, fast zaghaft: ein Löffel, der zu Boden fiel. Dann ein zweiter. Dann das nächste – klirr, ein Glas zersprang. Dann ein weiteres. Und ein weiteres. Felix saß jetzt aufrecht im Bett. Seine Zimmertür war nur angelehnt – durch den Spalt drang ein dumpfes, rhythmisches Zerschmettern. Der Vater war dabei, Stück für Stück das gesamte Besteck aus den Schubladen zu holen und es entweder auf den Boden zu werfen oder mit einem Hammer zu zerstören, den er aus dem Werkzeugkasten geholt hatte. Gabeln, Löffel, Messer – alles flugweise auf die Fliesen geschleudert. Dann folgten die Gläser – jedes einzelne. Die Mutter hatte sie fein säuberlich gestapelt. Weingläser, Schnapsgläser, große Biergläser – alles flog in hohem Bogen auf den Boden, zerplatzte mit hässlichen Geräuschen in tausend Splitter. Dann warf er mit aller Kraft die Flaschen aus dem Kühlschrank – Schnaps, Bier, ein altes Weinfläschchen. Der Boden war mittlerweile eine klebrige, scharfkantige Katastrophe. Der Geruch von Alkohol breitete sich aus. Das ganze Haus roch wie eine Kneipe nach einer Schlägerei. Felix hörte dann, wie der Vater leise flüsterte, fast zu sich selbst: „Jetzt habt ihr nichts mehr. Jetzt könnt ihr sehen, wie ihr klarkommt... Ohne mich…“ Dann – wieder Stille. Schritte. Die Haustür öffnete sich langsam – klack – und fiel leise ins Schloss. Er war wieder gegangen. Felix saß noch immer auf seinem Bett. Tränen liefen ihm über die Wangen, ohne dass er es bemerkte. Messi klopfte leise an seine Tür. „Alles okay?“ fragte er vorsichtig. Felix schüttelte den Kopf. „Gar nichts ist okay.“ Die Mutter kam kurze Zeit später auch aus dem Schlafzimmer, barfuß, im Nachthemd. Als sie in die Küche trat, riss sie die Hände vors Gesicht. Ihre Stimme war gebrochen. „Was hat er getan...“ Keiner sprach. Man wusste nicht, wo man anfangen sollte mit dem Aufräumen. Oder mit der Trauer. Oder mit der Wut. Und so saßen sie noch lange beisammen – inmitten der Scherben – schweigend, hilflos, aber auch irgendwie nicht ganz allein. Mittwoch, 4. Juni 2025 – Morgen des 20. Tages Ein warmer Lichtstreif kroch über Felix’ Bettdecke, als der Wecker summte: 09:00 Uhr – seine feste Zeit für die Epilepsiemedikation. Noch bevor er die Augen ganz öffnen konnte, roch er es: süßlich-schalen Alkohol, Staub, kaltes Fett. Erst der Gestank, dann der Erinnerungsschock – Splitter, Besteck, Scherben. Die Nacht war kein Traum gewesen. Er setzte sich auf, griff automatisch nach dem Tablettenblister auf dem Nachttisch, nahm seine Medikamente mit wenigen Schlucken Wasser. Erst dann hob er ganz den Blick. Die Tür stand offen; im Flur lagen noch Silberbesteck-Zacken und Schimmer von Glas. Langsam tappte er hinaus. Der Boden knirschte unter provisorisch ausgebreiteten Handtüchern – damit niemand barfuß in Scherben trat. In der Küche bot sich ein Bild wie nach einem Sturm. Zerbrochene Gläser in Eimern, verbogene Messer in einer Schüssel, der Boden klebrig vom verschütteten Schnaps. Doch dazwischen bewegten sich vier vertraute Gestalten: • Messi fegte Splitter mit behutsamen, ruhigen Bewegungen in eine Blechschaufel. • Neymar kniete mit Gummihandschuhen am offenen Kühlschrank und räumte kaputte Flaschenreste in eine blaue Kiste.

Luis Suárez sortierte das zerstörte Besteck – prüfte, was noch zu retten war, warf Verdrehtes in einen Metalleimer. • Gareth Bale, der walisische Ersatz für Ronaldo, telefonierte leise am Fenster: „…ja, ein mobiler Glaser für Innentüren, und vielleicht ein Service für Entsorgung von Glas… Danke.“ Als Felix im Türrahmen auftauchte, hob Messi den Kopf. „Morgen. Medikamente genommen?“ Felix nickte stumm. Seine Mutter saß am Tisch, ein tiefer Schnitt im Morgenmantel, die Augen gerötet – aber sie hielt einen Notizblock. Versicherung, Schlossdienst, neue Brille: eine Liste gegen das Chaos. Felix’ Kehle war trocken. „Ihr hättet nicht … ihr müsst das nicht für uns machen.“ Neymar stand auf, legte ihm eine behandschuhte Hand auf die Schulter. „Doch. Heute schon.“ Bale beendete das Telefonat. „In einer Stunde kommt jemand, der das gröbste Glas mitnimmt. Und ein Glaser misst gleich eure kaputte Zimmertür.“ Felix’ Mutter sah zu ihrem Sohn, schob ihm behutsam eine Tasse Tee hin. „Trink erst mal. Wir schaffen das.“ Er nahm die Tasse. Seine Hände zitterten – doch nicht mehr vor Angst, sondern vor Erleichterung, weil er nicht allein zwischen den Scherben stand. Im Radio in der Ecke lief leise ein Nachrichtensprecher. Draußen hörte man die ersten Müllwagen. Drinnen begann eine stille, systematische Aufräumarbeit – Besenstrich für Besenstrich, Atemzug für Atemzug. Felix spürte etwas Neues zwischen dem Schmerz: einen dünnen Faden Zuversicht. Manchmal, dachte er, ist das Wichtigste am Morgen nur, pünktlich die Medizin zu nehmen – und Menschen zu haben, die bleiben, wenn alles andere in Scherben liegt. Mittwoch, 4. Juni 2025 – Später Morgen des 20. Tages Felix stand noch immer mit der warmen Tasse Tee in der Hand da, als der Spieler – Messi – ihn sanft am Arm berührte. Seine Stimme war leise, ruhig und väterlich: „Felix... du brauchst Ruhe. Du hast deine Medikamente genommen, das ist gut. Aber du musst dich jetzt hinlegen. Schlaf ein bisschen. Wir machen das hier.“ Felix wollte widersprechen – sagen, dass er helfen könne, dass es doch sein Zuhause war, sein kaputtes Zimmer, seine Familie, seine Verantwortung. Doch Messi schüttelte nur sanft den Kopf. „Glaub mir, dein Körper braucht jetzt Erholung. Und du kannst uns vertrauen.“ Felix nickte schließlich langsam, trank den letzten Schluck aus seiner Tasse, stellte sie zögernd auf die Arbeitsplatte und drehte sich um. Als er an Suárez vorbeiging, der gerade die letzte Schublade mit intaktem Besteck füllte, legte dieser ihm eine beruhigende Hand auf die Schulter. „Wir haben das schon öfter gemacht. Schlaf. Wir halten die Stellung.“ Felix ging zurück in sein Zimmer. Er legte sich nicht einmal umständlich ins Bett – er ließ sich einfach auf die Matratze sinken, zog sich die Decke über die Schulter und starrte einen Moment an die Decke. Er hörte im Hintergrund gedämpfte Stimmen: seine Mutter, die sich mit Bale über das Schloss unterhielt. Neymar, der leise den Scherbenstaubsauger in Gang brachte. Messi, der mit ruhigem Ton Anweisungen gab. Alles war in Bewegung – aber geordnet, strukturiert, sicher. Als Felix die Augen schloss, hörte er, wie jemand seine Zimmertür anlehnte. Kein Knall. Kein Chaos. Nur ein beruhigendes, sanftes Klack. Dann war alles still. Nicht unheimlich still – sondern wohltuend, wie eine Decke aus sanfter Fürsorge. •

In der Küche werkelten Mutter und Spieler ruhig weiter. Die zerbrochenen Schnapsgläser waren bereits sortiert und verpackt. Das letzte kaputte Weinglas wanderte gerade in einen gelben Eimer. „Er hat sich hingelegt?“ fragte die Mutter flüsternd. Messi nickte. „Ja. Er ist vollkommen erschöpft. Heute zählt nur eines: dass er sich sicher fühlt.“ Die Mutter atmete tief durch. „Ich danke euch… wirklich. Ich weiß nicht, wie lange ich das ohne eure Hilfe noch durchgehalten hätte.“ Neymar stellte derweil einen Korb mit frischen Handtüchern auf den Tisch und fragte: „Womit machen wir weiter? Keller oder Badezimmer?“ Messi sah auf die Uhr. „Wir teilen uns auf. Bis er wach wird, soll alles wieder bewohnbar sein.“ Während draußen ein Auto vorbeifuhr und irgendwo ein Hund bellte, arbeitete sich drinnen eine stille kleine Gemeinschaft durch das Chaos – Hand in Hand. Und der junge Mann, der drüben in seinem Zimmer schlief, wurde für einen Moment endlich davon verschont. Mittwoch, 4. Juni 2025 – Vormittag des 20. Tages Etwa eine Stunde war vergangen, seit Felix sich völlig erschöpft in sein Bett hatte fallen lassen. Der Schlaf hatte ihn schnell eingeholt – ein tiefer, traumloser Zustand, in dem sein Körper sich ein Stück weit vom seelischen Druck der letzten Tage befreien konnte. Gegen 10 Uhr bewegte er sich unter der Decke, blinzelte leicht und öffnete langsam die Augen. Zuerst dachte er, er hätte länger geschlafen – doch als er auf die Uhr auf seinem Nachttisch sah, merkte er: gerade mal eine Stunde war vergangen. Er setzte sich vorsichtig auf. Sein Körper fühlte sich schwer an, die Glieder müde, der Kopf ein wenig dumpf. Doch im Gegensatz zum Morgen war da kein Druck, kein aufgewühltes Chaos mehr. Es war… ruhig. Er lauschte. Keine zerberstenden Geräusche, keine aggressiven Stimmen. Nur ein gedämpftes, rhythmisches Wischen, ab und zu ein Schrank, der leise zugezogen wurde, und die fast schon therapeutische Stimme von Neymar, der in der Küche irgendetwas erzählte – offenbar einen Witz, denn im nächsten Moment hörte Felix leises Lachen. Langsam stand er auf, streckte sich und schob die Zimmertür ein Stück auf. Der Flur roch nach frischer Luft – offenbar hatten sie gelüftet. Auch ein Hauch von Reinigungsmittel lag in der Luft. Sein Blick wanderte Richtung Wohnzimmer: Dort war seine Mutter, die gerade gemeinsam mit Suárez einen Stapel saubere Handtücher in einen Schrank legte. Bale fegte die letzten Scherben von der Garderobe auf. Und Messi… Messi stand in der Küche, kochte einen frischen Tee. Messi drehte sich genau in dem Moment um, als Felix in der Tür stand. Er lächelte. „Na, ausgeschlafen?“ Felix nickte langsam. Er wollte etwas sagen, aber stattdessen kamen nur zwei leise Worte über seine Lippen: „Danke euch.“ Messi stellte die Tasse auf ein Tablett. „Komm, setz dich. Du brauchst Flüssigkeit.“ Felix trat leise in den Raum. Während er sich an den Küchentisch setzte, bemerkte er etwas, das ihn innerlich berührte: Die Stelle auf dem Boden, an der am Vortag noch ein halber Kasten Schnaps zerschellt war, glänzte jetzt sauber. Das Regal, das so schief stand, war wieder befestigt. Und das Besteck – das gestern zertrümmert wurde – war durch ein einfaches, aber vollständiges neues Set ersetzt worden.

„Wo habt ihr…?“ fragte Felix leise. „Einfach nur ein Notfall-Set aus dem Keller geholt“, sagte Neymar mit einem kleinen Augenzwinkern. „Wir haben ein paar Tricks.“ Seine Mutter trat zu ihm, legte ihm sanft die Hand auf die Schulter. „Ich bin stolz auf dich, Felix. Du bist ruhig geblieben. Du hast Hilfe angenommen. Und das Wichtigste: Du hast dich nicht verloren.“ Felix schluckte. Für einen Moment wurde seine Sicht feucht. Dann trank er vorsichtig einen Schluck Tee – und schmeckte zum ersten Mal seit Tagen wieder Wärme, die nicht nur vom Getränk kam. Messi stellte sich hinter ihn. „Wir haben dich nicht vergessen. Und wir sind noch da.“ Felix nickte, nahm einen weiteren Schluck – und atmete tief durch. Der Vormittag war noch jung. Und vielleicht – ganz vielleicht – konnte dieser Tag etwas Gutes bringen. Mittwoch, 4. Juni 2025 – Mittag des 20. Tages Nach dem Tee und ein wenig ruhigem Durchatmen im Kreis seiner Mutter und der vier Fußballer war Felix klar: Er brauchte jetzt etwas Leichtes. Etwas, das ihm ein Stück Normalität zurückgab. Etwas, bei dem er abschalten konnte – und sich trotzdem lebendig fühlte. Er blickte zu Neymar, der gerade auf seinem Handy eine neue FIFA-Aufstellung durchging. „Wollen wir eine Runde spielen?“ fragte Felix zögerlich. Der Brasilianer grinste sofort. „Ich dachte, du fragst nie!“ Messi, Bale und Suárez hörten auf, das letzte Regal zu sortieren, und kamen ebenfalls rüber ins Wohnzimmer. Inzwischen war das Sofa wieder frei und ordentlich aufgestellt, der Fernseher abgestaubt und die PS5 bereit. Felix setzte sich auf seinen gewohnten Platz auf der linken Seite des Sofas, reichte Neymar einen Controller, während Suárez und Messi sich die anderen schnappen. Gareth Bale blieb diesmal der Zuschauer und baute sich hinter dem Sofa auf, mit einer Packung Chips in der Hand. „Wer spielt mit wem?“ fragte Suárez. „Ich will mit Felix“, sagte Neymar sofort. „Ich hab das Gefühl, er ist heute in Topform.“ „Na dann, Felix und Neymar gegen Messi und Suárez“, bestimmte Bale mit einem Lächeln. Das Spiel startete. Felix hatte sich für Mainz 05 entschieden – wie fast immer. Neymar bestand darauf, die Aufstellung leicht zu verändern und Burkardt in die Spitze zu setzen. Messi und Suárez spielten mit dem FC Barcelona. „Ein bisschen Nostalgie“, murmelte Messi und sah mit einem leichten Schmunzeln auf das digitale Spielfeld, auf dem er selbst als Spieler auftauchte. Die erste Halbzeit war chaotisch, aber lustig. Felix lachte zum ersten Mal seit Tagen herzhaft, als Neymar versehentlich ein Eigentor verursachte und theatralisch auf den Boden fiel: „Ich wollte zurückpassen, nicht reinschießen!“ Messi hob spöttisch eine Augenbraue. „Sag das mal deiner Karriere.“ Suárez ergänzte grinsend: „Immerhin besser als meine letzte rote Karte.“ Felix freute sich, dass alle so locker miteinander umgingen. Für einen Moment war die Welt draußen vergessen – kein Vater, kein Chaos, kein Druck. Nur das Spiel. Und Freundschaft. Die zweite Halbzeit lief besser. Felix legte sich richtig ins Zeug, verteilte Pässe, sprintete über das Feld – zumindest virtuell – und schoss in der 87. Minute den Ausgleichstreffer zum 3:3. Das Wohnzimmer explodierte vor Freude. Neymar sprang auf und schlug Felix ab. „Das war Weltklasse!“ Suárez warf ein Sofakissen. „Glück gehabt!“ rief er. Gareth Bale lachte aus dem Hintergrund: „Ihr seid schlimmer als auf dem Platz.“ Nach dem Spiel blieben sie noch kurz sitzen. Messi reichte jedem ein Glas Wasser, und sie lehnten sich zurück.
„Du warst heute richtig gut drauf“, meinte Neymar zu Felix. „Und das meine ich nicht nur wegen FIFA.“ Felix lächelte verlegen, aber stolz. „Danke… ich glaub, ich hab das einfach gebraucht.“ Der Mittag verging in Leichtigkeit, wie ein Sonnenstrahl nach dunklem Regen. Es war nicht perfekt. Aber es war ehrlich. Und das reichte für heute. Mittwoch, 4. Juni 2025 – Nachmittag des 20. Tages Die Sonne stand mittlerweile hoch über Mainz, die Straßen waren belebt, und der Sommer kündigte sich mit angenehm warmer Luft und blauem Himmel an. Felix hatte gerade mit Neymar, Messi, Suárez und Gareth Bale FIFA gespielt und fühlte sich gelöst – für einen Moment war die Welt in Ordnung gewesen. Gegen halb drei hörte man, wie unten im Treppenhaus eine Tür ins Schloss fiel. Kurz darauf kam der Vater nach Hause. Er wirkte müde, aber ausnahmsweise nicht wütend oder aufbrausend. Als er Felix und den Spieler – heute war es Suárez, der neben ihm auf dem Sofa saß – im Wohnzimmer sah, sagte er nur knapp: „Kommt, ihr zwei. Gehen wir ein Bier trinken.“ Felix war erst verdutzt. Dann blickte er Suárez an, der leicht mit den Schultern zuckte und aufstand. „Warum nicht? Vielleicht tut’s gut“, flüsterte er Felix zu. Sie verließen gemeinsam die Wohnung und gingen zur nahegelegenen Kneipe in der Altstadt. Es war nicht viel los – ein paar ältere Herren spielten Karten in der Ecke, leise Musik dudelte aus den Boxen. Der Vater bestellte sich ein Hop House 13, ein frisches, mildes Lager mit irischen Wurzeln, und auch Felix entschied sich für dasselbe. Suárez, neugierig wie immer, nahm ebenfalls eines. „Hoffentlich schmeckt es besser als es klingt“, sagte er lachend und prostete Felix zu. Für einen Moment war alles ruhig. Der Vater sprach nicht viel, aber er sah Felix gelegentlich an – nicht feindselig, sondern eher gedankenverloren. Er schien mit sich selbst zu ringen. Nach dem zweiten Schluck stand er plötzlich auf. „Ich muss zum Arzt. Bleibt ihr hier.“ Ohne weitere Erklärung verließ er die Kneipe. Felix war verwirrt. „Hat er gesagt, warum?“ „Nein“, meinte Suárez. „Aber vielleicht ist es besser so. Vielleicht versucht er, etwas zu ändern – auch wenn’s nur langsam geht.“ Die beiden blieben noch etwas sitzen. Felix roch das leichte Malzaroma seines Biers und nahm einen weiteren Schluck. „Das ist eigentlich ganz okay“, meinte er, mehr zu sich selbst als zu Suárez. Der Spieler nickte. „Weißt du, manchmal passiert Veränderung nicht auf einmal. Sondern in kleinen, leisen Momenten – wie diesem.“ Draußen zogen langsam die ersten Wolken auf. Doch im Inneren der Kneipe war es ruhig, sicher, fast friedlich. Felix spürte, dass dieser Moment wichtig war – auch wenn er ihn noch nicht ganz verstand. Mittwoch, 4. Juni 2025 – Später Nachmittag Felix und Suárez saßen noch immer in der kleinen Altstadtkneipe. Das Hop House 13 war mittlerweile zur Hälfte geleert, und Felix spürte ein angenehmes Kribbeln – nicht von der Wirkung des Biers, sondern von dieser seltsamen Ruhe, die sich zwischen ihm und dem Spieler aufgebaut hatte. Eine kurze Pause vom ewigen Chaos. Plötzlich öffnete sich die Tür. Der Vater kam zurück. Schweiß glänzte auf seiner Stirn, seine Hände zitterten leicht, aber seine Augen waren nicht zornig. Eher… müde. Er setzte sich wieder an den Tisch und hob wortlos die Hand. „Drei Getränke, noch mal das gleiche“, sagte er zur Kellnerin. Sie nickte und verschwand. Dann sah er Felix lange an. „Ich… ich wollte nie jemanden verletzen“, flüsterte er. Seine Stimme war brüchig. „Egal wie ich rede, was ich tue – ich merk, dass ich’s trotzdem immer wieder tue.“

Er griff nach dem Bierglas, hielt es fest – aber trank nicht. Stattdessen zitterten seine Lippen, und dann geschah etwas, das Felix nie erwartet hätte: Der Vater fing an zu weinen. Keine Wut. Kein Schimpfen. Nur Tränen. „Ich hab Angst vor mir selbst“, sagte er leise. „Ich weiß nicht, wie ich rauskomm aus dem… aus dem, was ich bin.“ Felix war überfordert. Auch Suárez sagte nichts. Es war, als hätte die ganze Kneipe für einen Moment den Atem angehalten. Dann stand der Vater plötzlich auf. „Ich muss frische Luft.“ Er ging hinaus – diesmal ohne Türknallen. Felix und Suárez blieben sitzen. Fassungslos. Doch keine fünf Minuten später hörten sie von draußen ein klirrendes Geräusch. Felix und der Spieler rannten zur Tür. Draußen war es inzwischen windig geworden, das Licht der Sonne begann sich golden zu färben. Auf dem Platz vor der Kneipe stand der Vater – und rammte gerade mit bloßer Faust gegen eine Laterne. Glas splitterte, der Metallkörper vibrierte und bog sich leicht. „Ich will nicht so sein!“ schrie er. „Ich will doch einfach nur… normal sein!“ Dann griff er an das Gehäuse der Stromversorgung – ein kleiner Verteilerkasten an der Laterne – und riss wild daran. Funken stoben, es knackte laut, und dann fiel der Strom in der gesamten Straße aus. Werbeschilder flackerten, gingen aus. Ein leuchtendes Restaurantzeichen zerbarst mit lautem Knall. Ein Verkehrsschild knickte um, als er es wütend trat. „Scheiße, das ist gefährlich!“ rief Suárez entsetzt und zog Felix etwas zurück. Einige Passanten waren bereits auf Abstand gegangen, einige hatten ihre Handys gezückt. Doch niemand wagte sich näher. Der Vater stand keuchend inmitten der Verwüstung, die Faust blutig, der Blick leer. Er sah Felix an – keine Wut mehr, nur Leere. Dann ging er langsam davon, ohne ein Wort zu sagen, im Schatten der kaputten Laterne verschwindend. Felix stand da. Reglos. Suárez legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Das war kein Zorn mehr. Das war ein Mann, der in sich selbst zerbricht.“ Felix schluckte schwer. „Aber ich bin sein Sohn“, flüsterte er. „Und ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalten kann.“ Sie gingen schweigend zurück in die Kneipe. Das Licht war noch aus, die Kellnerin wirkte verstört. Felix setzte sich langsam wieder hin, griff zum Glas – aber trank nicht. Er wusste: Der Tag war noch nicht vorbei. Doch ein Teil von ihm war in diesem Moment tiefer verletzt worden als je zuvor. Mittwoch, 4. Juni 2025 – Später Abend des 20. Tages Der Heimweg war wortlos. Straßenlaternen flackerten wegen der beschädigten Leitung, und jede zweite Gasse lag im Halbdunkel. Felix lief dicht bei seiner Mutter; die vier Spieler bildeten einen schützenden Halbkreis um die beiden. Als sie das Gartentor erreichten, war das Haus selbst still – unheilvoll still. Im nächsten Augenblick trat der Vater aus der Schattenzone hinter der Garage, den Blick hart auf Felix’ Mutter gerichtet. „Noch immer traurig, weil ich deinem Sohn nicht gratuliert habe?“, höhnte er. Während niemand reagieren konnte, packte er plötzlich den zusammengefalteten RehaRollstuhl, den die Spieler am Mittag neben die Treppe gestellt hatten. Mit roher Kraft schleuderte er ihn auf den Rasen. Metall krachte aufs Pflaster. Ein Rad sprang ab. Felix wollte hinlaufen, doch Messi und Bale hielten ihn reflexartig zurück, während Neymar und Suárez sich schützend vor die Mutter stellten.

„Lass mich los!“, rief Felix unter Tränen, doch die Spieler hielten ihn fest: „Bleib zurück – er ist gefährlich!“ Der Vater schlurfte zur Gartenhütte, nahm einen kleinen Kanister. Der strenge Geruch von Benzin breitete sich sofort aus. „Siehst du, was passiert, wenn du mich angreifen willst?“ knurrte er Richtung Felix. Die Flamme seines Feuerzeugs zuckte. Benzin schoss über die Chromteile, tropfte auf den Rasen. „Nein! Bitte nicht!“ flehte Felix. Doch der Vater ließ die Flamme fallen. Ein Zischen, ein grellorangener Schein – der Rollstuhl stand in Flammen. Hitze flirrte in der Luft. Dann packte der Vater Felix’ Kinn, zwang seinen Kopf nach vorn. „Schau genau hin! Das hast du jetzt davon.“ Neymar reagierte zuerst: Er riss Felix aus dem Griff und schob ihn zurück. Messi drängte sich dazwischen, während Suárez den Kanister wegtrat und Bale die Mutter nach hinten führte. Felix stolperte, wandte sich ab – doch er hörte das Knacken des erhitzten Metalls, roch das verbrannte Kunststoffpolster. Die Flammen warfen lange Schatten. Im flackernden Licht wirkte das Gesicht des Vaters leer – kein Triumph, kein Bedauern, nur Kälte. „Das hast du davon“, wiederholte er leise, ehe er langsam in die Dunkelheit der Rückgasse verschwand. Die Spieler ließen Felix erst los, als das Geräusch seiner Schritte verklang. Neymar zog ihn an sich, Messi griff zum Gartenschlauch, Suárez stampfte die letzten Funken aus, Bale wählte schon den Notruf. Felix konnte kaum atmen; Tränen liefen, doch er wandte den Blick ab, als das Gestell krachend in sich zusammensackte. Seine Mutter kniete neben ihm, hielt seine Hand fester als je zuvor. „Das war dein Rollstuhl…“ flüsterte sie, rang nach Worten. Felix schluckte hart. Zwischen Schluchzern kam nur ein Satz: „Er darf mich nicht mehr zerbrechen. Nicht mich auch noch.“ Und während in der Ferne Sirenen näherkamen, standen Freunde und Familie im Schein verkohlten Metalls – getroffen, aber gemeinsam. Mittwoch / Donnerstag, 4.–5. Juni 2025 – Tiefe Nacht Blaulicht spiegelte sich noch im regennassen Pflaster, als Feuerwehr und Polizei den brennenden Rollstuhl gelöscht hatten. Die Flammen waren erstickt, der Vater verschwunden. Felix, seine Mutter und die vier Spieler gaben erschöpft ihre Aussagen zu Protokoll. Gegen 02:30 Uhr legte sich eine unheimliche Ruhe über das Haus. Die Einsatzkräfte fuhren ab, Nachbarn schlossen ihre Fenster, und irgendwo bellte nur noch ein Hund. Messi kontrollierte, dass alle Türen verriegelt waren. Neymar stellte eine Matratze im Wohnzimmer für Felix bereit, damit er nahe bei den Spielern schlafen konnte. Die Mutter legte nasse Handtücher vor die zerstörte Gartentür, damit kein Ruß mehr hereinkam. Bale und Suárez kochten leisen Tee; keiner sprach vom Vater, aber jeder spürte ihn in der Stille. 03:10 Uhr Ein metallisches Klacken an der Haustür. Dann Stille. Messi, der noch wach auf dem Sofa saß, erstarrte. Leises Tapsen auf den Fliesen – der Vater war tatsächlich zurückgekehrt. Diesmal flitzte er nicht herum; seine Schritte klangen zielstrebig. Noch bevor Messi reagieren konnte, hörte er das erste Krachen in der Küche: Schranktüren, die aufgerissen wurden, Gläser klirrten, Konservendosen donnern auf den Boden. „Neymar, wach!“ flüsterte Messi. Die Spieler sprangen auf; Felix’ Mutter kam aus dem Flur, erschrocken. Doch sie zögerten: Jede Konfrontation hatte die Lage nur eskaliert – und die Polizei war erst vor einer Stunde fort. 03:15 Uhr – Küche

Der Vater riss Packungen Mehl, Zucker und Nudeln auf, schleuderte Milchkartons gegen die Wände. Er zerschnitt das noch vorhandene Gemüse mit einem Ausbeinmesser, roch an der verschütteten Sojasauce, lachte heiser und ließ sie laufen. Tiefkühlware warf er in die Spüle; die Plastiktüten barsten, Fleischstücke platschten auf die Fliesen. Neymar wollte eingreifen, doch Messi hielt ihn zurück. „Wir holen Hilfe, nicht noch mehr Gewalt.“ 03:20 Uhr – Wasser marsch Der Vater drehte den Hahn am Küchenspülbecken bis zum Anschlag auf. Dann ging er Zimmer für Zimmer: Badezimmer, Gäste-WC, Hauswirtschaftsraum. Jeder Wasserhahn, jede Dusche, sogar die Badewanne wurde voll aufgedreht. Die Abflüsse stopfte er hastig mit Lappen und alten Socken aus dem Wäschekorb. Das Wasser staute sich, schwappte über. Felix, versteckt hinter dem Wohnzimmerdurchgang, hörte das Rauschen anschwellen – ein dröhnender Wasserfall, der sich über die Fliesen ergoss. Panik flackerte in seinen Augen; Bale legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. Suárez eilte zum Sicherungskasten, zog dort die Hauptsicherung, um Kurzschlüsse zu vermeiden. Das Licht erlosch – nur Notlichter vom Treppenhaus drangen durch die Spalten. 03:30 Uhr – Die Flut Wasser floss nun aus der Küche in den Flur, erreichte das Wohnzimmer, sog sich in Teppiche. Felix hörte die ersten Tropfen durch die Decke zum darunterliegenden Stockwerk perlen. Ein dumpfer Fluch eines Nachbarn zeugte davon, dass auch dort Feuchtigkeit ankam. Messi nahm das Handy und rief erneut die Polizei. „Er zerstört alles, diesmal das komplette Leitungssystem. Wir brauchen sofort Hilfe – Hauptwasserhahn im Keller, wir kommen nicht dran!“ Bald darauf waren wieder Sirenen zu hören. 03:40 Uhr – Letzte Eskalation Der Vater stand mitten in der Küche, knöcheltief im Wasser, keuchend. Als er Schritte sah, griff er ein letztes Glas aus dem Regal, warf es gegen die Wand, sodass Scherben in den Wasserstrom fielen. Dann starrte er ins Halbdunkel des Flurs, wo Felix jetzt sichtbar dastand. „Das hast DU immer noch davon!“ presste er hervor, die Stimme brüchig vor Raserei. Er machte einen Schritt auf Felix zu – doch Neymar, Bale und Suárez stellten sich sofort schützend davor. Im selben Moment tauchten zwei Polizisten im Eingangsbereich auf, folgten den Rufen, zwangen den Vater mit wenigen Handgriffen zu Boden und führten ihn ab. Er leistete kaum Widerstand – seine ermattete Stimme ging im Sirenengeheul unter. 04:00 Uhr – Notabschaltung Feuerwehrleute zwängten sich in den Keller, legten den Hauptwasserhahn trocken. Pumpen surrten, Schmutzwasser wurde angesaugt. Bewohner im Treppenhaus standen in Hausschuhen, einige verärgert über die Wasserschäden, andere erschüttert über den Tumult. Felix saß mit nassen Socken auf der Couch, die Beine angezogen. Seine Mutter hockte neben ihm, die Hand fest um seine. Die Spieler kümmerten sich um die Nachbarn, reichten Decken, halfen beim Aufwischen des Treppenhauswassers. 04:30 Uhr – Erschöpfte Stille Als die Einsatzkräfte abrückten und das letzte Wasser vom Boden gesaugt war, blieb eine Wohnung zurück, in der kaum etwas heile war – aber in der jene, die darin wohnten, unversehrt beieinander saßen. Felix, zitternd vor Kälte und Schock, bemerkte einen winzigen Anflug von Ruhe: Der Vater war weg – diesmal in Polizeigewahrsam. Die Nacht war zerstörerisch, doch sie hatten überlebt. Suárez brachte warmen Kamillentee. Neymar schob einen trockenen Stuhl heran. Messi legte eine Decke über Mutter und Sohn. Bale sprach leise mit einem Nachbarn, um Hilfe für die kommenden Reparaturen zu organisieren. Felix trank einen Schluck. Sein Blick schweifte durch das demolierte Erdgeschoss. Aber irgendwo in den Splittern spiegelte sich Hoffnung:

Nicht alles, was ein Mensch zerbrach, blieb für immer zerstört. Manches wuchs neu – aus Zusammenhalt, aus Hilfe, aus Liebe, die nicht in der Wut unterging. Donnerstag, 5. Juni 2025 – Morgen des 21. Tages Der Morgen roch nach kaltem Kaffee und Waschmittel. Es war erst kurz nach acht, als die Mutter vorsichtig an Felix’ Tür klopfte. „Schatz, das Nations-League-Halbfinale fängt in einer Viertelstunde an. Deutschland gegen Portugal – willst du mit Gareth und mir schauen?“ Felix nickte verschlafen. Neben seinem Bett lag noch das Ersatz-Trikot, das Neymar gestern besorgt hatte. Er zog es über, tappte barfuß ins Wohnzimmer. Gareth Bale saß dort bereits, die Fernbedienung in der Hand. Messi, Neymar und Suárez schliefen noch in ihren Zimmern – zu viel Aufräumen, zu wenig Schlaf. Anpfiff, 8:45 Uhr Das Spiel begann zäh; beide Teams wagten kaum Risiko. Felix nippte an einem Glas Wasser, während die Mutter schweigend an ihrem Tee schlürfte. Bale kommentierte leise, als wäre er Co-Kommentator. 48. Minute – 1:0 für Deutschland Florian Wirtz zog aus 20 Metern ab, der Ball schlug unten rechts ein. Felix sprang auf und riss die Arme hoch. „Jawoll!“ Gareths Grinsen war ansteckend. 63. Minute – 1:1 Portugal konterte; Conceição traf flach ins Eck. Die Mutter seufzte, Bale zuckte nur die Schultern: „Das war absehbar.“ 68. Minute – 1:2 Cristiano Ronaldo, frisch von seiner Länderspielreise zurück, nickte einen Eckball wuchtig ein. Felix’ Herz sackte. Von da an gehörte jede Torchance den Portugiesen; Deutschland wirkte gelähmt. Als der Schlusspfiff kam, saß Felix zusammengesunken auf dem Sofa. Bale klopfte ihm sanft auf den Rücken. „Manchmal ist Fußball gnadenlos.“ Die Nachricht Kaum hatte der Liveticker abgeblendet, vibrierte Felix’ Handy. Eine Nachricht von Ronaldo: „Es tut mir leid, mein Freund. Mein Tor hat eure Hoffnung zerstört. Ich wünschte, ich hätte anders entschieden – aber das ist mein Job. Verzeih mir.“ Felix starrte auf das Display, atmete tief durch und tippte nur: „Ich weiß. Schon okay. Glückwunsch trotzdem.“ Eine bittere Erinnerung Noch bevor er das Handy weglegen konnte, drehte sich die Mutter zu ihm. In ihrer Stimme lag Erschöpfung, aber auch Strenge. „Felix, wir müssen reden. Du hast gestern Bier getrunken, obwohl du versprochen hattest, erstmal keins mehr anzurühren.“ Felix senkte den Blick. „Es war nur eins … oder zwei.“ „Genau darum geht’s. Du brauchst Konsequenzen. Überleg dir bitte selbst eine Strafe, die realistisch ist – und die dir hilft, dich daran zu halten.“ Er nickte kleinlaut. Die Mutter strich ihm eine Strähne aus der Stirn. „Ich fahr jetzt zur Arbeit. Nimm deine Medikamente.“ Felix stand auf, öffnete den kleinen Schrank, nahm die Epilepsie-Tabletten ein und trank zwei große Gläser Wasser. Die Mutter verließ das Haus, Bale begleitete sie bis zur Tür. Rückzug

Allein im Flur fühlte sich Felix plötzlich schwer wie Blei. Die Enttäuschung über das Spiel, der Ärger über die Bier-Episode und die Scham wegen der nächtlichen Eskalation des Vaters lasten auf ihm. Er schlurfte zurück ins Schlafzimmer, legte sich hin, zog die Decke bis zum Kinn. Bevor er die Augen schloss, flüsterte er in die Stille: „Meine Strafe wird sein: vier Wochen kein Alkohol – egal, was passiert.“ Dann ließ er die Lider fallen. Hinter der Tür blieb es ruhig; nur das leise Knacken der abkühlenden Wasserrohre erinnerte daran, dass die Nacht noch nicht lange vorbei war. So glitt Felix in einen erschöpften Schlaf – mit dem Vorsatz, einen Schritt nach dem anderen zu gehen, ganz gleich, wie viele Scherben noch vor ihm lagen. Donnerstag, 5. Juni 2025 – Nachmittag: Der Gang zur Assistenz Gegen 14:00 Uhr verließ Felix mit langsamen, festen Schritten das Haus. Die Sonne hing schwer über Mainz, der Asphalt flimmerte leicht, und der leichte Wind trug Blütengeruch und ferne Kinderstimmen mit sich. Neben ihm ging Gareth Bale, der Ersatzspieler aus Wales, der nach Ronaldos Rückkehr noch eine Weile bei Felix geblieben war, um ihn weiter zu begleiten. „Heute zur Assistenz?“ fragte Gareth. „Ja“, antwortete Felix ruhig. „Ich muss nochmal über den Teilhabeplan sprechen… und vielleicht einfach kurz rauskommen.“ Sie schlugen den Weg über den alten Friedhof ein, der zugleich Abkürzung und irgendwie auch eine Art Ritual geworden war. Zwischen den knorrigen Bäumen und moosbedeckten Grabsteinen fand Felix oft Ruhe, und seit der Sache mit der Frau, die sie dort einmal heimlich beobachtet hatte, achtete er jedes Mal besonders genau auf seine Umgebung. Doch heute war alles still. Kein Rascheln hinter dem großen Engeldenkmal. Kein Schatten, der sich zwischen den Grabreihen bewegte. Kein Blick, der sich in seinen bohrte. Nur der Wind, der durch die Äste strich, und der dumpfe Klang ihrer Schritte auf dem Kies. Felix blieb kurz stehen und sah sich um. Nichts. Gar nichts. „Ist was?“ fragte Gareth. „Ich… weiß nicht. Ich hab erwartet, sie wieder zu sehen.“ Gareth runzelte die Stirn. „Welche sie?“ „Die Frau, die uns letztes Mal angesehen hat. Sie war irgendwie... seltsam. Und sie hat etwas in mir ausgelöst, als hätte sie etwas gegen mich…“ „Wenn du willst, drehn wir um.“ Felix schüttelte den Kopf. „Nein. Ich hab einen Termin. Und… ich will mich nicht mehr von sowas verunsichern lassen.“ Was Felix jedoch nicht wusste: Hinter einer hohen Eibe, ganz am Rande des alten Teils des Friedhofs, stand sie. Die Frau. Dasselbe blasse Kleid, dieselbe blaugraue Miene, und dieselben schmalen Augen, die unbewegt auf ihn gerichtet waren. Sie bewegte sich nicht, sagte nichts. Sie beobachtete nur – wie ein Schatten aus einem anderen Leben. Als Felix und Gareth aus ihrem Sichtfeld verschwunden waren, zog sie ein kleines, schwarzes Notizbuch aus ihrer Tasche. Auf der nächsten leeren Seite schrieb sie in krakeliger, fast schon mechanischer Handschrift: "Er geht den gewohnten Weg. Er sucht Sicherheit. Er weiß nicht, dass er geprüft wird. Noch nicht." Dann klappte sie das Buch zu, verstaute es in ihrer Jackentasche – und verschwand, lautlos wie der Wind zwischen den alten Grabreihen. Donnerstag, 5. Juni 2025 – Später Nachmittag: Spaziergang mit der Assistenz Nach dem kurzen, leicht beunruhigenden Weg über den Friedhof kam Felix mit Gareth bei der Assistenzstelle an. Dort wartete bereits Nadine, seine neue Assistentin. Sie hatte ein freundliches Gesicht, trug bequeme Kleidung und strahlte diese ruhige, geduldige Energie aus, die Felix so sehr half, sich zu öffnen.

„Na, Felix“, begrüßte sie ihn, „schön, dass du da bist. Hast du Lust, heute eine Runde spazieren zu gehen? Die Sonne ist noch angenehm.“ Felix nickte. „Ja, das tut mir heute sicher gut.“ „Ich komm mit, wenn’s okay ist“, sagte Gareth. Felix war froh – seine Anwesenheit gab ihm Sicherheit, besonders nach dem beklemmenden Gefühl auf dem Friedhof. Gemeinsam machten sich die drei auf den Weg. Nadine schlug eine ruhige Strecke entlang des Grüngürtels nahe der alten Kasernenstraße vor. Der Weg führte an einem kleinen Bach entlang, wo Vögel zwitscherten und Enten im Wasser paddelten. Die Geräusche der Stadt wirkten hier gedämpft, fast wie durch Watte gefiltert. „Wie geht’s dir heute?“ fragte Nadine behutsam, während sie nebeneinander hergingen. Felix zuckte mit den Schultern. „Viel. Der Vater war wieder... schwierig. Und... ich mach mir viele Gedanken. Wegen allem.“ „Möchtest du erzählen?“ Er nickte langsam. „Ich glaub, ich bin oft überfordert. Mein Kopf ist so voll. Ich denke so viel über Dinge nach, die andere gar nicht beachten. Die Töne vom Staubsauger, wie jemand schaut, ob ich genug getrunken habe. Und dann... diese ganzen Spannungen daheim.“ Nadine nickte verständnisvoll. „Das klingt nach einer Menge Druck.“ „Und ich fühl mich schuldig, obwohl ich oft gar nichts falsch mache“, fügte Felix leise hinzu. Sie gingen eine Weile schweigend weiter. Gareth sagte nichts, aber seine Nähe war spürbar – wie eine stumme Versicherung: Du bist nicht allein. Am Wegesrand pflückte Nadine eine kleine Blume und reichte sie Felix. „Manchmal kann es helfen, etwas ganz Kleines zu beobachten. Nur eine Farbe, einen Geruch, oder das Gefühl in der Hand. Es bringt dich zurück in den Moment.“ Felix nahm die Blume – ein kleiner Klee mit violettem Rand – und drehte sie zwischen den Fingern. Ein winziger Trost in einem großen, unruhigen Alltag. Sie liefen noch eine Weile. Am Ende setzten sie sich auf eine Bank unter einem alten Baum. Die Sonne schien durch die Blätter, und für einen Moment war es, als wäre alles ruhig. Kein Vater, keine dunkle Frau auf dem Friedhof, keine zerbrochenen Brillen oder verbrannten Erinnerungen. Nur ein Junge, seine Assistenz – und ein Freund, der aus einem anderen Land gekommen war, um ihm zu helfen, ohne dass viele Worte nötig waren. Es war nur ein Spaziergang. Doch für Felix war es ein kleiner, wertvoller Sieg. Donnerstag, 5. Juni 2025 – Vorabend: Auf dem Weg ins Krankenhaus Nachdem sie noch einige Minuten unter dem großen Baum gesessen hatten, verabschiedete sich Felix herzlich von Nadine. Der Spaziergang hatte ihm wirklich gutgetan, und er versprach ihr, beim nächsten Mal wieder offener zu sagen, wenn ihn etwas belastete. Sie lächelte und winkte ihm noch lange nach, als er zusammen mit Gareth in Richtung Wohnung ging. Zu Hause angekommen, wollte Felix sich gerade eine kleine Pause gönnen, als seine Mutter ihm zurief: „Felix, eben kam ein Anruf vom Krankenhaus. Deine Tante wurde heute früher operiert – sie ist schon aufgewacht und hat nach dir gefragt!“ Felix' Herz schlug sofort schneller. „Was? Schon operiert? Aber sie sagten doch… nächste Woche?“ Die Mutter zuckte mit den Schultern. „Es war wohl ein Notfall, sie wollten kein Risiko eingehen. Aber die Ärzte sagen, es ist gut verlaufen. Du kannst sie heute noch besuchen – sie würde sich sehr freuen.“ Gerade in diesem Moment öffnete sich die Wohnungstür, und der Vater kam herein. Ausnahmsweise war sein Blick ruhig. „Ich fahr dich gleich hin“, sagte er ohne zu brüllen. „Und auf dem Weg hol ich dir deinen

Fleischkäse, den du immer willst. Kannst du mit ins Krankenhaus nehmen. Und denk dran: freundlich sein.“ Felix nickte, griff nach seiner Jacke und flüsterte leise: „Ich wollte doch noch Blumen holen…“ „Ist nicht schlimm, Felix“, meinte seine Mutter mit sanfter Stimme. „Du kommst, das zählt. Sie wird sich einfach freuen, dich zu sehen. Und sag ihr von mir liebe Grüße.“ Er seufzte kurz. Blumen hätte ich wirklich holen sollen…, dachte er. Ich wollte, dass es besonders ist. Doch in seinem Bauch kribbelte bereits die Nervosität – wie würde seine Tante aussehen? Würde sie lachen können? Oder wäre sie ganz schwach? Sie stiegen ins Auto. Gareth war auch wieder dabei – auf dem Beifahrersitz. Der Vater war ruhig, fast unheimlich ruhig. Während sie durch den dämmernden Abend fuhren, liefen auf dem Autoradio sanfte Nachrichten und leise Musik. Kurz vor der Klinik hielten sie noch bei einem Supermarkt. Der Vater ging rein, kam nach wenigen Minuten mit einer kleinen Tüte heraus. „Zwei frische Fleischkäsesemmeln. Eine für dich, eine für später. Oder für deine Tante, falls sie Appetit hat.“ Felix sagte nichts, aber ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht. Der Weg zur Klinik war nicht mehr weit. Das Gebäude ragte vor ihnen auf – groß, hell, steril. Felix stieg langsam aus. Noch stand er vor dem Eingang. Jetzt wird es ernst, dachte er. Doch er war bereit. Mit Gareth an seiner Seite und den Semmeln in der Hand trat er durch die Türen, bereit, seine Tante zu sehen – und ihr zu zeigen, dass sie nicht alleine war. Donnerstag, 5. Juni 2025 – Abend: Der Anruf vor dem Krankenhaus Felix und Gareth hatten gerade noch rund 550 Meter bis zur Klinik vor sich, als plötzlich das Handy in Felix’ Jackentasche vibrierte. Es war ein Anruf – Papa. Felix zögerte kurz, doch dann ging er ran. „Ja?“ Die Stimme des Vaters klang dieses Mal erstaunlich ruhig, fast schon organisiert: „Ich bin gerade beim Metzger. Ich hol den Fleischkäse – fahr du schon mal ins Krankenhaus zur Tante. Du bist gleich da, oder?“ Felix nickte, obwohl sein Vater das natürlich nicht sehen konnte. „Ja. Sind nur noch ein paar Minuten.“ „Gut. Geh schon mal rein. Ich komm nach.“ Das Gespräch war kurz, aber es hatte gereicht, um Felix’ Puls noch mal ein wenig zu beschleunigen. Er steckte das Handy weg, drehte sich zu Gareth und sagte: „Er holt den Fleischkäse. Wir sollen schon mal hoch.“ Gareth nickte. „Dann los.“ Die beiden bogen um die letzte Ecke, vorbei an dem kleinen Blumenladen, der um diese Uhrzeit schon geschlossen war – Felix sah ihn kurz an und ärgerte sich wieder darüber, dass er keine Blumen mitgebracht hatte. Aber es half nichts. Jetzt zählte nur, da zu sein. Im Krankenhaus war es angenehm kühl. Der Empfangsbereich war in ruhiges Licht getaucht, es roch nach Desinfektionsmittel und ein bisschen nach frischem Kaffee vom Automaten. Felix meldete sich am Empfang. „Ich möchte zu meiner Tante… sie wurde heute operiert.“ Die Pflegerin hinter dem Tresen war freundlich. „Zimmer 212, zweite Etage. Sie ist wach, aber noch etwas schläfrig.“ Mit einem kurzen Dank ging Felix den Gang entlang, dann in den Aufzug. Gareth blieb still, begleitete ihn einfach wie ein treuer Freund. Als sich die Aufzugtüren zur zweiten Etage öffneten, klopfte Felix’ Herz lauter. Der Gang war ruhig. Vor einem der Zimmer blieb er stehen. Die Tür war nur angelehnt. Vorsichtig klopfte er. „Herein“, kam eine leise, leicht heisere Stimme. Felix öffnete die Tür. Dort lag sie – seine Tante. Blass, mit einem Infusionsschlauch im Arm, aber sie lächelte, als sie ihn sah. „Felix… du bist wirklich gekommen.“

Er trat an ihr Bett und setzte sich auf den Stuhl daneben. „Natürlich bin ich gekommen. Ich… ich hab leider vergessen, Blumen zu holen.“ „Ach, du Dummerchen“, sagte sie mit einem müden, aber herzlichen Lächeln. „Du bist hier – das ist das Wichtigste.“ Felix nickte, und zum ersten Mal an diesem Tag fühlte sich etwas richtig an. Hinter ihm stand Gareth und lächelte, während draußen in der Ferne bereits die Schritte des Vaters zu hören waren, der gleich mit den Fleischkäsesemmeln dazustoßen würde. Donnerstag, 5. Juni 2025 – Später Abend: Ein stiller Beobachter Nach dem Besuch bei seiner Tante hatte Felix sich innerlich etwas leichter gefühlt – trotz aller Sorgen, trotz des vergessenen Blumenstraußes. Sie hatte sich ehrlich gefreut, ihn zu sehen, und das war das Wichtigste gewesen. Als er das Krankenhaus mit Gareth verließ, wartete draußen schon sein Vater mit einer weißen Papiertüte in der Hand. „Noch warm“, sagte er knapp, reichte die Tüte rüber und verzog sich dann wortlos in eine andere Richtung – wohin, sagte er nicht. Felix blickte ihm nur kurz nach und sagte leise: „Danke.“ Dann machten sich Felix und Gareth auf den Heimweg. Die Nachtluft war mild, ein lauer Frühsommerwind zog durch die Straßen von Mainz. Über ihnen blinkten schwach die Sterne, zwischen den orange-gelben Straßenlaternen. Felix kaute an dem warmen Fleischkäsebrötchen, das jetzt wie eine kleine Belohnung schmeckte. Er sprach nicht viel – der Tag war lang gewesen, die Gedanken tief. Doch was Felix nicht bemerkte: Hinter einem parkenden Auto, nur rund 20 Meter von ihnen entfernt, stand eine Person im Schatten. Es war die alte Frau – dieselbe, die sie einst beim Brunnen beobachtet hatte, die sie später auf dem Friedhof gesehen hatten. Ihr Gesicht lag im Halbdunkel, doch ihre Augen glänzten kühl und wachsam. Sie verfolgte jeden Schritt von Felix, so still wie ein Raubtier in der Nacht. Gareth, der sensibel für Stimmungen war, drehte sich kurz um. Ein Schauder lief ihm über den Rücken. Er spürte etwas – eine Art Blick vielleicht, oder einfach ein kaltes Gefühl im Nacken. Doch er sah niemanden. „Alles okay?“ fragte Felix. Gareth nickte zögerlich. „Ja… nur Einbildung.“ Als sie endlich zu Hause ankamen, öffnete Felix die Tür leise. Drinnen war es ruhig. Die Mutter schien schon im Bett zu sein. Der Vater war nirgends zu hören. Nur die leise tickende Uhr in der Küche begleitete ihn, während er sich ein Glas Wasser einschenkte. Er setzte sich mit dem restlichen Fleischkäse an den Küchentisch und kaute gedankenversunken. Draußen stand die alte Frau nun auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ihre Silhouette war kaum auszumachen, verborgen unter einem grauen Mantel, der sich in der Dunkelheit verlor. Sie sagte kein Wort. Sie tat nichts. Aber sie war da. Und sie beobachtete. Felix schloss irgendwann die Augen und atmete tief durch. Ein letzter Biss, dann ging er langsam in sein Zimmer. Gareth folgte ihm wortlos. Als Felix im Bett lag, eingekuschelt und halb eingeschlafen, fiel ein leiser Windstoß durch das gekippte Fenster. Er ahnte nicht, dass draußen in dieser Nacht etwas auf ihn wartete… etwas, das nicht einfach wieder verschwand. Donnerstag, 5. Juni 2025 – Nacht: Der zerstörerische Ausbruch Die Nacht war eigentlich ruhig gewesen, doch Felix hatte einfach noch nicht schlafen können. Zu viele Gedanken wuselten in seinem Kopf. Der Besuch bei der Tante, das Gefühl beobachtet worden zu sein, das Gespräch mit Gareth – alles hatte sich in seinem Inneren gestaut. Um etwas runterzukommen, hatte er sich leise mit einem der Spieler ins Wohnzimmer gesetzt und dort mit einem leichten Lachen ein älteres Pokémon-Spiel auf seiner Nintendo Switch gespielt. Hin und wieder war er dabei etwas lauter geworden – nicht absichtlich, nur aus Gewohnheit. Ein kurzer Aufschrei, als er ein seltenes Pokémon fing, ein Kichern über einen Witz von Gareth, der sich dazugesellt hatte. Es war kurz nach Mitternacht, als es plötzlich geschah.

Knall. Die Tür zum Flur flog auf. Felix’ Vater stand im Türrahmen, in Boxershorts, das Gesicht rot vor Wut, die Augen geweitet. „Was fällt dir eigentlich ein!?“, brüllte er. „Es ist Nacht! Ich will schlafen! Und du… du bist hier am Spielen, als wärst du alleine auf der Welt!“ Felix erstarrte. „Es tut mir leid… ich—“ Doch der Vater ließ ihn nicht ausreden. Ohne Vorwarnung stürmte er ins Zimmer, riss die Nintendo Switch aus der Dockingstation und griff im selben Zug zur PlayStation 5, die ordentlich auf einem kleinen Regal stand. „Wenn du es nicht kapierst, dann brauchst du den Scheiß auch nicht!“, schrie er und verschwand mit beiden Geräten unter dem Arm in Richtung Küche. Felix und Gareth liefen ihm hinterher, konnten aber nur noch fassungslos zusehen. Er öffnete die Tür der Waschmaschine. „Papa, bitte nicht! Das ist alles, was ich habe! Bitte!“ Felix Stimme überschlug sich fast. Doch es half nichts. Der Vater war außer sich. Mit einem lauten Klack warf er erst die Nintendo, dann die PS5 in die Trommel, schlug die Tür zu – und stellte das Programm auf „Pflegeleicht, 60°C“. Brummen. Rauschen. Zerstörung. Felix stand da wie versteinert. Die Spieler – auch Gareth – wirkten fassungslos. Keiner wusste, was er sagen sollte. Als das Wasser durch die Maschine lief, sackte Felix auf die Fliesen. „Warum?“, flüsterte er. „Warum macht er das?“ „Komm… komm, wir bringen dich ins Bett“, sagte Gareth vorsichtig und legte einen Arm um ihn. Messi und Neymar halfen, während Suarez schweigend die Küche verließ. Der Vater sagte kein weiteres Wort. Nachdem er die Waschmaschine eingeschaltet hatte, schlurfte er einfach wieder in sein Schlafzimmer und schlug die Tür mit einem ohrenbetäubenden Knall zu. Felix lag später im Bett. Die Geräusche des Wassers, das gegen das Glas der Waschmaschine schlug, hallten in seinem Innersten wider – nicht nur akustisch, sondern wie ein Echo in seinem Herzen. Er hatte das Gefühl, als wäre wieder ein Stück Normalität aus seinem Leben gewaschen worden – für immer. Er flüsterte noch: „Ich hab doch nur… gespielt.“ Dann drehte er sich zur Wand, die Decke bis zum Kinn gezogen. Draußen war es still – aber die Stille war schwer. Freitag, 6. Juni 2025 – Morgen: Die Trümmer der Tage Ein fahler Sonnenstrahl fiel durch das halb geöffnete Rollo in Felix’ Zimmer. Es war noch früh am Morgen – vielleicht halb acht. Die Luft war kühl, doch in Felix’ Innerem brannte immer noch die Erinnerung an die letzte Nacht. Sein Kopf war schwer, seine Brust eng. Doch der automatische Rhythmus seines Alltags ließ ihn sich aus dem Bett rollen. Schweigend tastete er sich zum Schreibtisch. Dort lagen seine Medikamente – drei verschiedene Tabletten, wie jeden Morgen: eine für die Epilepsie, eine gegen die Anspannung, und eine für das Gleichgewicht in seinem Kopf, das so oft erschüttert wurde. Er nahm sie mechanisch, spülte sie mit einem Schluck stillem Wasser herunter. Dann blieb er am Fenster stehen, starrte hinaus auf den Hof, wo sich ein paar Vögel unterhielten, als gäbe es keine Sorgen in der Welt. Doch Felix hatte Sorgen. Und Schmerz. Nach ein paar Minuten atmete er tief durch und entschied sich, durch die Wohnung zu gehen. Irgendetwas in ihm wollte wissen – oder vielleicht begreifen –, was alles in den letzten Tagen geschehen war.

Erster Halt: Das Wohnzimmer. Das Regal, in dem früher seine Spielesammlung gestanden hatte, war leer. Die Controller lagen irgendwo unter dem Tisch, mit abgerissenen Kabeln, als hätte jemand sie rausgerissen und vergessen. Ein leerer Platz dort, wo seine PS5 gestanden hatte – der Staub bildete noch die Umrisse der Konsole. Küche. Die Waschmaschine war aus, das Licht blinkte noch. Die Trommel war voll mit trübem Wasser. Irgendetwas war verstopft. Und darin: seine Nintendo Switch und seine PS5 – aufgequollen, zerstört, hoffnungslos verloren. Felix öffnete langsam die Tür der Maschine. Wasser tropfte auf den Boden. Die Switch war in zwei Teile zerbrochen, die Joy-Cons hingen lose in der Trommel. Er kniete sich hin und berührte vorsichtig die Reste seiner Konsolen. Sie waren kalt und glitschig. Es war wie der letzte Abschied von zwei guten Freunden. Gang zur Toilette. Der Schrank stand offen. Zahnpasta, Wattestäbchen und Rasierer lagen verstreut auf dem Boden – vom letzten Wutanfall, als sein Vater nachts durchgedreht war. Esszimmer. Der Tisch war leer, keine Tischdecke mehr, keine Gläser, keine Schüsseln. In einer Ecke lagen Scherben – Reste der Bier- und Schnapsgläser, die der Vater in der Nacht zerstört hatte. Die Wohnung roch noch immer nach verschüttetem Alkohol und nassem Holz. Der Boden war noch leicht feucht – das Wasser aus den Waschbecken hatte sich durch das ganze Erdgeschoss verteilt. Ein Notheizlüfter stand in der Ecke, versuchte vergeblich, das Chaos trocken zu pusten. Zurück in sein Zimmer. Er setzte sich auf die Bettkante. Zog die Decke langsam über die Knie. Der Schmerz kroch in seine Glieder wie eine schwere Last. Felix schloss die Augen. Er hatte alles gesehen. Er hatte es versucht, zu begreifen – aber was da passiert war, war nicht nur Zerstörung von Dingen. Es war der wiederholte Angriff auf seine Sicherheit, seine Welt, seine Grenzen. „Es ist zu viel“, flüsterte er. Dann legte er sich hin, zog die Decke bis über den Kopf. Und schlief ein. Nicht, weil er müde war. Sondern weil er sich wegträumen wollte. Nur für ein paar Stunden – in eine Welt, in der niemand seine Sachen zerstörte. In der ein junger Mann einfach nur leben durfte. Freitag, 6. Juni 2025 – Vormittag des 22. Tages Es war früher Vormittag, als Felix erwachte – ruhiger als in den letzten Wochen. Die Wohnung war still, lediglich ein leises Summen vom Kühlschrank zu hören. Er richtete sich mühsam auf, sein Kopf fühlte sich etwas klarer an. Dieses Mal jedoch war nicht der Schmerz, der ihn aufstehen ließ, sondern Hoffnung. Er ging wie immer ins Bad, nahm seine Epilepsie-Medizin – drei Tabletten, begleitet von stillem Wasser – und setzte sich dann an den Küchentisch. Vor ihm lag sein Handy und ein geöffnetes Fenster im Browser, das Warteseite auflistete: „Nintendo Switch 2 – Warteliste: Jetzt vormerken“. Felix hatte letzte Nacht in einer ruhigen Minute beschlossen, diesen letzten Versuch zu wagen – obwohl die erste Konsole zerstört und der Ersatz aus der Klinik nie ganz angekommen war. Er tippte auf „Auf Warteliste setzen“. Ein leiser Klick, eine kurze Bestätigung – „Sie sind in Reihe 1.234“.

Er atmete tief durch und fühlte – zum ersten Mal an diesem Tag – Stolz. Es war nicht nur ein Schritt zurück in eine kindliche Freude, sondern ein Akt der Selbstbehauptung. Besorgt blickte er sich um: Badezimmer, Küche, Flur – alle noch vom Chaos der letzten Tage gezeichnet. Stück für Stück wollte er wieder Ordnung schaffen. Aber heute brauchte er eine Pause. Er stand auf, ging ins Schlafzimmer zurück und zog sich langsam unter die Decke. Der Vormittag lag noch vor ihm – und obwohl vieles kaputt war, hatte er heute zumindest eine kleine Brücke in eine bessere Richtung geschlagen. Als er die Augen schloss, wusste er: Es ist nicht der Besitz, der zählt. Sondern der Wille, wieder etwas zu erschaffen. Und heute ist dieser Wille ein Lichtblick. Freitag, 6. Juni 2025 – Mittag des 22. Tages Die Sonne stand hoch am Himmel, und das Radio in der Küche lief leise mit Nachrichten. Plötzlich kam eine Fußballübertragung – das sensationelle Spiel, in dem Norwegen Italien mit 3:0 dezimierte im Rahmen der Weltmeisterschafts-Qualifikation . Felix, gerade erst aufgestanden, spürte ein warmes Ziehen in der Brust. Für einen Moment vergass er den Schmerz des Vorabends. Er setzte sich mit einem lauwarmen Tee an den Küchentisch. 14 Uhr – Anpfiff Das Spiel begann mit faszinierender Dominanz Norwegens. • 14. Minute: Alexander Sørloth traf zur frühen Führung (reuters.com). • 34. Minute: Antonio Nusa erhöhte auf 2:0 mit einem beeindruckenden Dribbling (reuters.com). • 42. Minute: Erling Haaland, als Spitzenspieler gesetzt, machte aus Standardsituationen das 3:0 (reuters.com). Italien kam in der zweiten Halbzeit kaum noch aus der eigenen Hälfte heraus. Die Tore dümpelten vor sich hin – Norwegen dominierte, Italien wirkte ratlos. Felix hielt sich die dampfende Tasse ans Kinn, beobachtete das Spiel intensiver als manch kitschiger Klassiker im Fernsehen. Es war eine klare, entschlossene Leistung – ein Umfeld, in dem er sich selbst wieder erkannte: strukturiert, zielstrebig, durchgezogen. Erklommene Klarheit Als das Spiel zu Ende ging, klappte Felix die Augen zu. Er spürte den Durst, die körperliche Müdigkeit – aber auch einen kleinen Knoten im Inneren, der sich löste. Was gestern kaputtgegangen war, schien heute nicht mehr ganz so endgültig. Als er aufstand, um seine Medizin zu nehmen, fiel sein Blick auf die leiste PS5-Rahmen am Regal – wie ein Mahnmal, aber auch eine Erinnerung: Wenn man aufsteht, auch aus Trümmern, kann man Platz für Neues schaffen. Heute formte sich in ihm ein Entschluss: Es geht weiter. Schritt für Schritt. Er schluckte die Tabletten, trank ein Glas Wasser und ging – zum fünften Mal an diesem Tag – zurück ins Bett. Nicht, weil er aufgeben wollte – sondern weil er wusste: Er darf auch mal ruhen. 力 Freitag, 6. Juni 2025 – Später Nachmittag Gegen 16:30 Uhr machte sich Felix gemeinsam mit einem der Spieler auf den Weg ins Krankenhaus. Der Tag war warm, aber nicht unangenehm. Die Luft war erfüllt von frühsommerlichem Duft, und die Vögel zwitscherten über der gepflasterten Straße, die sie entlangliefen. Felix trug eine kleine Tasche mit ein paar Trauben, etwas Joghurt und einer Flasche stillen Wassers – all das, was seine Tante mochte. Es war nicht viel, aber es war seine Art zu zeigen, dass er an sie dachte.

Der Spieler an seiner Seite blieb die ganze Zeit ruhig und aufmerksam. „Du bist ein guter Neffe, Felix“, sagte er plötzlich, ohne ihn anzusehen. Felix schaute ihn überrascht an und lächelte schwach. „Ich tu, was ich kann“, murmelte er. Im Krankenzimmer angekommen, lag die Tante halb aufgerichtet im Bett. Sie wirkte müde, aber lächelte, als sie die beiden sah. „Da bist du ja, mein Junge“, sagte sie heiser. Felix setzte sich sofort neben sie, der Spieler hielt sich im Hintergrund. Für die nächsten zwei Stunden sprachen sie über belanglose Dinge – über das Wetter, über alte Erinnerungen aus ihrer Jugend und über das Krankenhausessen. Felix versuchte, sie zum Lachen zu bringen, indem er von dem kaputten Rollstuhl erzählte, den er vor ein paar Tagen gefunden hatte, und wie er ihn auf dem Rücken durch die Stadt getragen hatte. Die Tante schmunzelte, und das war für Felix wie ein warmer Sonnenstrahl im Inneren. Plötzlich – ein Besuch, mit dem er nicht gerechnet hatte Gegen 18:30 Uhr öffnete sich die Tür erneut. Eine Frau in ihren Dreißigern betrat das Zimmer. Es war die Tochter seiner Tante – Felix hatte sie seit Monaten nicht mehr gesehen. Sie trug eine leichte Bluse und wirkte gleichzeitig nervös und erleichtert. „Hallo Mama“, sagte sie leise, ging ans Bett und nahm vorsichtig die Hand ihrer Mutter. Die Tante lächelte sichtlich gerührt. „Du bist gekommen“, flüsterte sie. Felix stand auf, machte Platz und begrüßte seine Cousine mit einem höflichen Nicken. Die ersten Minuten waren still. Dann begann ein vorsichtiges Gespräch – über die Operation, über die Schmerzen, aber auch über Pläne, was nach dem Krankenhaus kommen würde. Der Spieler blieb zurückhaltend, aber präsent. Er war wie ein Schutzschild im Raum – keiner sprach es aus, aber alle fühlten es. Diese 40 Minuten waren intensiv. Felix beobachtete, wie Mutter und Tochter sich endlich wieder annäherten. Es war keine perfekte Versöhnung, aber ein Schritt. Als die Tochter wieder ging, verabschiedete sie sich auch bei Felix. „Danke, dass du dich kümmerst“, sagte sie leise. Felix nickte nur. Kurz nach 19:15 Uhr Sie blieben noch etwa eine Stunde bei der Tante. Felix las ihr aus einem kleinen Buch vor, während der Spieler sich mit dem Krankenpfleger über Ernährung unterhielt. Schließlich war es Zeit zu gehen. „Bis morgen“, sagte Felix leise und drückte die Hand seiner Tante. „Ich freue mich drauf, mein Junge.“ Auf dem Weg nach draußen waren die Gänge ruhig, die Sonne stand tief und warf goldene Streifen durch die Fenster. „Du warst heute stark“, sagte der Spieler, als sie durch die Glastüren traten. Felix antwortete nicht sofort. Er atmete nur tief durch. „Ich versuch’s einfach nur. Jeden Tag ein bisschen mehr.“ Freitag, 6. Juni 2025 – Abend Nachdem Felix und der Spieler aus dem Krankenhaus zurückgekehrt waren, war es bereits nach 20 Uhr. Die Sonne senkte sich langsam über Mainz, färbte den Himmel orange und gold, und eine leichte, angenehm kühle Brise zog durch die Straßen. Felix spürte, dass er noch nicht bereit war, ins Haus zu gehen. Der Besuch bei der Tante hatte ihn berührt, aber auch emotional erschöpft. Er brauchte einen Moment für sich, einen klaren Gedanken — und da kam ihm Pokémon GO in den Sinn. „Ich geh noch kurz raus, ein bisschen laufen und Pokémon jagen“, sagte er zu dem Spieler, der zustimmend nickte. „Ich komm mit. Aber du führst.“ Die beiden machten sich auf den Weg. Felix hatte sein Handy aufgeladen und die Powerbank dabei. Die Innenstadt von Mainz war um diese Uhrzeit ruhig, nur vereinzelt kamen Menschen vom Feierabend nach Hause oder saßen in kleinen Gruppen in Cafés oder auf Bänken. An der Promenade entlang des Rheins summten die Laternen, und überall blitzten Pokéstops und Arenen auf dem Bildschirm.

Felix war ganz in seiner Welt. Er drehte Stops, sammelte Items, und schon nach wenigen Minuten vibrierte das Handy. „Oh, ein Shiny Nebulak!“, rief er aufgeregt. Der Spieler grinste. „Ist das selten?“ „Sehr! Und es ist mein erstes von denen.“ Felix fing es mit einem Superball und einem goldenen Sananabeere. Treffer. Glücksgefühl. Sie liefen weiter, über die Theodor-Heuss-Brücke, wo einige andere Trainer standen, die ebenfalls spielten. Felix erkannte zwei aus der Pokémon GO-Community, die er flüchtig von Events kannte. Sie winkten kurz. „Noch unterwegs?“, fragte einer. „Na klar“, antwortete Felix. „Die besten Pokémon gibt’s nach Sonnenuntergang.“ Am Zollhafen machten sie eine kurze Pause. Dort war ein Raid gegen ein mächtiges Machomei im Gange, und Felix schloss sich zusammen mit dem Spieler der Gruppe an. Obwohl sie knapp waren, schafften sie es. „Das war Teamwork“, sagte der Spieler mit einem stolzen Blick. „Besser als unser letzter FIFA-Match heute“, grinste Felix. Gegen 22 Uhr Langsam wurde es dunkel. Die Laternen warfen lange Schatten, und Felix spürte, wie die Müdigkeit sich in ihm ausbreitete. Aber er war zufrieden – ein seltener Moment, in dem er das Gefühl hatte, dass trotz allem Chaos zu Hause die Welt draußen für einen Moment heil war. Als sie nach Hause kamen, sagte der Spieler: „Du warst heute mutig, geduldig und hast noch ein Shiny gefangen. Nicht schlecht für einen Tag.“ Felix lachte leise, stellte sein Handy auf die Ladestation, schob den Rollstuhl ordentlich unter das Bett und sagte nur: „Manchmal reicht schon ein kleiner Fang, damit sich alles wieder besser anfühlt.“ Dann tranken sie noch einen Schluck Wasser, und Felix machte sich einen Tee zum Einschlafen. Draußen rauschte der Wind leicht durch die Bäume. Bald schlief er ein – mit dem Gedanken, dass morgen wieder ein neuer Tag ist, mit neuen Chancen, neuen Pokémon und vielleicht… etwas weniger Dunkelheit. Freitag, 6. Juni 2025 – Später Abend Nach dem abendlichen Spaziergang und dem erfolgreichen Pokémon GO-Abenteuer war Felix wieder zurück in seinem Zimmer. Es war bereits nach 23 Uhr. Das Haus war ruhig – für einen Moment schien es, als hätte selbst der Sturm des letzten Tages sich zurückgezogen, als würde die Dunkelheit eine Pause machen. Der Vater war nicht zu hören. Kein Poltern, kein Wüten. Nur Stille. Felix spürte seinen Hunger zurückkehren. Die Aufregung des Tages, der Besuch im Krankenhaus, der lange Spaziergang – das alles hatte seine Reserven verbraucht. Also ging er leise in die Küche, öffnete den Kühlschrank und holte sich eines seiner liebsten Dinge heraus: ein großes Stück Fleischkäse, das er extra für sich gekauft hatte. Er schnitt sich zwei dicke Scheiben ab, legte sie auf eine Semmel, dazu etwas Senf, und machte es sich in der Küche gemütlich. Nach wenigen Minuten kamen auch die vier Spieler – Neymar, Messi, Suárez und der Ersatzspieler aus Wales – langsam und verschlafen die Treppe herunter. „Du isst Fleischkäse ohne uns?“, fragte Neymar grinsend. Felix lachte. „Ich war einfach zu hungrig. Aber ich kann noch was warm machen, wenn ihr wollt.“ „Nur wenn du auch mit uns isst“, sagte Messi ruhig. Und so stand Felix noch einmal auf, schnitt weitere Stücke ab, schob sie in den Ofen, und gemeinsam saßen sie in der kleinen Küche, fast wie eine kleine Familie – jeder mit einer warmen Fleischkäse-Semmel in der Hand. Keiner sprach viel, aber das Schweigen war angenehm. Suárez summte eine leise Melodie, der Waliser nippte an seinem Kräutertee, Neymar tippte etwas auf dem Handy – wahrscheinlich ein neuer Trick für FIFA – und Messi schaute nachdenklich auf den dampfenden Teller. Kurz vor Mitternacht

Als das Essen beendet war, räumte Felix die Teller weg und ging ins Bad. Danach machte er sich bettfertig, putzte sich gründlich die Zähne, nahm seine abendlichen Medikamente, kontrollierte noch einmal die Steckdose und ob sein Handy geladen wurde. Die vier Spieler hatten sich bereits in ihren Schlafplätzen im Gästezimmer verteilt. Felix betrat sein Zimmer, schob seinen Rollstuhl ordentlich unter das Bett, schloss die Tür leise hinter sich und zog sich um. Er war müde – sehr müde – aber er fühlte sich innerlich etwas ruhiger als an den Tagen zuvor. Bevor er sich unter seine Decke legte, öffnete er noch kurz sein Fenster. Die kühle Nachtluft strich ihm über das Gesicht. In der Ferne hörte man noch ein paar Vögel zwitschern – und irgendwo auf einer Bank zwei Jugendliche, die leise lachten. Es war einer dieser Momente, in denen die Welt kurz stillstand. Felix flüsterte: „Gute Nacht, Welt… und bitte morgen einen guten Tag.“ Dann kroch er unter die Decke. Einer nach dem anderen kam auch einer der Spieler, wünschte ihm leise eine gute Nacht, klopfte ihm auf die Schulter oder machte einfach nur ein beruhigendes Nicken. Und so schlief Felix ein – mit dem Geschmack von Fleischkäse auf der Zunge, den warmen Stimmen seiner Freunde im Ohr, und dem Gefühl, dass er nicht mehr ganz allein war in dieser seltsamen Welt. Samstag, 7. Juni 2025 – Mittag des 23. Tages Die Sonne stand schon hoch, als Felix gemeinsam mit seinen vier Begleitern – Messi, Neymar, Suárez und Gareth Bale – die Haustür hinter sich schloss. Einen Plan gab es nicht, nur eine Einkaufsliste, die seine Mutter in der Früh auf den Küchentisch gelegt hatte: 1. Laktosefreie Milch 2. Frisches Obst für Smoothies 3. Ersatz-Katheter-Beutel (die Nacht war nicht spurlos geblieben) 4. Kirschradler light – „Felix’ Marke“ 5. Fleischkäse fürs Wochenende „Wir teilen uns auf“, schlug Neymar vor, als sie vor dem großen Supermarkt am Hauptbahnhof standen. „Fünf Punkte, fünf Leute – klingt nach 10-Minuten-Job.“ „Wetten, wir brauchen länger?“ grinste Suárez. 12:05 Uhr – Auf Mission im Markt Kaum waren sie durch die Schiebetür, zerstreute sich die Gruppe. Messi übernahm das Obst, Suárez das Fleisch, Neymar ging in die Getränkeabteilung, Bale suchte nach laktosefreier Milch – und Felix machte sich, etwas verlegen, auf den Weg zum Medizinalregal, um die Katheter-Beutel zu besorgen. Doch der Plan zerfiel nach wenigen Minuten. • Messi steckte zwischen exotischen Früchten fest, suchte verzweifelt nach „Smoothietauglicher Mango“ und rief alle paar Minuten: „Felix, ist die hier reif? Oder die?“ • Neymar fand zwar sofort die richtige Regalreihe, doch das Kirschradler-Fach war leer. Ungläubig lief er die Gänge ab – drei Mal – und rief schließlich einen Mitarbeiter herbei. • Suárez schwor Stein und Bein, dass der Fleischkäse an der Bedientheke günstiger sei – diskutierte fünf Minuten mit der Metzgerin und vergaß dabei das Gewicht. • Bale erforschte die Kühlregale nach laktosefreier Milch, aber jede Kartonseite sah gleich aus. • Felix selbst stand ratlos vor einem Regal voller Stoma- und Katheter-Systeme, nur waren die passenden Beutel ausgerechnet ausverkauft. Er tippte nervös in sein Handy, suchte die genaue Artikelnummer und wanderte von Regal zu Regal.

12:45 Uhr – Irrweg im Supermarkt-Labyrinth Nach vierzig Minuten hatten sie… nichts komplett. Dafür wussten sie jetzt, dass: • Mango in Deutschland drei Reifegrade hat, aber kein Schild verrät, welcher sich für Smoothies eignet. • Kirschradler light unter einer neuen Artikelnummer gelistet war – und darum ein ganzes Regal tiefer stand. • Die Metzgerin Schichtwechsel hatte, weshalb Suárez von vorne anfangen musste. • Laktosefreie Milch inzwischen in sechs Farbvarianten vorkommt – Bale war bei Variante fünf. Felix erwischte schließlich einen Pharma-Außendienstler, der zufällig im Markt stand, und bekam die Info, dass die Katheter-Beutel im Lager liegen müssten. Ein Anruf, eine Wartezeit – zehn Minuten später brachte eine Mitarbeiterin den Karton. „Wir schaffen das“, sagte Felix, halb lachend, halb gestresst, als sie sich alle fünf im Mittelgang trafen. „Wir sind Weltklasse-Spieler – aber hier drin wirkt’s eher wie Amateurliga“, grinste Messi, balancierte zwei Mangos wie kleine Fußbälle. 13:05 Uhr – Erfolg nach exakt einer Stunde • Kirschradler light? Gekauft. • Fleischkäse? Zwei Kilo, frisch geschnitten. • Laktosefreie Milch? Bale entschied sich für „die rote“. • Obst? Mango, Bananen, Erdbeeren – und eine Avocado, die sich dazwischengeschmuggelt hatte. • Katheter-Beutel? Ein ganzer Vorratskarton, sorgsam in den Wagen gelegt. Als sie an der Kasse standen, schaute Felix auf die Uhr: Exakt 60 Minuten waren vergangen. „Das nächste Mal machen wir ’nen Liveticker: Suárez im Fleischtheken-Stau, Bale im MilchLabyrinth, Neymar auf Radler-Safari…“ Alle lachten, und Felix spürte, wie die Last der vergangenen Tage für einen Moment von seinen Schultern glitt. Mit prall gefüllten Taschen verließen sie den Markt. Die Sonne blendete, Autos rauschten vorbei, und Felix hielt einen Beutel Katheter-Ersatzteile fast wie einen kleinen Schatz. Es waren nur Einkäufe – und doch fühlte sich diese Stunde wie ein Sieg an: Ordnung im Chaos, gemeinsam errungen. Samstag, 7. Juni 2025 – Später Mittag Mit den frisch gefüllten Einkaufstaschen machten sich Felix und die vier Spieler – Messi, Neymar, Suárez und Gareth Bale – auf den Weg Richtung Sparkassen-Filiale. Felix wollte dort seine neue Kreditkarte abholen und seine PIN ändern, damit der Kartenbetrug endlich komplett ausgeräumt war. Die Sonne brannte, Autos rauschten vorbei, und vor dem Kopfstein-pflasterten Platz vor der Bank war es belebt. Felix trug zwei schwere Tragetaschen, in denen die Katheter-Beutel und die laktosefreie Milch lagen; die Spieler verteilten Obst und Fleischkäse unter sich. Ein plötzlicher Aufruhr Kurz bevor sie den Vorplatz erreichten, schrillte aus Felix’ Rucksack der Alarmton seiner Handy-App: ein seltenes Pokémon war in der Nähe. Reflexartig griff er nach dem aufgesteckten Pokéball-Plus und rief laut: „Da ist ein Shiny Dratini!“ Passanten drehten sich irritiert um. Ein Mann erschrak, stolperte und ließ seine Einkaufstüte fallen. In diesem Moment fuhr zufällig ein Polizeistreifenwagen vorbei. Die Beamten sahen das kleine Durcheinander, den laut rufenden jungen Mann mit den Taschen – und beschlossen zu kontrollieren.

Zwei Polizisten stiegen aus. „Alles in Ordnung hier?“ fragte die Beamtin streng. Felix schluckte – die Sirene, das Abrupt-Gefühl erinnerten ihn an zu Hause. „Äh … ja, ich hab mich nur erschreckt, weil … also … Pokémon GO …“ Der Beamte fragte nach Ausweis. Felix holte seinen Personalausweis hervor; Messi und Bale erklärten, dass es nur ein Handyspiel sei und niemand in Gefahr. Die Polizei rief per Funk eine kurze Abfrage, doch es gab keinen Eintrag, keine Anzeige. Alles sauber. Die Beamtin reichte Felix den Ausweis zurück. „Nächstes Mal etwas ruhiger, ja? Sie dürfen weitergehen.“ Felix nickte, bedankte sich kleinlaut und trat zwei Schritte zurück. Die Beamten verabschiedeten sich und stiegen wieder ein. Der Wagen rollte davon. Verunsicherung Felix atmete tief aus. „Hab ich jetzt Ärger? Kriegt man Post, wenn man so was macht?“ Neymar grinste: „Post? Nein. War ja nichts. Sie haben nichts gegen dich.“ Messi klopfte ihm auf die Schulter: „Kein Eintrag, keine Strafe. Es war nur eine Routinekontrolle.“ Felix schnaubte einmal, halb erleichtert. „Okay … war bloß peinlich.“ Ein Blick, den niemand bemerkt Während sie weiter Richtung Bank gingen, stand am Ende des Platzes eine unscheinbare ältere Frau – dieselbe, die Felix schon mehrmals verfolgt hatte. Sie lehnte scheinbar gelassen an einer Litfaßsäule, hielt einen kleinen Notizblock unter einer Zeitung verborgen und beobachtete, wie Felix und die Spieler sich entfernten. Keiner von ihnen bemerkte ihre Blickrichtung oder die Art, wie sie jede Bewegung fixierte. Kein Passant achtete auf sie. In ihrem Block erschien ein kurzer, hastiger Satz: „Polizei-Reaktion getestet – keine Datenbank-Treffer. Subjekt weiterhin unauffällig, jedoch emotional labil.“ Die Frau verschwand wieder im Gewirr der Fußgänger, lautlos wie ein Schatten. Felix aber – er spürte nur, wie sein Herzschlag sich langsam normalisierte, während er mit den vier Freunden die Banktür aufstieß und in das kühl klimatisierte Foyer trat. Von der stillen Beobachterin wusste niemand etwas. Samstag, 7. Juni 2025 – Später Nachmittag Nach dem Zwischenfall mit der Polizei betrat Felix mit einem mulmigen Gefühl die Sparkassenfiliale. Die vier Spieler – Neymar, Messi, Suárez und Bale – blieben diskret im Hintergrund und setzten sich auf die Wartebank am Eingang. Felix ging an den Automaten, zog seine Karte durch und atmete noch einmal tief durch. Die Überweisung Auf dem Bildschirm blinkte: „Willkommen. Was möchten Sie tun?“ Felix klickte auf „Überweisung“. Er hatte die Daten seiner neuen Kreditkarte und die fällige Rückzahlung für den missbräuchlichen Versuch eines Fremden vorbereitet. Auch eine zweite Überweisung wollte er abschicken: das Geld für das neue Trikot, das der Vater ersetzt hatte – nicht weil es wieder gut war, sondern weil Felix das Gefühl hatte, mit der Zahlung vielleicht symbolisch einen eigenen Schritt zu machen. Er tippte vorsichtig jede Zahl ein. Sein Zeigefinger zitterte leicht. Als er am Ende auf „Bestätigen“ klickte und der grüne Haken erschien, fühlte er für einen Moment Erleichterung. Er hatte etwas selbst erledigt. Ganz ohne Hilfe. Ein kleiner Sieg inmitten des Chaos, das in den letzten Tagen über ihn hereingebrochen war. Er zog den Beleg aus dem Drucker, steckte ihn sorgfältig in seine Mappe und ging langsam zurück zu den Spielern. „Fertig“, sagte er ruhig. Sie standen auf, nickten, und gemeinsam verließen sie die Bank. Rückweg nach Hause

Der Weg zurück war ruhig. Die Straßen waren leerer geworden, das Licht der Nachmittagssonne begann sich golden zu färben. Felix trug seine Tasche über der Schulter, seine Gedanken kreisten um das Feuer, den zerstörten Rollstuhl, den Polizeieinsatz, das verlorene Vertrauen. Er wollte einfach nur einen Moment Frieden. Als sie in ihre Straße einbogen, fiel Felix ein Schatten am Hauseingang auf – kurz nur, dann verschwand er. Felix hielt kurz inne. „Alles gut?“ fragte Bale. „Ich … dachte, ich hätte was gesehen“, murmelte Felix. Doch er ging weiter. Eine Beobachtung aus der Dunkelheit Vom gegenüberliegenden Gebäude, aus einem Fenster mit leicht heruntergelassenem Rollo, war ein Objektiv auf Felix gerichtet. Die Frau mit den schmalen Lippen und dem grauen Haar notierte wieder etwas: „Subjekt zeigte heute erneut Stressreaktion. Reaktion auf Polizei eindeutig sensibel. Sozialer Kontakt zu vier bekannten internationalen Persönlichkeiten stabil. Erledigt Bankweg eigenständig. Beobachtung weiterhin unbemerkt.“ Sie lächelte schmal. „Bald“, flüsterte sie leise. „Bald wirst du verstehen, was du getan hast …“ Felix jedoch, der nichts von der stillen Überwachung ahnte, stieg mit den Spielern die Treppe hinauf in die Wohnung. Dort wartete bereits die Mutter mit einem Tee. Der Vater war nicht da – die Wohnung war ausnahmsweise ruhig. Felix nahm einen Schluck, lehnte sich zurück und dachte nur: „Bitte, lass diesen Abend ruhig werden.“ Samstag, 7. Juni 2025 – Abend Felix trat als Erster in die Wohnung. Die Luft roch sauber: kein verschütteter Alkohol, kein muffiger Wasserdunst – nur frische Seife. Im Flur stapelten sich drei große Kartons. Auf dem Schuhschrank stand ein unförmiges, in Zeitungspapier gewickeltes Päckchen. Und in der Küche brannte Licht. Er zögerte. Dann hörte er Stuhlscharen, das Knacken von Gelenken – der Vater kam aus der Küche, die Hände offen, die Schultern gesenkt. Vater (leise) „Felix … ich … ich weiß, es gibt nichts, was diese Woche rückgängig machen kann. Aber ich will es richtig machen. Ich hab Mist gebaut. Und mehr kaputtgemacht, als ich jemals wieder schönreden kann.“ Felix blieb im Türrahmen, Gareth Bale hinter ihm. Die anderen Spieler warteten im Hausflur. Der Vater bückte sich, riss vorsichtig das Zeitungspapier auf: eine nagelneue PlayStation 5 – noch eingeschweißt. Daneben, eingepackt in Luftpolsterfolie, lag eine alte Nintendo Switch. Er reichte sie Felix, als hielte er einen zerbrechlichen Kristall. Vater „Die Switch war im Servicecenter – sie haben alle deine Speicherstände retten können. Ich … hab lange gebraucht, das einzusehen. Und hier …“ – er deutete auf die Kartons – „neues Besteck, Teller, Gläser. Und Lebensmittel. Alles, was ich kaputtgemacht hab, ist ersetzt.“ Felix’ Blick wanderte zwischen den Paketen und dem Gesicht seines Vaters. Da war Reue, vielleicht zum ersten Mal wirkliche. Er brachte kein Wort hervor. Aber er nickte – kaum sichtbar – und nahm die Switch vorsichtig an sich. Der Vater atmete zittrig aus. „Ich weiß, Entschuldigung reicht nicht. Aber – ich arbeite dran. Versprochen.“ Gareth trat einen Schritt vor, legte Felix die Hand auf die Schulter und sagte mit ruhiger Stimme: „Ein guter Anfang.“ Der Vater senkte den Kopf.

Ein Schatten vor der Tür Später, als die Spieler halfen, Besteck einzuräumen, blieb Felix kurz allein im Flur. Plötzlich glaubte er, Stimmen draußen zu hören, fast wie ein Wispern. Er öffnete aber nicht – vielleicht nur Passanten. Vor der Haustür jedoch – verborgen im Dämmerlicht des Treppenhauses – stand die ältere Frau, die Felix seit Tagen nicht bemerkt hatte. Das Notizbuch in ihrer Hand schlug zu wie eine leise Klinge. Frau (flüstern, an niemand Bestimmten gerichtet) „Jetzt weiß ich, wo du wohnst, Felix Zimmermann. Wer dich schützt – Freunde, Polizisten, Familie – wird deine gerechte Strafe spüren. Jeder, der sich zwischen mich und mein Ziel stellt … wird es bereuen.“ Ihre Stimme war kaum lauter als ein Atemzug. Niemand im Inneren hörte sie. Kein Nachbar bemerkte die Gestalt. Ein schwacher Geruch von feuchtem Papier lag in der Luft, als sie sich abwandte und lautlos die Stufen hinabglitt. Drinnen richtete Felix gerade die neue Konsole ins Regal, während Neymar freudig die Netzwerkkabel sortierte und Messi testweise einen Kontroller einschaltete. Ein zaghaftes Lächeln stahl sich auf Felix’ Gesicht – ein Lächeln, das nicht ahnte, wie nah der nächste Schatten schon stand. Rückblick und Stimmungsbild Am Sonntag, 8. Juni 2025 – dem 24. Tag nach den dramatischen Ereignissen – setzte Felix sich pünktlich zur Mittagsübertragung mit seiner Mutter und den vier Spielern vor den Fernseher. Auf dem Programm stand das Nations-League-Spiel um Platz 3: Deutschland – Frankreich (Deutschland war drei Tage vorher im Halbfinale an Portugal gescheitert). Schon die Aufstellungen machten klar, dass Bundestrainer Nagelsmann erneut improvisieren musste. Der Spielverlauf (Kurzfassung) Minute Aktion Spielstand 45 + 1’ Mbappé vollendet einen Konter nach deutscher Drangphase 0 : 1 73’ Michael Olise trifft per Volley nach Eckball 0:2 Danach hatte Deutschland – trotz optischer Überlegenheit – keine Kraft mehr, das Blatt zu wenden. Frankreich sicherte sich souverän Rang 3. (bavarianfootballworks.com, espn.com, uefa.com, mykhel.com, bavarianfootballworks.com, m.economictimes.com, bulinews.com) Szenen im Wohnzimmer 1. Anpfiff (12:00 Uhr) Felix sitzt auf einem Sitzsack, der Controller seiner brandneuen PS5 liegt unbenutzt daneben – ein Geschenk des Vaters, das zwar half, aber die alten Wunden nicht verschwinden ließ. Neymar hantiert mit einer Obstschale, Suárez tippt parallele LiveStatistiken in sein Handy, Messi notiert sich taktische Auffälligkeiten. Die Mutter gießt Tee ein und streicht Felix gedankenverloren über die Schulter. 2. 0 : 1 – Sekunden vor der Pause Mbappé trifft – Stille im Raum. Felix verzieht das Gesicht. Seine Mutter seufzt nur: „Schon wieder kurz vor der Halbzeit …“ Messi nickt bedächtig, erklärt leise, wie eine verschobene Restverteidigung entstand. 3. 0 : 2 – 73. Minute Olise entscheidet das Spiel. Suárez schüttelt den Kopf: „Zweite Welle nicht verteidigt.“ Felix sinkt tiefer in den Sitzsack. Er spürt, wie Enttäuschung und Erschöpfung zusammenkommen – der Tag ist schon roh genug.

4. Abpfiff Deutschland verliert erneut. Felix streckt sich, schnappt sich seine Medikamente – die Uhr zeigt genau den Zeitpunkt seiner täglichen Dosis. Wembley-Rufe der Franzosen klingen aus den Boxen. Er schluckt die Tabletten mit einem Schluck Wasser, stellt das Glas ab und sagt nur: „Ich geh mich kurz hinlegen.“ Felix’ Gefühlslage • Niederlage: Zwei Pleiten in drei Tagen – erst Portugal, jetzt Frankreich. • Erschöpfung: Schlafdefizit und die ständige Angst, was als Nächstes daheim passiert. • Trost: Die PS5, der neue Alltag mit den Spielern, die erste kleine Versöhnungsgeste des Vaters – und ein Hauch Normalität beim Fußballschauen. Felix zieht sich in sein Zimmer zurück, legt sich mit Kopfhörern aufs Bett und versucht, über einen Podcast zu Frankreich–Deutschland einzuschlafen. Die Stimmen der Kommentatoren verschwimmen – doch draußen, an der Hauswand gegenüber, steht unbemerkt die ältere Frau im grauen Mantel. Sie schreibt einen weiteren Satz in ihr Notizbuch, dreht sich um und verschwindet. Felix aber döst endlich ein – für einen kurzen, friedlichen Mittagsschlaf zwischen Sieg und Niederlage. Am späten Mittag des 24. Tages, als die Übertragung des Spiels um Platz 3 vorbei war und der junge Mann eine Stunde geschlafen hatte, wachte er langsam wieder auf. Die Sonne fiel schräg durch die Jalousien seines Zimmers, das in einem Zustand war, den man mit gutem Willen als „geordnetes Chaos“ bezeichnen konnte. Aufräum-Aktion mit innerem Widerstand Felix stand auf, streckte sich und seufzte. Der neue Tag, das verlorene Spiel, die düsteren Gedanken der letzten Nacht und die unheimlichen Beobachtungen – alles lastete wie ein zäher Nebel auf ihm. Doch heute wollte er wenigstens etwas Kontrolle zurückgewinnen. Er beschloss, sein Zimmer endlich gründlich aufzuräumen. Die vier Spieler waren unten im Wohnzimmer, zwei lasen, einer schlief, einer sah sich Highlights des Spiels noch mal an. Felix wollte allein sein – auch, weil es ihm half, den Kopf freizubekommen. Schritt für Schritt 1. Bett neu bezogen Felix nahm sich als Erstes die Bettwäsche vor. Die Laken waren schon älter, aber sie rochen noch leicht nach Lavendel von der letzten Wäsche. Beim Aufziehen dachte er daran, wie sein Vater letzte Nacht leise in die Wohnung gekommen war – nur um dann erneut laut und zerstörerisch zu werden. 2. Zerstörtes ersetzt In der linken Ecke lagen die Überreste seines alten Bestecks und eines zerbrochenen Trinkglases. Er kehrte die Scherben in eine kleine Schachtel und stellte die neue, unbenutzte Gabel und den Löffel, die ihm der Vater in seltener Versöhnung mitgegeben hatte, ordentlich in die Küchenschublade. 3. Die neue PS5 verkabeln Die neue Konsole stand zwar seit gestern im Regal, war aber noch nicht angeschlossen. Felix wollte das heute erledigen. Mit ruhiger Hand steckte er die HDMI-Kabel und das Netzteil ein, ordnete die Fernbedienung, sortierte die Spiele – darunter das neue Katzenspiel, das ihn zuletzt sehr berührt hatte. 4. Kleider falten & Schrank ausmisten Danach nahm er sich den Kleiderschrank vor. Viele Kleidungsstücke lagen halb zusammengefaltet, einige noch mit Suppenflecken von der Nacht, als er etwas

verschüttet hatte. Die Mutter hatte das meiste schon in die Waschmaschine getan, aber den Rest faltete er jetzt ordentlich. Das zerstörte Trikot war nicht mehr zu retten – aber der Gedanke, bald ein neues zu bestellen, gab ihm ein Gefühl von Handlungsmacht. 5. Katheter-Set sortieren Am wichtigsten war ihm heute jedoch: Ordnung in seine medizinischen Dinge zu bringen. Nachdem der Vater ihm Teile seiner Vorräte zerstört hatte, hatte Felix einen neuen Satz bekommen. Nun sortierte er die Beutel, Blöcke und Katheter in eine eigene kleine Kiste, die er unter dem Schreibtisch sicher platzierte – versteckt und geschützt. Gegen Ende Als der Staubsauger durch den Raum brummte, betrat Messi kurz das Zimmer, klopfte an und fragte freundlich: „Alles in Ordnung?“ Felix nickte nur. „Ich will nur wieder ein bisschen Kontrolle.“ Messi lächelte verständnisvoll, sagte nichts weiter und ging wieder. Letzter Blick Als Felix fertig war, war es fast 17 Uhr. Die Sonne warf lange Schatten auf seinen frisch gesäuberten Boden. Er setzte sich auf die Bettkante, trank einen Schluck Wasser, atmete tief durch – und fühlte sich für einen Moment sicher. Was er aber nicht wusste: Draußen im Flur, zwischen Wohnungstür und Treppenhaus, saß die alte Frau wieder. Regungslos. Sie hatte sich alles notiert – sogar, wann Felix zuletzt gestaubsaugt hatte. Ein neuer Eintrag in ihrem kleinen Buch: „Der Junge scheint sich zu fangen. Doch seine Strafe wird kommen – ganz sicher.“ Sonntag, 8. Juni 2025 – Später Abend des 24. Tages Felix war frisch geduscht, trug sein Lieblings-Mainz-05-Trikot und hatte sich gemeinsam mit seiner Mutter und den vier Spielern auf das Sofa gesetzt. Heute stand das Nations-LeagueFinale an – Spanien gegen Portugal, direkt aus München übertragen. Der Spiel-Verlauf • Endstand: 2 : 2 nach Verlängerung ➝ Portugal gewinnt 5 : 3 im Elfmeterschießen und holt damit seinen zweiten Nations-League-Titel . • Bulgarischer Aufbau: Spanien führte, Portugal glich aus, war stark – Ronaldo zeigte nochmals seine Klasse. • Elfmeterschießen: Nur Morata vergab auf der Gegenseite, Neves verwandelte den entscheidenden Elfer . Doch das Finale wurde von einem tragischen Ereignis überschattet: Ein Zuschauer war in der Allianz Arena gestürzt und verunglückte tödlich – bereits während der Verlängerung. Die Spieler und Kommentatoren erinnerten mit Schweigeminute, und das Spiel wurde in tiefer Betroffenheit fortgesetzt (the-sun.com). Im Wohnzimmer Felix und die Spieler hingen an jedem Moment. Als der Ball über die Linie kullerte, tauschten sie Schock-Blicke aus, gefolgt von bewunderndem Respekt für das starke Comeback Portugals. Bei den Penaltys flackerte Nervosität auf – doch als Neves traf, sprangen sie auf, jubelten leise, fühlten einen Mix aus Freude und Respekt. Felix nahm sich eine Decke, zog sie über die Schultern. Seine Hand umfasste die seiner Mutter. Es ist unfassbar, dachte er – sowohl der Sieg als auch das Unheil daneben. Nach dem Abpfiff

Portugal feierte, Cristiano Ronaldo brach in Tränen aus, kniete auf dem Rasen – ein letztes glanzvolles Bild einer herausragenden Karriere . Spanien nahm die Niederlage würdevoll an. Mutter und Felix sahen sich an. Sie sprachen kein Wort – sondern verstanden, dass sie heute beides gefühlt hatten: Jubel und Trauer, Sieg und Verlust. Wie das Leben – es ist nicht nur schwarz oder weiß. Felix flüsterte: „Ich hab’s verstanden: Man gewinnt nicht immer, aber man übersteht beides gemeinsam.“ Ein Moment der Stille Als die Lichter im Wohnzimmer langsam dunkler wurden, legten sich Felix und die Spieler zur Ruhe. Draußen war es still, nur das leise Ticken der Uhr im Flur begleitete sie. Doch nicht alle waren in Frieden: Vor dem Haus stand, im Schatten, die Beobachterin – schlank, unsichtbar. Sie schrieb in ihr Buch: „Der Junge sieht das Drama – aber er weiß nicht, wie es endet. Ich auch nicht. Beobachtung fortsetzen.“ Felix jedoch ahnte nichts. Er war einfach nur ein junger Mann, der an diesem Abend etwas verloren und etwas gefunden hatte – erfüllter, aber nicht geheilt. Und das war genug, um weiterzugehen. • apnews.com • the-sun.com • Nacht des 24. Tages – Zwischen Suppe, Ronaldo und fehlenden Dingen • Es war kurz nach 23 Uhr. Die Nationenliga lag hinter ihnen, das Wohnzimmer war aufgeräumt, die Spieler hatten sich bereits in ihre Ecken zurückgezogen. Nur Felix saß noch in der Küche – über seinem dampfenden Teller Suppe. Die Brühe war einfach, klar, mit ein paar Nudelsternen. Seine Mutter hatte sie ihm extra gemacht, leicht gesalzen, mit etwas frischer Petersilie. Es war ein bescheidener Abschluss für einen langen, vollen Tag. • Während er die Suppe löffelte, vibrierte sein Handy auf dem Tisch. Es war eine Nachricht von Cristiano Ronaldo. • „Hey Félix, wollte mich nochmal melden. Ich hab die Highlights vom Spiel gesehen. Ich weiß, es war schwer. Aber du hast das richtig gemacht – du hast durchgehalten. Ich bin bald wieder da. Schlaf gut, mein Freund.“ • Felix lächelte müde. Es war nicht viel – aber es bedeutete alles. Er antwortete mit einem kurzen Emoji und einem „Danke“ und stellte das Handy beiseite. • • •

Schlafvorbereitung – und fehlende Dinge Er stand auf, stellte den Suppenteller in die Spülmaschine und tappte in sein Zimmer. Er wollte sich gerade umziehen, als er merkte: Seine Schlafhose war weg. Nicht in der Schublade. Nicht auf dem Stuhl. Auch das neue T-Shirt, das er heute eigentlich anziehen wollte, war nicht da. Kurz durchfuhr ihn Panik – er erinnerte sich, dass er es beim Aufräumen im Wohnzimmer über den Heizkörper gelegt hatte, aber nun war es verschwunden. Als er fluchend in den Flur ging, trat er fast in ein zerknülltes Paar Socken. Er seufzte. Wieder etwas, das er eigentlich gestern in den Wäschekorb bringen wollte.

Akku leer, Chaos beim Putzen Er wollte sich kurz setzen und sein Handy anschließen – doch der Akku war auf 2 %. Und das Ladekabel? Nirgends. Nach zehn Minuten Suchen fand er es endlich – unter dem Couchtisch, halb eingerollt in einer alten Zeitung. Er steckte es ein, stellte sich den Wecker für den nächsten Tag und griff nach einem Tuch, um noch den Nachttisch sauber zu machen. Auch die leere Tasse vom Nachmittag stand dort noch.

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Tee, Dunkelheit und Gedanken Felix ging in die Küche, kochte sich schnell noch einen Kamillentee. Während der Beutel zog, lehnte er am Fenster und blickte in die Dunkelheit. Im Hinterhof war alles ruhig. Keine Stimmen. Keine Schatten. Nur eine Straßenlaterne flackerte leicht. Er dachte an das seltsame Gefühl, das ihn den ganzen Tag begleitet hatte – als würde jemand ihn beobachten. Zurück im Zimmer, trank er langsam seinen Tee aus. Die Wärme tat ihm gut. Er schlüpfte ins Bett, nahm sein Handy in die Hand und scrollte noch ein paar Minuten durch die Bilder vom Nations-League-Finale. Dann wechselte er zu einem Video mit einem entspannenden Geräusch von Regen auf Blättern. Er ließ es leise laufen, stellte den Timer auf 30 Minuten.

Die letzte Erinnerung des Tages Kurz bevor ihm die Augen zufielen, warf er noch einen Blick auf die Nachricht von Ronaldo. Ein Satz stand fett in seinem Kopf: „Du hast durchgehalten.“ Felix schloss die Augen. Er war nicht mehr sicher, ob das nur auf das Spiel bezogen war – oder auf alles. Morgen des 25. Tages – Wut, Worte und fliegende Handys Der Morgen begann eigentlich ruhig. Sonnenlicht fiel durch die halb geöffneten Vorhänge, der Duft von frischem Kaffee lag in der Luft. Felix war gerade dabei, seine Tabletten einzunehmen und überlegte, ob er heute mit den Spielern in den Park gehen sollte. Doch dann hörte er die schwere Tür des Schlafzimmers seiner Eltern – und wusste, dass der Frieden nicht lange halten würde. Sein Vater kam mit festen Schritten ins Wohnzimmer. Die Stirn gerunzelt, die Augen gerötet. Er sah Felix an, blieb aber einen Moment lang stumm stehen, bevor er in einem Ton sprach, der zwischen aufgewühlter Enttäuschung und zurückgehaltener Wut schwankte: „Ich bin immer noch sauer auf deine Mutter. Sie versteht einfach nichts. Sie glaubt, ich übertreibe… aber sie kapiert nicht, wie sehr mich das verletzt.“ Felix schwieg. Was sollte er sagen? Der Vater war wie ein brennender Docht – unberechenbar, sobald jemand zu nah kam. Dann drehte sich der Vater abrupt zur Kommode, auf der das Handy der Mutter lag. Er griff danach, betrachtete es kurz – und bevor irgendwer eingreifen konnte, schleuderte er es mit voller Kraft gegen die Wand. Das Display splitterte sofort, das Gehäuse sprang auf, und das Gerät fiel klappernd zu Boden. Felix zuckte zusammen. Er wollte etwas sagen – doch in diesem Moment ging sein Vater zur Balkontür, riss sie auf, holte sein eigenes Handy aus der Hosentasche und brüllte: „Wenn mir keiner zuhört, dann brauch ich auch das hier nicht mehr!“ Dann schleuderte er sein Handy mit einem kräftigen Schwung über das Geländer. Es segelte im hohen Bogen fünf Stockwerke tief – und verschwand hinter dem Rand. Ein dumpfer Klack hallte kurz später aus dem Innenhof nach oben. Stille. Die Mutter kam aus der Küche gerannt. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie das zerstörte Gerät am Boden sah. Sie wollte etwas sagen, aber ihr Mann hob nur warnend die Hand – und verschwand wieder ins Schlafzimmer, die Tür schloss er langsam, aber mit einem klaren „Knall“ am Ende.

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Felix stand regungslos da. In der Küche rührte sich nichts mehr. Die Kaffeemaschine blubberte leise vor sich hin. Die Szene hallte noch in seinem Kopf nach, wie ein Echo. Er griff sein eigenes Handy, das zum Glück noch funktionierte, und tippte eine Nachricht an Messi: „Heute war wieder so ein Morgen… Können wir nachher raus? Ich muss hier raus.“ Die Antwort kam prompt: „Klar, wir sind für dich da. Sag einfach wann.“ Felix nickte leise. Er wusste: Er war nicht allein. Doch das Gefühl, wie zwei zerbrochene Handys mehr über die Stimmung im Haus aussagen konnten als tausend Worte, ließ ihn nicht los. Mittag des 25. Tages – Rückkehr zur Tante Nach den aufwühlenden Ereignissen des Morgens herrschte in der Wohnung eine beklemmende Stille. Niemand sprach ein Wort über das, was passiert war. Felix hatte sich zurückgezogen, die kaputten Handys im Hinterkopf, während er sich leise fertig machte. In der Küche bereitete seine Mutter still belegte Brötchen vor, während die Spieler – Messi, Neymar, Suárez und der walisische Ersatz für Ronaldo – bereits angezogen warteten. Kurz nach zwölf packten sie gemeinsam alles zusammen: eine Decke, ein Korb mit Snacks, Blumen für die Tante, die frisch aus dem Krankenhaus entlassen worden war – und ein selbstgemachtes Kärtchen von Felix mit der Aufschrift „Willkommen zurück!“. Der Vater, der wieder scheinbar gefasst war, fuhr sie mit dem Auto. Die Fahrt war ruhig, nur das leise Surren der Lüftung und das Knacken der alten Radiomusik durchbrachen die Stille. Felix blickte währenddessen aus dem Fenster. Die Gedanken drehten sich – aber er hielt sie für sich. Als sie ankamen, stand die Tante bereits an der Tür, gestützt auf einen leichten Gehstock, aber mit einem Lächeln im Gesicht. Ihre Augen wurden feucht, als sie Felix und die anderen sah. Die Umarmung zwischen ihm und ihr dauerte ein paar Sekunden länger als üblich. „Ich bin froh, euch zu sehen. Und so viele auf einmal“, sagte sie, während sie nacheinander alle begrüßte. Im Wohnzimmer hatte man für sie einen weichen Sessel bereitgestellt, daneben ein Hocker, damit sie ihre Beine hochlegen konnte. Felix überreichte ihr die Karte und die Blumen, woraufhin sie ihn an der Hand nahm und mit leiser Stimme sagte: „Du bist wirklich ein lieber Junge.“ Sie setzten sich gemeinsam ins Wohnzimmer, tranken Tee und aßen von den mitgebrachten Brötchen. Die Spieler waren respektvoll und ruhig, machten aber auch hin und wieder lockere Bemerkungen, die die Tante zum Lächeln brachten. Später, als die Gespräche sich mehr ums Wetter, die Operation und die neuen Medikamente drehten, zog sich Felix kurz auf den Balkon zurück. Neymar folgte ihm, stellte sich neben ihn und sagte: „Du bist heute stark gewesen. Ich hab das gesehen.“ Felix antwortete nicht direkt. Er sah in den Himmel, dann zu seiner Tante hinter dem Fenster. „Ich glaube, ich will einfach nur, dass sie es schön hat… wenigstens sie“, murmelte er leise. Neymar legte ihm kurz die Hand auf die Schulter. „Das wird sie. Du bist ihr Licht, auch wenn du es selbst nicht siehst.“ Dann gingen sie wieder rein. Die Sonne warf ein warmes Licht durch die Fenster, als ob sie für einen kurzen Moment sagen wollte: „Heute ist es gut, dass ihr da seid.“ Und zum ersten Mal an diesem Tag konnte Felix durchatmen. Später Nachmittag des 25. Tages – Rückzug zum Hund

Die Stunden bei der Tante vergingen langsamer als erwartet. Während sich die Erwachsenen – allen voran die Mutter und der Vater – leise unterhielten und die Spieler in gedämpfter Stimmung Tee tranken, wurde es Felix im Wohnzimmer plötzlich zu viel. Das warme, aber gedämpfte Licht, das monotone Surren eines alten Ventilators, das Flüstern der Gespräche – alles zusammen legte sich wie eine schwere Decke auf ihn. Er brauchte Raum. Ohne ein Wort stand Felix auf, nickte der Mutter kurz zu und verließ leise das Wohnzimmer. Er ging durch den Flur, vorbei am alten Holzschrank mit der rissigen Glasvitrine, durch die Hintertür hinaus in den kleinen Garten der Tante. Dort war er – Balu, der alte Mischlingsrüde der Tante. Grau um die Schnauze, etwas träger als früher, aber immer noch mit diesem treuen Blick, der Felix seit seiner Kindheit ein Gefühl von Sicherheit gab. „Na, du alter Kumpel“, flüsterte Felix und hockte sich neben ihn ins Gras. Balu hob gemächlich den Kopf, wedelte leicht mit dem Schwanz und stupste ihn sanft mit der Schnauze an. Felix kraulte ihn hinter den Ohren und ließ sich dann ganz auf den Rasen sinken. Er lag da, Balu neben ihm, und atmete tief durch. Die Sonne stand nun tiefer, warf schmale Schatten durch das dichte Weinlaub an der Pergola. „Weißt du, Balu...“, murmelte Felix leise, „manchmal glaube ich, du bist der Einzige, der mich wirklich versteht.“ Der Hund gähnte, als wolle er ihm zustimmen. Die Minuten verstrichen. Ab und zu hörte man das Klingen von Geschirr aus der Küche, das Lachen der Tante, das Klappern einer Tasse – doch all das war weit weg. Hier draußen, nur mit Balu, konnte Felix abschalten. Dann hörte er Schritte auf dem Kiesweg. Es war Messi, der sich vorsichtig näherte, in respektvollem Abstand stehen blieb und sagte: „Wir lassen dich kurz in Ruhe. Ich hab den anderen gesagt, du brauchst den Moment. Ich bleib in der Nähe, falls du mich brauchst.“ Felix nickte wortlos. Er streichelte Balu weiter, während der Wind sacht durch die Bäume rauschte. Er wusste, irgendwann musste er wieder zurück ins Haus – zurück zu der Welt, die laut und kompliziert war. Aber für diesen Moment war es nur er, Balu… und die Stille.

Abend des 25. Tages – Suppe bei der Tante Nach einer guten Weile im Garten, als die Sonne bereits fast hinter den Dächern verschwunden war und der Himmel sich in ein warmes Orange tauchte, stand Felix langsam auf. Er streichelte Balu ein letztes Mal über das graue Fell und sagte leise: „Ich geh wieder rein, alter Freund. Vielleicht riechst du ja schon die Suppe.“ Der Hund blickte ihm kurz nach, ehe er sich wieder gemütlich in das Gras legte. Felix öffnete die Terrassentür und trat in die Küche der Tante. Es war warm – nicht nur wegen des Herds, sondern auch wegen der Atmosphäre. Die Tante stand dort mit einer großen, alten Schürze umgebunden, die an einigen Stellen von Zeit und vielen Waschgängen ausgeblichen war. „Ah, da bist du ja, mein Junge“, sagte sie mit einem liebevollen Blick, ohne sich ganz umzudrehen. „Ich hab schon fast gedacht, du brauchst noch mehr Zeit mit Balu.“ Felix setzte sich auf einen der alten Küchenstühle, die mit ihren weichen Polstern schon viele Jahre überstanden hatten. Der Tisch war gedeckt – nicht besonders aufwendig, aber herzlich. Ein tiefer Teller, ein Stück Brot, eine Tasse für Tee.

Die Tante stellte ihm die dampfende Suppe hin. Sie war hell, klar, mit Nudeln, Karotten, Sellerie und kleinen Fleischstückchen. Der Duft war wohltuend und erinnerte Felix an viele Abende aus seiner Kindheit, wo er krank auf dem Sofa lag und genau diese Suppe bekam. „Iss ruhig. Du wirkst, als hättest du’s nötig. Nicht nur für den Magen, auch für die Seele“, sagte sie und streichelte ihm beim Vorbeigehen kurz über den Rücken. Felix nahm den Löffel in die Hand, rührte leicht in der Suppe und pustete vorsichtig. Dann nahm er den ersten Löffel und schloss die Augen. „Schmeckt wie früher“, murmelte er leise. Die Tante lächelte gerührt. „Das soll’s auch. Ich hab’s genauso gemacht wie damals, als du klein warst und dir beim Spielen das Knie aufgeschürft hast.“ Während Felix weiter aß, setzten sich langsam auch die Spieler nach und nach wieder in die Küche. Neymar setzte sich ihm gegenüber, während Suárez sich mit einem Tee an die Wand lehnte. Messi hatte sich auf die Bank am Fenster gesetzt und schaute in den Garten. Keiner sprach viel. Es war eine dieser stillen, echten Momente, in denen Worte überflüssig sind. Die Tante drehte sich noch einmal zu Felix und sagte: „Wenn du willst, mach ich dir morgen noch einen Topf. Vielleicht kannst du ja auch was mitnehmen.“ Felix nickte dankbar. „Das wäre schön.“ Für einen Augenblick fühlte sich alles ruhig an. Auch wenn draußen die Welt wieder toben würde – in dieser Küche, bei dieser Suppe, war alles gut. Abend des 25. Tages – Fleischkäse und Schlaf Der Tag war lang gewesen. Nachdem Felix mit den Spielern, seinen Eltern und der Tante zusammen Zeit verbracht hatte, war der Abend nun hereingebrochen. Die Uhr zeigte bereits kurz nach acht, als sie sich langsam verabschiedeten und die Tante ihnen zum Abschied noch jedem ein kleines Stück Kuchen in einer Serviette mitgab. Der Rückweg war ruhig. In der Straßenbahn saß Felix neben Suárez, der wie immer entspannt wirkte, während Neymar müde den Kopf an die Fensterscheibe lehnte. Messi schrieb leise auf seinem Handy, und der Spieler aus Wales, der Ronaldo vertreten hatte, blätterte in einem kleinen Taschenbuch über Taktik im Fußball. Wieder zu Hause angekommen, herrschte zunächst Stille. Die Mutter begann, ein wenig aufzuräumen, während der Vater sich – ohne ein Wort – in das Schlafzimmer zurückzog. Man hörte nur das Öffnen und Schließen der Badezimmertür, dann war es ruhig. Felix stand vor dem Kühlschrank. Er hatte den ganzen Tag über viel erlebt, aber kaum richtig gegessen – abgesehen von der Suppe. Sein Magen knurrte. Er öffnete das untere Fach und holte ein großes Stück Fleischkäse heraus, das seine Mutter am Vortag besorgt hatte. Dazu legte er sich eine Semmel bereit. Ohne viel Aufwand schnitt er sich zwei dicke Scheiben ab, legte sie in eine kleine Pfanne und ließ sie leicht anbraten. Der Duft füllte schnell die Küche. Neymar kam neugierig herein, sah den Fleischkäse und grinste: „Schon wieder? Du liebst das Zeug wirklich, oder?“ Felix nickte nur, leicht verlegen, und erwiderte: „Es erinnert mich daran, wenn ich früher was gebraucht hab, das mich beruhigt.“ Messi und der Waliser gesellten sich dazu, aber sie wollten nichts mehr essen. Suárez hingegen nahm sich ein Stück von Felix’ zweiter Scheibe – mit dessen Einverständnis – und nickte anerkennend. Nach dem Essen spülte Felix selbst sein Geschirr ab, wünschte allen eine gute Nacht und verschwand in sein Zimmer. Dort legte er sich auf sein Bett, streckte sich aus und atmete tief durch. Er war müde – aber auch irgendwie zufrieden. Bevor er die Augen schloss, nahm er noch einen Schluck Wasser, schaltete sein Handy in den Ruhemodus und deckte sich zu. Die Stimmen aus dem Wohnzimmer wurden langsam leiser, während die Dunkelheit den Raum einhüllte.

„Morgen ist ein neuer Tag“, murmelte Felix leise und schloss die Augen. Dann schlief er ein – mit dem warmen Gefühl von Fleischkäse im Bauch und dem Gedanken, dass zumindest dieser Abend ruhig zu Ende gegangen war. 26. Tag – Dienstag, 10. Juni 2025 – Der zerrissene Schrank Der Morgen war wie jeder andere begonnen. Die ersten Sonnenstrahlen fielen durch die Ritzen der Jalousien in Felix' Zimmer. Verschlafen blinzelte er, rollte sich auf die Seite und griff nach seiner Medikamentenbox. Es war genau 08:04 Uhr, wie jeden Tag stellte er sicher, dass er die richtige Dosis Epilepsie-Medikamente einnahm. Er trank dazu ein Glas Wasser, das er sich am Vorabend zurechtgestellt hatte. Mit einem Seufzen setzte er sich auf die Bettkante. Die Ereignisse der letzten Tage hatten ihn erschöpft – und doch war da dieses leise Gefühl von Pflichtbewusstsein in ihm, das ihn antreiben ließ. Also zog er sich langsam seine Hausschuhe an, nahm sein Handy vom Nachttisch und ging leise Richtung Bad. Als er sich der Tür näherte, hörte er bereits ein leises Knacken und dann ein kurzes, ärgerliches Fluchen. Felix blieb stehen. Die Tür war einen Spalt offen. Vorsichtig schob er sie weiter auf. Im Bad stand sein Vater. Er hatte sich über den hölzernen Badezimmerschrank gebeugt – genauer gesagt, über die obere rechte Ecke des Schranks. Offenbar hatte er dort einen dunklen Fleck entdeckt, vielleicht Feuchtigkeit oder Schimmel. Doch der Vater war nicht ruhig geblieben. Mit angespannter Miene zerrte er an der Stelle, die sich leicht gelöst hatte. Felix beobachtete, wie der Vater das Eckstück in der Hand hielt, es musterte – und dann in einem plötzlichen Impuls mit beiden Händen die gesamte Verkleidung des Schranks packte und kräftig daran riss. Mit einem lauten Krachen löste sich die komplette Verblendung der rechten Schrankseite. Holz splitterte, eine Schraube fiel klimpernd auf den Boden. Der Vater stand da, den Blick starr, die Muskeln angespannt, als wolle er den gesamten Schrank demontieren. Felix trat langsam näher. „Papa… was machst du da?“ fragte er vorsichtig. Der Vater drehte sich nur kurz um, seine Augen funkelten. „Das Ding war eh alt. Guck dir das an! Alles verzogen, da kommt der ganze Mist runter.“ Felix trat wieder einen Schritt zurück. Er wusste, dass Diskussionen in diesem Zustand keinen Sinn ergaben. Stattdessen beobachtete er schweigend, wie der Vater weiter Teile der Verkleidung abriss. Schließlich ließ der Vater das Holz auf den Boden fallen, drehte sich wortlos um, verließ das Bad und ging ins Wohnzimmer. Felix blieb allein zurück – zwischen den Splittern. Er seufzte tief, bückte sich, sammelte einige der größeren Stücke auf und stellte sie ordentlich an die Wand. Dann schloss er die Badezimmertür, wusch sich das Gesicht und atmete einmal tief durch. Es war wieder einer dieser Tage. 26. Tag – Dienstag, 10. Juni 2025 – Nachmittag: FIFA und ein Schnaps Der Nachmittag verlief zunächst ruhig. Nachdem Felix das Chaos im Bad gesehen und den Vormittag eher zurückgezogen verbracht hatte, freute er sich nun auf eine kleine Auszeit mit den vier Spielern. Die Sonne stand hoch über Mainz, und trotz der belastenden Atmosphäre zu Hause wollte Felix versuchen, etwas Normalität zu finden. Er holte die Controller hervor, schaltete die neue PS5 ein – die ihm der Vater vor wenigen Tagen als vermeintliche Wiedergutmachung geschenkt hatte – und stellte den Fernseher an. Neymar, Messi, Suárez und der Ersatzspieler aus Wales saßen bereits in der typischen Halbkreis-Formation auf dem Teppich und dem Sofa. „Also, Felix“, sagte Neymar grinsend, „heute will ich endlich wissen, wie du mit Liverpool gegen uns bestehen willst!“ „Challenge accepted“, murmelte Felix, während er die Mannschaft auswählte.

Die ersten beiden Partien verliefen spannend – 2:2 und 3:1 für Suárez und den Waliser. Felix, der sich ein wenig ärgerte, dass er immer wieder in der Verteidigung überrannt wurde, war dennoch gut gelaunt. Es fühlte sich gut an, einfach ein paar Stunden abzuschalten. Nach der dritten Runde – ein knapper 4:3-Sieg für Felix – stand Messi plötzlich auf und ging zur kleinen Hausbar im Wohnzimmer. Er zog eine dunkle Flasche hervor, die sie tags zuvor beim Einkaufen gefunden hatten. „Heute bekommst du zur Feier deines Comebacks im FIFA ein Mini-Schnäpschen“, sagte Messi mit einem verschmitzten Grinsen. „Aber nur einen. Versprochen.“ Felix schaute skeptisch, aber auch neugierig. „Was ist das überhaupt?“ „Ein Kräuterschnaps. Nicht stark. Nur ein Schlückchen, Bruder“, sagte Suárez und zwinkerte. Er zögerte kurz – erinnerte sich daran, wie seine Mutter enttäuscht gewesen war, weil er nach dem Nations-League-Spiel Bier getrunken hatte. Aber das hier war etwas anderes. Ein kleiner Moment mit Menschen, die sich gerade wie Freunde anfühlten. Also nickte er langsam. „Okay… aber wirklich nur den einen.“ Messi schenkte in vier winzige Gläser ein – kaum mehr als ein Finger breit. Der Geruch war scharf und würzig. Felix roch daran, verzog kurz das Gesicht, dann stießen sie alle an. „Auf kleine Siege im Alltag“, sagte der Waliser leise. Der Schnaps brannte leicht im Hals, aber nicht unangenehm. Felix lachte danach sogar, klopfte sich auf die Brust und meinte: „Boah… das war intensiv.“ „Willkommen in der Welt der Erwachsenen“, lachte Neymar. Sie setzten sich wieder, starteten das nächste FIFA-Spiel und spielten weiter, während draußen die Nachmittagssonne langsam Richtung Horizont wanderte. Für einen Moment war alles einfach. Kein Streit, kein Krach. Nur Felix, seine vier Spieler – und ein Hauch von Leichtigkeit. 26. Tag – Dienstag, 10. Juni 2025 – Abend: Die Suppe der Tante Als die Sonne langsam unterging und das goldene Licht durch die Vorhänge im Wohnzimmer der Tante fiel, saß Felix mit leicht geröteten Wangen und noch einem Lächeln auf den Lippen am Küchentisch. Die Stunden mit den Spielern und dem FIFA-Turnier hatten ihm gutgetan. Doch nun war der Tag weitergezogen – und er war mit seiner Familie wieder bei der Tante zu Besuch, die sich nach ihrer Operation noch schonte, aber es sich nicht nehmen ließ, etwas für Felix vorzubereiten. „Setz dich, mein Junge“, sagte die Tante mit einem sanften Lächeln, während sie langsam und bedacht mit einer Kelle die dampfende Suppe in einen tiefen Teller schöpfte. Die Küche roch nach frischen Kräutern, Sellerie, Lauch und einer würzigen Brühe – hausgemacht, mit Sorgfalt und Liebe. Neben dem Teller stellte sie ein Stück frisches Bauernbrot mit einer dicken Scheibe Butter. Felix setzte sich hin und sah zu, wie sie ihm noch einen Löffel auf die Serviette legte. „Ich hoffe, du hast Hunger“, sagte sie. „Ich hab’s genau so gekocht, wie du’s früher bei mir geliebt hast.“ Er lächelte schwach, die Stimmung war ruhig und ein wenig melancholisch. Die Tante war blass, aber sie lächelte, zufrieden, dass sie ihm noch etwas geben konnte – selbst in ihrer Erholung. „Danke“, sagte Felix leise und nahm den ersten Löffel. Die Suppe war heiß, kräftig und beruhigend. Jeder Löffel schien ihn innerlich zu wärmen – nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Während er aß, saß die Tante ihm gegenüber, trank einen Tee und sah ihm einfach zu. Die anderen – seine Mutter, der Vater und die Spieler – waren im Wohnzimmer, wo sie leise redeten, ab und zu lachten, aber ihm bewusst den Raum ließen. „Weißt du“, sagte die Tante plötzlich, „manchmal ist das Einzige, was wir tun können, etwas Warmes geben. Auch wenn wir die Probleme nicht lösen können.“ Felix nickte. Es war kein Satz, den er beantworten musste. Aber er verstand.

Als er den Teller leerte, spürte er die Ruhe in sich zurückkehren – eine kleine Insel inmitten all des Lärms und der Belastung der letzten Tage. Die Suppe war nicht nur Nahrung. Sie war ein Trost, eine Erinnerung an Geborgenheit. Nach dem Essen küsste er die Tante sanft auf die Stirn. „Danke... für alles.“ Sie antwortete nur mit einem Lächeln und einem leisen „Pass auf dich auf, mein Kind.“ Felix ging dann wieder zu den anderen, wo ihn schon ein Platz auf dem Sofa erwartete – zwischen Neymar und dem Waliser. Der Abend war still, ohne Drama. Und das war, nach all dem, ein kleines Geschenk. 27. Tag – Mittwoch, 11. Juni 2025 – Morgen: Ruhe am frühen Tag Die ersten Sonnenstrahlen zeichneten zarte Muster auf die Vorhänge des Schlafzimmers, als Felix langsam die Augen öffnete. Ein kurzer Moment der Orientierung – dann fiel ihm auf, dass es still war. Kein Türknallen, kein Stampfen, kein erhobenes Wort. Nur das leise Zwitschern der Vögel und das entfernte Brummen eines Autos auf der Straße. Er drehte sich zur Seite und spürte, wie ruhig sein Körper war. Kein angespannter Nacken, kein Druck auf der Brust. „Der Vater ist auf der Arbeit“, dachte er – und ein leiser, innerer Frieden breitete sich aus. Es war fast 9 Uhr. Noch Stunden, bis dieser Frieden vielleicht wieder von Schatten durchzogen werden würde. Aber jetzt… war Ruhe. Felix stand auf, streckte sich vorsichtig, nahm seine Medikamente mit einem Glas Wasser, das er am Vorabend vorbereitet hatte, und ging langsam ins Wohnzimmer. Dort saßen Messi und Suárez schon auf der Couch – sie sahen einen alten Film auf leiser Lautstärke. Beide nickten ihm freundlich zu. „Guten Morgen, Felix“, sagte Suárez mit einem kleinen Grinsen. „Du siehst heute erholt aus.“ Felix setzte sich mit einem müden Lächeln zwischen sie. „Weil er nicht da ist“, murmelte er, und beide Spieler nickten still. Sie verstanden – auch ohne viele Worte. Nach ein paar Minuten kam auch Neymar in den Raum, noch mit zerzausten Haaren, und rieb sich den Bauch. „Ich mach uns Frühstück“, sagte er gut gelaunt. „Jemand Lust auf Rührei mit Tomaten?“ Felix nickte und fühlte sich plötzlich ein bisschen zuhause. Ronaldo war heute früh zur Nationalmannschaft abgereist, doch die anderen drei Spieler waren da – als Schutz, als Ruhepol, als Freunde. In der Küche summte Neymar leise, während er die Eier aufschlug. Suárez deckte den Tisch. Messi nahm Felix mit zu einem kurzen Spaziergang auf den Balkon. Die Luft war frisch, und der Himmel strahlte in einem satten Blau. „Hast du heute was vor?“, fragte Messi ruhig. Felix schüttelte den Kopf. „Ich will heute einfach... nichts Schlimmes. Einfach mal durchatmen.“ Messi legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Heute ist dein Tag. Und wir passen auf.“ Zurück in der Küche roch es schon wunderbar nach Frühstück. Felix setzte sich an den gedeckten Tisch und trank langsam seinen Tee, während die Sonne durch das Fenster fiel. Es war kein außergewöhnlicher Morgen. Aber in Felix' Welt war es ein seltener, kostbarer Moment: Ein Morgen ohne Angst. Ein Morgen mit Freunden. Ein Morgen mit Hoffnung. 27. Tag – Mittwoch, 11. Juni 2025 – Mittag: Der Brief gegen die falsche Abo-Falle Nach dem ruhigen Vormittag, an dem Felix sich zum ersten Mal seit Tagen ein kleines bisschen sicher gefühlt hatte, stand für den Mittag eine unangenehme, aber wichtige Aufgabe auf dem Plan: Der Brief an die dubiose Firma, die behauptete, seine Mutter habe ein Zeitungsabonnement abgeschlossen, das sie nie bestellt hatte. Felix saß mit geradem Rücken am Esstisch. Vor sich: ein leerer Block, ein schwarzer Kugelschreiber, die Unterlagen, die seine Mutter ihm gezeigt hatte, und eine Tasse Tee, die langsam abkühlte. Die drei Spieler saßen auf der Couch – dieses Mal leise, respektvoll, sie wussten, dass dies ein Moment war, in dem Felix die Kontrolle über etwas zurückgewinnen wollte.

Er atmete tief durch. Dann schrieb er: An: [Name der Firma einfügen] Betreff: Widerspruch gegen angebliches Zeitungsabonnement Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit teile ich Ihnen im Namen meiner Mutter, [Name der Mutter], mit, dass sie zu keinem Zeitpunkt ein Zeitungsabonnement bei Ihnen abgeschlossen hat. Es liegt kein rechtsgültiger Vertrag vor. Jegliche Forderungen, die auf einem vermeintlichen Vertrag beruhen, werden ausdrücklich zurückgewiesen. Bitte beachten Sie, dass meine Mutter keine Zahlungen leisten wird, da keine vertragliche Grundlage existiert. Wir fordern Sie außerdem auf, sämtliche personenbezogenen Daten zu löschen, die Sie unrechtmäßig gespeichert haben, gemäß DSGVO. Sollten Sie weiterhin versuchen, unberechtigte Forderungen zu stellen, behalten wir uns rechtliche Schritte vor. Bitte bestätigen Sie uns schriftlich den Eingang dieses Schreibens und die Einstellung Ihrer Forderungen. Mit freundlichen Grüßen Felix Z. im Auftrag von [Name der Mutter] Er las den Brief noch einmal langsam durch. Neymar kam mit einem Glas Wasser zu ihm, stellte es vorsichtig neben das Papier. „Stark geschrieben“, sagte er anerkennend. „Druckst du’s aus?“, fragte Messi. Felix nickte. „Ja, ich unterschreib’s gleich. Dann schick ich’s heute noch per Einschreiben.“ Er stand auf, ging mit dem Schreiben zum Drucker, druckte es sauber aus und setzte unten seine Unterschrift. Sein Herz schlug dabei fest – nicht vor Angst, sondern vor Entschlossenheit. Am Fenster, während er den Umschlag vorbereitete, sah er in den Himmel. Er hatte heute einen Schritt gemacht. Gegen das Chaos. Für seine Mutter. Und für sich selbst. Es war ein kleiner Brief. Doch für Felix war es ein großer Akt des Widerstands. 27. Tag – Mittwoch, 11. Juni 2025 – Später Nachmittag & Nacht Der Nachmittag war beinahe freundlich verlaufen: Brief fertig, Tee getrunken, kurz durchgeatmet. Doch als Felix gerade den Umschlag mit dem Einschreibaufkleber versah, rief ihn die Mutter ins Wohnzimmer. Mutter (vorsichtig) „Felix, wir müssen dir etwas sagen: Am Freitag wird die neue Couch geliefert. Die alte kommt zum Sperrmüll.“ Felix erstarrte. Die Couch im Wohnzimmer war alt – zerschlissen – aber auf der rechten Armlehne zeichneten sich noch immer die feinen Kratzspuren von Balu, dem Familienhund, der vor zwei Jahren gestorben war. Dieses Muster war wie ein geheimer Fingerabdruck, eine Erinnerung an Nachmittage, in denen Balu sich schnurrend dort entlanggerieben hatte, wenn Felix Schulstress hatte. Felix (leise) „Aber … die Kratzer von Balu …“ Die Mutter legte behutsam eine Hand auf seine Schulter. „Ich weiß. Doch das Polster ist völlig durch. Vielleicht können wir ein Stück Stoff ausschneiden und behalten?“ Felix nickte schwach, aber sein Brustkorb drückte. Messi, der im Türrahmen stand, verstand ohne Worte, trat kurz zu Felix und sagte: „Manche Erinnerungen leben nicht im Stoff, sondern hier.“ Er tippte ihm auf die Brust. Abend – Versuch, loszulassen

Um 19 Uhr saßen alle gemeinsam beim Abendbrot. Felix war still, stocherte in seinem Salat. Die Spieler versuchten, die Stimmung anzuheben – Suárez erzählte eine Anekdote aus Barcelona, Neymar zeigte ein lustiges Video. Felix lächelte höflich, doch seine Augen glitten immer wieder zur Couch. Gegen 22 Uhr ging er früh ins Bett. Er stellte sich vor, wie die Möbelpacker das vertraute Polster hinaustrugen, wie die Kratzer in einer dunklen Ladefläche verschwanden. Das Bild tat weh. 23:12 Uhr – Nachricht aus der Dunkelheit Das Zimmer war dunkel, nur der schwache Schimmer des Handydisplays erhellte Felix’ Gesicht. Eine Nachricht ploppte auf – Papa: „Wenn du willst, kann ich die Kratzer auch gleich auf die neue Couch und die neuen Sessel machen, damit du dich wegen deiner MODE-Krankheit nicht so traurig fühlst. Ist ja eh nicht deins.“ Felix’ Magen verkrampfte sich. Die zynische Betonung auf „Mode-Krankheit“ (eine Spitze gegen seine Autismus- und ADHS-Diagnosen) traf ihn wie ein Schlag. Er legte das Handy weg, drehte sich auf die Seite und presste die Decke an sich. Tränen brannten hinter den Lidern – nicht nur wegen des Satzes, sondern wegen der Abwertung all dessen, was ihm etwas bedeutete. Von nebenan hörte er leises Murmeln. Neymar hatte das Displaylicht bemerkt, stand im Türrahmen. „Alles okay?“ flüsterte er. Felix schüttelte den Kopf, konnte nicht sprechen. Neymar setzte sich an die Bettkante, sagte nichts weiter, legte ihm nur eine Hand auf den Rücken – einen ruhigen, stetigen Druck, der sagte: Ich bin da. Felix atmete. Langsam. Tief. Der Schmerz blieb, doch die Hand auf seinem Rücken verhinderte, dass er darin versank. Und irgendwann, weit nach Mitternacht, schlief er ein – mit dem Bild von Balu – und dem festen Entschluss, wenigstens das kleine Stoffstück zu retten, bevor die alte Couch am Freitag das Haus verließ. 27. Tag – Nacht vom 11. auf den 12. Juni 2025 Die Uhr zeigte 00:37 Uhr. Felix lag im Bett, starrte an die Decke – doch der Schlaf wollte nicht kommen. Die Nachricht seines Vaters, die Aussicht auf den Verlust der alten Couch mit Balus Kratzspuren, die Mischung aus Traurigkeit, Wut und Leere – all das ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Langsam stand er auf. Seine Füße tappsten leise in die Küche. Dort holte er sich eine kleine Tasse mit Rindfleischsuppe, die seine Tante ihm zwei Tage zuvor mitgegeben hatte. Er stellte die Tasse in die Mikrowelle, schaute dabei durch das Fenster hinaus in die Nacht. Mainz lag still da. Kein Licht im Nachbarhaus. Kein Laut außer dem sanften Surren der Mikrowelle. Er aß langsam. Die warme Brühe tat gut. Sie legte sich wie ein weiches Tuch auf den Knoten in seinem Bauch. Als er zurück ins Wohnzimmer ging, saßen Suárez und Messi noch auf dem Sofa und flüsterten leise miteinander. Neymar lag eingerollt in eine Decke auf der Matratze. Nur der Ersatzspieler – Gareth, der alte Freund von Ronaldo aus Real-Zeiten – saß noch vor der Konsole. Er lächelte, als Felix hereinkam. Gareth: „Ich hab gehört, du kannst gut FIFA spielen. Zeit für ein letztes Duell, bevor ich mich verabschiede?“ Felix grinste leicht, nahm den Controller. Für einen Moment war alles vergessen. Nur noch Pixel, Strategien, Laufwege. Nach 30 Minuten stand es 3:3 – ein würdiger Abschluss. Dann legte Gareth den Controller zur Seite.

Gareth: „Mein Flieger geht in sechs Stunden. Ronaldo kommt zurück – er hat mir geschrieben. Ich soll dir sagen: Er freut sich riesig.“ Felix nickte dankbar. Die Handshakes waren fest, ehrlich. Dann verschwand Gareth leise – ein Schatten in der Dunkelheit – mit einem Lächeln auf den Lippen. Kaum war er fort, öffnete sich die Wohnungstür erneut – mit einem sanften Klick. Ronaldo trat ein, legte seinen Koffer leise ab und blieb dann im Türrahmen stehen. Felix sah ihn – der vertraute Blick, das leichte Nicken, als hätte er ihn nie verlassen. Ronaldo: „Hey.“ Felix stand auf und ging langsam zu ihm. Keine großen Worte. Nur eine leise Umarmung. Dann sagte Felix: Felix: „Ich bin froh, dass du zurück bist.“ Ronaldo: „Ich auch.“ Und so, in dieser späten Stunde, während draußen die Stadt schlief, fanden sich alle wieder zusammen. Die vier Spieler, Felix, und ein neues Kapitel, das gerade beginnen wollte. Felix kroch zurück in sein Bett, zufrieden. Er hatte Suppe gegessen, gespielt, getröstet – und war nicht mehr allein. Nicht einmal im Dunkeln. 28. Tag – Donnerstag, 12. Juni 2025 – Morgen: Aussprechen mit Ronaldo Die Sonne stand noch flach hinter den Dächern, als Felix gegen 8 Uhr in die Küche schlurfte. Der Geruch von frischem Kaffee lag in der Luft – Ronaldo war bereits aufgestanden, trug TShirt, Trainingshose und schenkte Tee in zwei Becher. Ronaldo (leise, warm) „Bom dia, meu amigo. Gut geschlafen?“ Felix setzte sich an den Tisch, umklammerte den warmen Becher und schüttelte den Kopf. Felix „Geht so … Ich muss dir erzählen, was passiert ist, während du weg warst.“ Ein Zwei-Wochen-Protokoll der Eskalation Felix sprach stockend, doch die Worte fanden ihren Weg – Ronaldo hörte konzentriert zu, ohne zu unterbrechen. 1. Erste Welle „Er hat den Rollstuhl, an dem so viele Erinnerungen hängen, mit Benzin übergossen und angezündet. Er zwang mich zuzusehen …“ Ronaldo legte eine Hand auf Felix’ Unterarm, die Finger fest, aber ruhig. 2. Polizei & Wasserflut „Ein paar Tage später drehte er jedes Waschbecken auf, stopfte die Abflüsse. Das Wasser lief durchs ganze Haus, sogar ins Treppenhaus … Die Polizei musste kommen.“ 3. Zerbrochene Konsolen „Er hat meine Switch und die neue PS5 in die Waschmaschine gesteckt – 60 GradProgramm.“ Felix’ Stimme brach. Ronaldo atmete tief ein, schüttelte langsam den Kopf. 4. Entschuldigung – und Rückfall „Dann kam er mit einer neuen PS5, einer alten Switch – hat sich entschuldigt … Ich dachte kurz, es wird besser.“ Felix nahm einen Schluck Tee, fuhr fort: „Gestern wieder: Er riss die Badezimmerschrank-Verkleidung runter, nur weil ein Fleck dran war. Vorher hat er Mamas Handy zerstört und seins aus dem fünften Stock geworfen.“

Ronaldo schwieg lang, blickte in die dampfende Tasse. Schließlich sagte er mit fester, tiefer Stimme: Ronaldo „Das ist ein Zyklus – Gewalt, Reue, dann wieder Gewalt. Es liegt nicht an dir. Du bist nicht schuld … Wir müssen Grenzen setzen und Hilfe holen. Professionelle Hilfe – für ihn, aber vor allem für dich und deine Mutter.“ Felix starrte auf die Tischplatte, fühlte die Scham, aber auch Erleichterung, alles ausgesprochen zu haben. Konkrete Schritte • Ronaldo schlug vor, mit der Mutter einen Termin bei einer Beratungsstelle für häusliche Gewalt zu vereinbaren. • Er bot an, einen Anwalt seines Vertrauens zu kontaktieren, um sich über mögliche Schutzanordnungen zu informieren. • Gemeinsam wollten sie noch heute eine Liste aller Vorfälle schriftlich festhalten, damit Felix bei Bedarf Beweise hatte. Felix nickte zögernd, doch in seinem Blick lag Dankbarkeit. Felix „Ich hab Angst … aber ich will nicht mehr schweigen.“ Ronaldo „Egal was passiert, wir sind hier. Du bist nicht allein.“ Die Sonne kletterte höher, tauchte die Küche in warmes Licht. Für einen kurzen Moment fühlte sich der Morgen nicht nach Angst, sondern nach einem ersten Schritt an – raus aus dem Kreislauf, hin zu etwas Sicherem. Felix nahm einen tiefen Atemzug. Er war bereit, weiterzugehen – mit Ronaldo an seiner Seite. 28. Tag – Donnerstag, 12. Juni 2025 – Mittag: Hoffnung auf Rädern Nachdem Felix und Ronaldo am Vormittag so offen über die letzten Wochen gesprochen hatten, verspürte Felix zum ersten Mal seit Tagen ein kleines Stück Selbstwirksamkeit. Er wollte nicht mehr einfach hinnehmen, dass Dinge kaputtgingen – besonders nicht seine Mobilität. Er saß mit seinem Handy auf dem Sofa, während Ronaldo neben ihm FIFA spielte. Die anderen drei Spieler – Neymar, Suárez und Messi – waren unterwegs, um einkaufen zu gehen. Felix öffnete „Kleinanzeigen Mainz“ und begann zu stöbern. In den letzten Tagen hatte er bereits mehrfach darüber nachgedacht, sich einen Ersatzrollstuhl zu holen – als Übergangslösung, bis die Sache mit der Krankenkasse oder dem Sanitätshaus geklärt war. Der Fund Nach etwa 20 Minuten fand er ein passendes Angebot: „Rollstuhl, alt aber fahrbereit – 40 € VB – Bretzenheim/Mainz“ Beschreibung: „Wird nicht mehr benötigt, sehr alt, aber noch fahrtüchtig. Gebrauchsspuren, aber rollt. Abholung innerhalb der nächsten 7 Tage.“ Ein Foto zeigte einen stark gebrauchten Standardrollstuhl mit Rissen im Sitzpolster und rostigen Rädern – aber er war ganz. Felix zoomte ins Bild. Er erkannte mit einem Kloß im Hals: Dieses Modell hatte er in seiner Jugend schon einmal benutzt, damals nach seiner ersten OP. Felix (leise) „Den kenn ich … sowas hatte ich mal … damals.“ Er spürte ein seltsames Gefühl – Melancholie, aber auch Verbundenheit. Ronaldo sah kurz von seinem Spiel auf.

Ronaldo „Was hast du gefunden?“ Felix „Einen alten Rollstuhl. Der sieht zwar ziemlich gebraucht aus, aber der war mal ein Teil von mir. Ich schreib der Anbieterin.“ Die Nachricht Felix öffnete die Chatfunktion und tippte: „Hallo! Ich hätte großes Interesse an dem Rollstuhl. Könnte ihn in 3 bis 7 Tagen abholen – eventuell mit einem Freund. Wäre das okay? :)“ Er schickte die Nachricht ab und spürte eine kleine Nervosität. Dann lehnte er sich zurück. Felix „Ich weiß, das Ding ist alt. Aber … ich will wieder raus. Wieder Freiheit, auch wenn’s nur ein gebrauchter ist.“ Ronaldo drehte sich zu ihm, legte die Hand auf seine Schulter. Ronaldo „Manchmal braucht man nicht das Beste – sondern das, was einem hilft, weiterzugehen.“ Hoffnung und Geduld Während sie noch zusammen die zweite Halbzeit in FIFA anspielten, piepte Felix’ Handy. Die Antwort kam schnell: „Hallo! Ja, das passt. Ich halte ihn für dich reserviert. Sag einfach 1 Tag vorher Bescheid. :)“ Felix lächelte – das erste echte Lächeln seit vielen Tagen. Der Weg war noch lang. Aber er hatte begonnen, in kleinen Schritten – oder besser: auf alten Rädern. 28. Tag – Donnerstag, 12. Juni 2025 – Später Nachmittag: Prost auf die Freiheit Es war gegen 16:30 Uhr, als Felix sich von seinem Sofa erhob, das Handy mit der Nachricht über die erfolgreiche Reservierung des alten Rollstuhls noch in der Hand. Ein Gefühl von Stolz und Vorfreude lag über ihm wie ein warmer Schleier. Das hier war vielleicht kein Neuanfang, aber es war eine Rückeroberung von Selbstbestimmung. Felix (zu sich selbst) „Endlich wieder ein Rollstuhl … ich will feiern. Nicht groß. Nur für mich.“ Er schnappte sich seine Jacke, rief dem Spieler, der in der Küche gerade eine Banane aß, noch ein „Bin gleich zurück!“ zu und machte sich mit vorsichtigen Schritten auf den Weg zur kleinen Kneipe „Zur Ecke“ in der Nähe. In der Kneipe Die Kneipe war halbvoll. Das vertraute Klirren von Gläsern und das leise Brummen des Fernsehens im Hintergrund wirkten beruhigend auf ihn. Er setzte sich an einen kleinen Tisch beim Fenster, bestellte ein Kirsch-Radler, und als er das Glas in der Hand hielt, blickte er durch das milchige Fensterglas auf die Straße. Felix (leise flüsternd, fast ehrfürchtig) „Auf mich … und auf mein neues altes Rad.“ Er nahm einen tiefen Schluck. Das Radler war süß, kühl, erfrischend. Er spürte, wie die Anspannung der letzten Tage langsam von ihm abfiel. Nach dem ersten Glas folgte bald ein zweites. Dieses Mal ein helles Bier, etwas stärker. Als er das zweite Bier zur Hälfte getrunken hatte, merkte er, dass sein Kopf leicht wurde. Seine Gedanken flossen langsamer, seine Schultern sanken, seine Augen wurden glasiger. Und gleichzeitig fühlte er sich lebendiger – als hätte er zum ersten Mal seit Wochen wirklich durchgeatmet.

Sorge auf vier Buchstaben Wenige Minuten später ging die Kneipentür auf. Der Spieler – Ronaldo – trat ein. Er hatte gemerkt, dass Felix schon fast eine Stunde weg war. Als er ihn am Tisch sah, mit halb leerem Glas und einem verträumten Lächeln, ging er sofort zu ihm. Ronaldo (leise, aber besorgt) „Du hast gesagt, du bist gleich zurück …“ Felix zuckte zusammen, lächelte entschuldigend. Felix „Ich weiß, sorry … ich wollte einfach … feiern, dass ich bald wieder fahren kann. Ich war nie jemand, der trinkt. Aber heute … war es mir wichtig.“ Ronaldo sah sich das halbvolle Glas an. Dann setzte er sich, nicht vorwurfsvoll, aber achtsam. Ronaldo „Ich versteh’s, Bruder. Wirklich. Aber du weißt, dass dein Körper empfindlich reagiert. Medikamente, Kreislauf, die letzten Tage … Ich hab nur Angst um dich.“ Felix nickte, senkte den Blick. Er wusste, dass Ronaldo recht hatte. Er wollte sich selbst belohnen, aber gleichzeitig hatte er seine Grenzen unterschätzt. Felix (leise) „Nur heute. Versprochen.“ Ronaldo reichte ihm die Hand, half ihm langsam aufzustehen. Ronaldo „Komm, wir gehen. Ich mach dir zu Hause einen Tee. Und du erzählst mir alles über deinen alten Rollstuhl.“ Heimweg mit Gedanken Auf dem Weg zurück war es ruhig. Die Sonne stand tief, tauchte die Straße in ein warmes Gold. Felix war wackelig auf den Beinen, aber Ronaldo war immer einen Schritt neben ihm. Nicht als Aufpasser – sondern als echter Freund. Und obwohl der Kopf leicht benebelt war, war in Felix’ Brust ein Gefühl, das er lange vermisst hatte: Zugehörigkeit. Morgen würde er sich ausruhen. Und dann – vielleicht schon in ein paar Tagen – wäre der Rollstuhl da. Und vielleicht, ganz vielleicht, würde dieser Rollstuhl nicht nur ein Fortbewegungsmittel sein, sondern ein Zeichen, dass Dinge wieder besser werden können. 28. Tag – Donnerstag, 12. Juni 2025 – Abend: McDonald’s & Rollstuhlgeschichten Nachdem Ronaldo Felix sicher nach Hause gebracht hatte, war die Stimmung zwischen ihnen entspannt. Felix hatte sich auf das Sofa gelegt, kurz durchgeatmet, Wasser getrunken und sich wieder gefangen. Der Alkohol war spürbar, aber nicht mehr gefährlich. Ronaldo hatte ihn vorsichtig beobachtet, ihm Tee gemacht und sogar ein paar Nüsse hingelegt. Doch Felix war unruhig. Etwas in ihm wollte diesen Tag, diesen besonderen Schritt mit dem Rollstuhl, nicht einfach so enden lassen. Er stand auf, ging zu Ronaldo, der gerade auf dem Boden saß und mit seinem Handy ein FIFA-Video anschaute. Felix (mit leiser Stimme, aber entschlossen) „Lass uns nochmal rausgehen. Ich hab Hunger. Ich hab Lust auf McDonald’s. Und ich will dem Verkäufer vom Rollstuhl schreiben.“ Ronaldo sah ihn an, kurz überrascht, dann nickte er. Ronaldo „Okay. Aber du isst was Richtiges. Kein Radler diesmal.“ Felix grinste. Innenstadt Mainz – ca. 19:50 Uhr Die Stadt war noch belebt, aber ruhiger als am Nachmittag. Die Lichter der Straßenlaternen mischten sich mit den warmen Tönen des Sonnenuntergangs. Sie gingen zu Fuß, langsam, im

Gleichschritt. Felix trug seine Kapuze hochgezogen – nicht wegen des Wetters, sondern weil er sich wohler fühlte, wenn er sich „verstecken“ konnte. Beim McDonald’s an der Schusterstraße war noch Betrieb. Felix bestellte sich ein großes Menü mit 9 Chicken McNuggets, Pommes und einer Cola. Ronaldo nahm sich nur einen Salat und einen Kaffee. Felix (mit einem Lächeln) „Heute ist mein Rollstuhl-Feiertag. Da gönn ich mir das volle Programm.“ Sie setzten sich ans Fenster, und während Felix genüsslich die ersten Nuggets aß, holte er sein Handy hervor und öffnete den Chat bei eBay Kleinanzeigen. Dort hatte er mit einer älteren Dame geschrieben, die den alten Rollstuhl für 40 Euro anbot. Er tippte langsam, überlegte jedes Wort: Felix (Nachricht an die Verkäuferin): „Hallo, ich freue mich sehr auf den Rollstuhl. Ich bin leider selbst eingeschränkt und brauche ihn als Ersatz, weil meiner kaputt ist. Ich habe früher auch Sportrollstuhl gefahren. Ich kann ihn wahrscheinlich in den nächsten 3–7 Tagen abholen. Danke, dass Sie ihn für mich zurücklegen.“ Er schickte die Nachricht ab und sah dann zu Ronaldo, der aufmerksam zuhörte. Ronaldo (ruhig und warm) „Stolz auf dich. Echt jetzt. Das war mutig.“ Felix nickte. Er kaute langsam, dachte nach, dann lachte leise. Felix „Komisch, dass ich mich über ’nen alten, verkratzten Rollstuhl so freuen kann.“ Ronaldo „Das ist kein alter Rollstuhl, das ist deine Freiheit.“ Auf dem Heimweg Der Heimweg war friedlich. Felix war satt, zufrieden, aber auch ein wenig müde. Die Lichter der Stadt funkelten in den Fenstern, Menschen lachten auf den Terrassen. Die Geräusche der Stadt mischten sich mit dem Gefühl von Hoffnung. Felix (leise zu Ronaldo) „Ich hoffe, dass alles besser wird. Vielleicht sogar mit dem alten Rollstuhl. Vielleicht ... fängt was Neues an.“ Ronaldo (ruhig) „Vielleicht? Ganz sicher.“ Und während sie gemeinsam durch die Straßen zurück zur Wohnung gingen, fühlte sich Felix ein kleines Stück leichter – und ein großes Stück verstanden. 28. Tag – Donnerstag, 12. Juni 2025 – Später Abend: Erinnerungslücken und Nachdenklichkeit Es war fast Mitternacht, als Felix und Ronaldo wieder in der Wohnung ankamen. Die Straßen waren leer, die Stadt schlief langsam ein. Felix schloss die Tür leise hinter sich, streifte die Jacke ab und stellte seine Schuhe ordentlich nebeneinander. Ronaldo war bereits in der Küche, füllte zwei Gläser Wasser, stellte sie auf den Esstisch, dann ging er zum Fenster und öffnete es einen Spalt, um die frische Nachtluft hereinzulassen. Felix ging ins Bad, wusch sich das Gesicht, putzte sich die Zähne, dann stand er noch einen Moment lang einfach nur still vor dem Spiegel. Seine Augen wirkten müde, aber da war auch etwas anderes – ein flüchtiger Blick von Unruhe. Er trat aus dem Bad, schlurfte ins Wohnzimmer, wo Ronaldo bereits die Sofadecke zurechtgelegt hatte. Doch statt sich hinzusetzen, blieb Felix stehen, schaute ins Leere.

Felix (zögernd) „Sag mal … hab ich heute Abend eigentlich was gegessen?“ Ronaldo sah ihn überrascht an. Ronaldo „Ähm … ja? McDonald’s? Du hast doch das Neun-Nugget-Menü gegessen.“ Felix runzelte die Stirn. Felix „Stimmt. Stimmt … irgendwie. Ich weiß das noch … aber irgendwie auch nicht. So komisch verschwommen alles. Als wär das alles nicht echt gewesen.“ Er griff automatisch in seinen Medikamentenbeutel. Die Verpackung seiner EpilepsieMedikamente lag noch da. Die Blister waren geöffnet, eine Tablette fehlte. Felix (murmelnd) „Hab ich die genommen?“ Ronaldo (kommt näher) „Willst du nachzählen? Oder gucken, ob du sie heute früh schon notiert hast?“ Felix setzte sich langsam hin, sein Blick wurde ernst. Er nahm sein kleines Notizbuch, in das er jeden Medikamentenzeitpunkt eintrug. Ja – da stand es: 21:10 Uhr – eingenommen. Aber er erinnerte sich kaum daran. Felix (leise) „Ich … ich hab das wirklich gemacht, aber … es ist alles so … weg. Einfach aus meinem Kopf.“ Ronaldo (nachdenklich) „Vielleicht war’s der Alkohol? Zwei Bier können schon reichen. Oder … du warst halt echt sehr fokussiert heute. Der Rollstuhl, das Ganze mit eBay, die Nachricht …“ Felix blickte zur Wand, als würde er dort Antworten finden. Felix „Kann das sein? Dass man sich auf etwas so stark konzentriert, dass alles andere wie gelöscht ist?“ Ronaldo (ruhig) „Ja. Klar kann das sein. Ist bei Sportlern auch manchmal so. Du denkst an nichts anderes, als an das, was dir gerade wirklich wichtig ist. Alles andere wird leise, wie weggeblasen.“ Ein langer Moment der Stille folgte. Nur das leise Surren des Kühlschranks war zu hören. Dann stand Felix langsam auf. Felix „Ich geh lieber schlafen. Vielleicht wird morgen wieder klarer.“ Ronaldo (nickt) „Mach das. Und wenn du morgen noch so ein Gefühl hast, sag’s einfach, ja? Ich pass auf dich auf.“ Felix ging in sein Zimmer, schob den Ersatz-Rollstuhl noch ein Stück weiter unters Bett, damit niemand stolperte, und deckte sich zu. Bevor er das Licht ausschaltete, nahm er noch einen Schluck Wasser und flüsterte leise in die Dunkelheit: Felix (leise) „Bitte, liebes Gehirn … morgen wieder ein bisschen weniger Chaos, okay?“ Dann schlief er ein – in der Hoffnung, dass der nächste Tag wieder klarer wird. 29. Tag – Freitag, 13. Juni 2025 – Später Morgen: Neue Möbel, neue Ordnung Der Tag begann mit einem flachen Licht, das sich über die Fenster legte und die Wohnung in einen ruhigen Schimmer hüllte. Die Sonne war gerade dabei, sich gegen die morgendliche Trägheit durchzusetzen, als plötzlich ein kräftiges Klopfen an der Wohnungstür erklang. Felix, der gerade im Bad war, hörte es und rief: Felix (laut durch die Tür) „Machst du bitte auf? Die neuen Möbel kommen bestimmt!“

Messi, der gerade im Wohnzimmer auf dem Boden Dehnübungen machte, sprang auf und öffnete die Tür. Zwei Männer mit roten Arbeitsshirts und einem Hubwagen standen davor. Lieferant 1 „Guten Morgen! Wir haben die neuen Möbel für Zimmer 3 – Sessel, Couchtisch und ein kleiner Schrank.“ Messi (freundlich) „Perfekt! Kommt rein. Wir machen den Weg frei.“ Noch bevor die Männer den Hubwagen in Bewegung setzten, sprangen auch Neymar und Suárez auf. Neymar räumte flink die Schuhe und Tüten aus dem Flur zur Seite, Suárez schob den Wäscheständer aus dem Weg, der seit zwei Tagen dort stand. Neymar (lachend) „Ich hab das Gefühl, wir sind in einem Umzugsunternehmen.“ Suárez „Solange keiner von uns die Möbel schleppt, ist alles gut!“ Inzwischen kam auch Felix aus dem Bad, die Haare noch etwas zerzaust, aber mit neugieriger Spannung in den Augen. Felix (freudig) „Endlich! Ich hab so lange auf den Sessel gewartet. Hoffentlich ist der bequem …“ Die Männer trugen zuerst den neuen grauen Relaxsessel in die Wohnung, dann folgte ein schlichter, aber stilvoller Couchtisch aus hellem Holz. Zum Schluss kam noch ein kleiner, schwarzer TV-Schrank mit Kabeldurchlässen. Während die Möbel hereingetragen wurden, passte Ronaldo auf, dass keine Ecken zerkratzt wurden, und hielt den Fahrstuhl offen, damit die Monteure schnell arbeiten konnten. Messi dirigierte wie ein Innenarchitekt: Messi „Stell den Tisch vielleicht einen halben Meter weiter nach links – genau! Da hat Felix später genug Platz, auch mit dem Ersatzrollstuhl.“ Felix beobachtete alles mit einer Mischung aus Freude und innerer Unruhe. Die neuen Möbel rochen noch nach Karton und Fabrik. Trotzdem berührte er sie vorsichtig, als wolle er sie erst spüren, bevor er sie willkommen hieß. Felix (leise, zu sich selbst) „Die alte Couch … da waren noch Kratzspuren von Nero. Jetzt ist alles neu. Glatt. Unberührt.“ Die Möbelpacker waren nach 30 Minuten fertig, vermerkten noch etwas auf dem Lieferschein und verabschiedeten sich. Lieferant 2 (zwinkernd) „Viel Spaß mit dem neuen Thron!“ Als die Tür hinter ihnen zufiel, trat Stille ein. Die neuen Möbel standen ordentlich im Raum, und alles wirkte … sauber. Zu sauber fast. Felix setzte sich zögernd auf den Sessel, ließ sich hineinsinken und schloss die Augen für einen Moment. Felix „Ist gemütlich. Aber … es fühlt sich noch nicht nach mir an.“ Ronaldo „Das kommt noch. Gib dir Zeit. Du machst das schon.“ Messi „Und wenn du willst, machen wir den Sessel ein bisschen … „gebraucht“.“ Suárez (grinst) „Aber nicht mit einem Messer!“ Alle lachten. Felix auch – wenn auch leise. Dann sagte er: Felix „Danke, dass ihr mir helft, Platz zu machen. Auch im Kopf.“

Die vier Spieler nickten. Sie wussten: Es ging nicht nur um Möbel. Es ging um Erinnerung, Abschied und einen neuen Anfang. Der neue Tag war in vollem Gange. Doch die wirklich wichtigen Veränderungen passierten nicht nur im Wohnzimmer – sondern in Felix’ Innerem. 29. Tag – Freitag, 13. Juni 2025 – Mittag: Gespräch über die Oma Die Wohnung roch noch nach frischem Holzlack, als die Wohnungstür kurz nach 13 Uhr ins Schloss fiel. Felix hob den Kopf vom neuen Couchtisch, auf dem er gerade einen Blumenübertopf platzieren wollte. Seine Mutter war zurück – Jacke offen, Gesicht angespannt. Mutter (leise) „Felix, hast du kurz Zeit? Ich muss über Oma sprechen.“ Felix nickte, folgte ihr in die Küche. Ronaldo und Messi blieben diskret im Wohnzimmer, während Neymar Suárez zuflüsterte: „Besser wir halten uns raus …“ In der Küche – Worte wie kleine Nadeln Die Mutter goss sich Wasser ein, atmete tief durch. Mutter „Ich war eben bei Oma, um ihr zu erklären, dass wir das Bootsticket nicht mehr zurückgeben konnten … Sie hat mich kaum ausreden lassen. Sie hat gesagt, du seist respektlos gewesen, hättest sie veräppelt, weil du angeblich „nie alle Infos sagst“.“ Felix’ Schultern sackten. Die Erinnerung brannte. Felix (leise) „Ich wollte ihr nichts verschweigen. Ich war einfach … überfordert.“ In diesem Moment tauchte der Vater im Türrahmen auf, Kaffee in der Hand – ungewohnt ruhig, aber mit einem spitzen Ton: Vater „Weißt du, was sie bei mir gemacht hat? Bei mir auf der Arbeit war sie heute Morgen kurz in der Filiale. Ich war gerade im Gespräch mit einem Kunden und hab sie nicht sofort beachtet. Sie wurde auf der Stelle wütend, ist laut geworden und abgedampft.“ Die Mutter schüttelte den Kopf. Mutter „Oma reagiert immer extremer. Ich hab lange versucht, ihr alles recht zu machen … aber das hier geht zu weit. Felix, sie war falsch zu dir. Und wenn jemand deine Bemühungen so verdreht, dann müssen wir Grenzen setzen. Ich denke, wir halten erst mal Abstand. Beim nächsten Familienausflug nehmen wir jemand anderen mit – vielleicht Tante Anna oder einfach nur uns drei.“ Felix schaute in seinen Teebecher. Einerseits spürte er Traurigkeit – Oma war immer Teil seines Lebens gewesen. Andererseits fühlte er auch Erleichterung: keine endlosen Rechtfertigungen mehr. Unterstützung aus dem Wohnzimmer Messi trat vorsichtig in die Küche, sah die angespannten Gesichter. Messi (sanft) „Familiengrenzen setzen ist schwer, aber manchmal nötig. Wir unterstützen dich, Felix.“ Der Vater nickte überraschend zustimmend. Vater „Diesmal bin ich bei deiner Mutter. Wir machen ’ne Pause von ihr. Jeder braucht Ruhe.“

Felix hob langsam den Blick – suchte in den Augen seiner Eltern nach irgendetwas Festem. Zum ersten Mal seit Langem wirkten sie wie ein gemeinsames Team. Ein leiser Entschluss Später stand Felix am neuen Fensterplatz, schaute ins Licht. Der Schmerz über Omas Worte blieb, aber neben ihm stellte sich Ronaldo und legte ihm ruhig die Hand auf die Schulter. Ronaldo „Du hast deine Wahrheit gesagt. Mehr kannst du nicht tun. Jetzt darfst du an dich denken.“ Felix nickte. Er dachte an den alten Rollstuhl, der bald zu ihm finden würde, und an den neuen Sessel, der noch seinen Abdruck suchte. Vielleicht waren manche Abschiede schmerzhaft, aber notwendig – wie das Ausmustern einer durchgesessenen Couch. Man behielt die Erinnerungen, doch machte Platz für etwas, das einen nicht täglich verletzt. Und in diesem neu geschaffenen Raum, zwischen altem Stoff und frischem Holz, spürte Felix leise Hoffnung. 29. Tag – Freitag, 13. Juni 2025 – Früher Abend: Abschied, Hähnchen und neue Wege Die Luft war angenehm warm, der Himmel über Mainz zeigte erste zarte Abendstreifen, als Felix mit seiner alten Digitalkamera auf dem Bürgersteig stand. Vor ihm: der alte Couchsessel mit dem abgewetzten Armlehnenbezug und die durchgesessene Couch, auf der einst sein Hund geschlafen hatte. Der Vater hatte die Möbel am Nachmittag an den Straßenrand gestellt – bereit für den Sperrmüll. Felix zögerte kurz, dann richtete er die Kamera. Klick – ein Foto vom Sessel. Klick – eins von der Couch. Klick – ein letztes Bild von beiden, nebeneinander, wie alte Freunde, die ein letztes Mal gemeinsam in die Ferne blicken. Messi trat neben ihn, sah schweigend zu. Messi (leise) „Gute Erinnerungen. Und du bewahrst sie auf – auf deine Weise.“ Felix nickte und schloss die Kamera. Felix „Ich konnte sie nicht einfach so vergessen. Sie gehören zu mir …“ Mit dem Vater unterwegs Ein paar Minuten später saß Felix im Auto neben seinem Vater. Beide sprachen nicht viel. Das Radio spielte leise 90er-Hits, und der Duft von Straßenstaub und Frühabend lag in der Luft. Sie fuhren Richtung Innenstadt, zum kleinen koreanischen Imbiss, den sie vor Monaten zufällig entdeckt hatten. Auf dem Weg dorthin war der Vater auffällig still, aber nicht kalt. Er schien irgendwie … müde. Oder vielleicht nachdenklich. Angekommen, bestellte der Vater wortlos zwei Portionen Korean Fried Chicken mit würziger Gochujang-Sauce, dazu Kimchi und einen kleinen Reissalat. Felix saß auf der Holzbank vor dem Laden und schaute in den Himmel, während der Vater drinnen bezahlte. Als der Vater mit der Tüte wiederkam, reichte er Felix kommentarlos ein Pappschälchen mit Hähnchenstücken. Vater „Hier. Noch warm.“ Felix nahm es entgegen. Ein einfaches Wort, kein Blick – doch allein die Geste sprach heute mehr als alles andere. Rückweg mit stiller Nähe

Im Auto öffnete Felix die Tüte leicht und ließ den würzigen Duft entweichen. Er mochte diesen Geruch – süß, scharf, fremd und doch vertraut. Der Vater hatte keine Eile, schaltete sogar das Radio leise aus. Als sie kurz vor der Wohnung waren, drehte der Vater den Kopf. Vater (leise) „Hast du … die alten Möbel fotografiert?“ Felix zögerte. Felix „Ja. Für mich. Nicht für Instagram oder so. Nur … damit ich nicht vergesse, wie es war.“ Der Vater sagte nichts. Doch nach ein paar Sekunden kam ein Nicken. Langsam. Und das bedeutete: Verstanden. Ankunft zu Hause Zuhause angekommen, trug Felix das Hähnchen hinein, während Messi, Neymar und Suárez bereits den Tisch deckten. Ronaldo hatte sich gerade wieder von seinem Nationalmannschaftsaufenthalt zurückgemeldet und versprach, am späteren Abend wieder vorbeizukommen. Felix stellte die Kamera auf den neuen Sideboard-Schrank und schaute noch einmal auf das kleine Display. Die Bilder der alten Möbel wirkten seltsam ruhig. Abgeschlossen. Felix (zu sich selbst) „Danke … für die Zeit.“ Dann griff er zu den Essstäbchen. Es war Zeit für Neues. Und das fing heute Abend mit Hähnchen an. 29. Tag – Freitag, 13. Juni 2025 – Abend: Kratzer, Messer und ein Abfangen in letzter Sekunde Nach dem koreanischen Hähnchen waren Schalen und Stäbchen gespült, die Spieler hatten den Tisch freigeräumt, und der Duft von Gochujang hing noch wie eine milde Wolke in der Küche. Doch die Stimmung blieb gedrückt. Felix saß auf dem Rand des neuen Sessels, strich gedankenverloren über die makellose Stofflehne – dort, wo früher Balus Kratzspuren gewesen waren. Felix (flüsternd zu Messi) „Er sieht gut aus … aber irgendwie auch leer. Kein einziges Zeichen von Balu.“ Messi wollte antworten, doch da mischte sich vom Flur her die Stimme des Vaters ein. Er hatte die leisen Worte mitangehört: Vater (halb spöttisch, halb zynisch) „Kriegst du gleich deine Kratzer, wenn du willst!“ Ehe jemand reagieren konnte, stapfte er in die Küche, öffnete die Besteckschublade und zog ein langes Schälmesser heraus. Als er damit in Richtung Wohnzimmer marschierte, verstanden alle, was er vorhatte: aus vermeintlicher „Fürsorge“ den neuen Sessel mit eigenen Schlitzen zu versehen – damit sein Sohn „zufrieden“ ist. Ronaldo sprang als Erster auf, stellte sich ihm in den Weg. Ronaldo (fest) „Stopp. Das hilft niemandem!“ Der Vater versuchte, am Stürmer vorbeizukommen. Suárez packte ihn am Unterarm, Neymar stützte von der anderen Seite, Messi stellte sich quer. Es war kein brutales Gerangel, eher ein geordnetes Blockieren. Suárez (ruhig, aber eindringlich) „Leg das Messer weg. Nicht noch einmal Zerstörung.“ Für einen Moment zitterte die Klinge in der Hand des Vaters. Sein Blick wechselte zwischen Trotz und Ratlosigkeit. Dann senkte er langsam die Hand – vielleicht weniger aus Einsicht, mehr, weil er spürte, dass diesmal vier entschlossene Männer um Felix standen.

Messi nahm das Messer vorsichtig entgegen, legte es auf die Anrichte. Der Vater sog hörbar Luft ein, wandte sich ab und schlurfte in sein Zimmer. Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss – nicht laut, eher erschöpft. Nachhall im Wohnzimmer Felix saß still, die Finger krallten sich in das makellose Polster. Nelkenstille füllte den Raum, nur der Kühlschrank brummte. Ronaldo kniete sich neben den Sessel. Ronaldo (sanft) „Du musst nichts opfern, um dich an Balu zu erinnern. Die Kratzer bleiben hier.“ Er tippte Felix leicht aufs Herz. Neymar legte ihm eine Decke um die Schultern, Suárez stellte ein Glas Wasser hin. Messi nahm die Kamera, die noch auf dem Sideboard stand, und zeigte Felix das Foto der alten Couch-Armlehne. Messi „Jedes Mal, wenn du willst, schauen wir uns das Bild an. Und du erzählst uns eine BaluGeschichte.“ Felix nickte langsam. Tränen glänzten, doch sie fielen nicht. Inmitten der neuen Möbel, bewahrt von Freunden, spürte er, dass Erinnerungen keine Schnitte im Stoff brauchten – sondern geschützte Räume im Herzen. 29. Tag – Freitag, 13. Juni 2025 – Später Abend: FIFA, Gespräche und neue Stärke Nach dem aufwühlenden Moment mit dem Vater und dem beinahe beschädigten Sessel, war der Abend für Felix noch nicht vorbei. Die neue Couch, der neue Sessel – sie wirkten fremd, aber die Spieler hatten es geschafft, ihn davon abzuhalten, sie als Feinde zu sehen. Und doch – die Anspannung wollte noch nicht ganz weichen. Felix „Komm, lass uns FIFA spielen … ich muss auf andere Gedanken kommen.“ Der Spieler – heute war es Suárez, der an Felix’ Seite blieb – nickte sofort. Ronaldo, Neymar und Messi hatten sich für den Abend schon zurückgezogen. Sie waren in ihren Zimmern, schrieben Nachrichten, telefonierten mit der Nationalmannschaft oder bereiteten sich auf kommende Termine vor. Im Wohnzimmer summte die PS5 leise. Die Controller wurden aus dem Regal geholt, das Menü öffnete sich, die ikonische FIFA-Musik begann zu spielen. Eine besondere Partie Suárez (grinsend) „Heute spielen wir um was Großes. Wenn du gewinnst, erzähl ich dir mein uraltes Trickgeheimnis – das, was ich nie mal Messi verraten habe.“ Felix (lacht) „Und wenn ich verliere?“ Suárez (zwinkernd) „Dann machen wir einfach noch ein Spiel.“ Die Teams wurden ausgewählt. Felix spielte mit Mainz 05 – wie immer. Suárez übernahm Atlético Madrid, mit einer Startformation, die jeder FIFA-Profi sofort erkennen würde. Der erste Anstoß war kaum erfolgt, da landete Felix’ erster Angriff direkt an der Latte. Suárez pfiff anerkennend. Suárez „Du wirst echt besser, chico.“ Felix „Ich trainier ja auch mit den Besten der Welt.“ Zwischen Pässen und Gesprächen

Während das Spiel voranschritt, sprachen sie über mehr als nur Taktik. Felix „Weißt du … ich dachte heute wieder, dass ich den Sessel unbedingt zerkratzen muss. Damit ich Balu nicht vergesse. Dabei … war das gar nicht nötig, oder?“ Suárez legte seinen Controller für einen Moment ab. Das Spiel lief weiter, aber jetzt war etwas Wichtigeres dran. Suárez „Nein, war es nicht. Erinnerungen leben in dir. Nicht im Stoff. Nicht im Holz. Sondern hier.“ (Er tippte gegen Felix’ Stirn.) „Und hier.“ (Er legte seine Hand über Felix’ Herz.) Felix schluckte. Dann grinste er plötzlich. Felix „Und jetzt: Konzentration! Ich will dein Trickgeheimnis!“ Letzter Angriff Die Partie ging in die 89. Spielminute. Es stand 2:2. Mainz hatte noch einen Eckball. Felix stellte einen kurzen Laufweg ein, täuschte an, passte zurück – und dann ein flacher Ball auf Burkardt, der aus der zweiten Reihe schoss. Der Ball zischte ins rechte obere Eck. Tor. 3:2. Suárez (steht auf und klatscht) „Okay, okay! Respekt. Ich hab’s versprochen … den Trick verrat ich dir morgen. Aber nur dir!“ Felix lachte. Für einen Moment war alles ruhig, einfach, friedlich. Schlafenszeit Später tranken sie noch jeder ein Glas Wasser, räumten die Controller weg und gingen gemeinsam durch den dunklen Flur in Richtung Schlafzimmer. Der Vater war still in seinem Zimmer. Die Mutter schien bereits zu schlafen. Felix zog sich um, legte sich unter seine Decke, während Suárez sich auf der Matratze neben dem Bett niederließ. Felix (leise) „Danke, dass du mich zurückgehalten hast … bei dem Messer. Und beim Sesselding.“ Suárez (flüstert) „Du hast heute Größe gezeigt. Mehr, als manche Erwachsene schaffen.“ Mit einem kleinen Lächeln schloss Felix die Augen. Und in seinem Kopf war für heute nur noch eines wichtig: das 3:2-Siegtor – und die Vorfreude auf ein Trickgeheimnis morgen. 30. Tag – Samstag, 14. Juni 2025 – Morgen: Ein neuer Schnitt, ein neuer Tag Die Sonne schien durch das Fenster des Schlafzimmers, als Felix langsam die Augen öffnete. Heute war ein besonderer Tag. Nicht wegen eines großen Spiels, nicht wegen eines dramatischen Streits – sondern weil er etwas für sich tun wollte. Etwas Kleines. Und doch etwas, das sich wichtig anfühlte: Ein neuer Haarschnitt. Er stand auf, nahm seine Medikamente wie jeden Morgen, trank einen Schluck Wasser und ging in die Küche, wo bereits der Duft von aufgebackenen Brötchen in der Luft lag. Die Mutter war schon wach und deckte den Tisch. Messi saß daneben, noch im Schlafanzug, und las auf seinem Handy Nachrichten aus Argentinien. Neymar schlurfte vorbei, gähnte laut und klopfte Felix auf die Schulter. Neymar (grinsend) „Frisörtermin, hm? Willst du jetzt aussehen wie ich?“ Felix (lacht) „Ich dachte eher an Thomas Müller, so ein bisschen chaotisch, aber liebenswert.“

Ronaldo (aus dem Hintergrund) „Nein, nein. Klassisch und stilvoll. Wie ein Champion.“ Während sie frühstückten – Käse, Marmelade, Eier und frische Brötchen – ging Felix noch einmal innerlich durch, was er wollte. Nicht zu kurz. Nicht zu streng. Aber gepflegt. Er hatte den Termin schon vor zwei Tagen gemacht. Um 10:30 Uhr sollte er da sein. Der Weg zum Frisör Nach dem Frühstück zog er sich an – Jeans, sein Mainz 05-T-Shirt, darüber eine dünne Jacke – und trat mit Suarez gemeinsam vor die Haustür. Suárez „Ich komm mit, chico. Ich will sehen, wie der neue Felix aussieht.“ Felix „Nur wenn du versprichst, mich nicht auszulachen, wenn’s daneben geht.“ Suárez (lacht) „Versprochen. Ich lache nur innerlich.“ Sie fuhren mit der Straßenbahn in Richtung Innenstadt, stiegen in der Nähe des Wochenmarkts aus und gingen die letzten Meter zu Fuß. Unterwegs unterhielten sie sich über Haartrends, Fußballfrisuren und welche Spieler den besten (und schlechtesten) Haarschnitt hatten. Suárez „Erinnerst du dich an die Ronaldo-Gedächtnisfrisur 2002 mit dem Halbkreis vorne?“ Felix „Unvergesslich. Ich hoffe, ich komme heute ohne Frisur-Trauma davon.“ Beim Frisör Der Frisörsalon war klein, freundlich und duftete angenehm nach Shampoo und frischem Kaffee. Die Dame am Empfang begrüßte Felix freundlich. Frisörin „Felix, richtig? Komm direkt mit. Du bist pünktlich.“ Felix nickte, war aber sichtlich nervös. Er setzte sich, bekam einen Umhang umgelegt, und während die Haare gewaschen wurden, spürte er, wie sich langsam die Anspannung löste. Suárez wartete im Wartebereich, blätterte in einem alten Fußballmagazin und beobachtete das Geschehen mit einem Augenzwinkern. Frisörin (sanft) „Was machen wir heute?“ Felix „Bitte nicht zu kurz. Und so, dass es ein bisschen geordnet aussieht. Nicht wie frisch aus dem Stadion nach Verlängerung.“ Die Frisörin lächelte und begann zu schneiden. Mit jedem Schnitt schien ein kleines Stück Last zu fallen – als ob nicht nur Haare, sondern auch Sorgen fielen. Felix entspannte sich. Er redete wenig, beobachtete sich im Spiegel, dachte nach – über die letzten Wochen, über all das, was passiert war. Aber heute war ein guter Tag. Ein Tag, der mit einem Neuanfang begann. Und manchmal reicht schon ein neuer Schnitt, um sich frischer zu fühlen. Der neue Look Als sie fertig war, sah Felix in den Spiegel. Es war immer noch er – aber ein bisschen klarer, ein bisschen wacher. Suárez (steht auf) „Wow. Das steht dir! Jetzt brauchst du nur noch einen neuen Vertrag bei Real Madrid.“ Felix (lächelt leicht verlegen) „Ich bleib lieber in Mainz.“

Er bedankte sich, zahlte, und gemeinsam verließen sie den Salon. Die Sonne war inzwischen kräftiger geworden. Und Felix ging mit leichtem Kopf und einem kleinen Lächeln zurück in den Tag. Der 30. Tag hatte gut begonnen. 30. Tag – Samstag, 14. Juni 2025 – Vormittag: Apotheke und Fürsorge Nachdem Felix vom Frisör zurückgekehrt war, machte er sich nicht lange später wieder auf den Weg – diesmal zur Apotheke. Der leichte Wind trug den Duft von Sommerblumen und sonnengewärmtem Asphalt durch die Straßen, als er durch die belebte Innenstadt ging. Seine Haare fühlten sich immer noch fremd an, aber gut. Ein Zeichen dafür, dass sich etwas änderte – vielleicht nicht alles, aber kleine Dinge. Er betrat die Apotheke mit einem klaren Ziel: seine Schlafgummibärchen mit 2 mg Melatonin abholen, die er vor ein paar Tagen telefonisch bestellt hatte. Außerdem benötigte er eine Herpessalbe, denn seit dem Stress mit seinem Vater hatte sich eine kleine Blase an seiner Lippe gebildet – ein untrügliches Zeichen seines Körpers, dass etwas zu viel geworden war. Die Apotheke war kühl, ordentlich und freundlich eingerichtet. Felix zeigte seinen Vorbestellcode auf dem Handy, die Mitarbeiterin brachte ihm die Packung mit den MelatoninSchlafgummibärchen – in einer kleinen Dose mit beruhigendem Design, extra für Erwachsene entwickelt. Die Herpessalbe, die ihm empfohlen wurde, war antiviral und mild. Er bezahlte, bedankte sich, verstaute die Sachen vorsichtig in seinem Rucksack und trat wieder hinaus in das helle Tageslicht. Während er zurück zur Wohnung ging, spürte er eine Mischung aus Erleichterung und Erschöpfung. Die vielen letzten Tage, die Gespräche, die Vorfälle mit seinem Vater, der Schmerz über den zerstörten Rollstuhl – all das hatte Spuren hinterlassen. Aber es war auch eine stille, kleine Fürsorge, die jetzt zählte: neue Möbel, ein neuer Haarschnitt, Medikamente, die helfen sollten, besser zu schlafen. Es waren Schritte – keine riesigen, aber wichtige. 30. Tag – Samstag, 14. Juni 2025 – Mittag: Einkaufen bei Rewe für die heißen Tage Die Sonne stand mittlerweile hoch am Himmel, und die Hitze des frühen Nachmittags legte sich wie eine schwere Decke über die Stadt. Der Asphalt flimmerte leicht, und aus den offenen Fenstern der Häuser drang der Klang von leisen Radios, summenden Ventilatoren und Gesprächen. Felix hatte seinen Rucksack geschultert und war auf dem Weg zu Rewe – es war einer dieser Einkäufe, bei dem er sich selbst etwas Gutes tun wollte. Die letzten Tage waren gefüllt gewesen mit Turbulenzen, Sorgen und kleinen Momenten des Rückzugs. Heute wollte er vorsorgen, besonders für die nächsten heißen Tage, die laut Wetterbericht bevorstanden. Zielstrebig betrat er die angenehm klimatisierte Filiale. Die kühle Luft empfing ihn wie eine kleine Erleichterung, und für einen Moment blieb er im Eingangsbereich stehen, um sich zu orientieren. Er hatte eine genaue Liste im Kopf: Sportgetränke mit Elektrolyten, die ihm helfen würden, an warmen Tagen fit und konzentriert zu bleiben – besonders bei längeren Spaziergängen oder beim Spielen von Pokémon GO. Und ein besonderer Wunsch: die blaue Fanta Shokata, eine Sorte mit Holunderblüte und Zitrone, die es in Deutschland nicht regulär gab, aber manchmal aus dem Ausland importiert in kleinen Mengen im Regal stand. Felix wusste, wo er suchen musste. Zuerst ging er durch die Getränkegänge. Er nahm sich zwei Flaschen isotonisches Zitronengetränk, eine mit Waldfruchtgeschmack und eine große Flasche mit PfirsichMango-Aroma. Die Flaschen waren kühl, beschlagen von der Klimaanlage. Danach bog er Richtung internationaler Spezialitäten ab – dort, wo manchmal die unerwarteten Entdeckungen auf ihn warteten. Sein Herz machte einen kleinen Sprung: Da stand sie wirklich! Eine Reihe von Fanta Shokata-Flaschen, blassblau wie das Mittelmeerwasser in einem Katalog. Sie waren mit kyrillischen Buchstaben beschriftet, offenbar aus Rumänien oder Bulgarien. Er nahm gleich

drei Flaschen und betrachtete sie mit einem stillen Lächeln. Diese kleinen Freuden bedeuteten ihm viel. An der Kasse legte er seine Auswahl vorsichtig aufs Band. Die Kassiererin nickte freundlich, und er packte alles ordentlich in seinen Rucksack. Als er wieder nach draußen trat, traf ihn die Hitze erneut – aber jetzt war er vorbereitet. In der Seitentasche seines Rucksacks steckte eine kühle Fanta, die er beim ersten schattigen Plätzchen öffnen wollte. Auf dem Heimweg überlegte er kurz, ob er noch zur Bäckerei gehen sollte, ließ es dann aber bleiben. Für heute hatte er genug getan. In seinem Kopf sortierten sich die Gedanken, während er Schritt für Schritt durch die Straßen ging – vorbei an Autos, Gärten, Menschen mit Einkaufstüten. Heute war ein einfacher Tag – aber auch ein guter. Ein Tag mit Getränken gegen die Hitze. Ein Tag mit kleinen Belohnungen. Ein Tag, an dem alles, was Felix tat, nur ihm selbst gehörte. 30. Tag – Samstag, 14. Juni 2025 – Nachmittag: Der Drogeriemarktbesuch und die Teeauswahl Nach einer kurzen Pause zu Hause – die Sportgetränke hatte er ordentlich im Kühlschrank verstaut, und eine der Fanta Shokata-Flaschen geöffnet und zur Hälfte genossen – machte sich Felix wieder auf den Weg. Die Hitze hatte nicht nachgelassen, aber ein leichter Windhauch zog durch die Straßen. Seine Gedanken waren ruhig, fast strukturiert, wie es bei ihm selten vorkam, und das gab ihm Sicherheit. Jetzt stand noch ein Einkauf im Drogeriemarkt an. Er wollte seine Teesorten auffüllen, vor allem jene, die ihm abends halfen, zur Ruhe zu kommen oder die er gemeinsam mit den Spielern trank – kleine Rituale, die ihm wichtig waren. Der Drogeriemarkt lag nur zehn Minuten entfernt. Als Felix durch die automatischen Türen trat, empfing ihn ein vertrauter Geruch nach Kräuterbonbons, Papierverpackung und frischer Ware. Die Regale wirkten ordentlich, und die Klimaanlage war sanft eingestellt – ein angenehmer Ort nach dem warmen Weg dorthin. Zielsicher ging Felix in die Teeecke. Es war eine große Auswahl: ganze drei Regale voller verschiedenster Sorten, Marken und Mischungen. Er stellte sich davor und begann, langsam zu lesen – eine seiner typischen Verhaltensweisen, wenn er sich konzentrierte. Er verglich Zutatenlisten, Wirkung und auch den Preis. Zuerst griff er nach seinem Lieblings-Abendtee: „Schlaf- und Nerventee“ mit Baldrian, Melisse, Lavendel und Hopfen. Er nahm gleich zwei Packungen – die gingen bei ihm schnell leer. Dann fiel sein Blick auf einen Fenchel-Anis-Kümmel-Tee, der gut war für den Magen. Auch diesen nahm er mit. Für den Tag wählte er noch einen Grünen Tee mit Minze, der ihn beleben sollte, ohne ihn unruhig zu machen. Neben den Tees entdeckte er noch einen neuen Früchtetee mit Sauerkirsche und Hibiskus, der fruchtig und sommerlich klang – perfekt, um ihn auch mal kalt aufzubrühen. Er überlegte kurz und legte auch diesen in den Korb. Beim Weitergehen sah er an einem kleinen Sonderaufsteller Kräuterbonbons ohne Zucker, die er gerne lutschte, wenn er sich gestresst fühlte. Er nahm sich eine Packung. An der Kasse wartete er geduldig, sah den anderen Menschen beim Einräumen ihrer Artikel zu. Ein älteres Ehepaar kaufte Waschmittel und Feuchttücher, ein junger Vater mit Kinderwagen legte Babybrei und Pflegeprodukte auf das Band. Felix war mittendrin – unauffällig, aber ruhig. Als er an der Reihe war, begrüßte er die Kassiererin mit einem leichten Nicken, zahlte und verstaute seine Einkäufe in seiner Tasche. Der Weg nach Hause war wieder heiß, aber er fühlte sich erfüllt. Zu Hause würde er sich einen Tee zubereiten, vielleicht einen kalten Sauerkirsch-Hibiskus-Tee in den Kühlschrank stellen, damit er ihn am Abend gemeinsam mit den Spielern trinken konnte. Es waren diese einfachen, strukturierten Schritte, die Felix halfen, sich sicher zu fühlen – und heute hatte er wieder einen solchen Tag geschaffen.

30. Tag – Samstag, 14. Juni 2025 – Früher Abend: Der Fleischkäse-Vorfall bei Edeka Am frühen Abend, als die Sonne langsam begann, sich hinter den Häuserreihen von Mainz zu senken, entschied sich der junge Mann gemeinsam mit den vier Spielern – Ronaldo, Messi, Neymar und Suárez – noch einmal zum Edeka um die Ecke zu gehen. Der Tag war bisher ruhig verlaufen, aber Felix hatte den Wunsch geäußert, Fleischkäse zum Aufbacken zu besorgen. Es war sein Lieblingsessen geworden, eine Art kulinarischer Trostspender nach stressigen Momenten oder enttäuschenden Gesprächen. Mit einem klaren Ziel vor Augen betrat die Gruppe den angenehm klimatisierten Supermarkt. Felix ging zügig voraus, die Spieler folgten ihm locker und mit guter Laune. Doch als sie zur Kühltheke kamen, wich die Vorfreude aus Felix’ Gesicht. Statt der gewohnten vollen Reihe an Aufback-Fleischkäsen lagen dort nur noch vier kleine Stücke – keine der geliebten, großen Familienportionen, die er sonst mit nach Hause nahm. Er beeilte sich, um sich wenigstens zwei der letzten vier Stücke zu sichern. Doch die Kühltheke war gleichzeitig von einer anderen Kundin erreicht worden – eine etwa 30-jährige Frau, die schnell zugriff und sich zwei der Fleischkäsepackungen schnappte. Felix nahm ebenfalls zwei, aber in der Schlange an der Kasse musste er beobachten, wie ein weiterer Mann in einem weißen Polohemd mit entschlossener Geste ebenfalls zum Kühlregal griff und die letzten beiden großen Packungen Fleischkäse auf sein Kassenband legte. Das war zu viel für Felix. Sein Atem wurde schneller, seine Faust ballte sich automatisch. In seinem Inneren brodelte es. Es fühlte sich für ihn nicht nur wie ein Verlust eines Abendessens an, sondern wie ein Symbol dafür, dass ihm ständig Dinge genommen wurden, die ihm wichtig waren – ob im Kleinen oder Großen. Mit einem schnellen Schritt wollte er auf den Mann zugehen – in ihm war ein Impuls hochgekommen, den er nicht verstand, aber der sich gegen die Ungerechtigkeit richten sollte, gegen das ständige Gefühl, übergangen zu werden. Doch Ronaldo, der dicht hinter ihm stand, hatte sofort bemerkt, was vorging. Blitzschnell legte er ihm die Hand auf die Schulter und schüttelte stumm den Kopf. Felix erstarrte. Er sah zu Ronaldo, der ihm ruhig aber bestimmt in die Augen blickte. Dann atmete Felix tief durch. Die anderen Kunden hatten nichts bemerkt, es war nur ein kurzer Moment der inneren Explosion gewesen, der sich aber nicht entladen hatte. An der Kasse sagte Felix kein Wort. Er hatte nur noch eine kleine Scheibe Fleischkäse ergattert – nicht genug für einen Abend, aber immerhin etwas. Als sie den Laden verließen, bestellte er mit Hilfe von Messi über eine App frische Fleischkäseportionen für die kommenden Tage, damit so ein Erlebnis nicht nochmal passierte. Zuhause angekommen, verstaute er die kleine Portion im Kühlschrank, während Neymar schon das Wasser für Tee aufsetzte und Suárez aus dem Fenster sah. Die Anspannung war gewichen. Felix war still – erschöpft nicht körperlich, sondern emotional. Doch die Präsenz der vier Spieler, ihr ruhiges Dasein und die unausgesprochene Unterstützung halfen ihm, sich wieder zu sammeln. Es war ein stiller Abend – aber ein wichtiger. Felix hatte einen Impuls kontrolliert, nicht weil er musste, sondern weil jemand da war, der ihn verstand. 30. Tag – Samstag, 14. Juni 2025 – Abend: FIFA, Abendessen und leise Gedanken Nachdem der frühe Abend mit dem emotionalen Vorfall im Supermarkt zu Ende gegangen war, kehrte in der Wohnung allmählich wieder Ruhe ein. Der junge Mann hatte sich nach dem Zwischenfall zurückgezogen, saß nun mit seinem Controller in der Hand auf dem Sessel vor dem Fernseher. Die vier Spieler waren ebenfalls wieder daheim angekommen, verteilten sich im Wohnzimmer – manche ruhten sich aus, andere sprachen leise miteinander oder scrollten auf ihren Handys. Felix startete wie gewohnt FIFA – Karrieremodus, Mainz 05 war natürlich sein Team. Er hatte zuletzt einige Transfers vorgenommen und sich eine fast schon unrealistische

Wunschmannschaft zusammengestellt. Heute wollte er einfach nur spielen. Den Alltag vergessen. Nicht denken, nicht analysieren, einfach abschalten. Während das Spiel lief, bereitete Messi ihm in der Küche ein einfaches Abendessen zu: zwei Toastscheiben mit der kleinen Portion Fleischkäse vom Supermarkt, die Felix vorher im Kühlschrank verstaut hatte. Dazu etwas süßer Senf, ein paar Gurkenscheiben und ein stilles Wasser mit Zitrone. Einfach, aber genau richtig für einen ruhigen Abend. Als das Essen fertig war, stellte Messi den Teller kommentarlos neben Felix auf das kleine Tischchen. Felix nickte ihm dankbar zu, ohne die Partie zu unterbrechen. Er hatte gerade ein Spiel gegen Dortmund laufen, es stand 2:2, und er war in der Nachspielzeit. Ronaldo und Neymar setzten sich daneben, beobachteten ihn beim Spielen. Als Felix kurz darauf den Siegtreffer erzielte, jubelte er leise – nicht zu laut, nicht übertrieben, aber mit einem leichten Lächeln, das für alle sichtbar war. Nach dem Spiel legte er den Controller weg und griff zum Teller. Der Fleischkäse war noch warm. Er biss hinein – der Geschmack war einfach, aber vertraut. Es war ein stilles Abendessen, ohne Gespräche, aber es fühlte sich nicht einsam an. Die Spieler waren da, präsent, unterstützend. Niemand sprach darüber, was tagsüber passiert war. Keiner fragte, warum Felix so leise war. Es war ein stilles Verstehen. Nach dem Essen trank Felix noch einen warmen Tee mit Honig, den Suárez ihm vorbereitet hatte. Danach schaute er noch ein paar Minuten durch seine Handygalerie – dort hatte er Fotos von dem alten Sessel und der Couch gespeichert, die sie am Morgen entsorgt hatten. Er betrachtete die Kratzspuren, erinnerte sich an seinen alten Hund. Die neue Couch war makellos – aber irgendwie fehlte ihr Charakter. Gegen 22:30 Uhr schaltete Felix den Fernseher aus. Er fühlte sich ruhiger als am Nachmittag. Vielleicht war es die Wärme des Essens, vielleicht das Zusammensein mit den Spielern oder einfach die Ablenkung durch FIFA – doch für diesen Moment war alles okay. Ohne ein Wort zu sagen, stand er auf, stellte seinen Teller in die Spülmaschine und ging in sein Zimmer. Der Abend endete mit einem Gefühl der Stille, aber auch der Sicherheit. Die Nacht würde kommen, wie jede andere – doch Felix war nicht allein. 31. Tag – Sonntag, 15. Juni 2025 – Mittag in Hochheim: Rückkehr mit Schatten Der Mittag war sonnig, der Himmel wolkenlos und die Temperaturen stiegen schnell. Der junge Mann hatte sich früh am Vormittag dazu entschieden, wieder einmal nach Hochheim zu fahren – einem Ort, der in den vergangenen Wochen für ihn zu einem merkwürdigen Knotenpunkt aus Erinnerungen, Begegnungen und Fragen geworden war. Begleitet wurde er heute nicht nur von einem der Spieler, sondern diesmal gleich von allen vier: Ronaldo, Neymar, Messi und Suárez. Sie fuhren mit der S-Bahn bis zur Haltestelle und gingen die vertrauten Wege entlang – vorbei an der Kirche, durch das kleine Altstadtviertel, wo die Weinstände und Cafés langsam wieder Gäste anzogen. Der junge Mann fühlte sich zugleich nervös und aufgeregt. Hochheim war schön – aber es war auch der Ort, an dem sich etwas Unerklärliches angebahnt hatte. Sie liefen an jenem kleinen Platz vorbei, wo vor Wochen der Feuerjongleur aufgetreten war. Dort hatte Felix damals kurz gefilmt – eigentlich nur aus Begeisterung. Doch daraus war eine seltsame Entwicklung entstanden: das Gefühl, beobachtet zu werden, diese eine Frau auf dem Friedhof, die Blicke von Passanten, die zu lange verweilten. Der junge Mann spürte eine innere Unruhe, doch er versuchte sie zu ignorieren. Sie setzten sich kurz an einen Brunnen, tranken Wasser und unterhielten sich über belanglose Dinge – Fußball, Essen, Pläne für die kommende Woche. Doch Ronaldo blieb ungewöhnlich still. Auch Neymar war aufmerksamer als sonst, sein Blick wanderte öfter in die Umgebung. Die Mittagssonne brannte nun spürbar. Als sie sich langsam in Richtung der alten Straße mit den Fachwerkhäusern bewegten, bemerkte Felix eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Jemand näherte sich. Zunächst dachte er an einen Touristen, vielleicht ein Einheimischer.

Doch dann sah er das Gesicht – ein kantiges, leicht gebräuntes Gesicht, von der Sonne gezeichnet, mit zusammengekniffenen Augen und wippenden Schritten. Es war der Jongleur. Er trug dieselbe Lederweste wie damals, dieselben engen, schwarz-roten Hosen. In einer Hand hielt er seine Requisiten – drei Keulen, leicht angeschlagen, mit Flammenspuren am Griff. In der anderen Hand ein kleiner Rucksack. Er ging direkt auf die Gruppe zu. Die Spieler verstummten. Messi stellte sich leicht schützend vor Felix. Suárez zog seine Sonnenbrille ab. Neymar hob die Augenbrauen. Ronaldo stand regungslos. Dann blieb der Jongleur stehen, nur zwei Meter vor ihnen. Er sah erst Felix an. Dann wanderte sein Blick langsam über die Gesichter der vier Spieler. Und dann sagte er mit ruhiger, fester Stimme: „Ihr denkt also, man kann mich filmen, mich lächerlich machen, mich heimlich beobachten – und dann einfach verschwinden?“ Die Luft wurde spürbar schwerer. Ein Schatten legte sich über die Mittagssonne. Der Jongleur hatte sie erkannt. Und er war nicht bereit, es dabei zu belassen. Fortsetzung folgt… 31. Tag – Sonntag, 15. Juni 2025 – Nachmittag in Hochheim: Die Versöhnung mit dem Feuer Die Spannung zwischen der Gruppe und dem Jongleur war greifbar. Der Mann stand wie ein Fels vor ihnen, die Arme verschränkt, die Keulen unter dem linken Ellbogen eingeklemmt, sein Blick schneidend und erwartungsvoll. Der junge Mann spürte, wie seine Hände zu zittern begannen. Er wollte reden, aber seine Stimme blieb in der Kehle stecken. Die Erinnerung an das kurze Video damals kam ihm wieder in den Kopf – wie er mit Begeisterung gefilmt hatte, wie die Flammen in der Dunkelheit geleuchtet hatten. Wie beeindruckt er war. Es war nie böse gemeint gewesen. Doch jetzt, angesichts des ernsten Gesichts des Jongleurs, spürte er, wie viel Missverständnis zwischen ihnen lag. „Was hast du dazu zu sagen?“, fragte der Jongleur erneut, nun etwas lauter, fast herausfordernd. Die Spieler rückten näher an Felix heran. Neymar legte ihm sanft eine Hand auf die Schulter. Ronaldo flüsterte: „Sag’s einfach. Sag, was du gefühlt hast.“ Felix atmete tief durch. Mehrmals versuchte er, anzusetzen. Dann, nach etwa einer halben Minute, in der alle schwiegen, brachte er es endlich heraus – erst zögerlich, dann mit wachsender Klarheit: „Ich… ich hab dich damals gefilmt, weil ich’s schön fand. Es war kein Spott. Kein Angriff. Es war… ehrlich. Ich hatte sowas vorher nie gesehen. Und du warst… beeindruckend. Ich hab’s aufgenommen, weil ich mich erinnern wollte. Weil ich’s nochmal sehen wollte. Ich wollte’s nicht böse.“ Für einen Moment war es ganz still. Der Jongleur blinzelte. Seine Stirn war noch immer gerunzelt, aber seine Körperhaltung lockerte sich leicht. Er wirkte überrascht – nicht nur von den Worten, sondern auch davon, wie aufrichtig sie klangen. Dann kam der Bruch. „Warum hast du’s nicht einfach gesagt?“, fragte er, leiser nun. „Weil ich Angst hatte, du glaubst mir nicht. Oder… du bist sauer. So wie jetzt“, antwortete Felix fast kleinlaut. Der Jongleur schaute kurz nach unten, schüttelte dann den Kopf. Und dann – zur Überraschung aller – fing er plötzlich an zu lachen. Kein Spott. Eher ein ehrliches, fast erleichtertes Lachen.

„Du bist der Erste, der sowas zu mir sagt. Weißt du das?“ Er trat einen Schritt näher, nun ohne Härte, sondern fast wie ein alter Bekannter. „Die meisten laufen vorbei. Oder filmen heimlich und posten’s irgendwo. Keiner sagt mal, dass es ihnen gefallen hat. Dass sie’s schön fanden. Du bist komisch – aber auf eine gute Art.“ Die Spieler atmeten erleichtert auf. Suárez grinste. Messi lächelte. Neymar klatschte leicht in die Hände. Und Ronaldo nickte Felix anerkennend zu. Der Jongleur holte plötzlich sein Handy raus. „Weißt du was? Wenn du das Video noch hast… ich würd’s gern sehen.“ Felix zeigte es ihm. Der Jongleur sah es sich an – und lächelte. „Gar nicht mal schlecht gefilmt.“ Danach sprachen sie noch eine Weile miteinander. Der Jongleur erzählte, wie oft er schon verkannt wurde, wie oft man ihm Respekt verweigert hatte. Felix erzählte von seinen Schwierigkeiten, von seinen Ängsten und seiner Sicht auf die Welt. Zwei sehr unterschiedliche Menschen – und doch verstanden sie sich. Als sie schließlich weiterzogen, winkte der Jongleur ihnen hinterher. Und Felix fühlte sich leichter. Nicht nur, weil ein Missverständnis geklärt war – sondern weil er sich getraut hatte, ehrlich zu sein. Und diesmal, als sie durch Hochheim weiterzogen, fühlte es sich zum ersten Mal wirklich frei an. Fortsetzung folgt… 31. Tag – Sonntag, 15. Juni 2025 – Abend: Schatten über der Rückkehr Es war schon dunkel geworden, als der junge Mann gemeinsam mit den vier Spielern langsam durch die Straßen von Mainz zurückkehrte. Die Lichter der Stadt flimmerten still vor sich hin, als hätten sie ebenfalls einen langen Tag hinter sich. Die Versöhnung mit dem Jongleur hatte dem jungen Mann ein seltsames Gefühl von Stolz, aber auch Erschöpfung gebracht. Es war ein Tag voller Emotionen gewesen – und er sehnte sich nach Ruhe, einem warmen Getränk und vielleicht einem letzten Fifa-Match vor dem Schlafengehen. Sie bogen in ihre Straße ein, das vertraute Haus kam in Sicht. Alles wirkte ruhig. Zu ruhig. Doch was der junge Mann nicht wusste – und auch keiner der Spieler bemerkte – war, dass sie beobachtet wurden. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, halb verborgen im Schatten eines alten Ahorns, stand sie. Die Frau vom Friedhof. Ihr Gesicht war kaum zu erkennen, nur die Silhouette hob sich leicht vom Dunkel der Nacht ab. Ihre Augen glänzten kalt. Ihre Lippen bewegten sich kaum, aber ihre Worte – geflüstert wie der Hauch eines drohenden Gewitters – durchdrangen die Stille: „Jetzt hast du dich vielleicht mit dem Jongleur versöhnt… und du, dein Vater, deine Mutter, selbst diese Spieler – ihr versteht euch wieder gut. Aber glaub nicht, dass du Ruhe findest. Dein großer Sturz kommt. Meine Rache naht. Bald wirst du nichts mehr haben.“ Sie blieb noch lange stehen, auch nachdem die Gruppe im Haus verschwunden war. Dann drehte sie sich um und verschwand so lautlos, wie sie gekommen war. Im Haus bereitete sich der junge Mann indes auf den Abend vor. Er kochte sich einen beruhigenden Tee, setzte sich zu den Spielern ins Wohnzimmer. Es war ein friedlicher Moment, aber in ihm nagte ein Gedanke: die Enttäuschung über seine Großmutter. Denn trotz allem, was passiert war – trotz der Konflikte mit dem Vater, trotz der Katastrophen der letzten Wochen – hatte er sich von ihr am meisten erhofft. Doch ihre Worte, ihre Kälte, das, was sie der Mutter gesagt hatte… es brannte in ihm. Sie, von der er gedacht hatte, sie würde ihn verstehen. Doch stattdessen hatte sie ihn als respektlos und falsch hingestellt. Er sagte nichts, aber in ihm formte sich ein stilles Versprechen: Er würde nicht aufgeben. Nicht für sie. Nicht für irgendwen. Sondern nur für sich. Doch das dunkle Flüstern draußen… das kündigte an, dass der nächste Schatten bereits auf ihn wartete. Fortsetzung folgt…

32. Tag – Montag, 16. Juni 2025 – Morgen: Vorbereitung auf einen wichtigen Abend Der Morgen dämmerte ruhig über Mainz, doch im Inneren der Wohnung herrschte noch eine gewisse Schwere, die über die letzten Tage hinweg liegen geblieben war – wie ein feiner Staub aus Sorge, Angst und Aufbruch. Der junge Mann erwachte langsam, sein Körper fühlte sich schwer an. Die letzten Wochen hatten ihm viel abverlangt. Doch wie jeden Tag richtete er sich mühsam auf, griff zu seiner Medikamentenbox und nahm gewissenhaft seine morgendliche Dosis. Mit einem kurzen Blick auf den Wecker stellte er fest, dass es gerade kurz nach halb acht war. Er griff nach seinem Handy. Eine Nachricht war ihm wichtig – wichtiger als alles andere heute: Der Rollstuhl. Sein Ersatz, sein kleines Stück Freiheit, das vielleicht nicht modern war, aber fähig, ihn wieder mobil zu machen. Mit leicht zitternden Fingern tippte er dem Verkäufer über Kleinanzeigen: „Hallo, ich wollte fragen, ob ich den Rollstuhl heute am Abend abholen kann. Ich hätte dann auch jemanden zur Hilfe dabei. Viele Grüße.“ Die Nachricht war abgeschickt – und damit auch ein Symbol seiner Hoffnung. Zwar war der Rollstuhl alt, gebraucht und sicherlich nicht bequem, aber es war ein Anfang. Ein Schritt zurück zur Selbstständigkeit, zur Bewegung, zur Würde. Kaum hatte er die Nachricht gesendet, spürte er die Anspannung in seinen Schultern – und auch die Erschöpfung. Die letzten Tage hatten ihn geistig und emotional ausgelaugt. Die Streits, die Beobachtungen, das Chaos – alles hallte noch in seinem Inneren nach. Er stellte das Handy auf lautlos, legte sich wieder hin, schloss die Augen und atmete tief durch. In seinem Zimmer war es angenehm kühl, der leichte Windzug vom gekippten Fenster brachte etwas Frische mit sich. Die Decke schien ihn wie ein schützender Kokon zu umhüllen. So fiel der junge Mann erneut in einen tiefen, erlösenden Schlaf – vier Stunden lang – in der Hoffnung, dass der Abend ihm nicht nur einen Rollstuhl brachte, sondern auch ein kleines Stück Kontrolle über sein eigenes Leben zurückgeben würde. … 32. Tag – Montag, 16. Juni 2025 – Später Nachmittag: Auf dem Weg zum Rollstuhl Gegen 17:20 Uhr trat der junge Mann mit leicht zittrigen Beinen aus dem Haus. Die Temperatur war warm, aber nicht erdrückend, ein leichter Windhauch strich durch die Straßen von Mainz. Neben ihm lief ruhig der Fußballspieler, der ihn schon seit vielen Wochen begleitete. Beide hatten sich für den Moment still verständigt – der junge Mann war konzentriert und spürbar aufgeregt. Sie gingen gemeinsam zur Bushaltestelle. Die Sonne tauchte die Dächer der Stadt in ein orangefarbenes Licht, während der Bus langsam in Richtung stadtauswärts fuhr. Der junge Mann hielt sein Handy fest umklammert, seine Hände schwitzten leicht, sein Blick starrte aus dem Fenster. Er spürte das Pochen seines Herzens bis in die Fingerspitzen. Würde der Rollstuhl wirklich noch da sein? Würde er funktionieren? Die Fahrt zog sich, jeder Halt schien länger als sonst. Menschen stiegen ein und aus, redeten, lachten. Doch für den jungen Mann und seinen Begleiter war alles wie in Watte gepackt – ihre Welt war enger geworden, fokussierter. Plötzlich ertönte die Stimme des Busfahrers durch den Lautsprecher: „Hauptstraße – Endstelle bitte!“ Die Tür öffnete sich zischend. Der junge Mann stand auf, atmete tief durch und stieg aus. Der Spieler folgte ihm ruhig, sein Blick aufmerksam, beschützend. Die beiden standen nun auf einer leicht abschüssigen Straße. Links eine kleine Wohnsiedlung mit älteren Häusern, rechts ein paar Bäume, die sich leicht im Wind bewegten. In der Ferne konnte man einen Bahnübergang hören.

Der junge Mann zückte sein Handy, öffnete den Chat und rief die Nummer des Verkäufers an. Es klingelte… einmal… zweimal… fünfmal… doch niemand ging ran. Der junge Mann biss sich nervös auf die Lippe. Er wartete, sein Daumen zitterte leicht über dem Bildschirm. Minuten verstrichen, dann – Vibration. Rückruf. Er nahm ab, sagte kaum mehr als seinen Namen, und hörte nur ein kurzes: „Ich komme gleich raus.“ Er beendete das Gespräch, steckte das Handy zurück in die Tasche und blickte sich um. Noch immer sprach keiner der beiden. Dann – öffnete sich langsam die Tür eines alten Hauses. Ein älterer Mann mit leicht gebeugter Haltung trat hervor. Er trug ein verwaschenes Hemd, seine Hände lagen schwer auf der Hüfte. Neben ihm, halb verborgen hinter der Mauer, stand etwas – ein Rollstuhl, alt, aber stabil. Der Mann trat ein paar Schritte vor – blieb dann aber stehen. Auch der junge Mann und der Spieler gingen langsam auf ihn zu. Doch sie sprachen kein Wort. Die Blicke der beiden Männer trafen sich. Der Verkäufer schien den jungen Mann mit einem ernsten, aber nicht feindseligen Blick zu mustern. Seine Augen glitten dann kurz zum Spieler, verweilten einen Moment – und wanderten zurück. Eine seltsame Spannung lag in der Luft. Keine Worte. Kein Gruß. Kein Nicken. Nur Blicke. Der alte Rollstuhl stand ruhig da, als wäre er Zeuge dieses stummen Moments zwischen Vergangenheit und Zukunft. Der junge Mann blickte ihn an – sein Blick war nicht nur prüfend, sondern auch respektvoll. Ein wichtiger Schritt stand kurz bevor. Fortsetzung folgt… 32. Tag – Montag, 16. Juni 2025 – Später Nachmittag: Der Weg zum alten Rollstuhl Die Sonne stand schon tief am Himmel, als der junge Mann sich auf den Weg machte. In der Tasche hatte er das Geld für den alten Rollstuhl, sorgsam abgezählt. Neben ihm die vier Spieler – Ronaldo, Messi, Neymar und Suárez – die wie in all den letzten Tagen an seiner Seite geblieben waren. Heute aber liefen sie schweigend, mit ernster Miene, als spürten sie, dass dieser Moment für ihn bedeutungsvoll war und kein Wort nötig war, um ihre Unterstützung zu zeigen. Die Bushaltestelle war nur wenige Minuten entfernt, aber der junge Mann wirkte nervös. Immer wieder sah er auf sein Handy, prüfte die Uhrzeit, atmete tief durch. Die warme Sommerluft lag über der Stadt, ein leichter Wind bewegte die Blätter der Bäume. Der Bus kam pünktlich. Sie stiegen ein, setzten sich nebeneinander auf die hinteren Sitze. Die Fahrt dauerte nicht lange, aber sie führte ihn aus dem gewohnten Viertel hinaus – an Plätzen vorbei, die ihm fremd waren. Immer wieder sah er aus dem Fenster und erkannte Straßen, die er noch nie bewusst betreten hatte. Nach rund 20 Minuten Fahrt meldete sich der Fahrer durch das Mikrofon: „Hauptstraße – Endstation. Bitte alle aussteigen.“ Der junge Mann zuckte leicht zusammen. Das war sein Zeichen. Gemeinsam mit den vier Spielern stieg er aus, stand nun auf einem kleinen Gehweg nahe eines alten Mehrfamilienhauses. Die Straße war ruhig, nur ein paar Autos rollten vorbei. Er zog sein Handy heraus und wählte die Nummer des Verkäufers. Es klingelte. Kein Anschluss. Noch einmal. Wieder nur Freizeichen. Niemand hob ab. Ein kleiner Stich der Unsicherheit durchzog seine Brust. „Vielleicht hat er es vergessen …“, dachte er. Er stand da, starrte auf das Display. Minuten vergingen. Die Spieler sagten weiterhin nichts, sahen sich aber aufmerksam um. Schließlich vibrierte das Handy in seiner Hand. Der Mann rief zurück. „Hallo?“ sagte der Verkäufer am anderen Ende. „Ach ja, sorry, ich war kurz unterwegs. Komm einfach hinten durch die Einfahrt, zweite Tür links.“

Der junge Mann nickte – mehr zu sich selbst – und bewegte sich mit vorsichtigen Schritten auf das angegebene Gebäude zu. Die vier Spieler blieben mit etwas Abstand hinter ihm, so wie er es sich gewünscht hatte. Noch war nicht die Zeit, sie dem Mann vorzustellen. Noch nicht. Als er den Hinterhof betrat, fiel sein Blick auf einen alten, aber gepflegten Rollstuhl, der an die Wand gelehnt war. Er war tatsächlich alt – die Metallteile etwas angelaufen, der Sitz leicht abgewetzt. Aber er wirkte stabil, fast ehrwürdig. Als hätte er bereits viele Wege gesehen. Die Tür öffnete sich, und der Mann trat heraus. Er war etwa Mitte 50, hatte eine ruhige, fast nachdenkliche Ausstrahlung. Er sah den jungen Mann an – und dann, mit einem leichten Stirnrunzeln, über dessen Schulter hinweg auf die vier anderen Gestalten im Hintergrund. Doch er sagte nichts. Er nickte nur. Und der junge Mann erwiderte das Nicken. Noch war kein Wort gefallen – weder über das, was hinter ihm stand, noch über das, was dieser Rollstuhl vielleicht bald für ihn bedeuten würde. Fortsetzung folgt … 32. Tag – Montag, 16. Juni 2025 – Früher Abend: Ein neuer alter Rollstuhl Der Verkäufer schob das Gefährt aus dem Schatten des Hinterhofs ins Restlicht des frühen Abends. Vor Felix stand nun tatsächlich der Rollstuhl aus dem Inserat: rahmenseitig bordeaux-rot lackiert, die Armlehnen von unzähligen Fahrten glattpoliert, Sitz- und Rückenfläche aus schwarzem Vinyl mit tiefen Wellen und einzelnen Druckstellen – Gebrauchsspuren eines langen Lebens, aber keine größeren Risse. Die silbrig schimmernden Greifreifen wirkten zwar blind, doch drehten sich flüssig, die Speichen hielten straff. Vorn ragten zwei schlichte, klappbare Fußbretter aus Aluminium hervor, deren Gummistopper noch intakt waren. Felix ging einmal langsam herum, strich fast ehrfürchtig über das kühle Metall. Genau so – mit diesen typischen Seitenstreben und der kräftigen Vordergabel – hatte er vor Jahren gesessen, wenn er mit Freunden über den Schulhof rollte. Ein kurzer Blick zu Ronaldo reichte: Das hier passt. Er holte den zusammengefalteten Zwanziger- und Zehnereuroschein aus der Jackentasche, reichte dem Mann vier blitzsaubere Zehner. Beide nickten einander zu; Worte brauchte es kaum. Der Verkäufer verstaute das Geld, machte eine knappe Handbewegung der Verabschiedung und verschwand im Treppenhaus. Zurück blieb der junge Mann mit seinem neuen alten Begleiter. Er legte eine Hand auf den Schiebegriff, tastete kurz das Spiel der Lager ab – alles lief rund. Dann setzte er die Bremse, klappte die Fußbretter hoch und begann langsam, das Gefährt Richtung Straße zu manövrieren. Die Abendluft fühlte sich plötzlich leichter an. Auf dem Kopfsteinpflaster surrten die Reifen satt, jedes Knirschen erzählte vom Weg, den dieser Rollstuhl schon hinter sich hatte – und von dem, der für Felix erst begann. Hinter ihm gingen die vier Spieler in gemächlichem Abstand; sie sagten nichts, doch ihr wacher Blick folgte jeder Bewegung. Als sie die Hauptstraße erreichten, blieb Felix kurz stehen. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Er presste den Handballen auf den Griff, spürte das Gewicht, die Balance. Noch schob er – aber bald schon würde er wieder hinaufgleiten, die Hände an die Greifreifen legen und seinen eigenen Rhythmus finden. Schritt für Schritt, Radumdrehung für Radumdrehung. 32. Tag – Montag, 16. Juni 2025 – Früher Abend: Die erste Strecke Mit dem bordeauxfarbenen Rollstuhl vor sich verließ Felix zusammen mit den vier Spielern das Wohngebiet des Verkäufers. Die ersten Meter auf dem Gehweg verliefen glücklich: Die Lager summten gleichmäßig, die Lenkrollen vorne reagierten geschmeidig, und das Gewicht des Gestänges vermittelte ihm ein vertrautes Fahrgefühl. Die Sonne stand tief, warf lange Schatten, und in Felix’ Brust machte sich eine fast kindliche Vorfreude breit.

Ein Umweg über die Schotterpiste Statt auf direktem Weg zur Hauptstraße zu rollen, bog die Gruppe neugierig in einen kleinen Grünstreifen ab, dessen Weg einen kürzeren Schnitt versprach: ein trockener Schotterpfad, gesäumt von jungen Kastanien. Felix senkte die Fußbretter, setzte sich mit Hilfe von Ronaldo in den Rollstuhl, wollte die ersten echten Meter aus eigener Kraft zurücklegen. Doch kaum griff er an die Greifreifen und gab Schub, setzte der Widerstand ein. Die groben Kiesel versanken unter dem Gewicht, die vorderen Lenkrollen verkeilten sich in winzigen Kuhlen, der Stuhl ruckte hart. Ein zweiter Versuch – ein Zentimeter Vortrieb, dann Stopp, die Reifen drehten durch. Felix’ Hände vibrierten vom Stoß. Kurzer Blickwechsel mit Messi: Das wird nichts. Felix stieg wieder aus, klappte die Fußbretter hoch. Mit beiden Händen an den Griffen stemmte er sich gegen das unnachgiebige Geröll. Hinter ihm half Suárez, ein Rad leicht anzuheben, während Neymar die größte Kieswulst beiseitescharrte. Sechs Kilometer Schieben Nach hundert zähen Metern Schotter entschieden sie sich, auf den Asphalt zurückzukehren. Das bedeutete allerdings einen Umweg über einen parallel verlaufenden Wirtschaftsweg, der sich in weitem Bogen durch Felder und eine Kleingartenanlage zog. Laut Navi: gut sechs Kilometer bis zur Wohnung. Felix schob – Schritt für Schritt. Anfangs half Ronaldo, zwischendurch übernahm Messi, später Neymar. Die Abendluft kühlte langsam, Grillen zirpten, und irgendwo wehte der Duft von gegrilltem Fleisch herüber. Trotz der Hitze der vergangenen Tage war jetzt ein leichter Wind aufgekommen, der den Schweiß auf Felix’ Stirn kühlte. Die Gespräche waren spärlich; jeder konzentrierte sich auf den Weg. Aber immer wieder legte einer der Spieler eine Hand an den Stuhl, um ihn auf die rechte Spur zu bringen oder einen Bordstein sanft zu überwinden. Der Rollstuhl knarzte kaum – erstaunlich robust trotz seiner Jahre. Noch nicht ganz zuhause Nach einer guten Stunde zeigte das Handy knapp über sechs Kilometer an – und trotzdem lag noch ein Stück Stadt vor ihnen. Der Himmel war ins Violette gekippt, erste Straßenlaternen flackerten auf. In der Ferne hörte man das Rattern einer Straßenbahn, Autolichter zogen wie Glühwürmchen über eine Brücke. Felix blieb stehen, wischte sich die Stirn. Er war erschöpft, aber auch stolz. Der alte Rollstuhl hatte sich bewährt: Er war schwer, ja, unhandlich auf grobem Untergrund, aber trug sein Gewicht zuverlässig über Asphalt. Ein nächster Test wartete – Kopfsteinpflaster, Bordsteine, der lange Weg hinauf zu ihrer Wohnung. Doch nicht jetzt. Ein letzter tiefgezogener Atemzug. Die Spieler schauten zu ihm, warteten ohne Drängen. Die Straße nach Hause begann hinter der nächsten Ampel – vielleicht zwanzig Minuten zu Fuß. Der junge Mann straffte die Schultern, umfasste die Griffe erneut. Es war noch nicht geschafft, doch er war auf dem Weg. Schritt für Schritt, Radumdrehung für Radumdrehung – und diesmal in Begleitung, die ihn nicht hängen ließ. 32. Tag – Montag, 16. Juni 2025 – Abend: Erste eigene Meter und eine Pause am Rhein Nachdem Felix den holprigen Kies hinter sich gelassen hatte, erreichte er schließlich einen frisch asphaltierten Rad- und Fußweg, der sich in sanften Bögen Richtung Rhein schlängelte. Die Sonne brannte nicht mehr, doch der Dunst der Hitze hing noch in der Luft, als würde der Tag die Wärme nur zögerlich abgeben. Er klappte die Fußbretter herunter, setzte sich mit Ronaldos Hilfe in den Rollstuhl – diesmal fest entschlossen, aus eigener Kraft zu fahren. Die ersten Meter liefen erstaunlich leicht: Der Asphalt war eben, die Räder rollten nahezu geräuschlos. Doch schon nach wenigen Kurbelumdrehungen fiel ihm auf, dass der Stuhl stetig nach rechts zog. Er korrigierte nach links, dann wieder nach rechts – ein nervöses Hin-und-Her, das ihn aus dem Rhythmus brachte.

Messi ging ein Stück hinter ihm, beobachtete das Spiel der Räder. Neymar kommentierte leise: Ein Lager könnte schwergängig sein oder ein Greifreifen minimal verbogen. Felix nickte, schwitzte, aber er wollte nicht aufgeben. Er probierte verschiedene Grifftechniken, verlagerte das Gewicht, setzte mal kürzere, mal längere Stöße. Doch der Rollstuhl blieb ein störrisches Gefährt, das ihn immer wieder in einen Zickzack zwang. Etwa einen Kilometer quälte er sich so vorwärts. Dann spürte er das Brennen in den Handballen, die überspannten Schultern, sein Atem ging flach. Mit einem leisen Fluch bremste er, stieg aus, klappte die Fußbrettchen hoch und übergab das Schieben an Suárez. Die Asphaltbahn führte nun leicht bergab; die vier Spieler wechselten sich ab, das Gewicht über die Griffe abzufangen. Felix lief nebenher, massierte die schmerzenden Unterarme. Doch trotz allem dachte er: Es sind meine ersten eigenen Meter seit Wochen. Ein kleiner Sieg - auch wenn der Rollstuhl störrisch war. Als sie den Fluss erreichten, lag der breite Rhein vor ihnen in tiefem Abendblau. Das Wasser glitzerte im letzten Licht, Schiffswellen glitten träge ans steinerne Ufer. Auf der Promenade wehte eine erfrischende Brise, Lichter spiegelten sich im Fluss. Felix blieb stehen. Hier war er etwa sechs Kilometer von Zuhause entfernt – weit genug, um den Sog der Wohnung, den Druck der letzten Tage abzuschütteln. Er stellte den Rollstuhl an eine Uferlaterne, zog die kleine Feststellbremse an, stützte sich mit beiden Händen auf den Griffen ab. Die Spieler bildeten einen Halbkreis, sahen schweigend auf das Wasser. Niemand drängte zur Umkehr. Der Abend war still, als würde der Rhein ihr schweres Gepäck annehmen und mit seiner Strömung forttragen. Felix atmete tief ein, spürte die kühle Luft in seinen Lungen: Noch nicht zuhause – und doch an einem Ort, der gerade reichte, um stehen zu bleiben, zu lauschen, und sich vorzustellen, dass jeder weitere Meter, jede weitere Drehung der Räder, ihn ein Stück näher an echte Freiheit bringen konnte. 32. Tag – Montag, 16. Juni 2025 – Abend: Heimweg im Bilderstrom der Stadt Der Abend senkte sich langsam über Mainz – die Hitze des Tages wich einer angenehmen, leicht vibrierenden Kühle. Felix legte die Bremse am Rollstuhl und hängte den Rucksack an die Lehne. Statt sich hineinzusetzen, entschied er: Den letzten Abschnitt gehe ich zu Fuß und schiebe das Ding selbst. Ronaldo nickte wortlos, blieb unmittelbar hinter ihm. Ihr Weg führte sie nun flussabwärts und dann in weitem Bogen zurück in Richtung Neustadt. 1 | Der gläserne Fahrstuhlschacht Kaum zwanzig Schritte vom Rheinufer entfernt ragte plötzlich ein vollverglaster Aufzugsturm empor, dessen Kabine in die Tiefe des Uferparks zu sinken schien. Das Licht im Schacht flimmerte kühlblau, Spiegelungen der Baumkronen tanzten auf den Scheiben. Felix blieb kurz stehen, drückte die Stirn gegen das Glas. In dem Moment fühlte er sich wie zwischen zwei Ebenen – oben das vertraute Stadtbild, unten eine unbekannte Welt. 2 | Die geschlossene Spießbraterei Weiter den Leinpfad entlang tauchte eine kleine Holzhütte auf: „Zimmer’s Spießbraterei“. Rollläden heruntergelassen, Lichterketten dunkel, doch der Duft gerösteter Zwiebeln schien noch in den Brettern zu stecken. Das Schild versprach Mainzer Dombraten und Hüttenbratwurst – nur heute eben nicht. Felix’ Magen knurrte leise, aber der Anblick gab ihm ein seltsames Heimatgefühl: selbst verschlossene Buden erzählten hier Geschichten. 3 | Die breite Hotelfront Am Hilton-Komplex legte sich schon Dämmerung auf die Fassade. Eine geschwungene Vorfahrt, Granitplatten, breite Fenster. Auf der Treppe saß ein Mann in Shorts, den Rucksack neben sich, sein Blick leer auf das Pflaster gerichtet. Niemand störte ihn – eine stumme

Skulptur im Halbdunkel. Felix schob den Rollstuhl am Rand des Plateaus vorbei, die Räder klackten über das Kopfsteinmuster. 4 | Das Suchplakat für Katze Tinka An einer Laterne klebte ein DIN-A4-Zettel: GESUCHT! Katze Tinka, schwarz-weiß, 13.06.2025 im Zahlbacher Weg entlaufen. Transpondernummer, Tasso-Hotline. Felix streifte das Papier mit den Fingern; das Bild zeigte einen Kater auf einem Rattanstuhl. Einen Moment lang dachte er an Verlust, an Hoffnung, an jemanden, der jeden Abend dieselbe Straße absucht. 5 | Der Schwan und die Rheinstufen Kurz vor der Eisenbahnbrücke stiegen Betonstufen bis zum Wasser hinab. Dort kniete ein junger Mann, streckte Brotkrümel aus – ein weißer Schwan glitt dicht heran, hob den Schnabel aus dem Strom. Das Abendlicht malte Goldkanten auf Gefieder und Wellen. Felix spürte, wie der Rhythmus des Flusses seine Schritte beruhigte. 6 | Das Fenster mit der stillen Katze In einer Nebenstraße, Häuser aus den 1950ern, leuchtete ein einzelnes Fenster schwach. Dahinter saß eine graue Katze, nur die Silhouette erkennbar, Augen wie zwei Glaspunkte im Halbdunkel. Sie beobachtete die Straße wie ein stummer Wächter. Felix musste lächeln – vielleicht wartete jemand im Haus auf sie, so wie jemand auf Tinka wartete. 7 | Der alte Hafenkran von „Minthe“ Hinter dem Zollhafen ragte der restaurierte grüne Portaldrehkran in den Himmel. Auf der Betonfläche lag sein verblasstes Namensschild: „Franz & Joachim Minthe – Kies und Sand Mainz“. Die Abendsonne zeichnete lange Schatten – Felix’ eigener Schatten reichte beinahe bis zur Reling. Ein Relikt schwerer Arbeit, heute nur Denkmal; so alt wie sein Rollstuhl, dachte er. 8 | Die Calisthenics-Tafel Am neuen Uferpark stand eine Infotafel zur Calisthenics-Anlage. Piktogramme von Klimmzügen, Dips, Beinheben. „29 Minuten Ganzkörperprogramm“ stand dort. Ronaldo lachte leise, klopfte Felix auf die Schulter. Vielleicht morgen, murmelte Felix im Kopf – doch allein die Vorstellung, Übungen auszuprobieren, weckte ein kleines Feuer in ihm. Heimkehr nach Neustadt Schließlich bogen sie in ihre Straße ein. Die Sterne erschienen blass über den Dachrinnen, eine Straßenlampe summte. Felix’ Hände brannten vom Schieben, doch sein Herz schlug ruhig und voller Bilder: gläserner Schacht, leerer Imbiss, Suchplakat, Schwan, Hafenkran. Er parkte den Rollstuhl vor dem Haustor, atmete tief aus. Nur sechs Kilometer hatten ihm diese Momentaufnahmen geschenkt – Beweise, dass die Stadt noch immer voller Geschichten war, die auf ihn warteten, wenn er bereit war sie zu sehen. Mit diesem Gedanken schloss er die Haustür hinter sich und spürte, wie das Gewicht des Tages von seinen Schultern glitt – für diese Nacht genug. 32. Tag – Montag, 16. Juni 2025 – Sehr später Abend: Heimkehr mit Erschöpfung Es war bereits kurz nach 23 Uhr, als Felix endlich die Haustür hinter sich schloss. Seine Schultern schmerzten, seine Hände waren rot und aufgescheuert vom langen Schieben des alten Rollstuhls, den er den ganzen Tag über durch die Stadt bewegt hatte. Der Weg war länger gewesen als geplant, fast sieben Stunden war er unterwegs gewesen – erst durch Schotter, dann Asphalt, dann vorbei an Häusern, Menschen, Lichtern und Fluss.

Der Rollstuhl stand jetzt neben der Wand im Flur, halb im Schatten, halb im Licht der schummrigen Deckenlampe. Die Räder waren staubig, das Leder aufgescheuert – aber er stand. Felix betrachtete ihn kurz und flüsterte: „Du hast mich doch getragen.“ Er trat vorsichtig aus den Schuhen, ließ seinen Rucksack mit einem dumpfen Ton neben der Garderobe auf den Boden fallen und ging langsam in die Küche. Dort brannte noch das kleine Licht über dem Herd. Alles war still. Die Mutter schlief bereits, die Spieler waren in ihren Zimmern, wahrscheinlich schon tief in der Nacht angekommen. Das Einzige, das sich in diesem Moment regte, war der leere Magen, der nun laut zu knurren begann. Doch bevor er etwas aß, erinnerte er sich. Mit einem Ruck hob er den Kopf: Die Medizin! Er griff an seinen Brustkorb – dort war keine Tagesdose. Kein Notfallbeutel im Rucksack. Keine Tablette unterwegs genommen. Mit leichtem Zittern riss er die Schublade auf, holte die kleine Dose mit dem Medikament hervor, schraubte sie auf und atmete auf. Noch genug drin. Er nahm die Tablette ein, trank einen großen Schluck Wasser, lehnte sich dann mit beiden Händen an die Spüle. Die Müdigkeit rollte wie ein Sturm über ihn hinweg. Doch bevor er sich schlafen legte, öffnete er leise den Kühlschrank. Ganz hinten, auf einem Teller, lag noch ein kleines Stück aufgeschnittener Fleischkäse. Er nahm ihn heraus, legte ihn auf ein Brötchen, erwärmte ihn kurz und setzte sich in der kleinen Küche an den Tisch. In völliger Stille aß er. Jeder Bissen war schwer, aber irgendwie auch tröstlich. Er schmeckte vertraut. Wie ein kleiner Sieg gegen den Tag, gegen die Müdigkeit, gegen das Chaos der letzten Wochen. Nach dem letzten Bissen räumte er langsam ab, wusch sich die Hände, ging in sein Zimmer. Dort legte er sich ins Bett, warf noch einen kurzen Blick auf den Rollstuhl im Flur durch den Türspalt. Dann zog er die Decke über den Körper, atmete tief durch – und fiel in einen traumlosen, tiefen Schlaf. 33. Tag – Dienstag, 17. Juni 2025 – Früher Morgen: Hoffnungslosigkeit zwischen Schrauben und Terminen Die Morgensonne war kaum über die Dächer gestiegen, als Felix schon wieder wach lag. Die Nacht war kurz gewesen, doch das Dröhnen der Müdigkeit wurde von einer stärkeren Kraft überlagert: Sorge. Sorge um den alten Rollstuhl, den er gestern unter Aufbringung seiner letzten Kräfte nach Hause gebracht hatte. Er stand auf, zog sich langsam an und schlurfte in die Küche, wo der Spieler – heute wieder Lionel Messi – bereits mit einem Kaffee am Tisch saß und in sein Handy schaute. Nachdem Felix seine Morgenmedizin genommen hatte, setzten sich die beiden gemeinsam an den Esstisch mit den Laptops, Tablets und dem Notizblock, auf dem Felix schon einige Gedanken notiert hatte. Sein Ziel war klar: Der Rollstuhl muss repariert werden. Die Achse wackelte, eine Bremse funktionierte nicht, und das rechte Vorderrad schien sich bei jedem Meter stärker zu verbiegen. Messi und Felix suchten systematisch nach Werkstätten und Sanitätshäusern in Mainz und Umgebung. Felix notierte: • Sanitätshaus Müller – ausgebucht bis August • RehaMobil Mainz – nimmt nur eigene Kunden • Sanitec Wiesbaden – Reparaturannahme wieder ab dem 24. Juli • Reha Aktiv Ingelheim – Telefonisch nicht erreichbar • Hilfsmittelzentrum Mainz-Kastel – Website offline, keine Rückmeldung Nach zwei Stunden intensiver Suche stützte Felix den Kopf in beide Hände. Messi sah ihn an, legte eine Hand auf seine Schulter und sagte nichts. Worte hätten in diesem Moment nur wie Hohn geklungen. Dann rief Felix noch bei einem kleinen privaten Reparaturservice an, der eigentlich Fahrräder wartete, aber auch manchmal Sonderfälle annahm. Eine freundliche Stimme am Telefon versprach, sich zu melden – aber nicht vor Ende der Woche.

Felix atmete tief durch. Wieder einmal schien der Alltag mit seiner Ungeduld über ihn hereinzubrechen. Alles wollte er richtig machen, sich kümmern, Verantwortung übernehmen. Doch schon am Morgen des 33. Tages wurde klar: Der Weg zur Mobilität, zur Selbstständigkeit würde noch länger sein, als gedacht. Messi klappte den Laptop zu, sah zu Felix, der sich die Augen rieb, und schlug vor, dass sie zumindest einen kleinen Spaziergang machen könnten – der alte Rollstuhl musste sowieso weiter beobachtet werden, damit man wusste, was genau alles kaputt war. Felix nickte. Es war ein stiller Morgen. Ein Morgen voller Warten, voller Hürden – aber auch mit einem Hauch von Durchhaltewille, der durch den Raum vibrierte wie der erste Lichtstrahl durch ein staubiges Fenster. 33. Tag – Dienstag, 17. Juni 2025 – Später Mittag: Ein schwarzer Streuner in Bretzenheim Nach einer endlosen Telefon- und E-Mail-Runde, bei der jede Werkstatt dieselbe Antwort gegeben hatte – Ausgebucht. Rufen Sie in vier Wochen noch einmal an – war Felix’ Kopf voll von kreisenden Gedanken. Er fühlte sich eingesperrt in der Wohnung, eingesperrt in seinem eigenen Unvermögen, irgendetwas sofort zu ändern. Also schnürte er die Schuhe, ließ den Rollstuhl stehen und brach allein – ohne die vier Spieler, die sich um ein spätes Mittagessen kümmern wollten – Richtung Bretzenheim auf. Der Fußweg würde gut drei Kilometer dauern: genau das richtige Maß, um den Kopf leer und die Beine müde zu bekommen. Er schlenderte an der Tram-Trasse entlang, bog in kleine Seitenstraßen mit Kopfsteinpflaster ab. Die Sonne stand hoch, aber eine leichte Brise machte den Marsch erträglich. Als er die schmiedeeiserne Pforte zu einem Innenhof öffnete, wo früher ein kleiner Kunsthandwerkermarkt stattgefunden hatte, hörte er plötzlich ein leises Miauen. •

Die Begegnung Der Hof war gepflastert mit unregelmäßigen Basaltsteinen, in deren Fugen zartes Grün spross. Dort schlich ein schlanker, pechschwarzer Kater zwischen Efeuranken und einem verwaisten Terrakottatopf umher. Aufmerksam schnupperte er an Felix’ Rucksack, den dieser für einen Moment abgestellt hatte. Felix ging in die Hocke, streckte die Hand aus. Der Kater musterte ihn, blieb jedoch gelassen stehen. Sein Fell glänzte tiefschwarz, Staubkörner und trockene Gräser klebten daran wie goldene Sprenkel. Vorsichtig legte Felix die Fingerspitzen auf den Rücken des Tiers – zuerst zögerte es, dann drückte es sich regelrecht gegen seine Hand. Ein tiefer, kehliger Schnurrton vibrierte durch den Hof. Felix lächelte. Ein winziger Augenblick ohne Sorgen. Er fuhr dem Kater den Rücken hinunter, bis zur Schwanzwurzel; das Tier war so entspannt, dass es sich schließlich auf die Seite warf, den Kopf schräg legte und die Zunge herausstreckte – fast, als wollte es einen Witz machen. Felix musste laut auflachen; der Klang hallte zwischen den Mauern wider. Für einen flüchtigen Moment war all die Frustration über Werkstattwartezeiten vergessen. •

Ein Zeichen am Laternenpfahl Als der Kater irgendwann genug hatte, sprang er geschmeidig auf, stolzierte quer über den Hof zu einem rostigen Gartentor und verschwand. Felix setzte seinen Weg fort – doch nur drei Ecken weiter entdeckte er an einem Laternenpfahl ein verblasstes Suchplakat von TASSO: Katze Tinka – schwarz-weiß, vermisst seit dem 13. Juni. Ein Gedanke zuckte durch seinen Kopf: War das eben Tinka? Nein – seiner war komplett schwarz. Trotzdem machte er ein Foto vom Aushang; vielleicht könnte er später noch einmal abgleichen, ob in der Gegend weitere Katzen vermisst wurden. •

Rückweg mit leichtem Herzen

Felix drehte schließlich um. Auf dem Rückweg spürte er, wie die Nervosität des Morgens abfiel. Der Kater hatte ihm – ohne es zu wissen – einen kurzen, aber kraftvollen Anker an diesem Tag gegeben. Während er die Straße hinabging, plante er im Kopf bereits den nächsten Schritt: Vielleicht selbst die Lenkrollen des Rollstuhls zerlegen, die Lager fetten, die Bremse nachstellen – mehr als kaputt gehen könne dabei nichts. Mit dieser leisen Zuversicht bog er wieder auf die Hauptstraße ein und machte sich auf den Weg nach Hause, die Nachmittagssonne im Rücken und das Gefühl, dass selbst ein streunender Schwarzer manchmal genug ist, um den Tag zu retten. 33. Tag – Dienstag, 17. Juni 2025 – Später Nachmittag: Ein Abstecher an die alte Hochschule Noch bevor der Nachmittag sich ganz in Abendgold tauchte, bog Felix von der großen Alicenstraße in Richtung Campus ab. Zum letzten Mal war er vor anderthalb Jahren hier gewesen – damals, als er sein Studium der Angewandten Informatik endgültig aufgab. Heute führte ihn kein Stundenplan zurück, sondern eine simple Frage: Liegt in meinem alten Spind noch etwas, das ich brauche? Der Weg über den Hof fühlte sich vertraut und fremd zugleich an. Einige Erstsemester standen rauchend vor dem Eingang, Smartphones in der Hand, genau wie er es früher oft getan hatte. Felix nickte ihnen knapp zu, zog die schwere Glastür auf und trat in den kühlen Flur. Der Geruch von Putzmittel und warmem PVC-Boden kroch in die Nase und löste eine Lawine aus Erinnerungen – Prüfungsangst, Gruppenarbeiten, Koffeinrausch. Er kannte den Code des Garderobenraums noch auswendig. Die grauen Doppelspinde standen unverändert, ein Meer aus Metallkästen. Vor Nr. E150 blieb er stehen. Das Schloss hatte er nie zurückgegeben; es klackerte mühelos auf. Die Tür quietschte leicht. Drinnen lagen tatsächlich noch Reste seines alten „Notfall-Kits“: eine bereits vergilbte 500ml-Spülflasche, zwei verhärtete Blasenkatheter in aufgeplatzten Folien, eine trübe Spritze, ein verkrusteter Ablaufschlauch – daneben, zu seinem Erstaunen, eine eingedrückte Dose Pils, halb leer, die irgendwer offenbar hineingestellt (oder vergessen) hatte. Ein Mikrokosmos seines letzten, chaotischen Campus-Semesters. Felix räumte gründlich auf: Alles Verbrauchte wanderte in einen Labor-Abfallsack, den er aus dem Nebenraum brachte. Dann holte er aus seinem Rucksack neues Material hervor: frisch steril verpackte Einwegkatheter, zwei Blockspritzen, sterile Beutel und einen kleinen Verbandspäckchen. Sorgfältig sortierte er die Sets auf ein Papiertuch, legte ein alkoholisches Wischtuch dazu und schob eine kleine Notiz hinein: „Falls du das liest, Felix: Du bist stärker, als du denkst. – F.“ Er wusste nicht, ob er jemals wieder an dieser Hochschule eingeschrieben sein würde. Aber der Spind – sein kleiner Rückzugsort von früher – war jetzt kein Relikt des Scheiterns mehr, sondern ein ordentlich bestückter Erste-Hilfe-Punkt, bereit für jede ungeplante Situation. Die Tür klickte zu, das Schloss verriegelte. Felix strich kurz mit der Hand über das kühle Metall, drehte sich um und ging hinaus. Die Aula hallte leise von Stimmen, doch in seinem Kopf war es still. Draußen vor dem Eingang wartete bereits Messi, der sich in der Zeit einen Kaffee geholt hatte. Sie verließen den Campus im Restlicht des Tages. Hinter ihnen blieb nichts Unaufgeräumtes zurück – weder im Spind noch in Felix’ Erinnerung. 33. Tag – Dienstag, 17. Juni 2025 – Abend: Der Rückweg in die Neustadt Mit dem Klicken des Schlosses im Rücken verließ Felix das Hochschulgebäude. Auf dem Vorplatz verdampften letzte Pfützen der Nachmittagshitze; es roch nach warmem Asphalt und Lindenblüten. Messi trank den letzten Schluck seines Pappbecher-Espressos, warf den Becher in den Mülleimer und stellte sich wortlos an Felix’ Seite. Gemeinsam setzten sie sich in Bewegung – zunächst über die breite Alicenstraße, dann auf Schleichwegen durch die Gassen der Oberstadt hinab in Richtung Neustadt.

Der Campus blieb hinter ihnen wie ein abgeschlossener Abschnitt eines Buches. Felix spürte keinen Schmerz darüber, dort nicht mehr zu studieren; vielmehr herrschte eine eigenartige Ruhe. Er hatte Ordnung in einem Kapitel geschaffen, das lange offen gestanden hatte. Am Schillerplatz rauschte der Verkehr, doch die Stadt wirkte entspannt: Spätschichtarbeiter eilten zum Bus, Jugendliche teilten sich eine Tüte Pommes auf dem Brunnenrand. Felix’ Schritte wurden leichter. Die Schürfwunden an seinen Handflächen pochten leise – ein Echo des gestrigen Rollstuhlmarschs –, aber sie erinnerten ihn daran, wie viel er auch ohne perfekte Lösungen stemmen konnte. In der Gartenfeldstraße leuchteten die ersten Balkone mit Lichterketten. Messi deutete lächelnd nach oben: Irgendjemand grillte, der Duft von mariniertem Gemüse und Rauch hing in der Luft. Kurz darauf bog Felix in seine eigene Straße ein. Die Haustür, abgenutzt und vertraut, spiegelte schwach das Laternenlicht. Er drückte den Schlüssel ins Schloss, spürte das bekannte Einschnappen. Drinnen war es still. Aus dem Wohnzimmer drang nur das leise Brummen des Kühlschranks. Felix hängte die Jacke an den Haken, stellte den Rucksack ab – diesmal ohne das schwere Gewicht der Vergangenheit. Dann atmete er tief durch. Zuhause. Ein weiteres Ziel erreicht, ganz ohne Rollstuhl unter den Händen, nur mit festem Schritt und klarerem Kopf. Messi nickte ihm zu, als wolle er sagen: Heute kein großer Sieg, aber ein wichtiger Schritt. Felix erwiderte das Nicken, zog die Tür sanft ins Schloss und hörte das sichere Klicken – ein kleines Geräusch, das für diesen Abend reichte, um Frieden zu bedeuten. 34. Tag – Mittwoch, 18. Juni 2025 – Mittag: Fleischkäse-Einkauf und ein Bier mit dem Vater Die Sonne stand bereits hoch, als Felix kurz vor zwölf die Wohnungstür hinter sich zuzog. Sein Vater wartete unten vor dem Haus, die Autoschlüssel in der Hand, überraschend gelöst in der Körperhaltung. Keiner von beiden sprach viel, als sie in den Wagen stiegen; doch das Schweigen war nicht drückend wie an manchen Tagen zuvor, sondern trug einen zarten Anflug von Zweckgemeinschaft. Ihr Ziel war die Metzgerei am Rande der Neustadt. Seit Jahren führte sie rohen Fleischkäse in großen Backformen – genau das, was Felix liebte. Drinnen roch es nach frisch geräucherter Wurst und warmem Brot. Der Metzger begrüßte die beiden mit einem Nicken, während er schon routiniert zwei 700-g-Laibe einpackte. Der Vater bezahlte, ließ das Wechselgeld klimpernd in die Tasche gleiten und reichte Felix die kühlfeuchte Tüte. Draußen schlug die Mittagshitze entgegen. „Lass uns noch ein Bier nehmen“, murmelte der Vater nach kurzem Zögern. Felix nickte überrascht; die Einladung kam ohne jede Schärfe, beinahe freundschaftlich. Sie liefen wenige Häuser weiter in den schattigen Biergarten eines kleinen Gasthauses. Die Kastanien spendeten grünes Licht, die Tische waren spärlich besetzt – nur ein paar Handwerker in neongelben Westen, die ihr Feierabend-Radler vorzogen. Der Vater stellte zwei Gläser Helles auf den Tisch. Der Schaum stand dick; Kondensperlen liefen über das Glas. Für einen Moment saßen sie schweigend da, beobachteten ein Stubenspatz-Pärchen, das zwischen den Platten des Pflasters Körner pickte. Dann hob der Vater sein Glas, und Felix tat es ihm nach. Das Klirren war leise, aber deutlich genug, um wie ein kleines Friedenszeichen zu wirken. Sie redeten nicht über die Werkstätten oder den Rollstuhl, nicht über verpasste Termine oder zukünftige Sorgen. Stattdessen blieben sie bei Alltäglichem: das Wetter, die neue Bepflanzung im Innenhof, eine Anekdote des Vaters aus seiner Jugendzeit. Kein tiefes Aufarbeiten – doch jede Silbe wirkte, als würde sie das angespannt geknüpfte Seil zwischen ihnen ein wenig lockern. Als die Gläser leer waren, stand Felix auf, schulterte die Tüte mit den zwei rohen Fleischkäsen. Im Gehen spürte er die Kühle des Inhalts durch den Stoff – ein Versprechen auf einen späteren, warmen Duft aus dem Backofen. Der Vater folgte ihm, nahm ihm die Tür ab und ließ sie hinter ihnen sanft zufallen.

Der Weg zurück zur Wohnung war ruhig. Keine großen Gesten, kein lange anhaltender Frieden – aber für diesen Mittag reichte das kleine gemeinsame Ritual: Fleischkäse besorgen, ein Bier teilen, schweigend nach Hause gehen, wissend, dass zumindest für den Moment kein neues Feuer lodern musste. 34. Tag – Mittwoch, 18. Juni 2025 – Abend: FIFA und das letzte Stück Fleischkäse Der Abend legte sich warm und träge über Mainz. Die Hitze des Tages hing noch in der Luft, aber in Felix’ Zimmer war es angenehm kühl – der Ventilator drehte surrend seine Kreise in der Ecke. Die Tüte mit den beiden frischen rohen Fleischkäsen stand längst im Kühlschrank, und Felix hatte für heute Abend noch einen kleinen Plan. Bevor er sich ganz dem FIFA-Spiel widmete, öffnete er den Kühlschrank und griff nach einer Frischhaltedose – darin das letzte Stück vom alten Fleischkäse, das von der vorigen Woche übrig geblieben war. Etwas eingetrocknet an den Rändern, aber noch aromatisch und würzig. Er schnitt es in fingerdicke Scheiben, legte es auf einen Teller und stellte es kurz in die Mikrowelle. Das leise Summen des Geräts erfüllte die Küche, und nach wenigen Sekunden breitete sich ein vertrauter, herzhafter Duft aus – der Geruch nach Fleischkäse, nach Wärme, nach einer winzigen Komfortinsel in einem oft anstrengenden Alltag. Er nahm den Teller mit in sein Zimmer, setzte sich an den kleinen Couchtisch, schnappte sich die Gabel und begann langsam zu essen. Die Kruste war leicht kross, das Innere weich und deftig. Jeder Bissen schien ihn ein wenig zu beruhigen – nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Der Geschmack war vertraut, fast wie eine kleine Erinnerung an ruhigere Tage. Nachdem der letzte Bissen gegessen war, stellte er den leeren Teller zur Seite, schaltete seine Konsole ein und griff zum Controller. Die Ladezeit war kurz, das Menü von FIFA 24 erschien hell auf dem Bildschirm. Er wählte wie immer Mainz 05, sein Lieblingsteam, stellte die Aufstellung ein und startete ein Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona – ein Klassiker, den er sich oft als Herausforderung setzte. Die ersten Minuten verliefen zäh, Barcelona war stark, beweglich, technisch überlegen. Aber Felix war konzentriert. Mit schnellen Pässen, einem präzisen Steilpass auf den linken Flügel und einem strammen Schuss von der Strafraumkante gelang ihm in der 37. Minute das erste Tor. „Burkardt!“, schrie der Kommentator virtuell – und Felix grinste zufrieden. Während draußen die Straßen langsam stiller wurden und sich die Nacht über Mainz legte, saß er in seinem kleinen Rückzugsort. Der Geschmack des Fleischkäses lag noch angenehm im Mund, sein Team führte zur Halbzeit, und das Rauschen des Ventilators wirkte wie ein ruhiger Taktgeber. Heute musste nichts Besonderes passieren. Keine Aufregung, keine Überraschungen. Nur ein einfacher Abend mit gutem Essen, einem Spiel, das er liebte, und der Vorfreude auf den morgigen Tag – und die Dinge, die dann vielleicht wieder etwas bunter, spannender oder auch nur ein kleines Stück besser würden. 35. Tag – Donnerstag, 19. Juni 2025 – Mittag: Ruhe zu Hause mit dem Spieler Die Sonne brannte über Mainz, als der Mittag näher rückte. Die Straßen flimmerten vor Hitze, und in der Küche duftete es noch leicht nach Kaffee und frischem Brot vom Frühstück. Felix saß auf dem neuen, noch fast unbenutzten Sessel im Wohnzimmer und starrte gedankenverloren aus dem Fenster. Unten summten die Autos vorbei, irgendwo bellte ein Hund, doch all das klang weit entfernt. Seine Gedanken kreisten um den Tag, der vor ihm lag – und darum, dass er heute einfach zu Hause bleiben wollte. Seine Eltern hatten angekündigt, dass sie Freunde besuchen würden – ein älteres Ehepaar, das etwas außerhalb wohnte, in einem kleinen Haus mit Garten, das Felix nie besonders mochte. Die Gespräche dort waren ihm zu lang, die Räume zu still, und die sozialen Erwartungen zu hoch. Deshalb hatte er am Vormittag ganz klar gesagt, dass er diesmal nicht mitkommt. Seine Mutter hatte zwar einen Moment lang überrascht geschaut, aber dann genickt. Sie wusste, dass Felix manchmal Rückzugszeit brauchte. Auch sein Vater sagte nichts – vielleicht

war er sogar froh, dass Felix nicht widerwillig mitkommen würde. So hatten sie schneller ihre Ruhe. Gegen 12:00 Uhr verabschiedeten sich die Eltern. Der Vater nahm den Autoschlüssel, die Mutter warf noch einen prüfenden Blick auf das Fenster, als wolle sie sicherstellen, dass ihr Sohn heute keinen Unsinn machte. Dann fiel die Wohnungstür ins Schloss – und ein spürbares Gefühl von Stille und Freiheit legte sich über die Wohnung. Felix atmete tief durch. Er war nicht allein – der Spieler war ebenfalls geblieben. Heute trug er ein lockeres T-Shirt, saß auf dem Boden mit dem Rücken an die Couch gelehnt und scrollte auf seinem Handy durch ein paar Bundesliga-Memes. Zwischen ihnen war es angenehm ruhig. Keine Verpflichtungen, kein Zeitdruck. Nur ein ruhiger Mittag. Nach einer Weile standen sie gemeinsam auf und beschlossen, zusammen etwas Kleines zu essen. Felix holte aus dem Kühlschrank einen Kräuterquark, ein paar Scheiben Brot, und etwas frisches Gemüse. Der Spieler schnitt Paprika in Streifen, während Felix eine Karaffe mit Leitungswasser füllte und zwei große Gläser bereitstellte. Sie saßen dann auf dem Balkon, im Halbschatten, das Essen auf einem kleinen Tisch verteilt, während sie sich die Sonne vorsichtig auf die Haut scheinen ließen. Felix genoss diesen Moment. Keine nervigen Gespräche über Politik, keine mühsamen Höflichkeitsfloskeln – nur Ruhe und Vertrautheit. Später lehnten sie sich beide zurück. Der Spieler schloss für ein paar Minuten die Augen, während Felix mit der leeren Wasserflasche spielte und die sich bewegenden Baumkronen am Horizont betrachtete. Die Welt schien kurz stehen geblieben zu sein. Kein Drama, kein Problem. Nur ein ruhiger Mittag inmitten eines langen Sommers. Und irgendwo in seinem Inneren war Felix dankbar für diesen Tag. Für die Freiheit, selbst zu entscheiden, wo er sein wollte. Und dafür, dass jemand da war, der diese Ruhe mit ihm teilte – ohne viele Worte, aber mit echter Nähe. 35. Tag – Donnerstag, 19. Juni 2025 – Später Mittag: Die Fingerfalle und ein überfülltes Bad Nachdem die Mittagssonne ihren Höhepunkt überschritten hatte, beschloss Felix, die ruhigen Stunden zu Hause weiter auszunutzen. Während seine Eltern noch bei ihren Freunden waren, kam ihm die spontane Idee, ein entspannendes Bad zu nehmen, um seine Muskeln etwas zu lockern und den Kopf freizubekommen. Im Badezimmer drehte Felix sorgfältig den Wasserhahn auf. Das Wasser plätscherte angenehm laut in die Wanne, und langsam breitete sich ein wohliger Duft von LavendelBadeschaum im Raum aus. Felix ließ das Wasser laufen und schlenderte kurz zurück in sein Zimmer, um sich etwas zu holen, womit er sich die Wartezeit vertreiben könnte. In einer kleinen Schublade, in der er früher allerlei Kuriositäten verstaut hatte, fiel sein Blick auf eine alte chinesische Fingerfalle, die ihm einmal auf einem Jahrmarkt geschenkt wurde. Felix zog sie heraus und begann, neugierig wie ein Kind, vorsichtig beide Zeigefinger hineinzustecken. In diesem Moment, als er seine Finger wieder auseinanderziehen wollte, bemerkte er seinen Fehler. Je mehr er zog, desto fester saßen die Finger in der Falle. Sofort wurde er nervös. Das Wasser lief immer noch im Badezimmer. Ihm wurde heiß, Panik stieg in ihm hoch. Mit zusammengepressten Lippen rief er den Spieler. Innerhalb weniger Sekunden stand dieser schon in der Tür, schaute zunächst irritiert auf Felix' Hände und erkannte dann rasch die Situation. Ruhig trat er näher, legte beruhigend eine Hand auf Felix' Schulter und deutete ihm, still zu bleiben. Mit erstaunlicher Geduld und Fingerspitzengefühl gelang es dem Spieler, Felix’ Finger langsam und behutsam aus der Falle zu lösen. Felix atmete erleichtert auf, bedankte sich mit einem peinlich berührten Lächeln, und erinnerte sich plötzlich an das laufende Wasser im Badezimmer. Schnell eilte er hinein – und sah mit Entsetzen, dass die Wanne bereits fast randvoll war. Gerade noch rechtzeitig schaffte er es, den Hahn zuzudrehen, bevor das Wasser überlief.

Er atmete tief durch, stieg vorsichtig in die volle Wanne und ließ sich langsam in das heiße Wasser sinken. Es war fast zu voll, kleine Wellen schwappten über den Rand und hinterließen kleine Wasserpfützen auf dem Boden. Der Spieler blieb in der Nähe der Badezimmertür, lehnte lässig an der Wand, sein Blick stets wachsam auf Felix gerichtet. Er sorgte sich, ohne dass er etwas sagen musste – seine Anwesenheit genügte, um Felix ein Gefühl von Sicherheit zu geben. In dem dampfenden Badezimmer, mit dem Duft des Lavendelbades und der ruhigen Präsenz des Spielers, beruhigte sich Felix schließlich wieder vollkommen. Trotz des kleinen Missgeschicks fühlte er sich geborgen und beschützt, wissend, dass er niemals wirklich allein war. 35. Tag – Donnerstag, 19. Juni 2025 – Früher Abend: Das vermisste Spinnertool und ein gemeinsames Abendessen Am frühen Abend, als die Sonne sich langsam senkte und goldenes Licht durch die Fenster der Wohnung fiel, stand Felix bereits angezogen im Flur und durchsuchte nervös seine Umhängetasche. Heute wollte er mit dem Spieler nach Bretzenheim essen gehen – ein kleiner, familiärer Imbiss dort bot hausgemachte Speisen an, darunter auch eine Spezialität mit Fleischkäse, die Felix gerne probieren wollte. Doch etwas Wichtiges fehlte: sein Spinnertool – ein kleines, unauffälliges Hilfsmittel, das er regelmäßig benutzte, um sich zu beruhigen und seine Hände zu beschäftigen, wenn er sich draußen unwohl fühlte. Er suchte systematisch: in den Taschen seiner Jacke, in der Sporttasche, sogar zwischen den Sofakissen – doch nichts. Das Spinnertool war verschwunden. Ohne es fühlte sich Felix seltsam unvollständig. Drei Stunden verstrichen, in denen er immer wieder dieselben Stellen absuchte. Die Sonne war mittlerweile hinter die Häuserzeilen gewandert, der Himmel in ein warmes Orange getaucht, und der Magen knurrte schon leise. Der Spieler hatte geduldig abgewartet, wollte Felix nicht drängen. Doch als er merkte, wie sehr sich dieser innerlich aufrieb, trat er zu ihm und sagte ruhig: Er solle sich selbst nicht so quälen. Das Tool würde sicher bald wieder auftauchen – doch jetzt solle Felix an sich denken, an sein Wohlbefinden. Und an das warme Abendessen, auf das sie sich beide den ganzen Tag gefreut hatten. Felix zögerte. Ein Teil von ihm wollte unbedingt weitersuchen. Doch der ruhige Blick des Spielers, seine leise Stimme und die Geste, wie er ihm die Jacke reichte, gaben ihm Halt. Schließlich nickte er langsam. Gemeinsam verließen sie die Wohnung und machten sich auf den Weg – ohne große Worte, aber in gegenseitigem Verständnis. Der lauwarme Sommerwind begleitete sie durch die ruhigen Straßen, während Felix langsam zur Ruhe kam. In Bretzenheim angekommen, entschieden sie sich für einen kleinen Außenplatz vor dem Gasthaus. Felix bestellte sich eine große Portion Fleischkäse mit Kartoffelsalat und etwas Apfelschorle dazu, der Spieler ein leichtes Gericht und ein alkoholfreies Bier. Während sie aßen, erzählte Felix ein paar kleine Geschichten von früher, von der Schule und alten Schulprojekten, wo er ähnliche Spinner benutzt hatte, um durch stressige Tage zu kommen. Der Spieler hörte ruhig zu, lachte an den passenden Stellen und stellte Fragen, die echtes Interesse zeigten. Der Verlust des Spinners war für den Moment nicht vergessen – aber er war nicht mehr allesbestimmend. Der gemeinsame Moment, das warme Essen, das offene Ohr – all das war wertvoller. Und vielleicht, so dachte Felix still, war das echte Spinnertool heute nicht aus Metall oder Kunststoff, sondern die Gesellschaft an seiner Seite. 35. Tag – Donnerstag, 19. Juni 2025 – Später Abend: Rückweg übers Feld und ein gemeinsames FIFA-Spiel Nach dem warmen Abendessen in Bretzenheim verließen Felix und der Spieler zufrieden und entspannt das kleine Gasthaus. Der Himmel war inzwischen in ein tiefes Blau getaucht, nur

einzelne rosa-rote Wolkenfetzen schwebten noch am Horizont. Die Straßenlaternen flackerten langsam auf, und die Luft roch nach Gras, Staub und einem Hauch von Sommerblüten. Felix hatte keine Eile, sofort nach Hause zu gehen. Stattdessen schlug er vor, den Heimweg nicht direkt über die Hauptstraße zu nehmen, sondern noch einen kleinen Umweg über die Felder hinter Bretzenheim zu gehen. Der Spieler war einverstanden, sagte aber nichts – er wusste, dass Felix manchmal diese Momente der Ruhe und Weite brauchte, besonders nach Tagen, die von emotionalem Auf und Ab geprägt waren. Sie gingen nebeneinander her, das hohe Gras raschelte am Rand des schmalen Trampelpfades. Libellen tanzten in der Luft, irgendwo zirpte eine Grille. Felix nahm tief Luft, genoss das Gefühl des offenen Himmels über sich und das weiche Tappen seiner Schuhe auf dem trockenen Boden. Sie redeten nicht viel – nur vereinzelt warfen sie sich Blicke zu, kleine Bemerkungen, leise Lacher über Dinge, die nur sie verstanden. Ein paar Mal sah Felix sogar im hohen Gras nach, ob sein vermisstes Spinnertool vielleicht zufällig dort lag, obwohl es ziemlich unwahrscheinlich war. Doch es war mehr ein beruhigendes Ritual als eine echte Suche. Als sie endlich wieder das Wohngebiet erreichten und die Wohnungstür aufschlossen, war es bereits später Abend. Felix zog seine Schuhe aus, trank noch einen Schluck Wasser, und schaute dann zum Spieler, der sich gerade aufs Sofa setzte. Ohne ein Wort holte Felix den Controller aus der Schublade. „Eine Runde FIFA?“, fragte sein Blick. Der Spieler nickte, leicht lächelnd. Sie spielten wie so oft – leidenschaftlich, konzentriert, manchmal laut lachend, wenn ein Tor fiel oder ein kurioser Fehler passierte. Es war nicht mehr wichtig, ob Felix den ganzen Tag über etwas verloren hatte. In diesem Moment hatte er alles, was er brauchte: einen sicheren Ort, eine helfende Hand – und jemanden, mit dem er einfach sein konnte. Als das Spiel vorbei war und der Bildschirm in den Ruhemodus ging, war Felix zwar müde – aber innerlich ruhig. Morgen war ein neuer Tag. Vielleicht würde er sein Spinnertool wiederfinden, vielleicht nicht. Aber eines war sicher: Der Abend hatte ihm wieder ein Stück Balance gegeben. 35. Tag – Donnerstag, 19. Juni 2025 – Späte Nacht: Beobachtet im Schatten Die Nacht legte sich ruhig und still über Mainz. Felix schlief bereits tief, erschöpft von den Ereignissen des Tages. Doch draußen, verborgen zwischen den Schatten eines großen, alten Ahornbaums vor seiner Wohnung, stand eine dunkle Gestalt und blickte hinauf zu seinem Fenster. Es war jene ältere Frau, die ihn schon mehrfach beobachtet hatte – jene Frau, deren Blick voller Bitterkeit und tief verborgenem Zorn war. Sie hielt einen kleinen Block und eine Kamera in der Hand, sorgfältig und akribisch dokumentierte sie alles, was Felix in den letzten Tagen getan hatte. Ihre Stimme war kaum mehr als ein bedrohliches Flüstern, aber jedes Wort war klar und bestimmt: „Du hast dir also einen Rollstuhl gekauft – obwohl du laufen kannst. Du hast süße Tiere gestreichelt und mit deinem Vater Bier getrunken, als wäre nichts gewesen. Glaub mir, Junge, das alles bleibt nicht unbemerkt.“ Mit ihren knochigen Fingern notierte sie weitere Details auf ihrem Block, schrieb Uhrzeiten auf, Orte, Begegnungen. Sie blätterte rasch durch Fotos, die sie heimlich gemacht hatte: Felix auf dem Feldweg, Felix am Rheinufer, Felix beim Spielen mit der Katze, Felix mit seinem Vater im Biergarten. „Du glaubst, es passiert nichts, nur weil du dich jetzt so sorglos fühlst? Warte bis Montag. Dann wirst du sehen, dass nichts ungestraft bleibt. Und jeder, der sich zwischen mich und dich stellt, wird meinen Zorn ebenfalls spüren. Egal ob Freund, Familie oder einer deiner berühmten Beschützer.“ Ihre Stimme zitterte kaum merklich, aber nicht aus Angst – sondern vor kaum gebändigter Wut. Ihr Hass war wie ein stilles Gift, das jede ihrer Bewegungen leitete. Noch einen letzten

Blick warf sie hinauf zu Felix’ Fenster, wo sich hinter der Gardine schemenhaft sein ruhiger Schlaf abzeichnete. Sie steckte ihre Notizen zurück in die Tasche, zog ihre Jacke enger um den dünnen Körper, und verschwand mit schnellen, lautlosen Schritten in der Dunkelheit der Nacht – wissend, dass sie alles vorbereitet hatte. Am Montag würde Felix eine böse Überraschung erwarten – und nichts, so schwor sie sich, würde sie diesmal aufhalten. 36. Tag – Freitag, 20. Juni 2025 – Früher Morgen: Die Blutabnahme Der Morgen des 36. Tages begann früh. Die Sonne war noch nicht vollständig über die Dächer von Mainz gestiegen, als Felix von seinem Wecker sanft geweckt wurde. Neben ihm lag sein frisch gepackter Beutel, in dem alles verstaut war, was er für den heutigen Arztbesuch benötigte: seine Versichertenkarte, ein Laborschein, eine Flasche Wasser und ein kleines Handtuch. Die bevorstehende Blutabnahme machte ihn etwas nervös – nicht wegen der Nadel, sondern wegen der Erinnerungen, die damit verbunden waren. Er hatte in der Vergangenheit oft medizinische Hürden erlebt, und jedes Mal wurde ihm dabei schmerzlich bewusst, wie sensibel sein Körper auf kleinste Veränderungen reagierte. Die vier Fußballspieler – Messi, Neymar, Suárez und der wieder zurückgekehrte Ronaldo – waren ebenfalls wach. Sie wussten, wie wichtig dieser Termin für Felix war. Ohne viele Worte standen sie bereit, tranken gemeinsam einen kurzen Tee in der Küche, und verließen dann zusammen mit Felix das Haus. Der Weg zur Praxis führte sie durch die noch kühle Morgenluft. Es war ungewöhnlich still – als hätte selbst die Stadt kurz den Atem angehalten. Felix schob seinen alten Rollstuhl neben sich her, der zwar schwerfällig war, aber für ihn immer noch ein Symbol von Freiheit bedeutete. Messi hielt zwischendurch die Tür zur Straßenbahn auf, Neymar schob den Rollstuhl ein kurzes Stück, als es bergauf ging, und Ronaldo, der Felix besonders gut kannte, sprach ihm leise Mut zu – ohne ihn unter Druck zu setzen. In der Arztpraxis angekommen, wurden sie freundlich empfangen. Felix wurde aufgerufen, und die Spieler warteten respektvoll im Wartebereich. Die Blutabnahme verlief ruhig. Die Arzthelferin bemerkte, wie angespannt Felix war, sprach beruhigend mit ihm, und schon nach wenigen Minuten war alles erledigt. Die Probe war genommen, der Tupfer aufgedrückt, das Pflaster geklebt. Als Felix aus dem Behandlungszimmer kam, standen die vier Fußballer sofort auf. „Fertig?“, fragte Suárez. Felix nickte, etwas bleich, aber stolz. Sie verließen das Gebäude gemeinsam. Felix spürte die Sonne jetzt stärker auf der Haut. Sie war aufgegangen – und mit ihr ein kleines Stück Erleichterung. Auf dem Rückweg sprachen sie kaum. Jeder wusste, dass Felix etwas Ruhe brauchte. Doch als sie eine kleine Bank in einem Park passierten, setzten sie sich. Felix trank einen Schluck Wasser, legte den Kopf kurz zurück und atmete tief durch. Neben ihm legte Ronaldo eine Hand auf seine Schulter – nicht als Geste der Stärke, sondern des Verständnisses. In diesem Moment war alles ruhig. Kein Zorn des Vaters, keine seltsamen Beobachter, keine Vergangenheit. Nur der junge Mann, seine Freunde und die Stille nach dem kleinen Sieg am Morgen. 36. Tag – Freitag, 20. Juni 2025 – Mittag: Besuch auf dem Johannisfest Nach dem ruhigen Morgen und der überstandenen Blutabnahme freute sich Felix auf etwas Abwechslung. Die Sonne stand mittlerweile hoch am Himmel, und die Stadt war erfüllt vom bunten Treiben des traditionellen Mainzer Johannisfests. Schon seit Tagen hatten Plakate und Straßenschmuck das Ereignis angekündigt, nun war es endlich so weit. Felix, seine Mutter, sein Vater und die vier Spieler – Messi, Neymar, Suárez und Ronaldo – machten sich gegen Mittag gemeinsam auf den Weg in die Innenstadt. Trotz allem, was in letzter Zeit geschehen war, wollte Felix diesen Tag bewusst genießen.

Die Straßen waren voller Menschen, es roch nach gebrannten Mandeln, Popcorn, Zuckerwatte – und vor allem nach Bratwurst. Am Stand von „Balzer“, einem bekannten Bratwurstverkäufer, der jedes Jahr beim Johannisfest stand, bildete sich bereits eine lange Schlange. Felix, der den Duft schon von weitem roch, lenkte die Gruppe zielstrebig dorthin. „Balzer“, sagte seine Mutter mit einem Schmunzeln, „wie jedes Jahr – Tradition ist Tradition.“ Der Vater schwieg zwar, aber auch er reihte sich mit ein. Die Sonne brannte auf die Dächer, ein leichter Wind wehte, und über der Stadt hing das typische Sommerfestgefühl. Die vier Spieler trugen einfache, alltagstaugliche Kleidung: TShirts, Shorts, Sonnenbrillen. Niemand erkannte sie – was vor allem Ronaldo, der kurz zuvor noch auf Länderspielreise gewesen war, sichtlich genoss. Nach rund zehn Minuten hielten sie alle endlich ihre Würste in den Händen – im Brötchen, mit oder ohne Senf. Felix saß auf einem der nahe gelegenen Bänke, Ronaldo hatte den alten Rollstuhl neben sich abgestellt, und gemeinsam aßen sie in aller Ruhe. Felix lachte sogar, als Neymar sich aus Versehen Senf auf die Hose schmierte. Nach dem Essen schlenderten sie weiter über das Fest. Es gab Musikbühnen, Kleinkünstler, einen kleinen Flohmarktbereich, viele gut gelaunte Menschen. Felix blieb besonders lange an einem Stand mit handgemachten Schlüsselanhängern stehen, wo er sich einen mit einem kleinen Holzkatzenmotiv kaufte – als Erinnerung. In einem ruhigeren Moment zog ihn Messi zur Seite, zeigte auf ein Glücksrad und fragte leise, ob sie es ausprobieren sollten. Felix nickte. Er drehte am Rad, und tatsächlich gewann er eine kleine Plüschfigur. Nichts Besonderes – aber es zauberte ihm ein echtes Lächeln ins Gesicht. Am Nachmittag setzten sie sich in den Schatten eines Biergartens. Die Mutter gönnte sich ein Schorle, der Vater trank still ein Bier. Auch die Spieler entspannten, während Felix ein stilles Gefühl von Geborgenheit verspürte. Nicht, weil alles perfekt war. Sondern weil dieser Moment – mit all seinen Menschen, Geräuschen und Gerüchen – sich nach Leben anfühlte. Echtem, gelebtem Leben. Und obwohl sie wussten, dass es bald zurück nach Hause gehen würde, blieb die Gruppe noch eine Weile sitzen. Denn manchmal war es genau dieser Moment, der einem zeigte, dass man trotz allem noch lachen, essen und gemeinsam Zeit verbringen konnte. 36. Tag – Freitag, 20. Juni 2025 – Sehr später Abend Die Nacht hatte längst begonnen, als Felix, seine Eltern und die vier Fußballspieler noch immer auf dem Johannisfest verweilten. Es war mittlerweile nach 23 Uhr, doch die Stimmung auf dem Fest war lebendig wie eh und je. Die Lichter der Buden flackerten warm und bunt, Musik schallte über den Platz, und die Luft war erfüllt vom Duft nach süßen Mandeln, warmem Teig und spätsommerlicher Wärme. Gerade als die Gruppe sich auf den Heimweg machen wollte, sprach sie ein älterer Nachbar an, Herr Seidel, der mit einem Weinglas in der Hand und seinem Dackel an der Leine über das Gelände schlenderte. „Na, Felix? Was machst du denn hier mit deiner Entourage?“ rief er gutgelaunt. Felix lächelte. Er kannte Herrn Seidel schon lange, ein redseliger, freundlicher Mann, der gerne ein Schwätzchen hielt. Die Spieler begrüßten ihn höflich – auch wenn sie sich bemühten, unauffällig zu bleiben. Was zunächst wie ein kurzer Plausch begann, entwickelte sich schnell zu einem weiteren geselligen Abschnitt des Abends. Herr Seidel kannte eine ruhige Ecke am Rand des Fests mit ein paar Stehtischen und einer kleinen Ausschankbude, wo es Traubensaft, Apfelschorle und rheinhessischen Weißwein gab. Die Gruppe ließ sich überreden, noch etwas zu bleiben. Die Eltern gönnten sich ein Glas, Messi, Neymar und Suárez tranken alkoholfreies Bier, Ronaldo hielt sich an Wasser, und Felix bestellte sich eine kalte Cola. Sie redeten über Fußball, das Leben in Mainz, über alte Zeiten, neue Pläne – und Felix fühlte sich wohl. Die Spieler lauschten interessiert, Herr Seidel erzählte von seiner Jugendzeit auf dem Bruchwegstadion-Gelände, von Weinfesten, die „früher besser waren“, und von seinem treuen Dackel „Hugo“, der inzwischen schläfrig auf einer Decke lag.

Es war kurz vor zwei Uhr nachts, als sich die Runde schließlich auflöste. Die Straßen waren stiller geworden, das Fest klang langsam aus. Einige letzte Besucher torkelten durch die Gassen, Musik verklang in der Ferne. Felix und seine Begleiter machten sich gemächlich auf den Heimweg. Die Beine schwer, der Kopf voller Eindrücke, das Herz irgendwie ruhig. Als sie die Haustür erreichten, war es fast 2:15 Uhr. Zuhause angekommen, zog Felix die Schuhe aus, verabschiedete sich mit einem kurzen Nicken von den Spielern und ging in die Küche. Dort holte er sich eine kleine Schüssel Chips, setzte sich ans Fenster, blickte in die Nacht und kaute langsam. Die Geräusche des Festes waren nur noch ferne Echos. In seinem Bauch ein wohliges Gefühl – nicht vom Essen, sondern vom Zusammensein. Um 3:40 Uhr schließlich legte sich Felix ins Bett. Die Lichter waren aus, der Ventilator surrte leise, der alte Rollstuhl stand ordentlich an seinem Platz. Die Nacht war still. Und Felix schlief ein – müde, aber zufrieden. 37. Tag – Samstag, 21. Juni 2025 – Sehr früher Morgen: Aufbruch nach Heidelberg Felix hatte kaum vier Stunden geschlafen, als ihn der Wecker um kurz nach sieben Uhr sanft, aber bestimmt aus dem Schlaf holte. Trotz der kurzen Nacht war er sofort wach. Sein Herz schlug schneller als sonst, denn heute stand ein wichtiger Tag bevor: Die lange, achtstündige Schifffahrt von Mainz nach Heidelberg, ein Termin, den Felix schon seit Wochen im Kopf hatte. Ein Tag, von dem er wusste, dass er voller Erinnerungen und womöglich schwieriger Begegnungen sein würde. Er stand langsam auf, gähnte tief und spürte, wie müde er eigentlich noch war. Doch es half nichts – die Fahrt war geplant, das Schiff wartete nicht. Schnell zog er sich an, packte seinen kleinen Rucksack mit allem Notwendigen: etwas Wasser, einige Snacks, seine Medikamente und vorsorglich auch ein paar beruhigende Dinge wie seinen kleinen Schlüsselanhänger, den er auf dem Johannisfest gekauft hatte. Die Spieler – Ronaldo, Messi, Neymar und Suárez – waren bereits wach und saßen am Frühstückstisch. Sie hatten ebenfalls wenig geschlafen, wirkten aber erstaunlich frisch und aufmerksam. Die Eltern waren in der Küche, die Mutter bereitete schnell ein paar Brote vor, während der Vater die Abfahrtszeiten des Schiffes noch einmal überprüfte. Eine Freundin der Mutter, eine ruhige und freundliche Dame namens Sabine, würde sie auf dieser Fahrt begleiten, und Felix wusste, dass auch sie ihm helfen könnte, falls er unruhig würde. Um 8:15 Uhr verließen sie alle gemeinsam die Wohnung. Es war bereits warm, der Tag versprach heiß und sonnig zu werden. Felix trug leichte Kleidung und eine Kappe, die ihn vor der Sonne schützen sollte. Ronaldo half ihm, den Rollstuhl vorsichtig aus dem Hausflur nach draußen zu tragen. Sie machten sich auf den Weg zur Anlegestelle am Rhein, wo das Schiff nach Heidelberg ablegen würde. Am Steg angekommen, sah Felix bereits Sabine, die Freundin seiner Mutter, geduldig warten. Sie winkte freundlich, und Felix erwiderte das Winken mit einem vorsichtigen Lächeln. Während sie gemeinsam am Ufer standen und warteten, blickte Felix über den Fluss. Das Wasser glitzerte im Morgensonnenlicht, das Schiff lag bereits am Pier, die Motoren leise brummend, bereit für die lange Fahrt. Felix atmete tief durch und spürte, wie sein Herzschlag sich etwas beruhigte. Heute war kein gewöhnlicher Tag – es war der Tag, an dem vieles wieder hochkommen würde. Erinnerungen, alte Verletzungen und vielleicht auch schwierige Gespräche. Doch er war nicht allein. Er hatte Menschen an seiner Seite, die ihn verstanden, die bei ihm waren, egal was kommen würde. Noch einmal sah er auf die Uhr – 8:55 Uhr. In wenigen Minuten würde es losgehen. Felix war bereit, so bereit wie möglich. Gemeinsam mit seinen Eltern, den Spielern und Sabine betrat er schließlich das Schiff, ließ sich auf dem Deck nieder und wartete, dass die lange Fahrt nach Heidelberg begann. 37. Tag – Samstag, 21. Juni 2025 – Morgens an Bord des Schiffes

Das Schiff hatte den Hafen von Mainz verlassen, und langsam glitt es den breiten Rhein entlang in Richtung Süden. Die Morgensonne stand nun höher, spiegelte sich tanzend auf dem Wasser, während am Ufer alte Villen, grüne Bäume und kleine Anlegestellen vorbeizogen. Eine ruhige, beinahe träumerische Stimmung lag über dem Deck, wo sich die Gruppe einen gemütlichen Tisch ausgesucht hatte. Ein paar andere Ausflügler saßen bereits mit Kaffee und Brötchen da, doch der Platz auf dem Oberdeck war luftig und großzügig genug, um sich nicht eingeengt zu fühlen. Die Crew hatte ein kleines Frühstücksbuffet aufgebaut: Brötchen, Butter, Marmelade, Käse, gekochte Eier, dazu Tee, Kaffee oder Orangensaft. Felix saß direkt am Fenster, sodass er sowohl den Fluss sehen als auch bequem essen konnte. Neben ihm saß Ronaldo, der heute besonders aufmerksam war und dem jungen Mann immer wieder kleine Dinge reichte, etwa die Butter oder den Fruchtsaft. Messi, Neymar und Suárez saßen ihm gegenüber, scherzten leise miteinander, während sie frühstückten. Die Eltern hatten sich zwei Plätze etwas weiter entfernt genommen – absichtlich, um Felix etwas Freiraum zu lassen. Sabine, die Freundin seiner Mutter, setzte sich schließlich direkt neben ihn, mit einem freundlichen, warmen Lächeln. Sie hatte sich bisher sehr zurückhaltend verhalten, doch nun wirkte sie entschlossen, einen kleinen Moment für sich und Felix zu schaffen. Aus ihrer Handtasche zog sie eine schlichte, in Blau und Silber gehaltene Geburtstagskarte hervor. Ohne großes Aufsehen schob sie sie dem jungen Mann sanft über den Tisch. Auf der Vorderseite der Karte stand: „Du bist wichtig – jeden Tag, nicht nur am Geburtstag.“ Innen hatte Sabine eine liebevolle Nachricht geschrieben. Sie bedankte sich für die ruhige, aber offene Art, mit der Felix ihr gegenüber immer war, und dass sie froh sei, ihn begleiten zu dürfen. Außerdem schrieb sie, dass sie bewundere, wie viel Kraft er in all den schwierigen Momenten gezeigt hatte. Felix war zuerst überrascht, dann gerührt. Er öffnete die Karte langsam, las die Nachricht zweimal. Etwas in ihm wurde ganz still. Kein kitschiges Geschenk, keine Übertreibung – einfach ehrliche Worte. Er nickte kurz, bedankte sich leise und sah dann wieder hinaus auf das Wasser. Die Brötchen schmeckten ihm heute besonders gut. Nicht wegen des Belags, sondern wegen der Atmosphäre: der ruhigen Fahrt, der liebevollen Geste, der Sonne über dem Fluss, dem Moment, in dem er sich nicht fremd fühlte. Die achtstündige Reise hatte gerade erst begonnen, doch mit diesem Frühstück und der Karte fühlte es sich an, als hätte dieser Tag bereits einen guten Ankerpunkt gefunden. 37. Tag – Samstag, 21. Juni 2025 – Mittags auf dem Schiff Die Zeit verging gemächlich auf dem Rhein. Während das Schiff stetig weiterfuhr, wechselte die Landschaft entlang des Ufers – zuerst flache Wiesen, dann begannen langsam die Hügel des Mittelrheintals. Felix hatte sich nach dem Frühstück mit Ronaldo auf das Sonnendeck begeben, wo sie gemeinsam auf einer Bank saßen und mit ihren Blicken die Weinberge verfolgten, die sich an den Hängen hochzogen. Neymar und Messi hatten sich eine Runde Karten mit Suárez organisiert und spielten unterhalb des Sonnendecks. Die Mutter von Felix unterhielt sich leise mit Sabine und dem Vater, wobei sie oft auch über Felix und seine Fortschritte in den letzten Wochen sprachen – ehrfürchtig, aber auch mit Hoffnung. Die Sonne stand inzwischen hoch, und ein angenehmer Wind wehte über das Deck. Viele Gäste des Schiffs hatten es sich in Schattenbereichen bequem gemacht, manche lasen, andere dösten oder unterhielten sich leise. Um kurz nach 13:30 Uhr ertönte schließlich eine Durchsage über die Bordlautsprecher:

„Sehr geehrte Fahrgäste, das Mittagessen wird ab sofort im vorderen Speisesaal serviert. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Appetit.“ Felix blickte Ronaldo an, der sofort verstand, dass es Zeit war, sich auf den Weg zu machen. Gemeinsam mit den anderen stiegen sie die Treppen hinunter ins Innere des Schiffs, wo die Küche ein kleines Buffet vorbereitet hatte. Die Auswahl war überraschend vielfältig: • Es gab Frikadellen, Kartoffelgratin und grünen Bohnensalat • Alternativ stand ein vegetarisches Gemüse-Curry mit Reis bereit • Für die Kinder und jüngeren Gäste: Spaghetti mit Tomatensauce • Zum Nachtisch: Vanillepudding mit heißen Kirschen oder frisches Obst Felix entschied sich für das Gratin, die Frikadelle und ein bisschen Bohnensalat. Die Spieler wählten unterschiedlich – Neymar griff direkt zu Spaghetti, während Suárez neugierig das Curry probierte. Die Gruppe setzte sich an einen Fensterplatz mit Blick auf das Wasser. Das Licht spiegelte sich golden auf den Wellen, während die Kellner höflich Getränke brachten – Wasser, Apfelsaft und für den Vater ein alkoholfreies Bier. Es war ein Moment der Ruhe und Gemeinsamkeit. Ohne Aufregung, ohne Streit, ohne Angst. Felix genoss das Essen in kleinen Bissen, sprach zwischendurch mit Ronaldo über das, was sie am Ufer sahen – ein altes Schloss, ein Campingplatz, ein kleiner Segelhafen. Die fünf Stunden Fahrt bis zum Mittag waren wie im Fluge vergangen, und auch nach dem Essen blieben sie noch ein wenig im Speisesaal sitzen. Niemand drängte sie. Keine lauten Geräusche. Nur das beständige Gleiten des Schiffes und das leichte Klirren von Geschirr – ein ruhiger, fast heilender Mittag auf dem Wasser. 37. Tag – Samstag, 21. Juni 2025 – Nachmittag: Durch die Neckarschleusen bis Heidelberg Das Schiff hatte im Rheinau‐Hafen bei Mannheim den Neckar erreicht, und nun begann der langsamere, stufenweise Aufstieg flußaufwärts. Schon aus der Ferne kündigte sich die erste Schleuse, Feudenheim, an: gewaltige, moosbewachsene Betonwände, ein rollendes Stahltor, das sich laut ächzend öffnete. Für Felix war es spannend zu sehen, wie der Kapitän das Schiff millimetergenau in das enge Bassin steuerte. Als sich das Tor schloss, spürte er, wie das Schiff förmlich nach oben gehoben wurde – beinahe fünf Meter. Das Wasser brodelte, schlug gegen den Rumpf; Passagiere hielten Kameras übers Geländer. Noch bevor das Obertor sich öffnete, rief ein Mitreisender: „Schaut mal – ein Biber!“ Tatsächlich huschte zwischen Böschungssteinen ein braunes Tier ins Wasser – nur ein kurzer „Biberblitz“ –, dann war es weg. •

Die zweite und dritte Schleuse Kaum eine Stunde später kam das Schiff an Schleuse Wallstadt. Wieder ratterte das Untertor, Wasser strömte, doch diesmal wirkte alles etwas monotoner – der Reiz verflog, während die Minuten sich zogen. Die Hitze hing im Betonbecken, Gespräche verebbten. Felix konzentrierte sich aufs Atmen, der Spieler daneben las Nachrichten. Die dritte Schleuse, Ladenburg, zermürbte schließlich die Geduld aller: ein vorausfahrendes Güterschiff blockierte die Kammer, sodass sie fast 40 Minuten warten mussten. Die Crew verteilte Wasser, einige Passagiere dösten auf dem Sonnendeck. Felix stützte sich am Geländer ab, sah gedankenverloren auf das stille Grün des Neckarufers. Als das Schiff endlich einfuhr, fühlte es sich mehr nach Pflicht als nach Abenteuer an. Das monotone Gurgeln des ansteigenden Wassers, das ferne Dröhnen eines Motors – die Szene verlor jede Romantik. Doch irgendwann öffnete sich das Obertor, und sie setzten die Fahrt fort. •

Endspurt nach Heidelberg

Durch die Verzögerungen an Schleuse 2 und 3 lag das Schiff nun fast eine Stunde hinter dem Fahrplan. Die Mannschaft erhöhte die Drehzahl, während die Passagiere die ersten Weinberge des Odenwaldrandes entdeckten. Gegen 18 Uhr tauchten endlich die zwei Türme der Alten Brücke und die Silhouette des Heidelberger Schlosses über den Hängen auf. Goldenes Licht legte sich über die roten Dächer der Altstadt, und das Schiff legte mit sanftem Stampfen am Karlstor‐Steg an. Felix atmete auf. Die lange Fahrt, die abwechselnd spannend, zäh und dann wieder eindrucksvoll gewesen war, endete nun mit einer Stunde Verspätung – doch das Ziel lag vor ihnen: Heidelberg, umflutet von spätem Sonnenlicht, wartete darauf, entdeckt zu werden. 37. Tag – Samstag, 21. Juni 2025 – Abend in Heidelberg: Zwei Alkoholfreie und der Bus nach Hause Kaum hatte die Gangway angelegt, strömten die Passagiere an Land. Die Luft in Heidelberg war noch warm, doch der Neckarwind trug eine angenehme Frische herüber. Die Gruppe – Felix, seine Eltern, Sabine und die vier Spieler – beschloss, die verspätete Ankunft nicht weiter zu bedauern. Stattdessen schlugen sie den kurzen Fußweg in die Altstadt ein, vorbei an der Alten Brücke, deren Sandstein im letzten Sonnenlicht rostrot glühte. In einer schmalen Seitengasse fanden sie ein kleines Brauhaus mit Pergola und Efeuranken. Die Tische draußen waren quirlig besetzt, doch ein freier Platz wartete im Schatten einer Kastanie. Klirren von Gläsern, das tiefe Murmeln von Gesprächen und der Duft frisch gezapften Bieres lagen in der Luft. Felix ließ sich auf eine Holzbierbank nieder. Seine Hände waren noch müde von der langen Fahrt, doch die Vorfreude auf ein kühles Getränk verdrängte das Gefühl. Er bestellte zwei alkoholfreie Weizen; einer davon kam sofort, eisgekühlt, beschlagen im Glas. Die Spieler wählten unterschiedliche Getränke – Ronaldo blieb bei Wasser, Messi probierte eine lokale Fassbrause, während Neymar und Suárez jeweils ein Radler nahmen. Sabine und Felix’ Mutter teilten sich ein Glas trockenen Riesling, der Vater gönnte sich ein zimmerwarmes Altbier. Das erste alkoholfreie Weizen rann erfrischend den Hals hinunter. Felix schloss die Augen, spürte das prickelnde Zischen auf der Zunge und lauschte dem vergnügten Treiben. Die Mühsal der Schleusen und die Vergangenheit schienen weit weg. Als der Kellner das zweite Glas brachte, war die Sonne bereits hinter dem Königstuhl verschwunden, und die roten Dächer der Altstadt leuchteten noch für wenige Minuten im Abendlicht. Nach gut einer Stunde stand die Abfahrt des Rückreisebusses an. Die Gruppe bezahlte, verabschiedete sich mit einem freundlichen Schwätzen vom Wirt und schlenderte zum Busparkplatz nahe der Stadthalle. Die Straßenlampen gingen an, tauchten die kopfsteingepflasterten Gassen in warmes Gold. Felix spürte die wohltuende Schwere zweier alkoholfreier Biere in seinem Magen, als er die Stufen des Reisebusses hinaufstieg. Die Sitze waren weich, der leichte Geruch von Lederpolstern und Klimaanlage füllte den Innenraum. Messi half ihm, den kleinen Rucksack mit Snacks und Wasser über die Gepäckablage zu legen, Rafael (der Busfahrer) nickte ihnen kurz im Rückspiegel zu, und mit einem sanften Zischen schlossen sich die Türen. Während der Bus die B 37 entlangrollte, warf Felix einen letzten Blick auf das hell erleuchtete Schloss, das über der Stadt thronte. Dann lehnte er den Kopf gegen die Scheibe. Die Scheinwerfer zogen helle Linien in der Dunkelheit, und das leise Brummen des Motors wurde zum Rhythmus eines Tages, der zwischen Spannung, Müdigkeit und unerwarteter Leichtigkeit oszilliert hatte. Heidelberg verschwand hinter einer Kurve, und Felix ließ die Augen zufallen. Er wusste, dass die Rückfahrt noch zwei Stunden dauern würde. Aber dieses Mal war die Zeit sein Freund: Nach einem langen, komplizierten Tag schenkte sie ihm die Gelegenheit, einfach loszulassen – begleitet von Familie, Freunden und dem sanften Surren eines nächtlichen Busses auf dem Heimweg.

37. Tag – Samstag, 21. Juni 2025 – Später Abend im Bus: Die verschlossene Tür und eine unerwartete Hilfe Die Dunkelheit draußen war dicht, nur ab und zu durchbrochen von Scheinwerfern anderer Fahrzeuge oder den Lichtinseln kleiner Ortschaften, die der Bus passierte. Drinnen war es ruhig geworden – das leise Summen der Klimaanlage, das gelegentliche Knacken der Bordlautsprecher und das leise Schnarchen eines älteren Mitreisenden bildeten die Kulisse. Felix saß in der Mitte des Busses am Fenster. Neben ihm döste Messi, sein Kopf leicht zur Seite geneigt. Die anderen Spieler verteilten sich weiter hinten, während die Eltern samt Sabine vorne Platz genommen hatten. Felix hatte sich mittlerweile entspannt, doch plötzlich meldete sich seine Blase. Und das deutlich. Er blickte auf die Uhr an der Busdecke – noch etwa 15 Minuten bis Mainz. Vielleicht konnte er es noch schaffen. Vielleicht. Aber das vertraute Ziehen sagte ihm: Lieber nicht riskieren. Also schnallte er sich vorsichtig ab, rückte sein Shirt zurecht und stand auf. Der Gang war eng, aber leer. Leise schlich er an den Sitzen vorbei in Richtung der Toilette am hinteren Ende des Busses. Vor der silbernen Tür blieb er stehen. Ein kleines rotes Schild blinkte: Verriegelt. Verwundert drückte er trotzdem die Klinke. Nichts. Er klopfte leise. Keine Reaktion. Dann ein Versuch mit etwas mehr Kraft – wieder erfolglos. Ein mulmiges Gefühl stieg in ihm auf. Das Drängen wurde stärker. Er tastete das Schloss ab, versuchte, die Türe sanft zu rütteln, doch sie bewegte sich nicht. Panik stieg in ihm auf – und er war kurz davor, umzukehren. Da hörte er plötzlich hinter sich eine vertraute Stimme. Es war der ältere Herr, der auch auf dem Schiff mit ihnen gewesen war – ein Mann um die 60 mit freundlichen Augen, der während der Fahrt meist in ein Buch vertieft gewesen war. Er trat näher und sagte leise: „Ist manchmal klemmt das Schloss ein bisschen. Hatte ich auch schon vorhin auf dem Boot.“ Felix wich einen Schritt zurück. Der Mann legte sanft seine Hand an den Mechanismus, drückte zweimal kurz, dann kräftig – und plötzlich klickte es. Die Tür sprang ein kleines Stück auf. „Voilà. Man muss es einfach kennen“, sagte der Mann mit einem Lächeln und klopfte Felix leicht auf die Schulter. Felix nickte dankbar, murmelte ein „Danke“ und verschwand in der engen Kabine. Erleichtert und sichtlich entspannter kam er wenige Minuten später wieder heraus, wusch sich die Hände und setzte sich zurück auf seinen Platz. Messi war mittlerweile aufgewacht, sah ihn verschlafen an und murmelte: „Alles gut?“ – Felix nickte nur. Im Rückspiegel des Busses konnte man schon die ersten Lichter von Mainz erkennen. Die Heimkehr war nah. Doch dieser kleine Moment – die verschlossene Tür, die kurze Panik und die unerwartete Hilfe – blieb Felix im Gedächtnis. Es war wieder einer dieser stillen Augenblicke, in denen er spürte, dass auch kleine Gesten von Fremden eine große Wirkung haben konnten. 37. Tag – Samstag, 21. Juni 2025 – Späte Nacht: Abschied am Hauptbahnhof West und eine letzte Suppe Es war kurz nach Mitternacht, als der Bus am Hauptbahnhof West in Mainz sanft hielt. Die Lichter der nächtlichen Stadt spiegelten sich auf der regennassen Fahrbahn, obwohl es nicht regnete – vermutlich hatte hier gerade ein Reinigungsteam seine Arbeit beendet. Die Straßen waren menschenleer, und die Luft hatte sich angenehm abgekühlt, nach einem langen und warmen Sommertag. Langsam erhoben sich die Passagiere von ihren Plätzen. Felix fühlte sich etwas steif vom langen Sitzen, dennoch zufrieden, wieder in vertrauter Umgebung angekommen zu sein. Messi, Neymar, Ronaldo und Suárez stiegen mit ihm aus, gefolgt von seinen Eltern und Sabine.

Am Gehsteig vor dem Bahnhof verabschiedeten sie sich von Sabine herzlich. Die Freundin der Mutter gab Felix noch einmal ein kurzes, aber festes Drücken und sagte ihm, dass sie sich über die gemeinsame Zeit sehr gefreut hatte und sich auf ein baldiges Wiedersehen freue. Felix lächelte dankbar zurück. Sabine winkte ihnen zum Abschied, als sie Richtung Bahnsteig ging, und verschwand kurz darauf hinter den gläsernen Türen des Bahnhofs. Felix und seine Gruppe machten sich danach auf den Weg zur nahegelegenen Wohnung. Während des kurzen Fußwegs redeten sie wenig, die Müdigkeit lag allen schwer in den Knochen. Als sie schließlich die Wohnungstür erreichten, waren es nur noch ein paar Minuten bis halb eins. Felix spürte den Hunger deutlich – doch der Gedanke, jetzt noch den großen Fleischkäse aufzubacken, war unrealistisch. Er entschied sich kurzerhand für eine einfache, aber wärmende Lösung: Eine kleine Suppe, die schnell zubereitet werden konnte. Die Spieler gingen ins Wohnzimmer, um sich etwas auszuruhen und leise miteinander zu plaudern, während Felix in der Küche den Wasserkocher anwarf und eine Tütensuppe in seine Lieblingstasse rührte. Mit der dampfenden Tasse setzte er sich ans Fenster, schaute hinaus in die stille Straße. Jeder Löffel warme Suppe schenkte ihm ein kleines Stück Ruhe zurück. Während er aß, ließ er noch einmal den Tag an sich vorbeiziehen: die Fahrt auf dem Rhein, die langen Schleusen, das Essen in Heidelberg, die Begegnung auf der Rückfahrt, und schließlich dieser ruhige Moment daheim, wo die Welt kurz stillstand und die Nacht alle Ecken der Stadt mit ihrem dunklen Mantel zudeckte. Als er die Tasse geleert hatte, stellte er sie vorsichtig in die Spüle, machte das Licht in der Küche aus und ging leise ins Schlafzimmer. Die Spieler hatten sich bereits schlafen gelegt, alles war still, friedlich. Felix legte sich hin, zog die Decke hoch und atmete tief ein. Kurz bevor er einschlief, dachte er noch daran, wie froh er war, dass trotz der Schwierigkeiten, die ihm oft begegneten, immer wieder auch diese guten, beruhigenden Momente ihren Weg zu ihm fanden. Mit diesem Gedanken sank er in einen tiefen, friedlichen Schlaf. 38. Tag – Sonntag, 22. Juni 2025 – Ein Tag der Ruhe vor der nächsten Welle Der Sonntag begann ruhig. Es war kurz vor neun, als Felix langsam die Augen öffnete. Das erste Licht des Morgens schlich durch die Ritzen der Vorhänge. Im Haus war es still – seine Eltern schienen noch zu schlafen, und auch die vier Fußballspieler, die in ihrer gewohnten Ruhezone übernachtet hatten, gaben keinen Laut von sich. Felix blieb noch einige Minuten liegen und starrte an die Decke. Heute würde er nichts planen, nichts erwarten. Es war sein Tag der Erholung, bevor die neue Woche mit neuen Terminen, Gesprächen, Bewerbungen und Arztbesuchen begann. Und auch mit allem, was sonst noch an Überraschungen auf ihn lauerte – ob gute oder herausfordernde. Langsam stand er auf, nahm seine morgendliche Medizin, trank ein Glas Wasser und setzte sich in die Küche. Die Sonne warf jetzt schon kräftige Strahlen durch das Fenster. Felix entschied sich für ein einfaches Frühstück: ein Toast mit Käse, dazu ein mildes Kräutergetränk. Während er kaute, scrollte er etwas auf seinem Handy, ohne wirklich etwas zu suchen. Gegen Mittag weckte er nach und nach die vier Spieler. Sie aßen gemeinsam – es gab eine kleine Auswahl aus Resten der vergangenen Tage: ein paar Brotscheiben, Käse, Joghurt, geschnittenes Obst. Es war nicht festlich, aber gemütlich. Den Rest des Tages verbrachte Felix fast vollständig in seiner kleinen Komfortzone. Er hörte ruhige Musik, sortierte einige seiner privaten Unterlagen, die sich über die letzten Wochen angesammelt hatten, und sprach nur wenig. Auch die Spieler verhielten sich auffällig still – als spürten sie, dass Felix einfach Raum und Stille brauchte. Zwischendurch gönnte er sich ein warmes Bad, um seine Gedanken loszulassen. Er ließ das Wasser laufen, fügte einen beruhigenden Badezusatz mit Lavendelduft hinzu und versank für

40 Minuten darin. Die Müdigkeit der letzten Tage, die angespannten Muskeln, der Druck – alles schien sich im warmen Wasser zu lösen. Am Nachmittag lag er lange auf der Couch. Messi und Neymar spielten leise auf der Konsole, Suárez las ein Buch, Ronaldo schrieb ein paar Nachrichten auf seinem Handy. Felix lehnte sich zurück, schloss die Augen – nicht um zu schlafen, sondern um einfach nichts zu denken. Als es langsam Abend wurde, bestellten sie sich etwas zu essen. Nichts Besonderes – Pizza für die einen, eine Gemüsesuppe für Felix. Danach spielten sie eine ruhige Runde FIFA, lachten vereinzelt über kleine Pannen und kuriose Tore. Felix spielte heute ohne Ehrgeiz – es war nur zur Ablenkung. Gegen 22:30 Uhr machte er sich bettfertig. Er trank noch einen kleinen Einschlaftee, putzte sich die Zähne, schaltete sein Handy auf lautlos. Dann schloss er die Vorhänge, machte das Licht aus und legte sich ins Bett. Bevor er einschlief, ging er innerlich noch einmal durch, was ihn morgen erwarten würde: ein Anruf beim Facharzt, die Rückmeldung auf eine Bewerbung, vielleicht eine Nachricht vom Rollstuhlverkäufer wegen der Reparatur. Aber all das war nicht jetzt. Jetzt war nur dieser Moment. Stille. Ruhe. Und der vorsichtige Gedanke, dass nicht jeder Tag schwer sein musste. So endete der 38. Tag – als ein Atemzug im langen Fluss seines Lebens. Ein kurzer, aber wertvoller Rückzug, bevor der Sturm vielleicht erneut an die Tür klopfte. 39. Tag – Montag, 23. Juni 2025 – Ein sportlicher Morgen Der Morgen des 39. Tages begann erstaunlich leicht für Felix. Trotz der vielen Ereignisse der vergangenen Wochen fühlte er sich heute ausgeruhter als sonst. Die Sonne war bereits aufgegangen, und das erste Zwitschern der Vögel drang durch das geöffnete Fenster seines Zimmers. Es war angenehm warm, aber nicht zu heiß – genau die richtige Temperatur, um mit guter Laune in den Tag zu starten. Nach dem Aufstehen nahm Felix wie gewohnt seine morgendliche Medizin ein, trank ein Glas Wasser und machte sich in der Küche ein kleines Frühstück. Es war schlicht: zwei Scheiben Vollkorntoast mit Butter und Honig, dazu ein kühles Kräutergetränk aus dem Vorrat, den er sich am Samstag zugelegt hatte. Die vier Fußballspieler – Ronaldo, Messi, Neymar und Suárez – waren bereits wach und gut gelaunt. Sie hatten schon ihre Sportsachen an, was Felix sofort zum Lächeln brachte, denn er wusste, was das bedeutete: Der Morgen würde sportlich. Nach dem Frühstück setzten sie sich gemeinsam ins Wohnzimmer und schalteten die PlayStation ein. Es war Zeit für eine ausgiebige FIFA-Session. Jeder nahm sich einen Controller, und sie spielten in wechselnden Teams. Heute war es keine ernste Herausforderung, sondern reines Vergnügen: Tore schießen, lachen, über die kuriosen Spielaktionen jubeln oder sich gegenseitig necken, wenn einer einen Patzer machte. Felix wählte dieses Mal seinen Lieblingsverein aus der spanischen Liga, Messi nahm natürlich den FC Barcelona, während Suárez sich für Atlético entschied. Neymar probierte sich mit PSG, und Ronaldo – fast schon traditionell – trat mit Real Madrid an. Die Wohnzimmeratmosphäre war lebendig und unbeschwert. Die Fenster waren geöffnet, frische Luft strömte hinein, und draußen war bereits das erste geschäftige Treiben des Montags zu hören. Doch im Inneren dieses kleinen geschützten Raumes zählte nur das Jetzt: das gemeinsame Spiel, das freundschaftliche Kräftemessen und das leichte Gefühl, für einen Moment in einer eigenen Welt zu sein, fernab von Sorgen. Besonders bemerkenswert war, dass Felix bei einem Spiel ein Tor aus 30 Metern Entfernung schoss – ein Traumtor, das ihn selbst überraschte. Die Spieler klatschten ihm ab und riefen anerkennend durcheinander, auch wenn kein Dialog fiel – sie zeigten ihre Begeisterung mit Gesten, Lachen und Umarmungen. Es war ein schöner Moment, der Felix’ Herz wärmer machte, als jedes Frühstück es je hätte tun können.

Nach fast zwei Stunden beendeten sie die Session. Felix lehnte sich zurück, atmete tief durch und genoss die angenehme Müdigkeit, die sich nach dem Spiel breit machte – nicht von Anstrengung, sondern von Freude. Der Tag war noch jung, doch schon jetzt hatte er einen guten Start genommen. Felix fühlte sich gestärkt – nicht nur durch den Sieg in FIFA, sondern durch das Gefühl, nicht allein zu sein. 39. Tag – Montag, 23. Juni 2025 – Ein ungewöhnlicher Arztbesuch Der Morgen hatte für Felix zunächst ganz entspannt mit FIFA und einem kleinen Frühstück begonnen, doch gegen 10:30 Uhr entdeckte er im Spiegel in seinem Zimmer etwas, das ihn beunruhigte: eine auffällige Hautveränderung auf seiner rechten unteren Rückenpartie, etwas über dem Becken. Die Stelle war leicht gerötet und zeigte vier bis fünf punktförmige Erhebungen, die fast wie Insektenstiche oder kleine Bläschen aussahen. Schmerzen hatte Felix dort keine, aber das Aussehen irritierte ihn – vor allem, weil sich die Haut an dieser Stelle rau und gespannt anfühlte. Er zögerte nicht lange und sprach mit seiner Mutter darüber, die ebenfalls verwundert war. Gemeinsam entschieden sie, dass Felix zum Hautarzt gehen sollte – sicherheitshalber. Einer der Spieler, Messi, begleitete ihn zur Praxis, die nicht weit von ihrer Wohnung entfernt lag. Als sie dort ankamen, war das Wartezimmer leer, doch am Empfang erklärte man ihnen, dass der Hautarzt heute krankheitsbedingt nicht da sei. Felix war etwas enttäuscht, aber die freundliche Arzthelferin verwies ihn direkt an den Hausarzt, der in der Nähe eine offene Sprechstunde anbot. Zusammen mit Messi ging Felix zu dieser zweiten Praxis. Dort angekommen, musste er etwa zwanzig Minuten warten. Die Atmosphäre war ruhig, das Licht gedämpft, und Felix starrte gedankenverloren auf ein Plakat an der Wand, das Hautkrankheiten und deren Symptome zeigte. Einige Bilder sahen erschreckend aus – doch nichts davon sah so aus wie die Punkte auf seiner Haut. Als er schließlich aufgerufen wurde, erklärte er der Hausärztin sein Anliegen. Sie betrachtete die Hautstelle sorgfältig und schüttelte leicht den Kopf. Sie meinte, es sehe nicht eindeutig nach einer Infektion oder einem Insektenstich aus, aber zur Sicherheit wolle sie ihm eine Lotion mitgeben – eine, die auch bei beginnender Gürtelrose angewendet werden könne. Felix war etwas überrascht. Gürtelrose? Aber es tat doch gar nicht weh. Die Ärztin erklärte ihm, dass nicht jeder Fall von Beginn an mit Schmerzen einhergeht und dass es besser sei, vorsorglich zu behandeln, bevor sich etwas verschlimmere. Mit einem Rezept für eine antivirale Lotion in der Hand verließ Felix die Praxis wieder. Messi wartete bereits vor dem Eingang und zuckte nur leicht mit den Schultern, als Felix ihm alles schilderte. Gemeinsam gingen sie zur nahegelegenen Apotheke, holten das Medikament ab und machten sich dann auf den Heimweg. Zuhause angekommen trug Felix die Lotion wie verordnet auf – obwohl er sich unsicher war, ob es wirklich notwendig war. Dennoch: besser zu vorsichtig als zu spät, dachte er. Nach dem Auftragen legte er sich ein wenig hin und beschloss, den weiteren Verlauf genau zu beobachten. Schmerzen hatte er weiterhin keine, aber er nahm sich vor, die Stelle täglich zu kontrollieren. Der Vorfall hatte ihn zwar ein wenig verunsichert, aber es tat gut, ernst genommen zu werden – von seiner Mutter, vom Arzt, und sogar von Messi, der ihn die ganze Zeit ruhig begleitet hatte. Der restliche Tag konnte nun mit mehr Ruhe weitergehen. 39. Tag – Montag, 23. Juni 2025 – Später Nachmittag: Ein Treffen mit dem Freund Am späten Nachmittag, gegen 17:30 Uhr, machte sich der junge Mann nach einem kurzen Mittagsschlaf auf den Weg zur Pizzeria in der Altstadt. Das Treffen war schon seit einigen Tagen geplant gewesen, und obwohl der Tag mit einem seltsamen Arztbesuch begonnen hatte, freute er sich sehr auf die gemeinsame Zeit. Sein langjähriger Freund, der im E-Rollstuhl unterwegs war, wartete bereits vor dem Eingang des Lokals.

Als sich ihre Blicke trafen, breitete sich ein ehrliches Lächeln auf beiden Gesichtern aus. Der Freund winkte ihm freudig zu, und der junge Mann eilte die letzten Schritte, um ihn herzlich zu begrüßen. Sie wählten einen Tisch draußen, unter einem großen Sonnenschirm, der ihnen angenehmen Schatten spendete. Die Luft war warm, aber nicht drückend – ein angenehmer Frühsommerabend kündigte sich an. Sie bestellten gemeinsam: der junge Mann entschied sich für eine Pizza „Diavolo“ mit scharfer Salami und frischen Jalapeños, während sein Freund eine Pizza „Vegetaria“ mit extra Mozzarella nahm. Dazu gab es zwei große Gläser eiskaltes Spezi – ihr gemeinsames Lieblingsgetränk. Während sie auf das Essen warteten, tauschten sie sich über die vergangenen Tage aus. Der junge Mann berichtete von dem Vorfall mit der Haut und der vorsorglichen Behandlung, aber auch von seinem neuen, gebrauchten Rollstuhl, den er sich vor kurzem geholt hatte – mit allen Anstrengungen, die damit verbunden waren. Sein Freund hörte aufmerksam zu und erzählte dann von den neuesten Updates seines eigenen E-Rollstuhls, der kürzlich mit einer neuen Steuerung ausgestattet worden war. Die beiden lachten, erinnerten sich an frühere gemeinsame Ausflüge und schmiedeten Pläne für einen kleinen Ausflug in den nächsten Tagen – vielleicht in den Park oder sogar an den Rhein. Die Pizza kam und war hervorragend. Der junge Mann biss mit Genuss hinein, wobei ihm die Schärfe der Jalapeños direkt ein leichtes Schwitzen auf die Stirn trieb – was seinen Freund nur zum Lachen brachte. Zum Abschluss bestellten sie sich noch ein Eis – Zitronensorbet für ihn, Vanilleeis mit heißen Himbeeren für den Freund. Die untergehende Sonne warf goldenes Licht auf das Pflaster der Altstadt, und für einen Moment fühlte sich alles ruhig und friedlich an. Als es Zeit wurde, sich zu verabschieden, versprach der junge Mann, bald wieder zu schreiben – diesmal wolle er den Freund vielleicht auch mit zu sich einladen, um gemeinsam mit den vier Spielern eine Runde FIFA zu spielen. Beide freuten sich auf dieses Wiedersehen. Dann trennten sich ihre Wege. Der junge Mann machte sich zufrieden auf den Heimweg, mit dem wohligen Gefühl, einen echten Freund an seiner Seite zu haben. 39. Tag – Montag, 23. Juni 2025 – Später Abend: Heimfahrt und der Schock auf der Straße Es war kurz nach 21 Uhr geworden, als Felix gähnend feststellte, dass die Pizza-Runde in der Altstadt ihre Spuren hinterlassen hatte. Die Eltern, die nach dem Johannisfest-Wochenende noch immer Freunde trafen, wollten den Abend in einer nahegelegenen Weinstube ausklingen lassen. Felix hingegen spürte die bleierne Müdigkeit der letzten Tage. Messi, der ihn zum Treffen begleitet hatte, verständigte die anderen drei Spieler; sie beschlossen, Felix nach Hause zu fahren und auf dem Weg noch etwas Proviant für die kommende Woche einzukaufen. Ronaldo saß am Steuer des silbernen Miet-SUV, Messi auf dem Beifahrersitz. Felix und Neymar schnallten sich auf der Rückbank an, Suárez witzelte von ganz hinten noch über die Schärfe der Diavolo-Pizza. Die Sommerluft war lau, das Seitenfenster einen Spalt breit geöffnet; Felix schloss für einen Moment die Augen, während die Lichter der Altstadt hinter ihnen verschwanden. Sie passierten gerade die mehrspurige Rheinallee, als plötzlich von rechts ein dunkler Kleinwagen mit hoher Geschwindigkeit ausscherte – fast, als käme er aus dem Nichts. Ronaldo fluchte, riss das Lenkrad nach links, doch der Wagen rammte sie mit voller Wucht an der Hinterachse. Metall kreischte, Glas splitterte, der SUV drehte sich, überschlug sich einmal … ein zweites Mal … dann Stille, der Sicherheitsgurt zog sich wie ein Schraubstock um Felix’ Brust. Airbags zischten, Rauch lag in der Kabine. Ein letzter, dumpfer Aufprall – dann absolute Dunkelheit.

Stunden später – Ungewissheit auf der Intensivstation Felix kam zu sich in einem grell erleuchteten Raum. Piepen von Monitoren, kalter Sauerstoffgeruch, Stimmen in hektischem Flüstern. Er konnte den Kopf kaum bewegen; irgendwo surrte eine Infusionspumpe. Nur schemenhaft nahm er wahr, wie Ärzte mit leisen Befehlen hantierten. Sein Bewusstsein glitt fort … kam zurück … glitt abermals fort, bis eine Stimme ihn klarer erreichte: „Alles wird gut. Wir stabilisieren dich.“ Als der Morgen graute, wusste Felix nur zweierlei: Er lag auf der Intensivstation; und Messi war im Bett rechts neben ihm, benommen, aber lebend. Von Ronaldo, Neymar und Suárez hörte er nichts, nur fernes Sprechen hinter Vorhängen. Die Eltern? Er wusste es nicht. Panik drohte, doch Sedierung lullte ihn wieder ein. Ein Detail, das niemand bemerkte Währenddessen inspizierten Ermittler den Unfallort. Der dunkle Kleinwagen war verschwunden. Zeugen sprachen von einem „bewusst gerammten“ Manöver. Eine unfertige Aussage eines Passanten – er hatte eine ältere Frau am Vortag mit genau diesem Wagen gesehen, wie sie jemandem Barschecks aushändigte. Ein Name fiel leise hinter Polizeibändern: Frau M., die Dame, die Felix seit Wochen heimlich verfolgte. Wovon Felix im Krankenhausbett nichts ahnte: Der angebliche Zufall hatte einen langen Schatten. Der Fahrer, mittlerweile gefasst, schwieg – doch in der Seitentasche seiner Jacke fand man Visitenkarten mit handschriftlichen Notizen. Ob es ein Auftrag war? Eine Drohung? Die Spur führte jedenfalls zurück zu jener verschrobenen alten Frau, die Rache geschworen hatte. Ein leiser, schwebender Morgen Als das erste Tageslicht durch die Jalousien der Intensivstation drang, lagen Felix und die Spieler zwischen Geräten und Verbänden, jeder von eigenen Verletzungen gezeichnet, aber am Leben. Noch wusste keiner, welche Folgen das haben würde. Nur eines war sicher: Der kommende Montag – der Tag, vor dem die geheimnisvolle Frau gewarnt hatte – war explodiert, bevor er überhaupt begonnen hatte. Späte Nacht, irgendwo am Rand von Mainz, in einer verlassenen Lagerhalle. Ein einzelnes Flutlicht brannte über der Rolltorfront, warf grelle Kegel auf staubigen Beton. Drinnen roch es nach altem Motoröl – und nach Verschwörung. Der Fahrer des dunklen Kleinwagens wartete nervös neben seinem Wagen, eine Beule im Kotflügel, gesplitterte Scheinwerferreste noch im Grill. Er fuhr zusammen, als sich die metallene Schlupftür öffnete und die alte Dame eintrat: schwarzer Mantel, weite Kapuze, das fahle Licht ließ ihre Wangenknochen wie Kalk hervortreten. „Alles geklappt?“, fragte sie, Stimme ein Säuseln zwischen Rost und Rauch. Der Fahrer nickte. „Sie liegen auf der Intensivstation. Alle fünf. SUV Totalschaden. Polizei hat vorerst nichts in der Hand.“ Ein dünnes Lächeln glitt über das Gesicht der Frau. „Der Montagsplan war also perfekt. Aber das war erst der Auftakt.“ Sie trat näher, musterte die zerkratzte Stoßstange. „Jetzt müssen wir sein Vertrauen gewinnen. Du wirst dich dem Jungen als besorgter Augenzeuge anbieten – ’Ich habe den Rettungsdienst gerufen, ich will nur helfen‘. Er darf keinen Verdacht schöpfen. Sobald er dich einlässt, arbeitest du dich in seinen Alltag vor.“ Der Mann schluckte. „Und wenn die Freunde… die Spieler… misstrauisch werden?“ „Deshalb sticht man nicht frontal“, zischte die Alte. „Wir weiten den Plan still aus. Ich habe bereits zwei ›Kontakte‹ in der Klinik, die ihre Chance abwarten. Und andere kümmern sich um… Versorgungsengpässe zu Hause. Eins nach dem anderen.“

Sie hob eine mappe Hoch: drin Fotos, Notizen, Routenpläne – für Außenstehende belanglos, für Eingeweihte ein Mosaik der nächsten Schritte. „Vertrau mir: Wir vollenden, was begonnen wurde. Das Netz zieht sich langsam zu. Er wird glauben, er könne wieder aufatmen – und genau dann fällt der letzte Stein.“ Der Fahrer wechselte das Gewicht von einem Fuß auf den anderen, doch er nickte. Schließlich schob die Frau ihm einen Umschlag zu – knisternd, schwer. „Für deinen Einsatz. Halte dich bereit. Das Spiel ist noch nicht zu Ende.“ Dann drehte sie sich um, der Mantelsaum flackerte im Zug der Tür. Das Schlurfen ihrer Schritte verklang, das Flutlicht erlosch. Im Halbdunkel blieb der Fahrer zurück, Umschlag in der Hand, Herzschlag im Hals. Er wusste: Ab jetzt ging es nicht mehr nur um einen Auftrag. Es ging um eine unaufhaltsame Agenda – verborgen, verästelt, aber tödlich klar. Und wenn er einmal zu Felix‘ „Helfer“ geworden war, gab es kein Zurück mehr. 40. Tag – Dienstag, 24. Juni 2025 – Morgen auf der Intensivstation Das erste wirkliche Erwachen nach dem Unfall war wie ein Langzeitschalter, der sich langsam von Nebelschwarz auf Dämmergrau stellte. Felix blinzelte gegen das blendende Licht der Neonröhren. Alles fühlte sich schwer an: die Augenlider, der Kopf, selbst die Luft in seinen Lungen. Als er endlich klar genug sah, erkannte er die Konturen eines Klinikzimmers – Monitore, Infusionsständer, das reglose Dunkel eines frühen Sommermorgens jenseits des Fensters. Auf dem Nachttisch ein Namensschild: „UKM – Intensivstation Nord“. Ein EKG piepte im ruhigen Takt. Über seinem rechten Unterarm lief eine Infusion – in der Leitung glitzerte ein farbloses Gemisch aus Flüssigkeiten und Schmerzmitteln. Im Unterbauch spürte er den leichten Zug eines Katheters, der mit einem transparenten Beutel am Bettgestell verbunden war. Ein junger Stationsarzt kam hereingeschlüpft, prüfte Routinemäßig die Werte und erklärte, halb für ihn, halb für die Krankenschwester: • Diagnose bei Felix: mittelschwere Gehirnerschütterung, geprellte Rippe, zahlreiche Hämatome, keine inneren Blutungen. • Therapie: kombinierte Infusion aus Schmerzmittel, Elektrolyten und einem leichten Steroid zur Entzündungshemmung; zusätzlich sein Antiepileptikum als Perfusor, damit der Wirkspiegel stabil bleibt; dazu ein Prophylaktikum gegen Übelkeit. Der Arzt lobte Felix’ stabile Kreislaufwerte, mahnte aber zur Ruhe. Erst in 24 Stunden werde man entscheiden, ob er von der Überwachung auf die Normalstation wechseln dürfe. Als der Mediziner weiterging, hörte Felix nebenan leise Stimmen. Eine Trennwand aus Glas zeigte drei Betten im Nachbarbereich: Dort lagen Ronaldo, Messi und Neymar – alle angeschlossen an identische Infusionspumpen, aber ohne den zusätzlichen AntiepileptikumPerfusor. Suárez befand sich ein Zimmer weiter, wie eine Pflegerin kurz darauf erzählte, mit einer Schulterverletzung, aber stabil. Auch die Spieler erhielten Schmerzmedikation, Elektrolyte und leichtes Steroid, dazu Thrombose-Prophylaxe und Flüssigkeitszufuhr. Jeder trug Pflasterverband an Stirn oder Arm, aber keiner war kritisch. Ein Moment lang lag Stille über der Station. Nur das leise „Bip … Bip …“ der Monitore, das ferne Klacken von Nadeln in Metall. Felix spürte eine eigenartige Mischung aus Dankbarkeit und Furcht: dankbar dafür, dass alle lebten – voller Furcht vor der Frage, warum es überhaupt so weit gekommen war. Er schloss die Augen, fühlte das stetige Tropfen der Infusion in seinen Arm und nahm sich vor, wachsam zu bleiben – nicht nur für sein eigenes Wohlergehen, sondern auch für seine Freunde, die nur drei Betten entfernt lagen und dieselben Schläuche in den Adern trugen.

Der 40. Tag hatte begonnen – nicht in Bewegung, sondern im summenden Stand-by des Krankenhauslichts, zwischen Pieptönen und dem ersten vorsichtigen Atemzug zurück ins Leben. 40. Tag – Dienstag, 24. Juni 2025 – Mittag: Blasenspülung auf der Intensivstation Kurz nach 12 Uhr verdunkelte das Pflegepersonal die Neonlampen und rollte mehrere fahrbare Ständer an die Betten. Auf jedem hing ein ungewohnt voluminöser Infusionsbeutel – transparent, prall gefüllt mit etwa 1,5 Litern* sterilem Spüllösungs-Gemisch. Wegen der außergewöhnlich hohen Sommertemperaturen und der längeren Katheterliegezeit entschied das Ärzteteam, allen fünfen eine prophylaktische Blasenspülung zu geben, um Keime auszuschwemmen und Reizungen vorzubeugen. (Der patientenfreundliche Großbeutel fasst 1,5 Liter, im Klinikjargon scherzhaft „15Hundert“ genannt.) Felix Eine Pflegefachkraft koppelte Felix’ Katheterventil an das Y-Verbindungsstück des Beutels. Zuerst fühlte er nur das Kühle der Desinfektionstücher auf Haut und Schlauchansatz. Dann öffnete die Schwester langsam die Rollklemme. Das erste Hinunterfließen der klaren Lösung spürte er direkt als leichten Druck im Unterbauch – ungewohnt, aber schmerzfrei. Die Flüssigkeit war Körpertemperatur-warm, gleichzeitig ein wenig kühlend von innen. Ein eigenartiges, fast paradoxes Gefühl: Wie ein lauer Schwall, der zunächst Fülle schuf, dann rasch das Bedürfnis milderte, den Katheterbeutel zu leeren. Nach etwa fünf Minuten begann die Rücklaufphase: Der reine Spülstrom wechselte, die Schwester senkte den Beutel und ließ die erste Portion in eine Auffangflasche ablaufen. Felix bemerkte, wie die Lösung – nun leicht blassgelb – klarere Schleier von Restblutpartikeln mitnahm. Er empfand eine Art Erleichterung, als würde das Innere aufgeräumt. Die Spieler Messi, Neymar und Ronaldo erlebten den Vorgang ähnlich, jeder an sein eigenes Display angeschlossen. Trotz Schmerzmittel nahmen sie das kühle Ausdehnungsgefühl deutlich wahr – eine unterschwellige Spannung, die nach wenigen Minuten abebbte. Neymar musste kurz die Stirn runzeln, als die Spülflüssigkeit zuerst in die Blase drückte; Messi verfolgte interessiert den Tropf-Rhythmus; Ronaldo atmete gezielt gegen den Druck, bis ein spürbarer Nachlass kam. Suárez, im Nachbarzimmer, erhielt den identischen Ablauf. Auch er meldete nur ein „warmes Ziehen“ und war beeindruckt, wie rasch das Gefühl von Schwere zu Leichtigkeit wechselte, sobald die Flüssigkeit zurücklief. Abschluss Nach rund 20 Minuten war das Procedere beendet. Jeder Beutel war leer, die Auffangflaschen wurden zum Labor geschickt. Die Katheter wurden wieder sicher festgekoppelt, die Zugänge mit frischen Steriltüchern fixiert. Felix fühlte eine spürbare Frische von innen – als wäre ein innerer Juckreiz gelöscht. Die Spieler nickten ihm später wortlos zu: unangenehm, aber sinnvoll. In der Hitze dieses Frühsommers war jede Vorsorge willkommen, um sich keine zusätzliche Infektion einzuhandeln, während sie alle noch genug mit Prellungen, Schrammen und dem Ungewissen zu tun hatten. Der Nachmittag senkte sich leise über die Station, begleitet vom sanfteren Piepen der Monitore und einem allgemeinen Gefühl, zumindest im Innersten sauber gespült und bereit für die nächsten Stunden Heilung zu sein. 40. Tag – Dienstag, 24. Juni 2025 – Später Nachmittag: Überraschende Akut-Dialyse

Die Blutwerte, die das Labor nach der großen Spülung noch am frühen Nachmittag zurückbrachte, zeigten auffällige Kreatinin- und Harnstoffspitzen bei allen fünf Patienten. Nach Rücksprache mit dem diensthabenden Nephrologen entschied das Ärzteteam, eine provisorische Dialyse (CVVHD – kontinuierliche venovenöse Hämodiafiltration) einzuleiten. Ursache war vermutlich die Kombination aus Dehydratation nach dem Unfall, kurzfristigem Kreislaufschock und den hohen Temperaturen der letzten Tage. Anlage der Systeme • Gefäßzugang Bei Felix sowie bei Messi, Neymar, Ronaldo und Suárez legten die Ärzte einen großlumigen Shaldon-Katheter in die V. jugularis; der Einstich war unangenehm, aber durch Lokalanästhesie erträglich. Ein sanftes, dumpfes Druckgefühl blieb, als der Doppellumen-Schlauch fixiert und mit sterilen Verbänden gesichert wurde. • Geräuschkulisse Auf jeder Seite des Zimmers surrte nun ein kompaktes Dialysegerät. Das leise, rhythmische Pumpen – ein modulierendes „whup-whup-whup“ – mischte sich mit dem Dauerpiepen der Herzmonitore. Ein weißes Filtermodul glitzerte, wenn sich das dialysierbare Blut im Plastikzylinder drehte und zurückfloss. Wahrnehmung von Felix Sobald die Pumpe lief, spürte Felix zuerst ein diffuses Kältekribbeln entlang des Halses, als ob feine Eiswürfel durch die Vene schwebten. Kurz darauf kam ein leichter Schwindel: Das Gerät entzog ihm in kleinen Portionen Blut, reinigte es und führte es zurück. Nach wenigen Minuten stabilisierte sich der Kreislauf; die Schwester erklärte, dass sich der Körper an den langsameren Blutfluss gewöhnen müsse. Er spürte ein eigentümliches klar-frisch Gefühl – als würde der Kopf leichter, während eine angenehme Müdigkeit die Glieder durchflutete. Sein Unterleib, vorhin noch vom Spülkatheter gereizt, fühlte sich nun fast taub und schwerelos an. Wahrnehmung der Spieler • Messi: Er registrierte das gleiche Kälteband im Hals, schloss die Augen und atmete kontrolliert. Ein dezentes Frösteln wanderte über seine Schultern, doch danach stellte sich eine fast meditativ-ruhige Klarheit ein, als würde jeder Gedankenballast abgepumpt. • Neymar: Murmelte anfangs, das Surren erinnere ihn an einen langsam drehenden Stadion-Lüfter. Die kurzfristige Müdigkeit tauchte ihn in einen Dämmerzustand, in dem er den Herzschlag im Ohr hörte – gedämpft, aber stetig. • Ronaldo: Versuchte die Uhrzeit zu fokussieren, während die kühlere Rücklauf-Phase für kurze Sekunden Gänsehaut erzeugte. Er bemerkte ein Aufklaren der Sinne, als ob die Hitze der letzten Tage von innen heraus weggespült würde. • Suárez: Meldete lediglich ein „leichtes Flirren“ in den Händen und wunderte sich, wie rasch das Gefühl verging. Das Gesamtgefühl Die CVVHD lief in einem niedrig dosierten Modus – langsam, Geräusch gedämpft, fast wie ein gleichmäßiges Atmen der Maschinen. Keine Schmerzen, nur behutsames Ziehen, Kühle, hin und wieder ein leises Alarm-Piep, das das Pflegepersonal routiniert quittierte. Trotz Schläuchen und Technik empfanden alle fünf eine paradoxe Mischung aus Wehrlosigkeit und Erleichterung: Etwas passierte tief im Körper, übernahm still die Reinigung, verschaffte Frieden, ohne dass sie aktiv etwas tun mussten. Außen hüteten Pumpen ihr Blut – innen begann ein vorsichtiges Gefühl von „leichter werden“.

Die Dialyse sollte sechs Stunden dauern, danach würden neue Laborwerte entscheiden, ob sie fortgesetzt werden müsse. Während der Nachmittag in Abendlicht überging, lagen Felix und die vier Spieler still da, jeder mit eigenem Kopfhörer oder geschlossenen Augen – begleitet vom sanften, maschinellen „whup-whup-whup“, das in dieser Situation wie das nötige Hintergrundrauschen einer zweiten, maschinellen Lunge klang. 40. Tag – Dienstag, 24. Juni 2025 – Abend: Der diagnostische Marathon Kaum hatte die Dialyse gegen 19 Uhr ihr leises Surren eingestellt, begann für Felix und die vier Spieler ein regelrechter Untersuchungs-Parcours. Das Ärzteteam wollte nach dem Crash jede Spätfolge ausschließen. Noch immer leicht benommen, wurden sie nacheinander in mobilen Betten von Station zu Station geschoben – ein Karussell aus blinkenden Gängen, summenden Geräten und gedämpften Stimmen. 1 | EKG & EEG Im Funktionsraum klebte eine Schwester silberne Elektroden auf Brust, Schultern und Knöchel – das Zwölf-Kanal-EKG. Die Druckknöpfe knackten, dann zeichnete der Monitor grüne Zacken. Felix hörte sein eigenes Herz als knackendes Metronom, spürte jede leichte Verschiebung der Brustelektroden. Anschließend folgten die EEG-Elektroden am Schädel: kontaktkühles Gel, Gummibänder über der Stirn, ein surrealer Moment, in dem jeder Gedanke von Flimmern und leisem Kratzen begleitet wurde. Auch die Spieler lagen still; nur das gelegentliche Piepen verriet, dass komplexe Kurven mitliefen. 2 | Röntgen-Thorax Wenig später: Röntgenraum, kaltes Neonlicht. Felix musste – so gut es ging – aufrecht sitzen; Metallplatte im Rücken, Atem anhalten, „nicht bewegen“. Ein kurzer Sirr-Klick, dann war die Aufnahme fertig. Dasselbe Prozedre für die anderen. Das Bild suchte nach verborgenen Rippenfrakturen, Pneumothorax, Herzsilhouetten. 3 | Ultraschall Abdomen Der Radiologe führte den warmen Gelkopf unter den Katheterbeutel: Leber, Niere, Milz, Darm – ein wandender Graustufenfilm auf dem Bildschirm. Felix empfand das Ultraschallgel zunächst schockartig kühl, dann beruhigend, fast wie eine zähe, gleitende Massage. Bei den Spielern dasselbe: Ein tiefer, stiller Scan, der bestätigte: keine innere Blutung, keine Ruptur. 4 | CT & MRT Gegen 21 Uhr rollte man Felix in die computertomografische Röhre. Kontrastmittel lief in die Vene – ein Sekundenbrand im Arm, dann ein schnell wanderndes Hitzegefühl bis in den Hals. Der Tisch fuhr, Laserkreuze tasteten seine Brust. Aus dem Lautsprecher: „Tief einatmen, Luft anhalten.“ Rasendes Surren, dann ruckte der Tisch zurück. Direkt im Anschluss kam das MRT. Ohrstöpsel, Kopfhörer, dann das dröhnende „KlonkKlonk-Klonk“, tief wie Vorschlaghammer gegen Stahl. Felix zählte die Paukenschläge, spürte milden Druck im Innenohr. Ronaldo und Neymar, die parallel untersucht wurden, beschrieben später beide ein Echo im Kopf – als würde das eigene Herz in einer Blechdose schlagen. Abschluss gegen 23 Uhr Zum Schluss brachte man alle fünf zurück auf die Intensivstation. Monitore klickten sich wieder in ihre Halterungen, Katheter wurden kontrolliert, Infusionsschläuche neu entlüftet. Ein letzter kurzer Blick der diensthabenden Oberärztin auf die CT- und MRT-Schnitte: keine Hirnblutung, keine vaskulären Risse, keinerlei Organläsion – nur Prellungen, Hämatome und die bekannten Quetschungen.

Felix atmete kaum hörbar auf. Die Spieler taten es ihm gleich – jeder auf seinem Bett, jeder mit eigenen Pflastern und Zugängen. Das Licht wurde gedimmt, die Station glitt in ein leises Nachtrauschen. Alle Untersuchungen waren abgeschlossen. Jetzt zählte nur noch eines: Ruhen, heilen – und darauf vertrauen, dass die Technik und die Menschen um sie herum das Schlimmste bereits hinter ihnen gelassen hatten. 50. Tag – Freitag, 4. Juli 2025 – Entlassung aus dem Universitätsklinikum Mainz Zehn Tage waren vergangen, seit Felix und die vier Spieler in der Nacht des Zusammenstoßes auf der Intensivstation angekommen waren. Das surrende Dialysegerät war längst verstummt, die Katheter entfernt, die Prellungen blühten nur noch als gelbe Schatten unter der Haut. Die letzten Kontroll-CTs bestätigten das, was alle hofften: keine Spätblutungen, keine verdeckten Frakturen. Jetzt stand der große Schritt an – Entlassungstag. Entlassungsgespräche Am Vormittag versammelten sich die Stationsärztin, eine Physiotherapeutin und die Chefpflegekraft im Zimmer. Für jeden lag ein Entlassungsbrief bereit: Patient Befunde Medikamente / Hilfsmittel Nachkontrollen • Antiepileptikum (wie zuvor) • Schädel-Prellung, • Neuro-Ambulanz in 2 5 Tage Ibuprofen 600 mg • Felix Rippenkontusion, keine Wochen • Hausarzt in 7 Povidon-Salbe für Katheterinneren Verletzungen Tagen einstich Hämatom rechtes Knie, • Paracetamol • 10 Tage • Orthopädie in 10 Ronaldo Zerrung BWS Kompressionsverband Tagen • Diclofenac Gel • Atem• Lungenfunktion in 14 Messi Leichte Thorax-Prellung training Tagen Distorsion rechtes • Volar-Schiene 14 Tage • • Röntgen-Kontrolle in Neymar Handgelenk Naproxen 10 Tagen SLAP-Läsion Schulter • Physio 3×/Woche • • MRT-Verlauf in 6 Suárez (nicht-OP) Kühlpacks Wochen Ärztliche Anweisungen für alle fünf 1. Keine Kontaktsportarten für mindestens vier Wochen. 2. Tägliche Mobilisation: 2 × 15 min Gehen oder leichtes Radeln. 3. Flüssigkeit: > 2 Liter am Tag – wichtig nach der kurzzeitigen Dialyse. 4. Wundpflege: Einstichstellen 2-mal täglich mit Povidon reinigen; Alarmzeichen (Rötung, Fieber) sofort melden. 5. Physio‐Start: innerhalb von 72 Stunden. Die Klinik stellte direkte Termine bereit. 6. Psychologische Nachsorge empfohlen – Trauma-Sprechstunde, wenn Albträume / Flashbacks auftreten. Abfahrt vom Klinikgelände Kurz vor Mittag signierte Felix die letzten Papiere. Ein Transportdienst stellte einen Kleinbus, der alle fünf nach Hause brachte. Der Himmel war wolkenlos, die Luft roch nach Lindenblüten – so anders als das bleiche, klimatisierte Kliniklicht. Messi stützte Felix beim Einsteigen; Ronaldo trug eine kleine Tasche mit Verbandsmaterial, Neymar balancierte die Röntgen-CDs, Suárez schob das neugestrichene Ersatz-Rollstuhlgestell, das während des Klinikaufenthalts vom Technikdienst justiert worden war. Alle lachten kurz, als sich das Busradio einschaltete und zufällig „Don’t Stop Believin’“ spielte. Zu Hause: ein neuer Rhythmus

Am späten Nachmittag rollten sie in die vertraute Wohnstraße. Die Mutter wartete bereits mit frisch bezogenen Betten, der Vater – spürbar kleinlaut seit dem Unfall – hatte den Kühlschrank gefüllt und eine Rampe an der Haustür montiert. Felix setzte sich auf das Sofa, atmete tief ein: kein Piepen von Monitoren, keine Neonröhren, nur das leise Surren des Ventilators. Die vier Spieler verteilten sich in der Wohnung, jeder noch etwas steif, aber sichtlich erleichtert. Vor ihnen lagen Wochen der Schonung, der Reha-Termine, aber auch der Rückkehr ins Leben – ohne Maschinenrauschen, dafür mit klaren Regeln, verordnet von Ärzten und angenommen im eigenen Tempo. Der Abend endete ruhig: ein leichter Nudelsalat, ein alkoholfreies Bier, frühes Zubettgehen. Felix legte die Entlassungsmappe auf den Nachttisch. Draußen klapperte eine Straßenbahn, als wolle sie sagen: Willkommen zurück im Alltag – Schritt für Schritt. Morgen des 51. Tages – Samstag, 12.07.2025 Felix wurde an diesem Morgen schon kurz vor sieben Uhr wach. Durch das gekippte Fenster drang kühle Luft herein, und draußen hörte er das ferne Rattern einer Straßenbahn in Mainz. Seine Beine fühlten sich noch immer schwer an, und der Druckverband an seiner Seite juckte leicht. Vorsichtig richtete er sich im Bett auf. Der Rollstuhl stand ordentlich neben der Kommode – frisch geputzt von Messi am Vorabend. Auf dem Nachttisch blinkte leise der Wecker: 07:02 Uhr. Im Flur war es still. Seine Mutter schlief noch, und auch von seinem Vater kam kein Geräusch. Diese Ruhe fühlte sich wie eine zarte Schutzschicht an. Felix atmete tief ein. Heute ist der 51. Tag, ging es ihm durch den Kopf, der 12. Juli 2025. Ein Datum, das sich fast wie eine kleine Marke in seinem Heilungsweg anfühlte. Er griff nach seiner Brille, setzte sie auf und prüfte kurz seinen Katheter sowie die EpilepsieMedikamenten-Schachtel. Alles in Ordnung. Dann schob er sich mit geübter Bewegung in den Rollstuhl, rollte zur Tür und öffnete sie leise, um niemanden zu wecken. Im Wohnzimmer war das frühe Sonnenlicht ein weicher Goldstreifen auf dem Teppich. Auf dem Couchtisch lag schon vorbereitet ein PlayStation-Controller – Cristiano Ronaldo hatte ihn gestern Abend dort hingelegt, mit einem Post-it: „Morgen früh Revanche! CR7 “. Genau in diesem Moment hörte Felix Schritte auf der Treppe. Cristiano erschien im Türrahmen, noch mit leicht zerzausten Haaren, in einem dunkelblauen Trainingsanzug. Er lächelte sofort, als er Felix sah. „Bom dia, Felix! Bereit? Heute zeige ich dir, wie man richtig kontert“, sagte er halblaut, um niemanden zu wecken. Felix lächelte zurück und spürte dieses warme Kribbeln von Sicherheit. „Ja… aber heute spiel ich Mainz 05. Du nimmst Juventus oder so.“ Cristiano lachte. „Abgemacht. Aber keine Gnade.“ Cristiano holte zwei Wasserflaschen aus der Küche und stellte sie neben den Fernseher. Gemeinsam schalteten sie die Konsole ein. Das Startmenü von FIFA erschien, das vertraute Geräusch der Musik füllte den Raum. Während das Spiel lud, legte Cristiano Felix vorsichtig ein kleines Kissen zwischen Rücken und Rollstuhllehne, damit er bequemer saß. „Danke“, murmelte Felix. „Immer“, antwortete Cristiano ruhig. Sie wählten die Teams: Felix wählte Mainz 05, Cristiano scrollte kurz und entschied sich für Real Madrid, „nur für die Nostalgie“, wie er grinsend erklärte. Anstoß. Die ersten Minuten wirkten wie ein Ritual: Felix tastete sich in die Steuerung, seine Finger noch etwas steif. Cristiano spielte schnell, kurzpasslastig, aber ließ Felix Raum, um ins Spiel zu finden. Nach fünf Minuten In-Game-Zeit kam der erste Angriff: Felix flankte mit seinem virtuellen Außenverteidiger, der Ball segelte in den Strafraum – Kopfball! Pfosten. Felix zuckte zusammen, dann lachte er, ein helles, ehrliches Lachen, das Cristiano ansteckte. „Fast!“, lobte Cristiano. „Noch einmal so und du führst.“

Während sie weiterspielten, spürte Felix, wie seine innere Anspannung – die restliche Angst vor neuen Angriffen, vor Frau M., vor der nächsten Untersuchung – langsam weicher wurde. Jeder Pass, jede Parade war wie ein Stück Normalität. Draußen begann eine Amsel zu singen. Im Haus knarrte irgendwo ein Brett, aber niemand störte sie. In der 38. Spielminute passierte es: Ballgewinn im Mittelfeld, schneller Doppelpass, Felix drückte im richtigen Moment auf Schuss – Tor für Mainz 05! Der Kommentator im Spiel rief eine übertriebene Jubelsequenz, und Felix warf die Arme hoch. Cristiano klatschte ihn ab. „Siehst du? Dein Timing wird besser.“ Felix’ Bauch zog leicht, eine Erinnerung an die inneren Verletzungen, also atmete er langsamer und trank einen Schluck Wasser. Cristiano bemerkte den kurzen Schmerzblick und fragte leise: „Alles okay?“ Felix nickte. „Ja. Ich… ich hab einfach Spaß gerade.“ „Gut. Genau das ist der Plan für diesen Morgen“, antwortete Cristiano. Sie starteten in die zweite Halbzeit. Währenddessen hörte Felix, wie seine Mutter leise die Küchentür öffnete. Der Duft von aufgebackenen Brötchen schlich durch den Raum. Sie warf einen Blick hinein, sah die beiden und lächelte müde, aber erleichtert. Kein Streit, keine Spannung – nur Spiel. Das Match endete schließlich 2:1 für Felix’ Mainz 05 nach einem späten Kontertor. Cristiano stand auf, verbeugte sich theatralisch und sagte: „Der Meister verneigt sich vor dem neuen Meister.“ Felix wurde ein bisschen rot vor Stolz. „Wollen wir danach frühstücken?“, fragte Cristiano. „Und später vielleicht eine kleine Runde an die frische Luft – nur wenn du dich fit fühlst.“ Felix nickte. „Ja… aber erst will ich das Replay vom Tor speichern.“ Cristiano half ihm durch die Menüs, speicherte das Highlight. Für einen Moment war alles friedlich: keine Bedrohung, keine Krankenhausgeräte – nur ein junger Mann im Rollstuhl und ein Weltstar, die den Morgen des 51. Tages mit FIFA begannen. So begann dieser 12.07.2025: ruhig, freundlich und mit einem kleinen Sieg für Felix. Abend des 51. Tages – Samstag, 12. 07. 2025 Die Sonne stand schon tief über dem Rhein, als Felix gegen 18 Uhr die Rampe vor dem Haus hinunterrollte. Die Pflastersteine reflektierten das warme Licht, und der Asphalt roch nach einem heißen Julitag. Cristiano hielt die Haustür auf, während Messi den Rollstuhl mit einer Handbremse sicherte. Neymar und Suárez luden sich gegenseitig mit halbvollem Ernst zu einem internen Kopfball-Duell ein, bis Neymars Ball auf der Motorhaube von Ronaldos Van landete und ein leises Plong erzeugte. Alle lachten—sogar Felix’ Vater, der im Hemd mit aufgekrempelten Ärmeln dabei stand. Felix blinzelte überrascht über das seltene Lächeln seines Vaters. Seit dem Krankenhausaufenthalt hatte der Mann zwar kaum Ausfälle gezeigt, doch irgendetwas Lauerndes hing immer in der Luft. Heute jedoch wirkte er entschlossen, sich zusammenzureißen. Vielleicht lag es daran, dass sie einen neutralen Ort gewählt hatten: den Alten Zollhafen. Dort, direkt am Wasser, gab es eine neue Freiluft-Bar namens “Pier-Pinte” – Holzbohlen, Lichterketten und lange Biertische mit Blick auf Schiffe, die gemächlich in den Abend glitten. Ankunft an der Pier-Pinte Als sie das Hafengelände erreichten, schlug den Freunden eine kühlere Brise entgegen. Felix spürte das leichte Kribbeln der Abendluft auf seiner Haut und richtete instinktiv den Kragen seines Trikots. Ronaldo parkte den Van, Messi öffnete die Seitentür, und mit geübten Handgriffen halfen sie Felix auf die breite Gangway aus Holz. Am Tresen begrüßte sie ein bärtiger Barkeeper: „Servus zusammen! Was darf’s sein?“ • Vater: „Für mich ein Kellerbier.“ • Cristiano: „Ich nehm ein alkoholfreies Weizen.“

Messi: „Dasselbe.“ Neymar zwinkerte: „Haben Sie Caipirinha? – Ach so, wir bleiben bei Bier? Na gut, Radler.“ • Suárez hob zwei Finger: „Ein Pils für mich und für den jungen Mann hier…?“ Alle schauten zu Felix. Wegen der Epilepsie-Medikamente hatte er Alkoholverbot, doch wollte er nicht außen vor sein. „Ein Malz-Bier“, sagte er entschieden. Das süße Getränk tropfte golden in sein Glas und roch nach Karamell. In der Abendsonne funkelten die Getränke wie Bernstein. • •

Das Gespräch mit dem Vater Sie setzten sich an einen Tisch direkt am Geländer. Unter ihnen plätscherte Wasser gegen alte Kaimauern. Ein Ausflugsschiff hupte, Möwen kreischten weit entfernt. Kurz entstand ein Schweigen – das erste, merklich fragile Moment des Abends. Cristiano überbrückte es, indem er einen Toast aussprach, halb im Scherz, halb in Ernst: „Auf Regeneration, Teamgeist und … weniger Unfälle in Zukunft!“ Alle stießen an, auch Felix’ Vater. Er nahm einen großen Schluck, wischte sich über den Mund und stellte das Glas ab. Seine Stimme klang rau, aber kontrolliert: „Felix, ich … ich hab in letzter Zeit viel Mist gebaut. Ich merk das. Ich will’s besser machen.“ Ein kurzer Blick wanderte zu den Spielern, dann zurück zu seinem Sohn. „Die da“ – er nickte Richtung Ronaldo & Co. – „scheinen dir wichtig zu sein. Also … danke an euch, dass ihr auf ihn aufpasst.“ Ronaldo erwiderte freundlich, fast formell: „Er passt auch auf uns auf. Wir sind ein Team.“ Messi legte eine Hand auf Felix’ Schulter, während Neymar ein schelmisches „Und er schlägt uns alle in FIFA“ einschob. Suárez lachte laut, ein tiefes, ehrliches Lachen, das die Anspannung einen Moment lang wegspülte. Kleiner Wettbewerb: Bierdeckel-Jonglage Nach einigen Minuten kam der Barkeeper mit einem Stapel biegsamer Bierdeckel zurück, grinste breit und fragte: „Habt ihr Lust auf ’ne kleine Challenge? Wem’s gelingt, drei Deckel mit dem Ellbogen hochzuschnippen und wieder zu fangen, kriegt ’ne Runde Brezeln aufs Haus.“ Neymar war sofort entflammt. Er versuchte es, versagte spektakulär, und die Deckel flogen kreuz und quer. Suárez fing einen Deckel im Flug mit den Zähnen, was Gelächter auslöste. Dann wollte Felix’ Vater es wissen: Er legte drei Deckel aufgestapelt auf den Ellbogen, schlug nach oben, doch sie wirbelten weit davon. Einer landete im Malzbierglas seines Sohnes, schäumte und spritzte. Felix lachte laut – und der Vater steckte die Hände in die Hüften, lachte mit, anstatt wütend zu werden. Ein ungewohnt wohliges Gefühl breitete sich aus. Zum Schluss nahm Ronaldo einen einzelnen Deckel, schnippte ihn in einem sauberen Bogen, fing ihn mit der anderen Hand auf und verbeugte sich. Der Barkeeper tat so, als sei das die krönende Leistung, und brachte einen riesigen Teller Salzbrezeln. Sie teilten sich das Gebäck, während die Lichterketten langsam zu glimmen begannen. Ein Spaziergang am Kai Die Spieler beschlossenen, etwas Bewegung zu machen. Messi schlug vor, die Rollstuhlfreundliche Rampe am Ende des Kais hochzufahren, wo man einen perfekten Blick auf das beleuchtete Stadtpanorama hatte. Felix’ Vater drückte den Rollstuhl leicht von hinten, ein vorsichtiger, beinahe zärtlicher Schub. Felix bemerkte den Respekt in seinen Bewegungen – kein Ruck, kein Hast. Oben angekommen, breitete sich die abendliche Silhouette von Mainz aus: die Türme des Doms, das funkelnde Lichterband entlang der Uferpromenade, und am Himmel erste Sterne, die hinter rosigem Dunst auftauchten. Neymar zückte sein Handy für ein Selfie. Alle rückten

zusammen; Felix saß in der Mitte, Cristiano hockte sich neben ihn, der Vater stand hinter Felix’ Schulter. Der Auslöser klickte, das Foto zeigte ungewohnt viele entspannte Gesichter. Unausgesprochene Schatten Doch während sie so standen, bemerkte Messi eine schmale Gestalt unten am Kai, die kurz in ihre Richtung blickte und dann im Schatten verschwand. Er sagte nichts, musterte jedoch aufmerksam die Umgebung. Der Name Frau M. tauchte für einen Sekundenbruchteil in seinem Kopf auf. Er nahm sich vor, später mit Ronaldo diskret zu reden. Felix bemerkte nur einen leichten Seitenblick Messis und fragte: „Alles gut?“ „Alles bestens“, log Messi sanft. „Vielleicht gleich noch ein Wasser holen?“ Abschluss der Szene Die Gruppe rollte und schlenderte zurück zur Pier-Pinte, die mittlerweile in warmem, goldenem Laternenlicht badete. Musik drang aus versteckten Lautsprechern—ein langsamer Samba-Rhythmus, den Neymar unwillkürlich mitwippte. Am Nachbartisch winkten zwei Fans Ronaldo zu; er hob nur freundlich die Hand, um Felix nicht aus dem Fokus zu nehmen. Der Abend war noch jung. Ihr Tisch wartete, die Biergläser waren halbvoll, und die Schüssel Brezeln erst zur Hälfte geleert. Ein Rheinschlepper hupte, als er stromaufwärts fuhr, und brachte eine angenehme Vibration durch das Holzdeck. Für den Moment fühlte sich alles friedlich an – nicht perfekt, aber möglich. Dort, zwischen Lichterketten und Wasserrauschen, blieben sie sitzen: Felix, sein Vater und die vier Fußball-Freunde, vereint in einer stillen Abmachung, den Rest des Abends auszukosten, ehe die Nacht sie irgendwann nach Hause treiben würde. Doch noch war dieser Moment ihr ganz eigener kleiner Hafen. Frühe Nacht des 51. Tages – Samstag, 12.07.2025 (gegen 22:30 Uhr) Die Lampions der „Pier-Pinte“ glühten noch sanft, als sich die Stimmung am Tisch langsam veränderte. Felix hatte längst sein Malzbier ausgetrunken und die Spieler stießen noch einmal an, diesmal mit Wasser. Sein Vater wirkte entspannt, beinahe ungewohnt ruhig, aber die Müdigkeit kroch ihm in die Züge. Er sah auf die Uhr und räusperte sich. „Ich… glaube, ich mach mich langsam auf den Weg“, sagte er leise. „Der Tag war lang. Ich bin froh, dass alles so gut lief.“ Sein Blick wanderte zu Felix, und für einen Moment blitzte eine Wärme auf, die selten geworden war. „Danke… für heute.“ Felix nickte vorsichtig, ein kleines Lächeln formte sich. Kein Streit. Kein Zorn. Nur Worte. Ronaldo erhob sich ebenfalls, um dem Vater die Hand zu geben. „Gute Heimfahrt. Wir bringen Felix sicher nach Hause – oder…?“ Er warf einen verschwörerischen Blick zu Felix. Der lächelte plötzlich schüchtern, aber entschlossen: „Ich… wollte eigentlich noch ein bisschen raus. Vielleicht zur Uni. Pokémon Go-Spot. Und ich muss noch in den Automatenladen am Campus.“ Der Vater zögerte. Früher hätte er vielleicht widersprochen, aber heute nickte er. „Na gut. Aber nicht zu spät.“ Er tippte sich an die Schläfe wie zum Gruß und verschwand in Richtung Parkplatz. Felix spürte einen kleinen Knoten in der Brust, der sich löste, als das Motorengeräusch in der Ferne verklang. Die spontane Mission „Also, Uni-Tour bei Nacht?“, fragte Neymar und rieb sich die Hände. „Ich bin dabei!“ Messi grinste kurz, während Suárez überlegte, wie er in Mainz mitten in der Nacht Pokémon jagen sollte. Ronaldo übernahm die Initiative: „Okay, Felix. Guide uns. Wo müssen wir hin?“ Felix öffnete die Pokémon-Go-App. Sofort ploppte eine Meldung auf: „Raid in der Nähe: Relaxo – endet in 29 Minuten!“ Seine Augen leuchteten. „Leute, das ist perfekt! Relaxo ist selten. Wir müssen zur Uni!“

Messi half ihm in den Van, sicherte den Rollstuhl, während Neymar bereits mit der App herumspielte und versuchte, ein Pokéball-Curve-Throw-Tutorial von Felix zu bekommen. Suárez murmelte: „Ich mach das nur, wenn es am Ende was zu essen gibt.“ Ankunft am Campus – Mainz bei Nacht Die Johannes Gutenberg-Universität lag still in der warmen Sommernacht. Nur vereinzelt brannten Lichter in Bibliotheksfenstern. Die Bäume warfen lange Schatten, und über den Wegen flimmerten gelbe Laternen. Ein lauer Wind strich über den Asphalt, vermischt mit dem Duft von Linden und fernem Grillrauch von irgendeiner Studentenparty. Felix’ Herz schlug schneller. Es war das erste Mal seit dem Unfall, dass er so spät draußen war – und dann noch an der Uni. Der Campus wirkte wie eine eigene kleine Welt, beinahe magisch im Dunkeln. Ronaldo parkte den Van am großen Platz vor der Zentralbibliothek. „So, Team. Wo ist der Boss?“ Felix hob das Handy. „Dort drüben, beim Philosophicum. Zwei Minuten zu Fuß.“ Messi griff ohne viele Worte nach den Griffen des Rollstuhls, schob Felix in Richtung des Gebäudes. Neymar lief vornweg und rief: „Oh, schaut mal, da ist ein Pokéstop! Ich brauch Bälle!“ Suárez schüttelte den Kopf, aber ein Grinsen blitzte auf. „Ihr seid verrückt.“ Das große Relaxo-Raid Am Brunnen vor dem Philosophicum sammelte sich eine kleine Gruppe anderer Spieler. Studenten in Hoodies, ein Paar mit Fahrrädern – niemand schenkte Ronaldo, Messi, Neymar und Suárez mehr als einen schnellen Blick. Wer würde auch erwarten, dass Weltstars nachts auf einem Unicampus Pokémon fangen? Felix fühlte dieses angenehme Kribbeln der Zugehörigkeit. Hier war er nicht „der Junge mit Rollstuhl und Epilepsie“. Hier war er Trainer Felix, Level 43, bereit für einen Raid. Ronaldo beugte sich über sein Handy, völlig konzentriert. „Ich setz meinen stärksten Mewtu ein. Den hab ich gestern bei dir gelernt.“ „Sehr gut“, lobte Felix. „Wir müssen schnell angreifen. Relaxo hält viel aus.“ Der Countdown lief. Zehn… neun… Felix’ Hände zitterten leicht, aber nicht vor Angst – vor Aufregung. Die Attacken prasselten auf das digitale Relaxo ein, die Lebensleiste schrumpfte. Neymar kommentierte lautstark: „Komm schon, mein Machomei, hau ihn weg!“ Messi grinste still, während sein Dragoran den letzten Schlag setzte. „Boss besiegt!“ flimmerte über den Bildschirm. „Jetzt kommt das Schwerste“, sagte Felix mit feierlicher Stimme. „Das Fangen.“ Die PremierBälle rollten, Ronaldo fluchte leise auf Portugiesisch, Neymar sprang auf und jubelte: „Yes! Gefangen!“ Messi zeigte nur sein Display: Relaxo – gefangen. Felix drückte zitternd den Wurfknopf – kritischer Fang! Sein Herz machte einen Sprung. Er sah auf: „Ich… hab ihn!“ Alle klatschten ab, sogar Suárez, der vorgab, nicht interessiert zu sein, aber verstohlen sein eigenes Handy wegsteckte. Der Automaten-Laden Nach dem Raid schlug Felix vor, noch schnell zum kleinen 24h-Automaten-Shop hinter der Mensa zu fahren. „Ich brauch neue Kopfhörer. Meine alten sind… na ja, kaputt.“ Messi nickte sofort. „Klar, machen wir.“ Der Laden leuchtete wie ein schmaler, heller Streifen in der Dunkelheit. Drinnen roch es nach Plastik und Chips, die Regale waren voller Energy-Drinks, Süßigkeiten und Technik-Kleinkram. Felix wählte ein schlichtes Paar In-Ear-Kopfhörer. Neymar bestand darauf, ihm zusätzlich eine Packung Kaubonbons zu kaufen („Für die Siegesfeier!“). Ronaldo legte ungefragt einen Gutschein für ein Online-Spiel dazu, den er an der Kasse entdeckte. „Für den nächsten FIFADLC“, sagte er augenzwinkernd.

An der Kasse hielt Felix kurz inne. Früher hätte er sich klein gefühlt, abhängig. Jetzt war da ein anderes Gefühl – wie ein Hauch von Freiheit, auch wenn er noch Hilfe brauchte. Ich hab Freunde, dachte er. Echte Freunde. Rückweg – und ein stilles Versprechen Auf dem Weg zurück zum Van war der Himmel tiefblau, erste Sterne funkelten über den Dächern des Campus. Messi schob den Rollstuhl schweigend, bis Felix plötzlich fragte: „Messi… fühlst du dich manchmal frei, wenn keiner erkennt, wer du bist?“ Messi sah in die Nacht, dann senkte er den Blick zu Felix und lächelte sanft. „Ja. Genau jetzt.“ Ronaldo startete den Motor, Neymar schickte noch schnell ein Selfie in die gemeinsame WhatsApp-Gruppe („Raid-Kings“), und Suárez murmelte, dass er jetzt aber wirklich Hunger habe. Felix blickte ein letztes Mal auf den Campus, auf die flackernden Laternen, auf die Wasserpfützen vom Sprenger, die wie kleine Spiegel wirkten. In diesem Moment schwor er sich: Solche Nächte will ich mir nicht mehr nehmen lassen – egal, wie schwer der Weg war oder noch wird. Als der Van in die stille Mainzer Nacht rollte, war Felix müde, aber glücklich. Und irgendwo, aus dem Schatten hinter einer Litfaßsäule, beobachteten sie wieder dieselben kalten Augen – Frau M. war nicht weit. Doch das ahnte niemand. 52. Tag – Sonntag, 13.07.2025 Der Morgen begann ungewöhnlich still. Als Felix die Augen öffnete, war das Haus bereits in sanftes Licht getaucht. Keine Straßenbahn quietschte, keine Nachbarn liefen eilig durch den Hausflur – es war Sonntag. Felix drehte den Kopf, sah auf den kleinen digitalen Wecker auf seinem Nachttisch: 08:47 Uhr. Seine Hand wanderte automatisch zu den Medikamenten. Mit ruhigen, routinierten Bewegungen nahm er die Epilepsie-Tabletten, spülte sie mit einem Glas Wasser hinunter. Danach blieb er noch einen Moment sitzen, lauschte dem gleichmäßigen Ticken der Uhr. Im Wohnzimmer war es leer, aber auf dem Couchtisch lag ein Zettel, sorgfältig geschrieben, in der ordentlichen Schrift von Cristiano: „Felix, wir schlafen etwas länger aus. Heute keine Termine, keine Action. Du bestimmst den Rhythmus. Wenn du etwas brauchst, ruf. – C.“ Felix lächelte. Heute war sein Tag – ohne Krankenhausbesuche, ohne Erklärungen, ohne neue Abenteuer. Ein Tag, um sich zu sammeln. Später Vormittag – Die Ruhe nach Wochen voller Chaos Er schob sich im Rollstuhl zum großen Wohnzimmerfenster. Draußen lag Mainz friedlich im Sonntagsmodus. Die Bäume bewegten sich kaum, und die Sonne spiegelte sich auf den noch feuchten Pflastersteinen der Straße. Felix atmete tief ein, spürte ein leises Ziehen in der Seite, wo die Narben vom Unfall noch heilten. Aber es war ein erträglicher Schmerz – eine Erinnerung daran, dass er überlebt hatte. Er zog den Vorhang ein Stück zur Seite, ließ Licht herein und rollte dann zum Regal, wo seine PlayStation stand. Die Controller waren ordentlich gestapelt, zwei davon lagen noch am Ladekabel – ein Überbleibsel von gestern. Er startete die Konsole, ließ FIFA laden. Aber er spielte nicht sofort. Stattdessen scrollte er durch die Galerie, wo er und Cristiano die Highlights von gestern gespeichert hatten. Das 2:1-Tor mit Mainz 05 lief in Endlosschleife. Felix grinste und spürte, wie sich etwas in ihm löste – so, als ob das Leben endlich wieder einen Funken Normalität enthielt. Frühstück – Eine stille Runde

Gegen zehn Uhr kam Messi leise aus dem Gästezimmer, barfuß, in einem schlichten grauen Shirt und Jogginghose. Sein Haar war zerzaust, und in der Hand hielt er eine Tasse Kaffee. „Morgen, Felix“, murmelte er, setzte sich auf die Couch. Ein paar Minuten später trudelten auch Ronaldo, Neymar und Suárez ein – müde, aber gut gelaunt. Neymar setzte sich im Schneidersitz auf den Boden und begann, eine Tüte Cornflakes direkt aus der Packung zu essen. „Heute… kein Stress, ja?“, sagte Messi mehr zu sich selbst als zu den anderen. „Definitiv“, stimmte Ronaldo zu, während er sich einen Apfel schnappte. „Ein Tag nur für dich, Felix.“ Felix nickte dankbar. Er fühlte sich sicher, geborgen in dieser Runde. Kein Gedränge, kein Druck – nur Ruhe. Der Nachmittag – Kleine Dinge, die zählen Nach dem Frühstück verzogen sich die Spieler in verschiedene Ecken des Hauses. Neymar verschwand in ein Telefonat mit Brasilien, Ronaldo schrieb Nachrichten und checkte Trainingspläne, Messi las ein Buch, und Suárez schlief einfach auf dem Sofa ein. Felix nutzte die Gelegenheit, sein Zimmer zu ordnen. Er stellte die Kopfhörer vom Automaten-Laden sorgfältig auf den Schreibtisch, schloss sie ans Tablet an und hörte Musik – leise, um niemanden zu stören. Dann öffnete er Pokémon Go, sah auf die Karte, aber beschloss, heute keine Raids zu machen. Er wollte nicht raus, nicht nach dem gestrigen Abend voller Eindrücke. Heute sollte die Welt draußen bleiben. Gegen 14 Uhr setzte er sich wieder an die Konsole. Diesmal spielte er allein. Karriere-Modus. Mainz 05 in der Champions League – ein Traum, den er sich virtuell erfüllte. Jedes Tor, das er erzielte, fühlte sich wie ein stiller Sieg an. Und während die Controller-Vibration unter seinen Fingern brummte, dachte er: Vielleicht kann ich doch stark sein. Vielleicht bin ich mehr als das, was sie mir immer eingeredet haben. Später Nachmittag – Ein Gespräch ohne große Worte Als Felix den Fernseher ausschaltete, war der Himmel draußen von einem warmen Gold überzogen. Messi saß noch immer am Fenster, sein Buch geschlossen, und beobachtete die Straße. Felix rollte zu ihm, ohne ein bestimmtes Ziel. Messi sah auf, lächelte schwach. „Alles okay?“, fragte er sanft. Felix nickte, dann zögerte. „Messi… fühlst du dich manchmal… müde? Nicht körperlich, sondern hier drin?“ Er tippte sich an die Schläfe. Messi schwieg kurz, dann nickte. „Ja. Aber… weißt du, was hilft? Menschen, die dich nicht verurteilen. Menschen, die einfach… da sind.“ Felix sah auf seine Hände, spürte einen Kloß im Hals. Er sagte nichts, aber in ihm wuchs ein Gefühl – etwas zwischen Dankbarkeit und Traurigkeit. Vielleicht war das, was er so lange gesucht hatte, genau dieser Moment: ein stilles Verständnis. Abend – Die Wärme eines Zuhauses Das Abendessen war simpel: belegte Brötchen, frisches Obst, ein paar Snacks. Neymar schlug vor, einen Film zu schauen. „Etwas Lustiges, nichts Schweres“, meinte er. Am Ende entschieden sie sich für eine Komödie. Felix saß im Rollstuhl zwischen Ronaldo und Messi, eine Decke über den Beinen. Er lachte an den richtigen Stellen, manchmal sogar so sehr, dass ihm die Tränen kamen. Als der Abspann lief, war es still im Raum. Keiner sprach, aber die Atmosphäre war weich, fast zärtlich. Felix’ Blick wanderte zu den Spielern – vier Weltstars, die für ihn wie eine Familie geworden waren. Für heute gab es keine Schatten, keine Drohungen, keine kalten Augen, die aus der Ferne lauerten. Nur Wärme.

Draußen summte die Nacht leise, und irgendwo in Mainz glühten die Straßenlaternen. Felix legte den Kopf zurück, schloss die Augen und ließ den Tag ausklingen – einen Tag ohne Dramen, einen Tag, den er gebraucht hatte. 53. Tag – Montag, 14.07.2025 Der Montag begann mit dem Duft von frischer Luft, die durch das gekippte Fenster hereinströmte. Es war schon später Vormittag, als Felix die Augen öffnete. Ein Blick auf den Wecker verriet ihm: 10:18 Uhr. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er bemerkte, dass die Spieler diesmal das Haus nicht schon früh verlassen hatten. Er hörte aus der Küche gedämpfte Stimmen und das Klicken von Tassen. Es roch nach Kaffee – dieser warme, erdige Geruch, der das ganze Haus durchzog. Felix rieb sich die Augen, setzte sich vorsichtig im Bett auf. Die Wunden vom Unfall heilten langsam, aber er spürte noch ein leichtes Ziehen in der Hüfte, sobald er sich zu hastig bewegte. Nach den Medikamenten griff er instinktiv, spülte die Tabletten mit einem Glas Wasser hinunter. Dann zog er sich sein rotes Mainz-05-Shirt über, fuhr mit dem Rollstuhl zur Tür und in den Flur. Die spontane Idee In der Küche saßen Ronaldo und Messi. Messi blätterte in einer Zeitung, Ronaldo scrollte auf seinem Tablet. Neymar und Suárez schliefen offenbar noch. Auf dem Tisch standen zwei Kaffeetassen, daneben ein paar Reste vom gestrigen Brot. Felix blickte auf die Krümel, dann zu Ronaldo. „Haben wir noch Brötchen?“ fragte er vorsichtig. Ronaldo sah hoch, schüttelte den Kopf. „Leider nicht. Bäcker hat sicher offen, aber…“ – er deutete auf seine Jogginghose – „…so geh ich nicht raus.“ Felix zögerte. Dann spürte er plötzlich diesen Impuls, der ihm selbst Mut machte. „Ich hol sie.“ Messi hob eine Augenbraue. „Allein?“ „Ja. Nur bis zum Bäcker um die Ecke.“ Ronaldo wollte widersprechen, doch Felix sah ihn direkt an. „Ich will es. Nur heute. Einmal.“ Es war dieser Blick – nicht trotzig, sondern ruhig entschlossen –, der Ronaldo schweigen ließ. Er nickte schließlich langsam. „Okay. Aber Handy mitnehmen. Und ruf uns an, wenn was ist.“ Felix grinste leise, schnappte sich seinen Rucksack und das Portemonnaie. Zum ersten Mal seit dem Unfall würde er allein das Haus verlassen. Nicht weit, nur zum Bäcker, aber es fühlte sich wie ein großer Schritt an. Der Weg zum Bäcker Draußen umfing ihn die sommerliche Hitze sofort. Die Sonne stand hoch, blendete auf den glatten Asphalt. Es war nicht weit bis zur kleinen Bäckerei in der Seitenstraße, vielleicht 300 Meter, aber jeder Meter war eine eigene kleine Prüfung. Der Rollstuhl glitt über den Gehweg, das leichte Rattern der Reifen klang in Felix’ Ohren wie ein Rhythmus: Ich kann das. Ich kann das. Er sah die vertrauten Häuser, die bunten Blumen in den Fenstern, hörte das ferne Summen einer Straßenbahn und das Klirren von Besteck aus den geöffneten Fenstern. Menschen gingen vorbei, manche warfen ihm kurze, neutrale Blicke zu, andere lächelten. Niemand starrte. Felix atmete auf. Als er die Tür der Bäckerei erreichte, spürte er ein leichtes Ziehen in der Seite, aber er ignorierte es. Drinnen roch es nach frischem Brot, Vanille und Kaffee – dieser Duft, der Kindheitserinnerungen wachrief. Er rollte bis zur Theke, wartete, bis die Verkäuferin ihn bemerkte. „Guten Morgen!“, begrüßte sie freundlich. „Morgen… ich hätte gern sechs Brötchen. Gemischt, bitte.“

„Kommt sofort!“ Sie packte die Brötchen in eine Papiertüte. Felix beobachtete ihre schnellen Handbewegungen, hörte das leise Rascheln des Papiers. Als sie ihm die Tüte reichte, fühlte er etwas, das er lange nicht gespürt hatte: Eigenständigkeit. Er bezahlte, bedankte sich, legte die Tüte vorsichtig in seinen Rucksack und rollte zurück in die Sonne. Der Weg nach Hause war still, nur das leise Summen von Insekten und das Rauschen eines leichten Windes begleiteten ihn. Und in Felix wuchs ein Gefühl, das er nicht in Worte fassen konnte – etwas zwischen Stolz und Frieden. Zurück im Wohnzimmer Als Felix die Tür öffnete, blickten Ronaldo und Messi sofort auf. Neymar stand mittlerweile in der Tür, gähnend, mit zerzaustem Haar. „Na? Alles gut?“ fragte Ronaldo, während er den Rollstuhl sanft in den Flur zog. Felix nickte und zog die Tüte aus dem Rucksack. „Mission erfüllt.“ Neymar riss die Arme hoch, als wäre gerade ein WM-Tor gefallen. „Brötchen! Der Held ist zurück!“ Suárez kam hinzu, angelockt vom Wort „Brötchen“. Sie stellten alles auf den Tisch, deckten in wenigen Minuten ein kleines Frühstück zusammen. Felix saß inmitten dieser Szene und sah zu, wie die Spieler lachten, stritten, wer das letzte Käsebrötchen bekommt, und Witze über Neymars „Haare-des-Schreckens“ machten. Und während er in sein frisches Brötchen biss, dachte er: Das ist vielleicht kein Abenteuer. Aber für mich ist es heute das Größte. Der Rest des Tages blieb ruhig. Felix spielte ein wenig FIFA, hörte Musik mit den neuen Kopfhörern, während Neymar und Suárez sich einen Wettkampf im Armdrücken lieferten und Ronaldo mit Messi einen Trainingsplan für die kommende Woche diskutierte. Kein Drama, kein Schatten – nur ein einfacher Tag zu Hause. Und genau das war es, was Felix brauchte. 54. Tag – Dienstag, 15.07.2025 – Früher Morgen Es war noch dämmrig, als Felix von einem sanften Klopfen an seiner Zimmertür wach wurde. Er blinzelte in die Dunkelheit und hörte Ronaldos leise Stimme: „Felix, aufstehen. Wir müssen los. Dein Vater hat gleich den Termin.“ Felix richtete sich auf, das Herz schlug schneller. Heute war der Tag, an dem sein Vater die Nervenverödung bekam – ein Eingriff, von dem er selbst kaum Ahnung hatte, nur dass er helfen sollte, die aggressiven Schmerzreaktionen und Wutanfälle zu mildern. Ein seltsames Gefühl lag in der Luft. Hoffnung mischte sich mit Skepsis. Abfahrt in den Morgen Es war kurz nach 06:15 Uhr, als sie alle im Wagen saßen: Ronaldo am Steuer, Messi daneben, Felix im Rollstuhl fixiert im hinteren Bereich, daneben Neymar und Suárez, und auf dem hinteren Sitz sein Vater. Der Mann wirkte still, ungewöhnlich still – kein Fluchen, keine nervösen Bewegungen, nur ein starrer Blick aus dem Fenster. Vielleicht war es die Müdigkeit, vielleicht Anspannung. Der Himmel über Mainz war in ein blasses Rosa getaucht, Straßenlaternen glühten noch. Die Fahrt zum Schmerztherapiezentrum dauerte etwa 25 Minuten, doch die Stille im Auto ließ die Minuten schwer wirken. Nur Neymar, halb verschlafen, summte leise zu irgendeinem Song, den er im Kopf hatte. Als sie vor dem Klinikgebäude ankamen, half Messi dem Vater aus dem Wagen. Ronaldo erklärte, wie der Ablauf sein würde: „Wir warten hier, bis sie ihn in den Eingriffsraum bringen. Dann dauert’s ein paar Stunden. Wir bleiben in der Nähe.“ Felix nickte, während er zusah, wie die Klinik-Schiebetüren seinen Vater verschluckten. Das erste Warten und die Toilette

Im Foyer setzten sie sich in eine Ecke. Ronaldo besorgte Wasserflaschen, Messi scrollte auf dem Handy, Neymar fotografierte gelangweilt die sterile Einrichtung und postete sie in seiner Story mit dem Kommentar „Hospital vibes “. Suárez hingegen schloss die Augen und tat so, als würde er meditieren. Felix spürte ein unangenehmes Ziehen im Bauch – ein Signal, das er kannte. „Ich… muss mal kurz auf Toilette“, murmelte er. Ronaldo nickte sofort. „Ich komm mit.“ „Nein, ich schaff das allein“, widersprach Felix vorsichtig. Ronaldo zögerte, gab dann nach. „Okay, aber wenn du was brauchst… ruf.“ Die Toilette lag am Ende des Flures. Felix rollte dorthin, öffnete die Tür, und der sterile Geruch nach Desinfektionsmittel schlug ihm entgegen. Kaum hatte er die Tür geschlossen, hörte er es: plätschernde Spülgeräusche, dann das Rauschen von Händewaschen, immer wieder. Ein endloser Kreislauf, als kämen die Geräusche aus der Wand. Vielleicht mehrere Kabinen, vielleicht das Personal, das sich auf den Eingriff vorbereitete. Felix spürte, wie die sterile Kälte des Raumes ihn frösteln ließ. Er war schnell fertig, wusch sich gründlich die Hände und blieb einen Moment vor dem Spiegel stehen. Sein Gesicht wirkte blass, die Augen hatten Schatten. Aber da war auch etwas Neues: ein Hauch von Stärke. Ich halte das aus. Ich halte das durch. Eine Stunde voller Geräusche Zurück im Warteraum verging die Zeit quälend langsam. Immer wieder hallten diese Spülund Wassergeräusche durch den Flur. Es war, als würde die Klinik atmen. Die Minuten krochen dahin. Neymar flüsterte irgendwann: „Wie lange dauert das noch?“ Messi antwortete sachlich: „Mindestens zwei Stunden. Geduld.“ Felix legte die Hände auf die Oberschenkel, spürte, wie das Geräusch in seinem Kopf kreiste. Wasser. Spülung. Händewaschen. Er schloss die Augen und stellte sich stattdessen den Geruch von Brötchen vor, den er gestern eingeatmet hatte, und wie sich der warme Dampf aus der Tüte gehoben hatte. Das Essen – Ein kleiner Ausbruch Nach gut einer Stunde sah Ronaldo ihn an. „Felix? Komm. Wir gehen was essen. Hier in der Nähe gibt’s ein kleines Café.“ Messi, Neymar und Suárez stimmten sofort zu. Felix fühlte einen Stich aus schlechtem Gewissen – sein Vater lag drinnen –, aber er wusste, dass er Kraft brauchte. Sie verließen die Klinik, traten hinaus in den frühen Morgen, wo die Sonne inzwischen goldene Strahlen auf den Asphalt warf. Die Luft roch nach frisch gemähtem Gras und dem metallischen Duft der Klinikmauern, der langsam hinter ihnen blieb. Das Café war klein, mit runden Holztischen und einem großen Fenster, durch das Licht wie flüssiges Gold fiel. Sie setzten sich in die Ecke, Ronaldo bestellte für alle. Felix wählte ein Käsebrötchen und einen Kakao. Neymar nahm ein Croissant, Messi einen doppelten Espresso, Ronaldo Rührei, Suárez gleich zwei belegte Baguettes. Als Felix in sein Brötchen biss, war es, als würde sich etwas von der Anspannung lösen. Der Geschmack war so einfach und doch so real – wie ein Stück Normalität inmitten all der Unsicherheit. Neymar zog das Handy hoch und flüsterte: „Selfie-Time! Krankenhaus-Edition, aber mit Style.“ Felix lachte leise und beugte sich ins Bild. Für einen Moment war es leicht. Einfach nur leicht. Doch in der Ferne blieb der Gedanke: Wie geht es meinem Vater gerade? Was passiert da drin? Und dann kehrte das Schweigen zurück, während sie aßen – ein Schweigen, das alles sagte, ohne Worte. 54. Tag – Dienstag, 15.07.2025 – Später Vormittag

Die Sonne stand bereits etwas höher, als Felix, Ronaldo und die anderen zurück in die Klinik gingen. Felix spürte, wie sich eine Mischung aus Nervosität und Erleichterung in seiner Brust breitmachte. Vielleicht ist der Eingriff gut gelaufen, dachte er. Vielleicht wird jetzt alles besser. Sie betraten das Foyer, und Ronaldo schaute auf die Uhr. „Wir sind pünktlich. Sie müssten bald fertig sein.“ Felix griff in seine Tasche, um sein Handy zu checken – vielleicht eine Nachricht vom Vater, vielleicht ein Anruf vom Arzt. Doch das Display zeigte nur eine irritierende Meldung: „Keine SIM-Karte erkannt.“ Felix blinzelte. Er zog die Schublade heraus, setzte sie neu ein. Nichts. Kein Netz. Kein Anruf möglich. Sein Magen zog sich zusammen. Ohne Telefon fühlte er sich ausgeliefert, wie in den Tagen im Krankenhaus, als er nur auf Hilfe warten konnte. „Was ist los?“ fragte Messi leise, als er den angespannten Blick bemerkte. „Mein… mein Handy geht nicht. Die SIM funktioniert nicht mehr.“ Felix’ Stimme zitterte leicht. „Ich… ich kann niemanden erreichen. Was, wenn… wenn…“ Ronaldo legte ihm sofort eine Hand auf die Schulter. „Hey, langsam. Wir sind hier. Du bist nicht allein.“ Doch Felix’ Gedanken rasten. Ohne Handy war er wie abgeschnitten von der Welt, und in diesem Moment kam die Angst hoch, die er so gut kannte: Was, wenn etwas passiert? „Wir gehen zum nächsten Handyladen“, schlug Ronaldo ruhig vor. „Keine Sorge, wir klären das.“ Der Weg zum Handyladen Die Gruppe verließ die Klinik und ging die breite Straße entlang, vorbei an Cafés und einer Apotheke. Felix rollte neben Ronaldo, der die Situation souverän managte. Neymar versuchte, mit lockeren Sprüchen die Stimmung aufzuhellen: „Vielleicht ist dein Handy einfach beleidigt, weil du gestern Relaxo gefangen hast. Zu viel Power für die SIM!“ Felix schaffte ein kleines Lächeln, aber die Unruhe blieb. Nach fünf Minuten erreichten sie einen kleinen Mobilfunkshop. Klimaanlage, Glasvitrinen mit Smartphones, leise Popmusik im Hintergrund. Ein Mitarbeiter mit Namensschild „Lukas“ trat freundlich auf sie zu. „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“ Felix erklärte stockend, was passiert war. Der Mann nickte verständnisvoll. „Kein Problem, wir tauschen die SIM. Ich brauche nur Ihren Ausweis.“ Felix’ Herz rutschte in die Tiefe. Er hatte keinen Ausweis dabei. Nur das Portemonnaie mit Bargeld, aber der Personalausweis lag zu Hause. „Ohne Ausweis… kann ich leider nichts machen“, erklärte Lukas bedauernd. „Das ist Vorschrift. Tut mir leid.“ Felix’ Hände umklammerten die Armlehnen seines Rollstuhls. Sein Atem ging schneller. Ich wollte doch nur meinen Vater abholen. Warum passiert das jetzt? Sein Kopf summte, die Angst krallte sich fest wie eine kalte Hand. Ronaldo greift ein Ronaldo trat einen Schritt näher, kniete sich neben Felix, sodass ihre Augen auf einer Höhe waren. Seine Stimme war ruhig, warm, fest: „Felix. Hör mir zu. Wir sind hier. Du brauchst keine Panik. Du hast vier Leute bei dir, die alles regeln, wenn etwas ist. Du bist sicher.“ Felix schluckte schwer. Seine Finger zitterten leicht, aber er sah in Ronaldos Augen – diese absolute Gelassenheit, die nichts ins Wanken bringen konnte. „Aber… was, wenn der Arzt… wenn sie mich brauchen…“ „Dann gehen wir einfach rein und fragen persönlich. Wir sind zwei Straßen weiter. Kein Problem. Du bist nicht abgeschnitten. Verstanden?“

Messi legte von hinten eine Hand auf Felix’ Schulter, Neymar nickte energisch: „Ey, wir lassen dich nicht hängen, Kumpel. Du bist unser Kapitän heute.“ Suárez murmelte ein raues „Genau. Und jetzt atmen.“ Langsam, wie nach einem Sturm, glitt die Anspannung aus Felix’ Schultern. Seine Brust hob und senkte sich gleichmäßiger. Ronaldo lächelte und fügte leise hinzu: „Handys sind nur Technik. Aber wir? Wir sind echt. Wir bringen deinen Vater zurück – das zählt.“ Felix nickte schließlich, ein unsicheres, aber ehrliches Nicken. Und zum ersten Mal seit Minuten konnte er wieder frei atmen. „Okay“, flüsterte er. „Gehen wir zurück.“ Als sie den Laden verließen, legte Neymar seinen Arm über Felix’ Schulter und sagte grinsend: „Weißt du was? Dein Handy wollte dir nur sagen: Heute brauchst du keine Technik. Heute hast du uns.“ Felix lachte leise. Nicht laut, nicht unbeschwert – aber echt. Die Klinik war nur wenige Schritte entfernt. Sie würden den Vater bald sehen. Und trotz allem fühlte sich Felix nicht mehr so verloren wie vor einer halben Stunde. 54. Tag – Dienstag, 15.07.2025 – Mittag Das grelle Weiß der Klinikflure blendete Felix, als sie zurückkehrten. Der Geruch nach Desinfektionsmittel lag schwer in der Luft, begleitet vom fernen Piepen medizinischer Geräte. Er spürte, wie sein Puls wieder leicht anstieg – nicht so stark wie vorher, aber spürbar. Jetzt… jetzt holen wir ihn ab, dachte er. An der Anmeldung fragte Ronaldo ruhig nach. Die Dame hinter dem Tresen tippte in ihren Computer und nickte dann: „Ihr Vater ist fertig. Er wird gleich gebracht. Warten Sie bitte dort drüben.“ Felix stellte sich neben die Sitzreihe. Er sah auf den Boden, das sterile Licht spiegelte sich in den Fliesen. Messi blieb wortlos neben ihm, Neymar summte leise einen Song, Suárez scrollte auf seinem Handy. Die Minuten krochen dahin – bis endlich eine Tür aufschwang. Der Vater kommt zurück Zwei Pflegekräfte schoben eine Liege hinaus, auf der sein Vater lag. Felix’ Herz machte einen Satz. Der Mann sah blass aus, aber wach. An seinem Arm klebten Pflaster, und er trug ein leicht benebeltes Lächeln. „Alles… in Ordnung“, murmelte er, als er Felix sah. „Bin… bisschen müde.“ Felix rollte sofort näher. „Papa…“ Seine Stimme war leise, beinahe unsicher. Der Vater versuchte, sich aufzusetzen, doch die Schwester stoppte ihn sanft. „Langsam. Wir bringen Sie in den Rollstuhl.“ Wenige Minuten später saß er aufrecht, die Füße in weißen OP-Socken, und stützte sich schwer auf die Lehnen. Ronaldo unterschrieb die Entlassungspapiere, während Messi mit der Schwester die Nachsorge besprach. „Heute viel Ruhe, kein Autofahren. Schmerz kann auftreten, aber das ist normal.“ Felix hörte jedes Wort und speicherte sie, als hinge das Wohl seines Vaters davon ab. Schließlich verließen sie gemeinsam die Klinik. Ronaldo schob den Vater langsam Richtung Van. Draußen blendete die Sonne, aber der leichte Sommerwind tat gut. Überraschung: Der Brillenauftrag Im Wagen, während sie losfuhren, murmelte der Vater: „Müssen… eh noch kurz… zum Optiker. Meine neue Brille… liegt schon seit Tagen da.“ Felix blinzelte überrascht. Er hatte daran gar nicht gedacht. „Beim Optiker? Jetzt gleich?“ „Ja… dann hab ich’s erledigt.“ Seine Stimme klang brüchig, aber bestimmt. Ronaldo sah im Rückspiegel kurz zu Messi. Dann nickte er. „Alles klar. Wir fahren hin.“

Beim Optiker – ein merkwürdig ruhiger Moment Der Laden lag in einer belebten Einkaufsstraße. Durch die große Glasfront sah Felix helle Regale voller Gestelle und Spiegel, alles in diesem typischen Geruch nach poliertem Holz und Putzmittel. Als sie eintraten, kam sofort eine Verkäuferin lächelnd auf sie zu: „Ach, Herr Z.! Ihre Brille ist da. Einen Moment, ich hole sie.“ Felix half, so gut er konnte, während Ronaldo seinen Vater vom Van in den Laden begleitete. Der Mann wirkte müde, aber es schien ihm gutzutun, einmal eine normale Besorgung zu machen – ohne Krankenhausflair. Die Verkäuferin kehrte zurück, öffnete vorsichtig das Etui, und dort lag sie: ein schlichtes, schwarzes Modell mit dünnem Rahmen. Der Vater setzte sie auf. Für einen Moment blickte er sich im Spiegel an, als sähe er sich zum ersten Mal seit Jahren klar. „Passt gut“, murmelte er. Dann sah er zu Felix – und es war, als läge ein Schatten von Stolz in seinem Blick. „Besser als vorher, oder?“ Felix nickte und spürte ein warmes Ziehen in der Brust. „Ja, Papa. Viel besser.“ Auf dem Heimweg Zurück im Van war es stiller als sonst. Neymar und Suárez tauschten leise Witze aus, Messi scrollte durch Nachrichten, aber die Stimmung war gedämpft – nicht unangenehm, eher getragen von dieser merkwürdigen Mischung aus Erleichterung und Erschöpfung. Felix sah aus dem Fenster. Die Sonne war inzwischen hochgestiegen, warf gleißendes Licht auf die Dächer von Mainz. In seinem Schoß lag die leere Brillenbox. Er strich mit den Fingern über den glatten Deckel und dachte: Vielleicht… vielleicht wird heute der Anfang von etwas Besserem. Vielleicht wird Papa ruhiger. Vielleicht haben wir eine Chance. Der Van bog in die vertraute Straße ein. Felix atmete tief durch. Der Vormittag hatte sich angefühlt wie ein ganzer Tag. Und doch wusste er: Noch war der Tag nicht vorbei. 54. Tag – Dienstag, 15.07.2025 – Früher Nachmittag Die Fahrt nach Hause verlief in ruhiger Stimmung. Der Vater saß aufrecht im Van, die neue Brille auf der Nase, die Augen halb geschlossen. Felix war neben ihm im Rollstuhl fixiert und warf immer wieder vorsichtige Blicke zu ihm. Sein Vater wirkte erschöpft, aber nicht aggressiv. Kein Ausbruch, keine harschen Worte – nur Stille, die fast ungewohnt friedlich war. Ronaldo steuerte den Wagen sicher durch den Mainzer Verkehr, während Neymar auf dem Beifahrersitz einen Radiosender suchte, der Sommerhits spielte. Schließlich blieb er bei einem leichten Bossa-Nova-Song hängen. Messi und Suárez saßen hinten und unterhielten sich leise auf Spanisch. Als sie in die vertraute Straße einbogen, spürte Felix einen kleinen Knoten in der Brust. Er half Ronaldo und Messi, den Vater ins Haus zu bringen. Gemeinsam stützten sie ihn bis ins Wohnzimmer, wo schon das Sofa mit einer Decke bereitlag. Der Vater ließ sich müde nieder, atmete schwer aus und murmelte: „Danke… euch allen.“ Felix legte die Decke zurecht, rückte das Wasserglas auf den Tisch und fragte leise: „Soll ich noch was holen?“ Der Vater schüttelte den Kopf. „Nein… ich muss nur schlafen.“ Für einen Augenblick standen sie alle still da – vier Weltstars und ein junger Mann im Rollstuhl, die in diesem unscheinbaren Wohnzimmer eine Art Frieden hielten. Ronaldo berührte Felix’ Schulter. „Er ruht jetzt. Wir lassen ihn schlafen.“ Ein spontaner Plan: Hunger! Kaum waren sie wieder draußen, atmete Neymar tief durch und grinste: „Okay… ich weiß nicht, wie’s euch geht, aber ich sterbe vor Hunger. Seit wann haben wir nichts Richtiges gegessen?“

„Seit dem Café heute früh“, murmelte Suárez. Ronaldo hob eine Augenbraue, wandte sich an Felix: „Und du? Hunger?“ Felix lachte leise. „Ja… ziemlich.“ „Dann ist die Entscheidung gefallen“, sagte Messi mit einem kaum sichtbaren Lächeln. „Aber wohin?“ Neymar rief sofort: „Burger King! Ich hab so Bock auf einen Whopper!“ Felix kicherte, weil Neymar die Worte so euphorisch aussprach, als hätte er gerade das Finale der Champions League gewonnen. Ronaldo seufzte gespielt dramatisch, hob aber beide Hände. „Okay… heute ausnahmsweise. Aber nur heute.“ Burger King – Mainz, Mittagszeit Das Auto rollte auf den Parkplatz eines Burger King am Stadtrand. Die Sonne brannte auf den Asphalt, und durch die Glasscheiben konnte man die leuchtenden Menütafeln sehen. Felix spürte, wie sein Bauch kribbelte – nicht nur wegen des Hungers, sondern auch, weil das alles so verrückt normal wirkte: Er und vier Fußball-Ikonen bei einem Fast-Food-Restaurant. Drinnen schlug ihnen sofort der Duft von frittierten Pommes und gegrilltem Fleisch entgegen. Es war nicht viel los, nur ein paar Studenten und eine Familie mit Kindern. Niemand schien die Spieler zu erkennen – vielleicht wegen der Basecaps und Sonnenbrillen, die sie sich aufgesetzt hatten. „Was nimmst du, Felix?“ fragte Neymar, der schon mit einem Tablett und einem breiten Grinsen wartete. „Einen Whopper… mit Käse“, antwortete Felix. „Sehr gute Wahl, Capitão!“ Neymar drehte sich triumphierend zur Theke und bestellte gleich vier Menüs extra groß. Ronaldo fügte ernst hinzu: „Und zwei Flaschen Wasser. Für Felix.“ Minuten später saßen sie in einer Ecke des Restaurants. Felix vor seinem Tablett: Whopper, Pommes, ein kühler Kakao, den Neymar ihm heimlich dazu bestellt hatte. Sie aßen, redeten über alles und nichts – Neymar erzählte eine absurde Geschichte aus seiner Jugend, Suárez fluchte über das Ketchup-Päckchen, das sich nicht öffnen ließ, und Ronaldo hielt einen halben Vortrag darüber, wie man trotz Fast Food „die Balance“ hält. Felix lachte so viel, dass er kurz vergessen konnte, wie schwer der Morgen gewesen war. Er biss in den warmen Burger, schmeckte Salz, Sauce, Brot – und in diesem einfachen Bissen lag eine seltsame Art von Freiheit. Draußen knisterte die Sommerhitze, drinnen war es klimatisiert und leicht nach Frittieröl parfümiert. Und mittendrin saß Felix, eingekreist von vier Spielern, die für ihn mehr waren als Idole. Sie waren Schutz, sie waren Familie – und gerade jetzt, zwischen Cola-Bechern und Pommes, war die Welt für einen Moment einfach gut. 54. Tag – Dienstag, 15.07.2025 – Früher Abend Die Sonne hing schon tief über Mainz, warf goldenes Licht auf die Dächer, als Felix und die Spieler mit seinem Vater erneut das Haus verließen. Nach dem Mittagsschlaf wirkte der Vater erholter – die neue Brille auf der Nase, ein frisches Hemd übergestreift, das er etwas umständlich zuknöpfte. Er bestand darauf, „noch einmal kurz rauszugehen, ein Getränk irgendwo nehmen, bevor ich mich wieder hinlege“. Felix war überrascht, aber auch erleichtert: Vielleicht ist das ein gutes Zeichen. Vielleicht bedeutet das, dass es ihm wirklich besser geht. Ronaldo zögerte anfangs, wollte nicht riskieren, dass sich der Vater überanstrengt, doch Messi meinte ruhig: „Nur kurz, ein Getränk. Und wir passen auf.“ Damit war der Plan beschlossen. Aufbruch zur Eulchen-Brauerei Der Van rollte durch die Mainzer Altstadt, vorbei an den engen Gassen und den historischen Fassaden. Das Kopfsteinpflaster vibrierte leicht unter den Reifen des Rollstuhls, als sie

schließlich in der Nähe der Eulchen-Brauerei parkten. Felix liebte diesen Ort: das alte Brauereigebäude mit der großen Terrasse, wo man unter Bäumen sitzen konnte. Doch als sie die Tür erreichten, prangte dort ein Schild: „Heute geschlossen – Ruhetag.“ Felix’ Herz sackte kurz ab. „Mist…“ murmelte er. Neymar, der schon vom ersten Bier geträumt hatte, verzog das Gesicht. „Das ist nicht fair! Ich hab mich auf ein kühles gezapftes gefreut.“ Ronaldo schüttelte grinsend den Kopf. „Dann suchen wir eben Plan B.“ Die Alternative: Eine irische Kneipe Suárez entdeckte die Lösung: „Da hinten in der Nebenstraße ist ein Irish Pub. Guinness statt Pils.“ „Perfekt!“ rief Neymar sofort. Der Pub lag in einer schmalen Gasse, die nach warmem Asphalt und altem Pflaster roch. Als sie eintraten, umfing sie eine ganz andere Welt: dunkles Holz, grüne Lederbänke, gedämpftes Licht, der Geruch nach Malz und Whiskey. Aus den Lautsprechern klang leise irische FolkMusik. Es war noch früh am Abend, also nicht viel los. Ein paar Männer in Trikots saßen an der Theke und verfolgten auf dem Fernseher einen Rückblick des letzten Premier-League-Spiels. „Tisch da hinten“, schlug Messi vor, und sie setzten sich in eine Ecke, wo Felix seinen Rollstuhl gut platzieren konnte. Getränke & Gespräche Die Kellnerin kam, lächelte freundlich. „Was darf’s sein?“ • Vater: „Ein Radler, bitte. Nichts Starkes.“ • Ronaldo: „Ein alkoholfreies Bier.“ • Messi: „Dasselbe.“ • Neymar: „Ein Guinness! Original, okay?“ • Suárez: „Whiskey. Nur einen kleinen.“ Felix wählte ein Malzbier – sicher und vertraut. Als die Getränke kamen, stießen sie an. „Auf heute“, sagte Ronaldo, und sein Blick ging dabei zu Felix’ Vater. „Und auf neue Anfänge.“ Der Vater nickte langsam, hob das Glas. „Danke… euch. Für alles.“ Seine Stimme war rau, aber ehrlich. Die Minuten dehnten sich zu einem angenehmen Rhythmus. Sie redeten über Fußball, aber auch über Mainz, Lieblingsorte, Essen. Neymar erzählte eine absurde Geschichte aus Paris, die selbst Messi zum Lächeln brachte. Suárez versuchte, Felix ein paar spanische Flüche beizubringen („Für den Notfall im FIFA-Duell“, wie er grinste). Felix hörte zu, lachte an den richtigen Stellen und spürte, wie die Atmosphäre sich wärmte. Es war fast wie ein Film: ein irischer Pub, Holzgeruch, Gläserklirren, leises Lachen – und mittendrin er, mit vier Weltstars und einem Vater, der nach Jahren der Distanz so menschlich wirkte wie lange nicht. Später Aufbruch Als die Schatten im Pub länger wurden, bezahlte Ronaldo diskret die Rechnung. „Zeit, den Tag ruhig zu beenden“, sagte er sanft. Der Vater nickte zustimmend – die Müdigkeit kehrte zurück, aber ohne Gereiztheit. Draußen hatte sich der Himmel in ein tiefes Blau getaucht, erste Laternen flammten auf, und warme Sommerluft strich durch die Gassen. Felix atmete tief ein, während Neymar lachend vorschlug: „Morgen machen wir was Verrücktes. Aber heute… chillen wir.“

Der Van wartete am Ende der Straße, bereit, sie alle nach Hause zu bringen. Felix spürte: Dieser Abend war mehr als nur ein Ausflug. Es war ein kleines Stück Normalität – und vielleicht ein vorsichtiger Anfang für eine bessere Beziehung zwischen ihm und seinem Vater. 54. Tag – Dienstag, 15.07.2025 – Später Abend Als sie den Irish Pub verließen, war die Mainzer Altstadt in ein warmes Lichtermeer getaucht. Straßenlaternen warfen gelbe Kegel auf das Kopfsteinpflaster, und die Luft war erfüllt vom Duft sommerlicher Wärme, gemischt mit einem Hauch Bier und entfernten Grillgerüchen. Felix rollte neben Ronaldo, während Messi und Neymar vorne leise Witze austauschten. Suárez ging hinten, die Hände in den Hosentaschen, und sah sich aufmerksam um, als wolle er sicherstellen, dass niemand folgte. Felix fühlte sich seltsam gelöst – der Abend hatte anders geendet, als er gedacht hatte. Kein Streit, kein Drama. Sein Vater war schon längst nach Hause gebracht worden, um sich auszuruhen. Alles ruhig, dachte Felix. Zum ersten Mal seit Wochen war dieses Wort nicht nur eine Illusion. Begegnung mit der Mutter Gerade als sie in ihre Straße einbogen, bemerkte Felix eine vertraute Gestalt, die aus dem kleinen Kiosk an der Ecke trat: seine Mutter. Sie trug eine leichte Strickjacke, in der Hand eine Tüte mit Mineralwasser und einem Schokoriegel. Als sie ihn sah, hellte sich ihr Gesicht auf. „Felix! Was machst du noch so spät draußen?“ Felix lächelte, ein bisschen schüchtern. „Wir… waren nur noch kurz was trinken. Papa ist schon zu Hause.“ Die Mutter nickte erleichtert, aber ihr Blick glitt über die Spieler, die freundlich grüßten. „Ihr habt gut auf ihn aufgepasst, das sehe ich.“ „Wir wollten gerade rein“, sagte Messi, aber Neymar grinste: „Vielleicht noch ein Getränk? Für einen guten Abschluss?“ Die Mutter lachte leise. „Na gut, aber nur etwas Kleines. Morgen ist auch ein Tag.“ Ein letzter Drink vor der Nacht Sie kehrten in den kleinen Innenhof neben dem Haus ein, wo eine alte Holzbank stand. Die Mutter stellte die Tasche ab, holte aus der Küche schnell Gläser und eine Flasche alkoholfreien Sekt. Felix saß im Rollstuhl, spürte die Kühle der Nacht auf der Haut, während die Lichter aus den Fenstern warm auf den Hof fielen. Die Mutter goss ein, das Glas klirrte leicht, als sie anstießen: „Auf euch“, sagte sie leise. „Und darauf, dass wir alle zur Ruhe kommen.“ Ronaldo erwiderte ernst: „Darauf, dass es ab jetzt leichter wird.“ Felix hob sein Glas und fühlte den prickelnden Geschmack auf der Zunge. Für einen Moment war alles weich, friedlich. Er sah zu seiner Mutter, die sich entspannter zeigte als in den letzten Monaten, und spürte ein Gefühl, das er kaum beschreiben konnte – vielleicht Hoffnung. Heimweg und ein unheilvoller Blick Gegen 23:30 Uhr brachen sie auf. Felix rollte neben seiner Mutter, während die Spieler schweigend folgten. Als sie das Haus erreichten, wünschte Neymar mit einem schiefen Lächeln „Boa noite!“ und Ronaldo versprach: „Morgen machen wir es ruhig. Keine Hektik.“ Felix stieg mit Hilfe von Messi die Rampe hinauf und verschwand im Haus, ohne die Augen zu bemerken, die ihn aus der Dunkelheit verfolgten. Die Schatten in der Ferne

In einer schmalen Seitengasse, nur wenige Meter entfernt, stand die alte Dame. Ihr Gesicht war von der Kapuze ihres dunklen Mantels teilweise verdeckt. Ihre Augen glänzten im Schein einer fernen Straßenlaterne – kalt, berechnend. In der Hand hielt sie ein kleines, altmodisches Notizbuch. Ihre Lippen bewegten sich kaum, als sie flüsterte: „Übermorgen beginnt Phase 2. Alles läuft nach Plan. Mein Team ist groß… größer, als er ahnt. Viele arbeiten für mich.“ Ihre Finger glitten über die Seiten des Notizbuchs, während sie mit einer Stimme sprach, die wie eine Mischung aus Hass und Vorfreude klang: „Meine Reue wird sich entfalten… und dann wird er verstehen, wie es ist, alles zu verlieren.“ Sie schloss das Buch, steckte es in die Manteltasche und verschwand lautlos in der Dunkelheit. Der warme Mainzer Abend wirkte friedlich – doch die nächste Welle der Gefahr war bereits im Anrollen. 55. Tag – Mittwoch, 16.07.2025 – Mittag Die Sonne stand hoch über Mainz, als Felix langsam in die Küche rollte. Der Vormittag war ruhig gewesen: ein paar Runden FIFA mit Neymar und Messi, ein Kaffee mit der Mutter. Doch jetzt knurrte sein Magen bedrohlich. Zeit für Fleischkäse, dachte er und griff nach der Packung im Kühlschrank. Es war dieser besondere Fleischkäse vom Metzger – saftig, leicht gewürzt, genau so, wie Felix ihn liebte. Er schaltete den kleinen Einbau-Backofen an, stellte die Temperatur ein und legte den Fleischkäse auf ein Backblech. Ein leises Surren erfüllte die Küche, der Duft von Metall und Hitze stieg auf. Felix setzte sich auf seinen Rollstuhl und wartete – geduldig, wie er es gelernt hatte. Doch nach kaum zwei Minuten hörte er ein dumpfes „Klack!“ und alles wurde still. Das Licht in der Küche erlosch, das Display des Ofens ging aus. Felix blinzelte irritiert. Dann bemerkte er: Auch im Wohnzimmer war alles dunkel. „Oh nein…“ murmelte er. Stromausfall im Haus Seine Mutter kam sofort angerannt. „Was ist passiert?“ „Ich… ich wollte nur Fleischkäse backen… und dann… alles aus.“ Kurz darauf tauchte auch sein Vater auf – frisch mit der neuen Brille, aber mit einem Gesichtsausdruck, der verriet, dass er nicht begeistert war. „Super. Die Sicherungen sind raus. Ich sag’s seit Monaten: Diese Küche ist Schrott!“ knurrte er, während er in den Keller stapfte. Ein paar Sekunden später hörte man ein lautes Klick, dann summte irgendwo eine Lampe. Doch kaum war der Ofen wieder eingeschaltet, passierte dasselbe: Alles dunkel. „Das war’s“, rief der Vater aus dem Keller. „Der Ofen zieht zu viel. Das ist nicht mehr sicher.“ Die Mutter seufzte. „Wir brauchen eine neue Küche.“ Felix schluckte. „Aber… mein Fleischkäse?“ „Der kommt auch wieder“, sagte sie sanft. „Aber zuerst fahren wir uns was anschauen. Jetzt gleich.“ Der spontane Küchen-Plan Ronaldo und Messi, die im Wohnzimmer saßen, hatten alles mitbekommen. Neymar grinste breit: „Neue Küche? Klingt nach einer Mission.“ Suárez hob den Kopf vom Sofa. „Gibt’s da was zu essen?“ Felix’ Vater kam zurück, schob die Brille hoch und erklärte: „Wir fahren zu einem großen Küchenstudio am Stadtrand. Alle kommen mit. Dann haben wir das erledigt.“

Felix spürte einen kurzen Stich der Aufregung. Er mochte Veränderungen nicht – zu viele Eindrücke, zu viele Geräusche. Aber die Vorstellung, eine neue, moderne Küche zu haben, vielleicht mit einem Backofen, der nicht bei jedem Einschalten das ganze Haus lahmlegt, hatte auch etwas Gutes. „Okay“, murmelte er schließlich. Aufbruch in Richtung Küchenstudio Die Mutter packte schnell die Unterlagen zusammen, der Vater suchte nach einem Zollstock („Man muss doch wissen, wie groß das Ding sein kann!“). Ronaldo organisierte die Autosituation, Messi half Felix in den Van, während Neymar und Suárez darüber diskutierten, ob sie eine Küche in Weiß oder Schwarz cooler fänden. Die Fahrt begann. Die Straßen glitzerten im grellen Mittagssonnenlicht, der Asphalt 55. Tag – Mittwoch, 16.07.2025 – Früher Nachmittag Der Van rollte vom Mainzer Stadtrand in das große Gewerbegebiet, wo sich ein massiver Möbel- und Küchenmarkt erhob. Die Glasfront funkelte in der Mittagssonne, davor reihten sich Einkaufswagen und Werbeplakate: „Küchen-Wochen! Mega-Rabatte!“ Felix seufzte leise, als sie den Parkplatz erreichten. Schon der Gedanke an die grellen Lichter, das Stimmengewirr und die unendlichen Reihen von Möbelstücken ließ ihn unruhig werden. Aber er sagte nichts – seine Mutter wirkte so motiviert, der Vater zielstrebig, und die Spieler waren ohnehin gespannt auf „deutsche Küchen“. Der erste Eindruck im Möbelhaus Kaum betraten sie die automatische Schiebetür, umfing sie der typische Geruch: eine Mischung aus Holz, Laminat und dem Reinigungsmittel, das über die glänzenden Böden gezogen worden war. Überall hingen Preisschilder, und eine laute Durchsage knisterte aus den Lautsprechern: „Liebe Kunden, entdecken Sie jetzt unsere Küchenwelt im 1. Obergeschoss!“ Felix spürte sofort das grelle Licht und den visuellen Overload – überall blinkten Dekoschilder, grell bedruckte Rabattbanner, und von irgendwoher dudelte Radio. Seine Hände verkrampften kurz an den Armlehnen des Rollstuhls. Die Eltern schossen sofort los, geführt von einem Verkäufer im grauen Anzug. „Hier entlang, wir haben Modelle in Hochglanz und Landhausstil!“ tönte der Mann, als ginge es um einen Staatsbesuch. Der Vater nickte begeistert, die Mutter diskutierte über Einbaugeräte. Die Spieler folgten brav – Ronaldo musterte interessiert die Ordnung der Küchen, Messi prüfte mit der Fingerspitze die Oberfläche einer Arbeitsplatte, Neymar zog mit einem lauten „Brooo, diese Küche sieht aus wie ein FIFA-Setup!“ alle Blicke auf sich, während Suárez die Preisschilder murmelnd kommentierte: „Das ist so teuer wie ein Kleinwagen…“ Felix hat genug Felix ließ sich durch die Gänge schieben, aber nach zehn Minuten fühlte er, wie die Geräusche zu einem einzigen Summen verschmolzen. Stimmen. Musik. Schritte. Das helle Licht. Und vor allem: Langeweile. Für ihn gab es hier nichts zu entdecken. Küchen waren Küchen. Als sie an einer Abteilung mit Betten vorbeikamen, blieb Felix stehen. Die großen Matratzen wirkten wie Inseln in einem Meer aus Möbelstücken – weich, einladend, ruhig. Nur fünf Minuten… „Ich… äh… will mich kurz hinlegen“, murmelte er. Ronaldo blickte ihn an, sofort besorgt. „Geht’s dir nicht gut?“ „Doch… ich brauch nur kurz Pause. Zu viel hier.“ Messi nickte sofort verstehend. „Mach das. Wir sind gleich da vorne. Ich bleib in der Nähe.“

Felix rollte zu einem großen Boxspringbett in einem ruhigen Eckbereich. Er parkte den Rollstuhl, zog vorsichtig die Beine hoch und legte sich hin. Die Matratze war weich, der Stoff kühl unter seinen Händen. Endlich Stille – oder zumindest weniger Lärm. Er schloss die Augen. Die Stimmen der Eltern und des Verkäufers wurden leiser, nur das entfernte Summen der Klimaanlage blieb. Ein kleiner Moment der Ruhe Er spürte die Anspannung der letzten Tage langsam aus seinem Körper weichen. Sein Atem wurde ruhiger. Er dachte an den Fleischkäse, der immer noch zu Hause wartete, und daran, wie verrückt normal die letzten Tage waren: Klinik, Kneipe, Irish Pub, Burger King – und jetzt ein Möbelhaus mit vier Fußballstars. Messi setzte sich leise in einen Sessel neben das Bett, ohne ein Wort zu sagen. Er scrollte auf seinem Handy, war aber da – einfach da, wie ein stiller Wächter. Felix spürte die Präsenz und lächelte im Halbschlaf. Draußen in der Küchenabteilung lachten Neymar und Suárez gerade über eine „SmartKüche“, die per Sprachbefehl reagierte. Ronaldo diskutierte ernsthaft mit dem Vater über Induktionskochfelder, und die Mutter verglich Schubladeneinsätze. Für Felix aber war gerade nur eins wichtig: Dieser kleine Moment der Ruhe, inmitten einer Welt, die sich viel zu schnell drehte. Und während er die Augen langsam zufallen ließ, ahnte er nicht, dass draußen in der heißen Sommerluft eine unscheinbare schwarze Limousine auf dem Parkplatz stand. In ihr saß die alte Dame, das Gesicht im Schatten. Sie beobachtete den Eingang des Möbelhauses und sprach leise in ihr Handy: „Alles läuft nach Plan. Übermorgen beginnt Phase zwei.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern – aber jedes Wort klang wie ein Versprechen. 55. Tag – Mittwoch, 16.07.2025 – Abend Die Sonne war bereits hinter den Häusern von Mainz verschwunden, als Felix die Augen wieder öffnete. Er brauchte einen Moment, um sich zu orientieren: das weiche Bett, das gedämpfte Summen der Klimaanlage, die gedämpften Stimmen in der Ferne. Dann sah er Messi, der ruhig in einem Sessel neben ihm saß. „Fertig?“ fragte er leise. Felix gähnte, setzte sich langsam auf. „Ja… wie lange war ich weg?“ „Vielleicht 20 Minuten“, antwortete Messi. „Die anderen sind noch bei den Küchen. Aber… sie haben entschieden. Deine Eltern haben eine ausgesucht.“ Felix nickte erleichtert. Wenigstens war das erledigt. „Gut… ich hatte eh das Gefühl, ich versteh von dem ganzen Zeug nichts.“ Kurz darauf tauchten Neymar, Ronaldo und Suárez auf, begleitet von Felix’ Eltern und einem Verkäufer, der mit Broschüren wedelte. „Alles geregelt“, verkündete der Vater. „Lieferung nächste Woche.“ Seine Stimme klang erstaunlich ruhig – fast zufrieden. „Und jetzt?“ fragte Neymar mit einem Grinsen. „Ich hab Hunger. Richtigen Hunger. Keine Küchen-Deko mehr!“ Aufbruch zum Asiaten Der Vorschlag kam von Felix’ Mutter: „Hier in der Nähe gibt’s ein gutes Asia-Restaurant. Die haben auch Take-away.“ Felix war sofort einverstanden. Asiatisch… das hatten wir lange nicht. Also machten sie sich auf den Weg. Die Fahrt dauerte nicht lange, und schon bald standen sie vor einem kleinen, stilvoll eingerichteten Restaurant mit roten Lampions und Bambusdeko. Durch die Glastür strömte ihnen der Duft von Sojasauce, Sesam und gebratenem Gemüse entgegen. Sie bekamen einen Tisch in der Ecke, wo Felix gut Platz hatte. Der Raum war warm und angenehm gedämpft, die Stimmen anderer Gäste klangen wie ein leises Summen im Hintergrund. Felix studierte die Karte und entschied sich für gebratenes Huhn mit Gemüse

und Reis. Neymar bestellte Frühlingsrollen „zum Teilen“, Suárez wählte eine große Portion gebratene Nudeln, Messi blieb bei einer leichten Pho-Suppe, und Ronaldo bestellte – wie immer – das, was am gesündesten klang. Als das Essen kam, war es wie eine kleine Feier: bunte Teller, dampfende Schalen, das Knistern von heißem Wok-Gemüse. Felix nahm den ersten Bissen seines Hühnchens – zart, würzig, perfekt. Für einen Moment schloss er die Augen und ließ den Geschmack auf der Zunge zergehen. Genau das hab ich gebraucht. Ein letzter Drink Nach dem Essen gingen sie noch nicht sofort. Neymar schlug vor: „Ein letztes Getränk? Irgendwo in der Nähe gibt’s eine kleine Bar.“ Die Mutter winkte ab. „Ich fahr nach Hause, ich bin müde.“ Der Vater, der erstaunlich still geblieben war, stimmte zu. „Wir sehen uns daheim.“ Also verabschiedeten sich die Eltern, und Felix blieb mit den Spielern zurück. Wenige Straßen weiter fanden sie eine kleine Lounge-Bar mit gemütlicher Beleuchtung. Keine laute Musik, keine Menschenmassen – perfekt. Felix bestellte sich ein alkoholfreies Bier, Ronaldo und Messi taten es ihm gleich, während Neymar auf ein exotisches Fruchtgetränk setzte und Suárez ein Mineralwasser nahm. Sie saßen an einem Holztisch, sprachen über den verrückten Tag, lachten über Neymars ständige Selfies und Suárez’ Spruch, dass der Backofen wahrscheinlich mehr Geld gekostet hätte als ein Stürmer in Uruguay. Felix fühlte sich leicht, fast normal. Keine Krankenhausgerüche, keine Sirenen, keine drohende Stimme im Kopf – nur ein stiller Abend mit Freunden, die längst mehr als Idole waren. Heimweg Gegen 22:30 Uhr brachen sie auf. Die Straßen waren warm und still, nur vereinzelt huschten Autos vorbei. Im Van lehnte sich Felix zurück, spürte die Müdigkeit, aber auch eine angenehme Schwere – das Gefühl, satt und sicher zu sein. Als sie vor dem Haus ankamen, half Messi ihm hinein. Die Lichter im Wohnzimmer waren gedämpft, die Eltern schliefen bereits. Felix verabschiedete sich leise von den Spielern, die noch kurz im Flur flüsterten, bevor sie sich auf ihre Zimmer verteilten. In seinem Zimmer angekommen, zog Felix sich um, legte sich ins Bett und starrte an die Decke. Heute war… gut, dachte er. Richtig gut. Doch draußen, am Ende der Straße, lehnte eine Gestalt an einem Laternenpfahl. Ein kaltes Lächeln huschte über ihr Gesicht. Die alte Dame. In der Hand hielt sie ein Handy, ihre Stimme kaum mehr als ein Schatten: „Morgen ruht ihr euch aus. Aber übermorgen beginnt Phase 2.“ Dann verschwand sie in der Dunkelheit, und die Nacht legte sich schwer über Mainz. 56. Tag – Donnerstag, 17.07.2025 – Der schicksalhafte Morgen Ein fahles Licht drang durch die halb geöffneten Rollläden, als Felix die Augen aufschlug. Für einen kurzen Moment war er desorientiert – war es noch Nacht oder schon früher Morgen? Ein Blick auf den Wecker brachte Klarheit: 07:48 Uhr. Der neue Tag fühlte sich seltsam still an. Keine Stimmen, keine Geräusche von unten. Nur das leise Summen des Kühlschranks drang gedämpft durch den Flur. Langsam setzte Felix sich im Bett auf, rieb sich die Augen und griff nach seinem Handy. Es funktionierte wieder – die SIM-Karte war wie von selbst in Ordnung. Komisch, dachte er, aber verdrängte es. Vielleicht nur ein Wackelkontakt. Er rollte vorsichtig in Richtung Küche. Die Sonne warf durch das Fenster einen goldenen Streifen auf den Boden, Staubpartikel tanzten darin. Felix spürte, wie sein Magen knurrte – er erinnerte sich an den Fleischkäse von vorgestern. Vielleicht kann ich ihn jetzt endlich backen.

Der Test Er öffnete den Backofen, sah die blanke Innenfläche, schloss die Tür wieder und legte die Hand auf das kühle Glas. Dann drückte er vorsichtig den Startknopf. Für einen Moment hielt er den Atem an. Ein leises Surren setzte ein. Kein Funken, kein Knall. Stattdessen blinkte das Display stabil, und die Heizspirale begann schwach zu glühen. Felix’ Augen weiteten sich. „Er… funktioniert wieder“, murmelte er ungläubig. Er probierte, die Temperatur einzustellen. Alles reagierte wie es sollte. Kein Stromausfall, kein Zusammenbruch des Netzes. Der Ofen summte leise, als hätte er nie Probleme gemacht. Felix’ erste Reaktion war Erleichterung – und dann Skepsis. Wieso geht das jetzt? Gestern war er komplett tot. Papa hat gesagt, das Ding ist hinüber. Er schaltete den Ofen wieder aus und starrte ihn an, als wäre er ein Rätsel. Der innere Dialog Er dachte kurz daran, den Fleischkäse sofort reinzuschieben. Aber irgendetwas hielt ihn zurück. Ein unbestimmtes Gefühl, das er nicht benennen konnte. Vielleicht die Müdigkeit, vielleicht die unterschwellige Spannung der letzten Tage. „Nicht jetzt“, murmelte er. „Ich frühstücke später. Heute… erstmal ruhig.“ Er griff nach einem Glas, füllte es mit Wasser und trank langsam. Dann rollte er zum Wohnzimmer, wo Ronaldo auf der Couch saß, in Sportkleidung, eine Tasse Tee in der Hand. „Bom dia, Felix! Schon wach?“ „Ja“, antwortete Felix und versuchte, normal zu klingen. „Der Ofen… geht wieder.“ Ronaldo hob eine Augenbraue. „Oh? Nach all dem Ärger gestern? Hm. Vielleicht ein Wackelkontakt.“ Felix nickte, sagte aber nichts weiter. Wackelkontakt, wiederholte er in Gedanken – doch irgendetwas daran gefiel ihm nicht. Die Ruhe vor dem Sturm Die nächsten Minuten verliefen fast friedlich. Neymar tauchte verschlafen in Shorts auf, Suárez verlangte sofort nach Kaffee, Messi scrollte schweigend durch Nachrichten. Die Eltern schliefen noch. Felix setzte sich ans Fenster und blickte hinaus. Die Straße lag still, nur eine Katze huschte über den Asphalt. Es war einer dieser Morgen, die wie ein Versprechen wirken – oder wie ein Vorbote. Er wusste nicht, dass draußen, in einer schwarzen Limousine am Ende der Straße, die alte Dame saß, die Hände gefaltet, die Lippen zu einem dünnen Lächeln verzogen. „Heute bleibt ruhig“, flüsterte sie. „Doch morgen… beginnt das, was er nicht kommen sieht. Phase 2.“ Sie schloss die Augen, und ihre Worte waren wie ein Schwur: „Meine Reue wird sich entfalten. Und er wird es spüren – jeder von ihnen wird es spüren.“ Die Limousine rollte langsam davon, während Felix drinnen in der Küche ein zweites Mal zum Ofen blickte – ahnungslos, dass dieser unscheinbare Morgen der letzte wirklich ruhige Moment vor dem Sturm sein würde. 56. Tag – Donnerstag, 17.07.2025 – Nachmittag Die Sonne stand jetzt steil über Mainz, und die Luft flimmerte leicht in der Hitze, als Felix beschloss, zwei Dinge zu erledigen: einen Einzahlungsschein bei der Bank einwerfen und vorher noch kurz zum Rewe für ein paar Kleinigkeiten. Die Spieler waren sofort dabei – nicht, weil sie unbedingt einkaufen wollten, sondern weil sie jede Gelegenheit nutzten, um Felix zu begleiten. „Ich brauch nur Milch, Brot und vielleicht was Süßes“, erklärte Felix, als sie in den Van stiegen. Neymar rief von hinten: „Und Chips! Immer Chips!“ Suárez grinste breit: „Und

Fleisch. Immer Fleisch.“ Ronaldo lachte nur und startete den Motor, während Messi ruhig neben Felix Platz nahm. Ankunft beim Rewe Die Schiebetüren öffneten sich automatisch, und ein kühler Luftzug strich ihnen entgegen. Der Geruch von frischem Brot und Obst hing in der Luft, die typischen leisen Supermarktgeräusche umgaben sie: Piepen der Kassen, gedämpfte Stimmen, das Rollen von Einkaufswagen. Felix nahm einen kleinen Rollkorb und begann seine Runde. Messi blieb dicht bei ihm, aufmerksam, ohne aufdringlich zu sein. Ronaldo folgte ein paar Schritte dahinter, während Neymar und Suárez sich lachend in der Snack-Abteilung verloren. „Also, Milch…“ murmelte Felix und steuerte die Kühltheke an. Seine Bewegungen waren routiniert, doch sein Blick schweifte immer wieder neugierig über die Regale. Er nahm eine Packung Vollmilch, legte sie in den Korb, dann eine Tüte Brötchen und ein paar Joghurts. Heimliche Überraschung Während Felix gerade die Preise bei den Joghurts studierte, legte Ronaldo unauffällig eine Flasche alkoholfreies Bier in einen zweiten Korb, den er in der Hand hielt. Er hatte die Szene im Irish Pub am Abend zuvor nicht vergessen – Felix’ Augen, die kurz geleuchtet hatten, als er sein Malzbier bekam. Er soll das Gefühl haben, dazuzugehören, dachte Ronaldo. Messi bemerkte die Aktion, hob leicht die Augenbraue, aber sagte nichts – nur ein kaum merkliches Lächeln spielte um seine Lippen. Neymar hingegen, der plötzlich auftauchte, grinste breit: „Cris, was hast du da? Bier für den Meister?“ „Schsch“, machte Ronaldo nur und legte den Finger an die Lippen. Neymar grinste verschwörerisch und wandte sich an Suárez: „Ey, Überraschung für Felix! Aber pssst.“ Suárez nickte mit einem Gesichtsausdruck, als hielte er den Plan für die beste Idee des Tages. Felix ahnt nichts Felix war derweil weiter in der Süßigkeitenabteilung, unschlüssig vor einer Wand aus Schokolade. „Milka oder Ritter Sport?“ murmelte er. Messi half ihm beim Greifen der oberen Reihe, während Neymar hinter ihnen schon begann, Tüten mit Chips in den Wagen zu werfen. „Ich will nicht zu viel…“, sagte Felix. „Heute gönnst du dir, Bruder“, grinste Neymar und schob ihm eine Tafel weiße Schokolade zu. Felix lachte leise. Vielleicht… ja, heute gönn ich mir. An der Getränke-Abteilung Schließlich erreichten sie die Getränkeabteilung. Felix nahm eine Flasche Mineralwasser, zögerte vor dem Regal mit Säften und sah kurz zu den Bieren – nur einen Augenblick, dann wandte er den Blick ab. Besser nicht, dachte er. Er wusste, dass er keine alkoholischen Sachen durfte, und alles andere wirkte überflüssig. Ronaldo bemerkte diesen Blick, schwieg aber und klopfte ihm leicht auf die Schulter. „Hast du alles?“ „Ja… ich glaube schon.“ „Gut“, sagte Ronaldo ruhig, während Neymar und Suárez so taten, als müssten sie dringend noch „ganz wichtige Snacks“ suchen, um Zeit für den heimlichen Plan zu gewinnen. Kurz vor der Kasse Die Gruppe bewegte sich Richtung Kassenbereich. Felix sortierte sorgfältig seine Sachen in den Rollkorb, während Ronaldo seinen eigenen Korb etwas seitlich hielt, sodass Felix die Überraschung nicht sehen konnte. Messi half ihm, eine Tüte zurechtzulegen, und Neymar warf zwischendurch grinsend einen Blick auf das Bier.

Die Stimmung war erstaunlich leicht. Zwischen dem Summen der Klimaanlage, dem Klacken der Einkaufswagen und den Stimmen um sie herum spürte Felix zum ersten Mal seit Tagen keinen Druck. Er dachte an den Backofen von heute Morgen, daran, dass er wieder funktioniert – und an den Fleischkäse, der immer noch im Kühlschrank wartete. Vielleicht morgen, überlegte er. Doch in diesem Moment, während sie in der Kassenschlange warteten, schob sich langsam ein Schatten über das helle Gefühl dieses Nachmittags. Draußen, im heißen Licht des Parkplatzes, stand ein unscheinbares schwarzes Auto. Die getönten Scheiben spiegelten die Fassade des Supermarkts. Und hinter diesen Scheiben saß die alte Dame. Ihr Blick war starr auf die Eingangstüren gerichtet. Ein leises, kaltes Lächeln spielte um ihre Lippen, als sie mit leiser Stimme in ihr Handy sprach: „Perfekt. Sie sind alle zusammen. Heute beobachte ich. Morgen beginnt der Druck. Und übermorgen… beginnt Phase zwei.“ Die Verbindung knackte. Sie legte auf und blieb reglos sitzen, während drinnen Felix lachte, weil Neymar wieder eine völlig übertriebene Menge Chips auf das Band legte – ahnungslos, wie nahe das Netz aus Intrigen bereits gespannt war. 56. Tag – Donnerstag, 17.07.2025 – Später Nachmittag Nachdem der Einkauf im Rewe erledigt war und Neymar stolz den „Snack-Krieg“ an der Kasse gewonnen hatte, verließen Felix und die vier Spieler den Laden. Die Sonne brannte noch immer auf den Parkplatz, die Luft war schwer von Sommerhitze. Felix blickte auf die Uhr – 16:05 Uhr. „Ich muss noch schnell zur Bank, den Einzahlungsschein einwerfen“, erinnerte er die Gruppe. Ronaldo nickte sofort. „Alles klar, aber wir fahren vorher nicht zurück – die Bank ist nicht weit. Wollen wir zu Fuß? Über den Campus? Schöner Weg.“ Felix lächelte. Der Gedanke gefiel ihm: die Uni Mainz, weitläufige Wege, Bäume, etwas Leben, aber nicht zu viel Trubel. Sie machten sich also zu Fuß auf, schoben Felix’ Rollstuhl langsam über die sonnendurchfluteten Straßen, bis die Glasfronten der Uni in Sicht kamen. Der verhängnisvolle Fund Als sie über das Campusgelände rollten, bemerkte Felix eine kleine Grünfläche zwischen den Gebäuden. Dort war eine Slackline gespannt – ein flaches Band zwischen zwei Bäumen, wie gemacht für Balance-Übungen. Zwei Studenten standen lachend daneben, packten gerade ihre Sachen. „Hey, die Slackline gehört euch?“ rief Neymar. Einer der Studenten grinste: „Nicht mehr lange, wir gehen gleich. Wollt ihr probieren?“ Neymar sah Felix an. „Wie wär’s? Willst du mal schauen?“ Felix zögerte. Sein Herz schlug schneller – nicht aus Angst, sondern aus einem seltsamen, kribbelnden Drang: etwas Neues probieren, zeigen, dass er mehr kann, als alle glauben. „Ich… ich will versuchen“, sagte er leise. Messi war sofort an seiner Seite. „Sicher? Wir helfen dir.“ „Ja“, nickte Felix entschlossen. Der Versuch Die Studenten verabschiedeten sich und gingen. Felix griff Messis Hand, Neymar hielt die andere Seite. Ronaldo stand hinter ihm, bereit, falls er das Gleichgewicht verlor. Suárez filmte lachend mit dem Handy: „Unser Felix auf der Line!“ Felix setzte vorsichtig den ersten Fuß auf das Band. Es schwankte. Er atmete tief, verlagerte das Gewicht. Der zweite Fuß folgte. Einen Moment lang fühlte er sich frei – der Wind in den Haaren, das Gras unter ihm. Er lachte sogar, ein kurzes, helles Lachen.

Doch dann – die Slackline begann heftig zu wackeln. Viel stärker, als es normal schien. „Warte, Felix!“ rief Messi, griff nach seinem Arm, doch es war zu spät. Der Sturz Felix verlor das Gleichgewicht, ruderte mit den Armen – und dann: ein harter Aufprall auf die Seite. Schmerz explodierte in seiner Hüfte, sein Kopf schlug gegen den Boden. Ein dumpfes, alles verschluckendes Schwarz legte sich über ihn. Er hörte nichts mehr. Kein Neymar, der fluchte. Kein Ronaldo, der seinen Namen rief. Nur Stille. 30 Minuten – Niemand bemerkt es Die Spieler reagierten sofort. Ronaldo kniete neben ihm, prüfte den Puls. „Er atmet. Bewusstlos.“ Messi holte Wasser, Neymar schirmte ihn mit den Armen ab, Suárez rannte Richtung Gebäude, um Hilfe zu suchen. Aber niemand kam. Kein Klinikmitarbeiter, keine Security – der Campus war wie ausgestorben. Sie legten Felix vorsichtig in den Schatten, überprüften regelmäßig seine Atmung. Ronaldo blieb stoisch, aber seine Augen verrieten Angst. „Er wird aufwachen. Wir bleiben ruhig.“ Und dann, nach einer Ewigkeit – 30 Minuten –, regte sich Felix. Erst ein Zucken der Finger, dann ein Stöhnen. Seine Lider flatterten, bis er die Augen öffnete. Das Licht blendete, alles drehte sich, aber er erkannte Gesichter: Ronaldo. Messi. Neymar. Suárez. „Felix! Bleib liegen“, sagte Ronaldo streng. Doch Felix schüttelte schwach den Kopf. „Nein… ich muss… zur Bank. Nur kurz.“ Seine Stimme war heiser, aber fest. „Bist du verrückt?! Du warst eben ohnmächtig!“ Neymar klang panisch. „Mir geht’s… gut.“ Felix versuchte sich aufzurichten. Messi hielt ihn sanft zurück, sah ihm in die Augen – und las darin diesen unbeirrbaren Willen. Schließlich nickte er. „Okay. Aber wir fahren. Kein Schritt mehr allein.“ Ronaldo hob ihn vorsichtig in den Rollstuhl. Neymar stopfte die Snacks zurück in die Tasche, Suárez griff nach Felix’ Rucksack. Ohne ein weiteres Wort machten sie sich auf den Weg. Die unsichtbare Beobachterin Keine von ihnen bemerkte die Frau auf der Bank gegenüber. Eine junge Mutter, scheinbar harmlos, mit einem Kinderwagen. Sie wiegte das Baby, während ihre Augen kalt auf Felix ruhten. Als die Gruppe verschwand, zog sie ihr Handy hervor, wählte eine Nummer und sprach leise: „Phase 2 erfolgreich abgeschlossen. Die Slackline war perfekt manipuliert. Er lag dreißig Minuten bewusstlos – und kein Klinikmitarbeiter kam vorbei, genau wie geplant. Leider ist er jetzt doch zur Bank unterwegs. Ich bleibe dran.“ Am anderen Ende der Leitung ertönte eine brüchige, kalte Stimme – die der alten Dame: „Gut gemacht. Beobachte weiter. Bald wird er verstehen, wie tief meine Reue reicht.“ Die Frau schob den Kinderwagen langsam Richtung Parkplatz. Niemand ahnte, dass unter der harmlosen Decke im Wagen kein Kind lag – sondern ein schwarzer Rucksack mit Werkzeugen und einem Umschlag, der die nächsten Schritte enthielt. Und Felix? Er hielt sich an den Armlehnen des Rollstuhls fest, den Blick starr nach vorn, entschlossen, die Bank noch zu erreichen, ohne zu wissen, wie nah der Schatten bereits war. 56. Tag – Donnerstag, 17.07.2025 – Später Abend Nach dem Vorfall am Nachmittag war die Stimmung in der Wohnung zunächst angespannt. Felix war erschöpft, aber er tat so, als sei nichts weiter passiert. Er hatte ein Pflaster auf der Stirn, trank still einen Kakao am Tisch, während Neymar versuchte, ihn mit einer übertriebenen Geschichte von einem misslungenen Tanztraining zum Lachen zu bringen.

Gegen 21:30 Uhr schlug Ronaldo vor: „Lass uns den Tag ruhig beenden. Ein alkoholfreies Bier, vielleicht auf der Terrasse.“ Felix nickte sofort. Die Vorstellung, einfach draußen zu sitzen und etwas Normalität zu spüren, gefiel ihm. Entspannung vor der Nacht Die fünf saßen unter dem schwach leuchtenden Terrassenlicht, hörten das Zirpen der Grillen und sahen in einen Himmel, der sich bereits dunkelblau verfärbt hatte. Ronaldo öffnete die Flaschen alkoholfreien Biers, reichte Felix eine. „Auf… weniger Abenteuer für den Rest der Woche“, sagte er trocken. Neymar lachte laut, Suárez schnaubte: „Als ob.“ Felix prostete ihnen zu. Der kühle Schluck tat gut, auch wenn er sich kaum entspannen konnte. In seinem Kopf kreiste immer wieder der Gedanke: Die Bank. Ich muss das noch erledigen. Heute. Es war fast zwanghaft – ein Bedürfnis, eine Pflicht, die er nicht aufschieben wollte. Als die Flaschen leer waren, legte Felix den Deckel beiseite und sagte leise, aber bestimmt: „Jetzt zur Bank.“ Ronaldo blickte ihn scharf an. „Felix, es ist spät. Nach dem, was passiert ist – du brauchst Ruhe.“ „Nur kurz. Bitte.“ Messi versuchte zu vermitteln: „Wir können das morgen machen.“ Felix schüttelte den Kopf. „Nein. Ich will das heute.“ Die Spieler tauschten Blicke. Schließlich seufzte Ronaldo. „Okay. Aber wir gehen zusammen – und du bleibst im Rollstuhl. Kein Schritt, verstanden?“ Felix nickte, aber innerlich dachte er: Ich will nicht schwach wirken. Der Weg – und der zweite Sturz Die Nacht war warm, die Straßen fast leer, nur das Summen der Laternen begleitete sie. Felix rollte entschlossen voran, die Bank war nur wenige Straßen entfernt. Doch nach ein paar Minuten kam eine Stelle, an der der Gehweg uneben war. Felix bestand darauf, ein kurzes Stück selbst zu gehen – „nur für die Bewegung“. „Nein“, warnte Ronaldo. „Du hast dich heute erst verletzt.“ „Ich kann das“, beharrte Felix und stand auf. Messi stützte ihn vorsichtig, Neymar hielt den Rollstuhl bereit. Felix machte die ersten Schritte. Dann passierte es: Ein harter Stoß gegen sein Bein, so plötzlich, dass er das Gleichgewicht verlor. Er fiel seitlich auf den Asphalt. Ein scharfer Schmerz brannte in seinen Beinen und seiner linken Hand. „Felix!“ Neymar war als Erster bei ihm. Ronaldo kniete sofort nieder, hob ihn leicht an, während Messi eine Taschenlampe vom Handy zückte. Das Licht enthüllte die Schäden: • Eine runde Schürfwunde von etwa 1 cm Durchmesser an der linken Hand, blutig, mit Dreck. • Mehrere lange Schürfwunden an beiden Beinen, in denen sich kleine Kiesel und Staub verfangen hatten. „Verdammt“, fluchte Suárez. „Das sieht übel aus.“ „Krankenhaus“, sagte Ronaldo sofort. „Nein!“ keuchte Felix, atmete schnell. „Nur… sauber machen später. Aber erst… Bank.“ „Felix, du bist verrückt!“ Neymar war den Tränen nahe. „Bitte“, flüsterte Felix, die Stimme voller Starrsinn. „Ich… muss das tun.“ Die Spieler schauten sich an. Schließlich nickte Messi widerwillig. „Okay. Aber wir tragen dich. Kein weiterer Schritt.“ Ronaldo und Suárez halfen, ihn vorsichtig zurück in den Rollstuhl zu setzen. Was niemand bemerkt

Während die Gruppe sich wieder in Bewegung setzte, huschte in der Dunkelheit eine Gestalt in eine Seitengasse. Die vermeintliche Mutter mit dem Kinderwagen – diesmal ohne Wagen. In der Hand hielt sie ihr Handy. Sie sprach leise, während ihre Augen auf die Straße gerichtet waren, wo Felix eben gestürzt war: „Phase 2… bestätigt. Ich habe das Bein leicht angestoßen, wie geplant. Er war zu stolz, um sich helfen zu lassen. Jetzt ist er verletzt – aber er unterschätzt es. Mehr Schürfwunden als vorgesehen, aber nichts Lebensbedrohliches. Er besteht darauf, weiterzugehen. Leichtsinn, genau wie Sie es vorausgesagt haben.“ Am anderen Ende erklang die kalte Stimme der alten Dame, ruhig wie Eis: „Sehr gut. Beobachte weiter. Wir brauchen ihn geschwächt – nicht zerstört. Morgen beginnt der Druck. Übermorgen… beginnt der Zusammenbruch.“ Die Frau steckte das Handy ein, verschwand in der Nacht – während Felix, mit schmerzverzerrtem Gesicht, fester denn je darauf bestand, den Briefumschlag in den Bankeinwurf zu stecken. Und die Spieler? Sie sagten nichts mehr. Sie spürten, dass es sinnlos war, ihn umzustimmen – und ahnten nicht, wie sehr dieses unbeirrbare „Ich muss das tun“ sie alle in einen Abgrund zog, den keiner kommen sah. 56. Tag – Donnerstag, 17.07.2025 – Frühe Nacht (gegen 00:15 Uhr) Die Straßen von Mainz lagen still und leer, als Felix und die vier Spieler endlich die Bank erreichten. Der Wind war lauwarm, Laternen warfen trübes Licht auf den Gehweg. Felix saß im Rollstuhl, die Beine und die Hand notdürftig mit Taschentüchern abgedeckt, die bereits dunkle Flecken zeigten. Jeder Schub des Rollstuhls verursachte ein dumpfes Ziehen in seinen Wunden, aber er presste die Zähne zusammen. Er wollte das erledigen. Heute. Um jeden Preis. Ronaldo schob den Rollstuhl vorsichtig zum Eingang der Bank. „Felix, bist du sicher? Du blutest noch.“ „Ich muss“, flüsterte Felix. „Es dauert nur ein paar Minuten.“ Die Spieler tauschten Blicke, aber niemand widersprach mehr. Messi öffnete die Glastür, und sie rollten in die leere Vorhalle des Selbstbedienungsbereichs. Die Neonröhren summten leise. Ein einzelner Geldautomat glühte in kühlem Licht. Die Überprüfung Felix griff in seine Bauchtasche, zog die EC-Karte hervor. Seine Finger zitterten leicht, als er sie in den Schlitz steckte. Auf dem Display erschien: „Willkommen. Bitte wählen Sie Ihre Funktion.“ Er tippte auf „Kontostand prüfen“. Wenige Sekunden später erschien die Zahl: Guthaben ausreichend. Ein leises Aufatmen entwich ihm. Gut. Wenigstens das ist sicher. Er ließ die Karte stecken, nahm den Umschlag mit den Überweisungsträgern aus dem Rucksack, legte ihn auf seine Knie. Dann rollte er zum Einwurfschacht für Überweisungen und schob die Dokumente sorgfältig hinein. Er beobachtete, wie der Schlitz den Umschlag einverleibte. Ein Klick. Fertig. „Geschafft“, murmelte Felix. „Endlich geschafft.“ Er war so erleichtert, dass er die entscheidende Kleinigkeit übersah: Die Karte steckte noch im Automaten. Was niemand bemerkte Während Felix und die Spieler sich zum Ausgang bewegten, huschte eine Silhouette aus der Dunkelheit der Nebenstraße. Die vermeintliche Mutter – die Frau mit dem harmlosen Gesicht – trat in die Vorhalle, nur Sekunden nachdem die Glastür hinter der Gruppe ins Schloss gefallen war.

In ihrer Hand lag ein kleines, flaches Gerät, das wie ein schwarzer Kamm wirkte. Mit einer fließenden Bewegung fuhr sie über den Kamerasensor in der Ecke. Das Bild flackerte kurz – dann schaltete die Überwachung auf Standbild. Die Frau trat an den Automaten, blickte auf das Display. Die Karte von Felix steckte noch im Schlitz, als hätte sie nur auf sie gewartet. Mit einem professionellen Griff zog sie sie heraus, schob sie in ein schmales Etui und tippte etwas auf ihr Handy. „Zielobjekt verlässt gerade den Standort“, flüsterte sie. „Karte gesichert. Die Kameras zeigen nichts. Der Junge… er ist verletzter als geplant. Viele offene Wunden, aber er weigert sich, aufzugeben. Vielleicht sogar besser für uns – er wird schwächer. Phase 2… läuft.“ Am anderen Ende der Leitung ertönte die kalte Stimme der alten Dame, gedämpft und tonlos wie Nebel: „Sehr gut. Die Karte ist der Schlüssel. Bewahre sie sicher. Morgen folgt der nächste Schritt. Er soll glauben, dass er noch Kontrolle hat… bevor wir sie ihm ganz nehmen.“ Die Frau steckte das Gerät ein, zog sich lautlos zurück. Hinter ihr summte der Automat, ahnungslos, dass er eben zum Werkzeug eines perfiden Spiels geworden war. Währenddessen – auf dem Rückweg Felix spürte die Müdigkeit wie Blei in seinen Gliedern. Seine Hand brannte, die Beine pochten. Neymar schob den Rollstuhl jetzt fast rennend, Suárez hielt den Rucksack fest, Ronaldo ging nebenher wie ein Bodyguard, Messi warf nervöse Blicke in jede Seitenstraße. „Wir bringen dich sofort nach Hause, Felix“, sagte Ronaldo mit ernster Stimme. „Keine Diskussion.“ Felix nickte matt. „Alles okay. Ich… hab’s erledigt.“ Seine Stimme klang wie ein schwaches Flüstern, aber ein Hauch von Stolz lag darin. Er ahnte nicht, dass irgendwo in der Dunkelheit ein leises, kaltes Lächeln existierte – und dass diese Nacht der Beginn von etwas war, das ihn an die Grenze bringen würde. Denn die Karte, die er glaubte, sicher verstaut zu haben, war längst in den Händen einer Frau, die nicht das war, was sie zu sein schien. Und über allem lag das Flüstern der alten Dame: „Er denkt, er ist stark. Morgen wird er spüren, wie zerbrechlich er wirklich ist.“ 57. Tag – Freitag, 18. 07. 2025 – Früher Morgen Ein milchiges Licht lag über dem Schlafzimmer, als Felix gegen halb acht erwachte. Die Schürfwunden an Knie, Schienbein, Knöchel und Handfläche brannten dumpf – jede Bewegung erinnerte an den gestrigen Sturz. Er tastete vorsichtig über die Krusten: an der linken Kniescheibe ein handflächengroßer, rubinroter Abrieb; auf dem Schienbein mehrere punktförmige Kratzer; rund ums Fußgelenk ein streifenförmiger Schorf; in der Handfläche ein münzgroßer, offener Fleck, der spannte, wenn er die Finger krümmte. Unten in der Küche hörte er Geschirr klappern. Die Eltern waren bereits wach. Zeit, es zu beichten. Geständnis am Frühstückstisch Als er im Rollstuhl in die Küche rollte, hob die Mutter den Kopf. Sie stellte sofort die Kaffeetasse ab, als ihr Blick auf den notdürftig bandagierten Verband an Felix’ Bein fiel. „Felix, was ist das?“ Ihre Stimme schwankte zwischen Sorge und Ärger. Felix atmete tief durch. „Ich … bin gestern auf dem Campus von einer Slackline gefallen. Es war meine Idee – ich wollte es probieren.“ Einen Moment herrschte Stille. Dann legte der Vater die Zeitung beiseite. „Slackline?! Und du sagst jetzt erst etwas?“ Felix spürte, wie ihm die Wangen heiß wurden. „Ich wollte niemanden beunruhigen. Die Jungs haben mir geholfen. Es ist nur aufgeschürft.“ Er zeigte die Handfläche, auf der sich bereits ein bernsteinfarbener Wundschorf bildete.

Mamas Reaktion Die Mutter stemmte die Hände in die Hüften, die Stirn gerunzelt. „Nur aufgeschürft? Gestern Nacht hast du geblutet! Wir hätten das sauber im Bad versorgen müssen, statt nur Taschentücher drum zu wickeln.“ Dann brach das Strenge in ihrem Blick – ein leises Aufleuchten von Stolz. „Aber … dass du dich überhaupt getraut hast – das hätte ich nicht gedacht.“ Sie seufzte, holte ihr Handy hervor und tippte in der Galerie. „Ich habe die Wunden eben fotografiert, bevor du wach warst.“ Sie zeigte die Bilder: • Ein halbmondförmiger, tief roter Abrieb über der Kniescheibe, mit dunklen Punkten eingetrockneten Blutes. • Die Handfläche – ein ovaler, feuchter Defekt, die Ränder schon leicht verkrustet. • Die Handrücken-Verletzung mit rötlicher Schwellung bis knapp unters Handgelenk. • Dünne Schrammen und winzige Steinchen am Schienbein sowie ein rostbrauner Streifen am Knöchel. „Damit wir später kontrollieren können, wie es verheilt“, erklärte sie. „Und falls sich etwas entzündet, haben wir Vergleichsbilder für den Arzt.“ Kurze Diskussion – dann Fürsorge Der Vater schüttelte den Kopf, doch seine Stimme blieb ruhig. „Ab heute kein Herumturnen mehr, bis das verheilt ist. Verstanden?“ Felix nickte kleinlaut. „Verstanden.“ Gleichzeitig spürte er einen warmen Stich der Bestätigung: Seine Mutter war zwar wütend, doch auch stolz auf seinen Mut. Die Mutter holte anschließend Desinfektionsspray, sterile Kompressen und elastische Mullbinden. Während sie vorsichtig reinigte, gab sie ihm kleine, praktische Ratschläge: „Nie auf trockenen Schorf sprühen, erst mit Kochsalzlösung befeuchten … Lass Luft dran, aber deck es zum Schlafen ab …“ Felix verzog das Gesicht, als das Spray brannte. Neymar, der verschlafen im Türrahmen erschien, rief halb tröstend, halb spöttisch: „Unser Akrobat! Nächstes Mal üben wir erst niedriger.“ Suárez hielt einen Daumen hoch, Messi stellte schweigend eine Flasche Wasser auf den Tisch, Ronaldo nickte Felix anerkennend zu. Ein neuer Tagesplan • Vormittag: Wundkontrolle beim Hausarzt – die Mutter bestand darauf. • Mittag: Absolute Ruhe; kein Weg in die Stadt, kein Training, kein FIFA-Turnier. • Abend: Der Vater wollte die neue Küche-Lieferung koordinieren; Felix durfte vom Sofa aus zusehen – Beine hoch, Kühlpad auflegen. Felix seufzte, spürte aber gleichzeitig ein leises Lächeln wachsen. Trotz des Ärgers war da dieses Gefühl, ein Stück weitergekommen zu sein: Er hatte etwas Neues gewagt – und die Familie stand hinter ihm, auch wenn es wehtat. Die Slackline-Narben brannten, doch in ihm glomm ein kleiner Funke Stolz – und eine Ahnung, dass er trotz aller Schatten um ihn herum nicht allein war. 57. Tag – Freitag, 18.07.2025 – Mittag in der Notaufnahme Die Mittagssonne knallte auf das Autodach, als die Familie mit den vier Spielern vor der Notaufnahme des Mainzer Klinikums vorfuhr. Felix saß im Rollstuhl, die Beine verbunden, die Hand in einer Mullbinde. Die Mutter bestand darauf: „Nur zur Sicherheit. Ich will wissen, ob nichts Schlimmeres ist.“ Ronaldo und Messi schoben ihn, Neymar und Suárez trugen die Tasche. Die Stimmung war merkwürdig gedrückt, aber Neymar versuchte mit Sprüchen die Spannung zu lockern: „Vielleicht kriegst du gleich einen VIP-Raum, Bruder.“ Felix grinste schwach – der Schmerz in den Knien und an der Hand war ein ständiger Begleiter.

Chaos bei der Anmeldung Die automatische Tür glitt auf. Der Geruch von Desinfektionsmittel schlug ihnen entgegen, begleitet von Stimmengewirr und dem Piepen entfernter Geräte. Menschen saßen dicht an dicht, manche husteten, andere hielten sich schmerzende Körperstellen. Ein typisches Bild einer überfüllten Notaufnahme. Felix’ Mutter steuerte sofort auf die Anmeldung zu. Doch dort stand niemand – nur ein Schild: „Bitte an die Tür zur Ersteinschätzung wenden.“ Sie schoben Felix zur Tür, klopften. Eine gestresste Pflegekraft öffnete kurz. „Ja?“ „Mein Sohn… Sturz, Schürfwunden, Handverletzung, starke Schmerzen.“ „Setzen Sie sich, wir rufen Sie auf.“ – Tür zu. Die Mutter runzelte die Stirn. „Warum sagt uns keiner, wie das hier läuft?“ „Setzen wir uns einfach hin“, schlug Messi vor und schob den Rollstuhl zu einer freien Ecke. Der Ausbruch Sie hatten gerade Platz genommen, als ein Mann, etwa Mitte fünfzig, mit einer Gipsmanschette am Arm aufsprang. Er war groß, bullig, das Gesicht gerötet. Seine Stimme donnerte quer durch den Raum: „Geht’s noch?! Einfach an der Tür klopfen, als ob ihr die Einzigen wärt!“ Die Mutter fuhr herum. „Wie bitte?! Wir haben nur gefragt, was wir tun sollen! Niemand hat uns informiert!“ Der Mann fuchtelte mit dem verletzten Arm. „Ich hab euch gesehen! Reinspazieren, als wärt ihr was Besseres!“ „Wir wollten nur wissen, wohin!“, rief die Mutter nun lauter, ihre Stimme bebte vor Wut. „Hören Sie auf, uns anzuschreien!“, mischte sich Neymar ein, erhob sich halb aus dem Stuhl. „Halt du dich da raus!“, knurrte der Mann und fixierte die Gruppe. „Vier Typen, die aussehen wie… Fußballstars oder so. Und ihr benehmt euch wie VIPs!“ „Wir haben keinen bevorzugt!“, entgegnete die Mutter scharf. Der Mann lachte höhnisch. „VIPs in der Notaufnahme! Lächerlich!“ „Lachen Sie uns ins Gesicht?!“ Jetzt wurde die Stimme der Mutter eisig. „Was fällt Ihnen ein?!“ Die Lautstärke stieg. Die Leute ringsum drehten sich um. Messi stand auf, stellte sich schützend neben Felix, während Ronaldo die Arme verschränkt hielt – ruhig, aber mit einem Blick, der keine Diskussion duldete. Neymar war kurz davor, nach vorne zu stürmen, Suárez knurrte etwas Unverständliches auf Spanisch. Nur Felix blieb völlig ruhig. Er saß im Rollstuhl, die Hände auf den Knien, und blickte auf den Boden. Nicht ausrasten. Nicht in Panik fallen. Einfach warten. Zum Glück war der Vater nicht dabei Die Mutter dachte einen Moment lang: Gut, dass mein Mann nicht hier ist. Denn sie wusste – er hätte dem Mann vermutlich eine geschlagen. Die Szene wäre eskaliert. So aber blieb es bei lautem Wortgefecht, bis eine Krankenschwester dazwischen ging: „Stopp! Sofort Ruhe! Sonst fliegen alle raus! Setzen Sie sich hin!“ Der Mann murrte und ließ sich fallen. Die Mutter presste die Lippen zusammen, die Hände zitterten leicht. Neymar fluchte leise, Ronaldo legte ihm beschwichtigend eine Hand auf die Schulter. Warten auf die Ersteinschätzung

Die Minuten krochen dahin. Die Luft im Wartebereich war stickig, das Piepen der Monitore aus den Behandlungszimmern wurde wie ein nervtötender Takt. Felix spürte den Schmerz stärker werden, aber sagte kein Wort. Er wollte keinen weiteren Streit. Messi reichte ihm eine Flasche Wasser. „Alles gut?“ Felix nickte. „Ja… wir warten einfach.“ Draußen schob sich der Nachmittag in den Abend. Noch ahnte niemand, dass die wirkliche Gefahr nicht in der Notaufnahme lauerte – sondern draußen, wo die vermeintliche Mutter mit dem Kinderwagen in ihrem Auto saß und der alten Dame gerade flüsternd berichtete: „Sie sind in der Klinik. Er ist angeschlagen – mehr als wir dachten. Aber er bleibt stur. Perfekt für uns.“ Und die kalte Stimme antwortete: „Gut. Lass ihn glauben, er wäre sicher. Bald drehen wir den Druck weiter.“ 57. Tag – Freitag, 18.07.2025 – Später Nachmittag in der Notaufnahme Die Luft im Wartebereich der Notaufnahme war schwer von der Mischung aus Desinfektionsmittel und Anspannung. Felix saß im Rollstuhl zwischen Ronaldo und Messi, während Neymar nervös mit dem Fuß wippte und Suárez sich eine Zeitung geschnappt hatte, nur um irgendetwas in den Händen zu haben. Die Mutter war unruhig, schaute immer wieder zur Tür mit der Aufschrift „Ersteinschätzung“. Endlich – nach gefühlt einer Ewigkeit – kam eine Krankenschwester heraus und rief: „Felix Z.! Bitte.“ Die Ersteinschätzung Sie schoben Felix in einen kleinen Raum. Eine Schwester, jung, aber professionell, trug Handschuhe und sprach mit ruhiger Stimme: „Was haben wir? Sturz, Schürfwunden und… geschwollene Hand?“ Die Mutter nickte und öffnete vorsichtig den Verband an Felix’ Handfläche. Darunter kam die offene Stelle zum Vorschein – ein tiefer Schürfrand, feucht, mit leichtem Rand. Die Schwester zog die Brauen zusammen, drückte sanft um das Handgelenk. Felix zuckte. „Tut das weh?“ „Ja… ein bisschen“, murmelte er. Sie betrachtete die Beine. Die Kamera des Handys der Mutter hatte die ganze Wahrheit gezeigt, aber live wirkte es weniger dramatisch: • Knie: großflächige Schürfwunde, aber sauber. • Schienbein & Knöchel: kleine Kratzer, kein Infektionszeichen. Die Schwester nickte. „Also, die Beine sehen nicht gefährlich aus. Müssen nicht mal unbedingt abgedeckt werden, wenn Sie zu Hause auf Hygiene achten. Luft dran ist besser.“ Die Mutter atmete auf. „Und die Hand?“ Die Schwester verzog das Gesicht. „Die macht mir Sorgen. Die ist geschwollen, und bei offenen Wunden im Bereich der Hand kann schnell eine Infektion entstehen. Sie müssen in die Notaufnahme – Arztkontrolle, vielleicht eine Röntgenaufnahme, um Brüche auszuschließen. Ich melde Sie an. Setzen Sie sich bitte wieder raus. Aber… es kann dauern.“ Die lange Wartezeit beginnt Zurück im Warteraum herrschte eine andere Stimmung. Die Mutter erklärte den Spielern flüsternd, was los war. Neymar stöhnte: „Wie lange dauert das?“ „Hier?“, meinte Suárez und schnaubte. „Ewig.“ Ronaldo sah Felix an, legte eine Hand auf seine Schulter. „Hast du Schmerzen?“ Felix zuckte mit den Schultern. „Geht so… es pocht. Aber ich halte durch.“ Sie warteten. Minuten wurden zu einer Stunde. Das Summen der Neonlampen, das Piepen der Geräte aus den Behandlungsräumen – all das verschmolz zu einem monotonen Hintergrund.

Felix’ Beine kribbelten, die Hand pochte stärker. Neymar holte irgendwann Snacks aus dem Automaten, Messi hielt ihm still eine Wasserflasche hin. Die Mutter saß neben Felix, streichelte ihm über den Arm. Sie wirkte müde, aber fest entschlossen. „Wir gehen hier nicht weg, bis alles abgeklärt ist.“ Im Schatten des Alltäglichen Niemand bemerkte draußen den silbernen Kombi, der auf dem Parkplatz stand. Hinter der Windschutzscheibe glühten zwei Augen im Schein der Straßenlaterne. Die vermeintliche Mutter – jetzt ohne Kinderwagen, das Haar streng zurückgebunden – sprach leise in ein Headset: „Statusbericht: Sie sind noch immer in der Klinik. Handverletzung zwingt sie zum Warten. Perfekt. Mehr Zeit für uns, um Phase Drei vorzubereiten.“ Die Stimme der alten Dame knisterte über die Leitung: „Sehr gut. Halte dich bereit. Heute Nacht will ich wissen, ob er glaubt, in Sicherheit zu sein. Je sicherer er sich fühlt, desto tiefer wird der Fall.“ Der Wagen fuhr lautlos vom Parkplatz, während drinnen Felix mit müden Augen auf die große digitale Uhr über dem Empfang starrte. 18:47 Uhr. Er ahnte nicht, dass die eigentliche Gefahr nicht von seinen Wunden kam – sondern von der Hand, die längst in einem unsichtbaren Netz aus Intrigen gefangen war. Und noch wusste keiner: Die nächste Nacht würde nicht ruhig werden. 57. Tag – Freitag, 18.07.2025 – Später Abend in der Notaufnahme Die Stunden schleppten sich dahin wie in Zeitlupe. Felix saß im Rollstuhl, die Beine ausgestreckt, die Hand dick bandagiert. Neben ihm Neymar, der längst auf zwei Plastikstühlen lag und leise Musik hörte. Messi scrollte schweigend durch sein Handy, Suárez kaute Kaugummi und starrte an die Decke, Ronaldo wirkte wie ein Fels – unbeweglich, aber wachsam. Drei Stunden waren vergangen, seit sie auf die Ärztin warteten. Immer wieder huschten Krankenschwestern vorbei, Patienten wurden aufgerufen – nur Felix’ Name blieb aus. Als endlich die Tür aufschwang und eine junge Ärztin mit kurzgeschnittenem Haar erschien, fühlte es sich an wie eine Erlösung. „Felix Z.? Bitte mitkommen.“ Untersuchung in der Notaufnahme Sie folgten der Ärztin in einen kleinen Behandlungsraum. Das Licht war grell, ein metallener Tisch stand an der Wand, daneben Geräte. „Also“, begann sie und zog sich Handschuhe über, „die Beine sind kein Problem. Oberflächliche Wunden, desinfizieren, sauber halten. Aber die Hand…“ Sie löste vorsichtig den Verband. Darunter kam die Schwellung zum Vorschein – die Haut gerötet, die Handfläche mit der offenen Wunde, die bis ins Gewebe reichte. Die Ärztin drückte leicht an den Knochen. Felix zuckte, ein scharfes Zischen entkam ihm. „Schmerz bei Druck, hm? Wir müssen röntgen. Um Brüche auszuschließen.“ Die Mutter nickte sofort. „Wie lange dauert das?“ „Momentan… ca. 30 Minuten Wartezeit. Danach zurück hierher.“ Warten vor dem Röntgen Die Gruppe schob Felix zum Radiologie-Bereich. Der Flur war kühl, die Wände in sterilem Weiß. Sie warteten vor einer Tür mit dem gelben Strahlensymbol. Neymar saß neben Felix und versuchte, Witze über „Superheldenkräfte durch Strahlung“ zu machen, aber Felix lächelte nur schwach. Die Müdigkeit zog an seinen Lidern. Nach einer halben Stunde endlich: „Herr Z., bitte.“

Die Spieler blieben draußen, während die Mutter half, Felix auf den Tisch zu legen. Das metallische Knacken der Halterungen hallte in seinem Kopf wider, als der Arm fixiert wurde. Ein grelles Summen, dann das Klicken des Röntgengeräts. Wenige Sekunden – und doch schien es endlos. Zurück zur Ärztin Wieder im Behandlungszimmer starrte Felix auf das Display, während die Ärztin die Bilder aufrief. Schwarz-weiß, Schatten, Konturen. Sie runzelte die Stirn. „Also… es ist kein klarer Bruch erkennbar. Das ist die gute Nachricht.“ Die Mutter atmete hörbar auf. Doch dann hob die Ärztin die Hand. „Aber: Ich sehe eine Unregelmäßigkeit in der Knochenstruktur. Es könnte ein feiner Riss sein – oder eine beginnende Knochenverletzung, die wir im Röntgen nicht eindeutig sehen. Deshalb empfehle ich dringend: CT in der kommenden Woche und Vorstellung bei einem Handchirurgen.“ „Können wir das hier machen?“ fragte die Mutter. Die Ärztin schüttelte den Kopf. „Leider nein, wir sind voll. Vereinbaren Sie einen Termin im Zentrum für Handchirurgie. Ich schreibe die Überweisung gleich aus.“ Felix schluckte. CT. Chirurg. Das Wort klang wie ein fernes Donnergrollen. „Muss ich die Hand jetzt ruhigstellen?“ „Ja“, bestätigte die Ärztin. „Ich lege eine Schiene an, bis zur Abklärung.“ Sie wickelte eine stabile Schiene um Felix’ Hand und fixierte sie mit elastischem Verband. „Damit kein zusätzlicher Druck auf die Knochen kommt.“ Verlassen der Klinik Es war kurz vor 22 Uhr, als sie das Gebäude verließen. Der Himmel über Mainz war dunkelblau, die Straßen fast leer. Felix saß im Rollstuhl, die Hand in der Schiene, der Blick starr nach vorn. Neben ihm die Mutter mit der Überweisung in der Hand, die vier Spieler wie stille Bodyguards. Die Nachtluft fühlte sich kühl an, aber sie brachte keine Ruhe. Nicht für Felix – und nicht für die, die ihn beobachteten. Denn auf der anderen Straßenseite, im Schatten eines Baumes, stand die vermeintliche Mutter, die das Telefon ans Ohr presste. Ihre Stimme war kalt und leise: „Statusbericht: Handverletzung schlimmer als gedacht. CT angeordnet. Sie verlassen gerade das Gebäude.“ Die Antwort der alten Dame war nur ein Flüstern: „Gut. Perfekt sogar. Er wird nächste Woche glauben, alles unter Kontrolle zu haben. Und dann… drehen wir den Hebel um.“ Die Frau legte auf, verschwand in der Dunkelheit. Felix ahnte nichts. Er spürte nur den dumpfen Schmerz in der Hand – und den nagenden Gedanken: Wie soll ich jetzt überhaupt irgendetwas machen? Sie waren noch nicht auf dem Weg nach Hause. Denn Ronaldo schlug vor: „Wir fahren nicht direkt heim. Lass uns irgendwo kurz hin, um runterzukommen. Ein langer Tag.“ Und Felix nickte – ohne zu wissen, dass der nächste Ort vielleicht der Anfang eines neuen Kapitels werden würde. 57. Tag – Freitag, 18.07.2025 – Später Abend: Essen nach der Klinik Die Tür der Notaufnahme schloss sich mit einem dumpfen Klicken hinter ihnen. Felix sog die kühle Abendluft tief ein, als wollte er den Krankenhausgeruch aus der Lunge vertreiben. Es war schon nach 22 Uhr, und sein Magen knurrte unüberhörbar. Seit dem Frühstück hatte er

kaum etwas gegessen – nur ein paar Snacks aus dem Automaten während der ewigen Wartezeit. „Ich hab Hunger“, murmelte er, kaum hörbar. Ronaldo, der den Rollstuhl schob, legte eine Hand auf seine Schulter. „Das dachte ich mir. Wir suchen was Ruhiges, okay?“ Neymar streckte sofort beide Arme in die Luft. „Yes! Essen! Ich sterbe!“ Suárez grinste nur: „Bitte kein Salat.“ Messi blieb still, aber sein Blick sagte, dass er dieselbe Idee hatte. Die Mutter war müde, aber nickte. „Ein kleines Abendessen, dann sofort nach Hause.“ Ankunft im kleinen Restaurant Sie fanden ein asiatisches Bistro in einer Seitenstraße, das noch geöffnet war. Warmes Licht drang durch die Fenster, draußen hingen rote Laternen, und der Duft nach gebratenem Gemüse und Sesamöl schwebte in der Luft. Drinnen war es ruhig – nur zwei Tische besetzt. Perfekt, um kurz durchzuatmen. Der Kellner führte sie an einen Tisch in der Ecke, wo Felix bequem im Rollstuhl sitzen konnte. Die Spieler setzten sich um ihn, wie eine schützende Wand. Die Mutter ließ sich schwer auf einen Stuhl fallen, die Augen voller Erschöpfung. „Was essen wir?“ Neymar schnappte sich sofort die Karte. „Ich nehm gebratene Nudeln. XXL!“ Suárez zeigte auf die Bilder. „Das Huhn sieht gut aus.“ Ronaldo, pragmatisch wie immer, wählte etwas mit Gemüse und Reis. Messi nickte nur und bestellte eine leichte Suppe. Felix sah auf die Karte. Die Zeilen verschwammen vor Müdigkeit, doch dann entdeckte er etwas, das ihn lächeln ließ: gebratene Hühnerbrust mit süß-saurer Sauce. „Das nehm ich“, sagte er leise. Ein Moment der Ruhe Als das Essen kam, breitete sich ein wohliger Duft aus, der für einen Augenblick die Krankenhausstunden vergessen ließ. Felix nahm die erste Gabel – warm, würzig, vertraut. Er spürte, wie die Anspannung langsam nachließ, auch wenn die Hand in der Schiene bei jeder Bewegung pochte. Die Mutter trank leise ihren Tee, während Neymar die Stimmung mit Geschichten von chaotischen Trainingseinheiten auflockerte. Ronaldo hörte aufmerksam zu, Messi lächelte hin und wieder, Suárez kaute konzentriert. Es war, als hielte die Welt für diesen kurzen Moment inne. Felix sah auf die Schale vor sich, dann zu den vier Männern, die so selbstverständlich an seiner Seite saßen, und fühlte ein stilles, warmes Gefühl in der Brust: Sicherheit. Heimweg Gegen Mitternacht verließen sie das Bistro. Die Straßen waren leer, nur das entfernte Summen einer Straßenbahn hallte durch die Nacht. Ronaldo schob den Rollstuhl zum Van, Neymar trug den Rucksack, Messi und Suárez hielten die Augen offen – ein unsichtbarer Schutzschild. Die Mutter saß vorn, blätterte wortlos in der Überweisung für den Handchirurgen. Felix lehnte den Kopf an die Sitzlehne. Die Müdigkeit drückte schwer, aber er spürte auch etwas anderes: Er hatte diesen Tag überstanden. Schmerzen, Streit, Krankenhaus, endlose Wartezeit – und doch war er nicht allein. Als sie vor dem Haus hielten, lag die Straße still im Mondlicht. Drinnen wartete ein Bett, frische Mullbinden und die Hoffnung auf Ruhe. Doch draußen, am Ende der Straße, parkte ein unscheinbarer Wagen. Hinter der Windschutzscheibe glühten zwei Augen im Licht der Laterne.

Die Frau mit dem strengen Blick legte das Handy an ihr Ohr. „Sie sind zu Hause“, flüsterte sie. Die Antwort der alten Dame war nur ein Schatten in der Leitung: „Gut. Heute schlafen sie. Morgen beginnt der nächste Schritt.“ Felix ahnte nichts. Für ihn endete der Tag mit einem stillen Gedanken: Vielleicht wird morgen leichter. Doch über Mainz spannte sich bereits ein Netz, dessen Fäden sich enger und enger um ihn legten. 58. Tag – Samstag, 19.07.2025 – Ein Tag der Ruhe Der Morgen brach ruhig an. Sonnenstrahlen fielen durch die halb geöffneten Rollläden in Felix’ Zimmer und zeichneten helle Streifen auf den Boden. Zum ersten Mal seit Tagen gab es keine Hektik, keine Termine, kein Warten in überfüllten Klinikfluren. Felix erwachte langsam, die Hand in der Schiene pochte dumpf, aber nicht mehr so schlimm wie gestern. Als er sich aufrichtete, hörte er Stimmen aus der Küche – das leise Klirren von Geschirr, den Duft von frischem Kaffee und Brötchen. Die Spieler schienen noch zu schlafen; der gestrige Marathon hatte alle ausgelaugt. Felix rollte ins Wohnzimmer. Seine Mutter stand am Tisch, sah auf und lächelte. „Na, Schlafmütze. Alles gut?“ „Geht so“, murmelte Felix und hob vorsichtig die bandagierte Hand. „Tut nicht so weh, nur drückt ein bisschen.“ „Heute machen wir ruhig“, sagte sie bestimmt. „Kein Stress. Keine Wege. Nur du, ich und ein schöner Film.“ Kühlpads und Routine Nach dem Frühstück – ein paar Brötchen, Kakao für Felix – setzte er sich aufs Sofa. Die Mutter holte ein frisches Kühlpad aus dem Gefrierfach, wickelte es in ein dünnes Tuch und legte es sanft auf die geschwollene Hand. Felix verzog das Gesicht, als die Kälte durch die Haut schnitt, aber er wusste, dass es helfen würde. „20 Minuten, dann Pause“, erklärte sie streng. Felix grinste leicht. „Wie eine Physiotherapeutin.“ „Ich nehme meine neue Rolle ernst“, erwiderte sie schmunzelnd. Während die Kälte langsam die Schwellung linderte, scrollte Felix durch sein Handy – Pokémon-Go-News, ein paar Nachrichten von Freunden, aber er reagierte kaum. Irgendwie war alles weit weg. Ein gemeinsamer Film Am späten Vormittag kam die Mutter mit einer Schüssel Popcorn und einer DVD-Box zurück. „Also, Klassiker oder was Neues?“ Felix überlegte kurz. „Was Lustiges. Nichts Schweres.“ Sie entschieden sich für eine Familienkomödie – leicht, bunt, ohne komplizierte Handlung. Der Fernseher flackerte auf, und bald erfüllte das Wohnzimmer das leise Knistern von Popcorn und das Lachen der Figuren auf dem Bildschirm. Felix lehnte sich zurück, die Hand auf einem Kissen, ein zweites Kühlpad bereit. Die Mutter saß neben ihm, warf hin und wieder besorgte Blicke auf die Hand, aber sagte nichts. „Danke, Mama“, murmelte Felix irgendwann leise. „Wofür?“ „Dass du… einfach hier bist.“ Sie lächelte und strich ihm sanft über den Arm. „Immer.“ Ein leises Gefühl von Frieden Der Nachmittag verging ruhig. Keine Nachrichten, kein Streit, keine fremden Stimmen. Nur das leise Summen des Fernsehers und das gelegentliche Lachen von Felix, wenn eine

besonders absurde Szene kam. Für einen Moment schien die Welt draußen weit weg – die Intrigen, die Gefahren, die Augen, die ihn verfolgten. Doch in einer anderen Ecke der Stadt saß die alte Dame in einem hohen, dunklen Sessel, das Telefon in der Hand. Die Stimme am anderen Ende meldete sich: „Er ist zu Hause. Ruhig. Mit seiner Mutter. Sie haben keine Ahnung.“ Die alte Dame lächelte dünn. „Sehr gut. Lass ihn glauben, alles sei normal. Morgen ziehen wir die Schlinge enger.“ Felix aber spürte davon nichts. Für ihn war dieser Tag ein kurzer, stiller Hafen – vielleicht der letzte, bevor der Sturm kam. 59. Tag – Sonntag, 20.07.2025 – Ein Morgen voller Farbe Die Sonne schien sanft durch die Gardinen, als Felix an diesem Sonntagmorgen erwachte. Die Nacht war ruhig gewesen – keine Schmerzen, die ihn aus dem Schlaf gerissen hatten, nur ein dumpfes Ziehen in der Hand, das ihm mittlerweile vertraut war. Als er in den Spiegel blickte, sah er sein gewohntes Spiegelbild – blass, müde, aber entschlossen. Und dann kam ihm die verrückte Idee wieder in den Sinn, die er schon vor Wochen mal ausgesprochen hatte: Haare färben. Heute war der Tag. Er wollte nicht grau und unsichtbar wirken. Er wollte anders sein – auffällig, mutig, ein Zeichen setzen, dass er trotz allem noch Kontrolle hatte. Der Plan wird Realität Als er in die Küche rollte, saßen Neymar und Suárez bereits am Tisch. Neymar grinste, noch bevor Felix etwas sagte: „Ich weiß, was du vorhast.“ Felix hob die Augenbraue. „Ach ja?“ „Rot, oder? Du hast das gestern angedeutet.“ Neymar sprang auf. „Bro, das wird geil! Warte, ich helf dir.“ Die Mutter kam gerade dazu, hörte den Satz und blieb stehen. „Wie bitte? Rot?“ Felix lächelte schüchtern. „Nur… ein bisschen. Nicht ganz krass.“ Die Mutter seufzte, aber in ihren Augen lag ein Schimmer von Belustigung. „Solange du keine grünen Streifen willst – meinetwegen. Aber wir machen’s ordentlich.“ Ronaldo, der inzwischen die Treppe herunterkam, zog eine Augenbraue hoch. „Rot? Mutig. Passt zu deinem Kampfgeist.“ Messi sagte nichts, aber ein kaum merkliches Lächeln huschte über sein Gesicht. Die Vorbereitungen Kurz darauf verwandelte sich das Badezimmer in ein improvisiertes Studio. Die Mutter brachte ein altes Handtuch, Neymar kramte eine Haartönung aus der Tasche (die er offenbar schon vor Tagen für „irgendeine spontane Aktion“ besorgt hatte), und Messi stellte einen Stuhl bereit. Felix setzte sich, das Herz pochte schneller. „Bereit?“ fragte Neymar mit einem breiten Grinsen. „So bereit wie nie“, antwortete Felix, obwohl er innerlich lachte. Wer hätte gedacht, dass ich mitten in all dem Stress meine Haare färbe? Neymar zog die Handschuhe an, die Mutter hielt die Packungsanleitung, Ronaldo stand wie ein Supervisor daneben und kommentierte: „Sauber arbeiten, sonst sieht er aus wie ein Clown.“ „Halt die Klappe, Chef“, lachte Neymar und trug die Farbe auf. Der Geruch nach Chemie erfüllte den Raum. Der Moment der Wahrheit 30 Minuten später kam der große Augenblick. Neymar wusch vorsichtig die Farbe aus, während Messi ein frisches Handtuch reichte. Felix spürte das warme Wasser auf der

Kopfhaut, dann das Gewicht des Handtuchs. Als er den Spiegel sah, stockte ihm kurz der Atem: sein Haar – kräftig rot, leuchtend, wie ein Signalfeuer. „Wow“, murmelte er. „Sieht gut aus, Bro!“, rief Neymar begeistert. Suárez grinste. „Jetzt wirkst du wie ein Rockstar.“ Die Mutter schüttelte den Kopf, aber ein Lächeln umspielte ihre Lippen. „Es passt zu dir. Mutig.“ Ronaldo nickte ernst, fast wie ein Trainer, der einen Spieler für einen riskanten Schritt lobt. „Das bist du. Kämpferisch.“ Ein neuer Blick auf sich selbst Felix betrachtete sich im Spiegel. Das Rot schimmerte im Licht, kräftig, auffällig, rebellisch. Zum ersten Mal seit Wochen fühlte er sich nicht wie das Opfer von Zufällen und Gefahren. Für einen Moment hatte er selbst die Kontrolle übernommen. „Und jetzt?“ fragte Neymar, während er die Sauerei im Waschbecken beseitigte. Felix grinste schwach. „Jetzt… frühstücken. Und dann sehen wir, was der Tag bringt.“ Was Felix nicht wusste: Draußen, am Straßenrand, parkte wieder dieses unscheinbare Auto. Die vermeintliche Mutter tippte eine Nachricht an die alte Dame: „Zielperson hat äußerlich verändert – Haare rot. Stimmung stabil. Perfekter Zeitpunkt für Phase 3. Er ist entspannt, wird die Gefahr nicht kommen sehen.“ Die Antwort kam sofort: „Gut. Halte dich bereit. Heute Abend bewegen wir die Steine weiter.“ Felix aber starrte noch einmal in den Spiegel und flüsterte: „Das bin ich. Nicht die Angst.“ 59. Tag – Sonntag, 20.07.2025 – Mittag Die roten Haare glänzten immer noch frisch, als Felix in die Küche rollte. Der Duft von warmen Brötchen hing in der Luft, die Mutter deckte gerade den Tisch, während Ronaldo am Fenster telefonierte. Neymar und Suárez lagen halb auf der Couch und spielten FIFA, Messi las Nachrichten auf dem Handy. Felix gähnte, nahm Platz am Tisch und griff nach einem Glas Wasser. Da trat die Mutter zu ihm, ein Zettel in der Hand, das Gesicht ernst. „Felix… wir haben eben einen Rückruf aus der Klinik bekommen.“ Ihre Stimme klang ruhig, aber er spürte die Spannung darin. „Wegen der Hand?“ fragte er sofort, sein Herz schlug schneller. Sie nickte. „Ja. Die Ärztin hat deine Röntgenbilder an einen Handchirurgen weitergeleitet. Sie wollen morgen früh ein CT machen und dann ein Chirurgengespräch. Es besteht Verdacht auf eine komplizierte Fraktur im Bereich der Mittelhand.“ Felix blinzelte. „Also… morgen? Schon?“ „Ja. 09:00 Uhr müssen wir da sein.“ Einen Moment lang war es still. Neymar drückte pausiert den Controller und sah herüber. Messi legte das Handy beiseite. „Heißt das… OP?“ Felix’ Stimme zitterte ein wenig. „Vielleicht. Kommt auf das CT an“, sagte die Mutter vorsichtig. „Aber sie wollen nichts riskieren. Die Hand ist geschwollen und instabil.“ Felix schluckte schwer. In seinem Kopf rauschte es. Operation… Krankenhaus… Bilder flackerten auf: sterile Räume, grelles Licht, Narkosemasken. Ein kalter Schauer kroch seinen Rücken hinunter. Ronaldo kam dazu, legte beruhigend eine Hand auf seine Schulter. „Hör zu, das ist gut. Sie kümmern sich früh genug. Das ist besser, als wenn du wartest und es schlimmer wird.“ Neymar nickte heftig. „Genau! Morgen hin, checken, fixen, fertig. Dann bist du wieder safe.“ Felix atmete tief durch. „Okay… morgen also.“

Ein stiller Nachmittag Nach dem Mittagessen schlug die Mutter vor: „Wir machen es uns gemütlich. Keine Sorgen bis morgen.“ Sie brachte eine große Schüssel Popcorn ins Wohnzimmer, und Felix setzte sich auf die Couch, die Hand hochgelagert auf einem Kissen mit einem frischen Kühlpad. „Was wollen wir gucken?“ fragte Neymar und hielt drei DVDs hoch. „Nichts Aufregendes“, sagte die Mutter streng. „Etwas zum Ablenken.“ Sie entschieden sich für eine leichte Komödie – bunte Bilder, flache Witze, genau das Richtige, um das dumpfe Gefühl in Felix’ Bauch zu übertönen. Während der Film lief, lag er halb angelehnt, die Wärme der Decke auf den Beinen, der vertraute Geruch von Popcorn in der Luft. Die Mutter saß dicht neben ihm, streichelte ihm manchmal über den Arm, wenn sie merkte, dass er zu sehr in Gedanken versank. Ronaldo saß auf der anderen Seite, ruhig wie ein Fels. Neymar und Suárez lachten an den passenden Stellen viel zu laut, und Messi? Der war wie immer still, aber sein Blick glitt immer wieder zu Felix – wachsam, fast schützend. Ein kurzer Moment der Normalität Als der Film endete, fühlte Felix sich für einen Augenblick leichter. Nicht, weil die Angst verschwunden war – sondern weil er spürte, dass er nicht allein war. Er blickte zu seiner Mutter, dann zu den vier Spielern. „Danke… dass ihr da seid“, murmelte er. Neymar klopfte ihm sanft auf den Oberschenkel. „Morgen packen wir das. Kein Stress.“ Draußen färbte sich der Himmel langsam orange. Der Tag neigte sich dem Ende zu – und mit ihm die letzte echte Ruhe vor dem, was kommen sollte. Denn während Felix und seine Familie im Wohnzimmer saßen, tippte in einem anderen Teil der Stadt eine Hand mit langen, dünnen Fingern eine Nachricht in ein altes Handy: „Morgen ist er wieder in der Klinik. Perfekter Moment für Phase 3. Er wird sich sicher fühlen – bis wir ihm zeigen, dass Sicherheit nur eine Illusion ist.“ Die alte Dame legte das Telefon beiseite, und ein dünnes, kaltes Lächeln zog sich über ihr Gesicht. 59. Tag – Sonntagabend, 20.07.2025 – Ein unheimlicher Fund Der Himmel über Mainz war in ein tiefes Blau getaucht, die ersten Sterne blinkten schwach, als Felix auf der Terrasse saß. Neben ihm lehnte der Rollstuhl, die Beine hochgelagert, die Hand sorgfältig in der Schiene fixiert. Neymar und Suárez spielten noch auf der Konsole, Messi las ein Buch, Ronaldo scrollte durch sein Handy. Die Mutter bereitete drinnen Tee. Felix blickte gedankenverloren in die Ferne. Plötzlich kam ihm eine Idee: Wie sieht die Slackline wohl jetzt aus? Die Erinnerung an den Sturz brannte noch frisch in ihm – das Gefühl des kippenden Bandes, der harte Aufprall, die Dunkelheit. Er nahm sein Handy, öffnete Google Maps und klickte auf die Uni, wo die Slackline gespannt gewesen war. Vielleicht hatte jemand ein Foto hochgeladen? Er scrollte durch Social-Media-Posts und stutzte: Ein Bild von heute Morgen, getaggt „Campus Mainz – Slackline-Session“. Felix zoomte hinein. Die Slackline war nicht mehr dieselbe. Sie wirkte kürzer, anders gespannt, und die Befestigungspunkte lagen an völlig anderen Stellen. Felix’ Herz machte einen Satz. „Unmöglich…“, murmelte er. Er spürte, wie sich ein kalter Schatten in seine Gedanken schob. Wieso tauscht man eine Slackline aus – direkt nach einem Unfall? Er zeigte das Bild der Mutter, als sie mit dem Tee kam. Sie runzelte die Stirn. „Vielleicht ein Zufall?“ „Aber… warum so schnell?“ „Felix… du bist müde. Denk nicht so viel darüber nach.“ Sie lächelte gezwungen, aber ihre Augen verrieten Sorge.

Was Felix nicht weiß Während Felix noch starr auf das Foto sah, arbeitete wenige Kilometer entfernt in einem unscheinbaren Büro die Sicherheitsabteilung der Unimedizin. Auf mehreren Monitoren flimmerten Aufnahmen vom Campus. Ein Mann in weißem Hemd sprach in ein Headset: „Bestätigung: Slackline wurde innerhalb von zwölf Stunden nach dem Unfall ersetzt. Länge abweichend um 40 Zentimeter. Materialtyp ebenfalls anders. Offiziell keine Genehmigung für Austausch.“ Eine Kollegin zog die Augenbrauen zusammen. „Und die Person, die das gemacht hat?“ „Keine Meldung. Niemand hat sich registriert.“ Er griff zum Telefon. „Wir geben das an die Polizei. Verdacht auf vorsätzliche Manipulation.“ Ermittlungen beginnen Später, als die Straßen still wurden, parkte ein dunkler Wagen auf dem Campus. Zwei Männer in Zivil standen neben der Slackline, die im Licht der Taschenlampen schwach schimmerte. „Neue Knoten. Frisch gezogen“, murmelte einer. „Und die alte? Verschwunden.“ Der andere notierte etwas. „Alles dokumentieren. Wenn das Absicht war, sprechen wir nicht mehr von einem Studentenstreich.“ Im Haus von Felix Drinnen im Wohnzimmer dröhnte leise das Lachen einer Sitcom, aber Felix hörte kaum hin. Er sah wieder auf das Foto, dann auf seine rot gefärbten Haare im Spiegel. Sein Bauch zog sich zusammen. Warum fühle ich mich, als würde mich jemand testen? Die Mutter legte ihm eine Decke über die Beine. „Schlaf morgen gut aus, wir müssen früh zum Chirurgen.“ Felix nickte, aber seine Gedanken wirbelten. Und draußen, weit entfernt, schloss die alte Dame langsam einen Ordner mit dem Etikett: „Phase 3 – Bereit“ In ihrem Ohr rauschte die Stimme der Frau mit dem Kinderwagen: „Die Polizei hat die Slackline bemerkt. Aber das spielt keine Rolle. Wir sind längst weiter.“ Die alte Dame lächelte dünn. „Perfekt. Bald beginnt das eigentliche Spiel.“ 60. Tag – Montag, 21.07.2025 – Früher Morgen: Der Termin beim Chirurgen Das Klingeln des Weckers zerriss die morgendliche Stille um 06:30 Uhr. Felix fuhr erschrocken hoch. Sein Herz klopfte sofort schneller, als ihm der Grund einfiel: Heute ist der Tag. Der Termin beim Handchirurgen. Das CT. Das Wort „Operation“ schwebte wie eine dunkle Wolke über ihm. Die Mutter stand bereits in der Küche, der Duft von frischem Kaffee hing in der Luft. „Aufstehen, Schatz. Wir müssen in einer Stunde los.“ Felix rollte ins Bad, die roten Haare zerzaust, die Hand in der weißen Schiene, die so fest saß, dass die Finger leicht kribbelten. Die vier Spieler waren schon wach. Ronaldo stand wie immer diszipliniert am Fenster, in Sportkleidung. Messi saß mit einer Tasse Tee am Tisch, Neymar starrte gähnend auf sein Handy, und Suárez schob sich ein Stück Brot in den Mund. „Heute großer Tag, hm?“ sagte Neymar aufmunternd. Felix versuchte ein Lächeln, aber es gelang kaum. „Alles wird gut“, meinte Ronaldo mit dieser ruhigen Überzeugung, die ihm eigen war. Abfahrt zur Klinik Gegen 07:30 Uhr fuhren sie los. Ronaldo übernahm das Steuer des Vans, die Mutter saß auf dem Beifahrersitz, Felix hinten im Rollstuhl fixiert, flankiert von Neymar und Messi. Der Vater kam separat im eigenen Wagen – er wollte dabei sein, aber sein Gesicht, als Felix ihn kurz sah, war hart und verschlossen. Felix spürte sofort den Druck.

Die Straßen von Mainz lagen im goldenen Morgenlicht. Felix starrte hinaus, doch die Gedanken rasten. CT. Enge Röhre. Geräusche. Was, wenn sie was Schlimmes finden? Was, wenn… Er presste die Lippen zusammen, spürte, wie seine Hände feucht wurden. „Alles gut?“ fragte Messi leise. Felix nickte, obwohl seine Kehle trocken war. Neymar beugte sich vor. „Ey, Bro, das ist nur ein Foto von innen. Die tun dir nix.“ „Ein Foto, das über mein Leben entscheidet“, dachte Felix, sagte aber nichts. Ankunft beim Chirurgen Die Klinik lag in einem modernen Gebäude, Glasfassade, glänzende Böden. Schon beim Betreten umfing Felix dieser sterile Geruch nach Desinfektionsmittel. Die Mutter meldete ihn an der Rezeption, während Ronaldo diskret den Überblick behielt. Nach einer kurzen Wartezeit kam eine Assistentin: „Herr Z., bitte folgen Sie mir.“ Felix wurde in ein helles Untersuchungszimmer gebracht. Weiß, grelles Licht, metallische Gerätschaften – alles wirkte kälter, als er ertragen konnte. Dann trat der Chirurg ein: ein Mann Mitte fünfzig, graue Haare, ruhiger Blick. „Guten Morgen, Felix. Ich bin Dr. Reimann. Wir schauen uns heute Ihre Hand an. Die Röntgenbilder haben wir gesehen – nicht eindeutig. Deshalb machen wir ein CT. Dann wissen wir, ob wir operieren müssen.“ Felix spürte, wie sich sein Magen verkrampfte. „CT… jetzt?“ „Ja. Wir wollen keine Zeit verlieren. Je eher wir Klarheit haben, desto besser.“ Die Mutter drückte seine Schulter. „Es ist nur eine Untersuchung.“ Aber Felix hörte kaum zu. Das Wort CT hallte in seinem Kopf wie ein Echo. Angst und Beruhigung Die Assistentin erklärte: „Sie legen sich auf eine Liege, der Scanner macht Aufnahmen. Tut nicht weh, aber Sie müssen stillhalten.“ Felix schluckte. Stillhalten… enge Röhre… laute Geräusche. Schweiß perlte ihm auf die Stirn. „Ich… ich hab Angst“, murmelte er leise. Messi kniete sich neben ihn, sprach ruhig: „Hör zu. Es dauert ein paar Minuten. Wir bleiben vor der Tür, direkt bei dir. Du bist nicht allein.“ Ronaldo legte die Hand auf seine Schulter: „Das ist nichts gegen das, was du schon geschafft hast.“ Neymar grinste schief. „Und wenn du drin bist, stell dir vor, es ist ein Raumschiff. Du bist der Pilot.“ Felix lachte kurz, nervös. „Ein Raumschiff… okay.“ Vor dem CT-Raum Die Assistentin kam zurück. „Wir sind bereit.“ Felix’ Herz raste. Er spürte, wie seine Hände zitterten, als er auf die Liege gehoben wurde. „Alles wird gut“, flüsterte die Mutter. „Wir sind hier.“ Die Tür zum CT-Raum glitt zu. Felix sah das weiße Rund des Scanners, das wie ein gigantisches Auge wirkte. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. Während die Maschine anlief und das monotone Summen begann, ahnte er nicht, dass draußen – auf dem Parkplatz – ein schwarzer Wagen stand. Hinter den getönten Scheiben saß die vermeintliche Mutter, ein Handy am Ohr. „Er ist im CT“, flüsterte sie. Am anderen Ende die alte Dame: „Perfekt. Heute wird er glauben, dass alles in Ordnung ist. Bis wir den nächsten Zug machen.“

Drinnen hielt Felix den Atem an, als die Liege langsam in die Röhre glitt. 60. Tag – Montag, 21.07.2025 – Später Vormittag: Die Diagnose Das Brummen des CT-Geräts verklang. Die Liege fuhr langsam zurück, und Felix spürte den kalten Raum, die sterile Luft und die Beklemmung in seiner Brust. Vorbei, dachte er, aber die Erleichterung wollte nicht kommen. Sein Herz hämmerte, während die Assistentin die Bilder aufrief. „Wir bringen Sie gleich wieder zu Dr. Reimann“, sagte sie freundlich. Ronaldo und Messi warteten bereits im Flur, Neymar und Suárez standen etwas abseits. Die Mutter trat sofort an Felix’ Seite und strich ihm über die Schulter. „Alles gut?“ „Ja… glaube ich“, flüsterte Felix, obwohl sein Magen sich anfühlte, als würde er sich zusammenknoten. Zurück zum Chirurgen Wenige Minuten später saß Felix wieder im hellen Behandlungszimmer, die Hand in der Schiene, die Finger kalt vor Nervosität. Dr. Reimann trat ein, einen Ausdruck in der Hand, die Stirn ernst. Er setzte sich, legte die Bilder auf den Leuchtschirm. „Felix, ich habe die Ergebnisse. Ich sage es Ihnen gleich klar: Sie haben einen Bruch.“ Felix spürte, wie ihm der Boden unter den Füßen wegsackte. „Es ist ein feiner Bruch des dritten Mittelhandknochens. Und er ist verschoben. Deshalb wird die Hand ohne Eingriff nicht richtig heilen.“ Die Mutter hielt den Atem an. „Was heißt das?“ „Wir müssen eine Operation machen“, sagte der Chirurg ruhig. „Dabei setzen wir eine kleine Titanplatte mit Schrauben ein, um den Knochen zu stabilisieren.“ Felix’ Herz raste. Metall… in meiner Hand? Schrauben? Sein Blick verschwamm kurz. „OP…? Wie… wie lange?“ „Der Eingriff selbst dauert nicht lange – etwa eine Stunde. Sie bekommen eine Vollnarkose, merken nichts. Aber wir müssen das in den nächsten Tagen machen, am besten sofort einen Termin vereinbaren. Je länger wir warten, desto größer das Risiko, dass die Knochen falsch zusammenwachsen.“ Angst übernimmt Felix schluckte, spürte, wie die Kehle trocken wurde. „Ich… ich weiß nicht… Ich hab Angst.“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Das ist normal“, sagte Dr. Reimann mit ruhigem Ton. „Aber glauben Sie mir: Das ist Routine. Ohne die Platte können Sie später nicht mehr richtig greifen. Mit der OP haben Sie die besten Chancen, wieder alles normal benutzen zu können.“ Die Mutter drückte seine Schulter. „Felix… wir machen das. Es ist besser so.“ Ronaldo trat einen Schritt vor, legte sanft die Hand auf Felix’ Rücken. „Das ist wie ein wichtiges Spiel. Wir bereiten uns vor, wir gehen rein, wir gewinnen. Du bist stark.“ Neymar nickte sofort. „Und wir sind dabei, Bro. Kein Alleingang.“ Messi, still wie immer, sah Felix fest an. „Das hier bringt dich vorwärts. Nicht zurück.“ Termin an der Uniklinik „Wir operieren nicht hier in der Praxis“, erklärte der Chirurg weiter. „Ich gebe Ihnen eine Überweisung für die Unimedizin Mainz. Dort gibt es die Handchirurgie mit OP-Sälen. Wir klären gleich, ob wir diese Woche noch einen Termin bekommen.“ Die Mutter atmete tief durch. „Also direkt zur Anmeldung in der Uniklinik?“ „Ja“, bestätigte Reimann. „Nehmen Sie alle Unterlagen mit – Röntgen, CT, meinen Befund. Dort wird der OP-Termin festgelegt. Je schneller, desto besser.“

Felix fühlte sich, als würde die Welt um ihn her immer lauter werden. Metallplatten, Narkose, Klinik. Sein Blick wanderte zu seiner Hand, eingepackt in die Schiene – und plötzlich wirkte sie wie ein Fremdkörper. Die Mutter strich ihm beruhigend über den Arm. „Wir fahren gleich rüber. Zusammen.“ Felix nickte, aber innerlich schrie alles in ihm: Ich will nicht in den OP… Ich will nicht schlafen und aufwachen mit Schrauben in mir. Doch er wusste: Er hatte keine Wahl. Als sie das Gebäude verließen, lag die Sonne grell über Mainz. Der Van wartete vor der Tür, und Felix spürte, wie der Tag immer schwerer wurde. In seiner Brust pochte nicht nur Angst – sondern auch die leise Ahnung, dass diese Woche alles verändern würde. Und während sie losfuhren, beobachtete ein grauer Kombi in der Ferne die Straße. Die vermeintliche Mutter saß am Steuer, das Handy am Ohr: „Er fährt zur Uniklinik. OP-Termin wird festgelegt.“ Die alte Dame antwortete mit eiskalter Ruhe: „Perfekt. Je verwundbarer er ist, desto einfacher unser nächster Schritt. Heute beginnt Phase 3.“ 60. Tag – Montag, 21.07.2025 – Mittag an der Unimedizin Mainz Die Sonne stand hoch über Mainz, als der Van auf das Gelände der Uniklinik rollte. Es war kurz nach 12:30 Uhr, als Felix mit seiner Mutter, den vier Spielern und – etwas später – auch der Vater am Haupteingang ankam. Das riesige Klinikareal wirkte wie ein Labyrinth aus Glasfronten, grauen Gebäudeblöcken und endlosen Fluren. Überall Hektik: Menschen in weißen Kitteln, Patienten in Rollstühlen, piepende Monitore, Durchsagen, die über Lautsprecher hallten. Felix’ Magen verkrampfte sich. Hier soll ich also operiert werden. Der Gedanke ließ ihn frösteln, trotz der drückenden Sommerhitze. Seine Hand pochte unter der Schiene, und jeder Schritt durch die Eingangshalle verstärkte die Nervosität. Die Anmeldung – und das Warten Die Mutter steuerte zielstrebig zur Information. „Wir müssen zur Anmeldung für die Handchirurgie“, erklärte sie. Die Dame am Schalter nickte knapp: „Dritter Stock, Zimmer 3.21. Dort melden Sie sich an. Dann klärt der Chirurg alles für den OP-Termin.“ Mit einem Stapel Unterlagen und einer Überweisung in der Hand machten sie sich auf den Weg. Der Aufzug war überfüllt, also warteten sie lange. Schließlich erreichten sie den dritten Stock – ein Flur mit weißen Türen, sterilem Geruch und dem typischen Summen der Klimaanlage. „Hier ist es“, sagte die Mutter und klopfte an die Tür. Ein Schild: „Anmeldung Handchirurgie“. Drinnen saß eine gestresste Mitarbeiterin. „Name?“ – „Felix Z.“ – „Setzen Sie sich bitte. Wir rufen Sie auf.“ Also nahmen sie Platz in einem Wartebereich, der aus zehn Plastikstühlen bestand, Neonlicht über ihnen, ein Automat mit Wasser in der Ecke. Neymar scrollte auf dem Handy, Suárez kaute Kaugummi, Messi sah aus dem Fenster, Ronaldo blieb stoisch. Felix saß still, die Beine ausgestreckt, die Hand auf einem Kissen. Sein Herz schlug so laut, dass er das Piepen der Rufanlage kaum hörte. Drei Stunden vergehen Die Zeit kroch. Eine Stunde. Zwei Stunden. Drei Stunden. Immer wieder kamen Namen über die Lautsprecher, doch nie seiner. Die Mutter ging mehrfach zur Anmeldung. „Wir sind gleich

dran“, hieß es jedes Mal. Felix spürte die Müdigkeit in den Knochen, die Hitze drückte trotz der Klimaanlage, und die Nervosität brannte wie Feuer. „Das ist wie ein Stadion, aber ohne Spiel“, murmelte Neymar und versuchte, Felix zum Lachen zu bringen. Es gelang nicht. Endlich – um kurz nach 15:30 Uhr – trat die Mitarbeiterin aus dem Büro, sah genervt in ihre Unterlagen und sagte: „Ach… Sie sind gar nicht hier richtig. Die OP-Planung läuft nicht in diesem Gebäude. Sie müssen rüber ins Chirurgische Zentrum, Haus 505.“ Einen Moment lang war es still. Die Mutter blinzelte ungläubig. „Wie bitte?! Wir sitzen hier seit drei Stunden!“ „Das tut mir leid, aber das ist nicht meine Zuständigkeit. Bitte dort anmelden.“ Die Mutter atmete hörbar ein, die Hände zitterten leicht. „Das ist eine Uniklinik. Warum sagt uns das niemand an der Info?!“ Die Mitarbeiterin zuckte nur mit den Schultern. „Das passiert öfter.“ Felix fühlte, wie die Luft in seinen Lungen schwer wurde. Drei Stunden… für nichts. Er sah auf seine Hand, die in der Schiene steckte, und spürte einen Stich aus Wut und Erschöpfung. Ronaldo hob den Blick. „Komm. Wir gehen. Kein Drama jetzt.“ Messi nickte wortlos, während Neymar murmelte: „Das ist doch wie ein FIFA-Bug im echten Leben.“ Suárez knurrte leise etwas auf Spanisch, das niemand übersetzen wollte. Aufbruch zum nächsten Gebäude Sie machten sich auf den Weg durch das Labyrinth der Klinik. Der Vater, der gerade zurückkam, wurde von der Mutter fast angefahren – so wütend war sie. „Drei Stunden! Und keiner hat’s gesagt!“ Der Vater ballte die Fäuste. „Gut, dass ich nicht dabei war – ich hätte die zusammengeschrien.“ Felix schwieg. Er fühlte sich leer, müde und ausgeliefert. Der Gedanke an die OP wurde schwerer, größer, bedrohlicher. Und in der Ferne, im Schatten der Glasfront, lehnte ein dunkler Kombi. Drinnen saß die vermeintliche Mutter, das Handy am Ohr. „Sie sind frustriert. Perfekt. Je mehr Stress, desto leichter brechen die Schutzmauern“, flüsterte sie. Die Antwort der alten Dame war ein kühles, sanftes Lachen: „Phase drei läuft genau nach Plan. Bald wird er glauben, dass niemand ihn beschützen kann – nicht mal die, die ihn lieben.“ Die Gruppe betrat das nächste Gebäude – ohne zu ahnen, dass der Tag noch lange nicht vorbei war. 60. Tag – Montag, 21.07.2025 – Spätnachmittag: Endlich im richtigen Gebäude Die Gruppe kämpfte sich durch das Labyrinth der Unimedizin: lange sterile Gänge, wechselnde Gebäude, Schilder in Blau und Weiß. Felix saß still im Rollstuhl, während Neymar und Suárez die Stimmung mit Kommentaren wie „Das ist schlimmer als ein Stadion mit fünf Ausgängen!“ auflockern wollten. Ronaldo schob den Rollstuhl ruhig, aber mit sichtbarem Fokus. Messi ging wortlos nebenher, den Blick ständig prüfend auf jede Ecke gerichtet. Nach weiteren 15 Minuten erreichten sie endlich Haus 505 – Chirurgisches Zentrum. Die Mutter meldete Felix an der richtigen Anmeldung an, diesmal ohne Umwege. „Bitte nehmen Sie Platz, Sie werden aufgerufen“, sagte die Empfangsdame freundlich, während die Mutter hörbar seufzte: „Das sagen die alle.“ Doch diesmal dauerte es keine Stunden. Nach knapp 20 Minuten ging die Tür auf: „Felix Z.? Bitte reinkommen.“ Im Sprechzimmer der Chirurgin

Das Zimmer war hell, mit einem Schreibtisch, zwei Monitoren und einem Leuchtkasten für Röntgenbilder. Hinter dem Tisch saß eine Ärztin in weißem Kittel, Anfang vierzig, die Haare streng zurückgebunden. Ihr Blick war ruhig, aber bestimmt. „Hallo Felix“, begann sie und deutete auf die Stühle. „Ich habe Ihre CT-Bilder hier.“ Sie klickte auf den Monitor. Schwarz-weiße Aufnahmen erschienen, Linien, Schatten, Konturen. Die Ärztin fuhr mit dem Stift über die Stelle in der Mitte: „Hier – sehen Sie das? Der dritte Mittelhandknochen ist gebrochen. Und hier: leichte Verschiebung. Deshalb reicht eine Schiene nicht aus.“ Felix schluckte, starrte auf die Bilder, die ihm vorkamen wie Landkarten aus einer fremden Welt. „Wir müssen eine Operation machen“, fuhr sie fort, sachlich, aber mit ruhigem Ton. „Das ist der einzige Weg, um die volle Beweglichkeit zu erhalten. Wir setzen eine Titanplatte mit kleinen Schrauben ein. Das ist Standard – wir machen das jeden Tag.“ Die Mutter nickte, Ronaldo hörte konzentriert zu. Neymar verzog das Gesicht und murmelte: „Titan? Klingt wie ein Superhelden-Upgrade.“ Messi blieb ernst, Suárez sah schweigend zu Felix, der kaum sprechen konnte. „Und… wann?“, brachte er schließlich hervor, die Stimme heiser. „Diese Woche“, antwortete die Ärztin ohne Zögern. „Ich melde Sie für die nächste OPPlanung an. Sie bekommen morgen einen Anruf mit dem genauen Termin. Wir wollen keine Zeit verlieren.“ Felix fühlte, wie ihm heiß wurde. Diese Woche. Metall in meiner Hand. Narkose. Ein Kloß schnürte ihm die Kehle zu. „Sie bleiben nach der OP mindestens eine Nacht hier, vielleicht zwei“, erklärte die Ärztin weiter. „Dann beginnt die Physiotherapie. Aber glauben Sie mir: Das ist Routine. Wir kriegen das hin.“ Die Mutter legte beruhigend die Hand auf seinen Arm. „Hast du gehört? Alles wird gut.“ Felix nickte stumm, aber seine Gedanken wirbelten: Routine für sie. Für mich… ein Albtraum. Nach dem Gespräch Die Ärztin druckte Unterlagen aus, gab einen Infozettel zur OP-Vorbereitung. „Bitte morgen erreichbar bleiben. Wir melden uns mit Uhrzeit und Datum.“ Als sie das Gebäude verließen, war es bereits früher Abend. Der Himmel über Mainz färbte sich orange, die Hitze des Tages wich langsam einer kühlen Brise. Doch in Felix’ Brust wog alles schwerer: die Angst vor der Narkose, vor den Schrauben, vor der Kontrolle, die ihm entglitt. Ronaldo schob ihn wortlos zum Van. Neymar legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Kopf hoch, Bro. Danach bist du stärker als Iron Man.“ Messi blickte nur ernst und sagte leise: „Wir bleiben bei dir. Egal was kommt.“ Felix nickte schwach. Ich will das glauben, dachte er. Und während die Gruppe ins Auto stieg, lehnte sich wenige Meter entfernt eine Frau an einen grauen Kombi, das Handy am Ohr. „Bestätigung: OP fix. Diese Woche“, flüsterte sie. Am anderen Ende antwortete die alte Dame mit kalter Genugtuung: „Gut. Er glaubt, alles sei medizinisch. Perfekt für unseren nächsten Zug. Wir haben ihn genau dort, wo wir ihn brauchen.“ 60. Tag – Montag, 21.07.2025 – Früher Abend: Der letzte Stopp beim Hausarzt Die Stimmung im Van war gedämpft, als sie das Klinikgelände verließen. Felix saß still auf dem Rücksitz, die Unterlagen auf den Knien, den Blick starr nach draußen. Die Worte der Chirurgin hallten in seinem Kopf: „Titanplatte… Schrauben… diese Woche.“ Jeder Satz fühlte sich an wie ein Schlag.

Seine Mutter drehte sich auf dem Beifahrersitz halb zu ihm um. „Felix, wir fahren noch kurz beim Hausarzt vorbei. Ich muss ein Rezept abholen. Dauert nicht lange, versprochen.“ Felix nickte wortlos. Ihm war alles egal, solange er nicht noch ein Wartezimmer sehen musste. Ankunft in der Praxis Die Hausarztpraxis lag in einer kleinen Seitenstraße, nicht weit von ihrem Wohnviertel. Als sie vorfuhren, war es kurz vor 18 Uhr. Der Sommerabend war warm, die Sonne tauchte die Straße in goldene Streifen. Ronaldo parkte den Van direkt vor dem Eingang. „Bleibt ihr hier?“, fragte die Mutter, während sie den Rucksack nahm. „Ja, ich hol das Rezept“, sagte sie und verschwand in der Praxis. Felix atmete tief durch. Neymar drehte sich zu ihm um: „Alles okay?“ „Ich… weiß nicht“, murmelte Felix. „Es fühlt sich alles so… groß an. Als ob ich nichts mehr entscheiden kann.“ Messi legte kurz die Hand auf seine Schulter, ein stilles Zeichen: Du bist nicht allein. Ronaldo hingegen sah ihn im Rückspiegel an und sagte mit fester Stimme: „Das ist ein Spiel, Felix. Und du bist der Kapitän. Niemand nimmt dir das ab. Du machst das.“ Felix presste die Lippen zusammen und nickte. Aber in seinem Bauch wirbelte die Angst wie ein Sturm. Ein unscheinbarer Moment – der nicht unscheinbar war Während sie warteten, stand der graue Kombi wieder am Straßenrand, zwei Autos entfernt. Die vermeintliche Mutter saß hinter dem Lenkrad, eine Sonnenbrille verdeckte die Augen. In der Hand das Handy, flüsterte sie in ein Headset: „Sie sind jetzt beim Hausarzt. Rezept für die Mutter. Keine Anzeichen, dass er etwas merkt. Er ist ruhig – aber nervös. Perfekter Zeitpunkt für die nächste Phase.“ Die alte Dame antwortete mit einer eisigen Ruhe: „Gut. Heute nichts tun. Beobachten. Morgen beginnt der Umbau.“ Die Frau lächelte dünn, als die Mutter mit einem kleinen weißen Umschlag wieder aus der Praxis kam und in den Van stieg. „Alles da“, sagte sie beiläufig. „Jetzt fahren wir heim.“ Heimfahrt mit Gedanken im Kopf Die Sonne sank tiefer, als der Van Richtung Zuhause rollte. Felix starrte auf seine Hand in der Schiene. Eine Titanplatte. Eine Narkose. Ein Krankenhausbett. Die Vorstellung schnürte ihm die Kehle zu. Neymar versuchte, mit leisen Späßen die Stimmung aufzuhellen, aber Felix hörte kaum hin. Zu Hause wartete ein stiller Abend – doch über allem lag das Gewicht des bevorstehenden Eingriffs. Und draußen, im Schatten der Stadt, spannte sich das Netz weiter zu. Denn während Felix glaubte, die größte Gefahr liege in einem OP-Saal, lauerte die wahre Bedrohung dort, wo er sie am wenigsten erwartete. 60. Tag – Montag, 21.07.2025 – Abend bei der Tante Nach der Rückkehr vom Hausarzt herrschte kurz Ruhe im Haus. Felix hatte sich gerade auf die Couch gelegt, als das Handy der Mutter vibrierte. Sie las die Nachricht und sah zu ihm: „Felix, deine Tante hat gefragt, ob wir später kurz vorbeikommen. Sie will einkaufen und hat Lust, mit dir Zeit zu verbringen. Was meinst du?“ Felix zögerte. Nach dem stressigen Tag wollte er eigentlich nur liegen, aber der Gedanke an etwas anderes als Kliniken und OPs tat gut. „Okay“, murmelte er. „Aber nicht lange.“ Einkaufen mit der Tante

Gegen 19 Uhr fuhren sie los. Die Mutter blieb zu Hause, um Dinge für morgen vorzubereiten. Felix, die vier Spieler und die Tante steuerten einen großen Supermarkt an. „Na, mein Junge, wie geht’s dir?“ fragte die Tante freundlich, während sie durch die Gänge schoben. „Geht so… viel Arztkram“, antwortete Felix ehrlich. „Das geht vorbei“, sagte sie mit einem aufmunternden Lächeln. „Und dann bist du wieder fit.“ Die Spieler verteilten sich zwischen den Regalen. Neymar stand wie ein Kind vor der Süßigkeitenabteilung, Suárez stapelte Brot in den Wagen, Ronaldo prüfte die Zutatenlisten auf den Joghurts, Messi schob kommentarlos Getränke nach. Felix blieb bei der Tante, half so gut er konnte. Er war müde, aber die Normalität tat gut. Menschen, Regale, der Duft von frischem Brot – für einen Moment war der Druck der letzten Tage nicht ganz so erdrückend. Bei der Tante zu Hause Nach dem Einkauf fuhren sie in ihre Wohnung, ein gemütlicher Ort voller Pflanzen und dem Geruch nach Holz und Gewürzen. Der Hund der Tante – ein quirliger, brauner Mischling – sprang Felix sofort entgegen und stupste seine Hand an. „Hey, Kleiner“, lachte Felix und streichelte das Tier vorsichtig mit der unverletzten Hand. Die Tante stellte einen großen Topf auf den Herd, das Knistern von Gemüse in Butter erfüllte die Küche. „Heute gibt’s Gemüsesuppe. Gesund für alle – und für deine Hand auch.“ Felix setzte sich an den Küchentisch, spielte nebenbei weiter mit dem Hund. Die Szene war so friedlich, dass er fast vergaß, wie der Tag begonnen hatte. Neymar und Suárez setzten sich dazu, plauderten locker, während Ronaldo und Messi leise miteinander sprachen. Als die Suppe fertig war, aßen alle gemeinsam. Der Duft von Lauch und frischen Kräutern erfüllte den Raum. Felix löffelte langsam, spürte die Wärme, die sich in ihm ausbreitete. Zum ersten Mal an diesem Tag war er nicht nervös – nur müde. Heimweg und Schlaf Später, gegen 21:30 Uhr, brachten sie Felix nach Hause. Die Mutter wartete bereits und bedankte sich bei der Tante. Felix nickte schläfrig, verabschiedete sich und rollte ins Wohnzimmer. Die Suppe lag angenehm im Magen, und der Hundegeruch hing noch an seiner Hose. „Geh gleich ins Bett“, sagte die Mutter sanft. „Ja…“, murmelte Felix und schob sich ins Zimmer. Er legte sich hin, die Hand auf dem Kissen, den Verband sauber, die Gedanken halb im Nebel. Morgen würde ein Anruf kommen. Morgen würde es ernst. Aber jetzt… jetzt war nur Stille. Draußen, in einer dunklen Seitenstraße, flackerte das Licht eines Handydisplays in einem geparkten Kombi. Die Stimme der alten Dame klang leise, wie ein kalter Wind: „Er schläft. Perfekt. Morgen beginnen wir.“ Und Felix sank in den Schlaf – ahnungslos, dass die Nacht die letzte sein würde, in der er sich sicher fühlte. 61. Tag – Dienstag, 22.07.2025 – Früher Morgen: Das Gespräch in Frankfurt-Höchst Der Morgen brach an, und durch das gekippte Fenster drang die kühle Luft in Felix’ Zimmer. Die Sonne tastete sich vorsichtig über den Horizont, als Felix aus einem unruhigen Schlaf erwachte. Sein Kopf war noch schwer, der Körper müde, und seine Hand pochte leicht unter der Schiene – ein stetiges, dumpfes Erinnern daran, was bald bevorstand. Er richtete sich langsam im Bett auf. Die Stille des Zimmers wurde unterbrochen durch das Klappern von Geschirr in der Küche. Kurz darauf öffnete sich die Tür, und die Mutter kam herein – bereits angezogen, mit ernstem Blick. „Felix, du hast heute das Gespräch in Frankfurt-Höchst“, sagte sie leise und setzte sich auf die Bettkante. „Du erinnerst dich? Wegen der Arbeitsunfähigkeit. Es geht darum, ob du offiziell

als dauerhaft nicht arbeitsfähig anerkannt wirst. Das ist wichtig – auch wegen deiner Zukunft.“ Felix blinzelte. Frankfurt... heute? Der Gedanke traf ihn wie ein plötzlicher Schauer. Er hatte es nicht vergessen, aber verdrängt. Zwischen den Krankenhausbesuchen, der Angst vor der OP und der ständigen Überwachung durch die mysteriösen Gestalten war das Gespräch mit dem Sozialgericht völlig in den Hintergrund gerückt. „Was... was muss ich da machen?“ fragte er leise, noch immer benommen. „Du musst einfach mit dem Gutachter sprechen“, erklärte die Mutter ruhig. „Er stellt dir Fragen zu deinem Alltag, deinen Einschränkungen, deiner Geschichte. Es ist wichtig, dass du ehrlich bist – nicht zu hart, aber auch nicht zu bescheiden.“ Felix nickte langsam. Wie soll ich erklären, was in meinem Kopf los ist? Wie soll ich jemandem sagen, dass selbst ein Supermarkt mich überfordert, ohne dass er denkt, ich übertreibe? Vorbereitungen im Haus Die Mutter half ihm beim Anziehen – ein einfaches Hemd, bequeme Hose. Er kämmte sich die Haare, warf einen Blick in den Spiegel: Die roten Spitzen seiner frisch gefärbten Haare leuchteten fast trotzig gegen sein bleiches Gesicht. Er sah erschöpft aus. Aber auch entschlossen. Im Wohnzimmer warteten bereits Ronaldo und Messi. Sie wollten mit nach Frankfurt fahren – zur moralischen Unterstützung. Neymar stand am Kühlschrank, trank einen Schluck Orangensaft und meinte lächelnd: „Wenn die dich da nerven, Felix, sag einfach, du hast vier Weltmeister im Rücken.“ Felix grinste schwach. „Vielleicht sag ich das wirklich.“ Die Mutter packte ein paar Unterlagen ein – alte Atteste, Arztberichte, Berichte von der Autismus-Therapie, eine Kopie des Klinikberichts von letzter Woche. Eine leise Anspannung Bevor sie losfuhren, saßen alle noch einmal kurz zusammen. Felix aß ein Brötchen mit Butter, hatte aber kaum Hunger. Er starrte auf seine Hand, überlegte, ob er im Gespräch auch davon erzählen sollte. Die Verletzungen, die Operation, die ständige Überforderung – sie waren doch Teil seiner Wirklichkeit. Teil dessen, was ihn täglich einschränkte. Die Mutter legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Du schaffst das, Felix. Sag, was ist. Keine Angst.“ Er nickte. Keine Angst... leichter gesagt als getan. Dann stiegen sie in den Van – Felix, seine Mutter, Ronaldo und Messi. Neymar und Suárez blieben zurück und versprachen, später mit Fleischkäse auf ihn zu warten. Der Weg nach Frankfurt-Höchst begann – und damit auch ein neues Kapitel: Eines, in dem nicht nur Ärzte über ihn entschieden, sondern auch ein Gericht. Ein offizielles Urteil über sein Leben – über das, was er noch darf, noch kann, noch leisten muss. Und während sie auf die Autobahn fuhren, ahnte Felix nicht, dass sein Schicksal bald von noch viel mehr Seiten beobachtet wurde, als er glaubte. 61. Tag – Dienstag, 22.07.2025 – Ankunft in der Klinik Frankfurt-Höchst und das wichtige Gespräch Die Fahrt nach Frankfurt verlief ruhig. Der Verkehr war gnädig, doch im Inneren des Wagens lag eine spürbare Anspannung. Felix saß auf dem Beifahrersitz, den Blick auf die vorbeiziehende Landschaft gerichtet. Seine Mutter neben ihm hatte die Unterlagen auf dem Schoß fest umklammert, als wären sie ein Schutzschild gegen das, was kommen würde. Hinten saßen Messi und Ronaldo – schweigend, aufmerksam, wie stille Wächter.

Als sie das Gelände der Klinik Frankfurt-Höchst erreichten, war es kurz vor 9 Uhr. Ein moderner Betonbau, hohe Glasfenster, sterile Klarheit. Felix stieg aus, die Knie etwas weich, die Hand weiterhin in der Schiene. „Das wird wie ein langes Arztgespräch, Schatz“, sagte die Mutter leise. „Aber es ist wichtig. Ehrlich sein. Und nicht kleinmachen.“ Im dritten Stock wurden sie vom Sekretariat empfangen. Eine junge Dame führte sie in einen schlichten Raum mit hellem Licht, einem Tisch, drei Stühlen. Am Tisch saß ein Arzt mit Brille und kühlem Blick – ein psychiatrischer Gutachter im Auftrag des Sozialgerichts. Der erste Teil – mit der Mutter „Guten Morgen. Felix, Frau Z., schön, dass Sie da sind“, begann der Gutachter und sah über die Brille hinweg. „Wir haben heute das Ziel, die Lebenssituation von Herrn Z. genau zu erfassen. Es geht nicht darum, jemanden zu bewerten, sondern zu verstehen.“ Felix nickte schüchtern. Die Mutter atmete ruhig ein und begann dann auf Nachfrage, die Situation zu erklären: „Die letzten Maßnahmen vom Jobcenter – das war überhaupt nicht auf Felix abgestimmt. Es waren Gruppenmaßnahmen mit Lärm, Reizüberflutung, Druck. Keine Rücksicht auf Autismus oder seine Epilepsie. Nach jedem Versuch war er schlimmer dran als vorher.“ Der Gutachter schrieb mit, sah Felix an: „Stimmt das so?“ Felix nickte vorsichtig. „Ich... konnte das alles nicht. Es war zu viel. Und... niemand hat mir geholfen.“ Die Mutter fuhr fort: „Er hat mehrere Klinikaufenthalte hinter sich. Eine Autismus-Therapie, die gerade erst stabilisiert. Er hat große Schwierigkeiten mit plötzlichen Veränderungen, sozialen Situationen und Druck. Und körperlich ist er derzeit sowieso eingeschränkt.“ Der Gutachter hörte aufmerksam zu. Nach knapp 30 Minuten sagte er freundlich, aber bestimmt: „Frau Z., ich danke Ihnen. Den Rest muss ich nun mit Ihrem Sohn allein machen.“ Die Mutter drückte Felix' Schulter. „Ich warte draußen, mein Schatz.“ Der zweite Teil – Tests und Befragung Die Tür schloss sich. Der Raum war jetzt stiller, kälter. Der Gutachter blickte Felix direkt an. „Ich stelle dir nun Fragen. Keine Angst, du brauchst nicht perfekt zu sein.“ Zuerst kamen einfache Dinge: Orientierung (Datum, Ort, Jahreszeit), dann Fragen zu Tagesabläufen, Routinen, Belastbarkeit. „Was machst du, wenn du einkaufen gehst?“ „Ich gehe nur mit Begleitung. Allein... das ist zu viel. Zu laut. Zu viele Menschen.“ Dann folgten Aufmerksamkeitstests: – Zahlenreihen rückwärts aufsagen – Konzentrationstests (Rechenaufgaben unter Ablenkung) – Bild-Erkennung am Bildschirm Felix gab sich Mühe, doch sein Körper zitterte leicht, die Gedanken sprangen. Immer wieder wanderten seine Augen zur Tür. Ich will, dass Mama wieder reinkommt. Der Gutachter notierte viel, sagte aber kaum etwas. Felix spürte, dass jede Antwort, jede Reaktion bewertet wurde. Der Schatten im Flur Was Felix nicht wusste: Auf dem Flur saß nicht nur seine Mutter – sondern in einiger Entfernung, unauffällig unter den Wartenden, auch die vermeintliche Mutter. Sie hielt eine Kinderzeitschrift in der Hand, warf aber immer wieder Blicke auf den Untersuchungsraum.

Sie zückte ihr Handy und schrieb eine Nachricht: „Phase 3 läuft: Gutachtertest. Mutter raus. Er ist angespannt. Vermutlich labil. Perfekt.“ Die alte Dame antwortete prompt: „Sehr gut. Wir müssen ihn jetzt nur weiter isolieren. Die OP wird das nächste Werkzeug. Danach bricht er – oder er erwacht. Beides dient unserem Ziel.“ Und drinnen, im sterilen Raum, kämpfte Felix mit Zahlen, Fragen und der Angst, dass er gerade etwas verlor, das er nicht benennen konnte – Kontrolle, Stolz, Sicherheit. Noch wusste niemand, wie groß das Spiel um ihn geworden war. Aber es war längst nicht mehr nur ein medizinischer oder rechtlicher Prozess. Es war ein Spiel um sein Inneres. Und der nächste Zug stand kurz bevor. 61. Tag – Dienstag, 22.07.2025 – Vormittag: Der Test und das überraschende Ende Der Raum war ruhig, beinahe steril, während Felix weiter an den Tests arbeitete. Der Gutachter, ein erfahrener Psychiater mit nüchterner Stimme, stellte die Aufgaben mit neutraler Betonung. Felix saß aufrecht, die verletzte Hand auf dem Schoß, die Stirn leicht gerunzelt vor Konzentration. Trotz der Anspannung, trotz der ungewohnten Umgebung und der inneren Unruhe – er schlug sich gut. Konzentrations- und Logiktests „Nennen Sie alle Tiere, die Ihnen einfallen, die mit ‚B‘ beginnen.“ Felix atmete durch. „Bär… Biber… Barsch… Bulldogge… Bussard…“ „Sehr gut“, sagte der Gutachter und machte sich eine Notiz. Danach folgten einfache Rechenaufgaben unter Ablenkung. Messi und Ronaldo standen hinter der Tür und lauschten. „Er macht das gut“, murmelte Messi leise. Ronaldo nickte. „Er kämpft. Das ist das Wichtigste.“ Felix meisterte auch die logischen Musteraufgaben. Linien fortführen, Figuren erkennen, sogar kurze Worterkennungen unter Zeitdruck. Der Gutachter wechselte zu sozial-emotionalen Fragen: „Wie fühlen Sie sich, wenn jemand Sie anschreit?“ „Ich… kann das nicht verarbeiten. Ich friere innerlich. Oder… ich gehe weg.“ „Was machen Sie, wenn ein Plan sich ändert?“ „Dann… bekomme ich Angst. Panik manchmal. Ich brauche Struktur.“ Immer wieder nickte der Gutachter. Seine Notizen waren ausführlich. Felix spürte, dass er sich gut schlug. Nicht perfekt – aber ehrlich. Er verstellte sich nicht. Der Abschluss Nach über einer Stunde legte der Arzt den Stift beiseite. Felix war erschöpft, aber irgendwie auch erleichtert. Der Mann blickte ihn ruhig an. „Herr Z. – ich danke Ihnen. Sie haben sich sehr bemüht, waren offen und klar. Ich merke, dass Sie mit vielem kämpfen, aber auch reflektiert sind.“ Felix nickte, seine Schultern sanken leicht. War das… ein gutes Zeichen? Doch dann folgte der Satz, der ihn wieder auf den Boden holte: „Bitte verstehen Sie: Ich schreibe nur ein Gutachten. Ich gebe eine fachliche Einschätzung ab. Die endgültige Entscheidung über die Feststellung der dauerhaften Erwerbsunfähigkeit trifft allein das Sozialgericht.“ Felix' Herz sackte ab. Also wieder warten… wieder fremde Hände über mein Leben. „Wird das lange dauern?“, fragte er leise. „Normalerweise mehrere Wochen. Manchmal Monate“, antwortete der Gutachter sachlich.

„Sie werden schriftlich informiert. Aber ich kann Ihnen sagen: Sie haben das heute sehr gut gemacht.“ Wieder vereint Als die Tür sich öffnete, stand die Mutter bereits auf. „Und?“ Felix antwortete nur: „War okay. Jetzt heißt’s warten.“ Messi reichte ihm eine Wasserflasche, Ronaldo legte ihm die Hand auf die Schulter. „Wir sind stolz auf dich.“ „Sehr“, fügte die Mutter hinzu. Sie verließen das Gebäude gemeinsam – doch während sie über die sonnige Klinikterrasse in Richtung Parkplatz liefen, stand eine Frau mit Sonnenbrille am Rand des Areals. Sie tippte erneut ins Handy: „Test gut bestanden – Selbstbewusstsein leicht gestärkt. Aber Urteil steht noch aus. Geduld nötig.“ Die alte Dame schrieb zurück: „Perfekt. Noch glaubt er, er hat Kontrolle. Bald wird er spüren, wie fragil das ist. Die OP kommt rechtzeitig.“ Und während Felix ins Auto stieg, hoffend, dass er nun für einige Tage Ruhe hätte, spannte sich das Netz um ihn weiter zusammen – still, verborgen, präzise. 61. Tag – Dienstag, 22.07.2025 – Früher Nachmittag: Einkauf nach dem Gutachtergespräch Die Türen des Klinikgebäudes schlossen sich langsam hinter Felix und seiner Mutter, während sie über den heißen Vorplatz zum Auto gingen. Die Gespräche mit dem Gutachter hallten noch in ihren Köpfen nach. Es war viel gewesen – zu viel für einen Vormittag. Doch als sie im Auto saßen, stellte Felix fest, dass er sich nicht so ausgelaugt fühlte, wie er befürchtet hatte. Ganz im Gegenteil: Eine kleine Ruhe lag über ihm. Vielleicht, weil er einfach ehrlich gewesen war. Die Mutter schnallte sich an, sah zu ihm. „Felix, ich müsste noch ein paar Sachen einkaufen. Was meinst du? Geht das noch?“ Felix überlegte kurz. „Wenn’s nicht zu lange dauert… aber ja. Ich will was für mich holen.“ „Dann fahren wir noch in den Rewe in Mainz, ja?“ „Okay“, sagte er. Ronaldo und Messi fuhren mit einem anderen Auto voraus zurück nach Hause. Felix und die Mutter hatten heute einmal Zeit für sich. Im Supermarkt Der Parkplatz war fast leer, die Nachmittagshitze hatte viele Menschen nach drinnen oder ins Freibad vertrieben. Drinnen im Supermarkt roch es angenehm nach frischem Brot und Obst. Felix schob vorsichtig den Einkaufswagen – mit der linken Hand, denn die rechte war immer noch empfindlich. „Was brauchst du, mein Schatz?“ „Fleischkäse“, sagte er wie selbstverständlich. „Und was zu trinken… und Chips.“ Die Mutter schmunzelte. „Klar.“ Sie gingen gemeinsam durch die Gänge. Felix hielt an der Wursttheke an, zeigte auf eine frische Fleischkäsepackung mit Kräutern. „Der sieht neu aus.“ „Dann nimm ihn mit“, meinte die Mutter und legte noch Joghurt und Käse in den Wagen. Am Getränkeregal blieb Felix stehen. Er holte sich eine Flasche Cola Zero und nahm einen stillen Moment wahr: Kein Gutachter. Keine Fragen. Nur ich und Mama im Supermarkt. Ein Moment der Nähe

An der Kasse unterhielten sie sich leise. Die Mutter flüsterte ihm zu: „Ich finde, du hast das heute gut gemacht.“ „Ich weiß nicht, ob’s reicht“, sagte Felix. „Es war ehrlich. Und das reicht oft weiter als du denkst.“ Als sie alles bezahlt hatten, luden sie die Einkäufe in den Kofferraum. Die Mutter sah ihn kurz an. „Wollen wir noch kurz zum Bäcker, bevor wir heimfahren?“ Felix nickte. „Aber nur, wenn’s Streuselkuchen gibt.“ „Ich frage nach“, lachte sie. Schatten im Hintergrund Unbemerkt von beiden, parkte ein grauer Kleinwagen zwei Reihen weiter. Die vermeintliche Mutter saß darin, eine Sonnenbrille tief ins Gesicht gezogen, ein Coffee-to-go in der Hand. Sie griff zum Handy, murmelte leise ins Mikrofon: „Keine Auffälligkeiten. Einkaufsstopp. Stimmung stabil. Nächste Gelegenheit vermutlich OP-Tag. Position halte ich.“ Die alte Dame antwortete fast sofort: „Geduldig beobachten. Sobald er wieder allein ist, geben wir das nächste Signal. Der Plan funktioniert.“ Während Felix sich noch im Auto anschnallte und ein Stück vom Streuselkuchen probierte, ahnte er nichts von der Gefahr. Er sah einfach nur zu seiner Mutter, die die Sonnenblende herunterklappte und lächelte. Und dann fuhren sie los – Richtung Zuhause, in eine kurze Ruhephase, bevor sich das Schicksal weiter verdunkelte. 61. Tag – Dienstag, 22.07.2025 – Abend: Der Anruf vor dem nächsten großen Schritt Es war früher Abend, als Felix und seine Mutter endlich die Wohnungstür hinter sich schlossen. Die Einkäufe standen ordentlich gestapelt in der Küche, das Fleischkäsepäckchen war bereits im Kühlschrank verstaut, die Cola im Flur auf dem kleinen Schränkchen abgestellt. Felix zog sich langsam die Schuhe aus, stöhnte leise dabei – der Tag hatte ihn doch mehr geschlaucht, als er sich eingestehen wollte. „Ich mach dir gleich einen Tee“, sagte die Mutter und hängte ihre Jacke an den Haken. „Ich glaub, ich leg mich kurz hin“, murmelte Felix. „Nicht schlafen… nur bisschen liegen.“ Er ging ins Wohnzimmer, ließ sich mit einem tiefen Seufzen auf die Couch fallen und blickte gedankenverloren an die Decke. Der Fernseher lief leise im Hintergrund – irgendeine Reportage über Tiere –, während er seinen Blick auf einen Sonnenstrahl richtete, der durchs Fenster fiel. Der Anruf Das Telefon klingelte um kurz nach 18 Uhr. Die Mutter hob ab, sprach leise. Felix hörte die Worte nicht genau, doch als sie das Gespräch beendete und zu ihm kam, wusste er sofort, dass es um ihn ging. „Felix… das war die Uniklinik. Morgen früh um 8 Uhr ist das Narkosegespräch. Direkt im Anschluss das Gespräch mit dem Chirurgen.“ „Also morgen schon alles?“, fragte er mit geweiteten Augen. „Ja. Noch keine OP, aber sie wollen alles vorbereiten. Das heißt, du musst morgen früh auf nüchternem Magen hin.“ Felix schluckte. Das Narkosegespräch bedeutete: Es wird ernst. Kein „vielleicht“, kein „mal sehen“ mehr. Die OP rückte in greifbare Nähe – und damit auch die Angst davor. „Okay…“, sagte er leise. „Ich geh früh schlafen, ja?“ „Gute Idee“, antwortete die Mutter sanft. „Wir stehen um sechs auf. Ich pack dir vorher alles zusammen.“

Zeit zum Runterkommen Nach dem Abendessen – ein einfacher Teller mit Brot, Käse und etwas Gemüse – setzte sich Felix mit einem Kräutertee ans Fenster. Der Himmel färbte sich langsam orange. Die vier Spieler kamen nicht mehr vorbei – sie wussten, dass er heute Ruhe brauchte. In seinem Zimmer sortierte er noch ein paar Dinge in seinen Rucksack: Versichertenkarte, Tabletten, Kopfhörer. Dann legte er sich ins Bett, die Gedanken kreisten. Wie fühlt sich Narkose an? Werde ich wieder aufwachen? Was, wenn was schiefgeht? Doch dann erinnerte er sich an die Worte von Messi am Morgen: „Du bist stärker, als du glaubst.“ Und mit genau diesem Gedanken schloss Felix gegen 21:30 Uhr die Augen. Die Schiene an der Hand störte ihn. Der Verband spannte. Aber der Schlaf kam trotzdem – leise, wie ein Besucher, der wusste, dass morgen ein großer Tag bevorstand. 62. Tag – Mittwoch, 23.07.2025 – Früher Morgen: Vorbereitung auf das Gespräch in der Uniklinik Es war kurz nach 6 Uhr morgens, als Felix das erste Mal blinzelnd auf die Uhr sah. Die Sonne war gerade erst über die Dächer von Mainz gekrochen, und die Welt draußen lag in einem gedämpften, hellblauen Dämmerlicht. Die Geräusche im Haus waren leise – nur das Klicken der Kaffeemaschine in der Küche verriet, dass auch seine Mutter schon wach war. Der Tag des Narkosegesprächs war gekommen. Und auch das OP-Vorgespräch. Felix drehte sich langsam zur Seite. Die Hand in der Schiene schmerzte dumpf, aber nicht stechend. Es war kein physischer Schmerz, der ihm heute den Atem nahm – es war die Angst vor dem Ungewissen. Er richtete sich auf, saß einen Moment still am Bettrand. Dann öffnete sich die Tür leise, und Neymar steckte den Kopf herein. „Guten Morgen, Krieger“, sagte er mit sanfter Stimme. „Bereit für die Schlacht?“ Felix verzog das Gesicht. „Geht so.“ „Komm, wir machen dich kampfbereit.“ In der Küche: Das kleine Frühstück In der Küche saßen bereits Ronaldo und Messi. Sie tranken Tee – ebenfalls nüchtern, aus Solidarität mit Felix, der ja vor der Narkose kein Frühstück zu sich nehmen durfte. Luis Suárez gähnte herzhaft und rieb sich die Augen, während er sich auf einen Stuhl sinken ließ. „Alles gepackt?“ fragte Messi. Felix nickte langsam. „Versicherungskarte, Medikamentenliste, Arztbriefe – alles drin.“ „Hast du dein Lieblingsshirt an?“ fragte Neymar und zog Felix’ Jacke ein wenig zur Seite. „Ja. Das vom HSV… unter der Jacke.“ Die Mutter kam mit einem Klemmbrett in der Hand herein. „Hier, ich hab nochmal alle Termine notiert, falls die gleich wieder irgendwas verschieben. Und deine Krankenkassenkarte brauchst du gleich beim Empfang.“ „Danke, Mama.“ Felix stand auf, streckte sich vorsichtig. Dann ging er ins Bad, wusch sich das Gesicht mit kaltem Wasser. Im Spiegel sah er blass aus – aber wach. Konzentriert. Ich kann das. Ich muss das einfach schaffen. Die Abfahrt Um kurz vor sieben standen sie bereit: Felix im Jogginganzug, die vier Fußballer in legerer Kleidung – alle ruhig, aber aufmerksam. Die Mutter trug eine große Tasche mit Ordnern, Felix’ Rucksack war auf den Rollstuhl gehängt. „Denk dran“, sagte Ronaldo beim Verlassen der Wohnung, „du musst keine Angst haben. Die machen das täglich. Du bist in guten Händen.“

„Aber ich sag denen gleich, dass ich keine Tabletten schlucken kann“, entgegnete Felix. „Genau so musst du’s sagen“, meinte Messi. „Du bist der Patient. Du entscheidest mit.“ Auf dem Weg zur Uniklinik Im Auto saß Felix angespannt, aber nicht panisch. Die Straßen waren noch leer, der Verkehr flüssig. Neymar spielte leise beruhigende Musik über das Radio. Die Mutter saß vorn neben Ronaldo, der heute wieder das Steuer übernahm. Als sie die Silhouette der Universitätsklinik erblickten – die hohen, grauen Gebäude, das weitläufige Klinikgelände, die vielen Fahrzeuge und Krankenwagen – atmete Felix einmal tief durch. „Ich will, dass heute alles geklärt wird“, sagte er leise. „Und das wird es“, antwortete Messi hinter ihm. Sie parkten im Untergeschoss der Klinik, holten den Rollstuhl aus dem Kofferraum und halfen Felix hinein. Noch war nichts entschieden – aber es war der Moment, in dem sich das nächste Kapitel öffnete. Ein Kapitel aus OP-Vorbereitung, Gesprächen mit Fachleuten – und im Hintergrund: eine Gefahr, die Felix noch immer nicht ahnte. Doch jetzt zählte nur eines: den Tag zu überstehen. Schritt für Schritt. Im Schatten der weißen Mauern der Uniklinik. 62. Tag – Mittwoch, 23.07.2025 – Vormittag: Die Wartezeit vor dem OP-Gespräch Die Klinikflure waren erfüllt von einer seltsamen Mischung aus Desinfektionsmittel, Papiergeraschel und gedämpften Gesprächen. Felix saß im Rollstuhl in der chirurgischen Ambulanz, direkt vor dem Sprechzimmer für präoperative Besprechungen. Neben ihm seine Mutter, ruhig, mit festem Blick. Die vier Spieler standen in etwas Abstand hinter ihm, so unauffällig wie es Weltstars eben sein konnten – sie trugen Basecaps, Sonnenbrillen und einfache Kleidung. Die Uhr zeigte 08:23 Uhr. Der Termin war für 08:30 Uhr angesetzt. Wie immer in Krankenhäusern war es schwer zu sagen, ob es pünktlich werden würde. Felix war blass, aber gefasst. Er presste seine gesunde Hand auf den Oberschenkel, die verletzte lag ruhig in der Schiene auf einem kleinen Kissen. Im Wartebereich saßen nur wenige weitere Personen. Eine ältere Dame mit Krücke. Ein junger Mann mit einer Bandage am Knie. Und eine junge Frau – auffällig unscheinbar. Sie trug eine weite, mintfarbene Bluse, eine bequeme beige Hose, das lange braune Haar zu einem lockeren Knoten gebunden. Neben ihr saß ein kleiner Junge mit einem Comic in der Hand. Felix nahm sie kaum wahr. Doch Ronaldo, der instinktiv auf Körpersprache achtete, warf ihr gelegentlich einen Seitenblick zu. Auch Messi registrierte sie – ihr aufmerksamer Blick wanderte immer wieder in Felix’ Richtung, doch nie direkt. Immer über Spiegelungen, Reflexionen in Fenstern, durch kurze Drehungen des Kopfes. Suárez flüsterte Neymar zu: „Sie beobachtet ihn. Schon die ganze Zeit.“ „Ich weiß. Aber wie eine Mutter, nicht wie eine Pflegerin“, erwiderte Neymar. „Oder wie jemand, der etwas anderes im Sinn hat“, murmelte Messi ruhig. Aber keiner konnte etwas beweisen. Keiner hatte einen echten Anhaltspunkt. Nur ein Gefühl – das brennende Gefühl, dass hier gerade mehr passierte als ein harmloser Vormittag in der Uniklinik. Eine kleine Ablenkung Nach etwa zehn Minuten geschah es. Der kleine Junge, der neben der jungen Frau saß, kippte versehentlich seinen Joghurt auf den Boden. Der Plastikdeckel platschte, ein weißer Klecks breitete sich über die Fliesen aus. Der Junge erschrak, fing fast an zu weinen.
„Ist nicht schlimm, Liebling, komm“, sagte die Frau und stand schnell auf. Sie zog ein Taschentuch aus der Tasche, wischte geübt den gröbsten Teil weg, dann führte sie den Jungen langsam in Richtung Toilette. Doch was keinem auffiel – nicht einmal der Mutter von Felix – war, dass sie im Weggehen einen kurzen Blick auf das Klemmbrett der Rezeption warf. Nur Messi sah es im Augenwinkel. „Sie schaut auf den Plan“, sagte er leise. „Vielleicht ist sie einfach neugierig“, entgegnete Neymar. „Oder sie sucht nach seinem Namen“, sagte Ronaldo. „Oder nach dem OP-Termin“, fügte Suárez hinzu. Aber noch war nichts passiert. Die Frau verschwand mit dem Kind im Seitengang. Und Felix wartete weiter – ruhig, ahnungslos, innerlich aufgewühlt. Der unsichtbare Angriff Was Felix nicht wusste: Diese Frau war kein Zufall. Sie war Teil des Teams der alten Dame – einer kalten, berechnenden Organisation, die ihn manipulieren wollte. Sie hatte vor Wochen den Auftrag erhalten, sich in die Klinikabläufe einzuschleusen. Heute war sie gekommen, um alles genau zu dokumentieren. Die genauen Zeitpläne, die Reihenfolge der Gespräche, die Stimmung von Felix. In ihrer Jackentasche vibrierte ein kleines Gerät. Eine Nachricht erschien auf ihrem verdeckten Display: „Beobachtung ausreichend. Zieh dich vorerst zurück. Phase 4 folgt nach OP. Wir warten auf Schwäche.“ Zurück im Wartebereich Felix atmete tief durch. Er wusste nicht, warum ihm plötzlich etwas kälter war. „Alles gut?“ fragte Messi sanft. „Ich glaub schon“, sagte Felix leise. „Ich will einfach nur wissen, wann die OP ist. Und was sie machen.“ „Du bist nicht allein“, sagte Ronaldo. „Und wir bleiben hier. Bis alles vorbei ist.“ Die Tür zum Sprechzimmer öffnete sich. Eine Ärztin mit weißem Kittel und freundlichem Lächeln erschien. „Herr Zimmermann?“ Felix richtete sich auf. Jetzt geht es los. Und während er langsam mit den Spielern und seiner Mutter zum Gespräch hineingeführt wurde, verließ die junge Frau mit dem Kind unauffällig das Gebäude. Keiner stellte Fragen. Keiner hielt sie auf. Nur die Gefahr war mit jedem Schritt leiser – aber nicht verschwunden. 62. Tag – Mittwoch, 23.07.2025 – Vormittag: Das OP-Gespräch Die Tür öffnete sich wieder, und die freundliche Ärztin mit den rotblonden Locken und dem Klemmbrett in der Hand trat heraus. Sie blickte in die Runde, dann fiel ihr Blick auf Felix. „Herr Zimmermann?“ Felix schluckte kurz. Seine Mutter stand sofort auf, ebenso die vier Spieler. Messi schob vorsichtig den Rollstuhl, während Neymar ihm beruhigend die Schulter tätschelte. Suárez und Ronaldo liefen seitlich mit, als wäre das hier kein Krankenhaus, sondern ein Tunnelgang vor dem Spiel. Sie folgten der Ärztin in ein Behandlungszimmer im hinteren Teil der chirurgischen Ambulanz. Der Raum war hell, neutral eingerichtet, mit einem großen Bildschirm an der Wand, auf dem die Röntgenbilder und CT-Aufnahmen bereits zu sehen waren. Felix erkannte die gebrochene Hand auf Anhieb – die Linien, der Schatten, das, was nicht so sein sollte.

Das Gespräch beginnt „Also, Herr Zimmermann“, begann die Ärztin, während sie sich auf einen Drehstuhl setzte, „Sie wissen ja bereits: Ihre Hand ist gebrochen, die Mittelhandknochen sind instabil. Eine konservative Behandlung reicht hier nicht aus. Wir empfehlen eine Operation mit Metallplatte und Schrauben, um die Stabilität wiederherzustellen.“ Felix nickte vorsichtig. „Und… wie lange dauert das?“ „Die OP selbst wird etwa 45 bis 60 Minuten dauern. Mit Vorbereitung, Aufwachzeit und Nachsorge müssen Sie einen halben Tag einplanen.“ Dann zeigte sie ihm die Bilder, erklärte noch einmal ruhig, wo die Platte genau hinkommen würde, wie sie eingesetzt wird, und dass diese in der Regel im Körper verbleibt – es sei denn, sie verursacht später Beschwerden. Gesundheitsfragen „Jetzt ein paar wichtige Fragen“, sagte die Ärztin, während sie ein Formular auf dem Klemmbrett durchging. „Allergien?“ „Keine bekannten.“ „Frühere Operationen?“ „Nur als Kind, Polypen.“ „Blutverdünner?“ „Nein.“ „Chronische Erkrankungen?“ Felix zögerte kurz. „Ich hab Epilepsie… und Autismus…“ Die Ärztin nickte ernst. „Wird medikamentös behandelt?“ „Ja, ich bekomme Keppra.“ Sie schrieb es auf, dann sah sie ihn direkt an. „Wie ist Ihre Schmerzmittelverträglichkeit?“ Felix verzog das Gesicht. „Ich… ich kann keine Tabletten schlucken. Gar keine. Nur Flüssiges oder Tropfen.“ Die Ärztin lächelte leicht verständnisvoll. „Das ist kein Problem. Nach der Operation bekommen Sie Schmerzmittel über die Vene oder als Tropfen – wir richten uns danach.“ Blutabnahme Ein Pfleger kam ins Zimmer, freundlich, geübt. Felix streckte ihm zögerlich den gesunden Arm entgegen. „Ist okay“, murmelte er. Neymar stellte sich hinter ihn, um ihm ein beruhigendes Gefühl zu geben. Die Nadel piekste nur kurz, das Röhrchen füllte sich mit dunkelrotem Blut. Felix sah diesmal nicht weg. Er wollte nichts verpassen – nicht mehr. „Das war’s schon“, sagte der Pfleger. „Sehr tapfer.“ Ein weiterer Weg Die Ärztin tippte kurz auf ihrem Computer, dann sah sie Felix wieder an. „Das OP-Gespräch ist jetzt abgeschlossen. Alles ist dokumentiert. Sie werden innerhalb der nächsten 48 Stunden den genauen OP-Termin telefonisch erhalten – voraussichtlich noch diese Woche.“ Felix nickte langsam. „Aber – Sie müssen heute noch zum Narkosegespräch“, ergänzte sie. „Das ist in Gebäude 505, im zweiten Stock, Abteilung Anästhesieambulanz. Dort wird besprochen, wie genau Sie in Narkose gelegt werden und welche Medikamente verwendet werden. Es ist sehr wichtig, dass die wissen, was Sie vertragen.“ Die Mutter hatte bereits ihr Handy gezückt, um die genaue Adresse einzutippen. Ronaldo übernahm das Navigieren, während Messi noch mit der Ärztin kurz Rücksprache hielt.

Aufbruch Als sie das Zimmer verließen, war Felix erschöpft, aber gefasst. Die Spieler schwiegen respektvoll, doch Neymar meinte aufmunternd: „Eins von zwei geschafft. Du warst richtig stark.“ „Find ich auch“, sagte Messi. Suárez klopfte ihm leicht gegen die Schulter. „Komm, jetzt Narkose. Und dann gönnen wir dir was Kaltes zu trinken, wenn’s vorbei ist.“ Felix nickte. Nur noch ein Gespräch… dann ist der schwerste Teil geschafft. Hoffentlich. Doch was keiner bemerkte: Am anderen Ende des Flurs stand wieder die junge Frau mit dem Kind. Dieses Mal tippte sie mit dem Daumen auf ihrem Handy, während sie stumm ins Handy murmelte: „Alles läuft. OP-Vorbereitung abgeschlossen. Anästhesie gleich. Phase fünf kann terminiert werden.“ Und Felix rollte, gestützt von seinen Helden, weiter – ohne zu ahnen, wie viele Augen inzwischen auf jeden seiner Schritte gerichtet waren. 62. Tag – Mittwoch, 23.07.2025 – Später Vormittag: Anmeldung zum Narkosegespräch Nachdem sie das chirurgische Gebäude verlassen hatten, liefen Felix, seine Mutter und die vier Spieler gemeinsam über den weitläufigen Klinikcampus der Unimedizin Mainz. Die Wege waren gut beschildert, aber das Gelände war so groß, dass selbst Ronaldo kurz auf Google Maps schaute, um sich zu vergewissern, ob sie richtig liefen. „Gebäude 505... da vorne“, sagte Messi und deutete auf einen modernen Glaskomplex, vor dem bereits mehrere Menschen warteten. Sie betraten die klimatisierte Empfangshalle. Drinnen roch es nach Desinfektionsmittel und frisch gewischtem Boden. An der Anmeldung saß eine junge Frau mit blauen Haarsträhnen, die freundlich, aber routiniert wirkte. „Name bitte?“ „Zimmermann, Felix“, sagte die Mutter. Die Mitarbeiterin klickte kurz durch eine Liste. „Ah ja. Narkoseambulanz. Warten Sie bitte einen Moment, Sie bekommen gleich den Aufklärungsbogen. Den muss Ihr Sohn noch ausfüllen.“ Der Bogen Nach zwei Minuten kehrte sie mit einem dicken DIN-A4-Blatt zurück und reichte ihn der Mutter. „Bitte hier ausfüllen, unterschreiben und dann an der Theke zurückgeben. Danach dauert es heute leider etwas – die Anästhesisten sind alle voll belegt.“ Sie setzten sich in den Wartebereich. Felix nahm den Stift zögerlich in die Hand, Neymar lehnte sich zu ihm. „Was steht da alles?“ „Fragen zu Allergien… Medikamenten… Krankheiten… ob ich mal Probleme bei einer Narkose hatte“, murmelte Felix. „Brauchst du Hilfe beim Schreiben?“ fragte die Mutter. Felix schüttelte den Kopf. „Ich will’s allein versuchen.“ Langsam, mit Druck in der Hand und zusammengekniffenen Augen, schrieb er die Antworten hinein. Messi half ihm dabei, die Fachwörter zu verstehen. Bei der Frage „Gab es bei Ihnen oder Ihrer Familie je Komplikationen bei Vollnarkosen?“ zögerte er. „Nicht dass ich wüsste“, sagte die Mutter. „Dann einfach Nein“, meinte Suárez. Nach etwa 15 Minuten war der Bogen ausgefüllt und wurde an der Theke wieder abgegeben. Die Stunde des Wartens

Der Wartebereich war mittlerweile voll geworden. Immer wieder gingen Türen auf, Namen wurden aufgerufen, Menschen kamen und gingen. Felix saß ruhig, aber innerlich spannte sich alles in ihm an. „Ich hab Angst vor dem Gespräch“, sagte er irgendwann leise. „Warum?“ fragte Neymar. „Ich will keine Fehler machen. Nicht dass sie was falsch machen bei der Narkose.“ Messi antwortete ruhig: „Dafür ist das Gespräch da. Damit du alles sagen kannst. Damit sie wissen, was du brauchst.“ Eine Stunde verstrich. Die Spieler versuchten, Felix mit kleinen Gesprächen abzulenken – über Fußball, Videospiele, Essen. Aber Felix war nicht wirklich bei der Sache. Seine Augen wanderten immer wieder zu den Türen, durch die ab und zu jemand mit Akte und weißem Kittel trat. Schließlich, um exakt 11:38 Uhr, öffnete sich die linke Tür. Eine ältere Frau mit silberner Brille und sachlichem Gesichtsausdruck trat hervor. „Herr Zimmermann bitte.“ Der Weg in den Besprechungsraum Sie betraten ein kleines Büro mit einem Behandlungstisch, einem Schreibtisch und einem Computer. Die Anästhesistin begrüßte sie mit professioneller Freundlichkeit. „Guten Tag. Ich bin Dr. Heine, zuständig für Ihre Narkoseaufklärung.“ Sie nahm den Bogen zur Hand, überflog ihn und nickte. „Ich sehe, Sie haben Epilepsie. Das ist wichtig – wir passen unsere Medikamente darauf an. Außerdem lese ich, dass Sie keine Tabletten schlucken können?“ Felix nickte schnell. „Nur Tropfen. Oder Infusionen.“ „Das bekommen wir hin. Für die Operation wird es eine Vollnarkose geben. Schmerzmittel nach der OP können Sie per Tropfen oder intravenös erhalten. Wir notieren das entsprechend.“ Die Regeln vor der Narkose Dr. Heine griff nun zu einem zweiten Blatt Papier und legte es auf den Tisch. „Jetzt erkläre ich Ihnen die Regeln, die Sie unbedingt vor der Narkose einhalten müssen.“ Sie sprach ruhig und klar: • Ab Mitternacht nichts mehr essen. • Bis 2 Stunden vor der OP darf noch Wasser oder klare Flüssigkeit getrunken werden – aber keine Milch. • Keine Kaugummis, Bonbons oder Zigaretten. • Medikamente bitte nur nach Rücksprache – die epilepsierelevanten behalten wir bei, geben sie Ihnen aber morgen früh vor der OP als Tropfen. Felix hörte konzentriert zu, auch wenn die Informationen ihn innerlich etwas überforderten. Aber er wusste: das war wichtig. Vielleicht das Wichtigste. „Und wenn Sie erkältet sind oder Fieber haben, muss die OP verschoben werden – also sagen Sie bitte sofort Bescheid, wenn Sie sich unwohl fühlen.“ Er nickte. „Mach ich.“ Dr. Heine reichte ihm das Blatt mit den Anweisungen. „Bitte bewahren Sie das gut auf. Die OP-Terminierung erfolgt telefonisch – vielleicht schon heute Nachmittag oder morgen früh.“ Die Mutter nahm das Blatt, Felix sagte leise: „Danke.“ Und dann verließen sie den Raum. Die Klinik war laut, belebt – doch in Felix’ Kopf war es ruhig. Still. Schwer. Aber er hatte alles geschafft. Für heute. Und er wusste: Das große Ziel rückte näher. Mit Angst – aber auch mit Kraft.

62. Tag – Mittwoch, 23.07.2025 – Mittag: Der OP-Termin wird vergeben Kaum hatten sie das Büro der Anästhesistin verlassen, wurden Felix und seine Begleiter – die Mutter, Ronaldo, Messi, Neymar und Suárez – zurück zum zentralen Schalter der chirurgischen Aufnahme geleitet. Dort war nun deutlich mehr Betrieb als noch am Morgen. Menschen standen in kleinen Gruppen, einige mit Krücken, andere mit Papieren in der Hand. Das gedämpfte Summen von Stimmen füllte die Luft, zwischendurch das Rauschen von Rollstühlen über den Boden. Die Mutter drängelte sich vorsichtig nach vorn zur Empfangsdame, die sie schon vom Morgen kannte. Diese nickte sie sofort wiedererkennend zu. „Ah, Frau Zimmermann – alles erledigt bei der Anästhesie?“ „Ja, alles durch. Wir sollen jetzt noch den OP-Termin bekommen.“ Die Mitarbeiterin klickte ein paar Mal auf ihrer Tastatur, überprüfte eine interne Liste und sagte dann mit einem kurzen Nicken: „Das ist ja zügig. Einen Moment...“ Sie tippte weiter, runzelte die Stirn kurz, dann las sie laut vor: „Herr Felix Zimmermann. Handoperation... wir hätten den nächsten freien Slot übermorgen früh um 8:00 Uhr.“ Felix‘ Herzschlag beschleunigte sich. Übermorgen. Es war real. Kein „irgendwann“, kein „wir melden uns“. Jetzt hatte er ein festes Datum. Eine Uhrzeit. „Bitte morgen nochmal telefonisch bestätigen“, sagte die Frau. „Aber geplant ist: Freitag, 25.07., um 8:00 Uhr. Stationäre Aufnahme bereits um 6:30 Uhr.“ Die Mutter schrieb sofort alles mit. Ronaldo legte sanft die Hand auf Felix’ Schulter. „Das ist gut. Schnell rein, schnell wieder raus.“ „Sie kommen dann direkt auf Station 3B – das ist die Handchirurgie. Bringen Sie Ihren Einweisungsschein, die Unterlagen vom Narkosegespräch, und wenn Sie möchten, ein paar persönliche Dinge für eine Nacht.“ Felix schluckte. Eine Nacht. Im Krankenhaus. Das letzte Mal war lange her. „Und ich darf jemand mitnehmen?“ fragte er. Die Frau lächelte. „Natürlich – eine Begleitperson für die Aufnahme ist erlaubt. Nach der OP darf Sie auch jemand besuchen.“ Noch im Krankenhaus Die Gruppe blieb noch kurz im Foyer der Klinik stehen. Es war inzwischen kurz nach zwölf. Die Mittagssonne strahlte draußen grell durch die großen Glasfenster. Felix saß ruhig im Rollstuhl, starrte auf das Papier in der Hand, auf dem mit Kugelschreiber „Freitag – 8:00 Uhr“ stand. „Wie fühlst du dich?“ fragte Neymar vorsichtig. Felix schaute zu ihm. „Ehrlich?“ „Immer ehrlich.“ „Ich hab Schiss.“ „Das ist okay. Wir bleiben bei dir.“ Die Mutter seufzte leise, aber mit einem stolzen Blick. „Du hast das heute alles richtig gut gemacht.“ Felix nickte nur. Ein Kloß steckte ihm im Hals. „Ich will jetzt kurz raus an die Luft“, sagte er. Messi nickte. „Gute Idee. Frische Luft vor dem nächsten Schritt.“ Sie hatten das Krankenhaus noch nicht verlassen, doch der Tag hatte sich schon jetzt wie ein kleiner Marathon angefühlt. Und übermorgen… würde das Rennen beginnen. Ein Lauf mit Metall, mit Schmerz – aber auch mit Hoffnung. 62. Tag – Mittwoch, 23.07.2025 – Abend: Die stationäre Anmeldung

Der Tag war lang gewesen – voll mit Gesprächen, Formularen, Warten, neuen Ängsten. Felix hätte am liebsten einfach nach Hause gewollt. Aber es gab noch einen letzten Schritt zu erledigen: die stationäre Aufnahme. Ohne sie würde der OP-Termin übermorgen nicht stattfinden. Messi hatte bereits mit der Klinik telefoniert und erfahren, dass die stationäre Anmeldung bis 18 Uhr möglich sei. Es war jetzt kurz vor 17 Uhr, also machten sich Felix, seine Mutter und die vier Spieler ein letztes Mal auf den Weg durch die Klinikflure – diesmal in Richtung des Gebäudes für stationäre Patientenaufnahme. Sie betraten einen stilleren Teil des Klinikums, deutlich ruhiger als der OP-Bereich. Der Bodenbelag war weich, gedämpftes Licht leuchtete aus den Deckenpanelen. Ein dezentes Schild zeigte den Weg: „Patientenaufnahme Stationär – Anmeldung & Einweisung“. Die Anmeldung Hinter einer Glasscheibe saß eine freundliche ältere Dame mit grauem Bob und einem dezenten Lächeln. „Guten Abend. Sie kommen zur stationären Anmeldung?“ Die Mutter trat vor. „Ja. Für meinen Sohn – Felix Zimmermann. OP am Freitag früh.“ Die Dame überprüfte etwas auf dem Bildschirm. „Ah ja. Eingetragen bei Station 3B. Einweisung ist vollständig hinterlegt, Narkosegespräch und OP-Besprechung sind auch eingetragen.“ Sie reichte Felix einen weiteren Bogen – diesmal mit Fragen zum stationären Aufenthalt: – Notfallkontakt – Medikamentenplan – Essgewohnheiten – Allergien – Schlafgewohnheiten Felix füllte den Bogen mit ruhiger Hand aus, diesmal etwas schneller als am Morgen. Er wusste nun, was von ihm erwartet wurde. Die vier Spieler saßen etwas abseits, leise miteinander sprechend, während die Mutter Felix mit Blicken unterstützte. „Möchten Sie ein Einzelzimmer?“ fragte die Dame später. „Wenn’s nicht zu teuer ist“, meinte die Mutter vorsichtig. „Wir vermerken den Wunsch, aber können es erst am OP-Tag garantieren – hängt von der Belegung ab.“ Nach etwa 20 Minuten war alles erledigt. Felix bekam einen weißen Patientenaufkleber mit Barcode und einen Zettel mit dem Hinweis: „Freitag, 25.07.2025 – 6:30 Uhr Station 3B, Anmeldung bitte nüchtern!“ Die Mitarbeiterin sagte zum Abschied: „Dann bis Freitag, Herr Zimmermann. Sie machen das ganz sicher gut.“ Heimweg & Erholung Es war bereits fast 18 Uhr, als sie das Klinikum endlich verließen. Die Sonne stand noch hoch, aber das Licht wurde weicher, golden. Der Parkplatz war leerer als am Morgen. Felix stieg müde ins Auto. Während der Fahrt nach Hause sagte kaum jemand etwas – nur das leise Summen des Motors und der Blick in die vorbeiziehenden Häuser begleitete die Rückfahrt. Zuhause angekommen, zog Felix direkt die Schuhe aus, ließ sich auf die Couch sinken und atmete tief durch. Die Spieler richteten sich ruhig ein, setzten sich mit etwas Abstand zu ihm. Keiner sprach ihn an. Sie wussten: Jetzt musste der Kopf erstmal zur Ruhe kommen. Die Mutter kochte eine kleine Suppe – etwas Leichtes, Beruhigendes. Später am Abend ging Felix früh ins Bett. Er hatte das Gefühl, als hätte er heute 20 Kilometer zurückgelegt, obwohl er die meiste Zeit gesessen hatte.

Er schaute noch kurz auf sein Handy, prüfte den OP-Zettel neben seinem Bett, dann legte er sich auf die Seite. Freitag, 6:30 Uhr. Es war fest. Unumkehrbar. Aber er war bereit – oder er wollte es zumindest sein. 63. Tag – Donnerstag, 24.07.2025 – Vormittag: Besuch auf dem Campus der Hochschule Mainz Der neue Tag begann ungewöhnlich ruhig. Die Sonne stand bereits klar am Himmel über Mainz, die Straßen waren trocken und vom leichten Wind durchzogen, als Felix gegen halb zehn langsam seinen Rucksack überstreifte. Heute wollte er etwas Wichtiges erledigen – noch bevor er sich ganz auf die bevorstehende Operation am morgigen Freitag konzentrieren musste. „Ich will nochmal zur Hochschule gehen“, sagte er leise beim Frühstück. Die Mutter hob den Blick. „Jetzt? Wegen deiner Bewerbung?“ Felix nickte. „Ja. Ich will wissen, ob die überhaupt noch an mich denken…“ Messi legte das Messer aus der Hand. „Dann gehen wir mit dir. Wer soll dich begleiten?“ „Ronaldo“, antwortete Felix direkt. „Klar“, sagte dieser mit einem kurzen Nicken. „Lass uns zu Fuß gehen. Frische Luft tut dir gut.“ Der Weg zur Hochschule Die beiden verließen das Haus gegen kurz nach zehn. Felix im lockeren Kapuzenpulli, Ronaldo sportlich, aber unauffällig. Der Weg führte sie vorbei am Winterhafen, durch schattige Alleen und über einen kleinen Hügel, bis sie die bekannten modernen Gebäude der Hochschule Mainz sahen – mit den großen Glasfassaden und den geometrischen Betonplatten, auf denen vereinzelt Studierende in der Sonne saßen. Felix ging langsam, aber zielgerichtet. Der Campus wirkte ruhig – es waren Semesterferien, das wusste er. Trotzdem hoffte er, dass irgendwo ein Büro offen sein würde. Irgendwer, der ihm erklären konnte, wie es um seine Bewerbung steht. Vergebliche Suche „Vielleicht da rein?“ fragte Ronaldo und zeigte auf ein Gebäude, das mit „Studierendenservice“ beschriftet war. Felix betrat das Foyer, doch der Empfang war dunkel. An der Tür hing ein laminiertes Schild: „Wegen interner Umstellung vom 22.–26. Juli geschlossen. Bitte nutzen Sie unser Online-Portal.“ Felix seufzte schwer. „Natürlich. Typisch.“ Sie versuchten es noch im Nebengebäude – dort war zwar Licht, aber niemand am Schalter. Auch keine Klingel. Nur ein weiteres Schild: „Für Fragen zur Bewerbung wenden Sie sich bitte per E-Mail an [email protected].“ Felix sah Ronaldo an. „Wieso fühlt sich das so an, als ob man nicht gewollt ist?“ „Ich glaube nicht, dass es so gemeint ist“, erwiderte Ronaldo ruhig. „Aber ich verstehe dich. Du willst klare Antworten. Nicht dieses… Warten.“ Felix nickte. Er ging langsam wieder raus auf den Campus und setzte sich auf eine der runden Steinbänke unter einem jungen Baum. Ronaldo ließ sich neben ihn nieder. Der stille Moment Die Sonne war angenehm warm, der Platz halb leer, vereinzelte Vögel zwitscherten. In der Ferne lachten zwei Studierende, die mit einem Kaffeebecher und Laptop auf der Wiese saßen.

Felix beobachtete sie eine Weile. „Ich würd hier gern dazugehören“, sagte er leise. Ronaldo schaute ihn an. „Du gehörst schon irgendwo dazu. Ob hier oder woanders. Und wer weiß… Vielleicht ist dein Platz gerade noch in der Entstehung.“ „Ich hab das Gefühl, dass ich immer an der Tür steh – aber nie reingelassen werde.“ „Dann hau so lange an die Tür, bis sie endlich aufmachen.“ Felix lächelte schwach. „Und wenn sie nie aufmachen?“ „Dann bauen wir dir eine eigene.“ Aufbruch Nach einer halben Stunde machten sie sich wieder auf den Heimweg. Keine Antworten. Keine Hilfe. Aber vielleicht ein kleiner Schritt – einfach nur deshalb, weil Felix ihn gegangen war. Und während sie sich entfernten, fiel niemandem auf, dass – einige Meter entfernt, in einem schwarzen Kleinwagen – eine Frau mit zusammengebundenem Haar und Sonnenbrille saß. Sie tippte eine Nachricht auf ihr Handy. „Er war an der Hochschule. Keine Gefahr. Wendet sich wieder Dingen zu, die nichts mit uns zu tun haben. Phase 6 wie geplant. Morgen früh ist er in der Klinik.“ Das Spiel ging weiter – und Felix ahnte noch immer nicht, wie groß das Netz war, das sich längst um ihn gesponnen hatte. 63. Tag – Donnerstag, 24.07.2025 – Später Nachmittag: Zusammenbruch im alten Vorlesungsraum Die Sonne war mittlerweile weitergezogen, der Himmel leicht bewölkt, als Felix und Ronaldo wieder auf dem Campus ankamen – diesmal begleitet von Neymar, Messi und Suárez. Felix hatte darauf bestanden, dass sie noch ein letztes Mal in „seinen“ alten Vorlesungsraum gehen. In dem Raum, in dem alles begann. In dem er noch vor wenigen Monaten an seinem Traum festgehalten hatte, trotz Überforderung, trotz Zweifel, trotz Lärm und Reizüberflutung. Sie fanden das Gebäude offen. Im dritten Stock lag der Raum – groß, mit stufenartiger Anordnung, einem Projektor an der Decke und weißen Tischen, von denen einige schon Kratzer und alte Kaffeeflecken trugen. Die Luft war leicht abgestanden, Staub lag in der Ecke. Es roch ein wenig nach Kreide und Papier. Felix trat ein, langsam, zögerlich. Seine Schritte hallten im leeren Raum. Er stellte sich in die erste Reihe, blickte hoch zur Dozent:innenposition, dann zurück zu den hinteren Sitzplätzen. „Ich hab da oben gesessen“, sagte er leise. „Immer da hinten. Neben…“ Er brach ab. Die Spieler blieben am Eingang stehen. Neymar war der Erste, der sich näherte. „Alles okay?“ „Nein“, sagte Felix nach kurzem Zögern. „Gar nichts ist okay.“ Der Ausbruch Plötzlich wirbelte er herum. Die Augen glänzten vor innerem Druck. „Ich weiß nicht mehr, was zuerst kommt. Die OP? Das Gericht? Ob ich nochmal irgendwo angenommen werde? Meine Tante ist krank, meine Hand kaputt, ich hab keine Ahnung, ob meine Bewerbung verloren gegangen ist. Und diese alten Freunde… sie melden sich nicht, sie wissen vom Gericht – und keiner fragt, ob ich noch atme!“ Ronaldo ging zwei Schritte auf ihn zu. „Beruhig dich…“ „NEIN! Sag nicht, ich soll mich beruhigen!“ brüllte Felix. Messi hob die Hände beschwichtigend, doch Felix fuhr herum. „Und ihr – ihr seid doch auch irgendwann wieder weg! Ihr habt euer Leben, eure Karriere. Ich hab was? Einen Rollstuhl und ein verdammtes Gericht, das über mich bestimmt wie ein Objekt!“ „Felix…“ begann Neymar.

„Nein! Ich kann nicht mehr. Ich hab das Gefühl, alles zieht an mir vorbei. Wie soll ich mich auf eine OP konzentrieren, wenn in meinem Kopf 1000 Dinge gleichzeitig brennen?!“ Der Konflikt Da wurde es laut. Suárez trat einen Schritt vor. „Wir helfen dir doch! Aber wenn du uns so anschreist – was erwartest du dann?!“ Felix ging auf ihn zu, die Fäuste leicht geballt, völlig in seiner Überforderung gefangen. „Dann geht doch! Wie alle anderen! Ich hab eh das Gefühl, ich bin immer nur Ballast für euch!“ In einem Reflex trat Ronaldo dazwischen. „Hey! Reiß dich zusammen! Du bist nicht Ballast. Aber du überforderst gerade nicht nur dich, sondern auch uns!“ Die Spannung explodierte in einem Augenblick. Felix stieß Ronaldo leicht, der konterte, fing aber direkt Felix’ Arm ab, bevor es weiterging. In der Luft lag ein Moment, in dem alles hätte eskalieren können. Dann – Stille. Felix stand keuchend da. Die Schultern bebten. Ronaldo hielt ihn noch am Handgelenk. Der Blick der Spieler war ernst – aber nicht wütend. „Das… das war nicht ich…“, stammelte Felix plötzlich. „Ich weiß“, sagte Ronaldo ruhig und ließ los. „Du bist gerade nicht du. Das war der Autismus. Die Anspannung. Alles auf einmal. Ich hab’s gemerkt. Du willst nicht schlagen. Du willst Hilfe.“ Felix sackte auf einen Stuhl. Atemlos. Tränen in den Augen. „Es tut mir leid…“ Messi legte ihm die Hand auf die Schulter. Neymar setzte sich daneben. „Wir sind hier. Nicht nur als Fußballer. Als Freunde.“ Die Versöhnung & Heimweg Nach ein paar Minuten hatte sich die Lage beruhigt. Die Luft war schwer, aber ehrlich. Felix trocknete sich das Gesicht mit einem Taschentuch. Niemand sprach über das, was fast passiert wäre. Denn sie wussten: Der wahre Kampf fand in Felix’ Innerem statt. „Gehen wir nach Hause“, sagte Suárez. „Ja…“, flüsterte Felix. „Ich… ich muss ausruhen. Morgen ist der Tag.“ Sie verließen gemeinsam das Gebäude. Kein Wort mehr über den Vorfall. Draußen atmete Felix tief die warme Abendluft ein. Und während sie durch das immer dunkler werdende Mainz gingen, war klar: Morgen würde vieles passieren. Doch in diesem Moment zählte nur eines – dass sie noch zusammen waren. Noch. 64. Tag – Freitag, 25.07.2025 – Früher Morgen: Aufbruch zur Operation Es war noch dunkel, als der Wecker um 4:45 Uhr leise zu piepen begann. Felix lag schon wach. Er hatte kaum geschlafen. Immer wieder waren ihm die gleichen Gedanken durch den Kopf gegeistert: Wird alles gut gehen? Werde ich Schmerzen haben? Komme ich gut aus der Narkose wieder heraus? Er starrte an die Zimmerdecke, während der Wecker weiter piepte. Schließlich griff er nach dem Handy und schaltete den Alarm aus. Dann atmete er einmal tief durch. „Heute ist der Tag“, flüsterte er zu sich selbst. Medikamente und Vorbereitung Langsam richtete er sich im Bett auf. Die Wohnung war noch still, alle Lichter aus. Doch in der Küche hörte er schon leise Geräusche – seine Mutter war wach. Sie bereitete Tee und stellte das Wasser für die Wärmflasche auf, die Felix nach der OP eventuell brauchen würde. Im Bad nahm Felix seine morgendliche Medikation: die Epilepsietablette, dazu etwas gegen die Nervosität, das ihm am Vortag vom Hausarzt empfohlen worden war. Wasser spülte er nur

in kleinen Schlucken herunter. Denn er wusste: Ab jetzt musste er nüchtern bleiben. Kein Frühstück. Kein Kaffee. Ronaldo stand plötzlich im Türrahmen. Ungeschminkt, mit verstrubbelten Haaren, aber voll da. „Bereit?“ Felix nickte schwach. „So bereit, wie’s halt geht.“ Die anderen drei – Messi, Neymar und Suárez – waren ebenfalls schon wach. Sie halfen beim Packen der Tasche: Handy, Ladekabel, Kopfhörer, ein Buch, Ersatzkleidung, Ausweis, Versichertenkarte. Die Fahrt zur Klinik Um 5:45 Uhr war alles gepackt. Die Mutter überprüfte noch einmal den Zettel mit der Adresse, obwohl sie genau wusste, wo das Gebäude lag. Ronaldo trug Felix’ Tasche, Messi kümmerte sich um die Aufnahmeunterlagen. Felix selbst saß ruhig auf dem Rücksitz, eingehüllt in eine weiche Jacke. Die Stadt war leer, nur vereinzelt fuhr ein Auto durch die Straßen von Mainz. „Es ist seltsam ruhig“, sagte Felix. „Es ist der Moment vor dem Sturm“, meinte Neymar mit leiser Stimme. „Oder vor der Heilung“, ergänzte Suárez. Der Wagen rollte durch die Auffahrt der Universitätsklinik. Die Scheinwerfer glitten über das Klinikschild: „Uniklinik Mainz – Station 3B, Handchirurgie“ Ein Pfleger öffnete ihnen die Eingangstür. Drinnen war es hell, steril – doch auch ruhig. Keine Hektik. Nur das Piepen von Monitoren in der Ferne und leise Schritte auf dem Linoleumboden. „Herr Felix Zimmermann?“ fragte die Stationsschwester. „Ja“, sagte Felix und meldete sich mit ruhiger Stimme. Sie nickte freundlich. „Kommen Sie bitte mit zur stationären Aufnahme. Sie sind der erste Eingriff heute.“ Der letzte Moment vor dem Aufenthalt Felix drehte sich ein letztes Mal zu seiner Mutter und den Spielern um, bevor er mit der Schwester in den Flur verschwand. „Ihr bleibt in der Nähe?“ „Versprochen“, sagte Ronaldo. „Wir gehen erst, wenn du wieder wach bist.“ „Und dann gibt’s ein Fleischkäsebrötchen“, fügte Messi hinzu. Felix lächelte schwach. Dann verschwand er um die Ecke. Der Tag hatte begonnen – und mit ihm eine neue, entscheidende Etappe in seinem Leben. Die Operation war nur ein Teil davon. Der andere: zu beweisen, dass er stärker war als alles, was ihn zurückzuhalten versuchte. 64. Tag – Freitag, 25.07.2025 – Früher Morgen: Anmeldung, Wartezimmer und OPVorbereitung Der Flur war hell erleuchtet, die Luft roch nach Desinfektionsmittel, und das leise Summen der Lüftung war das Einzige, was man hören konnte, als Felix der Schwester hinterherging. Mit jedem Schritt wurde sein Atem etwas flacher. Die sterile Umgebung, die anonymen weißen Türen und die Schilder mit Raumbezeichnungen wie „Aufwachraum“, „OP 2“ und „Anästhesie-Vorbereitung“ wirkten plötzlich unheimlich real. Die Schwester lächelte ihn freundlich an. „Gleich geht alles ganz ruhig seinen Gang. Sie melden sich erst einmal an, dann bekommen Sie Ihr Patientenbändchen, danach bringen wir Sie ins Wartezimmer.“ Anmeldung zur Operation

Am Empfang der Station 3B saß eine weitere Mitarbeiterin, diesmal in einem hellblauen Kittel. Sie tippte etwas auf ihrer Tastatur, dann sah sie auf. „Guten Morgen. Sie sind…?“ „Felix Zimmermann“, antwortete Felix und reichte seine Versichertenkarte. Die Frau nickte, prüfte die Daten, dann druckte sie ein Patientenarmband aus und befestigte es mit einem Klick an seinem linken Handgelenk. „Sie sind Nüchtern? Medikamente genommen?“ Felix nickte. „Epilepsie-Tablette und ein Beruhigungsmittel. Kein Essen, kein Trinken.“ „Perfekt. Dann geht's jetzt weiter.“ Im Wartezimmer Felix wurde in einen kleinen Raum geführt – ein sogenanntes „Prä-OP-Wartezimmer“. Die Wände waren schlicht, ein paar Informationsposter hingen dort, eine Wasserflasche stand auf einem Tisch, aber die war natürlich nicht für ihn gedacht. Drei Stühle standen nebeneinander. Er setzte sich. Außer ihm war nur ein älterer Herr mit einer Gehstütze im Raum, der ihm höflich zunickte. Minuten vergingen. Dann kam eine Pflegekraft in grünem OP-Kittel herein. In der Hand hielt sie einen schwarzen Filzstift. „Herr Zimmermann? Ich bin von der OP-Vorbereitung. Ich muss kurz Ihren Arm markieren.“ Felix streckte den rechten Arm aus – der, der operiert werden sollte. Die Schwester machte einen kurzen Haken auf den Handrücken und schrieb mit klarer Schrift direkt auf die Haut: „RECHT“ Darunter ein Kreis mit einem kleinen Pfeil. „Das ist für das OP-Team, zur eindeutigen Zuordnung. Sicherheitshalber.“ Felix nickte nur. Es wirkte alles so geordnet, so professionell – und trotzdem fühlte es sich surreal an, dass dieser markierte Arm in wenigen Minuten auf einem OP-Tisch liegen würde. Aufruf zur Operation Dann, nach etwa 20 Minuten, öffnete sich erneut die Tür. Eine Anästhesieschwester kam herein. „Herr Zimmermann? Es ist soweit.“ Felix schluckte. Er stand auf. Seine Beine waren etwas wackelig. Die Schwester trat näher, lächelte beruhigend. „Keine Sorge. Alles läuft nach Plan. Kommen Sie bitte mit.“ Mit klopfendem Herzen verließ Felix das Wartezimmer, während draußen auf dem Flur die Sonne langsam über den Klinikflur schien. Sein rechter Arm war markiert, sein Kopf voller Gedanken – aber sein Weg führte nun unumkehrbar in den OP. 64. Tag – Freitag, 25.07.2025 – Kurze Zeit vor der Operation: Abschied vor der Schleuse Felix saß nun wieder im Rollstuhl, den man ihm zur OP-Vorbereitung zur Verfügung gestellt hatte. Neben ihm gingen seine Mutter und der Spieler, der ihn heute begleiten durfte – Neymar. Es war still zwischen ihnen. Die Atmosphäre im Flur wirkte gedämpft, wie vor einem Gewitter, das jeder spürte, aber niemand benennen konnte. Der Aufzug surrte leise, als sie gemeinsam in die untere Etage fuhren. „OP-Trakt – Ebene -1“ stand auf einem kleinen Schild. Die Türen öffneten sich, und es schlug ihnen sofort die kühlere, klinische Luft des OP-Bereichs entgegen. Hier war nichts mehr gemütlich – hier war alles funktional. Letzter Toilettengang

Bevor es in den Vorbereitungstrakt ging, fragte die OP-Schwester freundlich: „Herr Zimmermann, möchten Sie vorher nochmal zur Toilette?“ Felix nickte. Er wollte alles vermeiden, was später peinlich sein könnte – außerdem war sein Magen flau vor Nervosität. Neymar schob ihn zur Tür, Felix ging allein hinein. Das Licht war grell, der Raum steril, aber er konnte sich kurz sammeln, kaltes Wasser ins Gesicht spritzen, tief durchatmen. „Du schaffst das“, sagte er zu seinem Spiegelbild. „Du hast viel Schlimmeres überstanden.“ OP-Unterwäsche & Kanüle Als Felix aus der Toilette kam, wartete schon eine Pflegekraft mit einem kleinen Beutel in der Hand. „So, bitte einmal in diese OP-Unterwäsche schlüpfen – die brauchen wir, damit im OP alles hygienisch bleibt.“ Felix runzelte die Stirn. „So was muss man anziehen?“ Die Schwester lächelte. „Ja, das ist normal. Eine Netzhose mit einer kleinen Einlage und ein leichtes Hemd. Sie werden ja ganz unter Vollnarkose stehen, da müssen wir vorbereitet sein.“ Mit Hilfe seiner Mutter und hinter einem Sichtschutz zog Felix sich um. Es war ihm ein bisschen unangenehm – die Unterwäsche fühlte sich dünn und fremd an. Aber es war klar: Hier gab es keine Eitelkeiten, nur Funktion. Dann kam eine weitere Schwester mit einem Tablett. „Ich setze Ihnen jetzt die Venenverweilkanüle, ja?“ Felix nickte angespannt. Die Schwester nahm seine linke Hand – nicht die rechte, die ja operiert wurde. Nach kurzem Desinfizieren und einem kleinen Pieks saß die Kanüle. „Jetzt einmal spülen – das wird kalt im Arm.“ Tatsächlich zog sich die Flüssigkeit kalt durch Felix’ Unterarm. Es war ein seltsames Gefühl, aber nicht schlimm. „Perfekt“, sagte die Schwester. „Die Narkoseärzte freuen sich über gute Venen.“ Die Kuschelkatze & Abschied Dann trat die Mutter wieder an seine Seite – in der Hand hielt sie eine vertraute Figur: Felix’ kleine Kuschelkatze. Grau, mit etwas abgegriffenen Ohren. „Ich hab sie aus deiner Tasche genommen“, sagte sie mit zittriger Stimme. „Für dich – wenn du wach wirst.“ Felix nahm das Stofftier in die gesunde Hand. „Danke, Mama“, flüsterte er. Dann sah er Neymar an. „Bleibt ihr in der Nähe?“ „Bis du wieder bei uns bist“, sagte Neymar. „Egal wie lang es dauert.“ Dann kam ein Pfleger mit einem grünen Haarnetz und sagte: „Herr Zimmermann? Es ist soweit. Wir bringen Sie jetzt in die OP-Schleuse.“ Felix wurde noch einmal fest umarmt – zuerst von seiner Mutter, dann von Neymar, der ihm die Schulter drückte. „Du bist stark. Und du kommst zurück.“ Die OP-Schleuse öffnete sich mit einem Summen. Helle Leuchtstoffröhren strahlten von der Decke, alles war weiß, kalt, vorbereitet. Felix hielt die Kuschelkatze fest und wurde durch die automatische Tür geschoben. Hinter ihm schlossen sich die Türen. Die Mutter und Neymar blieben allein zurück. Und Felix – war nun auf sich gestellt. 64. Tag – Freitag, 25.07.2025 – Im OP-Saal: Letzte Minuten vor der Narkose Die Schleusentür glitt lautlos hinter Felix zu. Zwei OP-Pfleger übernahmen ihn, schoben ihn durch einen hellen, sterilen Flur. Es roch nach Desinfektionsmittel, kühl und medizinisch. Die Räder des Rollstuhls knarrten leise auf dem glatten Boden.

„Herr Zimmermann, wir sind gleich im Saal“, sagte einer der Pfleger freundlich. „Das ist der Raum, wo gleich alles vorbereitet wird. Keine Sorge, wir sind die ganze Zeit bei Ihnen.“ Dann öffnete sich eine letzte Tür – OP-Saal 3B. Die Temperatur war spürbar kühler. Große Lampen hingen von der Decke, ausgeschaltet, aber bereit. Edelstahlflächen spiegelten das helle Licht, und ein OP-Tisch stand im Zentrum des Raumes, umgeben von Geräten mit Schläuchen und blinkenden Anzeigen. Anschluss an die Überwachungsgeräte Felix wurde vorsichtig auf den OP-Tisch umgelagert. Die weiche OP-Unterlage fühlte sich kalt auf dem Rücken an. Einer der Anästhesiepfleger legte ihm ein weiteres Kissen unter die Knie, um seinen Rücken zu entlasten. „Wir schließen Sie jetzt an die Monitore an, okay?“ sagte die Anästhesieschwester mit beruhigender Stimme. Ein EKG-Gerät wurde angeschlossen: drei kleine Klebepads auf der Brust, verbunden mit dünnen Kabeln. Dann kam eine Blutdruckmanschette an seinen linken Oberarm, und ein Pulsoximeter wurde an seinen Finger geklemmt. Auf dem Monitor neben ihm erschienen nun die ersten Anzeigen: – Puls: 91 – Blutdruck: 133/85 – Sauerstoffsättigung: 98 % „Alles stabil“, murmelte die Anästhesistin, die nun an sein Bett trat. Sie trug ein hellgrünes OP-Kleid, Schutzhaube, Maske. Ihre Augen wirkten konzentriert, aber ruhig. „Wir warten noch einen Moment, die Chirurgen sind gleich fertig mit dem Aufbau.“ Die Wartezeit Die halbe Stunde bis zur Einleitung zog sich wie Kaugummi. Felix starrte an die Decke, hörte das Piepen der Monitore, das Flüstern der Pfleger und das Klirren von Edelstahlinstrumenten. Niemand sprach viel mit ihm – doch er wusste, sie waren alle da, bereit. Die Kuschelkatze lag immer noch an seiner Seite, unter dem OP-Tuch, leicht eingeklemmt zwischen Bauch und Arm. Sie war sein Anker in dieser unwirklichen Welt aus Licht, Kälte und Technik. OP-Schmerzmittel und Narkose „Herr Zimmermann?“ Die Anästhesistin war wieder da. „Jetzt beginnen wir mit der Schmerzmittelgabe. Es wird kurz warm im Arm.“ Über die Kanüle in seiner Hand spürte Felix, wie eine Substanz langsam eingespritzt wurde. Sie brannte ein wenig, dann wurde sein Unterarm plötzlich warm – ein leichtes Ziehen breitete sich bis in den Ellenbogen aus. „Das ist das Schmerzmittel – es schützt Sie schon vor der Narkose ein wenig. Es kann sein, dass Ihnen gleich etwas schwindelig wird.“ Tatsächlich flimmerte es leicht vor seinen Augen. Er atmete flach, sein Herzschlag schien ihm lauter als normal. Dann kam das nächste Mittel – die Narkose. Die Ärztin beugte sich leicht über ihn. „Felix, ich gebe Ihnen jetzt das Einschlafmittel. Das wirkt sehr schnell. Zählen Sie gern innerlich – aber keine Sorge, viele kommen nicht über die Drei hinaus.“ Ein neuer Schub floss durch die Kanüle. Diesmal war es nicht nur warm – es war ein lähmend weiches Gefühl, das sich wie eine Welle über seinen Körper legte. Seine Lider wurden schwer. Das Piepen der Geräte entfernte sich wie durch Nebel. Felix hörte noch das leise Piepen.

Dann wurde es plötzlich ganz ruhig. Und schwarz. Die Operation hatte begonnen. 64. Tag – Freitag, 25.07.2025 – Vier Stunden später: Aufwachen nach der Operation Ein leises Piepen, gedämpftes Licht, das Summen eines Geräts – all das war das Erste, was Felix wahrnahm, als er langsam aus der Dunkelheit auftauchte. Er blinzelte, seine Lider fühlten sich schwer an. Seine Zunge war trocken, der Hals kratzte. Langsam drehte er den Kopf zur Seite. Alles war verschwommen. Die Decke über ihm war weiß, kalt beleuchtet von Neonröhren. Neben ihm: ein Rollwagen mit Monitoren. An seinem Finger war wieder der Pulsoximeter. Der rechte Arm lag ruhig auf einer kleinen Schiene – eingepackt, verbunden, mit einem leichten Gipsverband. Der Verband reichte fast bis zum Ellenbogen. Dann kamen die Schmerzen. Dumpf, brennend, tief im Inneren des Arms. Nicht stechend, aber schwer auszuhalten. Er keuchte leise. Eine Stimme, ruhig und freundlich, erklang plötzlich neben ihm. „Herr Zimmermann? Schön, dass Sie wieder wach sind. Die OP ist gut verlaufen. Ich bin Schwester Meike aus dem Aufwachraum.“ Felix versuchte zu nicken, aber er verzog nur das Gesicht. „Es tut weh… mein Arm…“ „Das ist normal nach der OP. Sie haben noch Kochsalzlösung in der Vene. Ich hänge Ihnen gleich eine Infusion mit Schmerzmittel an – das wirkt schnell, versprochen.“ Die Novalgin-Infusion Die Schwester wechselte routiniert den Beutel am Infusionsständer. Der durchsichtige Schlauch führte zu der Kanüle, die noch immer in Felix’ linker Hand steckte. „Jetzt läuft Novalgin ein“, sagte sie. „Das wird in wenigen Minuten besser.“ Felix spürte die erste kühle Welle der Flüssigkeit in seinem Unterarm. Dann – wie durch ein Wunder – begannen die Schmerzen sich zu lösen. Erst das dumpfe Brennen, dann das unangenehme Ziehen. Innerhalb von fünf Minuten war der Arm spürbar entspannter. Noch immer etwas Druck, aber nichts mehr, was ihn aus der Ruhe brachte. Er schloss für einen Moment wieder die Augen. Nicht aus Müdigkeit – sondern aus Erleichterung. Verlegung ins Patientenzimmer Kurze Zeit später trat eine neue Schwester an sein Bett. „Herr Zimmermann, wir bringen Sie jetzt auf Ihr Zimmer. Alles ist vorbereitet, Ihre Mutter und Ihr Freund – der Fußballer – warten dort schon.“ Felix wurde vorsichtig von der Aufwachliege in ein Klinikbett umgelagert. Die Infusion hing weiter an seinem Ständer, er wurde mit einer Decke zugedeckt und durch die Gänge geschoben. Der Flur rauschte an ihm vorbei – Deckenleuchten, Türen, kurze Gespräche im Hintergrund. Als sie in das Patientenzimmer einbogen, sah er im Halbdunkel seine Mutter auf einem Stuhl sitzen – die Hände gefaltet, Tränen in den Augen. Neben ihr Neymar, der sich sofort erhob, als Felix hereingerollt wurde. „Du hast’s geschafft“, sagte er leise. Felix nickte, ein müdes, aber ehrliches Lächeln auf den Lippen. „Ich bin wieder da.“ Die Kuschelkatze lag schon auf dem Nachttisch – jemand hatte sie bereitgelegt. Felix griff nach ihr mit seiner gesunden Hand. Und ließ los – in einen tiefen, endlich schmerzfreien Schlaf. 64. Tag – Freitag, 25.07.2025 – Später Nachmittag: Erste Stunden im Zimmer

Die Tür zum Patientenzimmer öffnete sich langsam, während Felix mit halb geschlossenen Augen auf dem Rücken lag. Das rhythmische Piepen des Monitors neben ihm war inzwischen beruhigend geworden. Die Infusion mit dem Novalgin lief weiter, er fühlte sich ruhig, benommen, aber wach. Seine Mutter trat als Erste näher, gefolgt von seinem Vater, der überraschend sanft wirkte. Dann kamen die vier Spieler – Ronaldo, Messi, Neymar und Suárez. Alle in zivil, aber mit ernsten Gesichtern. Sie hatten sich Mühe gegeben, nicht aufgewühlt zu wirken, doch der Anblick von Felix mit dem Gips, den Kabeln und dem Blutfleck am Verband ließ auch sie kurz innehalten. „Hey, Champion…“, sagte Ronaldo und legte ihm vorsichtig die Hand auf die Schulter. „Du siehst aus, als hättest du gerade einen Weltpokal gewonnen“, fügte Suárez mit einem Augenzwinkern hinzu. Felix lächelte matt. Seine Lippen waren trocken, und seine Stimme kratzte noch. „Ich fühl mich eher wie nach ’nem Elfer in der 120. Minute – ohne Kraft.“ Erste Flüssigkeit nach der OP Eine Stationsschwester kam ins Zimmer, überprüfte routiniert die Anzeigen am Monitor und die Infusion. Dann sah sie Felix freundlich an. „Herr Zimmermann, Sie dürfen jetzt anfangen, kleine Schlucke Wasser oder Tee zu trinken. Wichtig: langsam, und nicht zu viel auf einmal.“ Seine Mutter reichte ihm ein Glas stilles Wasser. Felix nippte vorsichtig daran. Die Flüssigkeit war kühl, beruhigend – und er spürte sofort, wie sehr sein Körper sie gebraucht hatte. „Essen dürfen Sie in etwa zwei Stunden. Wenn Ihnen nicht übel wird, können wir mit etwas Leichtem anfangen – vielleicht Zwieback oder Suppe.“ Felix nickte langsam. Der Besuch der Tante Gegen 18:30 Uhr – der Himmel färbte sich langsam orange über den Fenstern der Uniklinik – klopfte es erneut leise. Die Tür öffnete sich, und Felix’ Tante trat ein. Sie trug eine helle Bluse und hatte eine kleine Tasche dabei. Ihre Augen wirkten leicht gerötet – sie hatte sich Sorgen gemacht. „Mein Schatz…“, sagte sie leise, während sie zum Bett trat. Sie küsste ihn auf die Stirn und strich ihm sanft eine Strähne aus der Stirn. „Du hast das gut gemacht.“ Felix schaute sie an. „Ich hab’s überlebt“, sagte er leise. „Nicht nur das“, antwortete die Tante mit fester Stimme. „Du warst mutig. Das ist mehr als viele je schaffen.“ Ruhe kehrt ein Der Raum war voll – Eltern, Tante, vier Weltstars – doch die Stimmung war friedlich. Messi hatte sich auf den Stuhl neben dem Bett gesetzt und las ruhig in einem Buch, während Neymar mit dem Vater leise über Fußball fachsimpelte. Die Mutter saß am Kopfende und hielt Felix’ Hand, während Suárez und Ronaldo darauf achteten, dass niemand zu laut sprach. Felix schloss für einen Moment die Augen. Nicht vor Erschöpfung – sondern aus Dankbarkeit. Er hatte es geschafft. Und er war nicht allein. 64. Tag – Freitag, 25.07.2025 – Abend: Koreanisches Hähnchen und eine seltsame Stimme Felix saß nun etwas aufrechter im Bett. Die Infusion war inzwischen abgelaufen, die Schmerzen deutlich gedämpft. Ein kleines Tablett mit seinem Abendessen wurde hereingebracht – und zu seiner Überraschung stand darauf nicht etwa Krankenhausbrei oder

Zwieback, sondern ein dampfendes Gericht: koreanisches Hähnchen mit Reis und etwas Gemüse. „Das hat eure Mutter organisiert“, sagte die Schwester grinsend. „War wohl ein Sonderwunsch.“ Felix schnupperte kurz und sein Magen meldete sich tatsächlich – trotz OP – mit einem hungrigen Knurren. „Das riecht gut“, murmelte er. Mit Hilfe von Neymar, der ihm die Schale zurechtschob und das Besteck zurechtlegte, begann Felix vorsichtig zu essen. Das Hähnchen war würzig, nicht zu scharf, perfekt gegart. Die Sojasauce vermischte sich mit dem Reis, das Gemüse war bissfest. Jeder Bissen gab ihm ein kleines Stück Normalität zurück. Seine Mutter und sein Vater verabschiedeten sich wenig später, auch die Tante stand auf. „Wir lassen dich jetzt etwas ruhen“, sagte sie sanft. „Die Jungs passen ja gut auf dich auf.“ „Ich komm morgen wieder“, versprach die Mutter und küsste ihn erneut auf die Stirn. Die Spieler bleiben – und seltsame Geräusche Im Zimmer wurde es etwas ruhiger. Die vier Spieler hatten sich jeweils einen Stuhl geschnappt. Messi saß am Fenster und betrachtete den Sonnenuntergang, Ronaldo las auf seinem Handy, Neymar drehte sich mit einem Klinik-Stuhl leicht im Kreis, und Suárez hatte ein Kreuzworträtselheft entdeckt. Dann, gegen 20:00 Uhr, durchbrach ein seltsames Geräusch die friedliche Stimmung. Aus dem Nachbarzimmer – nur durch eine dünne Wand getrennt – hörte man plötzlich eine Stimme. Zuerst war sie nur undeutlich. Dann wurde sie lauter. „Hallo? Hallo?! Ist da jemand?! HILFE!“ Felix sah auf. Neymar richtete sich sofort auf. Dann kam die Stimme erneut. „Hier läuft Wasser die Wand runter! Hier ist überall Wasser! HILFE! Das ist gefährlich! Das ist GIFTIGES Wasser!!“ Alle vier Spieler hielten inne. Messi stand nun ebenfalls auf. „Was ist das?“ murmelte er. „Vielleicht eine Patientin mit Verwirrung?“ überlegte Ronaldo. „Oder ein echter Wasserschaden“, fügte Suárez hinzu. Die Stimme der Frau ging weiter. „Sie lassen mich hier absaufen! Ich will raus! Ich weiß, was ihr macht!!“ Neymar schaute zu Felix. „Soll ich mal klingeln?“ Felix nickte. „Vielleicht besser. Das klingt… komisch.“ Neymar ging zur Tür und drückte den Notrufknopf. Wenige Minuten später hörten sie, wie jemand ins Nachbarzimmer ging – eine Pflegerin mit ruhiger Stimme. Die Tür wurde geschlossen. Doch Felix hatte einen merkwürdigen Ausdruck im Gesicht. „Sie hat gesagt: Ich weiß, was ihr macht…“, murmelte er. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. War es nur ein verwirrter Mensch? Oder hatte es etwas… mit Phase 2 zu tun? Niemand sagte etwas. Doch alle vier Spieler wirkten plötzlich wieder hellwach. 64. Tag – Freitag auf Samstag, 25.07.2025 – Frühe Nacht: Die Unruhe im Krankenhaus Es war inzwischen kurz nach 23:00 Uhr. Das Zimmer von Felix lag im Halbdunkel, nur das sanfte Licht über der Tür brannte noch schwach. Felix hatte das koreanische Hähnchen gut

vertragen, der Tee danach stand noch halbvoll auf seinem Nachttisch. Die vier Fußballspieler standen bereits auf, hatten ihre Jacken übergeworfen, wollten ihn für die Nacht allein lassen. „Ruh dich aus“, sagte Ronaldo leise. „Wir kommen morgen früh wieder, okay?“ fügte Neymar hinzu. „Und wenn was ist, drück den Knopf“, sagte Suárez und zwinkerte. Felix nickte. „Danke, Jungs. Gute Nacht.“ Messi hob die Hand zum Gruß, und sie gingen zur Tür. Doch kaum hatten sie den Türgriff berührt, da ertönte erneut die Stimme aus dem Nachbarzimmer – diesmal schriller, panischer: „NEIN! NICHT SCHON WIEDER! HILFE! DAS WASSER KOMMT WIEDER! ICH SEHE ES! ICH SEHE EUCH!“ Die Spieler zuckten zusammen. Felix fror regelrecht. Wieder diese Worte – nicht nur „Wasser“, sondern „Ich sehe euch!“ Noch bevor jemand reagieren konnte, öffnete sich die Tür von Felix’ Zimmer erneut – eine Krankenschwester kam herein. Sie wirkte leicht erschöpft, aber nicht überrascht. „Bitte entschuldigen Sie das Geschrei. Die Dame nebenan hat heute eine Operation unter Vollnarkose gehabt – sie ist noch etwas verwirrt und hat eine sogenannte postoperative DelirPhase.“ „Ist das… gefährlich?“ fragte Messi leise. Die Schwester schüttelte den Kopf. „Für sie selbst vielleicht. Aber wir behalten sie im Blick. Es ist keine Gefahr für andere. Solche Halluzinationen sind nach bestimmten Medikamenten leider keine Seltenheit.“ Sie lächelte beruhigend, sah zu Felix. „Wenn Sie nicht schlafen können, melden Sie sich bitte. Ich kann Ihnen auch Ohropax bringen.“ „Danke“, murmelte Felix. Die Schwester verließ das Zimmer wieder, und nun verabschiedeten sich die vier Spieler wirklich. Die Tür schloss sich. Nur noch der schwache Lichtschein vom Flur schimmerte unter der Tür durch. Tee & Unruhe Felix nahm den letzten Schluck seines Tees. Er war inzwischen nur noch lauwarm, aber beruhigte dennoch den Magen. Er legte sich vorsichtig zurück ins Bett, zog sich die Decke bis unter das Kinn. Das Piepen des Monitors war regelmäßig. Seine Hand schmerzte kaum noch, nur ein dumpfer Druck war geblieben. Doch die Frau nebenan redete weiter. Nicht mehr laut, nicht mehr schreiend – nur noch flüsternd. Aber Felix hörte es durch die Wand: „Sie beobachten mich… Sie haben ihn… Er wird nicht rauskommen… nie wieder…“ Ein Schauder überlief ihn. Was Felix nicht weiß… Während Felix langsam in den unruhigen Schlaf abglitt, seine Kuschelkatze an sich gedrückt, geschah etwas, das niemand bemerkte. Ein Seiteneingang im hinteren Bereich der Station wurde für einen kurzen Moment nicht von der Kamera erfasst – eine dunkle Gestalt in Schwesternkleidung huschte durch den Gang. Es war die vermeintliche Mutter, die Frau, die ihn bereits nach dem Slackline-Sturz beobachtet und berichtet hatte. Sie hatte einen einfachen Auftrag von der alten Dame erhalten: „Sorge dafür, dass er länger bleibt. Schmerz ist unsere Sprache.“

In ihrer Tasche: Eine kleine manipulierte Fernbedienung, eine leere Spritzenhülle, ein präparierter Marker – alles scheinbar harmlos, doch vorbereitet, um Unruhe zu stiften, zu manipulieren, um kleine Details zu verändern. Und sie wusste: Je länger Felix blieb, desto mehr Möglichkeiten gab es. Für Phase 3. Für die eigentliche Prüfung. Für die Reue der alten Frau – die niemals Vergebung meinte. 65. Tag – Samstag, 26.07.2025 – Sehr früher Morgen: Der Schmerz kehrt zurück Es war noch dunkel im Zimmer. Die Straßenlaternen warfen kalte, orangefarbene Lichtstreifen durch das gekippte Fenster, die sich wie flackernde Schatten über die Decke zogen. Der Monitor neben Felix piepte ruhig, das Beatmungsgerät im Nachbarzimmer rauschte monoton. Plötzlich schreckte Felix hoch. Ein stechender, brennender Schmerz durchzuckte seine rechte Hand – genau an der Stelle, wo der Bruch mit der frisch eingesetzten Metallplatte lag. Es fühlte sich an, als würde etwas in seinem Inneren reißen, als würde das Metall auf die Nerven drücken. Der Schmerz war so heftig, dass ihm schwindelig wurde. Er japste leise, zog instinktiv die Beine an – doch das half nichts. Tränen stiegen ihm in die Augen. Die Uhr auf dem Monitor zeigte: 03:27 Uhr. Seine Hand zitterte, und seine linke – die gesunde – tastete hektisch nach dem Knopf neben dem Bett. Er drückte. Einmal. Zweimal. Dreimal. Nur wenige Minuten später öffnete sich leise die Tür. Eine Nachtschwester trat ein, eine kleine Frau mit hellbraunen Haaren unter der Haube, dunkle Schatten unter den Augen. „Was ist los, Felix?“ fragte sie leise. Er deutete auf seine Hand, keuchte: „Schmerzen… stark… ganz stark…“ Sie nickte sofort, trat an den Monitor, prüfte den Infusionsstand, sah dann auf ihre Liste. „Du hattest Novalgin bekommen. Ist jetzt raus. Ich darf dir was Neues geben, intravenös – das hilft schnell.“ Sie öffnete einen Medikamentenschrank an der Wand, bereitete mit routinierter Hand eine neue Infusion vor. Dieses Mal war es ein Kombinationspräparat – stärker dosiert, angepasst an post-operative Schmerzschübe. Die Schwester legte die Lösung an die bereits vorhandene Kanüle. „Das brennt vielleicht kurz in der Vene, aber dann sollte es schnell besser werden.“ Felix nickte kaum sichtbar, Tränen liefen ihm über die Schläfen in den Kissenbezug. Die Flüssigkeit drang kühl in seinen Arm ein – erst spürte er wieder dieses Ziehen, dann kam die Erleichterung. Der Schmerz ließ nach. Innerhalb von wenigen Minuten wurde aus dem brennenden Hämmern nur noch ein dumpfer Druck. Dann ein warmes Taubheitsgefühl. Dann… Ruhe. Die Schwester nahm seine Hand, prüfte vorsichtig Puls und Temperatur. „Alles stabil. Ich bleib noch kurz hier, bis du wieder ruhiger atmest.“ Felix schluckte. „Danke…“ „Schlaf weiter, Felix. Du hast das Schlimmste hinter dir“, flüsterte sie und strich ihm die Decke zurecht. Wenig später war das Zimmer wieder still. Das Piepen der Monitore klang wieder regelmäßig. Felix lag mit geschlossenen Augen da – erschöpft, aber nicht mehr gequält. Was er nicht wusste: Im Gang draußen – am Ende der Station – flackerte die Kamera über der Tür ganz kurz.

Nur eine Sekunde. Dann lief sie weiter. Als sei nichts gewesen. 65. Tag – Samstag, 26.07.2025 – Früher Morgen: Medikamente und Entscheidungen im Schatten Die ersten Sonnenstrahlen fielen durch das Fenster des Krankenzimmers. Es war etwa 07:10 Uhr, als Felix langsam die Augen öffnete. Er fühlte sich müde, aber stabil. Der Schmerz in seiner Hand war kaum mehr als ein Druck – die Infusion in der Nacht hatte Wirkung gezeigt. Neben ihm surrte der Monitor leise, sein Puls war ruhig. Die Tür ging auf. Es war sein Vater – ungewöhnlich früh, in Jogginghose und mit zerzausten Haaren. In der Hand hielt er eine kleine, weiße Medikamentenbox. „Guten Morgen, mein Sohn“, sagte er mit ungewohnt ruhiger Stimme und stellte sich ans Bett. „Hier. Deine Epilepsie-Medikamente. Die Schwester meinte, du darfst sie schon wieder oral nehmen.“ Felix richtete sich etwas auf und nahm die Tablette mit einem Schluck Wasser. Sein Vater beobachtete ihn kurz – sagte aber nichts weiter. Dann griff er nach seinem Schlüsselbund. „Ich fahr nach Hause. Ruh dich aus. Ich komm später mit deiner Mutter wieder.“ Felix nickte nur. Der Vater schloss die Tür. Die Beobachterin im Schatten Nicht weit entfernt, auf einem Flur mit Blick zur Station 2A, stand eine Frau in neutraler Kleidung. In der Hand ein Kaffee, scheinbar nur eine andere Besucherin. Doch ihre Augen waren fixiert auf Zimmer 218 – Felix’ Zimmer. Es war die vermeintliche Mutter. Versteckt in einer Nische, hinter der Glastür, beobachtete sie ihn. Sie sah, wie er wach war. Wie er trank. Wie er sich leicht aufrichtete. Sie bemerkte, dass er keine Schmerzen mehr hatte. Keine verzerrten Gesichtszüge. Kein Wimmern. Kein verkrampftes Atmen. Dann hob sie langsam ihr Handy ans Ohr. Es vibrierte leise. Eine dunkle, alte Stimme meldete sich. „Du hast gesagt, er liegt flach. Warum ist er wach? Warum lächelt er? WARUM IST ER SCHMERZFREI?!“ Die junge Frau schluckte. „Die Nacht war schlimm. Er hatte Schmerzen. Sie haben ihm etwas gegeben. Aber er hat's überstanden…“ „Dann gib ihm MEHR! Sorge dafür, dass er wieder still ist! Ich will ihn nicht spazieren sehen. Ich will ihn gedämpft – für Tage. TAGE, hörst du? Es gibt andere Mittel. Du weißt, wie das geht. Sorge dafür. Heute noch.“ „Nein“, antwortete die junge Frau nach kurzem Zögern. Stille in der Leitung. Dann: „Wie bitte?“ „Ich… Ich werde ihn nicht vergiften. Ich hab die Slackline manipuliert, ja. Ich hab ihn beobachten lassen. Ich hab seine Karte besorgt. Aber ihn absichtlich sedieren, ruhigstellen, wie ein Tier… das mache ich nicht. Ich hab ein Kind. Ich hab gesehen, wie er kämpft. Wie stark er ist. Ich kann das nicht mehr.“ „Du schuldest es mir. Ich habe dich aus dem Dreck geholt!“ schrie die alte Dame. „Ich bin nicht dein Werkzeug“, sagte die Frau ruhig. „Du kannst jemand anderen schicken. Aber ich bin raus.“ Sie legte auf. Ihre Hände zitterten. Sie wusste, dass sie gerade einen gefährlichen Bruch begangen hatte.

Im Zimmer: Ruhe vor dem Sturm Felix spürte nichts von alledem. Er hatte inzwischen seinen zweiten Tee des Morgens getrunken, das Frühstücksbrötchen zur Hälfte gegessen. Messi hatte sich per Sprachnachricht gemeldet, dass sie später wiederkommen. Die Mutter schickte ein Herz-Emoji. Felix zog die Decke bis zur Brust, sah zum Fenster hinaus. Was er nicht ahnte: Die Frau, die ihn bisher aus der Ferne gequält hatte, war heute ausgestiegen. Doch die alte Dame hatte noch andere Karten in der Hand. Und sie war jetzt wütender als je zuvor. 65. Tag – Samstag, 26.07.2025 – Mittag: Erwachen in der Sonne und eine neue Drohung Das Licht der Mittagssonne fiel inzwischen kräftig durch die Fensterscheiben von Zimmer 218. Die Schatten des Fenstergitters zeichneten ein ruhiges Muster auf die weiße Bettdecke. Felix regte sich langsam, öffnete gähnend die Augen. Die Müdigkeit lag ihm schwer in den Gliedern, aber es war eine warme, geborgene Müdigkeit – nicht mehr das dumpfe, bedrückende Nachbeben der OP. Die Teekanne auf dem Nachttisch war noch lauwarm, daneben standen ein halbiertes Brötchen mit Frischkäse und ein kleiner Apfel, den die Frühstücksschwester dagelassen hatte. Felix trank vorsichtig vom Tee, kaute dann langsam ein Stück Brot. Seine rechte Hand lag ruhig auf einem kleinen Kissen, dick bandagiert, aber nicht mehr stechend schmerzhaft. Noch immer floss eine Infusion mit Kochsalz zur Stabilisierung – Novalgin war für den Moment abgesetzt worden. Er blickte kurz auf die Uhr. 12:08 Uhr. Es war ein ruhiger Mittag. Zu ruhig. In der Cafeteria der Klinik: Eine Frau mit kalten Augen Nur zwei Stockwerke tiefer, auf der Empore vor der Cafeteria, saß die vermeintliche Mutter – eine Papiertüte mit Essen in der Hand, ein kalter Blick durch die Glaswand Richtung Klinikgarten. Sie wirkte angespannt. Der Anruf der alten Dame lag ihr noch in den Knochen. Neben ihr saß eine zweite Frau, blond, jünger, kaum älter als Mitte zwanzig. Sie trug Zivilkleidung, doch ein winziges Headset verschwand fast vollständig hinter ihrer Strähne. „Du willst nicht vergiften, ich hab’s verstanden“, sagte sie tonlos. „Aber du weißt, was du stattdessen tun kannst.“ Die vermeintliche Mutter antwortete nicht sofort. Die Blonde fuhr fort, beinahe flüsternd: „Er soll Schmerzen haben? Fein. Dann dreh nicht die Medikamente auf – sondern zieh ihm die Hilfe weg. Lass ihn fallen. Lass ihn sich überfordern. Heute. Noch heute.“ Ein Zettel wurde ihr unauffällig in die Hand geschoben. Darauf stand: „Pflegekraft in Pause. Reizbelastung hochfahren. Spieler ablenken.“ Die vermeintliche Mutter nickte langsam. „Ich werde ihn nicht vergiften. Aber wenn ihr Schmerzen wollt – ihr werdet sie bekommen.“ Zimmer 218 – Die Idylle vor dem Druck Felix beendete sein Frühstück, lehnte sich zurück, trank den letzten Schluck Tee. Er sah nach draußen, wo einige Pflegekräfte über den Hof eilten. In diesem Moment trat eine junge, neue Schwester ins Zimmer. „Guten Tag, Herr Felix“, sagte sie mit einem freundlichen, aber leicht überdrehten Tonfall. „Ich bin heute für Sie zuständig. Wir machen nachher ein paar Mobilisationsübungen. Vielleicht auch mal aufstehen, ein paar Schritte gehen?“ Felix war überrascht. „Ich hatte gestern erst die OP… darf ich das denn schon?“

„Wenn Sie sich trauen, warum nicht?“ sagte sie etwas zu locker. „Es tut vielleicht weh – aber Schmerzen sind doch ein Zeichen, dass man lebt, oder?“ Felix zuckte zusammen. Die Worte klangen komisch. Unbehaglich. Aber er nickte vorsichtig. „Okay… vielleicht nachher.“ Die Schwester verließ das Zimmer. Felix ahnte nicht, dass hinter der Tür bereits eine neue Phase begann. Nicht mit Giften. Sondern mit gezielten Reizen, Entlastungsentzug und unterschwelliger Sabotage. Und genau das war es, was die alte Dame nun wollte: Kein schneller Tod. Sondern eine Prüfung. Schmerzhaft. Langsam. Und systematisch. 65. Tag – Samstag, 26.07.2025 – Nachmittag: Schmerzen, Pflasterspray und ein neuer Zorn Die Stunden nach dem Mittag vergingen langsam. Felix hatte sich ausgeruht, Tee getrunken, ein wenig gelesen, doch seine Gedanken schweiften ständig zur Hand – und zu dem, was als Nächstes passieren würde. Gegen 14:40 Uhr kam schließlich eine erfahrene Pflegekraft mit einem Tablett in das Zimmer. Sie lächelte freundlich. „Herr Felix, wir schauen uns jetzt mal Ihre Wunde an und nehmen das Verbandsmaterial ab.“ Felix nickte, seine Augen verrieten jedoch eine gewisse Nervosität. Er hatte Angst vor dem Moment, in dem die Wunde freigelegt würde – vor allem, wenn das Pflaster an der Haut klebte oder wenn die Naht noch frisch schmerzte. Die Schwester schob vorsichtig das Bett höher, schnitt mit einer kleinen Schere das Fixierband durch und begann langsam, das Verbandmaterial zu lösen. Sofort spürte Felix ein unangenehmes Ziehen, seine Finger zuckten leicht. „Au… das zieht“, murmelte er und biss die Zähne zusammen. „Ja, das kann kurz unangenehm sein“, sagte die Schwester ruhig. „Ich sprüh Ihnen gleich etwas drauf, dann geht’s besser.“ Sie griff zu einer kleinen Dose mit Pflasterspray und kühlte damit die Hautpartie ein – ein kurzes, kaltes Prickeln breitete sich aus. Dann wurde der restliche Verband in einem Rutsch abgezogen. Felix zuckte leicht, aber es war erträglich. Die Wunde war deutlich sichtbar: eine frische Naht mit mehreren Klammern, gerötet, aber sauber. Keine Entzündung, kein Eiter. Nur ein klarer Heilungsverlauf. „Das sieht gut aus“, sagte die Schwester. „Jetzt reinigen wir das noch und machen eine lockere Schutzabdeckung drauf.“ Nachdem alles desinfiziert und neu abgedeckt war, erklärte die Schwester ihm, dass die Kanüle, die noch in seinem Arm steckte, nun gezogen werde. „Die brauchst du jetzt nicht mehr, du bekommst ein Schmerzmittel für zu Hause.“ Felix schaute neugierig zu. Mit geübtem Griff zog sie die Kanüle vorsichtig aus der Vene, drückte einen Tupfer darauf und klebte ein kleines Pflaster darüber. Dann übergab sie ihm eine kleine Glasflasche mit Tropfen und ein Rezept: Novalgin Tropfen – 500 mg/ml – bei Bedarf bis zu 40 Tropfen – maximal 4-mal täglich. Dazu eine Anleitung und eine Dosierspritze. Felix war erleichtert. Er fühlte sich gut versorgt – und bereit, nach Hause zu gehen. Abfahrt – und ein heimlicher Zorn Gegen 16:30 Uhr wurde Felix von seiner Mutter abgeholt. Auch der Vater wartete am Haupteingang, während Ronaldo und Neymar seinen Rucksack trugen. „Na, jetzt geht’s heim, Bruder“, grinste Neymar. „Krankenhauszeit vorbei – erstmal Couchzeit!“ Felix lächelte. Noch ein letzter Blick zur Station – dann verließen sie das Klinikum.

Doch nicht alle waren erfreut … Wenige Minuten später vibrierte ein Handy in einer dunklen Tasche. Die vermeintliche Mutter stand im Schatten einer Säule im Parkhaus des Klinikums und telefonierte wieder – der Empfang war schlecht, aber die Stimme am anderen Ende klang klar. Zu klar. „Er ist ENTLASSEN worden? MIT Medikamenten?!“ „Ja… Novalgin-Tropfen. Eine ganze Flasche. Die Schwester meinte, es war alles stabil…“ „ICH WILL SCHMERZEN! Nicht Tropfen! Nicht häusliche Pflege! Ich habe dir eine Rolle gegeben. Und du? Du versagst.“ Die Stimme der alten Dame zitterte vor Wut. Die vermeintliche Mutter antwortete stockend: „Er hat gelitten… Er hat geweint… Er hatte Angst. Reicht dir das nicht?“ „Nein! Ich will, dass er betäubt ist. Überfordert. Gequält. Und wenn du das nicht erledigst… wird jemand anderes es tun.“ Die Leitung wurde unterbrochen. Die vermeintliche Mutter atmete schwer. Ihr Blick wanderte über das Parkdeck – dann auf ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe. Sie sah erschöpft aus. Zerrissen. Und tief verstrickt in etwas, aus dem sie längst nicht mehr aussteigen konnte. Der junge Mann saß währenddessen sicher im Auto. Seine Hand ruhte in der Schlinge, der Rucksack mit den Tropfen stand neben ihm. Er ahnte nicht, wie nah ihm der Wahnsinn noch war. 65. Tag – Samstag, 26.07.2025 – Später Nachmittag: Ein Brief mit Wahrheit und Konsequenz Nach der Fahrt vom Krankenhaus war es ruhig im Haus. Felix saß auf dem Sofa, die Beine ausgestreckt, die rechte Hand hochgelagert auf einem weichen Kissen. Die Tropfen aus der Novalgin-Flasche hatten ihre Wirkung gezeigt – der Schmerz war gedämpft, aber nicht ganz verschwunden. Seine Mutter brachte ihm ein Glas Wasser und einen kleinen Joghurt. „Du brauchst was Leichtes im Magen“, sagte sie sanft. Felix nickte dankbar. Kurz darauf klingelte es an der Haustür. Der Vater öffnete – ein schmaler Mann in Postuniform überreichte ihm einen braunen Briefumschlag mit offiziellem Stempel. „Für Herrn Felix“, sagte er knapp. Der Vater nahm den Umschlag, drehte ihn in der Hand. „Polizei Rheinland-Pfalz – Mainz.“ Er brachte ihn direkt zu Felix. „Das ist für dich.“ Felix setzte sich langsam auf. Sein Herzschlag beschleunigte sich. Ein Polizeibrief – das konnte nichts Gutes oder Belangloses bedeuten. Er öffnete das Kuvert vorsichtig. Darin: ein Anschreiben der Kriminalpolizei Mainz, sachlich formuliert, aber mit gewichtigen Worten. Betreff: Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der vorsätzlichen Körperverletzung / Sabotage – Slackline-Unfall vom 24.07.2025 auf dem Universitätsgelände Mainz Sehr geehrter Herr [Nachname],

im Zuge Ihrer Meldung und einer ergänzenden Zeugenaussage durch Ihren Begleiter (Anm.: Spieler), wurde eine Überprüfung des Slackline-Bereichs auf dem Campus der Universität Mainz durchgeführt. Dabei ergaben sich Widersprüche zwischen Ihrer detaillierten Beschreibung des Unfallgeräts und dem derzeitigen Zustand der Slackline-Anlage. Insbesondere wurde festgestellt, dass nur am 24.07.2025 – dem Tag Ihres Sturzes – eine Slackline mit anderem Farbmaterial, abweichender Länge und ohne zugelassene Befestigungselemente installiert war. Eine nachträgliche Rückveränderung an den Tagen danach ist nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht durch das Universitätspersonal genehmigt oder protokolliert worden. Es wurden daher Ermittlungen wegen des Verdachts auf vorsätzliche Manipulation eingeleitet. Wir bitten Sie, in den kommenden Tagen für ein ergänzendes Gespräch zur Verfügung zu stehen. Mit freundlichen Grüßen Kriminaloberkommissar E. Schneider Polizeidirektion Mainz – Kommissariat 3 Felix starrte auf den Brief. Dann reichte er ihn still seiner Mutter. Sie las – und ihre Augen wurden groß. „Das… heißt, du hast dir das nicht eingebildet“, sagte sie leise. „Sie war manipuliert. Und sie wissen es. Und sie suchen jetzt nach dem Täter.“ Nicht weit entfernt – zwei Frauen, zwei Reaktionen In einem kleinen grauen Wagen auf einem Parkplatz unweit des Uniklinikums saß die vermeintliche Mutter. Neben ihr – die jüngere, blonde Frau vom Vortag. Sie hatte ein Tablet in der Hand, ein Liveticker lief mit Schlagwörtern zu den Themen "Polizei", "Slackline", "Ermittlung". Dann kam die Nachricht über den Brief an Felix. Die vermeintliche Mutter erstarrte. „Sie… wissen es“, sagte sie tonlos. „Sie wissen, dass es manipuliert war.“ Die Blonde lachte leise. „Natürlich wissen sie es. Das war der Plan. Nur nicht von Anfang an. Sondern jetzt, wenn es zu spät ist, die Spuren verwischt, die Aufmerksamkeit wächst – und er mitten drin hängt. Die alte Dame liebt das.“ „Er ist gerade erst aus der OP gekommen“, flüsterte die vermeintliche Mutter. „Er hat Schmerzen. Und jetzt auch noch das.“ „Perfekt, oder? Belastung von allen Seiten. Schmerzen. Unsicherheit. Druck von außen. Vielleicht bricht er irgendwann. Das ist das Ziel.“ Die vermeintliche Mutter sah aus dem Fenster, Tränen in den Augen. „Ich wollte nur helfen. Ich wollte nie, dass er leidet…“ Aber sie wusste: Jetzt war es zu spät. Und der Junge – ihr Ziel – war in etwas hineingeraten, das längst größer war als nur ein Unfall. 65. Tag – Samstag, 26.07.2025 – Abend: Heimkino und heimliche Drohungen Das Wohnzimmer war in warmes Licht getaucht. Auf dem Couchtisch standen ein paar Salzstangen, ein Schälchen mit Gummibärchen, und dampfender Tee für Felix. Seine rechte Hand lag ruhig und weich auf einem kleinen Kissen, während er mit der linken vorsichtig die Fernbedienung bediente.

Neben ihm auf dem Sofa saß seine Mutter, in eine Decke gekuschelt. Auf der anderen Seite Ronaldo, der heute bewusst ruhig und zurückhaltend war – er hatte in Felix’ Blick gemerkt, wie sehr ihn der Polizeibrief beschäftigte. Doch jetzt war Filmzeit. Felix hatte sich eine seiner Lieblingskomödien ausgesucht – nichts Anstrengendes, keine düstere Handlung, einfach etwas zum Lachen und Durchatmen. Während die Eröffnungsszene lief, legte Felix den Kopf an die Schulter seiner Mutter. Sie streichelte ihm beruhigend durchs Haar. „Wir stehen das alles gemeinsam durch“, sagte sie leise. Ronaldo nickte. „Und wir sind noch da – bis zum Ende.“ Felix lächelte schwach. Währenddessen – Irgendwo im Umland von Mainz Ein altes Haus am Waldrand. Schwach beleuchtet. Im oberen Stockwerk – ein düsteres Arbeitszimmer. Schwere Vorhänge. Dunkles Holz. Bücher, überall. Die alte Dame stand vor dem Fenster. In der Hand hielt sie den Polizeibrief – eine eingescannt kopierte Version, die ihr „Netzwerk“ für sie beschafft hatte. Ihre Finger zitterten vor Wut. „Eine andere Slackline… nur an dem Tag…“, murmelte sie. „Wie konnten sie das feststellen? WER hat gepetzt?“ Die Tür öffnete sich. Die vermeintliche Mutter trat ein – bleich, nervös, mit gesenktem Blick. „Du hast versagt“, fauchte die alte Dame. „Du solltest ihn führen. Beobachten. Und du hast zugelassen, dass ein Beweis entstanden ist! Dass sie ihm glauben!“ Die vermeintliche Mutter trat einen Schritt näher. „Ich… ich wusste nicht, dass die Polizei es so schnell bemerkt. Ich dachte… es war ein kleiner Fehler. Eine Schwäche.“ „Eine Schwäche?“ Die Stimme der alten Dame war nun kaum mehr als ein kaltes Zischen. Sie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. „Du wirst dich zurückhalten. Fürs Erste. Kein Kontakt. Keine Annäherung. Du wirst ihn nicht mehr betreuen, verstehen wir uns?“ „Aber… ich wollte ihm nie wehtun“, flüsterte die jüngere Frau. „Dann hast du am falschen Spiel teilgenommen.“ Die alte Dame trat näher, starrte ihr direkt in die Augen. „Phase drei beginnt. Und du wirst nur noch Zuschauerin sein. Was jetzt kommt, wird alles Bisherige übertreffen.“ „Was… was meinen Sie damit?“, fragte die vermeintliche Mutter erschrocken. Die alte Frau trat zum Fenster, starrte in die Nacht hinaus. Ihre Stimme klang fast andächtig. „Ein finales Kapitel. Ein unbekannter Spieler. Ein Plan, den selbst du nicht durchschauen wirst. Er wird leiden. Nicht durch Gifte. Nicht durch Schläge. Sondern durch Zweifel. Angst. Und den Verrat, den er niemals kommen sieht.“ Zurück im Wohnzimmer

Felix lachte schwach über eine Szene im Film. Seine Mutter lächelte erschöpft. Ronaldo hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt und genoss die ruhige Atmosphäre. Doch keiner von ihnen wusste, dass in der Dunkelheit ein neues Spiel vorbereitet wurde. Ein größeres Finale. Mit einem unbekannten Gegner. Und einem Schmerz, der nicht vom Körper kam – sondern aus dem Herzen. 65. Tag – Samstag, 26.07.2025 – Tiefe Nacht: Die Stille zu Hause Das Haus war dunkel und still. Nur das leise Summen des Kühlschranks und das gelegentliche Knarzen des alten Holzbodens unterbrachen die Ruhe. Felix lag in seinem Bett, das Kissen weich, die Decke halb zur Seite geschoben. Er hatte sich bettfertig gemacht, die Medikamente eingenommen, seine Hand nochmal vorsichtig hochgelagert, wie die Ärztin es empfohlen hatte. Neben ihm auf dem Nachttisch stand die Flasche mit den Novalgin-Tropfen, daneben ein halbvolles Glas Tee – schon fast kalt. Doch er konnte nicht schlafen. Die Geräusche aus dem Krankenhaus fehlten ihm. Das Piepen der Geräte, das gedämpfte Rufen der Nachtschwester, das gelegentliche Stöhnen oder Reden aus dem Nebenzimmer. So eigenartig es war – in dieser fremden Umgebung hatte er sich trotz allem sicherer gefühlt. Irgendwie… weniger allein. Jetzt war alles zu still. Kein Neymar, der sich beim Zähneputzen über das deutsche Zahnpasta-Gefühl beschwerte. Kein Ronaldo, der mit verschränkten Armen an der Wand lehnte und mit einem Auge auf Felix’ Infusion achtgab. Kein leises „Alles gut, Bruder?“ mitten in der Nacht, wenn er sich im Schlaf bewegt hatte. Felix starrte an die Decke. Irgendetwas fehlte. Nicht nur die Ablenkung – sondern auch diese stille Verbundenheit, die er im Krankenhaus gespürt hatte. Trotz Schmerzen, trotz Müdigkeit – er war nicht allein gewesen. Jetzt… lag er da. Und fühlte sich wieder wie früher. Ein wenig traurig drehte er sich auf die Seite – vorsichtig, damit die operierte Hand nicht schmerzte. Sein Kuscheltier, die kleine schwarze Stoffkatze, lag neben ihm. Er drückte sie fester an sich. „Morgen ist ein neuer Tag“, murmelte er leise. „Vielleicht ist es morgen spannender.“ Dann schloss er langsam die Augen. Die Müdigkeit holte ihn ein. Sein Atem wurde ruhiger. Doch nicht alle schliefen in dieser Nacht In einem anderen Haus, verborgen in einem Waldgebiet vor der Stadt, saß die alte Dame in einem alten Ohrensessel. Vor ihr – ein Bildschirm, auf dem sich Bewegungen abzeichneten. Sie beobachtete nicht Felix direkt – doch sie hatte ihre Mittel, ihre Helfer, ihre Wege, in der Nähe zu sein. Ihre Augen wirkten kalt, beinahe leer. Doch in ihnen glomm eine düstere Vorfreude. „Er schläft… und ahnt nichts. Das macht es umso besser.“

Sie lehnte sich zurück, flüsterte in den Raum: „Du wirst mir nicht entkommen, Junge. Nicht in dieser Geschichte.“ Und dann schloss auch sie die Augen – nicht zum Schlafen, sondern um den nächsten Zug in ihrem düsteren Spiel zu planen. 66. Tag – Sonntag, 27.07.2025 – Früher Morgen: Schmerz am Tagesbeginn Ein schwacher Lichtschein drang durch den Spalt der halb geschlossenen Rollos, als Felix langsam die Augen öffnete. Es war noch früh – die Uhr auf dem Nachttisch zeigte 06:12 Uhr. Die Wohnung war still, kein Geräusch aus der Küche, kein Vogelgezwitscher draußen, nur das ferne Brummen eines Kühlschranks. Er bewegte sich leicht im Bett – und sofort schoss ein stechender Schmerz durch seine rechte Hand und den Unterarm. Es war kein dumpfes Ziehen wie am Vortag, sondern ein brennend-drückendes Gefühl, als hätte jemand den Verband zu fest geschnürt. Er verzog das Gesicht, atmete scharf durch die Zähne ein. „Ah… Mist…“, murmelte er und zog die Decke beiseite. Vorsichtig legte er die Hand etwas höher auf das Kissen, so wie es die Ärztin empfohlen hatte. Doch die Erleichterung blieb aus. Der Schmerz pochte, jede Sekunde ein dumpfer Schlag in den Knochen. Er setzte sich auf, griff mit der linken Hand nach der kleinen Glasflasche auf dem Nachttisch. Novalgin-Tropfen. Die Ärztin hatte ihm gesagt, bei starken Schmerzen könne er bis zu 40 Tropfen nehmen – langsam in Wasser aufgelöst. Mit leicht zitternden Fingern öffnete er den Deckel, zählte die Tropfen in das halbe Glas Wasser und trank in kleinen Schlucken. Die Flüssigkeit schmeckte bitter, ein Hauch von Chemie, aber Felix wusste: In wenigen Minuten würde die Wirkung einsetzen. Er lehnte sich wieder zurück, das Kissen so drapiert, dass die Hand stabil lag. Seine Augen schlossen sich für einen Moment, während er tief atmete. Langsam, ganz langsam ließ der Schmerz nach – noch nicht weg, aber erträglicher. Im Flur hörte er Schritte – die Mutter kam aus ihrem Schlafzimmer, noch im Morgenmantel. „Alles gut bei dir?“ „Hatte… starke Schmerzen beim Aufwachen. Hab Tropfen genommen“, sagte er leise. Sie nickte, legte kurz ihre Hand auf seine Stirn. „Ruh dich noch etwas aus. Ich mach dir gleich Tee.“ Felix schloss wieder die Augen. Er wusste nicht, dass draußen, am Rand der Straße, ein Wagen stand – und in ihm eine Frau, die ihn beobachtete. Die vermeintliche Mutter. Sie notierte etwas in ihr Handy: „Er hat Schmerzen. Nimmt Medikamente. Aber er steht wieder auf. Phase drei könnte schwieriger werden.“ Und diese Nachricht landete wenige Minuten später im Postfach der alten Dame. Die las sie – und lächelte kalt. 66. Tag – Sonntag, 27.07.2025 – Mittag: Ein alkoholfreies Bier zur Erholung Die Sonne stand inzwischen hoch am Himmel und tauchte das Wohnzimmer in warmes Licht. Felix hatte den Vormittag größtenteils auf der Couch verbracht, seine Hand hochgelagert auf einem weichen Kissen, den Fernseher leise im Hintergrund laufen lassen. Der Schmerz war dank der Tropfen erträglich, aber er spürte immer noch, dass er sich nicht zu sehr bewegen durfte.

Gegen Mittag klingelte es an der Tür. Neymar stand davor, mit seiner typischen lockeren Art und einer kleinen Kühltasche in der Hand. „Bruder, ich hab dir was mitgebracht. Keine Sorge – absolut OP-tauglich.“ Felix zog eine Augenbraue hoch, während Neymar die Tasche öffnete. Darin standen zwei gekühlte Flaschen alkoholfreies Bier. „Dachte mir, wir stoßen mal an. Auf deine erfolgreiche OP – und dass du jetzt wieder auf dem Weg zur Besserung bist.“ Felix grinste leicht. „Alkoholfrei geht klar. Arzt hat gesagt, kein Alkohol wegen den Medikamenten.“ „Eben. Ich hör zu, wenn Ärzte reden… meistens“, sagte Neymar grinsend und setzte sich neben ihn. Sie öffneten die Flaschen, das leise Plopp hallte durch den Raum. Felix nahm den ersten Schluck – kühl, erfrischend, mit einem leichten Malzgeschmack. „Schmeckt fast wie echtes Bier“, meinte er überrascht. „Ja, aber ohne den Ärger danach“, lachte Neymar. „Und hey – so kann ich auch mittrinken, ohne dass Ronaldo mich nervt, ich soll fit bleiben.“ Die beiden lehnten sich zurück, stießen leicht an und genossen den Moment. Keine Hektik, keine Krankenhausgeräusche, nur die Sonne, die durchs Fenster fiel, und das leise Klirren der Flaschen. „Weißt du, was das Beste ist?“ sagte Felix nach einer Weile. „Nicht, dass es Bier ist… sondern dass es normal ist. Einfach sitzen, was trinken, reden.“ „Genau das“, stimmte Neymar zu. „Das ist Heilung – nicht nur im Körper, sondern hier.“ Er tippte sich leicht an die Schläfe. Was Felix nicht bemerkte: Draußen, an der Ecke des Wohnblocks, stand ein grauer Wagen. Die vermeintliche Mutter saß darin, beobachtete den Eingang. Sie sah, wie Felix lachte, wie er sich entspannt zurücklehnte. In ihr Handy tippte sie: „Er ist guter Dinge. Schmerzen scheinen im Griff. Phase drei wird schwieriger – er ist mental stärker als erwartet.“ Die Nachricht erreichte die alte Dame. Ihre Antwort kam Sekunden später: „Dann müssen wir härter treffen.“ 66. Tag – Sonntag, 27.07.2025 – Abend: Ein Essen und ein neuer Freund auf vier Pfoten Der Tag war ruhig verlaufen. Nach dem alkoholfreien Bier mit Neymar hatte Felix noch etwas geruht, die Hand immer schön hochgelagert, wie es ihm geraten worden war. Gegen Abend jedoch verspürte er wieder Appetit – diesmal richtig. „Mama, wollen wir was essen gehen?“ fragte er vorsichtig. Die Mutter sah kurz von ihrem Buch auf. „Wenn du dich fit genug fühlst – warum nicht? Aber nur, wenn wir zu Fuß oder mit dem Auto fahren und du nicht zu viel rumläufst.“ Sie entschieden sich für ein kleines Restaurant in der Nähe, das Felix mochte. Nichts Edles, aber gemütlich, mit warmem Licht und vertrauten Gesichtern beim Personal. Neymar kam ebenfalls mit – er war ohnehin noch im Haus. Im Restaurant Der Geruch von frisch gebratenem Fleisch und Kräutern schlug ihnen entgegen, als sie das Lokal betraten. Felix bestellte ein Schnitzel mit Bratkartoffeln, seine Mutter entschied sich für einen Salat, Neymar nahm einen großen Teller Pasta.

„Tut gut, mal wieder unter Menschen zu sein“, meinte Felix, während er den ersten Bissen aß. Das Essen war heiß, saftig und genau das Richtige, um den Tag ausklingen zu lassen. Sie unterhielten sich leise über den Film vom Vorabend und darüber, dass Felix’ Genesung bisher gut verlief. Begegnung mit dem Hund Nach dem Essen gingen sie noch ein paar Schritte durch die kleine Fußgängerzone. Vor einem anderen Lokal, einem rustikalen Restaurant mit Holzstühlen vor der Tür, lag ein großer, brauner Hund – ruhig, aber aufmerksam. Sein Fell glänzte im Licht der Straßenlaternen, und er hob den Kopf, als Felix näherkam. „Darf ich ihn streicheln?“ fragte Felix die Besitzerin, die gerade vor der Tür stand. „Natürlich“, lächelte sie. „Er heißt Bruno, er ist ganz sanft.“ Felix hockte sich vorsichtig hin, streichelte den Hund an der Seite. Bruno legte sofort den Kopf schräg und schloss halb die Augen – sichtbar zufrieden. Neymar grinste. „Ich glaub, du hast einen neuen Fan.“ Der Hund leckte kurz Felix’ Hand, was diesen zum Lachen brachte. Für ein paar Minuten vergaß er die Schmerzen, die OP und den ganzen Druck der letzten Tage. Rückkehr nach Hause Auf dem Heimweg fühlte sich Felix leichter. Er hatte gegessen, gelacht, ein Tier gestreichelt – kleine, normale Dinge, die plötzlich wie Luxus wirkten. Doch während er später im Bett lag, ahnte er nicht, dass in dieser Nacht jemand schon die nächsten Schritte plante, um genau diese Normalität wieder zu zerstören. Die alte Dame hatte längst beschlossen: Phase drei würde bald beginnen. 67. Tag – Montag, 28.07.2025 – Ein Tag der Ruhe Der Morgen begann leise. Die Sonne war schon aufgegangen, aber das Zimmer von Felix lag noch im sanften Schatten, weil die Vorhänge nur halb geöffnet waren. Der Duft von frisch gebrühtem Tee zog aus der Küche herüber. Felix lag noch im Bett, seine rechte Hand sorgfältig auf einem Kissen hochgelagert. Die Nacht war erstaunlich ruhig gewesen, nur gelegentlich hatte der Verband ein wenig gedrückt. Er spürte noch diesen dumpfen Nachhall der OP – nicht so sehr Schmerzen, sondern eher eine ständige Erinnerung daran, dass der Körper noch heilte. Ein ruhiger Vormittag Die Mutter brachte ihm das Frühstück ans Bett – ein Brötchen, etwas Marmelade und eine Kanne warmen Kamillentee. „Heute machst du mal gar nichts“, sagte sie bestimmt. „Dein Körper braucht Energie zum Heilen.“ Felix lächelte leicht. „Klingt wie ein Freifahrtschein für Serien und Mittagsschlaf.“ „Genau das“, bestätigte sie. Er verbrachte den Vormittag im Wohnzimmer auf der Couch. Mit der linken Hand bediente er die Fernbedienung, wechselte zwischen einer Serie und ein paar Musikvideos. Neymar schickte ihm Sprachnachrichten mit lustigen Kommentaren, während Ronaldo ein Bild von seinem Frühstück in Portugal schickte – er war kurzfristig verreist, wollte aber bald wieder zurück sein. Mittag und Erholung Zum Mittag gab es eine leichte Gemüsesuppe, die die Mutter am Vortag vorbereitet hatte. Felix aß langsam, genoss den warmen Geschmack und das Gefühl, zu Hause zu sein, ohne den Krankenhauslärm im Hintergrund. Danach legte er sich wieder hin – diesmal im Bett, die Vorhänge zugezogen, leise Musik im Hintergrund.

Er döste weg, wachte kurz auf, trank ein paar Schlucke Wasser und schlief erneut ein. Sein Körper schien jede Minute Ruhe dankbar anzunehmen. Nachmittag – kleine Ablenkung Am Nachmittag setzte er sich an seinen Schreibtisch, um ein wenig zu lesen. Nicht lange, nur ein paar Seiten, dann legte er das Buch beiseite und scrollte kurz durch Nachrichten auf dem Handy. Eine Nachricht von seiner Tante ploppte auf: „Freu mich, dass du zu Hause bist. Ich komm bald vorbei.“ Felix lächelte und legte das Handy weg. Er wollte keine schweren Gedanken – nicht an die Slackline, nicht an die Polizei, nicht an die alte Dame, die er sowieso nicht kannte. Heute ging es nur um eins: Erholung. Der Tag endete ruhig. Die Mutter bereitete noch einen Kräutertee, sie schauten gemeinsam eine entspannte Naturdoku, und gegen 22 Uhr ging Felix ins Bett. Sein letzter Gedanke, bevor er einschlief: „Heute war genau das, was ich gebraucht habe.“ Doch irgendwo, weit weg von diesem friedlichen Zuhause, wurde bereits geplant, wie dieser Frieden bald wieder gestört werden sollte. 68. Tag – Dienstag, 29.07.2025 – Früher Morgen: Die Ankündigung Der Himmel war noch blassgrau, als in einem abgelegenen, alten Haus am Waldrand eine schwere Holztür ins Schloss fiel. Der Geruch von kaltem Rauch und altem Holz lag in der Luft. In einem großen, dunklen Raum saß die alte Dame in einem hohen Ohrensessel. Vor ihr stand ein niedriger Tisch mit einer schwarzen Kaffeekanne, daneben drei Tassen – zwei davon noch leer. Auf den anderen beiden Stühlen nahmen die vermeintliche Mutter und ein breitschultriger Mann in dunkler Kleidung Platz. Sein Gesicht war kantig, seine Augen kalt, und in seiner rechten Hand drehte er nervös einen kleinen Schlüsselanhänger. Die alte Dame goss sich Kaffee ein, nahm einen Schluck und begann ohne Begrüßung zu sprechen: „Am Samstag beginnt es. Das, worauf ich so lange hingearbeitet habe. Das große Finale.“ Die vermeintliche Mutter hob den Blick, wirkte unruhig. „Sie sagten… ich soll mich zurückhalten.“ „Das sollst du auch. Du bist nur noch Beobachterin. Du hast deine Rolle gespielt. Gut genug, um ihn in Sicherheit zu wiegen.“ Die alte Dame wandte sich nun dem Mann zu. „Ab Samstag bist du dran. Du kennst den Plan.“ Der Mann nickte knapp. „Und wenn er geschützt wird?“ „Dann umgehst du den Schutz. Seine vier Begleiter sind stark, aber sie können nicht überall gleichzeitig sein.“ Die Rollenverteilung Die alte Dame griff nach einem kleinen, ledernen Notizbuch, blätterte langsam. „Es wird kein direkter Angriff. Kein Gift, kein Messer. Das wäre zu banal. Es wird ein Spiel. Eines, das er nicht versteht – bis es zu spät ist. Und wenn er es endlich begreift… wird es ihn brechen.“ Die vermeintliche Mutter presste die Lippen zusammen. „Und wenn er es übersteht?“ Ein dünnes Lächeln huschte über das Gesicht der alten Dame. „Dann… hat er etwas geschafft, was nur wenige konnten. Aber der Preis wird hoch sein.“ Der Mann stand auf. „Ich bereite alles vor. Samstag ist der Tag.“ Zur gleichen Zeit – im Haus von Felix Währenddessen ahnte Felix nichts. Die Sonne fiel warm durch sein Schlafzimmerfenster. Er blinzelte, streckte vorsichtig den

gesunden Arm und griff nach seiner Kuschelkatze. Aus der Küche roch es nach Kaffee und frischem Toast – die Mutter war schon wach. Er hörte, wie Neymar im Wohnzimmer kicherte – offenbar telefonierte er mit Suárez. Messi war wohl noch nicht aus dem Gästezimmer gekommen, und Ronaldo hatte gestern Abend angekündigt, heute etwas später aufzustehen. Für Felix war es einfach ein weiterer Tag der Erholung. Er wusste nicht, dass in weniger als vier Tagen etwas beginnen würde, das sein Leben noch einmal auf den Kopf stellen sollte. Und dass der Mann, den er noch nie gesehen hatte, bereits auf dem Weg war, seine Rolle in diesem „Finale“ vorzubereiten. 68. Tag – Dienstag, 29.07.2025 – Mittag: Ein Anruf mit Vorfreude Die Sonne stand hoch am Himmel, und durchs geöffnete Fenster strömte warme Sommerluft ins Wohnzimmer. Felix saß bequem in der Ecke der Couch, die rechte Hand immer noch sorgfältig auf einem Kissen gelagert. Vor ihm stand ein Glas Wasser, daneben die kleine Flasche mit den Novalgin-Tropfen – für den Notfall. Sein Handy vibrierte auf dem Couchtisch. Als er es aufhob, sah er sofort den Namen: Tante Maria. „Hey, Tante!“, sagte er mit hörbarer Freude. „Na, mein Junge“, klang ihre vertraute, warme Stimme aus dem Lautsprecher. „Ich wollte nur hören, wie’s dir geht. Deine Mutter hat mir schon ein bisschen erzählt, aber ich will’s aus erster Hand.“ „Mir geht’s ganz okay“, antwortete Felix. „Die Hand tut noch weh, aber die Tropfen helfen. Und… ich kann endlich wieder zu Hause sein, ohne dass ständig jemand ins Zimmer kommt, um Blutdruck zu messen.“ Maria lachte leise. „Ja, zu Hause ist’s doch am schönsten. Aber pass trotzdem auf dich auf, hm?“ „Mach ich“, versprach Felix. Die Ankündigung „Übrigens“, fuhr Maria fort, „morgen komm ich dich besuchen – im Krankenhaus.“ Felix blinzelte überrascht. „Im Krankenhaus? Ich bin doch jetzt zu Hause.“ „Ich weiß“, sagte sie. „Aber ich muss morgen früh selbst zu einer Untersuchung ins Klinikum, und danach schau ich gleich mal bei der Handchirurgie vorbei, um mir anzusehen, wie du gelegen hast. Ich will ja wissen, ob die dich da auch ordentlich behandelt haben.“ Felix grinste. „Du machst quasi eine Qualitätskontrolle.“ „Ganz genau“, erwiderte sie lachend. „Und vielleicht nehm ich dich danach mit in die Cafeteria. Auch wenn’s da meistens nur mittelmäßigen Kuchen gibt.“ „Ich freu mich“, sagte Felix ehrlich. „Wird schön, dich zu sehen.“ „Dann ruh dich heute noch aus, damit du morgen fit bist, ja?“ „Mach ich. Bis morgen, Tante.“ Als er auflegte, lehnte sich Felix zurück und lächelte. Es tat gut, zu wissen, dass jemand vorbeikam, der ihn immer ehrlich unterstützte. Was er nicht wusste: Ein paar Straßen weiter hatte die vermeintliche Mutter jedes Wort des Gesprächs über einen stillen Kanal mitgehört – und bereits begonnen zu überlegen, ob dieser Besuch vielleicht eine Gelegenheit für Phase drei sein könnte. 68. Tag – Dienstag, 29.07.2025 – Abend: Ein leiser Moment mit der Nachbarskatze Der Himmel war bereits in sanftes Orange getaucht, als Neymar – heute wieder der „diensthabende“ Spieler an Felix’ Seite – vorschlug, noch eine kleine Runde vor dem Haus zu drehen.

„Nur frische Luft, nichts Anstrengendes“, sagte er mit diesem halbernsten Blick, den er immer aufsetzte, wenn er wusste, dass Felix leicht zu viel machen könnte. Felix stimmte zu. Seine Hand war gut eingepackt, der Schmerz erträglich, und ein kurzer Spaziergang schien genau das Richtige zu sein. Sie gingen langsam den Weg entlang, vorbei an den niedrigen Vorgärten der Nachbarschaft. Begegnung mit der Katze Vor dem Haus von Frau Weber, einer älteren Dame, die schon seit Jahren dort wohnte, hörten sie ein leises Miau. Auf der kleinen Steinmauer saß Minka, die grau-getigerte Nachbarskatze, und blinzelte ihnen verschlafen entgegen. „Ah, da ist sie ja“, sagte Felix lächelnd. „Frau Weber ist bestimmt wieder im Urlaub, und die Nachbarskinder füttern sie manchmal zu spät.“ Neymar hob eine Augenbraue. „Also übernehmen wir das jetzt?“ Felix nickte nur und ging vorsichtig zu der kleinen Dose mit Trockenfutter, die Frau Weber oft hinter der Haustür stehen ließ. Neymar öffnete sie, schüttete etwas in den Napf. Minka sprang sofort herunter, schnupperte kurz und begann dann zu fressen. Felix setzte sich langsam auf die Mauer, streckte die gesunde Hand aus und wartete geduldig. Nach ein paar Minuten kam die Katze näher, rieb ihren Kopf vorsichtig an seinen Fingern und ließ sich dann sanft am Kopf kraulen. „Du bist ja eine ganz Sanfte“, murmelte er. Neymar grinste. „Guck dich an – der Katzenflüsterer von Mainz.“ Heimweg Nachdem Minka gefressen und sich ausgiebig streicheln lassen hatte, trottete sie zufrieden zurück in ihren Garten. Felix stand vorsichtig auf, spürte die abendliche Ruhe wie eine kleine Umarmung. „Das war schön“, sagte er leise auf dem Rückweg. „Ja“, bestätigte Neymar. „Manchmal sind es genau diese kleinen Momente, die einen Tag besonders machen.“ Felix lächelte. Er wusste nicht, dass er bald jeden friedlichen Moment wie diesen noch mehr schätzen würde – denn Samstag rückte immer näher, und mit ihm das angekündigte „Finale“. 69. Tag – Mittwoch, 30.07.2025 – Besuch im Krankenhaus Der Morgen begann ruhig, doch Felix wusste, dass heute kein gewöhnlicher Tag war. Seine Tante Maria hatte am Tag zuvor gesagt, dass sie selbst im Krankenhaus sei – diesmal wegen einer zweiten Blasen-OP. Sie wollte trotzdem sehen, wie es ihm geht, doch heute war er derjenige, der sie besuchen würde. Neymar hatte sich bereiterklärt, ihn zu begleiten. „Wir machen das zusammen, Bruder. Ich fahr, du schonst dich.“ Die Mutter packte vorsorglich eine kleine Tasche mit etwas Wasser, Keksen und einem Notizblock, falls Felix sich Notizen zu Marias Zustand machen wollte. Ankunft im Klinikum Das Klinikum wirkte am Morgen wie immer geschäftig. Menschen eilten mit Akten durch die Flure, aus den Patientenzimmern drangen gedämpfte Gespräche. Der Geruch von Desinfektionsmittel lag in der Luft. Sie fanden Maria in einem hellen Zimmer im dritten Stock. Sie lag im Bett, sah blass, aber wach aus. Neben dem Nachttisch stand ein Infusionsständer, und an ihrem Bauch war unter der Decke eine Leitung befestigt. Felix trat näher und lächelte vorsichtig. „Hey, Tante.“ „Felix! Schön, dass du kommst.“ Ihre Stimme klang schwach, aber herzlich. Neymar trat ebenfalls an das Bett und grüßte sie freundlich.

Die schlechte Nachricht der Ärztin Kurz darauf kam die Ärztin ins Zimmer. Sie trug einen hellblauen Kittel und sprach mit ruhiger, aber bestimmter Stimme: „Frau Maria, die Operation ist gut verlaufen. Allerdings mussten wir eine Schiene zwischen Niere und Blase einsetzen, um den Abfluss zu gewährleisten.“ Maria verzog das Gesicht. „Die spür ich… und die tut weh.“ „Leider wird das noch einige Wochen so sein“, fuhr die Ärztin fort. „Sechs Wochen müssen Sie die Schiene drin lassen. Das ist wichtig, um Komplikationen zu vermeiden.“ Felix sah die Anspannung im Gesicht seiner Tante. Er kannte sie als starke Frau, doch jetzt war sie eindeutig mitgenommen. „Wir sind für dich da“, sagte er leise. Neymar nickte zustimmend. Unerwartete Begegnung Während sie noch sprachen, öffnete sich die Tür erneut. Ein junger Mann trat ein – Marias Sohn. Neben ihm seine Freundin, eine blonde Frau mit freundlichem Lächeln. „Hallo, Mama“, sagte der Sohn knapp, trat ans Bett. Er warf keinen Blick zu Felix, als wäre er gar nicht im Raum. Die Freundin hingegen lächelte herzlich und ging zu Felix. „Hallo, schön dich mal zu sehen. Ich hab schon viel von dir gehört.“ „Hallo“, erwiderte Felix und erwiderte ihr Lächeln. Die Stimmung im Raum war nun seltsam gemischt – warm zwischen manchen, kühl zwischen anderen. Neymar merkte es und blieb bewusst nahe bei Felix, um ihm das Gefühl zu geben, nicht übersehen zu werden. Felix sprach noch eine Weile mit seiner Tante, fragte sie, ob sie etwas aus der Cafeteria wollte. Doch in seinem Hinterkopf blieb das Bild seines Cousins, der ihn nicht eines Blickes gewürdigt hatte. Er ahnte nicht, dass solche kleinen Spannungen bald kaum mehr ins Gewicht fallen würden – verglichen mit dem, was Samstag auf ihn zukommen sollte. 70. Tag – Donnerstag, 31.07.2025 – Noch ein Besuch bei der Tante Der Vormittag war sonnig, doch Felix’ Gedanken waren schon beim Krankenhaus. Seine Tante Maria hatte gestern einen langen Tag hinter sich gebracht, und heute wollte er sie noch einmal besuchen, bevor sie am nächsten Tag entlassen würde. Neymar begleitete ihn erneut, diesmal fuhr die Mutter mit, weil sie etwas Zeit mit ihrer Schwester verbringen wollte. Ankunft auf der Station Als sie das Zimmer betraten, saß Maria bereits halb aufgerichtet im Bett. Sie wirkte etwas frischer als gestern, hatte aber noch diesen vorsichtigen Blick, den man hat, wenn jede Bewegung im Bauchbereich weh tun könnte. „Da seid ihr ja wieder“, sagte sie lächelnd. Felix ging zuerst zu ihr, legte die gesunde Hand sanft auf ihre. „Wie geht’s dir heute?“ „Besser. Aber ich seh mich schon morgen zu Hause auf meiner Couch liegen und mich bedienen lassen“, sagte sie schmunzelnd. Der Sohn kommt wieder Kurze Zeit später öffnete sich die Tür – Marias Sohn trat ein. Heute war er allein, ohne seine Freundin. Er grüßte seine Mutter kurz, nickte Felix nur flüchtig zu, sagte aber kein Wort. Die Stimmung im Raum wurde für einen Moment merkwürdig still. Die Mutter von Felix musterte ihn, wartete ab, ob noch etwas von ihm kommen würde – doch er wandte sich sofort wieder Maria zu.

Schließlich konnte sie nicht anders. „Sag mal, Maria… warum redet er eigentlich nicht mit Felix? Ist er… eifersüchtig auf einmal?“ Maria blinzelte überrascht. „Eifersüchtig? Nicht, dass ich wüsste. Keine Ahnung, warum er so still ist. Vielleicht ist es einfach nicht sein Tag.“ Felix versuchte, die Situation zu überspielen, und setzte sich mit Neymar an den kleinen Tisch in der Ecke. Tee und ruhige Minuten Nach einer Weile brachte eine Pflegerin eine Kanne heißen Kräutertee. Sie setzten sich alle zusammen – Felix, Neymar, die Mutter und Maria – und tranken gemütlich. Das Gespräch ging mehr über Alltägliches: was es zu Hause Neues gab, ob Maria nach der Entlassung Hilfe brauchen würde, und dass sie ihre Katze wiedersehen wollte. Der Sohn blieb am Rand des Gesprächs, hörte zu, beteiligte sich aber kaum. Aufbruch Gegen frühen Abend merkte Maria an, dass sie müde wurde. „Ich glaub, ich muss noch etwas schlafen. Morgen will ich fit sein, wenn ich raus darf.“ Sie verabschiedeten sich, Felix gab ihr vorsichtig die Hand, und die Mutter umarmte sie sanft. Neymar versprach, bei Bedarf am Wochenende mit beim Tragen zu helfen, falls Maria zu Hause noch etwas brauchen sollte. Als sie das Krankenhaus verließen, stand die Sonne schon tief, und Felix dachte bei sich, dass er froh war, sie morgen endlich wieder zu Hause zu wissen. Noch ahnte er nicht, dass das Samstag angekündigte „Finale“ nicht nur ihn betreffen würde – sondern auch Menschen, die ihm nahestanden. 71. Tag – Freitag, 01.08.2025 – Ein letzter ruhiger Tag Der Morgen begann unspektakulär. Felix wachte gegen neun Uhr auf, die Sonne stand schon warm am Himmel und tauchte das Zimmer in weiches Licht. Seine Hand pochte nur leicht – die Tropfen halfen, und er hatte gelernt, sich so zu bewegen, dass er die frische OP-Wunde nicht reizte. Die Mutter brachte ihm Frühstück ans Bett: ein Brötchen mit Honig und eine große Tasse Kräutertee. „Heute bleibst du einfach mal hier und machst gar nichts“, sagte sie lächelnd. „Morgen kannst du dich genug aufregen, wenn Maria wieder zu Hause ist.“ Felix grinste. „Ich freu mich auf sie – und auf ihre Katze.“ Am Nachmittag – ein vertrauter Besuch Später am Tag saß Felix mit Neymar auf der kleinen Bank vor dem Haus. Die Sommerluft war warm, und irgendwo in der Ferne hörte man Kinder spielen. Dann kam sie wie gerufen: Minka, die graugetigerte Nachbarskatze, schlich elegant über den Gehweg, sprang auf die Mauer und setzte sich direkt vor Felix. „Na, kleine Dame“, sagte Felix sanft und streckte die gesunde Hand aus. Minka ließ sich nicht lange bitten. Sie rieb ihren Kopf an seinen Fingern, schnurrte leise und legte sich schließlich halb auf seinen Schoß. Felix strich vorsichtig über ihr weiches Fell, während Neymar grinsend zusah. „Bruder, die mag dich echt. Ich glaub, wenn du nicht aufpasst, zieht sie irgendwann bei dir ein.“ Felix lachte. „Könnte schlimmer sein.“ Was Felix nicht wusste …

Während er die Katze streichelte und der Moment fast schon perfekt wirkte, ahnte er nicht, dass nur wenige Kilometer entfernt die alte Dame in ihrem abgedunkelten Arbeitszimmer saß. Vor ihr lag ein sorgfältig gefalteter Zettel mit dem Datum Samstag, 02.08.2025 in großen, schwarzen Buchstaben. Am Telefon sprach sie mit jemandem, den Felix noch nie gesehen hatte – einem tiefen, männlichen Bass, der nur knapp antwortete. „Morgen. Früh. Du weißt, was zu tun ist.“ „Ja. Er wird nicht damit rechnen.“ Die alte Dame lächelte dünn. „Das wird unser Finale. Und diesmal… gibt es kein Entkommen.“ Felix hingegen ging ins Haus zurück, um sich einen Tee zu machen, noch immer mit dem warmen Gefühl des Katzenfells in der Hand. Für ihn war es einfach ein friedlicher Tag gewesen. Er wusste nicht, dass es der letzte wirklich ruhige Tag für eine lange Zeit sein würde. 72. Tag – Samstag, 02.08.2025 – Der Morgen des Finales Felix wachte früher auf als sonst. Ein stechender Schmerz zog sich durch seine Hand und den Unterarm – wie ein brennender Draht, der sich durch das Gewebe zog. Er blinzelte mühsam gegen das Licht, das durch die Jalousien fiel, und atmete langsam aus. „Nicht heute…“, murmelte er leise, mehr zu sich selbst als zu irgendjemand anderem. Die Nacht war eigentlich ruhig gewesen, aber jetzt – an diesem Morgen – war es schlimmer als die Tage davor. Er setzte sich vorsichtig auf, hielt sich die Hand an den Brustkorb gedrückt und griff nach dem kleinen Fläschchen mit den Novalgin-Tropfen, das auf seinem Nachttisch stand. Die Mutter hatte ihm am Abend vorher nochmal erklärt, wie viele Tropfen er im Notfall nehmen dürfe – 30. Er zählte sie gewissenhaft in den Löffel, trank sie mit einem Schluck Wasser und lehnte sich zurück. Dann schloss er für einen Moment die Augen. Es dauerte meist eine Viertelstunde, bis das Brennen nachließ. Im Wohnzimmer – ein leiser Start in den Tag Die Mutter kam kurz darauf ins Zimmer. Sie trug noch ihren Morgenmantel und hatte einen leicht sorgenvollen Blick. „Alles gut bei dir? Du warst so früh wach.“ Felix nickte. „Hand hat wehgetan. Ich hab Tropfen genommen.“ Sie setzte sich auf die Bettkante und strich ihm über den Arm. „Du bist tapfer, Felix. Wirklich.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich versuch’s halt. Es bringt ja nichts, sich aufzuregen.“ Was er nicht wusste … Während sich das Schmerzmittel langsam im Körper verteilte und die Hitze aus seiner Hand wich, stand in einer anderen Ecke der Stadt bereits jemand bereit. Ein Mann, groß, mit dunkler Kapuzenjacke, zog sich Handschuhe über, als er eine unscheinbare Nachricht auf seinem Handy las: „Startet jetzt. Finale beginnt. Plan gemäß Phase 3.“ Er steckte das Handy weg, drehte sich um und verschwand in einer Seitenstraße – zielgerichtet, vorbereitet, emotionslos. Die alte Dame, in einem anderen Haus sitzend, schaute derweil auf eine altmodische Uhr mit goldenen Zeigern. 08:15 Uhr. Sie lächelte kalt.

„Die Medizin mag ihm heute helfen… aber gegen das, was kommt, ist keine Flasche stark genug.“ Felix hingegen saß nun mit einem warmen Kakao auf dem Sofa. Neymar kam gerade heruntergestolpert und war noch im Pyjama. „Bruder, du bist ja schon wach?“, fragte er verwundert. „Ja, wegen der Hand. Ist aber wieder besser.“ Sie schauten sich an – beide wussten nicht, dass dieser Tag alles verändern würde. Und dass sie sich am Abend wünschen würden, die Schmerzen wären ihr einziges Problem gewesen. 72. Tag – Samstag, 02.08.2025 – Mittag: Vorbereitung auf das Konzert Die Tropfen hatten ihre Wirkung getan. Felix fühlte sich stabil, auch wenn seine Hand bei jeder falschen Bewegung immer noch unangenehm pulsierte. Doch heute wollte er sich nicht davon aufhalten lassen – denn heute Abend war das Konzert, auf das er sich schon so lange mit seinem besten Freund im E-Rollstuhl gefreut hatte. Die Sonne stand hoch am Himmel, als Felix sich langsam aus seinem Schlafanzug schälte. Der Geruch von frisch gekochten Nudeln aus der Küche wehte zu ihm herüber. Seine Mutter bereitete das Mittagessen vor – ein einfaches, stärkendes Gericht: Nudeln mit Butter, etwas Parmesan und einem kleinen Gurkensalat. Kleidung, Stil und ein bisschen Nervosität Felix ging ins Bad, putzte sich die Zähne und stand dann lange vor dem Spiegel. Die rot gefärbten Haare hatte er gestern noch mit etwas Wasser durchgekämmt – sie waren zwar inzwischen etwas verblasst, aber der Look gefiel ihm noch immer. „Was zieh ich bloß an…?“, murmelte er vor sich hin, während er langsam seinen Schrank durchsuchte. Schließlich entschied er sich für eine dunkle Jeans, sein weiches Mainz 05-Hoodie-Shirt und eine leichte Jacke – es sollte am Abend etwas kühler werden. Auf dem Bett lag bereits sein kleiner Rucksack: Darin ein Notfallset mit Schmerzmitteln, Pflaster, Taschentücher, eine kleine Flasche Wasser, sein Rollstuhlpass und – ganz wichtig – die Konzertkarten. Besuch im Zimmer: Neymar Neymar klopfte an die Tür, kam ohne zu warten herein und grinste breit: „Alter, du siehst aus wie jemand, der heute auf der Bühne steht und nicht davor.“ Felix lachte. „Das wär eigentlich auch mal cool… aber ich bin schon nervös genug, nur als Zuschauer.“ „Ist dein Freund bereit?“ „Ja, der ist sogar aufgeregter als ich. Er hat schon seit Tagen jeden Tag den Ablauf gecheckt. Einlasszeiten, Rollstuhlbereich, Barrierefreiheit… alles perfekt.“ Neymar nickte anerkennend. „Dann wird’s ein schöner Abend. Aber sag Bescheid, wenn du zu viel Schmerz spürst – ich hol dich sonst auch da raus, ok?“ Felix wurde ernst und nickte. „Danke, ehrlich. Aber ich will’s durchziehen. Ich brauch heute was anderes. Nicht Krankenhaus, nicht OP, nicht Polizei. Einfach Musik… und Freundschaft.“ Mittagessen & letzter Check Am Esstisch saßen die Mutter, Felix, und später kam auch Messi dazu. Während sie aßen, sprachen sie über alles Mögliche, außer über die Dinge, die in letzter Zeit so schwer auf Felix’ Schultern lagen. Es tat gut, mal keine OP zu analysieren, keine Gerichtstermine zu besprechen.

Nach dem Essen packte Felix die letzten Sachen ein, prüfte den Akkustand seines Smartphones und setzte sich auf die Couch, um kurz zu entspannen. Sein Freund würde ihn um 16:30 Uhr mit dem Fahrdienst abholen. Was Felix nicht wusste … Wenige Straßen weiter stieg der Unbekannte aus einem silbernen Lieferwagen. In der Hand hielt er eine Liste mit Zeitangaben, Orten und Namen. Ganz unten stand: „Zielperson: Felix – 18:00 Uhr – Gelände vor Konzerthalle – Phase 3 aktiv.“ Er steckte die Liste in seine Jackentasche und vergewisserte sich, dass das Päckchen, das er trug, unauffällig wirkte. Dann verschwand er unter den Menschen. Und der Countdown zum „Finale“ lief weiter. 72. Tag – Samstag, 02.08.2025 – Früher Nachmittag: Aufbruch zum Konzert im Waldstadion Frankfurt Felix hatte sich gerade auf das Sofa gesetzt, als das Geräusch einer heranfahrenden Rampe vom Hof her zu hören war. Ein rhythmisches metallisches Klick-Klack – eindeutig der elektrische Lift des behindertengerechten Kleinbusses. Felix’ Herz schlug schneller. Jetzt ging’s los. Seine Mutter kam aus dem Schlafzimmer, zog sich ihre leichte Sommerjacke über und rief in die Wohnung: „Felix, sie sind da! Mach dich fertig, wir fahren jetzt!“ Abfahrt mit Verstärkung Vor dem Haus wartete die Mutter seines besten Freundes bereits vor dem Auto. Sie hatte ein breites, freundliches Lächeln im Gesicht. Ihr Sohn – Felix’ bester Freund im E-Rollstuhl – saß bereits sicher verzurrt im Wagen, trug eine coole Sonnenbrille und hatte ein kleines Deutschlandfähnchen an seinem Rollstuhl montiert. „Bereit, mein Held?“, fragte die Frau, als Felix mit seinem Rucksack zur Tür hinaustrat. „Und wie!“, rief Felix, während hinter ihm seine Eltern sowie Messi, Ronaldo, Neymar und Suárez auftauchten – alle sportlich gekleidet, entspannt, aber neugierig. Die Mutter des Freundes war kurz überfordert vom Anblick der vier Weltstars, versuchte es sich aber nicht anmerken zu lassen. „Ähm… ich hoffe, das Auto ist groß genug.“ „Kein Stress, wir teilen uns auf“, sagte Ronaldo höflich. „Zwei von uns fahren hinterher mit dem zweiten Auto, das haben wir organisiert.“ So stiegen Felix, sein Freund, dessen Mutter, Felix’ Eltern und Messi in den Rollstuhlfahrdienst-Bus ein. Die anderen drei Spieler – Neymar, Ronaldo und Suárez – nahmen den separaten Wagen und fuhren hinterher. Auf dem Weg nach Frankfurt Die Autobahn war frei, die Sonne schien durch die Fenster, und Felix’ Freund erzählte aufgeregt von der Setlist des Konzerts: „Sie spielen fast alle Klassiker! Ich hab auf YouTube alte Mitschnitte gesehen. Und zum Finale kommt angeblich noch ein Überraschungsgast.“ Felix lächelte. Die Vorfreude war ansteckend. In seinem Bauch kribbelte es – nicht vor Angst, sondern vor echter positiver Aufregung. Messi blickte aus dem Fenster, dann zu Felix: „Waldstadion Frankfurt… ist schon ewig her, dass ich da war. Warst du mal dort?“ Felix schüttelte den Kopf. „Noch nie. Nur beim Fernsehen gesehen.“ Seine Mutter saß neben ihm und streichelte ihm beruhigend über den Rücken. „Ich bin froh, dass wir das heute zusammen erleben. Das wird dir gut tun.“

In Frankfurt Gegen 15:50 Uhr erreichte der Kleinbus den ersten Parkplatz direkt vor dem barrierefreien Eingang des Deutsche Bank Park – Waldstadion Frankfurt. Ordner regelten den Einlass, Schilder wiesen auf das 80-Jahre-Konzert hin, und man hörte schon den Soundcheck im Inneren. Die zweite Gruppe – mit den anderen drei Spielern – kam nur wenige Minuten später an. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Eingang. Felix trug seinen Mainz 05-Schal locker um die Schulter. Ein kleiner stiller Protest gegen die Frankfurt-Fans – aber heute ging’s um Musik, nicht um Fußball. Was niemand wusste … Ein paar Meter entfernt, vor dem Nordwest-Eingang, stand ein unauffälliger Mann mit einem Headset im Ohr. Er beobachtete, wie die Gruppe eintraf. Er sprach leise in das Mikrofon: „Zielpersonen betreten Gelände. Position wie geplant. Phase 3 beginnt in exakt 60 Minuten. Alle bereitmachen.“ Ein anderer Schatten bewegte sich unter den Fans, mit einem Rucksack auf dem Rücken. Die alte Dame hatte viele Figuren ins Spiel gebracht. Und das Finale – wie sie es nannte – sollte auf diesem Konzert beginnen. Felix aber war einfach nur glücklich. Seine Schmerzen waren fast weg. Er fühlte sich lebendig. Und ahnte nicht, dass dieser Tag nicht nur musikalisch unvergesslich werden würde. 72. Tag – Samstag, 02.08.2025 – Später Nachmittag: Der Stich, der nicht zufällig war Das Waldstadion in Frankfurt war von Menschen umgeben. Musikfans aller Altersgruppen strömten aus verschiedenen Richtungen herbei. Die Sonne brannte auf den Asphalt, es roch nach Bier, Popcorn und Sonnencreme. Die Stimmung war friedlich, aber energiegeladen. Felix’ Gruppe – bestehend aus ihm, seinem Freund im E-Rollstuhl, dessen Mutter, seinen Eltern und den vier Fußballstars – bewegte sich langsam in Richtung des barrierefreien Eingangs. Ronaldo und Neymar scherzten leise über die Musik im Hintergrund, Suárez trug einen kleinen Rucksack mit Wasserflaschen und Erste-Hilfe-Zeug. Messi ging eng an Felix’ Seite. Doch gerade als sie in den breiten Vorplatz einbogen, wo sich mehrere Info- und Getränkestände befanden, passierte es. Der Wespenstich Felix schrie leise auf und zuckte zusammen. „Ah! Verdammt!“ Er griff sich an den Hals – direkt unterhalb des linken Kieferwinkels. Dort, unter der empfindlichen Haut, hatte sich eine Wespe festgesetzt und gestochen. „Was ist los?“, fragte seine Mutter erschrocken. „Ich… ich wurde gestochen!“, keuchte Felix. Messi griff sofort ein. „Ruhig, Felix. Komm, wir gehen sofort zum Sanitätszelt.“ Während Suárez seine Wasserflasche aufdrehte, um die Stelle vorsichtig zu kühlen, und Neymar mit Felix sprach, um ihn zu beruhigen, beobachtete ein unauffälliger Mann mit Sonnenbrille und einem Walkie-Talkie das Geschehen aus der Entfernung. Er flüsterte leise: „Stich erfolgreich. Ziel reagiert ruhig. Keine Panik. Weiter beobachten.“ Beim Sanitätsdienst Im Sanitätszelt angekommen wurde Felix sofort auf eine Liege gebeten. „Hallo junger Mann, tief durchatmen. Wo genau wurden Sie gestochen?“

„Hier, am Hals… links. Es tut nicht mega weh, aber ich will nur sicher sein, dass nichts anschwillt.“ Die Sanitäterin nickte. „Gut, dass du direkt gekommen bist. Wir schauen uns das an.“ Sie kühlte die Stelle weiter, desinfizierte sie und gab ihm ein Antihistamin-Gel auf die Haut. Dann wurde der Blutdruck gemessen, ebenso der Puls. „Puls 92, Blutdruck 124 zu 82. Alles im Rahmen. Keine allergische Reaktion erkennbar – aber zur Sicherheit schicken wir dich einmal rüber zur Ärztewache.“ In der Ärztewache Dort warteten Felix, Messi und Suárez etwa 20 Minuten. Der Raum war hell, etwas zu kühl klimatisiert, aber ruhig. Schließlich rief man ihn auf. Eine freundliche junge Ärztin begrüßte ihn. „Hallo Felix. Wir schauen uns das nochmal an – nicht, dass du empfindlicher reagierst wegen deinen anderen Vorerkrankungen.“ Sie prüfte seine Pupillen, hörte ihn ab, tastete den Hals vorsichtig ab. „Die Schwellung ist minimal. Keine Atemnot, kein Ausschlag. Ich denke, das ist glimpflich verlaufen.“ Felix nickte erleichtert. „Darf ich wieder zurück zum Konzert?“ „Na klar, aber wenn dir schwindelig wird oder du Atemprobleme bekommst, sofort wieder herkommen. Und viel trinken.“ Zurück zu den anderen Etwa eine Stunde nach dem Vorfall kam Felix mit den Spielern zurück auf das Gelände. Sein Freund im Rollstuhl winkte ihm sofort zu, ebenso die Eltern, die sichtlich erleichtert waren. „Alles okay?“, fragte seine Mutter. Felix grinste. „Ja. Nur eine Wespe. Mehr nicht.“ Was er nicht wusste: Ein paar Meter entfernt telefonierte der Mann mit der Sonnenbrille. „Ziel reagiert ruhig. Kein medizinischer Notfall. Die Einstichstelle war korrekt geplant. Keine Panik ausgelöst. Warten auf Phase B des Ablaufs.“ Und irgendwo ganz in der Nähe meldete sich die Stimme der alten Dame: „Es ist noch lange nicht vorbei. Das Finale beginnt nicht mit einem Stich… es endet mit einem Echo.“ 72. Tag – Samstag, 02.08.2025 – Später Nachmittag: Das Konzert beginnt Die Sonne senkte sich langsam über das Stadiondach des Waldstadions in Frankfurt, tauchte die Ränge in warmes Licht und ließ die metallischen Strukturen der Bühne golden schimmern. Die Stimmung vibrierte. Tausende Menschen saßen bereits auf ihren Plätzen oder tummelten sich an den Getränkeständen. Das 80-Jahre-Konzert war nicht irgendein Event – es war eines der größten des Jahres. Felix saß gemeinsam mit seinem Freund im E-Rollstuhl in einem barrierefreien Bereich etwas erhöht mit perfektem Blick auf die Bühne. Neben ihnen standen die vier Fußballstars – Messi, Ronaldo, Neymar und Suárez – sowie seine Mutter und sein Vater, der sich inzwischen überraschend entspannt gab. Die Stimmung war gut, ein leichtes Summen ging durch die Menge. Jeder wusste: gleich würde es losgehen. Pommes zum Konzertbeginn Der Duft von gebratenem Fleisch, knusprigen Teigwaren und natürlich – Pommes – lag in der Luft. Felix atmete tief ein. „Boah… ich hab irgendwie schon wieder Hunger“, murmelte er.

Neymar grinste. „Typisch! Operation überstanden, Wespenangriff überstanden, und das Erste, woran du denkst, sind Pommes?“ Felix zuckte lachend mit den Schultern. „Na und? Die riechen halt gut.“ Suárez, der genau das gehört hatte, hob eine Augenbraue und fragte trocken: „Mit oder ohne Mayo?“ „Mit! Ganz klar mit Mayo!“ „Ich bin gleich zurück.“ Ein paar Minuten später kam Suárez mit einem dampfenden Pommesbecher zurück, über und über mit Mayonnaise bedeckt. Felix’ Augen leuchteten. „Ey danke!“ Er nahm die erste Gabel, biss hinein – und ein Lächeln breitete sich über sein Gesicht. „Beste Pommes ever“, sagte er kauend. Doch es dauerte nicht lang, da war die Portion schon leer. Felix schaute kurz verlegen zu seinem Freund und dann zu Messi. „Okay… ich weiß, das klingt frech, aber… ich glaub, ich könnt noch eine.“ Diesmal stand Messi auf. „Ich bin dran.“ „Du bist der Beste“, grinste Felix. Die Musik beginnt Während Messi loszog, ging das Licht auf der Bühne plötzlich aus. Das Publikum jubelte auf, als die ersten lauten Töne eines elektrischen Gitarrenriffs über die Stadionboxen knallten. Die erste Band betrat die Bühne – ein Klassiker aus den 80ern, mit silbernen Jacken und Synthesizer-Sound. Felix wippte im Takt mit dem Fuß, sein Freund im Rollstuhl hatte sein Handy rausgeholt und filmte einen kurzen Clip für die Erinnerungen. Neymar stieß Ronaldo an und sagte grinsend: „Jetzt beginnt das echte Finale des Tages.“ Messi kam in dem Moment mit der zweiten Portion Pommes zurück – diesmal sogar mit einer kleinen Flagge oben drauf. „Hab ich für dich erkämpft. Der Stand war voll.“ Felix nahm sie wie einen Schatz entgegen. „Ich feier euch alle so.“ Er schaute auf die Bühne, kaute zufrieden, sein Freund neben ihm lachte. Die Musik wurde lauter, die Menschen standen jetzt auf, winkten mit den Händen, tanzten auf ihren Plätzen. Der Tag hatte turbulent begonnen. Doch jetzt – in diesem Moment – war alles gut. Noch. 72. Tag – Samstag, 02.08.2025 – Späte Nacht: Nach dem Konzert, ein Schuss und ein Tee Das Konzert war nun endgültig vorbei. Die letzte Zugabe war verklungen, der Applaus verebbt, und die riesigen Lichtanlagen der Bühne wurden nach und nach heruntergefahren. Die Menschen verließen in Scharen das Waldstadion Frankfurt, müde, glücklich, mit klingenden Ohren und vielen Erinnerungen. Auch Felix und seine Begleitung machten sich auf den Heimweg – erschöpft, aber zufrieden. Der Weg zum Auto war ruhig. Ronaldo schob den Rollstuhl von Felix’ Freund, während Messi und Suárez links und rechts neben Felix gingen. Die Mutter redete leise mit dem Vater, Neymar summte noch eine Melodie aus dem Konzert. Die Nacht war warm, das Pflaster unter ihren Füßen glänzte leicht im Licht der Straßenlaternen. Felix gähnte einmal laut. „Das war der Hammer. Ich bin müde – aber auf so 'ne gute Art“, sagte er. Der Schuss in der Nacht Sie waren gerade durch ein kleineres, dunkleres Wohngebiet gefahren, wo kaum ein Auto mehr unterwegs war, als plötzlich ein lautes Knallen durch die Nacht riss.

BANG! Alle zuckten zusammen. Der Wagen wurde sofort langsamer. „Was war das?!“, rief die Mutter. „Ein Schuss!“, sagte Suárez sofort. Ronaldo sah sich um, fuhr vorsichtiger. Felix’ Herz raste. Der Spieler legte instinktiv seine Hand auf Felix’ Schulter, schützend. Doch – nichts passierte. Kein Aufprall, kein Einschlag, kein beschädigtes Glas. Nur dieses Geräusch, das ihnen noch nachhallte. „Ich glaub… es hat uns verfehlt“, sagte Neymar vorsichtig. „Weiterfahren. Und zwar direkt.“, sagte Messi ernst. Ronaldo nickte, und der Wagen beschleunigte wieder. Alle waren still. Doch innerlich war jeder wach. Im Hintergrund, ganz weit weg, blinkten Blaulichter. Offenbar war die Polizei bereits irgendwo unterwegs. Ankunft zu Hause Sie erreichten das Haus gegen halb zwei Uhr morgens. Felix stieg etwas langsamer aus – seine Hand schmerzte leicht, und das Adrenalin des Schusses saß ihm noch in den Knochen. „Ich… ich glaub, ich brauch noch was. Vielleicht 'nen Tee“, murmelte er, während die anderen sich verabschiedeten. Seine Mutter stand im Flur, die Jacke noch über dem Arm. „Felix, es ist schon spät. Du solltest lieber direkt schlafen.“ Er schaute sie bittend an. „Bitte… nur einen Schlaftee. Sonst kann ich nicht schlafen – ich hab noch so ein Rauschen im Kopf von dem Schuss und der Musik.“ Sie seufzte, überlegte kurz – dann nickte sie. „Okay. Aber wirklich nur einen. Und danach ab ins Bett.“ Der Tee in der Stille Die Küche war ruhig. Felix saß am Tisch, während seine Mutter den Wasserkocher aufstellte. „Willst du Kamille oder Lavendel?“ „Kamille, bitte.“ Der Tee dampfte, als sie ihn ihm vor die Nase stellte. „Danke“, sagte er leise. Sie lächelte schwach. „Du warst heute stark.“ Felix trank langsam, spürte, wie die Wärme des Tees sich in seinem Körper ausbreitete. Die Erinnerungen des Tages – Konzert, Musik, Wespenstich, Schuss – drehten sich noch wie ein Karussell in seinem Kopf. Doch mit jedem Schluck wurde er ruhiger. Er schaute seine Mutter an, die bereits im Türrahmen stand. „Gute Nacht, Felix.“ „Gute Nacht, Mama.“ Er blieb noch sitzen, sah aus dem Fenster in die Nacht hinaus. Was er nicht wusste: In einem anderen Stadtteil stand ein Mann am Telefon. „Verfehlt, ja. Noch. Phase 3 startet trotzdem. Wir sind bereit.“ Und ganz in der Nähe blickte die alte Dame mit eiskalten Augen auf ein neues, verschlossenes Kuvert. „Morgen beginnt der letzte Tanz.“ 73. Tag – Sonntag, 03.08.2025 – Früher Morgen: Der Brief der Polizei Die ersten Sonnenstrahlen fielen durch das leicht geöffnete Fenster von Felix’ Zimmer. Vögel zwitscherten draußen, während drinnen noch völlige Ruhe herrschte. Felix schlief tief – die

Erlebnisse vom Konzert, die späte Nacht, der Schuss, der ihn noch lange beschäftigt hatte, und der warme Kamillentee, den seine Mutter ihm gemacht hatte, hatten ihn in einen festen Schlaf gewogen. Doch dieser Morgen begann anders. Ein energisches Klopfen an der Schlafzimmertür. „Felix? Aufwachen! Da kam was von der Polizei“, sagte seine Mutter mit ungewohnt ernster Stimme. Felix blinzelte, rieb sich die Augen und setzte sich auf. „Was...? Von der Polizei?“ murmelte er, noch halb im Traum. Sie kam herein und hielt ihm einen großen Umschlag entgegen. Das offizielle Siegel der Polizei Mainz war deutlich zu erkennen. „Hier. Gerade mit der Post gekommen. Extra zugestellt, steht drauf.“ Felix nahm den Brief und öffnete ihn langsam, sein Herz schlug schneller. Der Inhalt des Briefes Polizeipräsidium Mainz Betreff: Ermittlungen – Manipulation der Slackline / Vorfall am Universitätsgelände Sehr geehrter Herr [Nachname], Im Rahmen der laufenden Ermittlungen zu dem Vorfall am Universitätsgelände vom 01.08.2025, bei dem Sie schwer gestürzt sind, möchten wir Sie darüber in Kenntnis setzen, dass durch forensische Untersuchung verwertbare Fingerabdrücke auf Resten der beschädigten Slackline sichergestellt wurden. Diese Spuren stimmen überein mit einer bereits polizeibekannten Frau, die in der Vergangenheit mehrfach unangemeldet auf Universitätsgeländen beobachtet wurde – oft in Wartebereichen, in denen sich auch Sie zur gleichen Zeit aufgehalten haben. Die Frau ist in Begleitung eines kleinen Kindes aufgetreten, was sie bisher unauffällig erscheinen ließ. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass diese Person sich kurz vor Ihrem Unfall an der Slackline zu schaffen gemacht hat. Wir bitten Sie daher am Dienstag, den 05.08.2025, um 10:30 Uhr auf der Polizeiwache Mainz, Zimmer 202, zu erscheinen, um Ihre Aussage zu ergänzen und weitere Details zum Tathergang zu besprechen. Mit freundlichen Grüßen Kriminalhauptkommissarin S. Krämer Abteilung für besondere Vorkommnisse Die Reaktion Felix starrte auf das Papier. Sein Atem stockte für einen Moment. „Das... das ist sie. Die Frau mit dem Kind. Ich wusste, da war was komisch“, sagte er leise. Die Mutter setzte sich zu ihm. „Du musst da hin, Felix. Aber wir kommen mit. Alle. Auch die Jungs.“ Im Flur standen bereits Messi und Neymar, die den Brief mitbekommen hatten. Ronaldo telefonierte gerade mit Suárez. „Das ist nicht mehr nur ein Unfall. Das war ein gezielter Angriff“, sagte Messi nachdenklich. „Aber wer ist diese Frau? Und warum gerade ich?“ Felix wirkte überfordert, aber nicht panisch – nur tief betroffen. „Weil du stark bist“, sagte Neymar leise. „Und manche Leute hassen das, wenn jemand trotz allem wieder aufsteht.“ Felix atmete tief ein, stand auf und nahm den Brief mit beiden Händen. „Okay. Dann Dienstag Polizei. Aber heute… heute bleib ich ruhig.“

Was er nicht wusste: In einer dunklen Wohnung, nur wenige Kilometer entfernt, saß die vermeintliche Mutter am Küchentisch – und starrte wütend auf ihr Handy. Die alte Dame hatte ihr geschrieben: „Du wurdest gesehen. Du warst unvorsichtig. Phase 3 ist gefährdet.“ Doch der unbekannte neue Mitspieler, der bereits seinen eigenen Plan vorbereitete, hatte nur ein Wort geschrieben: „Begonnen.“ 73. Tag – Sonntag, 03.08.2025 – Mittag: Der junge Mann räumt auf Die Sonne stand inzwischen hoch am Himmel. Das Frühstück war lange vorbei, der Tee kalt geworden in der Tasse auf dem Tisch, und der Brief der Polizei lag – sorgfältig gefaltet – in einer Schublade im Flur. Felix hatte ihn weggeschlossen, als wolle er sich für ein paar Stunden davon befreien. Sein Herz war noch immer schwer. Der Gedanke, dass alles, was passiert war – der Sturz, die Verletzungen, die Schmerzen, das Krankenhaus – kein Zufall, sondern Teil eines Plans gewesen sein könnte, ließ ihn nicht los. Aber Felix hatte in den letzten Wochen eines gelernt: Wenn es zu viel wurde, wenn der Kopf drohte zu überladen, half Bewegung. Struktur. Ordnung. Kontrolle über das eigene kleine Reich. Und so entschied er: Heute wird aufgeräumt. Der Anfang im Zimmer Felix stand vor seinem Kleiderschrank und öffnete die Tür. Alte Pullover, T-Shirts, die er nie mehr trug, und ein paar zerknitterte Hosen hingen dazwischen. „Was ich nicht mehr mag, fliegt raus“, murmelte er zu sich selbst. Er nahm ein altes Shirt mit einem halbverblassten Pokémon-Logo in die Hand. Es war durchlöchert und eigentlich viel zu klein. Er hielt es einen Moment gegen sich, lächelte schwach – Erinnerungen an bessere Tage, Pokémon Go-Ausflüge mit seinem Freund im Rollstuhl… doch dann legte er es entschlossen in die „Weg-damit“-Tüte. Neymar kam kurz vorbei, schaute in die Tür. „Was geht hier ab? Frühjahrsputz im August?“ „Ich… brauch Klarheit“, sagte Felix ruhig. Neymar nickte verstehend. „Wenn du Hilfe brauchst – ich bin hier.“ Im Wohnzimmer Nach dem Kleiderschrank kam das Regal im Wohnzimmer dran. Bücher, die er nie gelesen hatte. Alte Flyer von der Hochschule. Lose Zettel, Notizen von Therapieterminen, längst verpasste Busfahrpläne. Als er einen zerknitterten Zettel fand, auf dem in krakeliger Handschrift stand: „Nicht aufgeben – du bist stärker als du denkst“ …musste er kurz schlucken. Das hatte er sich selbst geschrieben. Am Tag nach dem Unfall. Er legte den Zettel nicht weg. Sondern hängte ihn an seinen Monitor. Die kleine Überraschung Während Felix zwischen alten CD-Hüllen und Staublappen beschäftigt war, kam plötzlich Messi mit einer kleinen Tüte herein. „Wir waren kurz draußen. Ich hab dir was mitgebracht – ein kleiner Raumduft. Lavendel und Zitrone. Für Klarheit und Ruhe.“ Felix lächelte dankbar. „Du weißt, wie du mir helfen kannst, ohne viele Worte.“ Messi nickte nur und stellte die Flasche vorsichtig auf den Schreibtisch.

Eine leere Tüte – ein freier Kopf Als der Nachmittag näher rückte, stand Felix im Türrahmen seines Zimmers. Die Tüte mit den alten Sachen war voll, der Boden frei, der Schreibtisch geordnet. Es war keine große Veränderung. Aber es fühlte sich wie ein kleiner Sieg an. Ein Sieg über das Chaos. Über die Angst. Und über die alten Spuren, die andere in seinem Leben hinterlassen hatten. Er war nicht mehr derselbe Junge, der vor zwei Monaten in einem zertrümmerten Auto saß. Jetzt war er jemand, der den Überblick behalten konnte – und aufstehen wollte. 73. Tag – Nacht zum 74. Tag – Die Wahrheit über die vermeintliche Mutter Es war tief in der Nacht. Das Haus von Felix lag ruhig und still im sanften Licht des Mondes. In seinem Zimmer schlief er endlich friedlich – nach all den Tagen voller Schmerzen, Angst und neuer Erkenntnisse. Doch anderswo in Mainz, in einer kleinen Wohnung in einem unauffälligen Mehrfamilienhaus, geschah etwas, das das Bild der Geschichte grundlegend veränderte. Die Wohnung der „vermeintlichen Mutter“ Sie saß auf dem Sofa, ihr Blick starrte leer in die Dunkelheit. Der Fernseher war aus, das Handy lag neben ihr – noch warm von der letzten Nachricht. Auf ihrem Schoß lag ihr Kind, eingeschlafen mit einem Stoffhasen im Arm. Es sah friedlich aus – und war doch der wunde Punkt, der sie am verletzlichsten machte. Denn sie war nicht nur eine falsche Figur in einem Spiel. Sie war eine echte Mutter. Eine Mutter, die längst nicht mehr aus freien Stücken handelte. Die alte Dame meldet sich Ein leises „Ping“ ertönte vom Handy. Sie hob es langsam auf. Es war eine verschlüsselte Nachricht. Der Absender war nur ein Symbol: Eine alte Teekanne. Die Signatur der alten Dame. "Du warst ungehorsam." "Du hast gezögert, gezweifelt. Du hast versucht, den Jungen zu schützen." Ihr Herz begann zu rasen. Sie schrieb zurück: „Ich wollte nie, dass es so weit geht. Ich habe schon zu viel getan. Bitte… ich kann nicht mehr.“ Die Antwort kam sofort. Eine Datei. Und darunter ein einzelner Satz: „Dann wird dein Kind das Letzte sehen, was du liebst.“ Ihr ganzer Körper erstarrte. Die Datei öffnete sich von selbst. Es war eine Animation – computergeneriert, mit medizinischen Daten, Videoausschnitten, Stimmenaufnahmen. Die Brille – ein teuflisches Werkzeug Die alte Dame hatte mit ihren Verbündeten eine Technologie entwickelt: Eine VR-Brille, über die sich emotionale Zustände, Schmerzen, Scham und Angst digital simulieren ließen. Und in dieser Nacht wurde eine neue Version fertiggestellt. Sie war speziell für Felix gebaut worden. Sie zeigte: • Den Moment, als Felix mit dem Gesicht auf die Slackline fiel. • Seine Hand, frisch operiert, die Narbe in Nahaufnahme. • Seine Tränen, als er dachte, er hätte sich selbst die Schuld gegeben. • Seine Schreie im Aufwachraum. • Die Schmerzen, die Worte der Ärzte, seine schlaflosen Nächte. Alles wurde mit einer kalten Stimme unterlegt:

„Das ist dein Leben, Felix. Es wird niemals besser. Sie lieben dich nur, weil sie dich bemitleiden.“ Die vermeintliche Mutter konnte kaum hinsehen. Tränen liefen ihr über das Gesicht. Sie zitterte. Dann schrieb sie nur: „Was soll ich tun?“ Die alte Dame antwortete: „Du wirst ihm die Brille in drei Tagen geben. Sag, es sei ein Geschenk zur Verarbeitung. Und danach wirst du verschwinden.“ Allein in der Nacht Sie stand auf, ging ins Kinderzimmer, und sah ihr Kind schlafen. Sie flüsterte: „Ich wollte nur helfen… Ich wollte ihn retten. Aber ich kann nicht…“ Dann nahm sie das Handy, löschte alle Nachrichten, sperrte den Bildschirm – und begann zu weinen. Leise, kontrolliert, aber mit dem Schmerz einer Frau, die zum Werkzeug gemacht wurde. Was sie nicht wusste: In einem dunklen Hinterzimmer, beobachtete die alte Dame mit kühlen Augen einen weiteren Monitor. „Sie wird liefern. Und wenn nicht – dann eben jemand anderes.“ Dann drehte sie sich um und sagte zu jemandem im Schatten: „Mach dich bereit. Phase 3 beginnt jetzt. Und diesmal… wird er nicht so leicht aufstehen.“ 74. Tag – Morgen: Die schlimmsten Erinnerungen für ein grausames Werkzeug Der Morgen begann für Felix ruhig. Die Sonne schien durch die Vorhänge, die Schmerzen in der Hand waren erträglicher, und die Katze aus der Nachbarschaft saß bereits vor seinem Fensterbrett, so als wolle sie „Guten Morgen“ sagen. Nichts deutete darauf hin, dass irgendwo in Mainz gerade die finsterste Waffe gegen ihn vorbereitet wurde. Eine Frau am Abgrund Die vermeintliche Mutter, die in Wahrheit wirklich Mutter war, saß wieder allein an ihrem Esstisch. Ihr Kind war bei der Großmutter, damit sie sich „um die Angelegenheit kümmern konnte“, wie die alte Dame es formuliert hatte. Ihre Augen waren rot vom Weinen, ihre Hände zitterten. Doch in ihr herrschte nicht mehr nur Angst. Sondern Wut. Und Scham. Und trotzdem – sie wusste, sie hatte keine Wahl. Nicht, solange ihr Kind bedroht wurde. Vor ihr lag das Tablet. Darauf ein spezielles Programm. Eine Software zur Visualisierung emotionaler Traumata. Das System hatte sie von der alten Dame bekommen. Es analysierte Sätze, Bilder, Töne – und wandelte sie in eine 3D-Simulation um, angepasst an Felix’ eigene Stimme, Bewegungen und Gesichtsregungen. Und nun musste sie… füttern. Die Liste der Schmerzen Sie öffnete das Textfeld. Dort stand bereits eine Vorlage. Die alte Dame hatte ihr die Punkte diktiert, die unbedingt visualisiert werden sollten. Jede Zeile war ein Schlag ins Herz. Sie tippte und diktierte in das System: •
„Streit mit dem Arbeitsamt – Der Moment, als Felix erklärt bekam, dass seine Autismus-Diagnose nicht berücksichtigt werde. Die Sachbearbeiterin sagte ihm: „Das Leben ist kein Wunschkonzert.“ Er fühlte sich klein, wertlos – sein Blick fiel auf die Broschüre in seiner Hand, die er fast zerriss.
„Die blockierten Freunde“ – Ein Chatfenster öffnete sich in der Simulation. Nachrichten, die nie beantwortet wurden. Lesebestätigungen ohne Reaktion. Am Ende nur noch Stille. Ein letztes Emoji – ein durchgestrichenes Herz. „Die Großmutter“ – Felix, wie er in der Küche sitzt, als die Oma sagt: „Du hast uns nie alles erzählt. Vielleicht bist du gar nicht so krank, wie du tust.“ Seine Hände zittern, er beißt sich auf die Lippe, sagt nichts – aber innerlich bricht etwas. „Der eifersüchtige Freund“ – Ein Bild von ihm und einem Jungen, der ihn einst durch dick und dünn begleitete. Doch in der Simulation sieht man, wie der Freund sagt: „Du hast doch jetzt neue Leute – was brauchst du mich noch?“ Dann blockiert er ihn auf dem Handy. Der Kontakt: gelöscht. „Der Vater“ – Der Vater, wie er tagelang schweigt, an ihm vorbeigeht, ihn ignoriert. Dann der Moment, als er wütend sagt: „Ich hab dich satt mit deinem sensiblen Getue!“ Felix duckt sich, zittert, kämpft mit Tränen.

Die Mutter konnte kaum atmen, als sie das letzte Bild abspeicherte. Sie klickte auf „Simulation vorbereiten“. Die Software analysierte alles, wandelte es um – und erschuf eine VR-Erfahrung, die so kalt, seelenlos und zerstörerisch war, wie es die alte Dame verlangte. Die Brille Sie holte die Brille aus dem Schrank. Schwarz, schlicht, unscheinbar. Doch was in ihr gespeichert war, hätte jeden Menschen innerlich zerbrechen können. Nicht durch Blut oder Gewalt. Sondern durch das, was die Seele zerschneidet: das Wiedererleben von Dingen, die man kaum ertragen hat – mit dem Gefühl, sie nie verarbeiten zu können. Die Mutter zögerte. Hielt sie in der Hand. „Wenn ich dir das gebe… dann wird dein Blick nie mehr derselbe sein“, flüsterte sie. Doch dann vibrierte ihr Handy. Eine letzte Nachricht der alten Dame: „Heute Abend. Du bringst sie ihm. Sag, es sei ein Geschenk zur Verarbeitung. Oder dein Kind wird es spüren.“ Die Mutter schloss die Augen. Ein stummer Kuss auf das Foto ihres Sohnes. Dann packte sie die Brille ein – und machte sich bereit, die schwerste Entscheidung ihres Lebens zu treffen. Was sie nicht wusste: Die vier Spieler hatten etwas bemerkt. Und sie waren ihr bereits auf der Spur. Doch ob sie rechtzeitig kommen würden… war ungewiss. Montag, 04.08.2025 – 75. Tag – Mittag: Fleischkäse & Abschied von der Katze Die Sonne stand hoch am Himmel über Mainz, als Felix gegen 12:30 Uhr in der Küche stand, mit dem schnurlosen Telefon in der Hand. Er hatte sich die Nummer auf einem kleinen Zettel notiert, den ihm seine Mutter vor einigen Tagen gegeben hatte. Sie wusste, dass es ihm schwerfiel, fremde Menschen am Telefon anzusprechen – aber heute wollte er es selbst tun. Er atmete tief durch. Dann drückte er auf Wahlwiederholung. Nach dem dritten Klingeln meldete sich eine freundliche Stimme: „Edeka Fleisch- und Wursttheke, guten Tag.“ Felix räusperte sich leicht, dann sprach er mit ruhiger, aber angespannter Stimme: „Hallo… ich wollte gerne einen Fleischkäse vorbestellen. Einen großen… zum Aufbacken.“ Die Stimme war freundlich: „Sehr gerne! Für wann denn?“ Felix: „Für heute… gegen 15 Uhr, wenn das geht.“

„Natürlich. Auf welchen Namen bitte?“ „Zimmermann… Felix Zimmermann.“ „Alles klar, Herr Zimmermann. Ihre Bestellung ist notiert, wir freuen uns auf Sie.“ Als er auflegte, schaute er erleichtert zur Uhr. „Geschafft…“, flüsterte er. Ein kleines Lächeln lag auf seinen Lippen. Es war nur ein Fleischkäse – aber es fühlte sich wie ein kleiner Sieg an. Selbständig sein, etwas alleine geschafft haben. Ein letzter Besuch bei der Nachbarskatze Gegen 13:15 Uhr ging Felix langsam in den Garten. Die Sonne war angenehm warm, nicht zu heiß, und eine leichte Brise wehte durch die Büsche. In seiner Hand trug er ein kleines Schälchen mit Nassfutter und ein paar Leckerlis. Die Katze – eine zierliche schwarze Schönheit mit bernsteinfarbenen Augen – saß bereits wie bestellt vor der Terrasse. Sie miaute leise, als sie Felix erkannte, und kam ihm schnurrend entgegen. „Na, Kleines… heute zum letzten Mal, hm? Dein Herrchen kommt ja morgen zurück.“ Er setzte sich vorsichtig auf die kleine Bank neben dem Futterplatz und beobachtete, wie sie fraß. Dann legte sie sich schnurrend an seine Füße, rieb ihren Kopf an seinem Bein. Felix streichelte sie zärtlich, strich ihr über den Rücken, zwischen die Ohren. Er mochte diese Momente. Die Katze sagte nichts, erwartete nichts – sie war einfach da. „Danke, dass du da warst“, sagte er leise. Für einen Moment schien alles ruhig. Fast normal. Keine dunklen Pläne, keine Schmerzen. Nur er, die Katze – und der leichte Wind, der durch die Blätter strich. Was Felix nicht wusste... Während er mit der Katze sprach, wurde in einem anonymen Raum der Stadt die Brille aufgeladen. Noch lag sie in einem schwarzen, gepolsterten Etui. Bereit. Und die Frau, die sie überreichen sollte, saß auf einer Parkbank, das Handy fest umklammert. Sie flüsterte vor sich hin: „Bitte… irgendjemand muss es merken, bevor es zu spät ist…“ Doch niemand kam. Noch nicht. Montag, 04.08.2025 – 75. Tag – Abend: Ein letztes ruhiges Bier und die Übergabe der Brille Der Abend legte sich langsam über Mainz. Die letzten Sonnenstrahlen spiegelten sich in den Fenstern der Häuser, während die Straßen in ein warmes orangefarbenes Licht getaucht wurden. Felix saß auf der kleinen Terrasse hinter dem Haus. Neben ihm stand eines der vier Spieler, heute war es Neymar, der ihm Gesellschaft leistete. Sie lachten leise über eine Szene aus dem Film, den sie zuvor mit der Mutter geschaut hatten. Vor Felix stand ein Glas mit alkoholfreiem Bier, gekühlt und mit etwas Schaum am Rand. Es war mittlerweile zu einem kleinen Ritual geworden. Ein Abschluss des Tages, der nach so vielen Wochen voller Schmerz, Tränen und Angst etwas Ruhe versprach. Felix seufzte leicht. „Weißt du, Ney… manchmal ist alles einfach zu viel. Aber gerade… ist es okay.“ Neymar legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Du bist stärker, als du denkst, Bruder. Ehrlich.“ Zur selben Zeit – im Schatten der Stadt Nicht weit entfernt, in einem alten leerstehenden Gebäude, bei dem selbst die Stadtverwaltung nicht mehr genau wusste, wem es gehörte, brannte ein einzelnes Licht in einem Hinterzimmer. Eine alte Lampe, vergilbte Tapeten, der Geruch von kaltem Kaffee und Papier.

Die alte Dame stand am Fenster. Ihr Blick war hart, kalkulierend. Hinter ihr trat ein großer, kräftiger Mann in den Raum – glattrasiert, regungslos, mit einem Aktenkoffer in der Hand. Er sagte kein Wort. „Du weißt, was zu tun ist“, sagte sie mit eiskalter Stimme. Langsam öffnete sie den Koffer und holte eine hochwertige, mattschwarze VR-Brille heraus – unauffällig, aber innen mit der speziell programmierten Visualisierung ausgestattet: Alle Schmerzen, alle psychischen Wunden, alle Schlüsselmomente aus Felix' Leben – verarbeitet zu einem digitalen Höllentrip. „Morgen früh“, sagte sie leise, „wenn er unaufmerksam ist. Gib ihm etwas in sein Getränk. Kurz danach... setzt du ihm die Brille auf. Sag, es ist ein Spiel. Eine Therapie. Was auch immer. Und dann… beobachten wir. Brechen wir ihn – von innen.“ Der Mann nahm die Brille entgegen. Sein Blick blieb leer. Er nickte nur stumm. „Du bekommst deine Belohnung, wenn alles reibungslos läuft“, sagte die alte Dame und drehte sich langsam zum Fenster zurück. „Und wenn nicht… dann brauchst du sie auch nicht mehr.“ Zurück bei Felix Das alkoholfreie Bier war halb leer. Der Abend wurde kühler, doch angenehm. Felix gähnte leicht. „Ich geh gleich rein… morgen will ich eigentlich mal wieder früh aufstehen…“ Neymar nickte. „Klingt nach 'nem Plan. Ich bleib noch kurz draußen.“ Felix stand auf, streckte sich und ging langsam hinein. Sein Rücken schmerzte noch leicht, aber sein Herz war ruhig. Er ahnte nicht, dass der nächste Tag anders werden würde – ein Tag, an dem ein Plan aktiviert wurde, den er sich in seinen schlimmsten Träumen nicht hätte ausmalen können. Dienstag, 05.08.2025 – 76. Tag – Später Morgen: Brötchen holen unter Beobachtung Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als Felix das Haus verließ. Es war später Morgen – kurz nach halb zehn – und der Sommer machte sich mit voller Kraft bemerkbar. Die Straßen in seinem Wohnviertel wirkten friedlich, beinahe verschlafen. Nur vereinzelt hörte man Rasenmäher, Vögel, ein paar Kinder, die in einem Garten spielten. Felix trug eine einfache schwarze Hose, ein rotes Shirt, darüber eine lockere Sommerjacke. In seiner Hand hielt er eine kleine Stofftasche – der klassische Gang zum Bäcker stand an. „Ich hol Brötchen!“, hatte er noch gerufen, bevor er die Tür hinter sich schloss. Er freute sich sogar ein wenig. Diese kleinen Aufgaben – sie bedeuteten Normalität. Alltag. Verantwortung. Und nach all den Strapazen der letzten Wochen tat es gut, einmal einfach nur loszugehen und etwas zu holen, das jeder brauchte: frische Brötchen fürs Frühstück. Ein Blick, der sich festsetzt Was Felix nicht bemerkte: Er war nicht allein. Etwa 40 Meter hinter ihm, versteckt im Schatten eines parkenden Lieferwagens, stand ein Mann mit Sonnenbrille und Basecap. Die Arme verschränkt, das Gesicht kaum zu erkennen, beobachtete er jede Bewegung des jungen Mannes. Er trug ein kleines, unscheinbares Gerät an seinem rechten Handgelenk – mit einer einzigen Funktion: ein Funksignal für die alte Dame. „Ziel unterwegs“, murmelte er leise ins integrierte Mikrofon. Felix hingegen ging entspannt die Straße entlang. Als er an der Ampel kurz warten musste, zückte er sein Handy, überprüfte Pokémon GO – ein wildes Pikachu erschien auf dem Bildschirm. Er grinste. „Na, du Kleiner...“ Dann überquerte er die Straße und bog in die Seitenstraße ein, wo der Bäcker lag.

Eine Nachricht wird gesendet Der Unbekannte bewegte sich langsam weiter – unauffällig, ohne aufzufallen. In der Tasche seines Hoodies steckte ein kleines Fläschchen. Es war durchsichtig, mit einer klaren, leicht zähflüssigen Substanz darin. Kein Gift – aber stark genug, um bei falscher Anwendung Schwindel, Müdigkeit und Trägheit zu verursachen. Genau das, was sie heute brauchten. Er öffnete sein Handy und schrieb einen einzigen Satz an eine verschlüsselte Nummer: „Ziel bewegt sich – bald bereit für Phase 3.“ Zurück bei Felix Beim Bäcker angekommen, öffnete Felix die Tür und grüßte freundlich. „Guten Morgen! Ich hätte gern sechs Brötchen, zwei Körner und zwei Laugenstangen, bitte.“ Die Verkäuferin nickte und lächelte. Er bezahlte, verstaute alles sorgfältig in seiner Tasche und verließ das Geschäft wieder. Der Tag wirkte normal. Die Menschen lachten, Autos fuhren vorbei, die Sonne schien. Aber im Schatten des Normalen hatte sich ein Plan in Bewegung gesetzt – und Felix war im Begriff, der Mittelpunkt eines Spiels zu werden, das nur die alte Dame und ihre Verbündeten wirklich verstanden. Und sie waren bereit, heute die VR-Brille zu benutzen… Dienstag, 05.08.2025 – 76. Tag – Mittag: Die Entführung Felix war auf dem Heimweg vom Bäcker. Die Tasche mit den Brötchen schaukelte leicht in seiner Hand, während er gedankenverloren überlegte, welchen Tee er heute zum Frühstück trinken wollte. Kamille oder Pfefferminze? Vielleicht beides mischen? Er bog gerade in die Seitenstraße ein, die direkt zu seinem Elternhaus führte. Die Straße war leer. Kein Mensch zu sehen. Kein Auto fuhr. Kein Geräusch, außer dem entfernten Zwitschern von Vögeln und einem leicht surrenden Wind. Dann passierte es – plötzlich und lautlos. Ein Lieferwagen, unauffällig weiß, hielt abrupt an der Einfahrt zur Sackgasse. Zwei Männer in hellgrauen Overalls – wie Handwerker getarnt – sprangen heraus. Einer von ihnen hielt ein weißes, mit einer Flüssigkeit getränktes Tuch in der Hand. Chloroform. Felix schrie nicht. Er hatte keine Chance dazu. Das Tuch wurde ihm in einer einzigen schnellen Bewegung gegen Mund und Nase gedrückt. Die Welt drehte sich – in Sekunden war alles schwarz. Stunden später – ein verlorener Moment Felix kam zu sich. Seine Augenlider flatterten, sein Kopf dröhnte. Es war dunkel, feucht, die Luft roch muffig. Er lag auf einer kalten Matratze in einem verlassenen Raum – die Wände grau, teils von Schimmel überzogen, kaum Licht, nur ein Fenster mit Gitterstäben. Und direkt vor seinem Gesicht – eine VR-Brille. Sie wurde ihm – während er noch benommen war – vorsichtig aufgesetzt. Er war zu schwach, um sich zu wehren. Plötzlich: Ein greller Blitz. Dann Bilder. Videos. Geräusche. Szenen aus seinem Leben. Aber verzerrt. Schmerzhaft. – Die Stimme seines Vaters, wie er ihn anschreit. – Der Moment, als sein alter Freund ihm sagte, er wolle nichts mehr mit ihm zu tun haben. – Das kalte Gesicht seiner Oma, wie sie ihm Vorwürfe machte. – Und dann: die Slackline. Der Sturz. Immer und immer wieder. In Zeitlupe. – Die Worte des Arbeitsamts: „Nicht vermittelbar.“ – Die Tränen seiner Mutter.

All das wurde durch spezielle Filter noch kälter gemacht. Unnatürlich real. Jede Emotion wurde digital verstärkt. Die Brille las sogar seinen Puls, um die Szenen dann zu verstärken, wenn sein Herzschlag stieg. Felix zitterte. Er stöhnte leise, rang nach Luft. Er wollte sie abnehmen – aber sie war fixiert. Er konnte sich kaum bewegen. Tränen liefen über seine Wangen, aber er konnte sie nicht wegwischen. Die alten Wunden rissen in ihm auf – tiefer denn je. Währenddessen – bei den Spielern Ronaldo saß im Wohnzimmer der Familie Zimmermann. „Wo ist Felix eigentlich?“, fragte er in die Runde. Die Mutter hob verwundert die Augenbraue. „Er wollte doch nur Brötchen holen. Ist schon über zwei Stunden her…“ Neymar stand auf. „Das stimmt was nicht.“ Die vier Spieler schauten sich an. Messi griff zum Ersatzhandy, das Felix zur Sicherheit bei sich trug, seit dem Unfall mit der Slackline. Es war ein einfaches Trackermodell, das er in seiner Jacke hatte. Position: feststehend. In einem alten Industriegebiet – keine 600 Meter von der Bäckerei entfernt. „Da stimmt was ganz und gar nicht“, sagte Suárez mit ernster Miene. Ronaldo ballte die Fäuste. „Wir holen ihn. Jetzt.“ Doch sie wussten nicht, was genau sie erwartete – nur dass sie handeln mussten. Und schnell. Im verlassenen Gebäude kroch ein Schluchzen durch die dunkle Halle. Felix kämpfte. Nicht gegen Fesseln. Nicht gegen Gitter. Sondern gegen sich selbst. Und gegen eine Brille, die seine Welt zerstören sollte… Dienstag, 05.08.2025 – 76. Tag – Später Nachmittag: Der innere Kampf und die Konfrontation Dunkelheit. Verzerrte Bilder. Kaltherzige Stimmen. Und mittendrin: Felix. Die VR-Brille presste sich wie ein schwarzes Fenster in seine Seele. Die Szenen wurden schlimmer. Jede seiner Ängste, jedes Scheitern, jede Ablehnung – sie flackerten in endloser Wiederholung vor seinen Augen. Die Bilder versuchten, ihn zu zerbrechen. Doch dann – eine Stimme. Sanft. Vertraut. Ronaldo, wie er sagte: „Du bist stark, Felix. Vergiss das nie.“ Dann ein weiteres Bild. Aber kein dunkles, schmerzhaftes. Sondern ein Lichtblitz, der aus der Tiefe seiner Erinnerung aufstieg: – Das erste Mal, als er mit den Spielern Pokémon Go spielte. – Der warme Blick seines Freundes im E-Rollstuhl, als sie gemeinsam durch die Stadt fuhren. – Die Katze der Nachbarn, die sich schnurrend an sein Bein schmiegte. – Das Lächeln seiner Mutter, als er ihr nach dem Krankenhaus einen Tee brachte. – Die Stimme von Neymar, der laut rief: „Felix! Du bist nicht allein!“ – Das erste alkoholfreie Bier mit Suárez, das sie wie einen kleinen Sieg gefeiert hatten. – Und Messi, der bei seinem schwersten Moment im Krankenhaus seine Hand gehalten hatte.

Ein Ruck ging durch seinen Körper. Er spürte wieder, dass er am Leben war. Nicht nur am Atmen. Er war mehr als das Leid. Mehr als die Schmerzen. Mehr als das, was man ihm einreden wollte. Mit aller Kraft spannte er die Muskeln an. Die Plastikbänder der Brille drückten, doch er riss sie zur Seite – und zerschmetterte sie gegen die Wand. Die Linsen zersplitterten, das Gehäuse zersprang, ein grelles Licht flackerte kurz auf – dann war alles still. Er keuchte. Schweiß lief ihm über die Stirn. Die Brille war zerstört. Genau in diesem Moment riss jemand die rostige Tür des Raumes auf: Ronaldo, schwer atmend, voller Entschlossenheit, trat in den Raum. „Felix!“, rief er. Sein Blick suchte das Gesicht seines Freundes – und traf auf etwas, das ihn zutiefst erschütterte: Felix stand zitternd, die Hände noch auf dem zerbrochenen Brillenteil, Tränen in den Augen – aber er stand. Und er hatte sich selbst befreit. Ronaldo blieb für einen Moment wie angewurzelt stehen. „Du… du hast das getan?“ Er wirkte für einen Moment fassungslos – doch nicht aus Schwäche, sondern vor Respekt. „Du bist stärker als wir alle dachten.“ Doch diese Sekunde der Ergriffenheit war zu lang. Ein Schatten bewegte sich hinter einem Stapel aus alten Kisten. Der unbekannte Mann. In der einen Hand: eine Pistole, gerichtet auf Ronaldo. In der anderen: eine zweite Waffe, gerichtet auf Felix. „Keinen Schritt weiter!“, bellte der Mann mit rauer Stimme. „Ihr dachtet, ihr könnt einfach hier reinspazieren? Das hier ist größer, als ihr denkt. Viel größer.“ Ronaldo hob langsam die Hände. Sein Blick war starr auf den Lauf der Waffe gerichtet. Er hatte schon viel erlebt, war in hunderten Arenen gestanden – aber das hier war anders. Felix starrte den Mann an. Sein Körper zitterte, aber seine Augen waren fest. Er hatte sich aus der Brille befreit. Er war nicht mehr dasselbe Opfer wie vor einer Stunde. „Warum?“, fragte Felix mit zitternder Stimme. „Warum ich?“ Der Mann lächelte kalt. „Weil du wichtig bist. Weil du nicht zerbrochen bist – obwohl du es solltest.“ Er trat einen Schritt auf die beiden zu. Zwei gezogene Waffen. Zwei Leben in der Schwebe. Draußen begann es zu regnen. Ein Donnerschlag hallte durch das verlassene Gebäude. Doch irgendwo – im Inneren von Felix – regte sich etwas. Keine Panik. Keine Angst. Ein Plan. Die 4 Spieler waren unterwegs. Und wenn sie bald kämen, könnten sie das Blatt wenden. Aber bis dahin – musste er durchhalten. Musste denken. Musste überleben. Die Situation war gefährlich. Doch was der Mann nicht wusste: Felix war kein zerbrechlicher Junge mehr. Er war ein Kämpfer geworden. Und jetzt, da sein schlimmster Schmerz hinter ihm lag – war er bereit. Dienstag, 05.08.2025 – 76. Tag – Spätnachmittag, Teil 2: Die Eskalation Der Moment war eingefroren. Felix stand mit klopfendem Herzen da, zitternd, aber wach.

Ronaldo hielt die Hände hoch, versuchte, ruhig zu bleiben. Der unbekannte Mann bewegte sich kaum – wie eine Raubkatze, jederzeit bereit zu springen oder zu feuern. Beide Waffen fest im Griff. Die Spannung war greifbar. Draußen, ganz leise – Sirenen. Felix hörte sie zuerst. Das dumpfe Auf- und Abschwellen des Blaulichts näherte sich. Der Mann auch – und sein Blick zuckte zur Fensteröffnung hinter ihm. „Verdammt…“ „Leg die Waffen weg!“, rief Ronaldo ruhig. „Du bist umzingelt. Gib auf.“ Doch es war zu spät. TÜRKNALL! Die alte Metalltür des Gebäudes wurde mit einem Rammbock aufgeschlagen – und mehrere bewaffnete Beamte in Schutzkleidung stürmten herein. Blaue Helme, kugelsichere Westen, gezückte Waffen. „POLIZEI! WAFFE FALLEN LASSEN! SOFORT!“ „RUNTER VOM JUNGEN! HÄNDE HOCH!“ Der unbekannte Mann zuckte zusammen – und genau in dem Moment, in dem er sich drehen wollte, riss er einen Schuss in Richtung der Beamten ab. Chaos. Schreie. Rufe. Schüsse. Zwei Polizisten fielen zu Boden, getroffen an Schulter und Bein, sie wimmerten vor Schmerz. Einer der Beamten schrie in sein Funkgerät: „Feuer! Wiederhole: Feuer frei! Ziel hat gefeuert!“ Knall! Ein einzelner Schuss – präzise, gezielt – durchzog die Luft. Der unbekannte Mann wurde am Oberschenkel getroffen. Er schrie kurz auf, taumelte zurück, fiel auf die Knie – und verlor eine der Waffen. Blut spritzte auf den staubigen Betonboden, seine Gesichtszüge verzerrten sich vor Wut und Schmerz. „SICHERN!“, rief der Einsatzleiter. Drei Polizisten stürmten vor, drückten den Mann zu Boden, entwaffneten ihn und legten ihm Handschellen an. Er keuchte und murmelte wütend: „Ihr… habt… keine Ahnung… was ihr aufgehalten habt… sie… sie wird… euch alle…“ – dann verstummte er. Felix stand wie betäubt. Alles war schnell gegangen – zu schnell. Der Geruch von Schießpulver, der Lärm, die Schreie, das Blut. Dann spürte er eine Hand an seiner Schulter. Ronaldo. „Du bist sicher. Es ist vorbei. Du bist sicher, Felix.“ Er ließ sich langsam auf den Boden sinken. Sein ganzer Körper bebte. Tränen stiegen ihm in die Augen. Die Polizisten versorgten die Verwundeten, weitere Beamte sicherten das Gebäude. Ein Notarzt kam hereingestürmt, kniete sich neben Felix, begann, seinen Puls und Blutdruck zu messen. „Er ist stabil. Aber er steht unter Schock. Holt die Trage!“ Der Einsatzleiter trat zu Ronaldo. „Wir haben Ihren Anruf verfolgt. Ihre Ortung hat uns hierher geführt. Sie haben richtig gehandelt. Und… der Junge hat Glück gehabt.“ Ronaldo sah nicht weg von Felix. „Nein… Er hatte nicht nur Glück. Er hatte Mut.“ Währenddessen – im Dunkel eines fernen Raums – starrte die alte Dame auf einen Bildschirm. Das Bild flackerte, ein Live-Feed war abgebrochen. Die Verbindung war tot.

Langsam, eiskalt, legte sie den Hörer eines alten Telefons auf. Sie sprach kein Wort. Doch in ihren Augen war etwas zu sehen: Nicht Wut – sondern Kälte. Nicht Panik – sondern Berechnung. Phase 3 hatte begonnen. Dienstag, 05.08.2025 – 76. Tag – Früher Abend: Der Preis der Wahrheit Im Inneren des verfallenen Gebäudes war es plötzlich ganz still geworden. Nur das rhythmische Piepen der mobilen Herzmonitore der verletzten Polizisten war zu hören. Felix saß noch immer auf der Trage, mit einer Wärmedecke um den Schultern, zitternd, doch mit offenen Augen. Neben ihm standen Ronaldo und ein Notarzt, der gerade eine frische Infusion vorbereitete. In der Ecke wurde der unbekannte Mann, am Bein verletzt und blutend, in Handschellen gehalten. Ein Beamter, offenbar ein Kriminalkommissar, trat näher, nahm sein Notizbuch in die Hand. „Name? Wer steckt hinter all dem?“, fragte er mit scharfer Stimme. Der Unbekannte grinste schief. Sein Gesicht war blass, die Lippen trocken, aber seine Augen blitzten gefährlich. „Ihr glaubt, ihr habt gewonnen, hm? Nur weil ihr mich erwischt habt? Das… war Phase zwei. Ich war nur ein… Werkzeug.“ Der Kommissar trat näher. „Wer ist sie? Wie heißt sie? Die Frau, für die du gearbeitet hast?“ Der Mann kicherte, dann hustete er kurz. Aus seinem Mund lief ein Tropfen Blut. „Ihr… könnt sie nicht fassen. Sie ist schlauer als ihr alle… sie weiß Dinge, die ihr nicht mal zu träumen wagt.“ Der Kommissar verlor die Geduld. „Name! Sofort!“ Der Mann blickte zu Felix – sein Blick war kalt. „Er… hat alles zerstört. Er sollte gebrochen werden. Aber er…“ Dann geschah es. Ein Ruck. Eine schnelle Bewegung. Mit einem Trick, den nur geübte Kriminelle kennen, zog er aus seiner Jackentasche eine kleine Kunststoffdose hervor, die bei der oberflächlichen Durchsuchung offenbar übersehen worden war – darin befanden sich mindestens zehn Tabletten. Noch bevor ein Polizist oder der Notarzt reagieren konnte, warf er den Kopf zurück und schüttete sich die gesamte Ladung in den Mund. Mit einem Ruck schluckte er sie hinunter – ohne Wasser, aber mit einem irren Ausdruck im Gesicht. „Ich komme nicht in den Knast…“ „Ihr könnt mich nicht brechen… wenn ich tot bin.“ „NEIN! HALT!“, rief der Arzt. Zwei Beamte stürzten sich auf ihn, wollten ihn zwingen zu erbrechen, doch es war zu spät. Der Körper des Mannes begann zu zucken. Er krampfte, der Rücken bog sich wie ein Bogen, Schaum trat aus seinem Mund. Sein Herz raste – dann setzte es aus. Alarm. „CODE BLUE!“, schrie ein Sanitäter. „Notfall! Reanimation vorbereiten!“, rief ein anderer. Ronaldo hielt Felix fest und drehte ihn zur Seite, damit er das nicht direkt mit ansehen musste. „Schau weg, Felix. Du musst das nicht sehen.“ Felix atmete schwer. „Warum… warum wollte er sterben?“ Der Kommissar, fassungslos, starrte auf den Körper des Mannes, der gerade von Notärzten beatmet und mit der Reanimationsmaschine behandelt wurde. Doch sein Körper regte sich nicht mehr.

Ein anderer Polizist kam angelaufen, Tränen in den Augen. „Zwei unserer Kollegen… sie haben es nicht geschafft. Einer am Hals, der andere innerlich verblutet. Sie… sie sind tot.“ Ein schwerer Schatten senkte sich über den Raum. Der Kommissar ballte die Faust. „Er hat sich der Verantwortung entzogen. Aber wir werden die Hauptverantwortliche finden. Das schwöre ich.“ In einem anderen Teil der Stadt – in einem abgedunkelten Raum, der nach alten Büchern und Parfüm roch – stand die alte Dame an einem Schreibtisch. Vor ihr: ein kleines Funkgerät, das leise rauschte. Sie hatte alles mitangehört. Die Stimme einer ihrer Verbündeten kam durch. „Er ist tot. Hat die Tabletten genommen. Zwei Beamte auch.“ Die alte Frau lächelte nicht. Sie seufzte – leise. „So sei es. Der Preis… für einen Fehler. Aber Phase drei läuft weiter.“ Sie drehte sich zur Wand, wo eine Tafel hing – darauf Fotos von Felix, seiner Familie, den Spielern. An einem neuen Bild, das sie gerade festpinnt, steht in roter Schrift: „ZIEL BLEIBT AKTIV – WIRD GEBROCHEN.“ Dann schloss sie langsam die Augen und flüsterte: „Der schlimmste Teil… beginnt erst jetzt.“ Dienstag, 05. August 2025 – Abend – Heimweg nach dem Albtraum Die Straßen von Mainz wirkten in der Abenddämmerung beinahe friedlich. Die Straßenlaternen warfen ein warmes Licht auf den Asphalt, und eine leichte Brise trug den Duft von Lindenblüten durch die Luft. Felix ging langsam, ein kleines Hinken in seinem Gang, seine Schulter berührte immer wieder die des Spielers neben ihm – es war Messi, der heute bei ihm geblieben war. Die anderen waren mit der Polizei zurück ins Präsidium gefahren, um ihre Aussagen zu machen. Doch Messi hatte darauf bestanden, dass er bei Felix blieb. Keiner von beiden sprach. Nicht, weil es nichts zu sagen gab – sondern weil es zu viel gewesen war. Der Schuss, der Moment, als die Waffe auf sie gerichtet war… das Zittern des Körpers des Angreifers… und die Nachricht vom Tod zweier Polizisten. Felix‘ Gedanken überschlugen sich, aber er konnte sie nicht in Worte fassen. Stattdessen schaute er zu Boden, hörte nur das gleichmäßige Klack-klack seiner Schritte, das leichte Schurren der Fahrradreifen eines vorbeifahrenden Kuriers, das Rufen eines Kindes in der Ferne. Sie erreichten das Haus. Messi öffnete die Tür, ließ Felix vorgehen. Im Flur roch es nach aufgebackenen Brötchen – die Mutter hatte wohl versucht, ein spätes Abendessen vorzubereiten. Aber als Felix in die Küche trat, war da niemand. Nur ein Teller mit belegtem Brot, eine dampfende Tasse Kamillentee, und ein Zettel. „Bin bei den Nachbarn, falls ihr was braucht. Ruhe dich aus. Ich bin stolz auf dich. – Mama“ Felix setzte sich langsam, vorsichtig. Messi stellte sich hinter ihn, legte eine Hand auf seine Schulter. „Du warst heute unglaublich stark, Felix. Du hast es überlebt. Und du bist nicht zerbrochen.“ Felix blickte nach unten, Tränen in den Augen – nicht vor Schmerz, sondern vor Überforderung.

„Ich hab… ich hab Angst, Messi. Was, wenn das nicht aufhört? Wenn… diese Frau… noch Schlimmeres plant?“ Messi kniete sich neben ihn. „Dann stehen wir vor dir. Immer. Egal, was kommt.“ Felix nickte schwach. Dann nahm er einen Bissen vom Brot, trank einen Schluck Tee. Seine Hände zitterten leicht, aber sie hielten stand. Nachdem er gegessen hatte, ging er mit Messi ins Wohnzimmer. Sie schalteten den Fernseher an, ohne den Ton – nur bewegte Bilder, keine Worte. Ein Fußballspiel aus der Vergangenheit, leise, beruhigend. Felix lehnte sich an Messi. Die Schmerzen im Arm, die Spuren des Tages – sie waren noch da. Aber in diesem Moment spürte er etwas anderes: Sicherheit. Und während draußen die Nacht sich über Mainz legte, dachte Felix an seine Kuschelkatze im Schlafzimmer, an die Katze des Nachbarn, an seine Tante, an das Krankenhaus, an die Slackline, an die Brille, an den Schuss, an den Schmerz, an das Lächeln von Messi – und er wusste: Noch war es nicht vorbei. Aber er war nicht allein. Die Nacht des 5. August 2025 hatte sich wie ein samtiger Schleier über Mainz gelegt. Die Straßen waren leer, nur vereinzelt fuhren Autos vorbei. In der Ferne hörte man das leise Summen eines Rettungswagens, der sich der Nacht anpasste – keine Sirene, nur das Licht blitzte über die Dächer der Stadt. Felix stand noch einmal in der Küche. Sein Arm war verbunden, der Körper müde, die Augen schwer – aber sein Magen knurrte leise. Der Tee war längst leer. Er öffnete vorsichtig den Kühlschrank, als wolle er ihn nicht wecken, und entdeckte eine selbstgemachte Hühnersuppe in einem Topf. Seine Mutter hatte sie wohl in weiser Voraussicht vorbereitet. Er stellte sie auf den Herd, drehte leise den Knopf, hörte das Zischen des Gases und das leichte Klicken der Flamme. Die Suppe begann zu köcheln – es roch nach Sellerie, Möhren, Lauch, ein Hauch von Petersilie. Erinnerungen an früher stiegen auf, an verregnete Herbsttage, an Kindheit, an Tage, an denen er krank im Bett lag und seine Mutter ihm leise den Rücken streichelte. Er nahm sich eine kleine Schüssel, schöpfte sich etwas von der heißen Brühe und setzte sich in die dunkle Küche. Nur das Licht über dem Herd brannte noch. Felix aß langsam, vorsichtig. Trotz der Schmerzen in seiner Hand wollte er es selbst schaffen. Jeder Löffel war wie eine kleine Rückeroberung seiner Würde nach all dem, was passiert war. Messi kam kurz vorbei, schaute durch den Türrahmen, lächelte müde. „Alles gut bei dir?“, fragte er mit ruhiger Stimme. Felix nickte nur. „Ja… ich wollte nur noch etwas Warmes im Bauch, bevor ich schlafe.“ Messi ließ ihn allein. Er wusste, Felix brauchte jetzt nicht mehr Worte, sondern Raum. Als Felix fertig war, spülte er den Teller ab, stellte ihn in den Abtropfer, machte das Licht aus. Die Wohnung war nun still.

Er tappte ins Badezimmer, putzte sich die Zähne, streichelte sich vorsichtig mit der verletzten Hand über das Gesicht, betrachtete sich im Spiegel. Ein müder, junger Mann. Aber in den Augen lag etwas Neues – ein Schimmer Entschlossenheit. Im Schlafzimmer legte er sich unter die Bettdecke. Die Kuschelkatze lag bereit. Er nahm sie in den Arm, drehte sich auf die Seite, hörte noch ein entferntes Rascheln aus dem Wohnzimmer, dann nur noch seinen Atem. Er schlief tief ein. Doch während Felix friedlich schlief, bereitete sich jemand anderes auf das Gegenteil von Ruhe vor. In einem alten, leerstehenden Gebäude irgendwo in der Umgebung von Mainz, stand die alte Dame vor einer Tafel. Darauf waren Bilder. Von Felix. Von seiner Mutter. Von den Spielern. Von der Slackline. Vom Krankenhaus. Vom Polizeibrief. Sie hatte alles dokumentiert. Alles. Neben ihr saß die vermeintliche Mutter, bleich, die Hände umklammern sich, voller Zweifel. Und dort, im Schatten der Ecke, stand jemand Neues. Jemand, den weder Felix noch die Spieler je gesehen hatten. Ein Unbekannter, der bislang nur als Beobachter diente, aber nun aktiv eingreifen sollte. Die alte Dame lächelte kalt. „Morgen“, sagte sie. „Morgen beginnt Phase 3. Die entscheidende. Die letzte. Die bittere. Und sie wird spüren, was es heißt, mich zu unterschätzen.“ Die vermeintliche Mutter schüttelte kaum merklich den Kopf, aber sie sagte nichts. Sie wusste: Widerstand war gefährlich. Zu gefährlich. Und während der Mond über Mainz leise wanderte, bereitete sich das Unheil vor. Felix schlief. Die Stadt schlief. Aber das Schicksal war längst wach. 76. Tag – 06. August 2025 – Früher Morgen Ein zarter Sonnenstrahl schob sich durch den kleinen Spalt zwischen den Vorhängen im Schlafzimmer. Felix drehte sich noch einmal im Bett, seine Hand zuckte leicht – der Verband spannte ein wenig, doch die schlimmsten Schmerzen waren seit zwei Tagen abgeklungen. Im Wohnzimmer saß bereits einer der Spieler – Neymar, noch etwas verschlafen, mit einem halb ausgetrunkenen Kaffee und einem Pokémon-Go-Event auf dem Handy. Es war ruhig. Zu ruhig. Ding Dong. Die Klingel durchbrach die morgendliche Stille mit einem harten Ton. Neymar zuckte zusammen, blickte sofort zur Tür. Es war ungewöhnlich für diese Zeit – 06:42 Uhr. „Felix, bleib liegen!“ rief er in den Flur, während er sich langsam erhob und zur Gegensprechanlage ging. Doch bevor er überhaupt sprechen konnte, hörte er schon das Geräusch: Klopfen. Laut. Direkt an der Wohnungstür. Er blickte durch den Spion. Da stand sie. Die vermeintliche Mutter. Ihr Gesicht wirkte blass, ihre Haare waren ungekämmt. Ihre Augen... leer. Und doch schien da etwas Flehendes in ihrem Blick zu liegen. „Ich muss mit euch reden. Es geht um Felix… bitte. Ich kann nicht mehr! Sie… sie zwingt mich…“

Bevor Neymar reagieren konnte, war Cristiano Ronaldo bereits neben ihm und hatte sein Handy gezückt. „Ich ruf die Polizei. Sofort. Sie darf nicht hier rein. Das ist kein Zufall.“ Felix war nun ebenfalls wach geworden, kam mit vorsichtigen Schritten in den Flur. Er hörte nur Fetzen: „Sie war an der Slackline!“ „Hat Informationen weitergegeben!“ „Gefährlich für dich, Felix.“ Felix’ Augen wurden groß. „Sie... war das wirklich? Aber… sie hat doch… ich dachte…“ Lionel Messi war jetzt auch zur Stelle, stellte sich ruhig vor Felix. „Bleib hinter uns. Alles wird gut.“ Nur wenige Minuten später war die Polizei da. Drei Beamte, die entschlossen auftraten und die Frau direkt in Empfang nahmen. Sie ließ es geschehen. Kein Widerstand. Nur Tränen. „Ich… wollte nicht, dass es so weit kommt… Sie hat mir mit meinem Kind gedroht… bitte… ich… ich wollte ihn nicht verletzen…“ Die Beamten führten sie ab. Der Streifenwagen fuhr davon – mit Blaulicht, aber ohne Sirene. Zur gleichen Zeit. In einem völlig abgedunkelten Raum, irgendwo außerhalb der Stadtgrenze von Mainz, stand die alte Dame. Sie sah durch einen kleinen Monitor, der das Haus von Felix zeigte. Sie hatte alles mitverfolgt. „So schwach…“, knurrte sie, während sie auf die Aufnahme der Festnahme blickte. Dann nahm sie ein kleines Gerät zur Hand – einen alten, silbernen Klappspiegel, in den kleine LED-Lichter eingebaut waren. Daneben lagen Bilder, Medikamente, ein abgebrochenes Stück der alten Slackline… und ein neues Paar medizinisch aussehender Handschuhe, deren Zweck unklar war. Sie sprach laut in den Raum, obwohl niemand zu sehen war: „Ihr alle habt mich enttäuscht. Jetzt mache ich es selbst. Keine Marionetten mehr. Kein Rückzug mehr. Ich werde ihm zeigen, was es heißt, wenn man sich gegen mich stellt. Ich bin der Schatten. Ich bin die Kälte. Ich bin das Gedächtnis seiner schlimmsten Tage. Ich werde Phase Drei vollenden. Allein.“ Ihre Stimme hallte leise nach. Dann ging sie zu einem Schrank. Holte einen medizinischen Koffer hervor. Und eine Perücke. Danach einen weißgrauen Kittel. Und ein Namensschild, auf dem stand: Dr. Reinhild S. – Uniklinik Mainz, Psychologische Intervention Die Vorbereitungen waren abgeschlossen. Der Morgen war vorbei. Der Tag begann. Und mit ihm die letzte, gefährlichste Phase. 76. Tag – 06. August 2025 – Vormittag „Der Beginn des Finalakts“ Die Sonne stand inzwischen hell am Himmel über Mainz. Der junge Mann war gemeinsam mit einem der Spieler, Kylian Mbappé, zum kleinen Kiosk an der Ecke gegangen – der, bei dem es die besonderen Karamellbonbons gab, die Felix so mochte. Es war ein Moment der Normalität, ein kurzer Ausbruch aus der Kette der letzten, belastenden Tage. „Ich hol die Getränke, du kannst ja schon mal gucken, ob die deine Lieblingschips haben“, schlug Mbappé grinsend vor.

Felix nickte, sein Arm war noch immer etwas steif, aber sein Lächeln war wieder da. Kurz fühlte sich alles fast wie früher an. Mit zwei Flaschen Apfelschorle, einem Bier für später und einer kleinen Tüte Bonbons traten sie wieder auf den Bürgersteig, bereit zurück nach Hause zu gehen, wo die anderen Spieler auf sie warteten. Doch dann… Ein schwarzer Transporter – matt lackiert, ohne sichtbare Werbung, ohne Kennzeichen – bremste mit quietschenden Reifen nur wenige Meter vor ihnen. Die Tür flog auf. „Rein! Jetzt!“ brüllte eine Stimme, tief, kalt, bedrohlich. Felix’ Herz setzte aus. Sie stand da. Die alte Dame. Nicht mehr in schäbiger Kleidung, sondern in einem hellgrauen Kittel, das Gesicht unter einer chirurgischen Maske verborgen, die Augen wild, aber zielgerichtet. Hinter ihr zwei große Männer in schwarzen Jacken – nicht von der Polizei, nicht vom Krankenhaus – Fremde. Mbappé wollte reagieren, schubste Felix zurück, griff in seine Jacke, wo er das Ersatzhandy hatte – doch der eine Mann packte ihn, schlug das Handy aus seiner Hand und drückte ihn mit Gewalt gegen die Wand des Kiosks. „NEIN!“ rief Felix. Doch er wurde gepackt, die Tasche riss von seiner Schulter, Bonbons fielen auf den Boden, rollten klirrend über das Pflaster. Noch während sie Felix in den Wagen zerrten, tauchten plötzlich Ronaldo, Messi und Neymar auf, die in der Nähe gewartet hatten, misstrauisch geworden waren, weil Mbappés Anruf ausblieb. Sie rannten – doch zu spät. Auch sie wurden überrascht, überrumpelt, niedergeschlagen und in den Wagen gestoßen. Die Schiebetür des Transporters fiel mit einem metallischen Klonk ins Schloss. Verriegelt. Innen war es dunkel. Kein Fenster. Nur ein schwaches rotes Licht. Die Spieler hoben sich gegenseitig auf. Felix atmete stoßweise, sein Herz raste, er war voller Panik. „Was… was will sie?! Was tut sie?!“ rief er. Dann sprach sie. Ihre Stimme kam von vorne, über ein altes Lautsprechersystem. Eiskalt. „Willkommen in der letzten Phase, Felix. Ich habe gewartet, gelitten, geplant. Aber jetzt... wird Gerechtigkeit gesprochen. Für mich. Für all jene, die du unbewusst vergessen hast.“ „Ich hab niemandem was getan!“ rief Felix verzweifelt. „Nein?“ Die Stimme lachte leise. „Du hast überlebt. Du hast Liebe erfahren. Du hast Hilfe bekommen. Das war dein Verbrechen.“ Die Spieler versuchten gegen die Tür zu treten, doch der Wagen fuhr bereits los – mit hoher Geschwindigkeit. Wohin – wusste keiner. Felix’ Augen wurden feucht. „Ich will nur, dass es aufhört“, flüsterte er. Ronaldo legte ihm die Hand auf die Schulter. „Wir sind bei dir. Immer.“ Währenddessen: In der Wohnung klingelte das Telefon. Die Mutter von Felix hob ab. „Hallo? Wer ist da?“ „Hier ist Polizeiinspektion Mainz. Wir haben ein Notsignal vom Ersatzgerät ihres Sohnes empfangen.

Es wurde zerstört. In unmittelbarer Nähe des Kiosks. Ist Ihr Sohn bei Ihnen?“ „…Nein.“ Die Mutter ließ das Telefon fallen. Ihr Körper wurde kalt. Sie wusste: Etwas Furchtbares war passiert. Und sie wusste: Diesmal ging es nicht mehr nur um Angst. Diesmal ging es ums Überleben. 76. Tag – 06. August 2025 – Nachmittag „Der Keller des Schmerzes“ Der Transporter fuhr schnell. Zu schnell. Die dunklen Straßen unter Mainz schienen sich zu biegen, je weiter sie sich von allem Bekannten entfernten. Der Innenraum war stickig, die Luft roch nach Öl und Gummi. Felix saß zwischen den vier Spielern, die durch ein unbekanntes Mittel, das ihnen wohl beim Überwältigen injiziert wurde, benommen, matt und kaum ansprechbar wirkten. Ihre Körper zuckten gelegentlich, als versuchten sie sich zu bewegen – doch ihre Muskeln gehorchten ihnen nicht. Felix’ Herz schlug schneller mit jedem Kilometer. Er konnte nicht mehr weinen. Es war, als hätte sein Körper die Kraft dazu verloren. Er hatte Angst – eine Angst, die nicht wie ein kalter Schatten war, sondern wie eine schwere, dunkle Flut, die ihn ganz langsam von innen ertränkte. Dann: der Transporter stoppte. Mit einem metallischen Knacken wurde die Tür geöffnet. Zwei maskierte Gestalten – nicht die alte Dame – zerrten Felix grob hinaus. Sie trugen ihn, während er sich wehrte, schlug, trat – aber er war körperlich zu schwach. Durch einen Hintereingang wurden sie in ein altes, bröckelndes Gebäude gebracht – einst wohl ein Lagerhaus, jetzt verfallen, düster, vergessen. Dann ging es eine steile Treppe hinab – aus Stein, feucht, modrig. Tiefe. Und dann war da dieser Raum. Der Keller. Die Wände waren aus rohem Beton, kalt, mit rostigen Rohren durchzogen. An der Decke hing eine alte Lampe, die nur flackerndes Licht von sich gab. In der Ecke stand ein Stuhl. Davor ein Tisch – mit Werkzeugen. Auf einem anderen Tisch: ein Laptop, ein Bildschirm, Kopfhörer, und… die VR-Brille. Die Männer fesselten Felix brutal an den Stuhl. Seine verletzte Hand wurde grob in Ketten gelegt – er schrie kurz auf. Dann verließen sie wortlos den Raum. Die Tür wurde abgeschlossen. Stille. Doch nicht lange. Die alte Dame erschien. Sie trat langsam aus der Dunkelheit der anderen Seite, mit einem schiefen, kalten Lächeln. In der Hand: ein Notizbuch mit Aufzeichnungen. „Du erinnerst dich an mich, nicht wahr, Felix?“, fragte sie mit weicher Stimme. „Ich… Ich weiß nicht…“ flüsterte Felix zitternd. „Bitte lassen Sie mich gehen…“ „Du hast mich vergessen. Du hast das alles vergessen. Du bist durchgekommen. Andere nicht.“ Sie trat näher, starrte ihm direkt in die Augen. „Du hast eine Mutter, einen Vater, Freunde,

sogar vier Helden… Und ich? Ich hatte nur das hier…“ – sie deutete auf den Keller. „Dunkelheit. Alleinsein. Und Schmerz.“ Dann begann sie, ihm durch gezielte Fragen seine größten inneren Ängste einzureden. „Was, wenn deine Freunde dich nur aus Mitleid lieben?“ „Was, wenn deine Eltern dich erneut verstoßen?“ „Was, wenn du niemals gesund wirst?“ Jede Frage ein Stich. Jeder Satz eine Wunde. Felix versuchte wegzusehen, versuchte sich auf die Spieler zu konzentrieren, auf die Erlebnisse, auf seinen Freund im Rollstuhl, auf die Katze… Aber es war schwer. Dann begann sie damit, kaltes Wasser über seinen Kopf zu kippen. Immer wieder. Sie legte die VR-Brille auf den Tisch – er wusste, was kommen würde. „Noch nicht“, sagte sie. „Zuerst… muss ich dich brechen. Dann… kommt der Rest.“ In diesem Moment bewegte sich draußen etwas. Ganz leise. Oben, weit entfernt von Felix, lagen Messi, Neymar, Ronaldo und Mbappé in einem weiteren Raum – auf kaltem Boden, mit Seilen gefesselt. Langsam begannen sich ihre Körper zu regen. Noch schwach. Aber sie lebten. Und tief in ihren Herzen wussten sie: Sie würden ihren Freund nicht hier unten lassen. Doch sie mussten sich beeilen. Denn Felix war allein. Und das Monster stand vor ihm. 76. Tag – 06. August 2025 – Später Nachmittag „Die allerletzte Sekunde“ Der dumpfe Hall der Schritte hallte durch die modrigen Gänge des Kellers. Messi, Ronaldo, Neymar und Mbappé bewegten sich langsam, jeder Schritt ein Kraftakt – das lähmende Gift, das sie gelähmt hatte, war endlich aus ihren Körpern entwichen. Jeder einzelne hatte eine Wunde: Prellungen, Schürfungen, Schwindel. Doch ihre Blicke waren klar. Ihre Zielstrebigkeit war ungebrochen. Felix musste gerettet werden. Sie bewegten sich durch die Gänge, hörten aus der Tiefe Schreie – Felix. „Er ist dort!“ rief Neymar keuchend, stützte sich kurz an der Wand ab. Messi ging voran. Doch in dem Moment, in dem sie die Tür zum Kellerraum aufstießen, passierte es: Die alte Dame war vorbereitet. Mit einer überraschenden Geschwindigkeit und Präzision, die niemand ihrem Alter zugetraut hätte, griff sie nach einem metallenen Gegenstand auf dem Tisch – einem kurzen, spitzen Hebel – und rammte ihn mit voller Kraft gegen die Kehle von Messi, als dieser durch die Tür trat. Ein gurgelndes Geräusch. Messi sackte zu Boden, rang nach Luft, die Kehle halb eingedrückt, seine Augen weit aufgerissen. Ronaldo schrie auf. Felix kreischte panisch, gefesselt auf dem Stuhl.

Neymar und Mbappé stürmten nach vorn – doch da – Ein schriller Ton. Ein blinkendes Licht an Felix' Armbanduhr – es war der Notfall-Mechanismus, den seine Mutter und er vor Wochen bei der Polizei registrieren ließen, als Sicherheit. Nur wenn sein Puls schlagartig stieg und er über 3 Minuten keinen Knopf drückte, wurde ein stiller Alarm ausgelöst. Und jetzt – kam die Polizei. Die Tür krachte auf. SEK-Einheit. Voll ausgerüstet. Waffen gezückt. „RUNTER AUF DEN BODEN! HÄNDE HOCH!“ Rotpunktlaser flackerten an den Wänden. Die alte Dame wich zurück, ließ den Metallgegenstand fallen, hob langsam die Hände. Doch ihr Blick blieb kalt. Ungebrochen. Berechnend. Messi, röchelnd am Boden, rang nach Luft – ein Beamter kniete sich neben ihn, reichte schnell eine Sauerstoffmaske. „Wir haben ihn. Es war… in der letzten Millisekunde“, murmelte ein Sanitäter fassungslos. „Er war fast erstickt.“ Felix weinte. Doch diesmal nicht aus Angst. Sondern aus Erleichterung. Die Fesseln wurden durchtrennt, er wurde in eine Decke gehüllt. Er schaute zu Messi, der blass war, aber lebte. Er lächelte schwach. „Du bist… gerettet“, flüsterte Felix. Die alte Dame wurde umzingelt, doch sie grinste nur. „Ich hab noch nichts verloren“, sagte sie leise, fast spöttisch. „Eure Rettung heute war… nur ein Aufschub. Ich bin nicht allein. Und das hier… war nicht mein letzter Plan.“ Ein Polizist zögerte. „Wir haben keine Beweise genug für den Mordversuch. Nicht hier, nicht jetzt. Sie hat keine Waffe in der Hand gehabt, und wir brauchen mehr. Nur vorläufiger Gewahrsam…“ Felix sah sie an. „Bitte… lassen Sie sie nicht gehen… bitte…“ Doch die Gesetzgebung war klar. Nur mit einem Haftbefehl oder akuter Bedrohungslage konnte sie festgehalten werden. Ein Ermittlungsrichter wurde kontaktiert – doch bis dahin wurde sie nur unter Überwachung in eine geschlossene Einheit gebracht. Noch nicht verhaftet. Noch nicht gestoppt. Aber: Ihr Netzwerk war geschwächt. Ihr Überraschungseffekt vorbei. Und Felix? Er saß nun am Rand des Kellers, eingehüllt in eine Decke, neben ihm Messi – gerettet, schwer atmend. Die anderen Spieler kamen dazu, setzten sich zu ihm. Keiner sagte ein Wort. Aber alle wussten:

Der Krieg war nicht vorbei. Doch heute – hatte das Gute überlebt. 76. Tag – 06. August 2025 – Später Abend „Der Moment der Wahrheit“ Der Keller war nun voller Polizei – Bewaffnete Beamte sicherten den Tatort, Rettungskräfte behandelten Messi, der durch das brutale Eindrücken seiner Kehle nur knapp dem Erstickungstod entgangen war. Felix saß erschöpft auf einer Trage, in eine goldene Decke gehüllt, zitternd. Der Tag hatte ihn physisch und seelisch zerschlagen. Doch dann… passierte das Unfassbare. Die alte Dame, scheinbar ruhig und kontrolliert unter der Aufsicht zweier junger Beamten, bewegte ihren linken Arm leicht, wie zufällig. Ein Knacken. Ein kleiner, metallener Gegenstand, eingearbeitet in ihren Ärmel. Blitzschnell entriegelte sie ihn – und aus dem Ärmel schoss ein scharf geschliffener Spieß hervor, kaum größer als ein Bleistift, aber tödlich. Zwei Bewegungen. Zwei Schreie. Die beiden Beamten fielen – einer röchelnd mit einem Stich ins Genick, der andere mit klaffender Wunde im Hals. Blut spritzte. Chaos brach aus. Dann stürzte sie los – direkt auf Messi. Messi, immer noch geschwächt, konnte kaum reagieren. Sie warf sich auf ihn, und drückte ihm wieder die Kehle zu, diesmal mit all ihrer Kraft, voller Wut, voller Hass. „DU HAST ES VERDIENT!“, kreischte sie. „ALLES! DU UND DIESER JUNGE! DER BRUNNEN WAR VOLL! IHR HABT IHN ÜBERLAUFEN LASSEN!“ Die Beamten riefen durcheinander, doch wagten in dem Moment keinen Schuss. Doch dann – ein Schlag. Ein Lichtbogen. Ein verdeckter Beamter, der sich mit Zivilkleidung unter die Rettungskräfte gemischt hatte, warf sich nach vorn und feuerte einen Taser direkt auf die alte Dame. Ein gellender Schrei – ihr Körper verkrampfte, zuckte – sie sackte zu Boden. Lebendig, aber bewusstlos. Sofort wurde sie von drei Beamten überwältigt und gefesselt – Hände, Füße, zusätzlich Gurte. „Diesmal nicht“, sagte einer der Polizisten mit harter Stimme. „Diesmal bleibst du, wo du bist.“ Später – in der Polizeiklinik Als die alte Dame wieder zu sich kam, war sie festgeschnallt an ein Krankenbett. Zwei schwer gepanzerte Polizisten standen an der Tür, ein Arzt überprüfte gerade ihre Werte. Sie war ruhig. Zu ruhig. Ihr Blick glitt über die Decke, dann an die Wand. Sie lächelte kalt. „Er hat es verdient“, murmelte sie. „Dieser Junge. Er hat alles bekommen. Und ich? Ich wurde vergessen… Ich war eine Heldin… einst… Jetzt kennt mich keiner mehr. Aber er wird mich nie vergessen… Denn ich… bin das, was ihn zerbrechen wird.“

Der Arzt notierte das. „Wahnhaft, fixierte Feindbilder, narzisstisch destruktive Struktur mit ideologischer Selbsterhöhung“, murmelte er leise. Doch der Beamte neben ihm sagte nur: „Ist egal, wie sie’s nennt. Jetzt ist sie genau da, wo sie hingehört.“ Felix wusste davon noch nichts. Er war mit seinen vier Freunden auf dem Heimweg. Die Nacht war still. Aber diesmal… wirklich sicher. Zumindest für diesen einen Moment. 76. Tag – 06. August 2025 – Später Abend / Frühe Nacht „Die Gerechtigkeit beginnt“ Die Sirenen waren längst verklungen. Der Notfall war beendet. Doch in der Zentrale der Mainzer Polizei herrschte keine Ruhe – sondern höchste Betriebsamkeit. In einem der abhörsicheren Besprechungsräume saßen zwei ranghohe Ermittler vor einem Bildschirm, auf dem ein Lagebericht eingeblendet wurde. Dazu sprach eine Stimme aus dem Funkgerät, klar und direkt: „Bestätigung: Alle vermissten Personen wurden gefunden und sind außer Lebensgefahr. Der junge Mann sowie die vier Spieler wurden stabilisiert und versorgt. Die Angreiferin – die sogenannte ‚alte Dame‘ – befindet sich in medizinischer Verwahrung unter Höchstbewachung. Es besteht kein akuter Gefahrenstand mehr.“ Ein Moment der Stille folgte. Dann erhob sich Hauptkommissar Bremer, ein erfahrener Mann mit grau meliertem Haar, und wandte sich an den Staatsanwalt, der gerade eingetroffen war. „Wir haben alles, was wir brauchen. Videoaufzeichnungen. Zeugenaussagen. Die SlacklineBeweise. Den VR-Brillen-Missbrauch. Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Mordversuch. Der Fall ist umfangreich – aber lückenlos.“ Der Staatsanwalt nickte entschlossen. „Dann verlieren wir keine Zeit. Noch heute Abend beantrage ich beim Amtsgericht eine EilVerhandlung zur Sicherstellung der Haft und Klärung der dringendsten Umstände. Die Opfer sind belastbar genug für die ersten Aussagen. Wir fangen an. Jetzt.“ 76. Tag – Späte Nacht – Gerichtsgebäude Mainz Das Gebäude war hell beleuchtet. Polizeifahrzeuge standen davor, Scheinwerfer tauchten den Vorplatz in kaltes Licht. Felix saß mit einer Decke über den Schultern im Wartebereich eines Raums im Erdgeschoss, begleitet von Messi. Neymar, Ronaldo und Suárez waren ebenfalls dort – sie hatten sich kurz frisch gemacht, waren aber sichtlich mitgenommen. „Ich hätte nie gedacht, dass wir mal mitten in einer Gerichtsverhandlung stehen“, murmelte Ronaldo leise. „Und nicht wegen uns“, fügte Suárez mit einem schiefen Grinsen hinzu. Felix hingegen sagte nichts. Er starrte auf den Boden, seine Gedanken kreisten – um die Angriffe, um den Schmerz, um das, was noch kommen würde.

Ein Justizbeamter kam auf sie zu. „Felix Zimmermann?“ Felix sah auf. „Bitte mitkommen. Die Anhörung beginnt.“ Gerichtssaal – Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit Der Raum war kleiner als gewöhnlich – aber hochmodern. Zwei Richter, ein Protokollführer, der Staatsanwalt, zwei Beamte mit Schutzwesten. Felix wurde gebeten, auf einem gepolsterten Stuhl Platz zu nehmen. Neben ihm – Messi. Die anderen Spieler folgten später. „Herr Zimmermann, Sie sind heute nicht als Angeklagter hier“, begann die Richterin mit ruhiger Stimme, „sondern als Hauptzeuge in einem Verfahren, das uns alle erschüttert hat.“ Felix nickte stumm. Dann begann die Befragung – sachlich, präzise, aber verständnisvoll. Felix berichtete, so gut er konnte. Von der Slackline. Von den Verletzungen. Von der Brille. Von den Angriffen. Und von der letzten, lebensgefährlichen Szene im Keller. Seine Stimme stockte oft. Doch Messi war da. Legte eine Hand auf seine Schulter, jedes Mal, wenn es ihm zu viel wurde. Später – Aussage der Spieler Die vier Weltstars traten nacheinander vor. Jeder mit seiner Perspektive. Messi schilderte die letzten Minuten im Keller. Ronaldo sprach von der Stimmung während der Entführung. Neymar und Suárez bestätigten die Gewalt, die Manipulation, die wachsende Bedrohung. Der Staatsanwalt machte klare Worte: „Was wir hier sehen, ist ein systematischer psychischer und physischer Terror gegen einen jungen, vulnerablen Menschen. Es handelt sich um eine Mischung aus fanatischer Kontrolle, sadistischer Ausübung von Macht und einem zutiefst persönlichen Hass gegen das Leben dieses jungen Mannes.“ Die Richterin machte sich Notizen. Dann sagte sie kühl: „Die Hauptverhandlung zur Anklage wird kommende Woche beginnen. Aber so viel kann ich jetzt schon sagen: Für eine derart grausame Planung wird es keinen Spielraum für Milde geben.“ Später in der Nacht – vor dem Gerichtsgebäude Felix trat mit Messi an seiner Seite nach draußen. Die Nacht war kühl, aber klar. Der Himmel über Mainz war voller Sterne. „Es ist noch nicht vorbei, oder?“, fragte Felix leise. Messi atmete tief durch. „Nein. Aber du bist jetzt nicht mehr allein. Und das hier – war der erste Schritt in Richtung Frieden.“ Felix nickte.

Ein neuer Tag würde bald anbrechen. Vielleicht… ein besserer. 76. Tag – Später Abend, gegen 22:45 Uhr – Fortsetzung der Eilverhandlung im Amtsgericht Mainz „Die Urteile des Schmerzes“ Nach einer kurzen Pause wurde die Sitzung fortgesetzt. Die Luft im Gerichtssaal war inzwischen schwer. Die Richterin hatte sich für eine ungewöhnliche Maßnahme entschieden: Noch in derselben Nacht sollten die vorläufigen Urteile über zwei der überlebenden Mittäter gefällt werden. Die alte Dame, die Hauptverantwortliche, lag weiterhin im Bewachungsbereich der Klinik und war für diesen Abend nicht verhandlungsfähig – ihre Akte wurde zurückgestellt für ein gesondertes Verfahren vor dem Landgericht. Aber die vermeintliche Mutter sowie der unbekannte Mann, der Felix mit Gewalt in den Keller geschleppt hatte und bei seiner Verhaftung versucht hatte, sich mit zehn ChloroformTabletten das Leben zu nehmen – sie beide waren stabil genug für den Gerichtssaal. 23:00 Uhr – Die beiden Angeklagten werden hereingeführt Felix hob automatisch den Kopf, als die Tür geöffnet wurde. Zwei schwer bewachte Häftlinge wurden hereingeführt. Beide trugen Handschellen und waren von Beamten in Schutzkleidung flankiert. Die „vermeintliche Mutter“ sah erschöpft aus – aber klar im Blick. Der unbekannte Mann war bleich, hatte Augenringe, und zitterte. Die Wirkung der Substanzen, die er geschluckt hatte, war noch nicht ganz abgeklungen. Ein Arzt war anwesend, bereit im Notfall einzugreifen. Die Richterin sprach ruhig, aber eiskalt. „Im Namen des Volkes beginnt nun die zweite Phase der heutigen Anhörung. Es geht um zwei Personen, die aktiv an den Handlungen gegen Felix Zimmermann beteiligt waren. Wir haben ausführliche Aussagen, Videoaufnahmen, Beweismaterial und Gutachten.“ Die Anklage Der Staatsanwalt erhob sich: „Die Beweislage ist erdrückend. Die Angeklagte – Vorname Lena – hat aktiv an der psychologischen Manipulation eines verletzlichen jungen Mannes teilgenommen. Sie hat ihm Medikamente vorenthalten, Informationen weitergegeben, und war unmittelbar beteiligt an der Entwicklung der sogenannten ‚VR-Brille‘, die das Opfer emotional brechen sollte. Trotz mehrerer Möglichkeiten, auszusteigen, blieb sie aktiv, bis sie selbst unter Druck gesetzt wurde. Der zweite Angeklagte – Name nicht öffentlich genannt – war verantwortlich für körperliche Gewalt, für die Entführung, das Fesseln und den Versuch einer Hinrichtung mit Waffengewalt. Er ist ein gefährlicher Mann mit Vergangenheit in verschiedenen Netzwerken extremistischer Ideologien, was durch sein Verhalten bei der Festnahme bestätigt wurde.“ Die Verteidigung Ein Pflichtverteidiger sprach für Lena. Sie habe zwar mitgewirkt, aber immer aus Angst um ihr Kind gehandelt. Die Drohungen der alten Dame seien real gewesen. Sie habe sich nicht getraut, zur Polizei zu gehen, weil sie wusste, dass die Organisation groß und gefährlich sei.

Für den unbekannten Mann gab es keine Verteidigung mehr. Er verweigerte die Aussage, schaute nur leer ins Leere. 23:50 Uhr – Die Urteile Die Richterin erhob sich. Ihre Stimme war ruhig – aber schneidend wie Eis. „Im Fall Lena B., ehemals Mutter eines Kindes, das sie als Schutzschild für ihre Beteiligung an grausamen Verbrechen benutzt hat, sprechen wir ein Urteil aus: Zwei Jahre auf Bewährung, unter der strengen Auflage psychologischer Betreuung, Kinderschutzüberwachung und einer Fußfessel mit Bewegungsradius. Sie wird unter täglicher Aufsicht stehen – jede Abweichung bedeutet sofortige Inhaftierung.“ Ein Raunen ging durch den Saal. Felix schaute überrascht. Messi legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. „Besser so“, flüsterte er. „Sie war nicht wie die anderen.“ Dann richtete sich der Blick der Richterin auf den unbekannten Mann. „Sie hingegen… Sie sind ein akutes Risiko. Sie haben nicht nur geplant, sondern mit voller Absicht und Gewalt gehandelt. Sie sind verantwortlich für die schwerste Eskalation in dieser ganzen Kette der Ereignisse. Das Urteil lautet: Untersuchungshaft bis zum Beginn der Hauptverhandlung wegen schwerer Freiheitsberaubung, versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, Verstoß gegen das Waffengesetz und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit Todesfolge. Es wird keine Milde geben. Sie werden in ein gesichertes Hochsicherheitsgefängnis gebracht.“ 00:15 Uhr – Verhandlung unterbrochen Die Richterin schloss die Sitzung für den Abend. „Die weiteren Verfahren werden in den kommenden Tagen in geordneter Weise fortgeführt. Für heute… wurde der erste Schritt getan.“ Felix war erschöpft. Er sah, wie die beiden Verurteilten abgeführt wurden. Lena sah ihm ein letztes Mal in die Augen – mit einem Ausdruck, der irgendwo zwischen Reue, Angst und stillem Dank lag. Der unbekannte Mann wurde in einen Spezialtransporter gezwungen. Draußen war es dunkel. Doch irgendwo… war ein Licht. Ein Licht der Gerechtigkeit, das zu flackern begonnen hatte. 76. Tag – Späte Nacht, 01:15 Uhr – Die Stimme der Menschlichkeit Der Sitzungssaal war inzwischen fast leer. Nur noch wenige Personen hielten sich im Gericht auf. Felix saß mit einem Becher Wasser auf der Bank nahe der Wand, die vier Spieler dicht bei ihm. Seine Hand, die noch nicht vollständig verheilt war, lag auf seinem Schoß – verbunden, aber nicht mehr blutend. Die Luft war still, doch in seinem Kopf tobte ein Gewitter aus Erinnerungen, Angst, Schmerz… und Mitleid. Er sah die Mutter, Lena, vor seinem inneren Auge. Ihre zitternden Hände. Die Unsicherheit in ihren Augen. Und dann erinnerte er sich an die Momente in der Klinik, als sie ihm zwar geschadet hatte – aber auch zögerte. Und an jenen Satz, den sie gesprochen hatte, leise, aber mit Überzeugung: „Ich werde ihn nicht vergiften.“ Felix atmete tief durch, stand auf, ging zu einem der Beamten. „Ich… möchte noch was sagen.“

Der Beamte zögerte, rief aber die Richterin zurück, die gerade das Gebäude verlassen wollte. Sie drehte sich überrascht um. 01:25 Uhr – Der letzte Antrag des Tages Felix stand nun allein vor dem Richterpult. Die vier Spieler, seine Eltern und ein Staatsanwalt waren ebenfalls zurückgekehrt. „Ich weiß, was sie getan hat war falsch. Sie hat mir wehgetan… seelisch und körperlich. Aber sie hatte Angst. Nicht vor mir – sondern vor dieser alten Frau. Ich habe gesehen, dass sie Mitleid hatte. Ich glaube, sie wollte aussteigen. Sie war nicht diejenige, die mich mit Waffen bedroht hat. Sie hat mir nie wehgetan, wie es die anderen getan haben.“ Er stockte. „Ich… wünsche mir nicht, dass sie einfach frei herumläuft. Aber ich wünsche mir, dass man ihr hilft. Nicht aus Rache – sondern aus Menschlichkeit. Gibt ihr eine Fußfessel. Beobachtet sie. Aber gebt ihr auch eine Therapie. Denn nur dann kann das Ganze irgendwann wirklich aufhören.“ Ein Moment der völligen Stille lag über dem Raum. Dann nickte die Richterin – langsam, nachdenklich. „Ihre Worte werden dokumentiert und als ausdrücklicher Antrag des Opfers berücksichtigt. Dies ist kein gewöhnlicher Fall. Ihre Reife verdient Respekt.“ 02:00 Uhr – Die Neuverhandlung von Lena B. Noch in derselben Nacht wurde Lenas Urteil revidiert. Mit einstimmiger Zustimmung von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und unter Aufsicht des Opfers Felix Zimmermann wurde beschlossen: • Lena B. erhält keine Haftstrafe. • Stattdessen wird sie unter dauerhafte Aufsicht gestellt, • trägt eine elektronische Fußfessel, • wird zweimal wöchentlich eine traumasensible Psychotherapie besuchen, • darf sich Felix nicht nähern, • und wird für die nächsten 5 Jahre staatlich überwacht. Felix spürte, wie eine schwere Last von seinen Schultern fiel. Er hatte nicht nur für sich selbst gesprochen. Sondern für Menschlichkeit – trotz allem. In den folgenden Tagen: Die Verhöre gegen Mitglieder der Organisation der alten Dame liefen auf Hochtouren. Computer, Mobiltelefone, Unterlagen wurden sichergestellt. Ehemalige Informanten, kleine Helfer, Geldgeber und sogar Sicherheitsleute, die in Teilen involviert waren, wurden vorgeladen. Jeder, der jemals für oder mit der alten Dame gearbeitet hatte, wurde befragt. Und für die alte Dame selbst, die Anführerin, Täterin, Strippenzieherin… …wurde lebenslange Haft unter besonders schwerer Schuld beantragt. Sie hatte alles orchestriert: – Den Angriff im Krankenhaus. – Die Slackline-Manipulation. – Die Entführung. – Die Manipulation der VR-Brille. – Und die Gewalt gegen Polizisten, die ihr das Leben retteten – und sie dennoch nicht stoppen konnten.

Und Felix? Er stand jetzt am Beginn eines neuen Kapitels. Nicht frei von Narben – aber auch nicht gefesselt von Rache. Er hatte gesprochen. Er hatte überlebt. Und das Schicksal hatte ihn geprüft – und gestärkt. 76. Tag – Später Morgen nach der Gerichtsverhandlung, 06.08.2025 Das Gericht war längst verlassen, die Sonne hatte ihren höchsten Punkt schon überschritten, doch in Felix’ Brust wirkte der Sturm der Ereignisse noch immer nach. Die letzten Tage – nein, Wochen – hatten ihn an die Grenzen seiner Kraft gebracht. Doch nun saß er wieder in der kleinen Küche seiner Eltern, die Hand verbunden, der Tee dampfend vor ihm. Neben ihm saßen die vier Spieler – Ronaldo, Messi, Neymar und Suárez – erschöpft, aber wachsam. Messi legte den Kopf schräg. „Wir müssen etwas mit dir besprechen.“ Felix sah ihn an. „Was ist los?“ „Wegen dem Angriff… im Keller, von dieser alten Dame. Wir haben auch was abbekommen – nicht nur innerlich“, sagte Suárez ernst. Neymar hob das Shirt leicht und zeigte einen dunklen Bluterguss von dem Moment, in dem sie eingesperrt waren. „Es geht, aber wir müssen das kontrollieren lassen. Nicht hier.“ „Ihr geht…?“, fragte Felix leise. Ronaldo legte ihm die Hand auf die Schulter. „Wir müssen kurz weg. Die Welt darf nicht merken, dass wir hier waren. Wir haben zu viel riskiert, zu viel gesehen.“ Felix’ Herz zog sich zusammen. „Aber…“ Messi beugte sich zu ihm. „Wir kommen zurück. Ich verspreche es dir.“ Felix versuchte zu lächeln. Ein Teil in ihm wusste, dass es notwendig war – doch ein anderer Teil fühlte sich plötzlich wieder sehr allein. So wie früher. Doch diesmal hatte er Erinnerungen. An Spiele. An Gespräche. An Lachen. „Wann…?“, fragte er leise. „Wenn die Zeit reif ist“, sagte Neymar und stand auf. „Aber nicht für immer. Du bist unser Bruder geworden.“ Sie verabschiedeten sich mit festen Umarmungen. Und dann verließen sie das Haus – lautlos, wie sie gekommen waren. Späte Nacht, ca. 03:00 Uhr Felix lag im Bett. Die Straßenlaterne warf matte Lichtstreifen durch das Fenster. Es war still. Kein Wimmern mehr aus einem Nachbarzimmer, kein Tropfen mehr aus einer Infusion. Er zog seine Decke bis unter das Kinn. Die Kälte des Alleinseins kroch in ihm hoch. Doch sie fühlte sich nicht mehr erdrückend an. Er dachte an die Katze. An seine Tante. An das Konzert mit seinem Freund im Rollstuhl. An den Slackline-Sturz – und an seinen Mut, dennoch zur Bank zu gehen. Und an die vier Spieler. Seine Freunde. Dann, endlich… schloss er die Augen. Zum ersten Mal seit Wochen… friedlich. Was niemand ahnte… In einem abgedunkelten Raum, weit entfernt, saß eine einzelne Person vor einem alten Laptop. Die Wände waren mit Fotos tapeziert – nicht willkürlich, sondern geordnet: Bilder von Felix. Alte Zeitungsartikel. Krankenhausberichte. Gerichtsdokumente. Und mittendrin: Ein unauffälliges Schwarz-Weiß-Foto der alten Dame – durchgestrichen.

„Sie dachten, es ist vorbei“, flüsterte die Stimme leise. „Aber die Wahrheit… wurde ihm nie erzählt. Und ich bin der Einzige, der sie kennt.“ Ein Knopfdruck. Eine Datei öffnete sich mit dem Titel: "Projekt: Schattenakte – Was Felix nie erfahren durfte." Doch der Unbekannte wusste: Es war noch zu früh. Die Wunden waren noch frisch. Felix musste erst glauben, dass alles gut war. Dass alles vorbei war… Er würde warten. Die Wahrheit hatte Geduld. Doch wenn sie kam… würde sie alles verändern.